Auf den Erlaß vom 12. d. M.[116]

Monsignore Dolci bestätigt, daß Halil Bey, der Minister des

Auswärtigen, ihm seinerzeit in Aussicht gestellt habe, daß die

Verfolgung der katholischen Armenier eingestellt und den Deportierten

die Rückkehr in ihre Heimat gestattet werden sollte, aber diese Zusage,

die übrigens in keiner bindenden Form erfolgte, ist nicht erfüllt

worden, wenigstens soweit es sich um die Rückkehr der Verschickten

handelt. Wenn seitdem von weiteren Verfolgungen gar nichts mehr

verlautet ist, so hat das seinen Grund darin, daß die Austreibung

der Armenier in der Hauptsache beendet ist. Ein weiterer Schritt

des apostolischen Delegaten, um die Wiedereröffnung der gesperrten

katholischen Kirchen und die Rückkehr der verbannten Geistlichen in

ihre Diözesen zu erlangen, wurde auf der Pforte als „Einmischung in die

inneren Angelegenheiten der Türkei“ aufgefaßt und hatte keinen Erfolg,

außer etwa, daß der Bischof von Kaisarijeh (Caesarea) nachträglich nach

Aleppo verschleppt wurde.

Ferner ist zu bemerken, daß die Zahl der Armenier, die der Verschickung

entgangen sind, geringer ist, als Herr Dr. Straubinger annimmt. In der

europäischen Türkei dürften, nachdem die armenische Bevölkerung der

größeren Städte und Ortschaften im Innern in den letzten Monaten nach

Anatolien übergeführt worden ist, nur spärliche Reste verblieben seien.

Was die Fürsorge für die in den Konzentrationslagern in Anatolien (z.

B. in Eskischehir, Konia, Eregli, Aleppo) und sonst angesammelten

Armenier betrifft, so halte ich die Anregung des Dr. Straubinger für

unausführbar, da die Pforte jeder Hilfeleistung von auswärts und sogar

von seiten der beteiligten Patriarchate die größten Schwierigkeiten

in den Weg legt. Eine solche Aktion würde voraussichtlich das Zeichen

dazu geben, daß die Pforte diejenigen Armenier, die durch Zufall oder

infolge Duldung seitens der Lokalbehörden in Anatolien verblieben sind,

nach Mesopotamien oder Syrien abschiebt.

Ebenso halte ich es für ausgeschlossen, daß die Verschickten je wieder

in den Besitz ihres von der Regierung beschlagnahmten Eigentums

gelangen. In einem Spezialfalle wurde auf dem Ministerium des Innern

erklärt: Die Rückkehr der betreffenden Individuen in ihre Heimat sei

unzulässig, weil sie dort ihr Eigentum nicht mehr vorfänden, von dem

inzwischen die Liquidationskommission Besitz ergriffen habe.

Metternich.

Seiner Exzellenz dem Reichskanzler

Herrn von Bethmann Hollweg.

220.

Kaiserlich

Deutsche Botschaft. Pera, den 31. Dezember 1915.

Notiz.

Amerikanischer Botschafter sagte mir heute, daß 4000 protestantische

und katholische Armenier in Aintab bedroht seien und die

Abtransportierungen begonnen hätten. Wer nicht Muslim werde,

werde verschickt. Talaat Bey habe ihm seinerzeit versprochen, die

Protestanten und Katholiken in Ruhe zu lassen. Mir ebenfalls.

Metternich.

221.

(Kaiserlich

Deutsche Botschaft.)

Telegramm.

Konstantinopel, den 31. Dezember 1915.

An Deutsches Konsulat, Aleppo.

Vertreibung von Protestanten und Katholiken von Aintab steht angeblich

bevor oder hat begonnen. Erbitte Drahtbericht.

Metternich.

Deutschland und Armenien, 1914-1918: Sammlung diplomatischer Aktenstücke · 第 77 / 134 题