Comité arménien.“

Dr. Johannes Lepsius.

Vorsitzender.

An Seine Exzellenz den Herrn Reichskanzler

Dr. von Bethmann Hollweg, Berlin.

_Dezember._

207.

Auswärtiges Amt. Berlin, den 1. Dezember 1915.

Die bei Mardin und Midiat befindlichen Christen syrischer Konfession

dürften mit den Nestorianern identisch sein. Soweit hier bekannt ist,

haben sich die betreffenden Syrer hauptsächlich deshalb in die Berge

zurückgezogen, um den Gewalttätigkeiten der Kurden zu entgehen, nicht

aber, um sich gegen die türkischen Behörden aufzulehnen. Es erscheint

daher dringend erwünscht, daß die entstandenen Schwierigkeiten auf

gütlichem Wege beseitigt werden.

Euer Exzellenz bitte ich, in geeignet scheinender Weise hierauf

hinzuwirken und über das Veranlaßte berichten zu wollen.[106]

Zimmermann.

Seiner Exzellenz dem Kaiserlichen Botschafter

Herrn Grafen Wolff-Metternich, Konstantinopel.

208.

(Auswärtiges Amt.)

Telegramm.

Berlin, den 4. Dezember 1915.

An die Deutsche Botschaft, Pera.

Die türkische Regierung soll nach Mitteilung des armenischen Komitees

in Sofia[107] entgegen früheren Versprechungen nun auch die Austreibung

der Armenier aus Konstantinopel begonnen haben. 10000 sind angeblich

bereits vertrieben und größtenteils im Ismidgebirge ermordet, über

weitere 70000 sei Proskriptionsliste vorbereitet. Bitte nachdrückliche

Vorstellungen zu erheben, falls Meldung zutreffend.

Zimmermann.

209.

Kaiserlich

Deutsche Botschaft. Pera, den 7. Dezember 1915.

Ich habe die Armeniergreuel im Laufe der letzten Woche mit Enver

Pascha, mit Halil Bey und heute mit Djemal Pascha ernstlich

besprochen und darauf hingewiesen, daß Unruhe und Empörung auch im

befreundeten Ausland und in Deutschland weite Kreise ergriffen habe

und der türkischen Regierung schließlich alle Sympathien entziehen

würde, wenn nicht Einhalt geschehe. Enver Pascha und Halil Bey

behaupten, daß keine ferneren Deportationen -- insbesondere nicht aus

Konstantinopel -- beabsichtigt seien. Sie verschanzen sich hinter

Kriegsnotwendigkeiten, daß Aufrührer bestraft werden müßten, und gehen

der Anklage aus dem Wege, daß Hunderttausende von Frauen, Kindern und

Greisen ins Elend gestoßen werden und umkommen. Djemal Pascha sagt,

daß die ursprünglichen Anordnungen notwendig gewesen seien, ihre

Ausführung aber schlecht organisiert worden sei. Er leugnet nicht, daß

infolgedessen traurige Zustände herrschten, die er durch Zuführung von

Lebensmitteln und Geld zu lindern bestrebt sei. Es ist dies richtig.

Seine Etappenstraße bei Aleppo ist infolge des Elends der Flüchtlinge

verseucht, und er sucht nach Abhilfe, hat auch mehrere Personen, die

die Flüchtlinge bestohlen haben, aufhängen lassen. Oberst von Kreß, der

Chef des Stabes Djemals, sagt mir, daß das Elend jeder Beschreibung

spotte und alle Schilderungen übertreffe. Dabei wird im Lande

verbreitet, die Deutschen wünschten die Massakres.

Ich habe eine äußerst scharfe Sprache geführt. Proteste nützen nichts,

und türkische Ableugnungen, daß keine Deportationen mehr vorgenommen

werden sollen, sind wertlos.

Von vertrauenswürdiger Seite erfahre ich, daß nach Auskunft des

hiesigen Polizeipräsidenten, auch aus Konstantinopel neuerdings etwa

4000 Armenier nach Anatolien abgeführt worden sind und daß mit den

80000 noch in Konstantinopel lebenden Armeniern allmählich aufgeräumt

werden soll, nachdem schon im Sommer etwa 30000 aus Konstantinopel

verschickt und andere 30000 geflohen sind. Soll Einhalt geschehen, sind

schärfere Mittel notwendig.

Auch soll man in unserer Presse den Unmut über die Armenierverfolgung

zum Ausdruck kommen lassen.

Um in der Armenierfrage Erfolg zu haben, müssen wir der türkischen

Regierung Furcht vor den Folgen einflößen. Wagen wir aus militärischen

Gründen kein festeres Auftreten, so bleibt nichts übrig, als mit

ferneren erfolglosen Verwahrungen, die mehr verärgern als nützen,

zuzusehen, wie unser Bundesgenosse weiter massakriert.

Talaat Bey kehrt erst Ende der Woche aus Anatolien zurück. Ich werde

erst dann erfahren, welche Wirkung meine Besprechungen mit seinen

Kollegen und Djemal auf ihn haben.

Metternich.

Seiner Exzellenz dem Reichskanzler

Herrn von Bethmann Hollweg.

210.

Kaiserlich

Deutsche Botschaft. Pera, den 9. Dezember 1915.

Ich habe heute mit dem Großwesir die Armenierfrage in ernster Weise

besprochen, ihn darauf aufmerksam gemacht, daß die türkische Regierung

sich durch die Armenierverfolgungen die Sympathien verscherze, die

sie in dem ihr wohlgesinnten Auslande besitze, daß in Deutschland die

Erregung zunehme und der Herr Reichskanzler mit Adressen bestürmt

werde, um bei der befreundeten und verbündeten türkischen Regierung

sich zugunsten der Armenier zu verwenden. Ich habe wiederum darauf

hingewiesen, daß Verschwörer gegen die Sicherheit des Staates zwar

strenger Bestrafung verfallen, daß aber die schmähliche Vertreibung von

Hunderttausenden von Greisen, Kindern und Frauen ein dunkles Blatt in

der jungtürkischen Geschichte bildete.

Ich habe diesmal absichtlich bei dem Großwesir und nicht bei einem

Mitgliede des Triumvirats Vorstellung erhoben, weil mir bekannt ist,

daß er die Armenierverfolgungen mißbilligt. Er hat zwar nicht die

Macht, sie einzustellen, es wird ihm aber ganz erwünscht sein, meine

Vorstellungen bei seinen Kollegen zu verwerten.

Ich habe ihm schließlich von dem Mißbrauch gesprochen, den türkische

niedere Beamte sich zuschulden kommen ließen durch die falsche

Behauptung, daß die Deutschen die Armenierverfolgungen begünstigten.

Diese Verleumdung sei in Anatolien, wie ich von Reisenden und aus

anderen Quellen unumstößlich wisse, weit verbreitet. Wir seien durchaus

nicht gesonnen, die Verantwortung für die Armenierpolitik mit der

türkischen Regierung zu teilen, und ich bäte ihn, diesen Gerüchten mit

Nachdruck entgegenzutreten.

Dem Großwesir war über derartige Gerüchte nichts bekannt. Er versprach

aber ausdrücklich, sie dementieren zu lassen. Im übrigen führte er aus,

daß die Armenier ein Opfer fremder, insbesondere russischer Anstiftung

geworden seien. Ganze Distrikte seien zum Aufstande organisiert gewesen

und mit Waffen versorgt worden. Es habe sich nicht um den Aufstand

einzelner, sondern ganzer Gegenden gehandelt, weshalb auch nicht

nur einzelne zur Bestrafung hätten herausgegriffen werden können.

Im übrigen sei er nicht einverstanden mit der Behandlung, die die

armenische Bevölkerung betroffen habe. Ich bemerkte ihm, daß, wie er

wisse, nach der Erfahrung der Geschichte, Revolutionen die Folge einer

schlechten Regierung seien, und daß die Verfolgung und Mißhandlung von

Hunderttausenden unschuldiger Personen keine legitime Abwehrmaßregel

eines Staates bilde.

Wenn ich den Türken etwas Unangenehmes zu sagen habe, so tue ich dies

mit großer Ruhe, und sie lassen es sich auch gefallen. Es gibt zwar

keine alttürkische Partei mehr, aber unter den älteren Türken gibt es

noch Leute, die sich über die Armenierverfolgungen schämen.

Ich möchte glauben, daß meine Vorstellungen doch nicht ganz vergeblich

gewesen sind. Djemal Pascha hatte gewisse Erleichterungen für die

Armenier verlangt: daß die noch in Aleppo befindlichen Armenier in

der Nähe verbleiben dürften, anstatt nach Der-es-Zor am Rande der

Wüste abgeschoben zu werden, wo sie umgekommen wären; daß die beim

Bau der Bagdadbahn beschäftigten armenischen Ingenieure, Baubeamten

und Arbeiter, die schon verschickt waren, zurückgerufen, und daß die

vertriebenen Handwerker ebenfalls für Armeezwecke wieder angeworben

werden dürften. Djemal Pascha, der auch zu den Türken gehört, die sich

schämen, hatte bisher beim Komitee Widerstand bei der Durchführung

seiner Wünsche gefunden. Ganz neuerdings werden sie dagegen, wie mir

der Chef seines Stabes, Oberst von Kreß, mitteilt, gewährt. Er schreibt

dies meinem Einschreiten zu. Der Oberst sagt mir, daß die Erinnerung an

die schauderhaften Bilder des Armenierelends ihn wohl sein Leben lang

nicht verlassen würde.

Metternich.

Seiner Exzellenz dem Reichskanzler

Herrn von Bethmann Hollweg.

211.

Auswärtiges Amt. Berlin, den 10. Dezember 1915.

Euerer Exzellenz Ermessen darf ich ergebenst anheimstellen, auch den

vom Kaiserlichen Konsul in Aleppo unter dem 16. v. M. eingereichten

Bericht eines Deutschen über das Schicksal der nach Der es-Zor

verschickten Armenier[108] zur Kenntnis der türkischen Regierung zu

bringen und den Inhalt zu erneuten Vorstellungen im Interesse der

Armenier zu benutzen.

Zimmermann.

Seiner Exzellenz dem Kaiserlichen Botschafter

Herrn Grafen Wolff-Metternich, Konstantinopel.

212.

Auswärtiges Amt. Berlin, den 12. Dezember 1915.

Dr. Straubinger schreibt an den Reichstagsabgeordneten Erzberger unter

dem 25. November:

„Dieser Tage sagt mir Msgr. Dolci, daß der Minister des Auswärtigen

ihm versprochen habe, die katholischen Armenier dürften zurückkehren.

Sollte dieses Wort sich bewahrheiten, so ist die Möglichkeit der

Hilfeleistung wohl gegeben. Das Gerücht, daß alle Armenier ausgerottet

seien, ist nämlich nicht ganz wahr; es existieren deren außer in

der europäischen Türkei noch die in die Berge versprengten, sowie

einige Gemeinden an den Bahnlinien und diejenigen, die die Deportation

aushielten. Die drei Dinge, die zur Erhaltung des Restes der Armenier

notwendig erscheinen, sind: Möglichkeit der Rückkehr für alle,

Möglichkeit der Hilfeleistung (Kleidung und Nahrung für den Winter)

seitens Europäer und Amerikaner, Möglichkeit der Wiedererlangung des

alten Besitztums. Letzteres ist nämlich, soweit es nicht zerstört ist,

durch das Liquidationsgesetz[109] so gut wie verloren.“

Euere Exzellenz bitte ich, sich zu Dr. Straubingers Schreiben äußern zu

wollen.[110]

Zimmermann.

Seiner Exzellenz dem Kaiserlichen Botschafter

Herrn Grafen Wolff-Metternich, Konstantinopel.

213.

Auswärtiges Amt. Berlin, den 12. Dezember 1915.

Nach dem abschriftlich anliegenden Schreiben des Direktors Schuchardt

vom 4. d. M. soll die türkische Regierung versuchen, die Überreste des

armenischen Volkes gewaltsam zum Islam zu bekehren. Es liegt auf der

Hand, daß wir einem derartigen Vorgehen nicht ruhig zusehen könnten.

Indem ich auf das Schreiben Bezug nehme, in dem der Herr Reichskanzler

kürzlich zur Armenierfrage Stellung genommen hat, beehre ich mich Euer

Exzellenz zu bitten, den Sachverhalt aufzuklären und gegebenenfalls bei

der Pforte nachdrückliche Vorstellungen zu erheben. Über das Ergebnis

Ihrer Schritte bitte ich zu berichten.[111]

Zimmermann.

Seiner Exzellenz dem Kaiserlichen Botschafter

Herrn Grafen Wolff-Metternich, Konstantinopel.

Anlage.

Deutscher Hilfsbund

für christliches Liebeswerk im Orient.

Frankfurt a. M., den 4. Dezember 1915.

An Seine Exzellenz den Herrn Reichskanzler von Bethmann Hollweg,

Berlin.

Euere Exzellenz gestattet sich der ergebenst Unterzeichnete auf

eine vertrauliche Verfügung der Kaiserlich Ottomanischen Regierung

aufmerksam zu machen, nach der die türkischen Lokalbehörden im Innern

des Landes angewiesen sind, den Überrest des armenischen Volkes dahin

zu bringen, einen Revers zu unterzeichnen, in dem sie um die besondere

Gnade bitten, zur heiligen Religion des Islam übertreten zu dürfen.

Sich Weigernde sollen abtransportiert werden. Eine Anzahl armenischer

Frauen sind bereits zum Islam übergetreten, um sich vor dem Hungertod

zu retten.

Wie vor 20 Jahren hervorragende Armenier gezwungen wurden, eine

Erklärung zu unterschreiben, daß sie in jeder Weise mit den Maßnahmen

der türkischen Regierung zufrieden gewesen seien und daß alle im

Auslande verbreiteten Nachrichten über Massakres usw. nicht den

Tatsachen entsprächen, ebenso wird es den Machthabern im Innern auch

ein leichtes sein, nach außen hin den Schein der „Freiwilligkeit“ für

die zum Islam Übergetretenen zu wahren.

Nach der Antwort, die der Herr Reichskanzler den Vertretern der

evangelischen Kreise Deutschlands unter dem 12. November 1915 gegeben

hat, hoffe ich mit Bestimmtheit, daß Euere Exzellenz die Kaiserlich

Deutsche Botschaft in Konstantinopel mit entsprechenden Weisungen

versehen und vor allen Dingen darauf hinwirken wird, daß eine Täuschung

unserer Behörde unmöglich gemacht werde.

Der Wali von Mamuret-ul-Azis hatte dem Leiter unserer Station,

Herrn Prediger Ehmann, für alle Armenier vollkommene Straflosigkeit

versprochen für den Fall, daß es ihm gelänge, die Armenier der

dortigen Gegend zu veranlassen, alle Waffen, die sich in ihrem Besitz

befänden, abzuliefern. Herr Ehmann unterzog sich diesem Auftrag, und

nichtsdestoweniger wurde auch die dortige Bevölkerung niedergemacht

oder verbannt. In den Augen der Armenier hat unsere Arbeit dadurch sehr

an Ansehen eingebüßt.

F. Schuchardt.

214.

Kaiserlich

Deutsche Botschaft. 16. Dezember 1915.

Aufzeichnung.

Der hiesige armenische Patriarch teilt mir folgendes mit:

Die Verhaftungen und Austreibungen von hier ansässigen Armeniern,

die aus Anatolien zugewandert sind, dauern fort. Seit Beginn der

Verfolgungen sind etwa 5000 Individuen abgeschoben worden. Nach

offiziellen Angaben leben in Konstantinopel und Umgegend 75000

Armenier; die Ziffer ist anscheinend viel zu niedrig gegriffen; von

anderer Seite wird ihre Zahl auf 120-150000 Seelen geschätzt.

Mordtmann.

215.

Kaiserlich

Deutsche Botschaft. Pera, den 18. Dezember 1915.

Ich habe heute mit Talaat Bey, der von Anatolien zurückgekehrt

ist[112], die Lage der Armenier eingehend besprochen. Er habe

umfassende Maßnahmen zur Ernährung der abgeschobenen armenischen

Familien getroffen. Vergehungen gegen Eigentum und Leben der Armenier

würden streng bestraft. Es seien kürzlich noch über 20 Personen,

die sich dieser Vergehungen schuldig gemacht hätten, hingerichtet

worden. In den Bezirken an der russischen Grenze und bei Aleppo wären

aus Rücksichten der militärischen Sicherheit Massenverschiebungen

seinerzeit notwendig gewesen. Von der russischen Regierung eingeleitete

Verschwörungen unter den gregorianischen Armeniern in den Grenzbezirken

und bei Aleppo seien in großem Maßstabe entdeckt worden. Anschläge auf

Brücken und Eisenbahnen seien vorbereitet gewesen. Es sei unmöglich

gewesen, aus der Masse einzelne Schuldige herauszugreifen. Nur der

Abtransport im großen habe Sicherheit gewährt. In Syrien seien

die Armenier unbehelligt geblieben, in Konstantinopel ebenfallls.

Augenblicklich fänden nirgends mehr Abtransporte statt, und die

Regierung suche die im Gefolge der Verschiebungen entstandenen

Übelstände zu mildern.

Ich bemerkte, der katholisch-armenische Expatriarch und sein

Stellvertreter hätten mir heute den üblichen Antrittsbesuch gemacht

und mir versichert, daß sie und ihre Gemeinden loyale ottomanische

Untertanen seien und sich an keinen revolutionären Bewegungen

beteiligten. Trotzdem seien die meisten vertrieben worden. Diese

Geistlichen hofften, daß die Vertriebenen in ihre Gemeinden und

verlassenen Heimstätten in und bei Aleppo zurückkehren dürften. Ich

fragte den Minister, ob ihnen dies ebenso wie den protestantischen

Armeniern, die sich als nicht revolutionär erwiesen hätten, gestattet

werden könne. Er entgegnete, daß die katholischen und protestantischen

Armenier sich im großen und ganzen nicht revolutionär betätigt hätten

und, soweit dies möglich sei, sie in ihre Heimat zurückkehren würden.

Ich sprach dem Minister sodann von dem in Anatolien weit verbreiteten

Gerücht, wonach die deutsche Regierung die Verfolgung der Armenier

begünstigt habe. Er erwiderte, infolge meines Gesprächs mit dem

Großwesir über diese Angelegenheit habe er sämtliche in Frage kommenden

Behörden angewiesen, dem Gerüchte entgegenzutreten und zu erklären, daß

die deutsche Regierung nichts mit der Angelegenheit zu tun habe und daß

die türkische Regierung allein für die Maßnahmen gegen die Armenier die

Verantwortung trage.

Im Laufe der Unterhaltung ergab sich die merkwürdige Auffassung

bei Talaat Bey, die ich auch schon bei seinen Kollegen gefunden

habe, daß wir im ähnlichen Falle ebenso gehandelt hätten und eine

revolutionäre Bewegung in Deutschland mit Gewalt ausrotten würden.

Ich fand immer wieder die Verständnislosigkeit für den Gesichtspunkt,

daß, um Schuldige zu treffen, nicht Unschuldige leiden und daß nur

bewiesene Vergehen bestraft werden dürften. Ich habe dem Minister

auseinandergesetzt, daß wir niemals ähnlich handeln würden und nur den

einer Schuld Überführten bestraften.

Von verschiedenen Seiten wird mir mitgeteilt, daß meine ernsten

Ermahnungen auf die türkischen Machthaber doch Eindruck gemacht zu

haben scheinen. Sobald es notwendig ist, werde ich wieder eingreifen.

Metternich.

Seiner Exzellenz dem Herrn Reichskanzler

Herrn von Bethmann Hollweg.

216.

(Kaiserlich

Deutsche Botschaft.)

Telegramm.

Pera, den 18. Dezember 1915.

An das Auswärtige Amt, Berlin.

Talaat Bey hat mir erklärt, daß keine neuen Maßnahmen gegen Armenier

beabsichtigt sind und daß vertriebenen Familien Hilfe geleistet wird.

Regierung widerlegt durch Anweisung an ihre Beamten Gerüchte in

Anatolien, daß wir Verfolgungen begünstigen.

Metternich.

217.

Deutschland und Armenien, 1914-1918: Sammlung diplomatischer Aktenstücke · 第 75 / 134 题