XXXIII

Stockrosen, Geranien, Begonien und Nelken waren nie so brennend rot zur

Blüte gekommen, Brombeerranken und wilder Wein, Klematis und Hopfen

waren niemals eine so undurchdringliche Hecke gewesen, Laubkronen und

Büsche hatten sich niemals so lichtlos geschlossen.

Wo Sträucher und Stauden nicht reichten, half anderes nach.

Winden und wilde Rosen webten Zweige und Stiele zu festem Gewirr,

Unkraut schoß auf, kam in Ranken und Dornen hinein und mußte sich

verloren geben. Die Fäden der Spinnen und flüchtiges Sommerhaar hängten

Schleier darüber, hielten fest, was an sterbenden Blüten und Blättern

zur Erde wollte, und machten das Dickicht nur dichter, die Wirrsal nur

rätselhafter.

Grüne Wände wuchsen und taten sich zusammen, engten die Luft und

wiesen das Licht auf wenige Wege, sammelten es auf den gezirkelten

Beeten, ließen es auf des Rasens Mitte aufrecht stehen und drängten

es zu kurzem Flackern auf dem trägen Wasser der Gräben, an rissigen

Eichenstämmen und um die weißen Füße der Birken.

Die Glut des Sommers brütete zwischen den Hecken, kroch die Stämme

hinauf und ließ Blumen lohen und Laubdunkel zu flüssigem Glast

zerschmelzen.

Viele Düfte hingen schwer im Garten; kaum konnte der Wind sie

rühren und tragen: die Schwüle der Linden, die säuerliche Dürre der

Sommerblumen, der silbrige Staub blühender Pappeln, die betäubende

Fäule des Schilfs und der Schwertlilien.

Wo das Flimmern des Mittags in den stahlblauen Himmel hineinzitterte,

da tanzten die feinen Ringelkränze der Mücken.

Der Tag kam herauf, stand schweigend seine Stunden und ging hinunter.

Still war es, vom Morgen bis zum Abend. Die Stille stand im Garten wie

eine fremde Frau. Keiner sollte wagen, sie zu stören. In ihrem Gesicht

lauerte ein Lächeln, das böse war.

Keiner sollte sprechen. Worte sind gleich Steinwürfen in einen

schweigenden See. Unter gläserner Fläche schlief Angst und Entsetzen.

Die da saßen, wußten das.

Sie fühlten diese Augen. Sie wollten sie nicht sehen und hängten doch

ihre Blicke an sie. Sie schauten weg und sahen sie doch überall.

Die Angst war in ihnen, sie lauerte in der Tiefe ihrer eigenen Seelen.

Die eine schielte nach der Seite, ob da etwas wäre, fürchtete die

Büsche, in denen sich einer verstecken könnte, und zitterte vor dem

Schatten, weil er dunkel war, und vor der Helle, weil sie schrie.

Die andere sah ungewisse Lichter der Zukunft und wartete auf Schmerzen,

sie lachte ihrem Kinde zu und breitete die Hände aus, damit der Tod es

nicht sehe.

So ging der Sommer vorüber.

Die Schwestern Hellwege · 第 44 / 47 题