Stockrosen, Geranien, Begonien und Nelken waren nie so brennend rot zur
Blüte gekommen, Brombeerranken und wilder Wein, Klematis und Hopfen
waren niemals eine so undurchdringliche Hecke gewesen, Laubkronen und
Büsche hatten sich niemals so lichtlos geschlossen.
Wo Sträucher und Stauden nicht reichten, half anderes nach.
Winden und wilde Rosen webten Zweige und Stiele zu festem Gewirr,
Unkraut schoß auf, kam in Ranken und Dornen hinein und mußte sich
verloren geben. Die Fäden der Spinnen und flüchtiges Sommerhaar hängten
Schleier darüber, hielten fest, was an sterbenden Blüten und Blättern
zur Erde wollte, und machten das Dickicht nur dichter, die Wirrsal nur
rätselhafter.
Grüne Wände wuchsen und taten sich zusammen, engten die Luft und
wiesen das Licht auf wenige Wege, sammelten es auf den gezirkelten
Beeten, ließen es auf des Rasens Mitte aufrecht stehen und drängten
es zu kurzem Flackern auf dem trägen Wasser der Gräben, an rissigen
Eichenstämmen und um die weißen Füße der Birken.
Die Glut des Sommers brütete zwischen den Hecken, kroch die Stämme
hinauf und ließ Blumen lohen und Laubdunkel zu flüssigem Glast
zerschmelzen.
Viele Düfte hingen schwer im Garten; kaum konnte der Wind sie
rühren und tragen: die Schwüle der Linden, die säuerliche Dürre der
Sommerblumen, der silbrige Staub blühender Pappeln, die betäubende
Fäule des Schilfs und der Schwertlilien.
Wo das Flimmern des Mittags in den stahlblauen Himmel hineinzitterte,
da tanzten die feinen Ringelkränze der Mücken.
Der Tag kam herauf, stand schweigend seine Stunden und ging hinunter.
Still war es, vom Morgen bis zum Abend. Die Stille stand im Garten wie
eine fremde Frau. Keiner sollte wagen, sie zu stören. In ihrem Gesicht
lauerte ein Lächeln, das böse war.
Keiner sollte sprechen. Worte sind gleich Steinwürfen in einen
schweigenden See. Unter gläserner Fläche schlief Angst und Entsetzen.
Die da saßen, wußten das.
Sie fühlten diese Augen. Sie wollten sie nicht sehen und hängten doch
ihre Blicke an sie. Sie schauten weg und sahen sie doch überall.
Die Angst war in ihnen, sie lauerte in der Tiefe ihrer eigenen Seelen.
Die eine schielte nach der Seite, ob da etwas wäre, fürchtete die
Büsche, in denen sich einer verstecken könnte, und zitterte vor dem
Schatten, weil er dunkel war, und vor der Helle, weil sie schrie.
Die andere sah ungewisse Lichter der Zukunft und wartete auf Schmerzen,
sie lachte ihrem Kinde zu und breitete die Hände aus, damit der Tod es
nicht sehe.
So ging der Sommer vorüber.