XX

Es gibt Farben, die sich im Schatten gleichen, im Licht aber einander

nicht mehr kennen. Und es gibt Menschen, die in der Dämmerung des

Alltags meinen, sie gehören zusammen, und doch plötzlich einander fremd

sind, wenn das Licht einer Morgenstunde in jene dunkeln Ecken fällt,

die ihnen selbst noch unbekannt waren. Oft freilich geschieht es, daß

das Leben vorüberschreitet, und jene Stunde will nicht kommen und

bleibt fern, bis diese Menschen sterben; und erst die Kinder gewahren,

daß sich Abgründe geschrofft haben, wo die Väter an sichere Straßen

glaubten. So war Rechtsanwalt Hellwege gestorben und hatte noch drei

Tage vor seinem Tode von seinem Studienfreunde Stockmann erzählt, mit

ihm habe er sich immer am besten verstanden. Und nun saß Julie dem

Professor gegenüber, und der hörte nicht auf, sich zu verwundern und

zu entsetzen, daß dieses die Tochter seines Kommilitonen Hellwege

war. Und der Doktor Johannes fühlte sich befangen, merkte etwas von

Überlegenheit, die anerkannt werden müßte, und trat dennoch auf die

Seite seines Vaters.

Julie war nicht so sicher, wie sie sich gab. Mokantes Lächeln war hier

nicht am Platz, und jede Art von Spiegelfechterei bedeutete einen

Verlust. An Energie wäre dieser Gegner sicher gleichwertig, nachgeben

würde er nie, und es bedürfte starker Waffen, sich zu behaupten. Trotz

allem war sie unbekümmert und darum von vornherein im Vorteil.

»Wir sind immer am liebsten jedes für sich allein gewesen: vielleicht,

weil wir so sehr zusammengehörten, weil etwas ganz Besonderes zwischen

uns bestand und wir nicht wollten, daß ein laues Familienglück daraus

würde.«

»Und Sie sind sicher, daß niemand von Ihnen bei diesem Verhältnis zu

kurz kommt?«

»Vielleicht! Aber das ist dann eigene Schuld. Um selbst glücklich zu

sein, darf man nicht auf andere warten.« Julie hörte ihre Stimme klar

und bestimmt. Es ist ein eigenes Gefühl, lachend in eine Umgebung zu

kommen, wo nüchterner Ernst und graue Gleichmäßigkeit herrschen. Und

wie empfindet man die stummen Entgegnungen, die von allen Seiten zu

einem kommen, sei es, um einem zu danken, daß man den Mut hatte, die

Ruhe aufzuwecken, sei es, um sich zu sträuben, weil solches geschieht!

Der Professor schüttelte den Kopf.

»Kind! Was sind das für Anschauungen! Gerade das Zusammenhalten der

einzelnen Glieder macht das Familienglück innig und fest. Sehen Sie

meine Kinder an!«

Der Doktor nickte gehorsam Beifall.

»Das haben wir gewiß erfahren ...!«

»Aber es kann doch auch eine Gefahr darin sein: viele meinen, nur für

andere leben zu müssen, und verlieren darüber sich selbst.«

Der Pastor hob die Hand.

»Ist das ein Nachteil? ›Liebe deinen Nächsten als dich selbst‹, sagt

die Schrift.«

Der Doktor fand einen Ausweg.

»Man muß es eben verstehen, aus dem Boden der Familie Kraft für die

eigene Persönlichkeit zu ziehen. Natürlich soll man sich selbständig

entwickeln. Aber darf man nicht dennoch etwas haben, woran man sich

anlehnen kann, wenn müde Stunden kommen?!«

Julie hatte eine lächelnde Empfindung: wie mochte es aussehen, wenn

dieser blonde, gesunde Mann sich müde an seine Familie lehnte, an

den weißen Kopf seines Vaters oder an Marthas schlicht abfallende

Schultern?!

»Ich sage ja nur, daß gerade die Familie einen hindern kann, überhaupt

selbständig zu werden; da sind Rücksichten und Bedenken ...«

»Und gerade diese bilden die treffliche Erziehung des Familienlebens,«

entgegnete der Professor lebhaft. »Sollen wir doch einer dem anderen

helfen, mit Liebe, Nachsicht und Demut, einander fördern auf dieser

irdischen Reise. Wir sollen entsagen lernen und unser Selbst verleugnen

...«

Julie blickte mit einem Anflug von Mitleid auf die scharfen Züge des

alten Mannes; in diesen Falten lagen allerdings ganze Geschichten von

Entsagung, und man suchte vergebens nach einer weichen Fläche, die von

Lebensfreude hätte sprechen können. Sie empfand ein Grauen, als sei sie

in dieses Gerechten Gewalt gegeben und müsse ihm gehorchen. Blumen,

Sonne und Farben wurden blaß und glitten in unerreichbare Ferne, und an

den Wänden standen Drohungen. Sie warf ängstlich den Kopf in die Höhe.

»Ein Recht zu entsagen habe ich nur dann, wenn ich es aus eigener

Erkenntnis und freiem Willen tue.«

Der Doktor horchte.

»Wie stolz Sie sind! Es ist gewiß ein hoher Standpunkt ...«

Aber der Vater unterbrach ihn.

»Nein, nein, das wäre pharisäischer Hochmut. Entsagen heißt: das eigene

arme Ich ausstreichen und sich in Gottes Willen fügen!«

Julie schwieg. Und der Doktor Johannes war ihr vielleicht dankbar dafür.

Als man nach dem Essen unter Thorwaldsens Christus saß, griff der

Professor das Thema von neuem auf.

»Sehen Sie, liebes Kind, neulich hatte ich einen Brief von Ihrem

Vormund. Er schrieb, Sie seien nun hier, und ich möchte mich in

Erinnerung an Ihren seligen Vater Ihrer ein wenig annehmen, nun, Sie

wissen ja, daß Sie bei uns wie zu Hause sein sollen, ja, und da

schrieb er auch von Ihrer Schwester Marianne. Die ganze Familie war mit

dieser Verlobung erst nicht einverstanden, nicht wahr? Ich weiß nicht,

ob es nur Demut und Selbstverleugnung war, was Ihre Schwester bewogen

hat, den Antrag dieses einfachen Mannes anzunehmen; aber ich möchte

glauben, daß beides in ihr mitgesprochen hat, als sie den Entschluß

faßte, ihm fürs Leben zu folgen. Nun sind die beiden so glücklich

geworden. Muß man da nicht von Gottes Fügung sprechen, die alles besser

gemacht hat, als die Familie es je für möglich gehalten hätte, die

schon jetzt für die demütige Ergebung in seinen Willen reichen Lohn

schenkt?« Julie wurde rot und dachte an die Tage, die jener Verlobung

vorausgegangen waren; sie fühlte sich plötzlich verantwortlich für

Marianne, nicht gerade, weil sie ihre Schwester war, sondern aus jenem

Solidaritätsempfinden heraus, das das ganze Geschlecht verbindet.

Eine Art von Scham erwachte in ihr, daß hier ein Mann daranging,

etwas aufzudecken, was für die Frau immer keusch und unberührt

bleiben sollte; und dann fühlte sie eine ärgerliche Gereiztheit, wie

täppisch doch diese Hände wären, wie pfiffig und plump der Versuch,

an dieser simplen Verlobungsgeschichte beweisen zu wollen, wie Gottes

Gerechtigkeit die Entsagung belohne.

»Meine Schwester hatte ihn einfach lieb!« sagte sie schroff.

»Ist die eheliche Liebe kein Geschenk Gottes?«

»Und weil sie ihn lieb hat, kann von Entsagung nicht die Rede sein!«

»Nun, -- die Verhältnisse, in die sie gekommen ist, sind doch wohl

recht einfach,« meinte der Professor behaglich. »Es wird manche Träne

gekostet haben, sich dahinein zu gewöhnen, fürliebzunehmen mit einem

niedrigen Hause, mit der Einsamkeit des Landlebens, den bescheidenen

Freuden eines Dorfschullehrers ...«

»Sie hätte es doch anders haben können!« meinte der Doktor, »und darum

erscheint es mir als ein Zeichen von Demut, daß sie ...«

»Wenn man jemand lieb hat, muß man alles für ihn tun können, nicht aus

Demut, nicht aus Entsagung, sondern aus Liebe. Das ist nicht weiter gut

oder groß, sondern natürlich und selbstverständlich!«

»Nun ja, gewiß,« stimmte der Doktor bei.

Julie war verstimmt. Das Gespräch erschien ihr plötzlich unnötig.

Sie war mit der Absicht hergekommen, von diesen Menschen etwas zu

lernen, und fand sich enttäuscht. Sie hatte sich selbst aus dem

Spiele lassen, nur Neues aufnehmen, irgendeine Feinheit verstehen,

eine scharfgezeichnete Linie sehen, andersgeartete Anschauungen hören

wollen. Davon war hier nichts zu finden. Dies war weder friedlicher

Meinungsaustausch noch ehrlicher Kampf. Vielmehr nichts anderes, als

rechthaberisches Gezänk, wie etwa Kinder sich um ihre Spielsachen

streiten. Da wurden Worte falsch gedeutet, Begriffe verschoben, jeder

saß trotzig ernst auf seinem Stuhl und dachte nicht daran, dem andern

entgegenzukommen, und dazu diese ölige, versalzene Milde, wie eine

schlecht zubereitete Mayonnaisensauce! Und was das schlimmste war: sie

selbst wurde von diesem Ton angesteckt, sie blieb nicht bei der Sache,

suchte nach spitzen Entgegnungen und fühlte sich klein und häßlich.

Der Doktor wollte einlenken.

»Alles, was aus Liebe geschieht, steht jenseits von Gut und Böse.«

Da lachte Julie. Und mit diesem Lachen hatte sie ihre gute Laune

wiedergefunden.

Martha hatte während der Unterhaltung schweigsam in einer Ecke

gesessen. Wovon Julie sprach, das hatte sie wohl schon manchmal

gelesen, aber noch niemals aussprechen hören. Sie hatte Ähnliches

auch schon gedacht, aber noch nicht den Mut gehabt, davon zu reden.

So lauschte sie ängstlich und begeistert auf Julies Stimme, mit der

leidenschaftlichen Erregung der schwachen Seele, die nur in ihrer

Phantasie den Kampf wagt und Triumphe feiert.

Julie verstand sich nicht auf solche Wesen; sonst hätte sie eine

dankbare Wärme und den fast flehenden Ausdruck einer Bitte empfunden,

als Martha ihr beim Weggehen sagte:

»Kommen Sie recht, recht bald wieder!«

Doktor Johannes begleitete Julie nach Hause. Das ließ er sich nicht

nehmen, den ganzen Abend hatte er sich darauf gefreut. Nicht eigentlich

gefreut, aber er hatte darauf gewartet, als müsse er sich verteidigen

oder sie wenigstens über sich aufklären, als dürfe er es unter keinen

Umständen zulassen, daß sie mit diesem, wie er meinte, unfertigen

Eindruck Von ihm wegginge. Oh, es wäre im Grunde natürlich ganz

gleichgültig, was andere Menschen über ihn dächten; man mochte ihn

getrost verurteilen. Johannes liebte es, sich ein wenig als Märtyrer

zu fühlen. Er wußte ja genau, daß er richtig handelte, wenn er mit

kindlicher Ehrfurcht seine Anschauungen vor dem Vater verbarg. Aber,

nun ja, er hätte doch gern mit Julie darüber gesprochen. Er redete sich

vor, sie würde ihn verstehen, vielleicht bemitleiden oder gar bewundern.

Als sie um die Straßenecke bogen, fing er an: »Sie waren vielleicht

erstaunt, daß ich meinem Vater gegenüber mit meiner Meinung etwas

zurückgehalten habe. Meine Situation zu Hause ist nicht ganz einfach.

Meines Vaters Anschauungen sind streng orthodox. Für ihn als Professor

der Dogmatik besteht ja auch geradezu die Notwendigkeit, seine Stellung

zu religiösen und ethischen Fragen genau zu präzisieren.«

Es freute ihn, wie klar er sich ausdrückte. Die Worte klangen rund

von den Häuserwänden zurück. Seine Schritte waren fest und bewußt. Es

schien, als wolle die Stille der Straße seiner Energie noch besonderen

Nachdruck verleihen.

Julie betrachtete ihn. Aber ehe er fortfahren konnte, sagte sie etwas,

wovon ihr erst in diesem Augenblick einfiel, daß sie während des

ganzen Abends den Wunsch gehabt hatte, es auszusprechen. »Ich finde,

Sie haben keinen Mut!«

Das hatte der Doktor freilich nicht erwartet. Aber gleichzeitig empfand

er merkwürdigerweise ganz deutlich, daß nur dieses über sein Verhalten

gesagt werden konnte. Er suchte nach einer Entgegnung: Kindesliebe,

väterliche Autorität ...! Doch plötzlich hatte er den Wunsch, sie

möchte weiterreden. Er fühlte eine ferne Möglichkeit von Freiheit.

»Sie haben doch das Recht, Ihre Meinung zu vertreten. Wollen Sie Ihren

Vater täuschen? Das glaube ich nicht. Oder wollen Sie aus Ehrfurcht

vor ihm schweigen? Ich wäre traurig, wenn mein Kind nicht mehr von mir

gelernt hätte, als zu schweigen oder Beifall zu klatschen, wenn ich

rede. Und ich denke es mir den glücklichsten Augenblick, wenn mein Kind

mir zum ersten Male aus Überlegung widerspräche.«

Johannes hatte eine peinliche Empfindung. Daß sie von ihren Kindern

sprach, war ihm unangenehm. Er hätte sie sich weiblicher gedacht.

»Jedenfalls kann ich mir nicht denken, daß man dabei glücklich sein

kann,« fuhr Julie fort.

»Nein, nein, ich bin auch nicht glücklich,« stotterte Johannes. »Wie

ich Ihnen schon sagte: meine Situation ...«

»Übrigens wäre es verständlich, wenn Sie wirklich schweigen

~wollten~. Die natürliche Empfindung der Innigkeit, die Eltern und

Kinder verbindet, macht es uns, den Kindern, eigentlich unmöglich, die

Eltern belehren zu wollen. Aber wie einer es ertragen kann, schweigen

zu ~müssen~, seine Persönlichkeit unterdrückt zu sehen, das kann

ich nicht begreifen.«

Sie gingen eine Weile nebeneinander her, ohne etwas zu sagen. Johannes

hatte sich diese Unterhaltung anders gedacht. Er war nicht zufrieden.

Aber er mochte sie nicht abbrechen. In der Nachtluft ging es sich so

behaglich, und eigentlich hörte er es gern, wenn sie über ihn sprach.

Seine Gedanken waren vielleicht schon gar nicht mehr bei der Sache, und

nur, um irgendetwas zu entgegnen, fragte er:

»Wie soll man anders handeln?«

»Indem man seine persönliche Freiheit behauptet.«

»Wie denken Sie sich das? Soll ich den häuslichen Frieden stören? Soll

ich widersprechen?«

»Nein!« Julie schüttelte den Kopf. Sie dachte nach; sie überlegte

ganz ernsthaft, wie dem Doktor geholfen werden könnte. Sie wurde

sich gar nicht bewußt, daß sie zum ersten Male einem erwachsenen

Menschen nach eigener Überlegung einen Rat geben wollte, und daß es

eigentlich ein etwas komischer Fall sei, einem jungen Privatdozenten

Verhaltungsmaßregeln darüber zu erteilen, wie er sich seine

Selbständigkeit bewahren solle. Plötzlich fragte sie unvermittelt:

»Wohnen Sie bei Ihrem Vater?«

Natürlich, das täte er. Warum sollte er auswärts wohnen?

»Nun ja, damit würde ich anfangen. Ich würde mir zwei Zimmer mieten,

in einer ganz anderen Gegend von Berlin, die würde ich mir nach meinem

Geschmack einrichten, mit Bildern, Vasen und Blumen; dann hat man doch

erst mal ein richtiges Zuhause, wo man bei sich selbst ist. Und dort

müssen Sie so leben, wie es Ihren Anschauungen entspricht. Und ...«

Sie brach plötzlich ab. Sie wunderte sich mit einem Male, daß sie so

eindringlich zu ihm gesprochen hatte.

Johannes war in einer weichen Erregung. Sie hatte recht. Natürlich

hatte sie recht. Wenn er allein wohnte, durfte ihm keiner dreinreden;

dann war er Herr in seinem Hause.

So dachte er. Aber fühlte er nicht auch etwas Warmes, Unbekanntes?

Erregte es ihn nicht, daß da eine neben ihm ging, daß das ungewisse

Licht der Laternen ein feines Profil zeichnete, das wieder erlosch,

wenn sie vorüber waren, daß seidige Haare leise zitterten, und wenn der

Abendwind sie aufhob, das Weiß einer Schläfe schimmerte?

»Und dann?« fragte er nach einer Weile.

»Das müssen Sie selbst ausfindig machen!« sagte sie und lachte kurz.

Wie war er hilflos! Das belustigte sie wieder. Aber sie wollte sehen,

was daraus wurde.

»Wenn es so weit ist, können wir ja weiterberaten,« meinte sie vergnügt.

Nun waren sie vor dem Hause angelangt, und sie gab ihm die Hand. Er war

unschlüssig, ob er ihr danken müsse, oder ob er sie fragen könne, wann

sie wiederkäme. Aber das war nun zu spät, denn die Tür fiel schon ins

Schloß.

Er ging langsam den Weg zurück und beschäftigte sich mit dem Plan,

eine Junggesellenwohnung zu beziehen. Aber es war etwas in der Luft,

was seine Gedanken immer wieder aufstörte und zu ganz fernliegenden

Dingen gehen ließ. Er erinnerte sich der Buden seiner Freunde, der

Plüschmöbel, der Koffer in der Ecke; dann fiel ihm ein, daß er da

manchmal Besuch angetroffen hatte, Damenbesuch, ein kicherndes Lachen

lag ihm plötzlich im Ohr; dann flirrten allerhand Worte an ihm vorüber,

von goldener Studentenfreiheit, und er dachte mit einem Male, daß er

solche Erlebnisse nie gehabt hatte.

Er bog um die Ecke; da stand noch wie vorhin die verschlafene Droschke.

Hier hatte Julie von dem Kinde gesprochen. Und nun fühlte er wieder

etwas Warmes, als ginge sie neben ihm, er empfand etwas Körperliches.

Doch als er dann die Tür des väterlichen Hauses aufschloß, war

nichts von allem mehr da; er klinkte auf, tastete sich hinein, so

gewohnheitsmäßig, als käme er aus dem theologischen Seminar.

Julie fand in ihrem Zimmer einen Brief von Marianne vor. Es war ein

Bericht über die Hochzeitsreise und ihr warmes Nest, in das sie nun

mit Lukas eingezogen sei. Es fehlte nicht an einigen Stellen, die

frauenhaft erfahren klingen sollten. Zu anderen Zeiten würde Julie

sich darüber mokiert haben. Aber jetzt mußte sie plötzlich und ohne

jede Veranlassung an Johannes Stockmann denken.

Julie zerriß den Brief, ohne ihn zu Ende zu lesen, und warf die Stücke

in den Papierkorb. Dann griff sie nach einem Buche ...

Doch nein! Sie legte es wieder fort und begnügte sich damit, an Agnes

Elisabeth zu schreiben und ihr eine scharfe Schilderung von dem

nußbaumpolierten Ton in der Familie Stockmann zu geben.

Die Schwestern Hellwege · 第 28 / 47 题