0,0893 : 1 = 37,85 : x

das Wärmeäquivalent (x) = 423,8 kgm.

Die gleiche Beziehung wurde erhalten, wenn *Mayer* anstatt der Luft

für diese Berechnung ein anderes Gas wählte. Das gefundene Gesetz,

daß ein bestimmtes Verhältnis zwischen Wärmeverbrauch und Gewinn an

»mechanischem Effekt« besteht, erwies sich somit als unabhängig von der

Natur der elastischen Flüssigkeit, die nur als ein Werkzeug dient, um

die Umwandlung der einen Kraft in die andere zu bewerkstelligen. Diese

Erkenntnis *Mayers* deckt sich mit derjenigen, welcher *Carnot*[260]

mehrere Jahrzehnte vorher durch die Worte Ausdruck verlieh, die

bewegende Kraft der Wärme sei »unabhängig von dem Agens, das man

zu ihrer Gewinnung benutzt«. Ein wichtiger Unterschied zwischen

*Carnot* und *Mayer* besteht allerdings darin, daß *Carnot* die

Ursache dieser bewegenden Kraft lediglich in einer »Überführung des

Wärmestoffes« von einem Körper höherer (z. B. dem Dampfkessel) zu einem

Körper niedrigerer Temperatur (dem Kondensator oder der den Dampf

kondensierenden Atmosphäre) erblickte, während *Mayer* klar erkannte,

daß jeder Arbeitsleistung ein äquivalenter »Verbrauch« von Wärme

entspricht. Noch großartiger wird die Konzeption *Mayers* dadurch,

daß er nicht nur auf den Verbrauch von Wärme hinwies, sondern gleich

die Worte »oder eine andere Kraft« hinzufügte und damit die Lehre

von der Äquivalenz von Wärme und Arbeit zur Lehre von der Äquivalenz

der Naturkräfte überhaupt, zur Lehre von der Erhaltung der Kraft,

erweiterte.

Die Abhandlung, in welcher *Mayer* seine Anschauungen entwickelte,

hatte das aus den näheren Umständen begreifliche Mißgeschick, daß ihr

die Spalten der Annalen der Physik verschlossen blieben. Sie wurde in

wesentlich verbesserter Fassung, sowie unter einem neuen Titel im Jahre

1842 in *Liebigs* Annalen der Chemie abgedruckt, von den Fachgelehrten

zunächst aber nicht weiter beachtet. Einige Jahre später erschien eine

größere Arbeit *Mayers*, in der er das Prinzip von der Äquivalenz auf

die Gesamtheit der Naturerscheinungen ausdehnte[261] und der Wärme,

der Elektrizität und den übrigen »Imponderabilien« die Materialität

unbedingt absprach. »Es gibt« sagt, *Mayer*, »in der Natur eine gewisse

Größe von immaterieller Beschaffenheit, die bei allen zwischen den

beobachteten Objekten stattfindenden Veränderungen ihren Wert behält,

während ihre Erscheinungsform auf das Vielseitigste wechselt.« Diese

Größe wurde zuerst als »Kraft« und das von *Mayer* in obigen Worten

ausgesprochene Gesetz als das Prinzip von der Erhaltung der Kraft

bezeichnet. In seiner heutigen Fassung lautet dieses Prinzip: Die

Energie des Weltalls ist konstant.

Es gilt heute als erwiesen, daß *Poggendorff*, der Herausgeber

der Annalen der Physik, *Mayers* Abhandlung vom Juni 1841 nicht

veröffentlichen konnte. Diese Abhandlung, die lange verschollen war und

die erst unter dem Nachlaß *Poggendorffs* wieder aufgefunden wurde,

strotzte von groben Fehlern (siehe *A. v. Oettingens* Vortrag, der

1909 in den Abhandlungen der math.-phys. Klasse der Kgl. sächsischen

Gesellschaft d. Wissenschaften in Leipzig erschien. Bd. 31. S. 165-176)

und von sinnlosen Behauptungen. *Mayer*, der offenbar damals noch im

Banne der Naturphilosophie stand, schrieb in jener Abhandlung: »Alle

Erscheinungen können wir von einer Urkraft ableiten, welche dahin

wirkt, die bestehenden Differenzen aufzuheben und alles Seiende zu

einer homogenen Masse in einem mathematischen Punkte zu vereinigen.«

Von dem mechanischen Wärmeäquivalent war in der ersten Niederschrift

noch keine Rede, und die ersten kosmologischen Betrachtungen, die

*Mayer* anstellte, waren ebenso schwülstig wie unverständlich.

Innerhalb der kurzen Frist eines Jahres, die zwischen der ersten

Niederschrift und der zweiten liegt, die *Liebig* 1842 in den Annalen

der Chemie erscheinen ließ, hatten sich die physikalischen Ansichten

*Mayers* wesentlich geklärt. Nicht minder war dies später bezüglich der

kosmologischen Anschauungen der Fall, die er im Jahre 1848 unter dem

Titel: »Beiträge zur Mechanik des Himmels« bekannt gab.

*Mayer* nennt seine Abhandlung vom Jahre 1842 einen Versuch,

den Begriff Kraft, den man bisher als etwas Unerforschliches,

Hypothetisches betrachtet habe, ebenso scharf wie den Begriff Materie

zu fassen und mit dem Worte Kraft nur ein Objekt wirklicher Forschung

zu bezeichnen. Kräfte sind ihm Ursachen. Da die Wirkung jeder Ursache

in endloser Kette Ursache einer neuen, gleich großen Wirkung ist, so

sind ihm Kräfte oder Ursachen quantitativ unzerstörbare und qualitativ

wandelbare, imponderable Objekte.

Zunächst betrachtet *Mayer* unter diesem Gesichtspunkt die

Massenbewegung: Eine Ursache, welche die Hebung einer Last bewirkt,

ist eine Kraft. Ihre Wirkung, die veränderte Lage der Last, ist

ebenfalls eine Kraft, die jederzeit wieder in Bewegung übergeführt

werden kann (Energie der Lage oder potentielle Energie nach heutiger

Ausdrucksweise). Der allgemeinere, schon sehr zutreffende Ausdruck für

diese Erkenntnis lautet bei *Mayer*: »Räumliche Differenz ponderabler

Objekte ist eine Kraft.«

Nun sehen wir aber sehr oft Bewegung verschwinden, ohne daß sie eine

sichtbare andere Bewegung oder eine Gewichtserhebung hervorgebracht

hätte. *Mayer* knüpft daran die Frage, welche neue Form die Kraft in

einem solchen Falle angenommen habe. Um diese Frage zu entscheiden,

schüttelt er Wasser kräftig und längere Zeit und bemerkt, daß eine

deutliche Temperaturerhöhung stattfindet. Dieser Versuch war für

*Mayer* das Experimentum crucis[262], d. h. er war für die weitere

Entwicklung seiner Anschauungen entscheidend.

Dafür, daß Bewegung in Wärme und Wärme in Bewegung übergeht, fehlte

es ja auch im übrigen nicht an Beispielen, zumal in einem Zeitalter,

das sich schon der Dampfmaschinen bediente. Für *Mayer* handelte es

sich aber um die Frage, ob sich eine bestimmte quantitative Beziehung

zwischen Massenbewegung und Wärme nachweisen läßt. »Wir müssen

ausfindig machen«, sagt er in der Abhandlung vom Jahre 1842, »wie

hoch ein bestimmtes Gewicht gehoben werden muß, damit seine Fallkraft

äquivalent sei der Erwärmung eines gleichen Gewichtes Wasser von 0° auf

1°«.

Es verdient hervorgehoben zu werden, daß *Mayer* keineswegs schon die

Wärme im Sinne der mechanischen Wärmetheorie als eine Bewegung der

kleinsten Teile auffaßte. Ihm kam es ja gerade darauf an, alles Dunkle,

Hypothetische von seinem Kraftbegriff fernzuhalten. Daher erklärt sich

*Mayer* schon in seiner Abhandlung vom Jahre 1842 und auch später[263]

gegen die Auffassung, daß die Körperwärme selbst wieder Bewegung sei.

Er ist vielmehr geneigt, das Gegenteil anzunehmen, nämlich daß die

Bewegung, um Wärme zu werden, aufhören müsse, Bewegung zu sein. Der

Zusammenhang, in dem für ihn die Wärme mit der Bewegung steht, bezieht

sich lediglich auf die Quantität nicht auf die Qualität. Andererseits

steht *Mayer* der früheren Auffassung, daß die Wärme, die Elektrizität

und der Magnetismus gewisse Fluida seien, durchaus fern. Daß z. B. die

strahlende Wärme ein Bewegungsvorgang ist, war für ihn außer Zweifel.

Einige der bezeichnendsten Ausdrücke, die uns in *Mayers* Schrift vom

Jahre 1845 begegnen, seien noch mitgeteilt, um den Kern seiner Lehre

von der Erhaltung der Kraft aufzzweisen. Es gibt in Wahrheit nur

eine einzige Kraft. In ewigem Wechsel kreist sie in der toten wie in

der lebenden Natur. Die Bewegung ist eine Kraft. Eine ruhende Masse,

in irgend einer Entfernung von dem Erdboden sich selbst überlassen,

setzt sich sofort in Bewegung und langt mit einer berechenbaren

Endgeschwindigkeit auf dem Boden an. Auch die Gewichtserhebung ist,

weil sie zur Ursache einer Bewegung werden kann, als eine Kraft zu

betrachten. Die Wärme ist eine Kraft; sie läßt sich in mechanische

Leistung verwandeln. Ein Kilogrammgewicht in unendlicher Entfernung

-- in mechanischer Trennung -- von der Erde stellt eine Kraft dar.

Durch den Aufwand dieser Kraft, d. h. durch die mechanische Verbindung

beider Massen, wird eine andere Kraft erzeugt, nämlich die Bewegung

eines Kilogramms mit der Geschwindigkeit von 10000 Metern. Durch den

Aufwand dieser Bewegung läßt sich eine bestimmte Menge Wasser um

einen Grad erwärmen. Die Erfahrung lehrt, daß dieselbe Wirkung, eine

Wärmeentwicklung nämlich, durch die chemische Verbindung gewisser

Stoffe erzielt wird. Das Chemisch-getrennt-sein oder kürzer, die

Affinität der Stoffe, ist eine Kraft.

Die Sonne ist eine nach menschlichen Begriffen unerschöpfliche Quelle

an Kraft. Der Strom dieser Kraft, der sich auch über unsere Erde

ergießt, ist die beständig sich spannende Feder, die das Getriebe

irdischer Tätigkeiten im Gange hält. Die Natur hat sich zur Aufgabe

gestellt, das der Erde zuströmende Licht im Fluge zu erhaschen. Zur

Erreichung dieses Zweckes hat sie die Erde mit Organismen bedeckt,

die das Sonnenlicht in sich aufnehmen und unter Verwendung dieser

Kraft eine fortlaufende Summe chemischer Spannkraft erzeugen. Diese

Organismen sind die Pflanzen.

Das Tier nimmt aus dem Pflanzenreiche brennbare Stoffe in sich

auf, um sie mit dem Sauerstoff der Atmosphäre wieder zu verbinden.

Parallel diesem Aufwande läuft die das Tierreich kennzeichnende

Leistung, die Hervorbringung mechanischer Effekte, die Erzeugung

von Bewegungen, das Heben von Lasten usw. Zwar bringen auch die

Pflanzen mechanische Leistungen hervor. Doch spielt in der Pflanze die

Erzeugung mechanischer Effekte eine quantitativ und qualitativ sehr

untergeordnete Rolle, während die Verwandlung chemischer Spannkraft in

nutzbaren mechanischen Effekt das kennzeichnende Merkmal des Tierlebens

ist.

Von einem anderen Gebiete aus und seine Folgerungen auf eine große Zahl

sinnreicher Versuche stützend, gelangt der Engländer *Joule* fast zur

selben Zeit wie *Robert Mayer* zur Erkenntnis der Äquivalenz zwischen

Wärme und Arbeit.

*Joule* weist darauf hin, daß schon *Rumford* und *Davy* auf Grund

ihrer Versuche[264] zu der Auffassung gekommen seien, die Wärme bestehe

in einer Bewegung der kleinsten Teilchen der Körper. Die gleiche

Auffassung findet sich schon bei dem Philosophen *John Locke*. Seine

Worte lauten: »Die Wärme ist eine sehr rasche Bewegung der unsichtbaren

Teilchen der Körper. Diese Bewegung erzeugt in uns eine Empfindung, die

uns veranlaßt, den Körper heiß zu nennen. Was in unserer Empfindung

Wärme ist, ist also in der Körperwelt nichts als Bewegung.« Klarer ist

das Prinzip der mechanischen Wärmetheorie, das *Joule* im Gegensatz

zu *Mayer* als erwiesen annimmt und an das er anknüpft, auch später

nicht ausgesprochen worden. Zunächst befaßte sich *Joule*[265] (seit

1840) mit der Wärmewirkung des galvanischen Stromes[266]. Er fand diese

dem Widerstande und dem Quadrat der Stromstärke proportional. Die

Untersuchung wurde auch auf Induktionsströme ausgedehnt, indem *Joule*

die Erwärmung maß, welche eine gewisse Menge Wasser durch solche Ströme

erfuhr. Da die Ströme durch die Drehung einer magnet-elektrischen

Maschine, also unter Aufwand von mechanischer Arbeit, erzeugt wurden,

so kam *Joule* auf den Gedanken, die Kraft, welche seinen Apparat in

Bewegung setzte, zu bestimmen und sie mit der erzeugten Wärmemenge

zu vergleichen. Die Versuche ergaben, daß diejenige Wärme, welche

die Temperatur von einem Pfund Wasser um 1° Fahrenheit erhöht, einer

mechanischen Kraft entspricht, die ein Gewicht von 838 Pfund einen Fuß

hoch zu heben vermag[267].

*Joule* hatte mittlerweile durch die in *Liebigs* Annalen vom Jahre

1842 erschienene Abhandlung *Mayers* davon Kenntnis erhalten, daß

auch dieser die Äquivalenz zwischen Wärme und mechanischer Kraft

nachzuweisen und durch Versuche zu stützen suche. Zu *Mayers*

Versuchen, Wärme durch Schütteln von Wasser zu erzeugen, konnte *Joule*

mit Recht bemerken, daß diese Versuche weder erkennen ließen, welche

Vorkehrungen getroffen waren, um die Ergebnisse sicher zu stellen, noch

daß ihnen Angaben über das Maß der aufgewendeten Arbeit beigegeben

seien.

An diesem Punkte setzt *Joule* ein. Er betrachtet es als seine Aufgabe,

»Wärme mit mechanischer Kraft in absolute numerische Verbindung zu

bringen.« Er beschränkt sich nicht darauf, wie *Mayer* es getan, zu

zeigen, daß Flüssigkeiten im allgemeinen beim Schütteln wärmer werden,

sondern er bestimmt mit möglichster Genauigkeit die Wärmemenge, die

beim Schütteln und Reiben von Flüssigkeiten unter Aufwand einer ganz

bestimmten Arbeitsgröße erzeugt wird. Schon im Jahre 1843 konnte

*Joule* die Tatsache ankündigen, daß Wärme beim Durchgange von Wasser

durch enge Röhren entsteht[268], und daß, um 1 Pfund Wasser auf diese

Weise um 1° zu erwärmen, eine mechanische Kraft von 770 Fußpfund

erforderlich sei.

Später (1845 und 1847) wandte *Joule* ein Schaufelrad an, um die

Reibung der Flüssigkeiten hervorzubringen. Er erhielt dabei die

Äquivalente

781,5

782,1

787,6

bei der Reibung von Wasser, Öl und Quecksilber. Diese Resultate

stimmten so genau miteinander und mit den bei der Kompression von

Gasen und den magnetelektrischen Versuchen gewonnenen Zahlen überein,

daß man nicht länger an dem Vorhandensein einer Äquivalenzbeziehung

zwischen mechanischer Kraft und Wärme zweifeln konnte. Es kam nur noch

darauf an, die Größe des mechanischen Äquivalents der Wärme so genau

wie möglich zu ermitteln[269]. Dazu diente *Joule* der in Abbildung 29

dargestellte Apparat.

[Illustration: Abb. 29. *Joules* Apparat zur Bestimmung des

mechanischen Äquivalents der Wärme[270].]

In einem kupfernen Kessel befanden sich auf einer leicht rotierenden

Achse (c, c) eine Anzahl Arme (a, a), die sich zwischen den

feststehenden Flügeln (b, b) bewegten. Der Deckel des Kessels, in den

die Flüssigkeit gebracht wurde, besaß eine Öffnung für die Achse und

eine zweite für ein Thermometer, an dem noch eine Temperaturdifferenz

von 1/200 Grad abgelesen werden konnte. Damit keine Kraft verloren

ging, war der Apparat so gebaut, daß er ohne Erschütterung arbeitete.

Die beschriebene, gegen Wärmeverluste möglichst geschützte Vorrichtung

wurde mit einem zweiten Apparat in Verbindung gesetzt. Er bestand

aus zwei Teilen und hatte die Aufgabe, eine genau zu ermittelnde

Arbeit zu leisten, die durch Rollen und Schnüre den Reibungsapparat

in Bewegung setzte. Abb. 29 zeigt in ihrem oberen Teile die gesamte

Versuchsanordnung. Die Bleigewichte ee hingen an Schnüren unter den

Rollen bb, die ihrerseits in Friktionsrädern liefen. Die Höhe der

Gewichte wurde an den graduierten Stäben genau ermittelt. Dann ließ

*Joule* die Gewichte abwärts gehen (um etwa 50 Zoll). Während ihres

Falles setzten sie die Achse des Reibungsapparates in Bewegung.

Unter Beobachtung einiger Kautelen und Korrekturen erhielt *Joule*

durch den Aufwand der mechanischen Kraft, die durch den Fall von 772

Pfund um einen Fuß repräsentiert wird, eine Wärmemenge, die imstande

war, ein Pfund Wasser um 1° Fahrenheit zu erwärmen.

»Ich werde keine Zeit verlieren«, sagt *Joule* am Schlusse seiner

Abhandlung vom Jahre 1843, »diese Versuche zu wiederholen, da ich

überzeugt bin, daß die gewaltigen Naturkräfte durch des Schöpfers

Werde! unzerstörbar sind und daß man immer, wo man eine mechanische

Kraft aufwendet, ein genaues Äquivalent an Wärme erhält.« *Joule* hat

Wort gehalten und seine Experimente über diesen Gegenstand bis zum

Jahre 1878 fortgesetzt. Seine letzten Bestimmungen ergaben für jenes

Äquivalent einen Wert von 772,33 Fußpfund[271].

Zu dem gleichen Ergebnisse wie *Mayer* und *Joule* gelangte zur

selben Zeit der Däne *Colding*[272]. Er legte 1843 der Königlichen

Gesellschaft in Kopenhagen eine Abhandlung vor, die er »Sätze über

die Kräfte« betitelte. *Colding* bemühte sich wie *Joule*, durch eine

größere Anzahl von Versuchen nachzuweisen, daß die durch Reibung

gewonnene Wärme stets in einem bestimmten Verhältnis zur aufgewandten

mechanischen Arbeit steht. Seine Versuche waren indessen bei weitem

nicht so exakt wie diejenigen *Joules* und das Ergebnis daher ungenau.

Da *Colding* ferner seine Gedanken in eine dunkle Sprache kleidete,

hat er kaum einen Einfluß auf die weitere Ausbildung der mechanischen

Wärmetheorie gehabt. Die Kräfte sind nach *Colding* unzerstörbar.

Wenn sie bei einem Vorgange zu verschwinden scheinen, finde nur eine

Umwandlung statt. Wenn dem nicht so wäre, bemerkt er ganz zutreffend,

so müßte ein Perpetuum mobile möglich sein.

Von demselben Gedanken, dem Satz vom ausgeschlossenen Perpetuum

mobile nämlich, wurde auch *Helmholtz* geleitet: Er gelangte 1847

gleichfalls zu der großen Verallgemeinerung, die *Robert Mayer* zuerst

ausgesprochen und *Joule* für einige Gebiete der Physik durch seine

Versuche als gültig dargetan hatte.

Obgleich sich die Arbeit von *Helmholtz*[273] durch die mathematische

Behandlung des Gegenstandes und ihre streng wissenschaftliche Sprache

von den Werken *Mayers* abhob, fand sie gleichfalls in den Annalen der

Physik keinen Platz, sondern gelangte als selbständige Schrift zur

Veröffentlichung[274].

*Helmholtz* ging von der Annahme aus, daß es unmöglich sei, durch

irgend eine Kombination von Körpern bewegende Kraft fortdauernd aus

nichts zu erschaffen. Er stellte sich die Aufgabe, dieses in die

Mechanik schon durch *Huygens* eingeführte Prinzip, das *Carnot*[275]

auf die Wärmelehre ausgedehnt hatte, für das gesamte Gebiet der

Naturlehre durchzuführen.

Genauer läßt sich das Prinzip vom ausgeschlossenen Perpetuum mobile wie

folgt darstellen. Gerät ein System von Körpern, die sich in gewissen

Abständen voneinander befinden, unter dem Einfluß der Kräfte, welche

die Körper aufeinander ausüben, in Bewegung, bis sie in bestimmte

andere Lagen gekommen sind, so wird dadurch eine bestimmte Arbeit

geleistet. Will man dieselben Kräfte zum zweiten Male wirken lassen,

um dieselbe Arbeit noch einmal zu gewinnen, so müssen wir die Körper

in die ursprüngliche gegenseitige Lage zurückversetzen. Die Arbeit

nun, die aufgewendet werden muß, um die Körper in die Anfangslage

zurückzuversetzen, ist ebenso groß wie die Arbeit, die gewonnen wird,

wenn die Körper aus der Anfangslage in die zweite Lage übergehen. Dabei

ist es gleichgültig, auf welchem Wege oder mit welcher Geschwindigkeit

sich dieser Übergang von der einen in die andere Lage vollzieht. Wäre

nämlich die erzeugte Arbeit auf irgend einem Wege größer als auf einem

anderen, so würden wir einen Überschuß an Arbeit bekommen und durch

häufige Wiederholung jenes Lagenwechsels eine unerschöpfliche Quelle

mechanischer Kraft erhalten.

Das einfachste Beispiel für ein solches System ist die Erde und ein

sich auf der Erde befindliches Gewicht m. Wird dieses auf die Höhe h

emporgehoben, so erfordert dies die Arbeit mgh, wenn wir die Intensität

der Schwerkraft mit g bezeichnen. Dieselbe Arbeitsgröße leistet das

Gewicht, wenn es aus der Höhe h auf die Erde herabfällt. Das Produkt

g . h bedingt die Geschwindigkeit des fallenden Körpers. Es ist

nämlich[276] g . h = v^2/2. Folglich ist mgh = m v^2/2. Nun ist mgh die

zum Emporheben erforderliche Arbeit und m v^2/2 die beim Herabfallen

erzeugte lebendige Kraft. Beide sind gleich groß.

Die Arbeit, die der ruhende Körper vermöge seiner Lage in der

Entfernung h leisten kann, nennt *Helmholtz* die Spannkraft. Bewegt

sich der Körper auf die anziehende Masse (in unserem Beispiel die Erde)

zu, so verliert er an Spannkraft, gewinnt aber ebensoviel an lebendiger

Kraft. Für ein System, in dem infolge der Lagebeziehungen Spannkräfte

vorhanden sind und infolge der Bewegung lebendige Kräfte ausgelöst

werden, ergibt sich also der Satz:

*Die Summe der vorhandenen Spannkräfte und der lebendigen Kräfte ist

konstant.*

Das ist das Prinzip von der Erhaltung der Kraft in der Form, in der es

*Helmholtz* aussprach. Statt Spannkraft hat man später auch Energie der

Lage und statt lebendige Kraft Energie der Bewegung gesagt.

Für die Mechanik brauchte das Prinzip von der Erhaltung der Kraft nicht

erst nachgewiesen zu werden. Seit *Huygens* bot die Pendelbewegung

eins der trefflichsten Beispiele für seine Gültigkeit. Daß es die

Bewegungen der Himmelskörper regelt, hatte man gleichfalls längst

erkannt. Bemerkte man doch, daß die Geschwindigkeit eines Planeten

und damit seine lebendige Kraft zunimmt, je mehr er bei seinem Umlauf

aus der Sonnenferne in die Sonnennähe gelangt, während umgekehrt die

gewonnene Energie der Bewegung wieder verbraucht wird, wenn der Planet

in seine alte Lage zurückkehrt. Trotzdem erblickte man in dieser

Bewegung kein Perpetuum mobile, denn ein Gewinn an Arbeit ist ja mit

der Planetenbewegung nicht verbunden.

Auch für die Fortpflanzung der Bewegung durch unelastische und

elastische Körper, insbesondere für die Wellenbewegung galt schon das

Prinzip von der Erhaltung der Kraft. Scheinbar vernichtet wird die

lebendige Kraft der elastischen Wellen allerdings bei den Vorgängen,

die man als Absorption bezeichnet. Doch suchte *Helmholtz* darzutun,

daß die Absorption der Schallwellen in einem Übergang der Bewegung an

die von den Wellen getroffenen Körper (z. B. Vorhänge oder Decken)

besteht. Die Absorption der Licht- und der Wärmestrahlen wird nach

*Helmholtz* von einer proportionalen Wärmeentwicklung begleitet.

Für den Stoß unelastischer Körper und für die Reibung hatte man

jedoch bis dahin einen Kraftverlust angenommen. *Helmholtz* wies

demgegenüber darauf hin, daß beim Stoß unelastischer Körper oft durch

Formveränderungen eine Vermehrung der Spannkräfte stattfinde, daß vor

allem aber mit heftigen oder oft wiederholten Stößen eine lebhafte

Wärmeentwicklung verbunden sei. Beides werde auch bei der Reibung

bewirkt. Es erhob sich also die Frage, ob die Summe der mit dem Stoß

und mit der Reibung verbundenen Wirkungen der bei diesen Vorgängen

verlorenen mechanischen Kraft genau entspricht. Aus seinem Prinzip

heraus bejahte *Helmholtz* diese Frage, wenn exaktere Nachweise als

die bis dahin beigebrachten auch noch zu fordern waren. Auch die

Wärmeentwicklung durch chemische Vorgänge ist nach der Vorstellung von

*Helmholtz* diejenige Quantität lebendiger Kraft, welche durch eine

bestimmte Quantität der chemischen Anziehungskräfte hervorgebracht wird.

Schwieriger war der Nachweis eines Kraftäquivalentes für die

verschiedenen Arten der elektrischen und magnetischen Vorgänge.

Jedenfalls vermochte *Helmholtz* schon 1847 sicher zu stellen, daß

die auf diesen Gebieten zu beobachtenden Erscheinungen, soweit bis

dahin messende Versuche vorlagen, dem Prinzip von der Erhaltung der

Kraft nicht widersprechen. Vor allem war es das große Verdienst seiner

Schrift »Über die Erhaltung der Kraft«, die völlige Bestätigung dieses

Prinzips als eine der Hauptaufgaben für die weitere Entwicklung der

Naturwissenschaften hingestellt zu haben.

Die Zurückhaltung der Fachkreise, die *Helmholtz* wie auch *Joule* und

*Mayer* anfangs erfuhren, darf man nicht ohne weiteres für unberechtigt

halten. Zweifel und Bedenken sind in unserem Zeitalter nicht mehr

imstande, das Licht einer neuen Wahrheit zu ersticken, sondern sie

haben oft genug dazu beigetragen, daß es bald darauf in hellerem Glanze

erstrahlen konnte. Auch der Umstand mußte für die neue Lehre sprechen,

daß mehrere Forscher, die nicht miteinander in Verbindung standen und

von den verschiedensten Gesichtspunkten ausgingen, schließlich zu ihr

durchgedrungen waren. In den vorhergehenden Abschnitten wurde ferner

gezeigt, daß der Fortschritt der gesamten Naturwissenschaften auf eine

Verknüpfung, wie sie in dem Prinzip von der Erhaltung der Energie zum

Ausdruck kam, hindrängte. Infolgedessen erscheint das Verdienst des

einzelnen nicht in solchem Maße in den Vordergrund gerückt, wie es bei

manchen anderen, großen Entdeckungen und Verallgemeinerungen der Fall

ist.

Das Gesetz von der Erhaltung der Energie hatte man zuerst aus irdischen

Erscheinungen abgeleitet. *Helmholtz* stellte sich die Aufgabe, auf

grund dieses Gesetzes den »Haushalt des Weltalls« zu überschauen[277].

Er ging dabei mit *Kant* von der Annahme aus, daß die Masse der Sonne

und unseres Planetensystems im Uranfang einen Nebel von verschwindender

Dichtigkeit bildete, der über die Grenzen der Neptunbahn

hinausreichte. Daran knüpfte *Helmholtz* folgende Betrachtungen unter

dem neuen, von ihm und *Mayer* gewonnenen Gesichtspunkte.

Als sich der Urnebel gebildet hatte, mußte er nicht nur den genannten

Stoff enthalten, aus dem die Sonne und das Planetensystem hervorgingen,

sondern auch den ganzen Vorrat an Arbeitskraft, der einst in diesem

System seinen Reichtum an Wirkungen entfalten sollte. Eine ungeheuer

große Mitgift war dem Planetensystem in dieser Beziehung allein in

Form der allgemeinen Anziehungskraft aller seiner Teile zu einander

mitgegeben. Auch die chemischen Kräfte mußten schon vorhanden sein.

Da aber diese Kräfte erst bei der innigsten Berührung der Massen in

Wirksamkeit treten können, so mußte erst Verdichtung eintreten, bevor

ihr Spiel beginnen konnte. *Helmholtz* berechnete, wieviel Arbeit bei

der bisherigen Verdichtung geleistet ist und wieviel Energie noch jetzt

in Form mechanischer Kraft besteht, und zwar als Anziehung der Planeten

zur Sonne und als lebendige Kraft ihrer Bewegung. Daraus ergab sich,

wieviel von der bei der Verdichtung geleisteten Arbeit schon in Wärme

verwandelt wurde. Die Berechnung zeigte, daß nur noch etwa der 454.

Teil der ursprünglichen mechanischen Kraft vorhanden ist. Die übrigen

453/454 sind danach in Wärme verwandelt und als solche größtenteils

in den Weltraum ausgestrahlt worden. Wenn die Masse unseres ganzen

Sonnensystems aus Kohle bestände und verbrannt würde, so würde nach

*Helmholtz* dadurch erst der 3500. Teil jener Wärmemenge erzeugt werden.

Daß auch der noch gegenwärtig in unserem Planetensystem vorhandene

Vorrat an mechanischer Kraft ungeheuren Wärmemengen entspricht, zeigt

*Helmholtz* durch folgende Berechnung: Könnte unsere Erde plötzlich in

ihrer Bewegung um die Sonne zum Stillstand gebracht werden, so würde

durch diesen Stoß soviel Wärme erzeugt, wie die Verbrennung von 14

Erden aus reiner Kohle liefern würde. Fiele die Erde dann aber, wie es

der Fall sein müßte, in die Sonne, so würde die durch einen solchen

Stoß entwickelte Wärme noch 400mal so groß sein.

*Helmholtz* berechnet auch den Kraftvorrat der Sonne, der den

Reichtum der klimatischen, geologischen und organischen Vorgänge auf

unserer Erde fast allein im Gang erhält, da die innere Wärme des

Erdballs wenig Einfluß auf die Temperatur der Oberfläche ausübt.

*Pouillet*[278] hatte gemessen, wieviel Sonnenwärme in einer gegebenen

Zeit ein gegebener Teil der Erde empfängt. Nach dem erhaltenen Wert

zu schließen, gibt die Sonne soviel Wärme ab, daß an ihrer Oberfläche

stündlich eine zehn Fuß dicke Schicht Kohlenstoff verbrennen müßte, um

diese Wärmemenge durch Verbrennung zu erzeugen.

Auch die Frage, ob die Sonne nur diejenige Wärme ausstrahlt, die

seit ihrer Entstehung in ihr angehäuft ist, oder ob fortdauernd neue

Wärme an ihrer Oberfläche infolge chemischer Vorgänge erzeugt wird,

erörterte *Helmholtz*. Er schloß aus dem Gesetz von Erhaltung der

Kraft, daß kein Vorgang in der Sonne die Ausstrahlung von Licht und

Wärme für ewige Zeiten unterhalten könne. Als Quelle der Sonnenkraft

nahm *Helmholtz* die fortschreitende Verdichtung dieses Gestirns, das

augenblicklich nur 1/4 der Dichtigkeit der Erde besitzt, in Anspruch.

Unter dieser Voraussetzung berechnete er, daß durch eine Verringerung

des Sonnendurchmessers um nur den zehntausendsten Teil seiner jetzigen

Größe hinreichend viel Wärme erzeugt wird, um die ganze Wärmeausgabe

für 2000 Jahre zu decken.

An dem weiteren Ausbau der von *Mayer*, *Joule* und *Helmholtz*

geschaffenen Theorie war besonders *Clausius*[279] beteiligt. Er und

andere Männer griffen den schon oft geäußerten Gedanken wieder auf,

daß die Energie beim Stoße unelastischer Körper und bei der Reibung

sich in eine unsichtbare Bewegung der kleinsten Teilchen, der Moleküle,

umsetze. Indem sie diesen Gedanken auf alle Teilgebiete der Physik

ausdehnten und ihn in die Sprache der analytischen Mechanik übertrugen,

begründeten sie die mechanische Wärme- und die kinetische Gastheorie.

*Clausius* knüpfte an *Carnots* im Jahre 1824 veröffentlichte

Untersuchung[280] über die bewegende Kraft der Wärme an. Er erweiterte

den von *Carnot* geäußerten Gedanken dadurch, daß er ihn mit dem von

*Joule* und *Mayer* aufgestellten Prinzip der Äquivalenz von Wärme

und Arbeit in Verbindung brachte. *Carnot* hatte nachgewiesen, daß

wenn Arbeit durch Wärme geleistet wird, eine gewisse Wärmemenge von

einem warmen auf einen Körper von geringerer Temperatur übergeht, z.

B. bei der Dampfmaschine von der Feuerung auf den Kondensator. Dabei

hatte *Carnot*, ohne sich über die eigentliche Natur der Wärme zu

entscheiden, angenommen, daß die Quantität der Wärme dieselbe bleibe.

*Clausius* berichtigte dieses Prinzip auf Grund der neuen, von *Joule*

und *Mayer* gewonnenen Erkenntnis dahin, daß zur Erzeugung von Arbeit

nicht nur eine Veränderung in der Verteilung der Wärme, sondern auch

der Verbrauch einer der erzeugten Arbeit proportionalen Wärmemenge

nötig sei, sowie daß umgekehrt durch Verbrauch einer ebenso großen

Arbeit dieselbe Wärmemenge wieder erzeugt werden könne. Er nannte

diesen Satz den ersten Hauptsatz der mechanischen Wärmetheorie[281].

Diesen ersten Hauptsatz der mechanischen Wärmetheorie, den *Helmholtz*

als den Satz von der Erhaltung der Kraft bezeichnet hatte, nannte

*Clausius* zutreffender den Satz von der Erhaltung der Energie. In

aller Kürze sprach er ihn so aus:

»*Wärme und Werk sind äquivalent*«.

*Clausius* wie auch *Helmholtz* zeigten, daß sich dieser Satz auf

die Gesamtheit der Naturerscheinungen ausdehnen läßt, indem man die

Begriffe Wärme und Werk erweitert und beispielsweise auch die Wirkungen

elektrischer und magnetischer Kräfte als Werk bezeichnet. Der Satz von

der Äquivalenz besagt somit, daß sich eine Form der Energie in eine

andere verwandelt, ohne daß etwas an Energie verloren geht. Nach dem

umfassendsten Ausdruck den man diesem Satz gegeben hat, ist die Energie

des Weltalls ebenso konstant wie die Menge des in der Welt vorhandenen

Stoffes.

*Clausius* hat später darauf hingewiesen, daß man aus dem ersten

Hauptsatz nicht folgern dürfe, die Welt sei unveränderlich, d. h.

in einem ewigen Kreislauf begriffen. Nach dem von *Clausius* als

zweiten Hauptsatz der mechanischen Wärmetheorie bezeichneten Satze

wird sich die gesamte Arbeit, welche die Naturkräfte noch verrichten

können, sowie diejenige, die in den vorhandenen Bewegungen steckt,

kurz alle potentielle und aktuelle Energie, immer mehr in Wärme

verwandeln. Letztere Energieform wird eine immer gleichmäßigere

Verteilung annehmen, indem die augenblicklich noch vorhandenen

Temperaturunterschiede sich ausgleichen. Für diesen Ausgleich aller

vorhandenen Temperaturunterschiede braucht *Clausius* das Wort

»Entropie«. Er gibt seinem zweiten Hauptsatz daher auch wohl den

Ausdruck:

»*Die Entropie der Welt strebt einem Maximum zu*«.

Ist dieses Maximum erreicht, so können keine Energieumwandlungen

mehr stattfinden. Der Vorrat an Energie ist zwar dem ersten Satz

entsprechend derselbe geblieben. Trotzdem ist infolge der gleichmäßigen

Verteilung ein ewiger Beharrungszustand eingetreten.

Streng genommen, gelten die beiden Sätze nur für ein begrenztes

System, d. h. unter der Annahme, daß der Kraft- und Stoffvorrat der

Welt endlich ist. Da die Forschung es aber nur mit einem solchen

begrenzten System, und zwar zunächst nur mit dem Energievorrat des

Sonnensystems zu tun hat, so sind der Satz von der Erhaltung der Kraft

und der Entropiesatz zu den wichtigsten Prinzipien geworden, auf denen

unsere heutige Naturauffassung beruht. Wie sich die Erhaltung und

die Wandlungen der Energie für die Welt als Ganzes gestalten, ist,

zumal wenn wir die Welt als unbegrenzt betrachten, eine Frage von

metaphysischer Bedeutung.

Den beiden von *Mayer* und *Clausius* formulierten Hauptsätzen der

mechanischen Wärmetheorie hat *Nernst* vor kurzem noch einen dritten

Satz hinzugefügt. Er lautet in der von *Nernst* herrührenden Fassung:

»Es ist unmöglich, eine Vorrichtung zu ersinnen, durch die ein Körper

völlig der Wärme beraubt, d. h. bis zum absoluten Nullpunkt abgekühlt

werden kann«. *Nernst* schloß dies aus den Änderungen, welche die

spezifische Wärme mit der Abnahme der Temperatur erfährt[282].

Geradezu umgestaltend hat die mechanische Wärmetheorie auf die Theorie

der Gase gewirkt. Um den Druck zu erklären, den ein Gas auf die Wände

des Gefäßes ausübt, in dem es eingeschlossen ist, hatte man bis um die

Mitte des 19. Jahrhunderts angenommen, daß die Moleküle der Gase sich

gegenseitig mit einer Kraft abstoßen, die in dem Maße abnimmt, in dem

sich die Moleküle voneinander entfernen.

Eine andere Vorstellung von der Natur der Gase hatte schon *Bernoulli*

um die Mitte des 18. Jahrhunderts entwickelt[283]. Er hatte angenommen,

daß sich die Gasmoleküle unabhängig voneinander bewegen, bis sie auf

ein anderes Molekül oder auf eine Wand treffen. In diesem Falle werde

das Molekül wie ein vollkommen elastischer Körper zurückgeworfen,

um seine geradlinige Bewegung mit unveränderter Geschwindigkeit

fortzusetzen. *Bernoullis* Theorie von der Natur des gasförmigen

Zustandes blieb unbeachtet, bis die neuere Physik die Körperwärme

als eine Bewegung der Moleküle auffassen lehrte. Vor allem waren es

*Clausius* und *Krönig*[284], welche die Vorstellung *Bernoullis*

wieder belebten und die kinetische Gastheorie begründeten.

Nach dieser Theorie gibt es in den Gasen keinen Gleichgewichtszustand.

Die Moleküle bewegen sich, ganz wie es schon *Bernoulli* beschrieben

hatte, geradlinig und mit gewissen Geschwindigkeiten, bis sie auf

ein benachbartes Molekül oder auf die das Gas einschließende Wand

stoßen. Geschieht dies, so werden sie nach den Gesetzen, die für den

Stoß vollkommen elastischer Kugeln gelten, zurückgestoßen. Man kann

sich nach *Krönig* diese Hypothese folgendermaßen veranschaulichen.

Man denke sich einen Kasten aus absolut elastischem Stoff und in dem

Kasten eine Anzahl absolut elastischer Kugeln, die, wenn sie ruhen,

nur einen kleinen Teil des Kastens einnehmen. Der Kasten werde heftig

geschüttelt, so daß die Kugeln in Bewegung geraten. Kommt der Kasten

wieder in Ruhe, so behalten die Kugeln, weil sie absolut elastisch

sind, die ihnen mitgeteilte Bewegung unablässig bei, obgleich die

Richtung jeder einzelnen Kugel bei jedem Stoß gegen eine andere Kugel

oder gegen eine Wand sich ändert. Wie diese Kugeln verhalten sich die

Gasmoleküle in einem abgeschlossenen Gefäß[285].

Aus dieser Hypothese vermochte *Krönig* ohne weiteres das

*Boyle-Mariotte*sche und das *Gay-Lussac*sche Gesetz abzuleiten. Er

setzte die Zahl der Moleküle gleich n, die Masse eines jeden gleich m,

das Volumen des Gases gleich v und die Geschwindigkeit der Moleküle

gleich c. Dann ergab sich der Druck

p = (nmc^2)/v.

Der Druck p ist in Übereinstimmung mit dem *Boyle-Mariotte*schen Gesetz

also umgekehrt proportional dem Volumen. Der Druck ist ferner direkt

proportional der Anzahl n der stoßenden Moleküle. Ferner ist die

lebendige Kraft der Moleküle nach *Krönig* nichts anderes als die vom

absoluten Nullpunkt an gerechnete Temperatur. Die obige Formel nimmt

also den Ausdruck

p = (nT)/v oder pv = nT

an. Das ist aber der mathematische Ausdruck für das *Gay-Lussac*sche

und das *Mariotte*sche Gesetz.

Ebenso ergibt sich ohne weiteres die *Avogadro*sche Regel. Wendet man

nämlich die Formel auf zwei verschiedene Gase an:

p_{1}v_{1} = n_{1}T_{1}

p_{2}v_{2} = n_{2}T_{2}

und betrachtet man gleiche Volumina (v_{1} = v_{2}) bei gleichem Druck

(p_{1} = p_{2}) und gleicher Temperatur (T_{1} = T_{2}), so ergibt

sich n_{1} =n_{2}, d. h. unter diesen Verhältnissen ist die Zahl der

Moleküle gleich groß.

Um der Annahme der steten Bewegung der Moleküle gasförmiger Körper das

Befremdende zu nehmen, erinnert *Krönig* daran, in wie kurzer Zeit z.

B. eine geringe Menge Schwefelwasserstoffgas sich durch ein ganzes

Zimmer ausbreitet.

Ihre Fortbildung fand die Theorie *Krönigs* durch *Clausius*[286]. Nach

ihm ist die geradlinig fortschreitende Bewegung der Gasmoleküle aber

nicht die einzige, da bei jedem Stoße zweier Körper gegeneinander,

wenn der Stoß nicht zufällig zentral oder gerade ist, außer der

fortschreitenden auch eine rotierende Bewegung entsteht. Rotierende

Bewegungen der Moleküle und oszillierende Bewegungen der Atome

innerhalb des Moleküls nahm *Clausius* auch aus dem Grunde an, weil

die lebendige Kraft der fortschreitenden Bewegung allein sich zu

gering erwies, um die ganze in dem Gase vorhandene Wärme zu erklären.

Die rotierende und die oszillierende Bewegung nannte *Clausius* die

Bewegungen der Bestandteile. Er wies nach, daß die lebendigen Kräfte

der letzteren zur lebendigen Kraft der fortschreitenden Bewegung für

ein bestimmtes Gas und eine gegebene Temperatur in einem konstanten

Verhältnis stehen.

Aus der von ihm gefundenen Grundgleichung der kinetischen Gastheorie:

p = (nmc^2)/(3v)

vermochte *Clausius* die Geschwindigkeit der Gasmoleküle zu berechnen.

Da nm die Gesamtmasse des Gases (M) ist, so wird

c = √((3pv)/M)

Daraus ergaben sich folgende, für den Gefrierpunkt geltende Zahlen:

für Sauerstoff 461 m

" Stickstoff 492 m

" Wasserstoff 1844 m

Während *Krönig* und *Clausius* die in vorstehendem dargestellten

Grundzüge der thermodynamischen Gastheorie entwickelten, begründete *G.

Kirchhoff* fast zur selben Zeit die Thermodynamik der Lösungen[287].

Wird bei einer Reaktion Wärme entwickelt, so nennt man sie

exothermisch. Ist dagegen mit einer Reaktion ein Verbrauch von Wärme

verbunden, so bezeichnet man sie als endothermisch. Vereinigen sich

flüssige Stoffe mit Gasen oder Flüssigkeiten, so findet meist eine

Entwicklung von Wärme (Lösungswärme) statt, auch wenn es sich dabei um

keine chemische Verbindung, sondern um einen physikalischen Vorgang

handelt. Die Auflösung von festen Körpern in Flüssigkeiten ist in

den meisten Fällen, insbesondere wenn es sich um Salze handelt, ein

endothermischer Vorgang.

*Kirchhoff* gelang es aus den Prinzipien der mechanischen Wärmetheorie

die Wärmemenge zu berechnen, die beim Auflösen eines Gases oder eines

Salzes in Wasser frei beziehungsweise absorbiert wird.

Die Naturwissenschaften in ihrer Entwicklung und in ihrem Zusammenhange, IV. Band Das Emporblühen der modernen Naturwissenschaften seit der Entdeckung des Energieprinzips · 第 38 / 171 题