Durch die Entdeckung des Nitrobenzols hat *Mitscherlich* das große
Gebiet der Nitroverbindungen erschlossen. Das Nitrieren, d. h. die
Einführung einer oder mehrerer Nitrogruppen durch Behandeln der
aromatischen Verbindungen mit Salpetersäure wurde zu einer der am
häufigsten ausgeführten Reaktionen. Aus den Nitroverbindungen gingen
durch Umwandlung der Gruppe NO_{2} in die Gruppe NH_{2} vermittelst
geeigneter Reduktionsmittel die Amidoverbindungen hervor, die wiederum
zum Ausgangspunkt für zahllose farbige Derivate wurden. Der erste
Schritt auf diesem Wege bestand in der Reduktion von Nitrobenzol zu
Amidobenzol oder Anilin[179]: C_{6}H_{5}NO_{2} + 6H = C_{6}H_{5}NH_{2} +
2H_{2}O.
Durch *Mitscherlichs* Arbeit über das Benzol wurde man auch mit dem
ersten Körper aus der Gruppe der Azoverbindungen bekannt, die für die
Farbenfabrikation gleichfalls von größter Wichtigkeit geworden sind.
*Mitscherlich* erhielt das Azobenzol, als Prototyp einer großen Klasse
analog zusammengesetzter Verbindungen, indem er das Nitrobenzol durch
Erwärmen mit alkoholischer Kalilauge seines Sauerstoffs beraubte[180]: