als mathematischer Ausdruck (*Joule*sches Gesetz). Im weiteren Verlaufe
seiner Untersuchungen über die Wärmewirkung des Stromes wurde *Joule*
auf die Entdeckung des Gesetzes von der Erhaltung der Kraft geführt.
Die näheren Umstände dieser Entdeckung, die *Joule* mit anderen
Forschern teilte, sollen in einem späteren, besonderen Abschnitt
erörtert werden.
Bestätigt wurde das *Joule*sche Gesetz durch eine ausgedehnte und
genaue Untersuchung von *Lenz*[127]. Von Interesse ist das sinnreiche
Verfahren, das *Lenz* unter Benutzung des in Abbildung 23 dargestellten
Apparates anwandte.
[Illustration: Abb. 23. *Lenz* mißt die durch den Strom erzeugte Wärme.]
Ein Glasgefäß wurde mit Alkohol gefüllt und luftdicht verschlossen.
Durch den Stöpsel gingen zwei Platindrähte, zwischen welche der zu
erwärmende Draht eingeschaltet wurde. Durch den nach oben gekehrten
Boden der Glasflasche wurde ein Thermometer geführt. Als Stromquelle
benutzte *Lenz* das von dem Engländer *Daniell*[128] im Jahre 1836
erfundene konstante Element. Die durch den galvanischen Strom in der
Drahtspirale erzeugte Wärme teilte sich dem Weingeist mit, dessen
Temperaturerhöhung an dem Thermometer abgelesen wurde. Um den durch
Abgabe von Wärme an die Luft entstehenden Fehler auszugleichen,
bediente sich *Lenz* eines Kunstgriffs. Er kühlte seinen Meßapparat
um 6° unter der Temperatur der umgebenden Luft ab und schickte den
Strom so lange hindurch, bis die Temperatur des Alkohols 6° über
der Temperatur der Umgebung lag. Auf diese Weise wurde der durch
Wärmeabgabe entstehende Fehler ausgeglichen, da der Apparat während der
ersten Hälfte der Zeitdauer des Versuches ebensoviel Wärme von außen
empfing, als er in der zweiten Hälfte abgab. Die Intensität des Stromes
maß *Lenz* mit Hilfe des von *Faraday* erfundenen Knallgasvoltameters.
Die entstandenen Wärmemengen waren den Quadratzahlen der im
Voltameter abgeschiedenen Gasvolumina und somit den Quadraten der
Stromintensitäten proportional.
[Illustration: Abb. 24. Die Erzeugung von Temperaturdifferenzen durch
den elektrischen Strom (nach *Peltier*).]
Der Umwandlung von Elektrizität in Wärme entsprach als Umkehrung des
Vorganges die Erzeugung von elektrischem Strom durch Wärmezufuhr. Mit
der Erforschung dieses 1821 von *Seebeck* erschlossenen Gebietes der
thermoelektrischen Ströme[129] hat sich *Lenz* gleichfalls beschäftigt.
Da in einem aus verschiedenartigen Metallen, z. B. aus Wismut und
Antimon verfertigten Metallbügel ein Thermostrom entsteht, wenn man an
den beiden Berührungsstellen der Metalle eine Temperaturdifferenz durch
Erwärmen oder durch Abkühlen der einen Stelle hervorruft, so erhob
sich die Frage, ob sich nicht auch umgekehrt eine Temperaturdifferenz
dadurch hervorrufen läßt, daß man einen elektrischen Strom durch ein
Thermoelement schickt. Daß diese Frage zu bejahen ist, erkannte der
Franzose *Peltier*[130]. Er fand[131], daß an der Berührungsstelle
eines aus Antimon und Wismut zusammengelöteten Stabes Erwärmung
eintritt, wenn der Strom vom Antimon zum Wismut fließt. Dagegen wurde
eine Temperaturerniedrigung bei der Umkehrung des Stromes wahrgenommen.
*Lenz* gelang es, diesen als *Peltiers* Phänomen bezeichneten Vorgang
besonders auffallend dadurch zu demonstrieren, daß er durch einen
galvanischen Strom Wasser an der Lötstelle eines Thermoelementes
zum Gefrieren brachte und das entstandene Eis auf 4,5° unter den
Gefrierpunkt abkühlte.
Die mit der Ausdehnung der physikalischen Untersuchungen immer häufiger
beobachtete Erscheinung, daß für jeden Vorgang eine Umkehrung möglich
ist, mußte mit wachsender Deutlichkeit den Begriff einer allgemeinen
Umwandelbarkeit der Kräfte ineinander erstehen lassen. Da man ferner
jeden neuen Vorgang messend verfolgte, so mußte die Frage, ob die
bei einer Umwandlung verschwindende Kraftgröße der neu entstehenden
äquivalent ist, d. h. ob sich bei einer Rückverwandlung der alte
Wert ergibt, immer mehr hervortreten. Wir sehen also, daß schon
in den dreißiger Jahren des 19. Jahrhunderts alles auf die große
Verallgemeinerung, die bald darauf in dem Gesetz von der Erhaltung der
Kraft geschaffen wurde, hindrängte.
An die Untersuchungen über das *Peltier*sche Phänomen schloß sich
die Entwicklung einer Theorie der Thermoströme. Es ergab sich,
daß für geringe Temperaturunterschiede die Stromstärke der an den
Berührungsstellen der Metalle vorhandenen Temperaturdifferenz
proportional ist.
*Lenz* war auch der erste Physiker, dem es gelang, für die
Induktionserscheinungen allgemeinere Gesetze zu finden. Zunächst
erkannte *Lenz*, daß alle Induktionserscheinungen sich unter eine
bestimmte Regel fassen lassen, aus der sich die Richtung des
induzierten Stromes sofort entnehmen läßt. Wird nämlich die relative
Lage eines Magneten oder eines Stromleiters zu einem zweiten
Stromleiter geändert, so entsteht jedesmal in dem zweiten Stromleiter
ein induzierter Strom, der dem Magneten oder dem induzierten
Stromleiter eine der ihnen erteilten Bewegung entgegengesetzte Bewegung
zu geben strebt[132]. Die Wirkung, welche ein Magnet oder ein Strom
infolge ihrer Bewegung auf einen Leiter ausüben, besteht also darin,
daß der induzierte Leiter die Bewegung, die in ihm den Induktionsstrom
hervorruft, zu hemmen sucht. Man hat diese Regel wohl als das
*Lenz*sche Gesetz oder als das Grundgesetz der elektrischen Induktion
bezeichnet.
Offenbar war in dem *Lenz*schen Gesetz schon die Beziehung zwischen
Stromerzeugung und mechanischer Arbeit aufgedeckt. Um z. B. einen
Magneten einem Stromleiter zu nähern, mußte ein von dem induzierten
Strom herrührender hemmender Einfluß überwunden, also mechanische
Arbeit geleistet werden. Es bedurfte nur des Nachweises, daß es sich
bei dieser Umwandlung der einen Kraft in die andere um äquivalente
Leistungen handelt. Diesen Nachweis erbrachte *Helmholtz* im Jahre
1847. Er dehnte dadurch das von *Mayer* ausgesprochene Gesetz von der
Erhaltung der Kraft auf das Gebiet der elektrischen und magnetischen
Vorgänge aus, nachdem es vor ihm in erster Linie für die mechanischen
Vorgänge und die Erscheinungen der Wärme nachgewiesen worden war. Wir
sehen auch hier wieder, wie alles auf die Entdeckung des grundlegenden
Prinzips der neueren Naturwissenschaft hindrängte. Die eingehendere
Betrachtung dieses Prinzips und seiner Entdeckung bleibt einem
besonderen späteren Abschnitt vorbehalten.
*Lenz* suchte auch zuerst die Stärke der Induktionsströme zu ermitteln.
Er umwickelte ein stabförmiges Stück Schmiedeeisen mehrfach mit einem
Draht und verband diesen mit einem Galvanometer. Indem er einen
Stahlmagneten an den Eisenstab legte oder ihn von dem Eisenstab
entfernte, erzeugte *Lenz* in dem Draht Magnetinduktionsströme,
die eine momentane Ablenkung der Galvanometernadel hervorriefen.
Es ergab sich[133], daß die Intensität des induzierten Stromes dem
Sinus des halben Ablenkungswinkels proportional ist. Darauf wurden
die Intensitäten für eine verschiedene Anzahl von Windungen (2, 4, 8,
16) miteinander verglichen. Es zeigte sich, daß die in der Spirale
erzeugten Ströme eine um so größere Intensität besitzen, je größer
die Zahl der Windungen ist. Der Weg, auf dem *Lenz* die Beziehung
zwischen der Intensität des induzierten Stromes und der Ablenkung der
Galvanometernadel entdeckte, ist ein lehrreiches Beispiel für die
Anwendung der älteren, auf dem Gebiete der Mechanik gewonnenen Gesetze
auf das neu erschlossene Gebiet der Elektrizitätslehre. *Lenz* ließ
sich durch folgende Überlegung leiten. Da die Wirkung des induzierten
Stromes auf die Magnetnadel nur momentan ist, so läßt sie sich mit
einem auf ein ruhendes Pendel ausgeübten Stoß vergleichen. Die Nadel
und das Pendel entfernen sich so weit aus der Gleichgewichtslage, bis
die Bewegung, die sie erhalten haben, durch die entgegenwirkenden
Kräfte vernichtet ist. Nach der Umkehr der Nadel, beziehungsweise
des Pendels, wirken dieselben Kräfte beschleunigend, die vorher die
Bewegung verzögerten. Das Pendel und die ganz analogen Bedingungen
ausgesetzte Nadel kehren nach den für das Pendel ermittelten Gesetzen
in die ursprüngliche Lage mit der gleichen Geschwindigkeit zurück, mit
der sie diese Lage verlassen haben. Die Geschwindigkeit ist ferner der
Stärke des Stoßes, beziehungsweise der Intensität des induzierten,
auf die Nadel wirkenden Stromes proportional. Die gleiche Formel,
welche die Abhängigkeit der Geschwindigkeit eines Pendels von dem
Ausschlagswinkel ausdrückt, gilt also auch für die Bestimmung der
Intensität des Induktionsstromes. Letztere ist danach dem Sinus des
halben Ablenkungswinkels proportional.
Ausgehend von dem *Lenz*schen Grundgesetz von der hemmenden Wirkung,
die der induzierte Strom auf die Bewegung des induzierenden Stromes
oder des Magneten ausübt, entwickelte *Franz Neumann* im Jahre 1845
ausführlicher die mathematischen Gesetze der induzierten elektrischen
Ströme. *Neumann* ist für die Entwicklung der Physik in Deutschland
von so großer Bedeutung gewesen, daß wir seinem Lebensgange eine kurze
Betrachtung widmen wollen.
*Franz Ernst Neumann* wurde 1798 als Sohn eines Gutsverwalters in
der Uckermark geboren. Als 16jähriger Gymnasiast beteiligte er sich
an dem Feldzuge von 1815. Er wurde bei Ligny schwer verwundet. Auf
der Universität wandte sich *Neumann* zunächst der Theologie zu.
Neigung und der Einfluß des Mineralogen Weiß bewogen ihn, sein
anfängliches Studium mit demjenigen der Naturwissenschaften zu
vertauschen. Trotz der bittersten Armut gelang es *Neumann*, dank
seiner Anspruchslosigkeit und seiner eisernen Pflichttreue, sich zu
einer Dozentenstellung emporzuarbeiten. Sie war freilich bescheiden
genug. Sein Anfangsgehalt als Professor der Mineralogie und der Physik
in Königsberg belief sich auf 200 Taler jährlich[134]. Als sich seine
Verhältnisse etwas gebessert hatten, ermöglichte er in Anbetracht der
kärglichen, vom Staate gebotenen Mittel durch persönliche Geldopfer
die Einrichtung eines physikalischen Laboratoriums für seine Schüler.
Als *Neumann* seine wissenschaftliche Tätigkeit begann, wurden an
den deutschen Hochschulen nicht viel mehr als die Anfangsgründe der
Physik gelehrt. Der exakt wissenschaftlichen Arbeit fehlte es, wie auch
*Ohm* erfahren mußte[135], an Anerkennung. Versuche wurden geringer
eingeschätzt als die schrankenlosen Spekulationen der herrschenden,
naturphilosophischen Richtung. Während dieses für die Entwicklung
der Naturwissenschaften in Deutschland so wenig günstigen Zeitraums
richteten sich die Blicke der jüngeren Forscher, soweit sie nicht
selbst in den Netzen einer ungesunden Philosophie verstrickt waren,
auf Frankreich, das um die Wende vom 18. zum 19. Jahrhundert durch
Männer wie *Laplace*, *Lavoisier*, *Coulomb*, *Gay-Lussac*, *Ampère*
und *Fresnel*, um nur einige glänzende Namen zu nennen, die größten
Erfolge auf dem Gebiete der exakten Wissenschaften gezeitigt hatte. Es
ist *Neumanns* Verdienst, daß er die mathematisch-physikalische, nach
dem Muster der großen französischen Forscher betriebene Methode in
Deutschland eingeführt hat. Mit welchem Erfolge er dies auf dem Gebiete
der Optik im Anschluß an die Arbeiten *Fresnels* tat, haben wir in
einem früheren Abschnitt erfahren. Nachdem *Faraday* die induzierten
Ströme entdeckt hatte, galt es, auch dieses Gebiet gleich den früher
erschlossenen Gebieten der Elektrizitätslehre der mathematischen
Analyse zu unterwerfen. Die erste befriedigende Lösung dieser Aufgabe
brachte *Neumann* in zwei Abhandlungen von 1845 und 1847, also
fast anderthalb Jahrzehnte nach dem Bekanntwerden der Entdeckungen
*Faradays*[136]. Von besonderer Wichtigkeit war die Arbeit vom Jahre
1847 über das allgemeine Prinzip der mathematischen Theorie induzierter
elektrischer Ströme. In dieser Arbeit zeigte *Neumann*, wie sich ohne
jede Voraussetzung über das Wesen der Elektrizität die Stärke der
induzierten Ströme berechnen läßt. *Neumann* ging von dem *Lenz*schen
Gesetze aus, nach dem der induzierte Strom stets so gerichtet ist,
daß er die Bewegung des ihn induzierenden Magneten oder Stromleiters
zu hemmen sucht. Damit war der Zusammenhang zwischen Stromerzeugung
und Arbeitsaufwand ausgesprochen. Um z. B. durch die Annäherung
eines Magneten an einen Leiter in diesem einen Strom hervorzurufen,
war die Überwindung der hemmenden Wirkung für die von dem Magneten
zurückgelegte Strecke, mit anderen Worten der Aufwand einer gewissen
Arbeit, erforderlich. Das Maximum der Arbeit ist in diesem Falle
offenbar zu leisten, wenn man den Magneten aus größtmöglicher
Entfernung an den Leiter heranbringt. Dieses Maximum an Arbeit wird als
das Potential des Leiters in bezug auf den Magneten bezeichnet. Wir
haben an früherer Stelle gesehen[137], wie der Potentialbegriff aus der
*Newton*schen Gravitationstheorie entsprang und von *Green*, *Gauß*
und anderen zunächst auf die magnetischen und die elektrostatischen
Erscheinungen ausgedehnt wurde. Mit Hilfe der Potentialtheorie gelangte
nun auch *Neumann* zu einem allgemeinen Prinzip für die Induktion.
Es gilt für geschlossene lineare Leiter (Drähte) und besagt, daß
die in einem solchen zu einem Bogen geschlossenen Leiter induzierte
elektromotorische Kraft gleich dem Unterschied der Potentialwerte jenes
Leiters bezogen auf den von dem induzierenden Strom durchflossenen
Leiter ist. *Neumanns* Prinzip bestand die experimentelle Prüfung so
gut, daß es sich zur Berechnung der verschiedenen Fälle von Induktion
verwerten ließ und seine Bedeutung auch heute noch nicht eingebüßt hat.
Zur selben Zeit, als *Neumann* seine Untersuchungen anstellte, bemühte
sich *Wilhelm Weber*[138], ein elektrodynamisches Grundgesetz zu
finden, das das *Coulomb*sche, das *Ampère*sche und das Gesetz der
Induktion in sich begreifen, für das Gebiet der Elektrizitätslehre also
eine ähnliche umfassende Bedeutung beanspruchen sollte, wie sie das
*Newton*sche Gravitationsgesetz für die Mechanik besitzt. Nach *Webers*
Gesetz[139] ist die Kraft, die zwei Elektrizitätsmengen auf einander
ausüben, nicht nur von ihrer Entfernung, sondern auch von ihrer
Geschwindigkeit und von ihrer Beschleunigung abhängig[140].
Die Bestimmung der in dem Ausdruck für *Webers* Gesetz vorkommenden
Konstanten (c) führte zu dem überraschenden Ergebnis, daß, wenn die
elektrostatische Wirkung durch die elektrodynamische aufgehoben
wird, die Geschwindigkeit der Elektrizitätsteilchen nahezu der
Geschwindigkeit des Lichtes entspricht. In dieser Erkenntnis war schon
der Keim der später von *Maxwell* entwickelten elektromagnetischen
Theorie des Lichtes enthalten. Denn offenbar wies jenes Ergebnis des
*Weber*schen Gesetzes darauf hin, daß zwischen den elektromagnetischen
und den optischen Vorgängen ein Zusammenhang besteht.
*Webers* Gesetz fand nicht diejenige allgemeine Zustimmung, die
dem Gesetze *Neumanns* zuteil wurde. Neuere Forscher, vor allem
*Helmholtz*, haben Einwände gegen das *Weber*sche Gesetz erhoben.
*Helmholtz* hielt es mit dem Prinzip von der Erhaltung der Kraft
nicht vereinbar. *Weber* hat diesen Einwand zu widerlegen gesucht. Da
die Anwendung des *Weber*schen Gesetzes auf besondere Fälle jedoch
recht umständliche Rechnungen erforderte und durch *Maxwell* eine
ganz neue Auffassung der elektrischen Erscheinungen aufkam, so verlor
das *Weber*sche Gesetz an Interesse, bevor der Streit um seine volle
Gültigkeit zum Austrag gebracht war.
Von grundlegender Bedeutung für alle späteren Untersuchungen sind
*Webers* Experimentalarbeiten über die Messung galvanischer Ströme
und Widerstände und sein darauf begründetes elektromagnetisches
Maßsystem geworden. Bevor wir uns diesen, zum Teil in Gemeinschaft mit
*Kohlrausch* unternommenen Arbeiten *Webers* zuwenden, sei noch die
Fortbildung erwähnt, die etwa ein Jahrzehnt nach der Auffindung des
Gesetzes von *Neumann* die Theorie der Induktion durch *Felici*[141]
erfuhr. *Felici* war der erste, dem es gelang, die Gesetze der durch
galvanische Ströme hervorgerufenen Induktion (der Voltainduktion)
abzuleiten[142]. Während *Neumann* und *Weber* in der Hauptsache den
Weg der mathematischen Analyse beschritten, ging *Felici* ähnlich
wie *Ampère* von Versuchsergebnissen aus. Aus ihnen suchte er dann
eine elementare Formel abzuleiten und sie durch weitere Versuche zu
verifizieren. *Felici* zeigte, daß die Stärke der bei der Unterbrechung
oder der Schliessung des galvanischen Stromes induzierten Ströme, wenn
alle übrigen Umstände unverändert bleiben, der Kraft der induzierenden
Ströme proportional ist. Ferner wies *Felici* nach, daß in einem
Leiter, wenn man ihn aus einer Lage in eine andere bringt, durch
einen galvanischen Strom ein ebenso starker Strom induziert wird,
als wenn man ihn in der zweiten Lage festhält und den induzierenden
galvanischen Strom öffnet oder schließt. Diese und einige andere
experimentell gefundene Tatsachen bildeten die Grundlage für die
mathematischen Entwicklungen *Felicis*, bezüglich deren auf die
erwähnte Originalabhandlung hingewiesen werden muß[143].
Wir kehren zu *Wilhelm Weber* zurück, als dessen wichtigstes
Verdienst die Feststellung der absoluten Maße des elektrischen
Stromes zu betrachten ist. *Faraday* hatte zum Messen der absoluten
Stromintensität die in seinem Voltameter stattfindende Abscheidung
von Knallgas benutzt. *Weber* bediente sich dazu einer von ihm
konstruierten Tangentenbussole[144]. Sie bestand aus einem Kupferring
von etwa 20 cm Durchmesser. Der Reif war unten aufgeschnitten. Die so
erhaltenen Enden wurden mit den nach unten geführten Leitungsdrähten
verbunden. Bei dieser Form wirkte nur der kreisförmige Teil der Leitung
auf die Magnetnadel. Letztere befand sich in der Mitte des Ringes
auf einer Holzplatte. Es ergab sich, daß aus der Länge des wirksamen
Leitungsdrahtes, seiner Entfernung r von der Nadel und der Ablenkung
der letzteren eine absolute Bestimmung der Intensität des galvanischen
Stromes gewonnen werden konnte[145]. *Weber* machte von seinem Apparate
sofort zwei wichtige Anwendungen. Zunächst verglich er die Stromstärken
der damals gebräuchlichen galvanischen Elemente von *Daniell*, *Grove*
und *Bunsen*. Als absolute Intensität des von *Weber* untersuchten
*Grove*schen Elementes ergab sich der Wert 270,5. Für das *Daniell*sche
Element erhielt er 173,5 und für das *Bunsen*sche 184,5.
[Illustration: Abb. 25. *Webers* Tangentenbussole.]
Eine zweite Anwendung bestand darin, daß *Weber* die Wärmewirkung
des galvanischen Stromes messend untersuchte und auf diese Weise zur
Gewinnung von Daten über die Äquivalenz der Naturkräfte beitrug.
Welche Wichtigkeit solche Daten für die Aufstellung des Prinzips
von der Erhaltung der Kraft gewinnen sollten, konnte *Weber* damals
freilich noch nicht wissen. Der Gang der Untersuchung war folgender.
Ein Platindraht von bestimmter Länge und Dicke wurde in Wasser
getaucht und mit einem galvanischen Element in Verbindung gesetzt. Die
absolute Intensität des durch den Draht geleiteten Stromes wurde mit
der Tangentenbussole gemessen. Ferner wurde die Temperaturerhöhung
ermittelt, welche das Wasser durch die Wärmeabgabe des vom Strome
durchflossenen Drahtes innerhalb einer bestimmten Zeit erfuhr. Es ergab
sich, daß ein Strom von der Intensität 1 in einer Minute soviel Wärme
lieferte, daß die Temperatur von 1 g Wasser um 1,4° Celsius stieg.
In einer zweiten Untersuchung vom Jahre 1840 stellte *Weber* sich die
wichtige Aufgabe[146], zu bestimmen, wieviel Milligramm Wasser ein
Strom von der Intensität 1 in der Sekunde zersetzt.
*Faraday* hatte gefunden, daß chemisch äquivalente Mengen verschiedener
Stoffe zu ihrer Zersetzung gleiche Elektrizitätsmengen gebrauchen.
So zersetzte beispielsweise derselbe Strom, der 9 g Wasser zerlegte,
36,5 g Chlorwasserstoff. Es schien keinem Zweifel zu unterliegen,
daß die zersetzte Menge eines Stoffes zu der für die Zersetzung
erforderlichen Elektrizitätsmenge in einem bestimmten Verhältnis stehe.
*Weber* stellte sich die Aufgabe, dies Verhältnis für das Wasser zu
ermitteln. Er fand, um das Resultat vorwegzunehmen, daß ein Strom von
der im elektromagnetischen Maße gemessenen Intensität 1 in der Sekunde
0,009376 mg Wasser zersetzt. Für die Minute ergab sich die Menge von
0,56256 mg Wasser, dem 1,0489 ccm Knallgas entsprechen.
Die Stromintensität in absolutem Maße definierte *Weber*
folgendermaßen: Geht eine gewisse Elektrizitätsmenge in der Sekunde
durch den Querschnitt eines Leiters, der in der Ebene die Fläche 1
umkreist, so ist diese Elektrizitätsmenge als absolute Einheit zu
setzen, wenn sie dieselbe Fernwirkung hervorruft wie das absolute
Grundmaß des freien Magnetismus. Hiermit war zum ersten Male die
Einheit einer Elektrizitätsmenge in elektromagnetischem Maße definiert.
Das Verfahren, das *Weber* zur Ermittlung des elektrochemischen
Äquivalentes einschlug, war ein ganz eigenartiges und neues. Es führte
ihn zur Erfindung des für feinere Messungen besonders geeigneten
Bifilargalvanometers. Ein mit Seide umsponnener Kupferdraht von
bestimmter Länge[147] wurde auf einer zylindrischen Rolle von
bestimmtem Durchmesser[148] so aufgewunden, daß alle Windungen[149]
ein System konzentrischer Kreise bildeten. Durch Multiplikation des
Flächeninhalts eines solchen Kreises mit der Zahl der Windungen erhielt
*Weber* die Größe der in der Ebene vom Strom umkreisten Fläche[150].
Sie sei mit S bezeichnet. Die Rolle wurde an zwei Fäden (bifilar)
parallel zum magnetischen Meridian des Beobachtungsortes aufgehängt.
Das Verfahren bestand darin, daß derselbe Strom, der das Wasser
zersetzte, durch die Rolle geleitet wurde. Die Kraft des horizontalen
Teils des Erdmagnetismus äußert das Bestreben, die Rolle senkrecht zur
Ebene des magnetischen Meridians zu stellen. Die Horizontalintensität
des Erdmagnetismus (T) ruft jedoch nur eine Ablenkung (C) hervor, da
die Rolle infolge der Art ihrer Aufhängung in ihre ursprüngliche Lage
mit einer gewissen Direktionskraft (D) zurückzukehren strebt. In der
zwischen diesen Größen obwaltenden Beziehung