Castel Vetrano, Sonnabend, den 21. April 1787

Von Alcamo auf Castel Vetrano kommt man am Kalkgebirge her über

Kieshügel. Zwischen den steilen, unfruchtbaren Kalkbergen weite,

hüglige Täler, alles bebaut, aber fast kein Baum. Die Kieshügel voll

großer Geschiebe, auf alte Meeresströmungen hindeutend; der Boden

schön gemischt, leichter als bisher, wegen des Anteils von Sand.

Salemi blieb uns eine Stunde rechts, hier kamen wir über Gipsfelsen,

dem Kalke vorliegend, das Erdreich immer trefflicher gemischt. In der

Ferne sieht man das westliche Meer. Im Vordergrund das Erdreich

durchaus hüglig. Wir fanden ausgeschlagne Feigenbäume, was aber Lust

und Bewunderung erregte, waren unübersehbare Blumenmassen, die sich

auf dem überbreiten Wege angesiedelt hatten und in großen, bunten,

aneinander stoßenden Flächen sich absonderten und wiederholten. Die

schönsten Winden, Hibiscus und Malven, vielerlei Arten Klee herrschten

wechselsweise, dazwischen das Allium, Galegagesträuche. Und durch

diesen bunten Teppich wand man sich reitend hindurch, denen sich

kreuzenden unzähligen schmalen Pfaden nachfolgend. Dazwischen weidet

schönes rotbraunes Vieh, nicht groß, sehr nett gebaut, besonders

zierliche Gestalt der kleinen Hörner.

Die Gebirge in Nordost stehen alle reihenweis, ein einziger Gipfel,

Cuniglione, ragt aus der Mitte hervor. Die Kieshügel zeigen wenig

Wasser, auch müssen wenig Regengüsse hier niedergehen, man findet

keine Wasserrisse, noch sonst Verschwemmtes.

In der Nacht begegnete mir ein eignes Abenteuer. Wir hatten uns in

einem freilich nicht sehr zierlichen Lokal sehr müde auf die Betten

geworfen, zu Mitternacht wach' ich auf und erblicke über mir die

angenehmste Erscheinung--einen Stern, so schön, als ich ihn nie

glaubte gesehen zu haben. Ich erquicke mich an dem lieblichen, alles

Gute weissagenden Anblick, bald aber verschwindet mein holdes Licht

und läßt mich in der Finsternis allein. Bei Tagesanbruch bemerkte ich

erst die Veranlassung dieses Wunders; es war eine Lücke im Dach, und

einer der schönsten Sterne des Himmels war in jenem Augenblick durch

meinen Meridian gegangen. Dieses natürliche Ereignis jedoch legten

die Reisenden mit Sicherheit zu ihren Gunsten aus.

Sciacca, den 22. April 1787.

Der Weg hieher, mineralogisch uninteressant, geht immerfort über

Kieshügel. Man gelangt ans Ufer des Meers, dort ragen mitunter

Kalkfelsen hervor. Alles flache Erdreich unendlich fruchtbar, Gerste

und Hafer von dem schönsten Stande; Salsola Kali gepflanzt; die Aloen

haben schon höhere Fruchtstämme getrieben als gestern und ehegestern.

Die vielerlei Kleearten verließen uns nicht. Endlich kamen wir an ein

Wäldchen, buschig, die höheren Bäume nur einzeln; endlich auch

Pantoffelholz!

Girgenti, den 23. April. Abends.

Von Sciacca hieher starke Tagereise. Gleich vor genanntem Orte

betrachteten wir die Bäder; ein heißer Quell dringt aus dem Felsen mit

sehr starkem Schwefelgeruch, das Wasser schmeckt sehr salzig, aber

nicht faul. Sollte der Schwefeldunst nicht im Augenblick des

Hervorbrechens sich erzeugen? Etwas höher ist ein Brunnen, kühl, ohne

Geruch. Ganz oben liegt das Kloster, wo die Schwitzbäder sind, ein

starker Dampf steigt davon in die reine Luft.

Das Meer rollt hier nur Kalkgeschiebe, Quarz und Hornstein sind

abgeschnitten. Ich beobachtete die kleinen Flüsse; Calata Bellotta

und Macasoli bringen auch nur Kalkgeschiebe, Platani gelben Marmor und

Feuersteine, die ewigen Begleiter dieses edlern Kalkgesteins. Wenige

Stückchen Lava machten mich aufmerksam, allein ich vermute hier in der

Gegend nichts Vulkanisches, ich denke vielmehr, es sind Trümmer von

Mühlsteinen, oder zu welchem Gebrauch man solche Stücke aus der Ferne

geholt hat. Bei Monte Allegro ist alles Gips: dichter Gips und

Fraueneis, ganze Felsen vor und zwischen dem Kalk. Die wunderliche

Felsenlage von Calata Bellotta!

Italienische Reise — Band 1 · 第 50 / 68 题