Von Alcamo auf Castel Vetrano kommt man am Kalkgebirge her über
Kieshügel. Zwischen den steilen, unfruchtbaren Kalkbergen weite,
hüglige Täler, alles bebaut, aber fast kein Baum. Die Kieshügel voll
großer Geschiebe, auf alte Meeresströmungen hindeutend; der Boden
schön gemischt, leichter als bisher, wegen des Anteils von Sand.
Salemi blieb uns eine Stunde rechts, hier kamen wir über Gipsfelsen,
dem Kalke vorliegend, das Erdreich immer trefflicher gemischt. In der
Ferne sieht man das westliche Meer. Im Vordergrund das Erdreich
durchaus hüglig. Wir fanden ausgeschlagne Feigenbäume, was aber Lust
und Bewunderung erregte, waren unübersehbare Blumenmassen, die sich
auf dem überbreiten Wege angesiedelt hatten und in großen, bunten,
aneinander stoßenden Flächen sich absonderten und wiederholten. Die
schönsten Winden, Hibiscus und Malven, vielerlei Arten Klee herrschten
wechselsweise, dazwischen das Allium, Galegagesträuche. Und durch
diesen bunten Teppich wand man sich reitend hindurch, denen sich
kreuzenden unzähligen schmalen Pfaden nachfolgend. Dazwischen weidet
schönes rotbraunes Vieh, nicht groß, sehr nett gebaut, besonders
zierliche Gestalt der kleinen Hörner.
Die Gebirge in Nordost stehen alle reihenweis, ein einziger Gipfel,
Cuniglione, ragt aus der Mitte hervor. Die Kieshügel zeigen wenig
Wasser, auch müssen wenig Regengüsse hier niedergehen, man findet
keine Wasserrisse, noch sonst Verschwemmtes.
In der Nacht begegnete mir ein eignes Abenteuer. Wir hatten uns in
einem freilich nicht sehr zierlichen Lokal sehr müde auf die Betten
geworfen, zu Mitternacht wach' ich auf und erblicke über mir die
angenehmste Erscheinung--einen Stern, so schön, als ich ihn nie
glaubte gesehen zu haben. Ich erquicke mich an dem lieblichen, alles
Gute weissagenden Anblick, bald aber verschwindet mein holdes Licht
und läßt mich in der Finsternis allein. Bei Tagesanbruch bemerkte ich
erst die Veranlassung dieses Wunders; es war eine Lücke im Dach, und
einer der schönsten Sterne des Himmels war in jenem Augenblick durch
meinen Meridian gegangen. Dieses natürliche Ereignis jedoch legten
die Reisenden mit Sicherheit zu ihren Gunsten aus.
Sciacca, den 22. April 1787.
Der Weg hieher, mineralogisch uninteressant, geht immerfort über
Kieshügel. Man gelangt ans Ufer des Meers, dort ragen mitunter
Kalkfelsen hervor. Alles flache Erdreich unendlich fruchtbar, Gerste
und Hafer von dem schönsten Stande; Salsola Kali gepflanzt; die Aloen
haben schon höhere Fruchtstämme getrieben als gestern und ehegestern.
Die vielerlei Kleearten verließen uns nicht. Endlich kamen wir an ein
Wäldchen, buschig, die höheren Bäume nur einzeln; endlich auch
Pantoffelholz!
Girgenti, den 23. April. Abends.
Von Sciacca hieher starke Tagereise. Gleich vor genanntem Orte
betrachteten wir die Bäder; ein heißer Quell dringt aus dem Felsen mit
sehr starkem Schwefelgeruch, das Wasser schmeckt sehr salzig, aber
nicht faul. Sollte der Schwefeldunst nicht im Augenblick des
Hervorbrechens sich erzeugen? Etwas höher ist ein Brunnen, kühl, ohne
Geruch. Ganz oben liegt das Kloster, wo die Schwitzbäder sind, ein
starker Dampf steigt davon in die reine Luft.
Das Meer rollt hier nur Kalkgeschiebe, Quarz und Hornstein sind
abgeschnitten. Ich beobachtete die kleinen Flüsse; Calata Bellotta
und Macasoli bringen auch nur Kalkgeschiebe, Platani gelben Marmor und
Feuersteine, die ewigen Begleiter dieses edlern Kalkgesteins. Wenige
Stückchen Lava machten mich aufmerksam, allein ich vermute hier in der
Gegend nichts Vulkanisches, ich denke vielmehr, es sind Trümmer von
Mühlsteinen, oder zu welchem Gebrauch man solche Stücke aus der Ferne
geholt hat. Bei Monte Allegro ist alles Gips: dichter Gips und
Fraueneis, ganze Felsen vor und zwischen dem Kalk. Die wunderliche
Felsenlage von Calata Bellotta!