Die Säulen stehen alle; zwei, die umgefallen waren, sind neuerdings
wieder hergestellt. Inwiefern die Säulen Sockel haben sollten, ist
schwer zu bestimmen und ohne Zeichnung nicht deutlich zu machen. Bald
sieht es aus, als wenn die Säule auf der vierten Stufe stände, da muß
man aber wieder eine Stufe zum Innern des Tempels hinab, bald ist die
oberste Stufe durchschnitten, dann sieht es aus, als wenn die Säulen
Basen hätten, bald sind diese Zwischenräume wieder ausgefüllt, und da
haben wir wieder den ersten Fall. Der Architekt mag dies genauer
bestimmen.
Die Nebenseiten haben zwölf Säulen ohne die Ecksäulen, die vordere und
hintere Seite sechs mit den Ecksäulen. Die Zapfen, an denen man die
Steine transportiert, sind an den Stufen des Tempels ringsum nicht
weggehauen, zum Beweis, daß der Tempel nicht fertig geworden. Am
meisten zeugt davon aber der Fußboden: derselbe ist von den Seiten
herein an einigen Orten durch Platten angegeben, in der Mitte aber
steht noch der rohe Kalkfels höher als das Niveau des angelegten
Bodens; er kann also nie geplattet gewesen sein. Auch ist keine Spur
von innerer Halle. Noch weniger ist der Tempel mit Stuck überzogen
gewesen, daß es aber die Absicht war, läßt sich vermuten: an den
Platten der Kapitäle sind Vorsprünge, wo sich vielleicht der Stuck
anschließen sollte. Das Ganze ist aus einem travertinähnlichen
Kalkstein gebaut, jetzt sehr verfressen. Die Restauration von 1781
hat dem Gebäude sehr wohl getan. Der Steinschnitt, der die Teile
zusammenfügt, ist einfach, aber schön. Die großen besonderen Steine,
deren Riedesel erwähnt, konnt' ich nicht finden, sie sind vielleicht
zu Restauration der Säulen verbraucht worden.
Die Lage des Tempels ist sonderbar: am höchsten Ende eines weiten,
langen Tales, auf einem isolierten Hügel, aber doch noch von Klippen
umgeben, sieht er über viel Land in eine weite Ferne, aber nur ein
Eckchen Meer. Die Gegend ruht in trauriger Fruchtbarkeit, alles
bebaut und fast nirgends eine Wohnung. Auf blühenden Disteln
schwärmten unzählige Schmetterlinge. Wilder Fenchel stand acht bis
neun Fuß hoch verdorret von vorigem Jahr her so reichlich und in
scheinbarer Ordnung, daß man es für die Anlage einer Baumschule hätte
halten können. Der Wind sauste in den Säulen wie in einem Walde, und
Raubvögel schwebten schreiend über dem Gebälke.
Die Mühseligkeit, in den unscheinbaren Trümmern eines Theaters
herumzusteigen, benahm uns die Lust, die Trümmer der Stadt zu besuchen.
Am Fuße des Tempels finden sich große Stücke jenes Hornsteins, und
der Weg nach Alcamo ist mit unendlichen Geschieben desselben gemischt.
Hiedurch kommt ein Anteil Kieselerde in den Boden, wodurch er
lockerer wird. An frischem Fenchel bemerkte ich den Unterschied der
unteren und oberen Blätter, und es ist doch nur immer dasselbe Organ,
das sich aus der Einfachheit zur Mannigfaltigkeit entwickelt. Man
gätet hier sehr fleißig, die Männer gehen wie bei einem Treibjagen das
ganze Feld durch. Insekten lassen sich auch sehen. In Palermo hatte
ich nur Gewürm bemerkt, Eidechsen, Blutegel, Schnecken, nicht schöner
gefärbt als unsere, ja nur grau.