Palermo, Freitag, den 13. April 1787

Vorgearbeitet in dem Steinreiche Siziliens hat uns Graf Borch sehr

emsig, und wer nach ihm gleichen Sinnes die Insel besucht, wird ihm

recht gern Dank zollen. Ich finde es angenehm sowie pflichtmäßig, das

Andenken eines Vorgängers zu feiern. Bin ich doch nur ein Vorfahr von

künftigen andern, im Leben wie auf der Reise!

Die Tätigkeit des Grafen scheint mir übrigens größer als seine

Kenntnisse; er verfährt mit einem gewissen Selbstbehagen, welches dem

bescheidenen Ernst zuwider ist, mit welchem man wichtige Gegenstände

behandeln sollte. Indessen ist sein Heft in Quart, ganz dem

sizilianischen Steinreich gewidmet, mir von großem Vorteil, und ich

konnte, dadurch vorbereitet, die Steinschleifer mit Nutzen besuchen,

welche, früher mehr beschäftigt, zur Zeit als Kirchen und Altäre noch

mit Marmor und Achaten überlegt werden mußten, das Handwerk doch noch

immer forttreiben. Bei ihnen bestellte ich Muster von weichen und

harten Steinen; denn so unterscheiden sie Marmor und Achate

hauptsächlich deswegen, weil die Verschiedenheit des Preises sich nach

diesem Unterschiede richtet. Doch wissen sie außer diesen beiden sich

noch viel mit einem Material, einem Feuererzeugnis ihrer Kalköfen. In

diesen findet sich nach dem Brande eine Art Glasfluß, welcher von der

hellsten blauen Farbe zur dunkelsten, ja zur schwärzesten übergeht.

Diese Klumpen werden wie anderes Gestein in dünne Tafeln geschnitten,

nach der Höhe ihrer Farbe und Reinheit geschätzt und anstatt

Lapislazuli beim Furnieren von Altären, Grabmälern und andern

kirchlichen Verzierungen mit Glück angewendet.

Eine vollständige Sammlung, wie ich sie wünsche, ist nicht fertig, man

wird sie mir erst nach Neapel schicken. Die Achate sind von der

größten Schönheit, besonders diejenigen, in welchen unregelmäßige

Flecken von gelbem oder rotem Jaspis mit weißem, gleichsam gefrornem

Quarze abwechseln und dadurch die schönste Wirkung hervorbringen.

Eine genaue Nachahmung solcher Achate, auf der Rückseite dünner

Glasscheiben durch Lackfarben bewirkt, ist das einzige Vernünftige,

was ich aus dem pallagonischen Unsinn jenes Tages herausfand. Solche

Tafeln nehmen sich zur Dekoration schöner aus als der echte Achat,

indem dieser aus vielen kleinen Stücken zusammengesetzt werden muß,

bei jenen hingegen die Größe der Tafeln vom Architekten abhängt.

Dieses Kunststück verdiente wohl, nachgeahmt zu werden.

Italienische Reise — Band 1 · 第 47 / 68 题