Heute am Abend ward mir noch ein Wunsch erfüllt, und zwar auf eigene
Weise. Ich stand in der großen Straße auf den Schrittsteinen, an
jenem Laden mit dem Kaufherrn scherzend; auf einmal tritt ein Laufer,
groß, wohlgekleidet, an mich heran, einen silbernen Teller rasch
vorhaltend, worauf mehrere Kupferpfennige, wenige Silberstücke lagen.
Da ich nicht wußte, was es heißen solle, so zuckte ich, den Kopf
duckend, die Achseln, das gewöhnliche Zeichen, wodurch man sich
lossagt, man mag nun Antrag oder Frage nicht verstehen, oder nicht
wollen. Ebenso schnell, als er gekommen, war er fort, und nun
bemerkte ich auf der entgegengesetzten Seite der Straße seinen
Kameraden in gleicher Beschäftigung.
Was das bedeute, fragte ich den Handelsmann, der mit bedenklicher
Gebärde, gleichsam verstohlen, auf einen langen, hagern Herrn deutete,
welcher in der Straßenmitte, hofmäßig gekleidet, anständig und
gelassen über den Mist einherschritt. Frisiert und gepudert, den Hut
unter dem Arm, in seidenem Gewande, den Degen an der Seite, ein nettes
Fußwerk mit Steinschnallen geziert: so trat der Bejahrte ernst und
ruhig einher; aller Augen waren auf ihn gerichtet.
"Dies ist der Prinz Pallagonia", sagte der Händler, "welcher von Zeit
zu Zeit durch die Stadt geht und für die in der Barbarei gefangenen
Sklaven ein Lösegeld zusammenheischt. Zwar beträgt dieses Einsammeln
niemals viel, aber der Gegenstand bleibt doch im Andenken, und oft
vermachen diejenigen, welche bei Lebzeiten zurückhielten, schöne
Summen zu solchem Zweck. Schon viele Jahre ist der Prinz Vorsteher
dieser Anstalt und hat unendlich viel Gutes gestiftete."
"Statt auf die Torheiten seines Landsitzes", rief ich aus, "hätte er
hierher jene großen Summen verwenden sollen. Kein Fürst in der Welt
hätte mehr geleistet."
Dagegen sagte der Kaufmann: "Sind wir doch alle so! Unsere Narrheiten
bezahlen wir gar gerne selbst, zu unsern Tugenden sollen andere das
Geld hergeben."