Palermo, Donnerstag, den 12. April 1787

Heute am Abend ward mir noch ein Wunsch erfüllt, und zwar auf eigene

Weise. Ich stand in der großen Straße auf den Schrittsteinen, an

jenem Laden mit dem Kaufherrn scherzend; auf einmal tritt ein Laufer,

groß, wohlgekleidet, an mich heran, einen silbernen Teller rasch

vorhaltend, worauf mehrere Kupferpfennige, wenige Silberstücke lagen.

Da ich nicht wußte, was es heißen solle, so zuckte ich, den Kopf

duckend, die Achseln, das gewöhnliche Zeichen, wodurch man sich

lossagt, man mag nun Antrag oder Frage nicht verstehen, oder nicht

wollen. Ebenso schnell, als er gekommen, war er fort, und nun

bemerkte ich auf der entgegengesetzten Seite der Straße seinen

Kameraden in gleicher Beschäftigung.

Was das bedeute, fragte ich den Handelsmann, der mit bedenklicher

Gebärde, gleichsam verstohlen, auf einen langen, hagern Herrn deutete,

welcher in der Straßenmitte, hofmäßig gekleidet, anständig und

gelassen über den Mist einherschritt. Frisiert und gepudert, den Hut

unter dem Arm, in seidenem Gewande, den Degen an der Seite, ein nettes

Fußwerk mit Steinschnallen geziert: so trat der Bejahrte ernst und

ruhig einher; aller Augen waren auf ihn gerichtet.

"Dies ist der Prinz Pallagonia", sagte der Händler, "welcher von Zeit

zu Zeit durch die Stadt geht und für die in der Barbarei gefangenen

Sklaven ein Lösegeld zusammenheischt. Zwar beträgt dieses Einsammeln

niemals viel, aber der Gegenstand bleibt doch im Andenken, und oft

vermachen diejenigen, welche bei Lebzeiten zurückhielten, schöne

Summen zu solchem Zweck. Schon viele Jahre ist der Prinz Vorsteher

dieser Anstalt und hat unendlich viel Gutes gestiftete."

"Statt auf die Torheiten seines Landsitzes", rief ich aus, "hätte er

hierher jene großen Summen verwenden sollen. Kein Fürst in der Welt

hätte mehr geleistet."

Dagegen sagte der Kaufmann: "Sind wir doch alle so! Unsere Narrheiten

bezahlen wir gar gerne selbst, zu unsern Tugenden sollen andere das

Geld hergeben."

Italienische Reise — Band 1 · 第 46 / 68 题