Palermo, Montag, den 2. April 1787

Endlich gelangten wir mit Not und Anstrengung nachmittags um drei Uhr

in den Hafen, wo uns ein höchst erfreulicher Anblick entgegentrat.

Völlig hergestellt, wie ich war, empfand ich das größte Vergnügen.

Die Stadt gegen Norden gekehrt, am Fuß hoher Berge liegend; über ihr,

der Tageszeit gemäß, die Sonne herüberscheinend. Die klaren

Schattenseiten aller Gebäude sahen uns an, vom Widerschein erleuchtet.

Monte Pellegrino rechts, seine zierlichen Formen im vollkommensten

Lichte, links das weit hingestreckte Ufer mit Buchten, Landzungen und

Vorgebirgen. Was ferner eine allerliebste Wirkung hervorbrachte, war

das junge Grün zierlicher Bäume, deren Gipfel, von hinten erleuchtet,

wie große Massen vegetabilischer Johanniswürmer vor den dunkeln

Gebäuden hin und wider wogten. Ein klarer Duft blaute alle Schatten.

Anstatt ungeduldig ans Ufer zu eilen, blieben wir auf dem Verdeck, bis

man uns wegtrieb; wo hätten wir einen gleichen Standpunkt, einen so

glücklichen Augenblick so bald wieder hoffen können!

Durch die wunderbare, aus zwei ungeheuern Pfeilern bestehende Pforte,

die oben nicht geschlossen sein darf, damit der turmhohe Wagen der

heiligen Rosalia an dem berühmten Feste durchfahren könne, führte man

uns in die Stadt und sogleich links in einen großen Gasthof. Der Wirt,

ein alter behaglicher Mann, von jeher Fremde aller Nationen zu sehen

gewohnt, führte uns in ein großes Zimmer, von dessen Balkon wir das

Meer und die Reede, den Rosalienberg und das Ufer überschauten, auch

unser Schiff erblickten und unsern ersten Standpunkt beurteilen

konnten. Über die Lage unseres Zimmers höchst vergnügt, bemerkten wir

kaum, daß im Grunde desselben ein erhöhter Alkoven hinter Vorhängen

versteckt sei, wo sich das weitläuftigste Bett ausbreitete, das, mit

einem seidenen Thronhimmel prangend, mit den übrigen veralteten

stattlichen Mobilien völlig übereinstimmte. Ein solches Prunkgemach

setzte uns gewissermaßen in Verlegenheit, wir verlangten,

herkömmlicherweise Bedingungen abzuschließen. Der Alte sagte dagegen,

es bedürfe keiner Bedingung, er wünsche, daß es uns bei ihm wohl

gefalle. Wir sollten uns auch des Vorsaals bedienen, welcher, kühl

und luftig, durch mehrere Balkone lustig, gleich an unser Zimmer stieß.

Wir vergnügten uns an der unendlich mannigfaltigen Aussicht und

suchten sie im einzelnen zeichnerisch und malerisch zu entwickeln,

denn hier konnte man grenzenlos eine Ernte für den Künstler

überschauen.

Der helle Mondschein lockte uns des Abends noch auf die Reede und

hielt nach der Rückkehr uns noch eine lange Zeit auf dem Altan. Die

Beleuchtung war sonderbar, Ruhe und Anmut groß.

Italienische Reise — Band 1 · 第 40 / 68 题