Da mein Aufenthalt in Neapel nicht lange dauern wird, so nehme ich
gleich die entfernteren Punkte zuerst, das Nähere gibt sich. Mit
Tischbein fuhr ich nach Pompeji, da wir denn alle die herrlichen
Ansichten links und rechts neben uns liegen sahen, welche, durch so
manche landschaftliche Zeichnung uns wohlbekannt, nunmehr in ihrem
zusammenhängenden Glanze erschienen. Pompeji setzt jedermann wegen
seiner Enge und Kleinheit in Verwunderung. Schmale Straßen, obgleich
grade und an der Seite mit Schrittplatten versehen, kleine Häuser ohne
Fenster, aus den Höfen und offenen Galerien die Zimmer nur durch die
Türen erleuchtet. Selbst öffentliche Werke, die Bank am Tor, der
Tempel, sodann auch eine Villa in der Nähe, mehr Modell und
Puppenschrank als Gebäude. Diese Zimmer, Gänge und Galerien aber aufs
heiterste gemalt, die Wandflächen einförmig, in der Mitte ein
ausführliches Gemälde, jetzt meist ausgebrochen, an Kanten und Enden
leichte und geschmackvolle Arabesken, aus welchen sich auch wohl
niedliche Kinder--und Nymphengestalten entwickeln, wenn an einer
andern Stelle aus mächtigen Blumengewinden wilde und zahme Tiere
hervordringen. Und so deutet der jetzige ganz wüste Zustand einer
erst durch Stein- und Aschenregen bedeckten, dann aber durch die
Aufgrabenden geplünderten Stadt auf eine Kunstund Bilderlust eines
ganzen Volkes, von der jetzo der eifrigste Liebhaber weder Begriff,
noch Gefühl, noch Bedürfnis hat.