In einer kalten Kammer muß ich Nachricht von einem schönen Tage geben.
Als wir aus Fondi herausfuhren, ward es eben helle, und wir wurden
sogleich durch die über die Mauern hängenden Pomeranzen auf beiden
Seiten des Wegs begrüßt. Die Bäume hängen so voll, als man sich's nur
denken kann. Obenher ist das junge Laub gelblich, unten aber und in
der Mitte von dem saftigsten Grün. Mignon hatte wohl recht, sich
dahin zu sehnen.
Dann fuhren wir durch wohlgeackerte und -bestellte Weizenfelder, in
schicklichen Räumen mit Oliven bepflanzt. Der Wind bewegte sie und
brachte die silberne Unterfläche der Blätter ans Licht, die Äste bogen
sich leicht und zierlich. Es war ein grauer Morgen, ein starker
Nordwind versprach, alles Gewölk völlig zu vertreiben.
Dann zog der Weg im Tale hin, zwischen steinigen, aber gut gebauten
Äckern, die Saat vom schönsten Grün. An einigen Orten sah man
geräumige, runde, gepflasterte Plätze, mit niedrigen Mäuerchen umgeben;
hier drischt man die Frucht sogleich aus, ohne sie in Garben nach
Hause zu fahren. Das Tal ward schmäler, der Weg ging bergan,
Kalkfelsen standen nackt an beiden Seiten. Der Sturm war heftiger
hinter uns her. Es fielen Graupeln, die sehr langsam tauten.
Einige Mauern antiker Gebäude mit netzförmiger Arbeit überraschten uns.
Auf der Höhe sind die Plätze felsig, doch mit Olivenbäumen bepflanzt,
wo nur das geringste Erdreich sie aufnehmen konnte. Nun über eine
Plaine mit Oliven, sodann durch ein Städtchen. Eingemauert fanden wir
nun Altäre, antike Grabsteine, Fragmente aller Art in den
Gartenumfriedigungen, dann trefflich gemauerte, jetzt aber mit
Erdreich ausgefüllte Untergeschosse alter Landhäuser, nunmehr von
Olivenwäldchen bewachsen. Dann erblickten wir den Vesuv, eine
Rauchwolke auf seinem Scheitel.
Mola di Gaeta begrüßte uns abermals mit den reichsten Pomeranzenbäumen.
Wir blieben einige Stunden. Die Bucht vor dem Städtchen gewährt
eine der schönsten Aussichten, das Meer spült bis heran. Folgt das
Auge dem rechten Ufer und erreicht es zuletzt das Hornende des halben
Mondes, so sieht man auf einem Felsen die Festung Gaeta in mäßiger
Ferne. Das linke Horn erstreckt sich viel weiter; erst sieht man eine
Reihe Gebirge, dann den Vesuv, dann die Inseln. Ischia liegt fast der
Mitte gegenüber.
Hier fand ich am Ufer die ersten Seesterne und Seeigel ausgespült.
Ein schönes grünes Blatt, wie das feinste Velinpapier, dann aber
merkwürdige Geschiebe: am häufigsten die gewöhnlichen Kalksteine,
sodann aber auch Serpentin, Jaspis, Quarze, Kieselbreccien, Granite,
Porphyre, Marmorarten, Glas von grüner und blauer Farbe. Die zuletzt
genannten Steinarten sind schwerlich in dieser Gegend erzeugt, sind
wahrscheinlich Trümmern alter Gebäude, und so sehen wir denn, wie die
Welle vor unsern Augen mit den Herrlichkeiten der Vorwelt spielen darf.
Wir verweilten gern und hatten unsere Lust an der Natur der Menschen,
die sich beinahe als Wilde betrugen. Von Mola sich entfernend, hat
man immer schöne Aussicht, wenn sich auch das Meer verliert. Der
letzte Blick darauf ist eine liebliche Seebucht, die gezeichnet ward.
Nun folgt gutes Fruchtfeld, mit Aloen eingezäunt. Wir erblickten eine
Wasserleitung, die sich vom Gebirg' her nach unkenntlichen,
verworrenen Ruinen zog.
Dann folgt die Überfahrt über den Fluß Garigliano. Man wandert sodann
durch ziemlich fruchtbare Gegenden auf ein Gebirg' los. Nichts
Auffallendes. Endlich der erste vulkanische Aschenhügel. Hier
beginnt eine große, herrliche Gegend von Bergen und Gründen, über
welche zuletzt Schneegipfel hervorragen. Auf der nähern Höhe eine
lange, wohl in die Augen fallende Stadt. In dem Tal liegt St. Agata,
ein ansehnlicher Gasthof, wo ein lebhaftes Feuer in einem Kamin, das
als Kabinett angelegt ist, brannte. Indessen ist unsere Stube kalt,
keine Fenster, nur Läden, und ich eile, zu schließen.