Fondi, den 23. Februar 1787

Schon früh um drei Uhr waren wir auf dem Wege. Als es tagte, fanden

wir uns in den pontinischen Sümpfen, welche kein so übles Ansehn haben,

als man sie in Rom gemeiniglich beschreibt. Man kann zwar ein so

großes und weitläufiges Unternehmen, als die beabsichtigte

Austrocknung ist, auf der Durchreise nicht beurteilen, allein es

scheint mir doch, daß die Arbeiten, welche der Papst angeordnet, die

gewünschten Endzwecke wenigstens zum größten Teil erreichen werden.

Man denke sich ein weites Tal, das sich von Norden nach Süden mit

wenigem Falle hinzieht, ostwärts gegen die Gebirge zu vertieft,

westwärts aber gegen das Meer zu erhöht liegt.

Der ganzen Länge nach in gerader Linie ist die alte Via Appia

wiederhergestellt, an der rechten Seite derselben der Hauptkanal

gezogen, und das Wasser fließt darin gelind hinab, dadurch ist das

Erdreich der rechten Seite nach dem Meere zu ausgetrocknet und dem

Feldbau überantwortet; soweit das Auge sehen kann, ist es bebaut oder

könnte es werden, wenn sich Pächter fänden, einige Flecke ausgenommen,

die allzutief liegen.

Die linke Seite nach dem Gebirg' zu ist schon schwerer zu behandeln.

Zwar gehen Querkanäle unter der Chaussee in den Hauptkanal; da jedoch

der Boden gegen die Berge zu abfällt, so kann er auf diese Weise nicht

vom Wasser befreit werden. Man will, sagt man, einen zweiten Kanal am

Gebirge herführen. Große Strecken, besonders gegen Terracina, sind

mit Weiden und Pappeln angeflogen.

Eine Poststation besteht aus einer bloßen langen Strohhütte.

Tischbein zeichnete sie und genoß zur Belohnung dafür ein Vergnügen,

das nur er völlig zu genießen weiß. Auf dem abgetrockneten Terrain

hatte sich ein Schimmel losgemacht, der, sich seiner Freiheit

bedienend, auf dem braunen Boden wie ein Lichtstrahl hin und wider

fuhr; wirklich war es ein herrlicher Anblick, durch Tischbeins

Entzücken erst recht bedeutend.

Da, wo sonst der Ort Meza stand, hat der Papst ein großes und schönes

Gebäude, als den Mittelpunkt der Fläche bezeichnend, aufrichten lassen.

Der Anblick desselben vermehrt Hoffnung und Zutrauen für das ganze

Unternehmen. Und so rückten wir immer fort, uns lebhaft unterhaltend,

wohl eingedenk der Warnung, daß man auf diesem Wege nicht einschlafen

dürfe, und freilich erinnerte uns der blaue Dunst, der schon in dieser

Jahrszeit in gewisser Höhe über dem Boden schwebte, an eine

gefährliche Luftschicht. Desto erfreulicher und erwünschter war uns

die Felsenlage von Terracina, und kaum hatten wir uns daran vergnügt,

als wir das Meer gleich davor erblickten. Kurz darauf ließ uns die

andere Seite des Stadtberges ein Schauspiel neuer Vegetation sehen.

Indianische Feigen trieben ihre großen, fetten Blätterkörper zwischen

niedrigen, graulichgrünen Myrten, unter gelbgrünen Granatbäumen und

fahlgrünen Olivenzweigen. Am Wege sahen wir neue, noch nie gesehene

Blumen und Sträuche. Narzissen und Adonis blühten auf den Wiesen.

Man behält das Meer eine Zeitlang rechts; die Kalkfelsen aber bleiben

links in der Nähe. Diese sind die Fortsetzung der Apenninen, welche

sich von Tivoli herziehen und ans Meer anschließen, wovon sie erst

durch die Campagna di Roma, dann durch die frascatanischen,

albanischen, velletrischen Vulkane und endlich durch die pontinischen

Sümpfe getrennt wurden. Der Monte Circello, das Vorgebirg Terracina

gegenüber, wo die pontinischen Sümpfe sich endigen, mag gleichfalls

aus gereihten Kalkfelsen bestehen.

Wir verließen das Meer und kamen bald in die reizende Ebene von Fondi.

Dieser kleine Raum fruchtbaren und bebauten Erdreichs, von einem

nicht allzu rauhen Gebirg' umschlossen, muß jedermann anlachen. Noch

hängt die Mehrzahl der Orangen an den Bäumen, die Saat steht grün,

durchaus Weizen; Oliven auf den Ackern, das Städtchen im Grunde. Ein

Palmbaum zeichnet sich aus und ward begrüßt. So viel für diesen Abend.

Verzeihung der laufenden Feder. Ich muß schreiben, ohne zu denken,

damit ich nur schreibe. Der Gegenstände sind zuviel, der Aufenthalt

zu schlecht und doch meine Begierde allzugroß, einiges dem Papiere

anzuvertrauen. Mit einbrechender Nacht kamen wir an, und es ist nun

Zeit, Ruhe zu suchen.

Italienische Reise — Band 1 · 第 25 / 68 题