So stand es denn im Buche des Schicksals auf meinem Blatte geschrieben,
daß ich 1786 den achtundzwanzigsten September, abends, nach unserer
Uhr um fünfe, Venedig zum erstenmal, aus der Brenta in die Lagunen
einfahrend, erblicken und bald darauf diese wunderbare Inselstadt,
diese Biberrepublik betreten und besuchen sollte. So ist denn auch,
Gott sei Dank, Venedig mir kein bloßes Wort mehr, kein hohler Name,
der mich so oft, mich, den Todfeind von Wortschällen, geängstiget hat.
Als die erste Gondel an das Schiff anfuhr (es geschieht, um Passagiere,
welche Eil' haben, geschwinder nach Venedig zu bringen), erinnerte
ich mich eines frühen Kinderspielzeuges, an das ich vielleicht seit
zwanzig Jahren nicht mehr gedacht hatte. Mein Vater besaß ein schönes
mitgebrachtes Gondelmodell; er hielt es sehr wert, und mir ward es
hoch angerechnet, wenn ich einmal damit spielen durfte. Die ersten
Schnäbel von blankem Eisenblech, die schwarzen Gondelkäfige, alles
grüßte mich wie eine alte Bekanntschaft, ich genoß einen
langentbehrten freundlichen Jugendeindruck.