Was die +englischen+ Dampfer betrifft, so haben die

Zwischendeckspassagiere gerechten Grund zur Klage einerseits über die

schlechte Verpflegung, andererseits über die rohe Behandlung seitens

des Schiffsvolks. Die Beköstigung ist in den Zwischendecken geradezu

erbärmlicher Art. Was in dieser Hinsicht geboten wird, sind klebrige

Hafergrütze, ungeschälte Kartoffeln und schlechtes Fleisch. Außerdem

wird eine widerliche schwarze Brühe verabreicht, die morgens Kaffee und

abends Thee genannt wird. -- Das Benehmen der Schiffsmannschaft gegen

die Passagiere, namentlich gegen solche, die nicht englisch sprechen,

ist häufig empörend. „Ich habe gesehen,“ sagt Semler, „daß Seekranke

im buchstäblichen Sinne des Wortes aus ihren Kojen geprügelt wurden,

weil sie nicht aufstehen wollten, als gereinigt werden sollte. Die

Roheit und Ungeschliffenheit des englischen Schiffsvolks, vom Kapitän

bis zum Schiffsjungen herab, ist übrigens sprichwörtlich.“ Bezeichnend

für die Behandlung der Zwischendeckspassagiere auf englischen

Dampfern ist u. a. auch dies, daß sie auf Deck durch ein Seil von den

Kajütenpassagieren getrennt werden. Mag das Zwischendeck überfüllt,

mag die Kajüte nur spärlich besetzt sein, gleichviel, die Passagiere

des erstern werden durch ein Seil eingepfercht, das ein Matrose zu

überwachen hat.

Aber auch für deutsche +Kajüten+passagiere empfehlen sich, wo immer

thunlich, die englischen Dampfer nicht. Die Speisen in der Kajüte sind

zwar vortrefflich, aber eben nach englischen Begriffen, nicht nach

deutschen. So verlangt unser nationaler Geschmack eine gute Suppe;

die Engländer verstehen aber eine solche nicht zu bereiten. Das

Gemüse kochen sie nur halb gar, und vollends als eine Strafe muß es

betrachtet werden, englischen Kaffee trinken zu müssen. -- Eine weitere

Schattenseite der englischen Dampfer besteht darin, daß der Obersteward

nicht dem Befehl des Kapitäns unterstellt ist; er verfährt ganz als

Selbstherrscher an Bord, und vollständig nutzlos ist es, beim Kapitän

Beschwerde zu führen.

Die +französischen+ Dampfer sind in einigen Beziehungen besser als die

englischen. Die Küche ist vorzüglich und das Schiffsvolk höflich.

+Volles Lob verdienen nur die deutschen Linien.+ Wiederholt haben

Passagiere, welche den Ocean unter verschiedenen Flaggen gekreuzt,

es ausgesprochen, daß sie nur mit deutschen Dampfern fortan eine

atlantische Seefahrt machen werden. Semler berichtet von englischen

Kaufleuten, die jährlich nach New-York zu reisen haben, daß sie,

trotzdem selbe eifrige Patrioten sind, jedesmal in Southampton auf

einem deutschen Dampfer sich einschiffen.

Die Schiffe des +Österreichischen Lloyd+ sind nicht ganz das, was sie

sein sollen. Die konkurrierenden englischen und französischen Dampfer

sind reinlicher, komfortabler und führen eine bessere Küche.

Die +italienischen+ Dampfer dürften reinlicher gehalten sein; ihre

Küche verdient die Bezeichnung „mager“.

Die +spanischen+ Dampfer wimmeln in der Regel von Ungeziefer, und wer

den Steward darauf aufmerksam macht, erhält die Antwort, daß er solches

an Bord gebracht haben müsse, da man nie zuvor davon geplagt worden

sei. Die Küche läßt viel zu wünschen übrig.

Die +amerikanischen+ Seedampfer endlich stehen an Eleganz, Reinlichkeit

und Verpflegung den viel gerühmten Flußdampfern der Union wesentlich

nach.

Was die +Befähigung der verschiedenen Nationen für den Seedienst+

betrifft, so sind nach dem Zeugnisse vieler erfahrener Reisenden jene,

welche der +deutschen Nordseeküste+ entstammen, die besten Seefahrer

der Welt. Intelligent in ihrem Fache, kaltblütig in der höchsten Gefahr

und gehorsam den Befehlen der Vorgesetzten -- so stehen sie unerreicht

da. -- Ihnen zunächst kommen die +Norweger+, die ihnen ebenbürtig

sein würden, wenn sie weniger dem Trunke frönten. Selbstverständlich

kann auch die seemännische Befähigung der +Engländer+ nicht geleugnet

werden; aber während der deutsche Seemann in der Gefahr nüchtern bleibt

und nur an seine Pflicht denkt, trinkt sich der englische Matrose in

der Stunde der Gefahr Mut an, er flucht und schilt und ist geneigt,

den Gehorsam zu verweigern. Auch die +französischen+ Seeleute sind

nicht so zuverlässig, wie die nordischen Germanen, und ebensowenig

sind in dieser Beziehung die Italiener zu loben, jene an der Riviera

ausgenommen; die +Spanier+ vollends sind als Seevolk nur mehr der

Schatten ihrer Vorfahren.

Über die +körperliche Leistungsfähigkeit+ der verschiedenen

Seemannschaften gestattet ein häufig wiederholter und jeden Einwand

ausschließender Versuch ein unmittelbares Urteil. Wenn nämlich

in demselben Hafen Kriegsschiffe verschiedener Flaggen längere

Zeit zusammen liegen, so daß sich außer gewissen dienstlichen,

von alters her üblichen Beziehungen auch ein freundschaftlicher

Verkehr herausbildet, dann werden oft großartige Bootswettfahrten

nach gegenseitiger Verabredung veranstaltet -- einzig dastehende

internationale Wettkämpfe, bei welchen der Eifer durch das

Nationalgefühl aufs äußerste gesteigert wird. Nach diesen Versuchen nun

gebührt der Preis der höchsten körperlichen Tüchtigkeit dem +deutschen+

Matrosen[238].

Zehntes Kapitel.

Die Dampfschiffahrt im Dienste der Weltpost[239].

Seit Cunards Dampfer „Britannia“ im Jahre 1840 die Fahrt von Liverpool

nach Boston in 14 Tagen 8 Stunden zurückgelegt hatte, war auch die

Unentbehrlichkeit der Dampfschiffe für den +Postverkehr+ entschieden.

Nach dem Stande vom 1. Juli 1886 beträgt die +Zahl sämtlicher

überseeischer Dampferlinien im Weltpostverkehr+ 147. Hiervon entfallen

auf +Asien+ 27, auf +Afrika+ 32, auf +Amerika+ 50 (Nordamerika 10,

Mittelamerika und Westindien 26, Südamerika 14), auf +Australien+ 9,

auf Griechenland und die Türkei (Levante) 29 Linien.

+Die Zahl der sämtlichen überseeischen+ =deutschen= +Postdampferlinien

beläuft sich auf+ 21. Hiervon berühren:

+Asien+ 3, und zwar: Bremerhaven-Shanghai und Hongkong-Japan-Hongkong

(Norddeutscher Lloyd); Hamburg-Yokohama (Deutsche Dampfschiffsreederei).

+Afrika+ 2, und zwar: Triest-Brindisi-Alexandria (Norddeutscher Lloyd);

Hamburg-Loanda (Afrikanische Dampfschiffs-Aktiengesellschaft).

+Amerika+ 14. +Nordamerika+ 3, und zwar: Bremerhaven-New-York und

Bremerhaven-Baltimore (Norddeutscher Lloyd); Hamburg-New-York

(Hamburg-Amerikanische Paketfahrt-Aktiengesellschaft). +Mittelamerika

und Westindien+ 6, und zwar: Hamburg-Veracruz-Tampico, Hamburg-St.

Thomas-Colon, St. Thomas-Haiti, Hamburg-Cartagena, St. Thomas-San

Domingo-Haiti und Hamburg-Haiti-Colon (Hamburg-Amerikanische

Paketfahrt-Aktiengesellschaft). +Südamerika+ 5, und zwar:

Hamburg-Santos und Hamburg-Buenos-Aires (Hamburg-Amerikanische

Paketfahrt-Aktiengesellschaft); Hamburg-Callao (Kosmos);

Bremerhaven-Santos und Bremerhaven-Buenos-Aires (Norddeutscher Lloyd).

+Australien+ 2, und zwar: Bremerhaven-Sydney und Sydney-Samoa-Sydney

(Norddeutscher Lloyd).

Von den verbleibenden 126 Linien treffen auf:

+England+ 35 (Asien 5, Afrika 9, Amerika 15, Australien 6),

+Frankreich+ 35 (Asien 7, Afrika 13, Amerika 8, Australien 1,

Griechenland und Türkei 6), +Österreich+ 16 (Asien 3, Afrika 1,

Griechenland und Türkei 12), +Italien+ 12 (Asien 2, Afrika 4, Amerika

2, Griechenland und Türkei 4), +Spanien+ 4 (Asien 1, Afrika 1,

Amerika 2), +Rußland+ 4 (Griechenland und Türkei), +Niederlande+ 3

(Asien 2, Amerika 1), +Portugal+ 2 (Afrika), +Belgien+ 1 (Amerika),

+Griechenland+ 1 (Griechenland und Türkei), +Amerika+ 8 (Asien 1,

Amerika 7), +Ägypten+ 3 (Asien 1, Griechenland und Türkei 2), +Japan+ 2

(Asien).

Diese kostspieligen Unternehmungen sind in finanzieller Beziehung

in erster Linie allerdings auf die Einnahmen aus dem Personen- und

Güterverkehr angewiesen, immerhin aber ist ihre Lebensfähigkeit zu

nicht geringem Teil von ihren Beziehungen zu den Postverwaltungen und

von den Bewegungen im Weltpostverkehr abhängig. Es betragen z. B. die

+Subventionen für Beförderung der überseeischen Posten jährlich+

in Frankreich über 20 Mill. M.,

„ Großbritannien „ 15 „

„ Italien rund 7 „

„ Österreich-Ungarn „ 4 „

„ Japan „ 1 „

„ Belgien etwa ¾ „

„ den Niederlanden „ ¼ „

„ den Verein. Staaten Amerikas 1882/83 fast 1,2 „[240]

„ Mejico über 2 „

Die Aufwendungen +Deutschlands+ für die Leistungen der deutschen

Schiffsunternehmungen im überseeischen Postbeförderungsdienst betrugen

bisher nur 330000 M. jährlich. Von nun an sind aber zur Unterhaltung

von regelmäßigen Postdampfschiffsverbindungen zwischen Deutschland

einerseits und Ostasien und Australien andererseits per Jahr 4,4

Millionen M. ausgesetzt. Von besonderem Interesse hierbei ist, daß

gegen die Geschwindigkeit der deutschen Dampfer auf diesen Linien,

welche, wie schon erwähnt, an den Norddeutschen Lloyd vergeben wurden,

alle bisherigen Dampfschiffsverbindungen nach Ostasien und Australien

zurückbleiben. Beispielsweise beträgt die Fahrzeit der +englischen+

Dampfer nach Ostasien auf der Strecke von Suez nach Hongkong 28¼ Tage,

der +französischen+ 28 Tage, der +deutschen+ nur 24½ Tage. Auf der

australischen Linie wird die Strecke von Suez nach Melbourne von den

+englischen+ Dampfern in 34 Tagen, von den +französischen+ in 35 Tagen,

von den deutschen in 32 Tagen zurückgelegt. Wer demnach von Europa aus

eine Reise nach Ostasien oder Australien in kürzester Zeit und zugleich

auf die angenehmste Weise (siehe S. 443) ausführen will, wird sich

künftig +deutscher+ Dampfer bedienen müssen. So hat der Herzenswunsch

des hochverdienten Schöpfers des Norddeutschen Lloyd, H. H. +Meiers+,

die Engländer auf ihrem eigenen Felde zu schlagen, vollauf Erfüllung

gefunden.

Durch ihre häufigen und regelmäßigen Fahrten haben die

Ocean-Postdampfer in ungeahntem Verhältnisse zur Entwicklung und Hebung

des Welthandels beigetragen. Ihrem Einflusse ist es hauptsächlich

zuzuschreiben, wenn der Wert des Welthandels von 31 Milliarden Mark im

Jahre 1862 auf 67 Milliarden Mark im Jahre 1883 (wovon 36 Milliarden

auf die Einfuhr, 31 Milliarden auf die Ausfuhr kommen) gestiegen ist.

Diese mächtige Einwirkung der überseeischen Postdampfschiffslinien

auf die Vermehrung der Umsätze im Weltverkehr, im besondern auf die

Hebung des Exports und Imports jener Länder, in welchen diese Linien

entspringen, ist von mehr als einer Seite anerkannt worden, und hierin

liegt, abgesehen von der schnellen und prompten Beförderung der Post,

ihre große nationale Bedeutung.

Zum Beleg dieser behaupteten Thatsache sei nur folgendes angeführt[241]:

Der von der Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika zur Prüfung

der Handelsverhältnisse und Handelsverbindungen mit Südamerika Ende der

70er Jahre beauftragte Abgesandte berichtete:

„Es ist unzweifelhaft, daß die Einrichtung regelmäßiger, durch die

Regierung unterstützter Postdampfschiffsverbindungen der Vorläufer

gewesen ist des kommerziellen Übergewichts von Großbritannien auf den

großen Handelsplätzen Central- und Südamerikas zu beiden Seiten. Es

steht nicht weniger fest, daß die Bemühungen anderer Nationen, nämlich

Deutschlands, Frankreichs und Italiens, an diesem nutzbringenden

Verkehr Anteil zu nehmen, in dem Verhältnisse von Erfolg begleitet

gewesen sind, als sie regelmäßige Postdampfschiffsverbindungen

nach denjenigen verschiedenen Märkten einführten, mit welchen sie

Handelsverbindungen anknüpfen wollten.“

Bei Beratung des neuen französischen Gesetzes wegen Subventionierung

von Postdampfschiffslinien nach New-York, nach den Antillen und nach

Mejico kamen vor der französischen Deputiertenkammer folgende Ziffern

über die Wirkung subventionierter Linien zur Sprache:

„Vor Errichtung der subventionierten Dampferlinie von Bordeaux nach

Brasilien, Argentinien und Uruguay hat der französische Handel mit

diesen drei Ländern nur 200 Millionen Franken betragen, während er

sich nachher um 237 Prozent gehoben hat, also um 475 Millionen Franken

gestiegen ist. Vor Einrichtung des Postdienstes nach Indien und China

(1860) hat der ganze Handel Frankreichs mit Hinterasien 97 Millionen

Franken nicht überstiegen. Im Jahre 1879 erreichte derselbe die Höhe

von fast 400 Millionen Franken, und Lyon war in Europa (an Stelle von

London) der Hauptmarkt für chinesische und japanesische Seide geworden.“

In neuester Zeit hat sich der französische Postminister Cochery in

einem Bericht an den Präsidenten Grévy über die Ergebnisse, welche

Frankreich durch die den überseeischen Dampferlinien gewährten

Zuschüsse erzielt hat, wie folgt ausgesprochen:

„Wir sind nicht mehr auf die Notwendigkeit hingewiesen, die

kostspielige Hilfe fremder Postdampfer für die Beförderung unserer

Korrespondenz nach Australien in Anspruch zu nehmen. Dieses reiche

Land ist in direkte Verbindung mit unseren Häfen getreten. Unserem

Handel und unserer Industrie sind auf diese Weise neue Absatzgebiete

erschlossen worden. Die wichtigen Resultate, welche die australische

Linie für unsern Handel bereits erzielt hat, und welche dieselbe in

noch erhöhtem Maße in Zukunft ergeben wird, rechtfertigen überreichlich

die Opfer, welche die französischen Kammern für ihre Einrichtung in so

bereitwilliger Weise gebracht haben. Die subventionierten überseeischen

Dampferlinien tragen in der That zur Entwicklung des Handels bei. Um

sich hiervon zu überzeugen, genügt es, auf die Thatsache hinzuweisen,

daß, sobald eine subventionierte Dampferlinie die direkte Verbindung

zwischen Frankreich und einem überseeischen Lande herstellt, alsbald

der französische Handel mit dem betreffenden Lande größere Proportionen

annimmt. Man hat dies in Indien und China, am La Plata, in Brasilien,

in den Antillen, in Mejico und Nordamerika gesehen. Diese Verbindungen

kosten uns jährlich im Budget etwa 27 Millionen. Aber man kann dreist

behaupten, daß diese Summe verschwindend gering ist im Vergleich zu den

Vorteilen, welche unser Handel und unsere Industrie aus ihr ziehen.

Selbst der Staatsschatz verliert hierdurch nichts. Seine Einnahmen

steigern sich im gleichen Verhältnis.“

In welch hohem Grade die direkten Postdampferverbindungen zur

Entwicklung des Handels eines Landes beitragen, wird endlich deutlich

illustriert durch den Österreichisch-Ungarischen Lloyd sowohl, als auch

durch die von Genua mit Asien unterhaltene italienische Linie. Beide

fingen im Jahre 1870 an, mit kleinen Dampfern nach Bombay zu fahren,

zuerst etwas unregelmäßig, weshalb die Erfolge schleppend waren. Kaum

aber waren pünktliche große Dampfer auf der Linie eingeführt, als auch

der Verkehr sich in einem Maße entwickelte, wie besonders die Italiener

nicht im entferntesten geahnt hatten. Durch die Postdampfschiffslinien

wurden neue große Industrieen in Italien ins Leben gerufen. Es haben

sich neue Spinnereien in Oberitalien gebildet, man hat Ölmühlen

eingerichtet und andere Großindustrien, so daß durch die wachsenden

Bezüge die Zahl der Dampfer allein von Bombay nach Genua während der

Hauptsaison schon bis auf zehn in einem Monat gestiegen ist.

Auch die Herstellung der +deutschen Postdampferlinien+ nach Ostasien

und Australien wird dazu beitragen, die Art und den Grad der

Beteiligung Deutschlands am Welthandel und Weltverkehr wesentlich zu

heben.

In diesem Zusammenhange wird wohl auch am besten der „+indischen

Überlandpost+“ gedacht.

Die „gewöhnliche“ indische Überlandpost geht an jedem Freitag abends

von London (über Calais, Paris, Mâcon, Mont-Cenis, Turin, Bologna,

Brindisi) ab und endigt auf der ostindischen Halbinsel, Bombay und

Ceylon berührend, in Calcutta. An jedem zweiten Freitag wird die

„große“ Überlandpost befördert, die Indian and Australian Mail, die

ihren Weg noch weiter nimmt, bis nach Ostasien und Australien. Die Zahl

der Postsäcke beträgt oft gegen 800, die natürlich weitaus englischen

Ursprungs sind. Im Jahre 1883 umfaßte die gesamte indische Überlandpost

auf dem Wege +über Brindisi+ 51593 geschlossene Postsäcke; hiervon

entfielen 40329 Postsäcke auf die Richtung aus Europa +nach+ Indien,

11264 auf die Richtung +aus+ Indien nach Europa. Von den ersteren

rührten von England her 33185 Stück, von den letzteren waren für

England bestimmt 8732 Stück. Die Zahl der geschlossenen Säcke aus,

beziehungsweise nach +Deutschland+ belief sich auf 775. Das +Gewicht+

der englisch-indischen Posten betrug im Jahre 1883: 842448 kg. Zur

Beförderung der Poststücke der indischen Überlandpost müssen vielfach

+Extrazüge+ auf italienischem Gebiete eingelegt werden, im Jahre 1883:

180[242].

Wenn nun auch der +überseeische+ Postverkehr dermalen eine so hohe

Ausbildung erfahren hat, so giebt es trotzdem selbst heute noch

Orte, die verhältnismäßig selten vom Postverkehr berührt werden.

Auf Reykjavik, dem Hauptorte von Island, kommt z. B. die Post nur

zehnmal im Jahre an; +Ochotsk+ hat nur einmal per Monat und der

+Peter-Pauls-Hafen+ auf Kamtschatka vollends nur einmal per +Jahr+

Postverbindung mit der übrigen Welt.

Elftes Kapitel.

Schiffahrtsstatistik.

1. Entwicklung der Handelsmarine der Erde seit 1820[243].

-----+--------------------------------------------------+--------------

| Tausende von Register-Tonnen. | Effekt.

Jahr.+---------+----------+-----------+-----------------+ Tragfähigkeit

| | Effektive Trag- | der Dampfer

| Segler. | Dampfer. | Zusammen. | fähigkeit[244]. | in Prozenten.

-----+---------+----------+-----------+-----------------+--------------

1820 | 3140 | 6 | 3146 | 3170 | 1

1830 | 3022 | 28 | 3050 | 3162 | 4

1840 | 4560 | 116 | 4676 | 5140 | 11

1850 | 6513 | 392 | 6905 | 8473 | 23

1860 | 9586 | 820 | 10406 | 13686 | 30

1870 | 13868 | 1918 | 15576 | 23458 | 41

1881 | 15002 | 5644 | 20646 | 43222 | 66

1885 | 11216 | 6693 | 17909 | 44682 | 72[245]

Aus der vorstehenden Übersicht ergeben sich folgende sehr

bemerkenswerte Thatsachen:

1. Der +effektive+ Tonnengehalt der Handelsmarine der Erde hat stetig

zugenommen.

2. Die Zunahme des Tonnengehaltes der Segler war in dem Jahrzehnt

1870-1880 eine wesentlich geringere als in den Jahren 1860 bis 1870.

Neuestens hat der Tonnengehalt der Segler sogar abgenommen. Hingegen

erfuhr

3. die Leistungsfähigkeit der +Dampfer+ eine enorme Steigerung; denn

während dieselbe 1820 erst 1%, 1830 4%, 1840 11% der effektiven

Tragfähigkeit der gesamten Handelsmarine betrug, repräsentierte sie

1885 bereits 72%, also über ⅔ hiervon.

Diese stete Zunahme des Tonnengehaltes der Dampfer einerseits und die

steigende Abnahme des Tonnengehaltes der Segelschiffe andererseits

bilden eine der bezeichnendsten Eigentümlichkeiten des modernen

Schiffahrtswesens.

2. Der Bestand der Welthandelsflotte im Jahre 1885[246].

A: Segelschiffe mit 100 t Gehalt u. darüber. Zahl der Schiffe.

B: „ „ „ „ „ „ Registrierter Tonnen-

Gehalt.

C: Dampfschiffe mit 100 t Gehalt u. dar. Zahl der Schiffe.

D: „ „ „ „ „ „ Registrierter Tonnen-Gehalt.

E: Segel- und Dampfschiffe zusammen. Zahl der Schiffe.

F: „ „ „ „ Registrierter Tonnen-Gehalt.

G: „ „ „ „ Effektive Tonnen-Tragfähigk.

------------------+-----+--------+----+-------+-----+--------+--------

Länder. | A | B | C | D | E | F | G

------------------+-----+--------+----+-------+-----+--------+--------

1. England: | | | | | | |

Großbrit. u. | | | | | | |

Irl. | 5114| 3248807|5020|3897165|10134| 7145972|22734632

Kolonieen | 2767| 1376662| 692| 223968| 3459| 1600630| 2496502

-------+-----+--------+----+-------+-----+--------+--------

Zusammen: | 7881| 4625469|5712|4121133|13593| 8746602|25231134

2. Amerika (V. | | | | | | |

Staat.) | 3542| 1587140| 388| 358653| 3930| 1945793| 3380405

3. Argentinien | 23| 5637| 17| 5595| 40| 11232| 33612

4. Belgien | 9| 5283| 63| 67784| 72| 73067| 344203

5. Bolivia | -- | -- | 1| 772| 1| 772| 3860

6. Brasilien | 116| 20401| 86| 32578| 202| 52979| 183291

7. Chile | 119| 64174| 40| 27710| 159| 91884| 202724

8. China | 2| 655| 23| 21143| 25| 21798| 106370

9. Columbia | 2| 477| -- | -- | 2| 477| 477

10. Costa Rica | 1| 140| 2| 425| 3| 565| 2265

11. Dänemark | 658| 127595| 206| 96311| 864| 223906| 609150

=12. Deutschland | 1794| 806197| 559| 409558| 2353| 1215755| 2853987=

13. Frankreich | 1194| 318712| 508| 492692| 1702| 811404| 2782172

14. Griechenland | 1251| 289385| 74| 36689| 1325| 326074| 472830

15. Haiti | --| -- | 5| 1597| 5| 1597| 7985

16. Hawaii | 5| 2273| 20| 6343| 25| 8616| 33988

17. Japan | 120| 31662| 104| 49958| 224| 81620| 281452

18. Italien | 1674| 705283| 153| 123003| 1827| 828286| 1320298

19. Mejico | 11| 2174| 15| 11470| 26| 13644| 59524

20. Montenegro. | 7| 1179| -- | -- | 7| 1179| 1179

21. Niederlande | 542| 228668| 152| 130317| 694| 358985| 880253

22. Norwegen | 3369| 1351986| 282| 104704| 3651| 1456690| 1875506

23. Österreich | 375| 194189| 115| 87453| 490| 281642| 631454

24. Persien | --| -- | 1| 579| 1| 579| 2895

25. Peru | 18| 5373| 7| 5731| 25| 11104| 34028

26. Portugal | 214| 51040| 25| 14441| 239| 65481| 123245

27. Rumänien | --| -- | 4| 2405| 4| 2405| 12025

28. Rußland | 931| 270940| 209| 106741| 1140| 377681| 804645

29. Sansibar | --| -- | 1| 138| 1| 138| 690

30. Sarawak | 1| 347| 3| 622| 4| 969| 3457

31. Schweden | 1130| 331061| 421| 114824| 1551| 445885| 905181

32. Siam | 16| 6414| 4| 684| 20| 7098| 9834

33. Spanien | 655| 159116| 401| 239148| 1056| 398264| 1354856

34. Tahiti | 1| 244| -- | -- | 1| 244| 244

35. Türkei | 102| 22889| 32| 19764| 134| 42653| 121709

36. Uruguay | 2| 342| 7| 1772| 9| 2114| 9202

37. Venezuela | 1| 170| 2| 399| 3| 569| 2165

------+-----+--------+----+-------+-----+--------+--------

Zusammen: |25766|11216615|9642|6693136|35408|17909751|44682295

Was uns aus vorstehender Tabelle zuerst in die Augen springt, das

ist die +ungeheure Überlegenheit der englischen Handelsmarine+ im

Vergleich zu den Flotten aller übrigen Staaten. Der nominelle oder

Register-Tonnengehalt der englischen Flotte (ohne jene der Kolonieen)

beträgt von jenem der Flotten der gesamten Erde fast 40% und von jenem

der europäischen Flotten 50%. Von dem Tonnengehalt aller +Dampfer+ der

Erde entfallen auf Englands Flotte 58% und von dem der +europäischen+

Dampfer sogar 60%.

Was den +effektiven Tonnengehalt+ der britischen Flotte betrifft, so

ist sie an der Gesamttragfähigkeit aller Flotten der Erde mit rund 50%

beteiligt und an jener der europäischen Flotten mit 70%.

Die +zweitgrößte Handelsflotte der Erde+ (mit ca. 10% des nominellen

und 7½% des effektiven Tonnengehaltes der gesamten Handelsmarine)

besitzen die Vereinigten Staaten von Amerika.

In Bezug auf den +Register-Tonnengehalt+ folgen England und der Union:

+Norwegen+, +Deutschland+ und +Frankreich+.

Anders gestaltet sich jedoch die Reihenfolge dieser drei Staaten

mit Bezug auf den +effektiven+ Tonnengehalt. +In dieser Hinsicht

nimmt Deutschland unter allen Staaten der Erde die dritte, unter den

europäischen bereits die zweite Stelle ein.+ Ihm folgt +Frankreich+,

und diesem erst schließt sich +Norwegen+ an. Ihren Grund hat diese

Thatsache in der großen Zahl der Dampfer, welche Deutschland und

Frankreich besitzen.

Was endlich in obiger Tabelle deutlicher als in irgend einem andern

Zweige der Verkehrsstatistik zum Ausdruck gelangt, das ist die

+primate Stellung Europas+ im Welthandel. Von den nahezu 18 Millionen

Register-Tonnen der gesamten Handelsmarine treffen auf die +Staaten

Europas+ rund volle 14 Millionen oder nahezu 80%, und von den mehr als

44 Millionen Tonnen der effektiven Tragfähigkeit aller Handelsflotten

entfallen auf dieselben fast 38 Millionen oder 85%.

3. Der Schiffsbau.

Der Weltverkehr Telegraphie und Post, Eisenbahnen und Schiffahrt, in ihrer Entwickelung dargestellt · 第 42 / 50 段