Gegen Unglücksfälle ist jede denkbare Fürsorge zur Rettung getroffen.

Jeder Dampfer ist mit 8-10 Rettungsbooten versehen; letztere führen

Wasservorrat, Kompaß und Ruder. Die Mannschaft ist in der Bedienung

der Boote besonders eingeübt, und die zu jedem Boote gehörenden Leute

sind im voraus bestimmt. Unter dem Kopfende der Matratze findet

jeder Passagier einen Rettungsgürtel aus Kork. Zur Sicherung gegen

Feuersgefahr bestehen strenge Verordnungen, die auch unnachsichtig

durchgeführt werden. In der That sind denn auch in der Zeit von

1858-1881 im oceanischen Verkehr, obwohl in diesem Zeitraum 1761

oceanische Rundreisen gemacht und in diesem Verkehr 967582 Passagiere

befördert wurden, nur vier Strandungen vorgekommen, und nur eine

derselben war von Menschenverlust begleitet.

An Bord eines jeden Schiffes befindet sich auch eine Reserveschraube

(das Gewicht einer solchen schwankt zwischen 11000-16000 Pfd.), sowie

überhaupt für alle beweglichen Teile der Maschinen Reservestücke.

Die Zuverlässigkeit der Bemannung wird verbürgt durch die

menschenfreundliche Fürsorge, welche die Gesellschaft selbst für ihre

Bediensteten bekundet. Im ganzen befinden sich auf der Flotte des Lloyd

3600 Seeleute, in seinen Werkstätten und Bureaus etwa 2000 Arbeiter und

Beamte.

Für die Beliebtheit des Lloyd und für das allgemeine Vertrauen zu

seinen zuverlässigen und schnellen Fahrten spricht wohl am meisten

der Umstand, daß, obwohl er an den höchsten Fahrpreisen hält, dennoch

während der Saison seine Schiffe in der Regel 2-3 Monate im voraus bis

auf den letzten Platz besetzt sind.

Der gesamte +Passagier+- und +Güterverkehr+ auf den

+transatlantischen+ Linien stellte sich in den Jahren 1884 und 1885

folgendermaßen:

An +Personen+ wurden befördert:

------------------+--------------------------+-------------------------

| 1885 | 1884

Fahrten. +------------+-------------+------------+------------

| ausgehend. | einkommend. | ausgehend. | einkommend.

------------------+------------+-------------+------------+------------

New-Yorker Fahrt | 77394 | 30780 | 74130 | 26634

Baltimore-Fahrt. | 7473 | 2009 | 30322 | 2867

Galveston-Fahrt | 582 | 38 | 915 | 29

Südamerikanische | 5252 | 1086 | 3088 | 1014

Fahrt | | | |

--+------------+-------------+------------+------------

| 90701 | 33913 | 108455 | 30544

--+------------+-------------+------------+------------

| 124614 | 138999

An +Gütern+ wurden befördert:

------------------------+------------+------------

nach | 1885 1884

------------------------+------------+------------

New-York | 114486 cbm | 99480 cbm

Baltimore | 9094 „ | 14530 „

Galveston | 307 „ | 169 „

südamerikanischen Häfen | 74073 „ | 82892 „

--+------------+------------

| 197960 cbm | 197071 cbm

Die Zahl der +Reisen+ betrug im Jahre 1885 nach New-York 105 (1884:

95), nach Baltimore nur 19 (1884: 44).

Der +Kohlenverbrauch+ der Dampfer des Lloyd belief sich 1881 auf 164000

t à 1000 kg[214].

Wie groß der Verbrauch an +Nahrungsmitteln+ auf den Lloyddampfern im

Jahre 1881 gewesen, erhellt aus folgenden Angaben. Es wurden konsumiert:

Fleisch 1840000 Pfund,

Fische, frische 37500 „

Geflügel 31600 Stück,

Kartoffeln 34500 Ctnr.,

Käse 30900 Pfund,

Melis-Zucker 105300 „

Milch, kondensierte 70600 Büchsen,

Roggenbrot 418500 „

Schnittäpfel 36300 Pfund,

Sauerkohl 201500 „

Schinken 3350 Stück,

Thee 7850 Pfund,

Wurst 12200 „

Wild 250 Stück,

Weizenzwieback und Cakes 216100 Pfund,

u. s. w.

Der Verbrauch an +Getränken+ betrug u. a.:

Champagner 1/1 Flaschen 4500,

„ ½ „ 3000,

Medoc 1/1 „ 60000,

St. Julien 1/1 „ 42000,

Geisenheimer 1/1 „ 6600,

Cognac 1/1 „ 5000,

Rum 1/1 „ 5000,

Genever 1/1 Flaschen 11000,

Culmbacher Bier ½ „ 44000,

Lagerbier 1/1 „ 530000,

Bayerisch-Bier, Schoppen 250000,

Selterswasser 1/1 Flaschen 40000,

Apollinaris 1/1 „ 15000[215].

Neuestens ist dem Norddeutschen Lloyd der subventionierte

+Postdampferdienst+ des Deutschen Reichs zur Vermittlung des Verkehrs

mit +Ostasien+ (mit Anschlußlinie nach Korea und Japan) und mit

+Australien+ (mit Anschlußlinie nach den Samoa-Inseln) unter Errichtung

einer Zweiglinie von Triest über Brindisi nach Alexandrien seitens

der deutschen Regierung übertragen worden. Für diese Linien wurden

sechs neue Dampfer eingestellt, von denen drei für die ostasiatische

und die australische Hauptlinie und drei für die ostasiatische und

australische Anschlußlinie bestimmt sind. Sämtliche Schiffe wurden

bei der Maschinenbau-Aktien-Gesellschaft „Vulkan“ in Bredow bei

Stettin gebaut. Die für die Hauptlinien bestimmten Dampfer „Preußen“,

„Sachsen“ und „Bayern“ haben eine Tragfähigkeit von 3600 t, sowie

eine Geschwindigkeit von 14 Knoten. Die Dampfer der Anschlußlinien,

„Stettin“, „Lübeck“ und „Danzig“, besitzen eine Tragfähigkeit von 1550

t und eine Geschwindigkeit von 12½ Knoten. Sämtliche sechs Dampfer

sind außerdem mit allen für die Fahrt in den Tropen erforderlichen und

empfehlenswerten Einrichtungen versehen, sowie mit dem größten Komfort

für die Passagiere ausgestattet, so daß sie in ihrer Konstruktion

und Einrichtung den auf denselben Linien laufenden Postdampfern

anderer Nationen nicht nur nicht nachstehen, sondern dieselben

übertreffen. Auch die älteren Dampfer, welche in die neuen Linien

eingestellt wurden, sind durch Dampfsteuerung, elektrische Beleuchtung,

Eismaschinen neuester Konstruktion, vorzügliche Ventilation u. s. w.

aufs sorgfältigste für die Tropenfahrt eingerichtet.

Einschließlich dieser sechs neuen Dampfer sowie der drei neuen

Schnelldampfer für die transatlantische Route („Aller“, „Trave“,

„Saale“), erreicht der Brutto-Raumgehalt der Dampfer der Gesellschaft

rund 150000 t, so daß der +Norddeutsche Lloyd, abgesehen von der

englischen Peninsular and Oriental Steam Navigation Company und

der französischen Gesellschaft Messageries Maritimes unter allen

Dampfergesellschaften der Erde die erste Stelle einnimmt.+

Die +Hamburg-Amerik. Paketfahrt-Aktiengesellschaft+[216] verdankt

ebenso wie der Bremer Lloyd ihre Entstehung der Energie einiger

Kaufleute.

Die Herren +Adolf Godeffroy+, +Ernst Merck+ und +F. Laeisz+

waren es, welche, von der Einsicht durchdrungen, daß die in

Hamburg vorhandenen Verkehrsmittel zur Verbindung mit den

Vereinigten Staaten von Amerika dem rasch wachsenden Personen-

und Warenverkehr dahin nicht mehr genügten, am 7. Mai 1847 die

Hamburg-Amerikanische-Paketfahrt-Aktiengesellschaft ins Leben riefen.

Bescheiden anfangend, eröffneten sie mit drei Segelschiffen eine

regelmäßige monatliche Paketschiffahrt nach New-York. Bald aber erwies

sich die Segelschiffahrt allein als unzureichend, und so reifte

im Jahre 1854 der Entschluß, die Fahrt auch mit Dampfschiffen zu

betreiben. Am 1. Juni 1856 erfolgte die Eröffnung der ersten deutschen

transatlantischen Dampfschiffsverbindung. 1885 besaß die Gesellschaft

bereits 23 Schiffe mit einem Brutto-Raumgehalt von 61213 t. Der

Gesamt+wert+ der Schiffe betrug 1885 16,19 Mill. M. Der größte Dampfer

der Gesellschaft ist die „Hammonia“ mit 4247 Brutto-Tonnen[217]. 1885

wurden von den Schiffen der Gesellschaft auf der Route Hamburg-New-York

77 und auf der westindisch-mejikanischen Route 46 Doppelreisen

ausgeführt[218].

Andere bedeutende Dampfschiffahrts-Gesellschaften Deutschlands sind:

Die +Hamburg-Südamerikanische Dampfschiffahrts-Gesellschaft+; ihre

Dampfer laufen über Lissabon nach Bahia oder Pernambuco und Rio de

Janeiro, sowie nach Montevideo und Buenos Aires.

Der +Kosmos+ in Hamburg; er befährt den fast 11000 Seemeilen langen

Seepostkurs Hamburg-Callao.

Die +Deutsche Dampfschiffsreederei+ in Hamburg; ihre Hauptroute ist

Hamburg-Suez-Hongkong-Yokohama.

Die +Australia-Sloman-Linie+ (Aktiengesellschaft); sie verkehrt nach

Australien via Suez.

Die Dampfschiffsreederei +Hansa+; sie unterhält eine Verbindung mit

Canada.

Die +Afrikanische Dampfschiffs-Aktiengesellschaft+ (Woermann-Linie);

ihre Dampfer gehen nach Westafrika.

=Die größeren deutschen Dampfschiffahrt-Gesellschaften nach Zahl

und Tonnengehalt der Schiffe[219].=

-----------------------------------------------+--------+-------------

Dampfschiffahrts-Gesellschaften. |Zahl der| Brutto-

|Schiffe.|Tonnengehalt.

-----------------------------------------------+--------+-------------

Norddeutscher Lloyd | 57 | 106838

Hamburg-Amerikan. Paketfahrt-Aktiengesellschaft| 23 | 61213

Hamburg-Südamerik. Dampfschiffahrts-Gesellsch. | 16 | 32070

Kosmos | 12 | 19300

Deutsche Dampfschiffsreederei | 11 | 17289

Australia-Sloman-Linie | 6 | 10825

Hansa | 4 | 6031

Afrikanische Dampfschiffs-Aktiengesellschaft | 5 | 5469

II. England.

Die bedeutendste der englischen Gesellschaften und +aller

Dampfschiffahrts-Gesellschaften überhaupt+ ist die +Peninsular and

Oriental Steam Navigation Company+, gewöhnlich nur kurz mit ~P. a.

O. St. N. C.~ bezeichnet[220]. Ihre Dampfer besorgen die Verbindung

mit den Mittelmeergebieten, besonders aber durch den Kanal von Suez

mit Süd- und Ostasien und Australien. Die Anfänge dieses Unternehmens

reichen bis ins Jahr 1837 zurück. Damals wurde die englisch-indische

Post, welche bis dahin den langwierigen, 13600 Seemeilen messenden

Weg um das Kap der guten Hoffnung genommen hatte, nach der Landenge

von Suez instradiert und der direkte Segelschiffskurs von Falmouth

nach Gibraltar und weiter nach Alexandria ins Leben gerufen. In Suez

übernahmen dann die Dampfer der ostindischen Kompagnie die Post

und beförderten dieselbe nach Bombay. Da aber die Segelschiffe von

Falmouth nach Gibraltar und weiter nach Alexandria eine sehr bedeutende

Fahrdauer beanspruchten, ersetzte man sie durch Dampfschiffe, und so

entstand 1840 die ~P. a. O. St. N. C.~ Ihren Namen erhielt sie davon,

daß sie in ihrem Dienste die Iberische +Halbinsel+ (Halbinsel ~lat.

peninsula~) berührte und die +orientalische+ Post besorgte.

Dieses Unternehmen hat im Laufe der Jahre einen wahrhaft großartigen,

in der gesamten modernen Schiffahrt unerhörten Aufschwung genommen. Die

Gesellschaft besaß Ende 1885 52 Dampfer mit einem Brutto-Raumgehalt

von 177381 t. Was die Größe der Schiffe betrifft, so haben nur zwei

Dampfer über 5000 Brutto-Tonnen; dagegen haben 13 Schiffe mehr als

4000, 18 zwischen 3000-4000 und 19 zwischen 1835 und 2984 Brutto-Tonnen.

Die +Ausgaben für den Schiffahrtsbetrieb+, also für Kohlen, Fracht,

Schiffs- und Maschinenmaterialien, Hafen- und Leuchtfeuer-Abgaben,

Lootsengelder, Schlepplohn und verschiedene Schiffsunkosten, Gagen und

Heuer an Kapitäne, Offiziere und Mannschaften, Provisionen für die

Schiffsbesatzungen und Passagiere betrugen 1885: 1215085 Pfd. St. (=

24⅓ Mill. M.). Der bedeutendste Posten unter diesen Ausgaben entfällt

auf Kohlen- und Kohlentransport (300000-400000 Pfd. St., also 6-8 Mill.

M.).

Aus den +Einnahmen+ sind vor allem die Passage- und Frachtgelder

hervorzuheben; die Passagiergelder betrugen 1885: 808188 Pfd. St. (=

16163760 M.); die Frachtgelder im gleichen Jahre: 1109592 Pfd. St. (=

22191840 M.). Hierzu kommen noch Postsubsidien (1885) mit 465944 Pfd.

St.

An +Dividende+ und +Superdividende+ wurden den Aktionären 1885 7%

bezahlt (1884: 6%).

Der +Wert+ der Schiffe belief sich 1885 auf 2517603 Pfd. St. (=

50352060 M.). Die Kohlenvorräte hatten einen Wert von 62669 Pfd. St. (=

1253380 M.); die Docks, der Grund- und Gebäudebesitz aller Art 269798

Pfd. St. (= 5395960 M.).

Das ~Handbook of Information~, das die Peninsular and Oriental Steam

Navigation Company jeden Monat ausgiebt, enthält eine Menge für den

Versender und Passagier wissenswerter Details. Es sei beispielsweise

nur auf die Rundreisebillets zu ermäßigten Preisen für Touren nach

Indien, Australien und um die Erde verwiesen.

Nach +Asien+ und +Australien+ verkehren von englischen

Dampfschiffahrts-Gesellschaften außerdem noch die +British India Steam

Navigation Company+ und die +Orient Steam Navigation Company+.

Englische Gesellschaften, welche die Verbindung mit +Afrika+

unterhalten, sind: Die +Castle Mail Packets Company+ (Colonial Mail

Line), die +Union Steamship Company+, die +British and African Steam

Navigation Company+ und die +African Steamship Company+.

Die bedeutendsten der nach +Nordamerika+ verkehrenden englischen Linien

sind: Die +Cunard+-, +Guion+-, +Anchor+-, +Dominion+-, +White Star+-,

+National+- und +Inman+-Linie.

Mit +Central+- und +Südamerika+ vermitteln die Verbindung die Dampfer

der +Royal Mail Steam Packet Company+ und der +Pacific Steam Navigation

Company+.

=Die größeren englischen Dampfschiffahrt-Gesellschaften nach Zahl

und Tonnengehalt der Schiffe[221].=

---------------------------------------------+----------+--------------

Dampfschiffahrts-Gesellschaften. | Zahl der | Brutto-

| Schiffe. | Tonnengehalt.

---------------------------------------------+----------+--------------

Peninsular and Oriental Steam Navigation | |

Company | 52 | 177381

British India Steam Navigation Company | 69 | 133096

Henderson Bros. (Anchor Line) | 39 | 113825

Wilson T. Sons & Company | 67 | 95474

Cunard Steamship Company | 29 | 90775

Pacific Steam Navigation Company | 38 | 86328

Allan J. & A. | 26 | 80764

Leith, Hull and Hamburg Steam Packet Company | 49 | 79357

Liverpool, Brazil and River Plate Steam | |

Navigation Company | 39 | 71917

Cayzer Irvine & Company | 25 | 68236

Royal Mail Packet Company | 24 | 60288

National Steamship Company | 13 | 57837

Ocean Steamship Company | 33 | 57835

Oceanic Steam Navigation Company (White | |

Star Line) | 14 | 55115

Union Steamship Company. | 17 | 47981

British and African Steam Navigation Company | 24 | 32912

Orient Steam Navigation Company. | 6 | 26379

African Steamship Company | 12 | 19831

III. Frankreich.

Die zwei hervorragendsten französischen Dampfschiffahrts-Gesellschaften

sind die +Compagnie générale transatlantique+ und die +Messageries

Maritimes+.

Die +Compagnie générale transatlantique+ besorgt den Verkehr mit

Amerika und teilweise auch im Mittelmeer. Ihre Dampfer, 65 an der

Zahl, laufen aus von St. Nazaire an der Mündung der Loire und von

Havre. Der Brutto-Raumgehalt derselben beträgt, abgesehen von den

drei Dampfern „Gascogne“, „La Bourgogne“ und „La Champagne“, für

welche das ~Universal Register for 1886~ Angaben nicht enthält,

118597 t. Einschließlich dieser, von welchen jeder nach den in dem

Jahresbericht der Gesellschaft vom 28. April 1884 enthaltenen Angaben

einen Brutto-Raumgehalt von 6800 t, eine Länge von 150 m, eine Breite

von 15,70 m und eine Tiefe von 11,70 m hat, beziehungsweise erhält,

beziffert sich der Brutto-Raumgehalt der Flotte auf 138997 t (rund

140000 t).

Die Kurse der +Messageries Maritimes+ umfassen das ganze Mittelmeer,

dann Süd- und Ostasien und Australien mit Neu-Caledonien. Hierzu kommt

noch eine Linie nach Südamerika (Buenos-Aires). Der Ausgangshafen

der Dampfer ist Marseille. Die Zahl derselben beträgt 58, deren

Brutto-Raumgehalt 151151 t[222].

IV. Die Niederlande.

Die wichtigste Gesellschaft der Niederlande ist die +Stoomvaart

Maatschappij Nederland+, deren neun Dampfer einen Brutto-Raumgehalt von

26206 t haben[223]. Sie unterhält die Verbindung mit den Kolonieen im

Indischen Archipel.

V. Österreich-Ungarn.

Das größte österreichische See-Institut ist der

+Österreichisch-Ungarische Lloyd+[224]. Die Gründung desselben ging

aus der Initiative der Triester Versicherungsgesellschaften hervor,

die nach dem Vorbilde der gleichnamigen Institutionen in London und

Triest sich die Aufgabe stellten, einen Organismus zu schaffen,

der den Kaufleuten und Versicherern die genauesten Nachrichten

über Handel und Schiffahrt der Hauptplätze Europas und der Levante

vermitteln sollte. Bald jedoch trat zu dieser ursprünglichen Aufgabe

eine zweite, nämlich die Errichtung von regelmäßigen Dampferlinien

zwischen den österreichischen Häfen einerseits und den Ionischen

Inseln, Griechenland, dem Archipel, Konstantinopel, Smyrna und

Syrien andererseits; am 2. August 1836 erfolgte die Konstituierung

des Unternehmens mit einem Gründungskapital von 1 Mill. Gulden. Das

Unternehmen machte gleich anfangs mächtige Fortschritte, und schon

nach Ablauf des ersten Decenniums seiner Thätigkeit war das Kapital

desselben auf 3,15 Mill. Gulden, die Zahl der Dampfschiffe von 7 auf

20, die durchlaufene Meilenzahl von 43652 auf 334495, die Zahl der

Reisenden von 7967 auf 104091, der Betrag der beförderten Gelder von

4,13 auf 33,418 Mill. Gulden und das Gewicht der beförderten Güter

von 5383 auf 133769 Metercentner herangewachsen. Seitdem hat der

Österreichisch-Ungarische Lloyd sich in großartiger Weise entwickelt.

Am Ende des Jahres 1885 schloß die Gesellschaft ab mit einem

Kapitalfond von 19½ Mill. Gulden und einer Flotte von 84 Dampfern (mit

einem derzeitigen Werte von über 16 Mill. Gulden). Die durchlaufene

Meilenzahl ist auf 1752519, die Zahl der Reisenden auf 380129, das

Gewicht der expedierten Waren auf über 6 Mill. Metercentner und der

Betrag der beförderten Gelder auf 108½ Mill. Gulden gestiegen. --

Der Brutto-Raumgehalt der Flotte betrug Ende 1885 119787 t, die Zahl

der 1885 gemachten Reisen 1687. -- Den regsten Verkehr unterhält

die Gesellschaft mit der Levante, doch besteht auch eine Linie nach

Ostasien.

VI. Italien.

Das großartigste Schiffahrtsunternehmen Italiens ist die +Allgemeine

italienische Dampfschiffahrts-Gesellschaft+ (+Navigazione generale

italiana+). Dieselbe ist hervorgegangen aus der vor kurzem erfolgten

Verschmelzung der bisher selbständigen Gesellschaften +R. Rubattino

& Compagnia+ und +Florio & Compagnia+. -- +Raffaele Rubattino+ (†

1881) eröffnete 1850 mit äußerst bescheidenen Mitteln die von ihm

geleitete Reederei-Gesellschaft. Die Staatsregierung gewährte aber

der Gesellschaft alsbald bedeutende Subventionen und setzte dieselbe

dadurch in den Stand, ihre Flotte zu vergrößern und der Handelsmarine

Italiens die heutige achtunggebietende Stellung zu erringen. Rubattino

machte es sich zunächst zur Aufgabe, der italienischen Flagge im

+Mittelmeere+ Geltung zu verschaffen, dann aber auch außerhalb

desselben; er schuf infolge der erheblichen Chancen, welche die

Eröffnung der Gotthardbahn der Wiederbelebung des Handels von Genua

bot, die Dampferlinien +Genua-Bombay+ und +Genua-Singapore+. Hand in

Hand damit ging die Erwerbung der Bai +Assab+ im Roten Meere, wodurch

der Grund zu der daselbst bestehenden italienischen Kolonie gelegt

wurde.

Dem Namen +Rubattino+ steht der Name des Reeders +Vincenzo Florio+

würdig zur Seite. Florios Gesellschaft verlegte den Schauplatz ihrer

Thätigkeit mehr in die +östliche+ Hälfte des Mittelmeeres und trat hier

mit dem Österreichisch-Ungarischen Lloyd in Wettbewerb.

Die Allgemeine italienische Dampfschiffahrts-Gesellschaft verfügt jetzt

über eine Flotte von 102 Dampfern mit 145609 Brutto-Tonnen[225]. Der

Wert derselben stellt sich auf mehr als 63 Mill. Lire[226].

VII. Sonstige europäische Staaten.

Von den Dampfschiffahrts-Gesellschaften der übrigen europäischen

Staaten seien noch folgende erwähnt:

Die +Compania trasatlantica+ zu Cadiz mit 261, die +Russische

Dampfschiffahrts- und Handelsgesellschaft+ zu St. Petersburg mit 80 und

die +Vereinigte Dampfschiffahrts-Gesellschaft+ zu Kopenhagen mit 81

Schiffen[227].

VIII. Vereinigte Staaten von Amerika[228].

Obwohl die Ocean-Dampfschiffahrt, wie die Dampfschiffahrt überhaupt

in den Vereinigten Staaten von Amerika ihre Wiege gehabt hat, so ist

dieselbe doch später von den Vereinigten Staaten hinsichtlich der

Errichtung eigener transoceanischer Schnelldampferlinien nicht in dem

Maße weiter ausgebildet worden, wie an sich hatte erwartet werden

dürfen. Der Grund hiervon dürfte darin liegen, daß von England von

vornherein und dann auch von Deutschland und Frankreich für vollkommen

ausreichende Verbindungen mit Nordamerika Sorge getragen wurde. Die

Vereinigten Staaten von Amerika konnten sich unter diesen Umständen

in der Hauptsache darauf beschränken, die zahlreichen Verbindungen

Europas, welche nach Nordamerika liefen, sowie auch die von Europa

nach anderen Ländern ausgehenden Linien ihren eigenen Zwecken

dienstbar zu machen. Es geschah dies in einer für die Staatsinteressen

fast zu weitgehenden Weise; denn lange Zeit hindurch besaßen die

Vereinigten Staaten nicht einmal eine direkte Postdampfer-Verbindung

nach Südamerika. Die nach Südamerika bestimmten Waren und Posten

Nordamerikas nahmen den Weg über Europa, kreuzten also den Ocean

zweimal, um ihren Bestimmungsort zu erreichen.

Zur Zeit verfügen die Vereinigten Staaten von Amerika über eigene

direkte Dampferlinien nach Mejico, Centralamerika, Südamerika, Japan

und China. An der Spitze der betreffenden Unternehmungen steht die

+Pacific Mail Steamship Company+ (45313 Brutto-Tonnen) +mit dem Sitze

zu New-York+; sie verkehrt nach Japan und China.

Weitere Dampfschiffahrts-Unternehmungen sind:

~a~) die +New-York Havanna and Mejican Mail Steamship Company+, welche

alle 10 Tage eine Verbindung zwischen New-York über Havanna, Progreso,

Campêche und Frontera nach Veracruz unterhält.

~b~) die +Reederei-Gesellschaft Macheco Brothers+, welche von

New-Orleans eine dreiwöchentlich einmalige Verbindung über Tampico

(Mejico), Puerto Cortez (Honduras), Truxillo (Honduras) und Livingstone

(Guatemala) nach Belize (Britisch Honduras) unterhält;

~c~) die +United States and Brazil Steamship Company+, welche für ihre

Fahrten von New-York nach Pará eine Zeitlang eine Subvention von 37500

Dollars bezog;

~d~) die +Occidental and Oriental Steamship Company+, welche ihre

Dampfer, wie die Pacific Mail Company, monatlich einmal von San

Francisco über Jokohama nach Hongkong laufen läßt -- diese Gesellschaft

ist mit der Pacific Mail Steamship Company neuerdings zu einem

Unternehmen verschmolzen -- und

~e~) die +Oceanic Steamship Company+, welche monatlich zwei Hin- und

Rückfahrten zwischen San Francisco und Honolulu mit ihren Dampfern

verrichtet.

=Stand der zehn größten Dampfschiffahrts-Gesellschaften der Erde

Ende 1885[229]=

=(geordnet nach dem Brutto-Raumgehalt der Dampfer).=

A: Name der Gesellschaft.

B: Sitz der Gesellschaft.

C: Zahl der Schiffe.

D: Bruttotonnengehalt.

E: +Größtes Schiff.+ Name.

F: „ „ Bruttotonnengehalt.

G: „ „ Nettotonnengehalt.

H: „ „ Länge in englischen Fuß.

I: „ „ Breite „ „ „

J: „ „ Tiefe „ „ „

1) Peninsular and Oriental Steam Navig. Comp.

2) Messageries Maritimes

3) Navigazione gener. ital.

4) British India Steam Navigation Company

5) Österr.- Ungar. Lloyd.

6) Comp. génér. transatl.

7) Henderson Bros. (Anchor Line)

8) Norddeutscher Lloyd

9) Wilson T. Sons & Comp.

10) Cunard Steamsh. Comp.

---+-----------+---+-----------+--------------+----+

A | B | C | D | E | F |

---+-----------+---+-----------+--------------+----+

1)| London | 52|177381 | Rome |5013|

2)| Marseille | 58|151151 | Oceanien |4039|

3)| Rom |102|145609 | Raffaele |4538|

| | | | Rubattino | |

4)| London | 69|133096 | Goorkha |4104|

5)| Triest | 84|119787 | Poseidon[230]|3874|

6)| Paris | 65|118597[231]|Normandie[232]|6063|

7)| Glasgow | 39|113825 |City of Rome |8144|

8)| Bremen | 57|106838[233]| Aller |5380|

9)| Hull | 67|95474 | Martello |3709|

10)| Liverpool | 29|90775 | Umbria |7718|

---+----+-------+-------+-------

A | G | H | I | J

---+----+-------+-------+-------

1)|2558| 430,1 | 44,4 | 33,5

2)|2695| 416,7 | 41,7 | 30,9

3)|3023| 399,3 | 44 | 31,4

4)|2660| 390 | 42,2 | 21,6

5)|2510| 386 | 42,6 | 34

6)|3326| 459,3 | 49,2 | 37,4

7)|3453| 560,2 | 52,3 | 37

8)|2779| 455 | 48,2 | 34,7

9)|2409| 370 | 43,1 | 28,4

10)|3268| 501,6 | 57,2 | 38,2

IX. =China und Japan.=

Die bedeutendsten Gesellschaften dieser Länder sind: die

+China Merchants Steam Navigation Company+ in Shanghai und

+Nippon-Yusen-Kaisha+ in Hiogo (Japan). Erstere besitzt 21, letztere 54

Schiffe.

X. =Australien.=

Der Weltverkehr Telegraphie und Post, Eisenbahnen und Schiffahrt, in ihrer Entwickelung dargestellt · 第 40 / 50 段