2. +Der Kanal durch den Isthmus von Korinth[192].+ Der Gedanke, die

Korinther Landenge zu durchstechen, ist älter als das Christentum.

Schon Periander, der Tyrann von Korinth (628 v. Chr.), trug sich mit

diesem Plane, desgleichen Julius Cäsar; unter Caligulas Regierung

wurde das Terrain vermessen, und Kaiser Nero legte selbst Hand ans

Werk, indem er den ersten Spatenstich that. Von den Versuchen des

letztern sind noch heute Spuren vorhanden. Kriegerische Wirren und

ungünstige Orakelsprüche haben indes den Bau wieder ins Stocken

geraten lassen. Seitdem ruhte die Idee 1800 Jahre, bis der ungarische

General +Türr+ dieselbe 1856 wieder aufnahm und im Jahre 1881 von der

griechischen Regierung die Konzession zur Durchstechung der Landenge

erhielt. 1882 konstituierte sich unter dem Vorsitz des genannten

Generals die „Internationale Gesellschaft des Kanals von Korinth“ mit

einem Kapital von 30 Mill. Frcs. Dieselbe übergab die Ausführung der

Arbeiten einer französischen Generalunternehmung. Die für die Anlage

des Kanals gewählte Stelle ist die gleiche, welche Nero in Aussicht

genommen hatte. Die Länge des Kanals wird 6342 m, seine Sohlenbreite

22 m und seine Tiefe 8 m betragen. -- Der neue Weg wird den für die

Schiffahrt ganz erheblichen Vorteil bieten, daß das für dieselbe von

jeher gefährliche Kap Matapan (Malea) vermieden wird. Ferner werden

Schiffe aus der Adria nach Vollendung des Kanals 342 km, Schiffe aus

dem Mittelmeer 178 km ersparen. -- Die Eröffnung des Kanals wird für

das Jahr 1887 in Aussicht gestellt.

3. +Nordostsee-Kanal[193].+ Schon gegen das Ende des 15. Jahrhunderts

schufen die Lübecker im Interesse ihres weit ausgreifenden Handels

eine Verbindung zwischen der Trave und der Elbe durch den noch heute

für kleinere Fahrzeuge benutzten sogen. Stecknitzkanal, und das im 16.

Jahrhundert aus kleinen Anfängen mächtig emporblühende Hamburg stellte

sich im Jahre 1525 eine noch kürzere Wasserstraße her unter Benützung

der Alster und Beste.

Den Gedanken einer +direkten+ Aneinanderkettung der beiden Meere

finden wir aber zuerst ausgesprochen in einem interessanten, auf der

Universitätsbibliothek zu Kiel aufbewahrten Schreiben des Herzogs Adolf

von Schleswig-Holstein-Gottorp an den Kaiser Maximilian II., datiert

vom 16. August 1571; darin heißt es u. a.: „Undt wirdt bey meiner Stadt

Kiell an der Ost Sehe belegen die gelegenheit erspüret und befunden das

man einen graben ungefehrlich zweytausent Rutten lang eine Schiffarth

durch etzlichen Sehe undt Awen bis In den Wasserfluß, die Eider

genennt, kant gemachet werden.“

Widrige politische Verhältnisse mögen in jener Zeit die Ausführung

dieses Wasserweges verhindert haben, aber die in jenem Schreiben

angegebene Route war so augenscheinlich die brauchbarste, daß sie

unmittelbar zur Grundlage desjenigen Projektes wurde, welches die

dänische Regierung im letzten Drittel des vorigen Jahrhunderts

bearbeiten und endlich in den Jahren 1777-1784 ausführen ließ. Es war

ein für damalige Verhältnisse immerhin großartiges Unternehmen, der

alte Eiderkanal, dessen hundertjähriges Bestehen im Jahre 1884 gefeiert

werden konnte. Der Bau hatte über 9 Mill. M. heutiger Währung erfordert

und war seiner Zeit -- die ganze Wasserstraße ist 180 km lang -- die

größte künstliche Kanalverbindung in Europa. Der Verkehr steigerte sich

sehr schnell: 1805 wurden bereits von 3417 Fahrzeugen die Kanalgebühren

erhoben, und im Durchschnitt der letzten zehn Jahre ist der Kanal von

je 4500 Schiffen passiert worden.

[Illustration: Fig. 140. Der Nordostsee-Kanal.]

Trotz dieser anscheinend bedeutenden Schiffsbewegung ist jedoch nicht

zu verkennen, daß dem Eiderkanal heute nur ein kleiner Bruchteil der

Gesamtheit derjenigen Verkehrsrelationen zufällt, die zwischen Ost-

und Nordsee bestehen, daß er überhaupt nur dem örtlichen und dem

nahegelegenen Küstenverkehr dient. Den gewaltigen Dimensionen und dem

Tiefgang unserer modernen Seeriesen entspricht er nicht, im besondern

ist er auch für Kriegsfahrzeuge, ganz flachgehende Kanonen- und

Torpedoboote ausgenommen, gänzlich unbenutzbar. Zudem nimmt die Fahrt

durch den Kanal eine unverhältnismäßig lange Zeit in Anspruch, und die

Schleusen erschweren den geordneten Schlepptrieb und das Freihalten

vom Eise. Schon frühzeitig traten aus diesen Gründen verschiedene

Projekte, sowohl für einen direkten anderweitigen Durchstich, wie für

einen Umbau des alten Eiderkanals auf; aber erst nach der Einverleibung

der meerumschlungenen Herzogtümer in Deutschland gewannen dieselben

positivere Fassung, und nunmehr ist die Sache bereits so weit gediehen,

daß das seitens der deutschen Reichsregierung dem Reichstage

vorgelegte und von diesem genehmigte Projekt schon in Angriff genommen

wird.

Dem Kanal ist der Entwurf des Geh. Oberbaurats +Lentze+ und des in

dieser Sache unermüdlich thätigen Hamburger Kaufmanns +Dahlström+ zu

Grunde gelegt. Danach wird derselbe drei Meilen oberhalb Brunsbüttel

an der Elbemündung beginnen, von da unter Benutzung der Kudensee- und

Gieselau-Niederung nach Wittenberge an der Eider gehen, dann sich

dieser und später dem jetzigen Eiderkanal anschließen und bei Holtenau

in die Kieler Bucht einmünden. -- Die Länge des Kanals wird 99 km

betragen.

Die Gesamtherstellungskosten sind auf 156 Mill. M., die jährlichen

Unterhaltungskosten, einschließlich einer Erneuerungsrate für die der

Abnutzung unterliegenden Bauteile, auf 1900000 M. veranschlagt.

Der Kanal soll einerseits den Anforderungen der Kriegsflotte genügen,

andererseits dem zu erwartenden Handelsverkehr eine schnelle

und sichere Durchfahrt gewähren. Unter Berücksichtigung dieser

Gesichtspunkte ist für den normalen Querschnitt des Kanals eine Breite

von 60 m im Wasserspiegel, von 20 m in der Sohle und eine Tiefe von

8,5 m projektiert. Der Kanal erhält also hiernach Dimensionen, welche

diejenigen des jetzigen Suezkanals noch übertreffen.

Nach einem Auszug aus der Kostenrechnung sind veranschlagt für

Grunderwerb 9900000 M., für Erd- und Baggerarbeiten 70900000 M., für

Befestigung der Ufer und Böschungen und für Bezeichnung des Fahrwassers

in den Seen 7200000 M., für Hafen- und Quai-Anlagen, Schleusen, Siele

und dergleichen 36250000 M., für Brücken und Fähren 6700000 M., für

Militaria 1000000 M., für Gebäude 1300000 M., für Betriebseinrichtungen

und Maschinenanlagen 2250000 M., für insgemein 20500000 M., Gesamtsumme

156000000 M.

Was die +Bedeutung+ des Kanals betrifft, so ist dieselbe vor allem

eine +strategische+. Der Kanal allein ist im stande, die positive

Unabhängigkeit der Hälfte der deutschen Seekräfte gegenüber den

nordischen Nachbarn sicherzustellen. Nur der Kanal garantiert,

vorausgesetzt natürlich, daß seine Endpunkte in ausreichendster Weise

durch Befestigungen gesichert sind, das Zusammenwirken der beiden in

der Nord- und Ostsee stationierten Teile unserer Flotte, er schafft die

Möglichkeit, überraschend mit geeinten Kräften östlich wie westlich

der Herzogtümer aufzutreten, den Schwerpunkt der aktiven Verteidigung

unserer Küstengebiete je nach Bedürfnis zu verschieben.

In hervorragender Weise wird der Kanal aber auch +wirtschaftlichen

Interessen+ sich zweckdienlich erweisen. Die Handelsschiffahrt mußte

bisher infolge der mit erheblicher Gefahr verbundenen Fahrt um das

Kap Skagen bedeutende Opfer an Geld und Zeit bringen. Der Kanal aber

kürzt die Seereise um mindestens 237 Seemeilen ab, und die Ersparnis an

Zeit ist um so größer, je weiter südlich das Ziel der aus der Ostsee

kommenden Schiffe liegt. Segelschiffe ersparen bei Benutzung des

Kanals mindestens drei Tage, Frachtdampfer 22 Stunden. Der Verkehr im

Nordostsee-Kanal dürfte sich sehr rasch großartig gestalten, wenn man

bedenkt, daß zur Zeit durchschnittlich im Jahre 35000 Schiffe den Sund

passieren, von denen sicher 18000 den Kanal benutzen werden. Welche

Opfer die Fahrt durch den Sund erfordert hat, ergiebt sich aus der

Thatsache, daß in den fünf Jahren 1877-1881 auf der Fahrt zwischen

Ost- und Nordsee um das Kap Skagen in den Meeren, welche bei derselben

berührt werden müssen, allein 92 +deutsche+ Schiffe -- durchschnittlich

per Jahr 18 -- mit rund 20000 Registertonnen Raumgehalt und einem

Gesamtwert von 3-4 Mill. M. verloren gegangen sind. Durchschnittlich

sollen nach früheren Berechnungen bei der Fahrt um Skagen an Schiffen

aller Nationen jährlich an 200 verunglücken. -- Auch verschiedene

Handelskammern, so die von Bremen und Köln, haben sich dahin erklärt,

daß der Kanal für die Interessen des überwiegenden Teils des gesamten

Reichsgebiets, insbesondere aber für den ackerbautreibenden Osten und

den industriellen Südwesten Deutschlands von hervorragender Wichtigkeit

sei.

Die zu erwartende Verkehrsmasse wird auf 18000 Schiffe mit 5½ Millionen

Reg.-Tonnen veranschlagt. Bei einer durchschnittlichen Abgabe von 75

Pf. für die Reg.-Tonne werden daher Einnahmen in der Höhe von 4125000

M. erwachsen, welchen wiederum Unterhaltungs- und Erneuerungskosten

von 1900000 M. jährlich gegenüberstehen. Der Rest von 2225000 M.

würde fast genau zu 4% Verzinsung von 55 Mill. M. genügen, welche

von dem 156 Mill. M. betragenden Baukapital übrig bleiben, wenn man

die Aufwendungen zu Zwecken der Kriegsführung (51 Mill. M.) und die

seitens Preußens von vornherein bewilligte Summe von 50 Mill. M.

in Abzug bringt. Insofern ist also zu hoffen, daß sich mindestens

derjenige Kostenanteil verzinsen wird, welcher lediglich dem Nutzen des

allgemeinen Verkehrs gewidmet ist.

Die Bauzeit des Kanals wird auf 8-9 Jahre geschätzt, so daß man,

wenn alles sich günstig gestaltet, zum Sommer 1895 der Eröffnung des

Kanals entgegensehen darf. „Mögen sich die Hoffnungen in reichem Maße

erfüllen, welche sich an das großartige Werk knüpfen; möge es dem

Vaterlande dienen im Frieden zum Nutz, im Kriege zum Trutz!“

4. +Der Seeschiffskanal nach Manchester.+ Gleich Brüssel, das die

Abhängigkeit von Antwerpen nicht mehr länger ertragen will, sondern

selbst den Charakter eines Seehafens erstrebt, ist auch Manchester, die

gewaltigste Fabrikstadt der Welt, bestrebt, sich von der Vermittlung

Liverpools zu emancipieren. Der breite, mächtige Mersey, an dessen

Mündung Liverpool liegt, gestattet nämlich wegen seiner riesigen

Schwankungen zwischen Ebbe und Flut nicht die unmittelbare Annäherung

von Schiffen an das Ufer. Schon seit alten Zeiten ist deshalb das Ufer

mit künstlichen, mit Schleusen verschlossenen Häfen (Docks) besetzt.

Ihre Bewirtschaftung ist aber kostspielig, um so mehr, da der größte

Teil derselben alt ist und daher keine Verbindung mit der Eisenbahn hat

und wegen des engen, felsigen Terrains auch keine mehr bekommen kann.

Die Ware muß also mit Rollfuhrwerk das steile Ufer hinangeschleppt

und zur Bahn gefahren werden; kommt sie vor der Verladung mit der

Eisenbahn auf Lager, so muß sie gar zweimal verfahren werden, was

Kosten verursacht, die auf jeden großen Umschlagverkehr lähmend wirken.

Manchester, das etwa 7½ deutsche Meilen landeinwärts von Liverpool

liegt, wollte sich diese Kosten, die seine Einfuhr und Ausfuhr

belasten, nicht länger gefallen lassen. Jahrelang hat es alle Energie

darangesetzt, um vom Parlamente die Ermächtigung zum Bau eines Kanals

für Seeschiffe von der Merseymündung nach Manchester zu bekommen.

Jahrelang hat sich aber auch Liverpool mit ebenso großer Zähigkeit

dagegen gewehrt; endlich hat nun doch Manchester im August 1885 seinen

Willen durchgesetzt. Das Parlament hat einen sogen. „Trust“, wir würden

etwa sagen eine Selbstverwaltungsbehörde, eingesetzt, welche den Bau

und später die Verwaltung des Kanals in die Hände nimmt. Der „Trust“

wird auf Grund des Gesetzes gewählt; er besteht aus Delegierten des

Staates und der beteiligten Grafschaften, der beteiligten Städte,

der Kaufleute und Fabrikanten von Manchester und seiner Vorstadt

Salford; der Bau ist also kein Aktien-, sondern ein halböffentliches

Unternehmen. Kürzlich wurden die Wahlen vollzogen. Der „Trust“ ist

bereits im Besitze des zum Bau erforderlichen Kapitals, das nicht als

am Gewinn beteiligtes Aktienkapital, sondern als einfache Anleihe

aufgebracht ist. Das Kapital beträgt nicht weniger als 200 Mill. M.

Der Kanal wird 56 km lang; die Schleusen, deren nur wenige vorhanden

sein werden, sollen eine Breite von 20 m erhalten, und die Tiefe des

Kanals wird 8⅔ m betragen, so daß die größten Schiffe ungehindert aus-

und einfahren können. In Manchester selbst werden große künstliche

Häfen mit allen bewährten Einrichtungen der Neuzeit hergestellt, und

namentlich werden dieselben auch mit Schienensträngen unmittelbar an

den Quais ausgestattet, so daß die Ware mittels hydraulischen Krans

unmittelbar aus dem Schiff auf den Eisenbahnwagen gehoben werden kann.

Manchester eignet sich daher in Zukunft auch als Speditionsplatz für

die dichtbevölkerte Umgegend besser als Liverpool.

=~c.~ Projektierte Kanäle.=

=In Europa.=

+Kanal zwischen Bordeaux und Narbonne.+ Die Länge dieses Kanals,

welcher eine Verbindung zwischen dem Golf von Biscaya und dem

Mittelmeer bezweckte, würde 407 km betragen und ca. 550 Mill. M.

kosten. Den Schiffen wäre hierdurch der Weg durch die Straße von

Gibraltar erspart.

Ferner ist noch die Rede von Kanälen zwischen dem Weißen Meer und der

Ostsee, sowie zwischen der Ostsee und dem Schwarzen Meer; dann von

der Durchstechung der Landenge, welche den Liimfjord in Jütland vom

Kattegat trennt, von der Durchbohrung des Isthmus von Perekop, welcher

das Schwarze vom Asowschen Meer scheidet, und von der Verbindung des

Golfes von Saros mit dem Marmara-Meer.

=In Asien.=

1. +Malakka-Kanal.+ Hierbei handelt es sich um die Durchstechung der

Halbinsel Malakka im Südosten Asiens. Als die geeignetste Stelle hierzu

wird die Landenge von Krah hart an der Grenze des britischen Tenasserim

bezeichnet. Die Masse der zu bewegenden Erde wird auf 30-38 Mill. cbm

geschätzt bei einer Gesamtlänge des Kanals von 109 km; die Gesamtkosten

werden zu 80-100 Mill. Frcs. veranschlagt. -- Durch die Herstellung

dieses Kanals würde der Weg nach den chinesischen Häfen um ca. 1500 km

abgekürzt. -- Die Naturhindernisse sind nicht übermäßig groß, und die

Unternehmer hätten nur 11 km +eigentlichen+ Kanal zu graben; soviel

beträgt nämlich die Entfernung zwischen den äußersten schiffbaren

Punkten der sich in den Bengalischen, resp. Siamesischen Meerbusen

ergießenden gegenüberliegenden Flüsse. Das Projekt wird indessen von

England scheel angesehen, einmal weil es von Franzosen ausgeht, sodann

aber, weil es der englischen Kolonie Singapore am Südende der Halbinsel

Malakka den Todesstoß versetzen würde.

2. +Palästina-Kanal.+ Dieses Projekt ist darauf gerichtet, das

Mittelmeer durch einen von der Bucht von Acca ausgehenden Kanal mit dem

Jordanthal und dieses durch einen zweiten Kanal mit dem Busen von Akaba

zu verbinden.

=In Afrika.=

+Durchstechung der Landenge von Gabes[194].+ Hier handelt es sich

allerdings nicht um die Verbindung zweier Meere, sondern um die

Herstellung eines Kanals zwischen einem Meere (dem Mittelmeer) und

einem Seengebiet (den algerisch-tunesischen Schotts); immerhin mag das

Projekt hier seine Besprechung finden.

Das algerisch-tunesische Schottgebiet liegt unter dem Spiegel des

Mittelmeeres, ist also eine sogenannte Depression. Diese Thatsache gab

vor allem dem französischen Generalstabskapitän +Roudaire+ († 1885)

Veranlassung, die Möglichkeit einer Unterwassersetzung des ganzen

Gebietes mittels Durchstichs der Landenge von Gabes zu untersuchen. Auf

Grund dieser Untersuchung hielt er sich zu der Erklärung berechtigt,

daß die Herstellung eines solchen Binnenmeeres (in +sehr+ übertriebener

Weise von den Franzosen „+Saharameer+“ genannt) leicht auszuführen

sei; außerdem versprach er sich sowohl in kommerzieller, als auch

in klimatischer Hinsicht die besten Erfolge. Eine Kommission, welche

von dem Präsidenten der französischen Republik 1882 zur Prüfung des

Projekts nach seiner physischen, politischen und ökonomischen Seite

berufen worden war, erklärte sich indes gegen dessen Ausführung.

In neuester Zeit ist übrigens neben dem Jugendfreund +Roudaires+,

dem Major +Landas+, auch +Lesseps+, der Erbauer des Suez- und

Panama-Kanals, zum eifrigsten Verfechter des Projektes geworden,

so daß zu vermuten steht, daß das Unternehmen schließlich doch zu

einem glücklichen Ende gelange. Allerdings werden nach Vollendung

des großen Werkes nicht die früher gehofften großartigen Änderungen

in den Verhältnissen Nordafrikas eintreten; jedenfalls aber werden

die klimatischen Verhältnisse der zunächstgelegenen Landschaft

eine Verbesserung erfahren; auch wird die Anlage des künstlichen

Binnenmeeres für die Urbarmachung der in unmittelbarer Nähe gelegenen

Ländereien sich vorteilhaft erweisen, und der Schottbezirk, der zur

Zeit unter der Geißel des Sumpffiebers leidet, wird bewohnbarer werden.

-- Die Oberfläche des künstlichen Binnenmeeres würde höchstens ca.

13000 qkm betragen, das Saharameer somit von der wirklichen Sahara mit

6,3 Mill. qkm nur den 485. Teil einnehmen.

=In Amerika.=

1. +Nicaragua-Kanal[195].+ In neuester Zeit besteht seitens der

+Vereinigten Staaten von Amerika+ die Absicht, dieses Projekt, das

schon 1879 in Paris auf dem internationalen Kanal-Kongreß erörtert,

damals aber abgelehnt wurde, zur Ausführung zu bringen. -- Der Kanal

soll vom Hafen von San-Juan del Norte oder Greytown am Antillenmeer

zunächst als selbständige Wasserstraße westwärts ziehen, dann den

San-Juan-Fluß bis zum Nicaragua-See benutzen, diesen See bis zur

Einmündung des Rio del Medio durchlaufen und sich von da nach dem

Hafen Brito am Stillen Ocean wenden. --- Die ganze Länge des Kanals

würde 279,4 km betragen, die Länge des künstlich herzustellenden

eigentlichen Kanals nur 85,4 km (der Panama-Kanal wird 75 km lang). --

Die Dauer der Fahrt wird von einigen auf 4½ Tage, von anderen auf 36

Stunden berechnet. -- Die Baukosten des Kanals werden auf 100 Mill.

Doll. veranschlagt. -- Die hauptsächlichsten +Einwände+, welche man

gegen die Wahl der Nicaragua-Linie erhoben, sind ihre bedeutende Länge,

der Mangel guter Häfen an den Endpunkten, ihre Lage in vulkanischer

Gegend und das Erfordernis von Schleusen, wodurch namentlich die Dauer

der Fahrt verlängert würde. Diesen Bedenken werden nun freilich von

anderer Seite auch die +Vorzüge+ gegenübergestellt, welche zu Gunsten

der Linie sprechen. Dieselben sind:

~a.~ Der Kanal liegt geographisch in günstiger Lage, weil außerhalb des

Gebietes der Windstillen.

~b.~ Seine Herstellung an dieser Stelle wird weniger als die Hälfte

derjenigen Summe kosten, die für einen Kanal an irgend einer anderen

Stelle Central-Amerikas erforderlich sein würde.

~c.~ Der Nicaragua-Kanal durchschneidet ein Gebiet, das reich an

Naturschätzen und hinlänglich entwickelt und bebaut ist, um die

Unterhaltung der Arbeiterscharen während der Ausführung des Werkes

sicherzustellen. Der Boden ist fruchtbar, die Weidegründe haben

einen ausgezeichneten Viehstand, und alle zur Herstellung des Kanals

erforderlichen Baustoffe an Hölzern, Steinen und Mörtelgut sind in

nächster Nähe überall in reicher Auswahl vorhanden.

~d.~ Der Ausführung stehen nur solche technische Schwierigkeiten

entgegen, die leicht und mit mäßigem Kostenaufwand überwunden werden

können.

~e.~ Das Werk ist ein Süßwasser-Kanal, der auf die Reinigung der

Schiffswände sehr günstig wirken wird. Erfahrungsmäßig sterben die

Seetiere und Pflanzen, welche sich an die Schiffskörper ansetzen,

alsbald ab, sowie das Fahrzeug in süßes Wasser gelangt.

~f.~ Am Nicaragua-See bieten sich vortreffliche Gelegenheiten zur

Anlage von Docks, Reparatur-Werften und Werkstätten.

~g.~ Alle Lieferungen können abgabefrei auf bereits vorhandenen

Wasserwegen bewirkt werden. Außerdem bestehen zwischen dem See und dem

Stillen Ocean schon fahrbare Wege.

~h.~ Die jährliche Regenhöhe ist im Durchschnitt eine verhältnismäßig

geringe: am See etwa 130 cm, oberhalb der Mündung des San Carlos 200

und im untern Thalgebiete des San Juan 215 cm.

~i.~ Der hauptsächlichste Vorzug der Linie besteht in den natürlichen

Vorteilen, die der Nicaragua-See selbst gewährt. Er vermag das

Zwanzigfache von der Wassermenge zu liefern, welche die Handelsflotte

der ganzen Welt für das Durchschleusen ihrer Schiffe erfordern würde.

Der See ist 176 km lang bei einer durchschnittlichen Breite von 48

km und einer in der Entfernung von 15 km vom Ufer ab bis zu 370 m

anwachsenden Tiefe. Die Schwankungen im Wasserstande gehen nicht über

1,5 m hinaus. Der San-Juan-Fluß ist überall mindestens 9 m tief. Er

führt bei höheren Wasserständen des Sees 340 bis 420 cbm Wasser in der

Sekunde aus demselben ab; sein Gefälle beträgt auf 45 km nur etwa 0,6

m; auf der folgenden 15 km langen Strecke steigert es sich bis zu 3,65

m. In seinem Oberlauf beträgt die Breite 350 bis 450 m; an der Stelle,

wo die Anlage eines Dammes beabsichtigt wird, findet sich bei einer

Breite von 180 m seine größte Tiefe.

~k.~ Es ist leicht nachzuweisen, daß der Kanal eine gute Rente gewähren

wird, selbst wenn seine Herstellungskosten doppelt so hoch ausfallen

sollten, wie der Voranschlag sie ermittelt hat. Bei einem Frachtsätze

von 2 Dollars für die Tonne würde sich ein Kapital von 100 Mill. Doll.

mit wenigstens 8% verzinsen.

2. +Florida-Kanal.+ Bei der Umfahrung der Halbinsel +Florida+ am

Südostende von Nordamerika sind die Schiffe auf einer Strecke von 334

km großen Gefahren ausgesetzt, weil die Küste von einer Unzahl von

Sandbänken, Riffen und kleinen Inseln eingefaßt ist. Daher hat sich

in Nordamerika eine Gesellschaft gebildet, um durch Erbauung eines

Schiffahrtskanals diese Gefahren möglichst zu verringern und zugleich

den Seeweg nach dem Meerbusen von Mejico abzukürzen. Der Kanal soll

durch den nördlichen Teil der Halbinsel gehen, bei Jacksonville an der

Mündung des St. Johnflusses in den Atlantischen Ocean beginnen und

beim Flusse Suwannee, der in den Mejicanischen Golf mündet, enden.

Die ganze Strecke, etwa 221 km, bietet fast gar keine Hindernisse,

da das Land beinahe vollkommen eben und zum Teil sumpfig ist. Die

Kosten sind auf 230 Mill. Frcs. veranschlagt; davon träfen 180 Mill.

auf den eigentlichen Kanal und auf die Erbauung zweier Häfen. Das

New-Yorker Handelsamt schätzt den Verkehr durch die Florida-Bucht auf

das Dreifache des Verkehrs durch den Suezkanal. Die Entfernung von

New-York bis Pensacola, dem bekannten nordamerikanischen Kriegshafen

am Mejicanischen Meerbusen, würde um 1100 km abgekürzt, die bis

New-Orleans um 900 und der Weg von Liverpool nach New-Orleans um 763

km. Nach den amerikanischen statistischen Quellen haben in den letzten

fünf Jahren 362 Schiffbrüche stattgefunden, bei denen an Waren für

15 Mill. Frcs. zu Grunde gingen. Die Versicherungsprämien sind daher

für die Schiffahrt an den Küsten Floridas sehr hoch; sie sind um

2500-4000 Frcs. höher als für die nach Südamerika fahrenden Schiffe.

Der jährliche Verlust, welchen die Schiffahrt an den Küsten von Florida

sowohl an Fahrzeugen, als auch an Waren erleidet, beläuft sich auf 25

Mill. Frcs.

=2. Hafenanlagen.=

Eine hervorragende Stelle in der Reihe der Hafenbauten nehmen die

+Dockanlagen+ ein. Man versteht darunter künstlich geschaffene

Wasserbassins, die durch eine Einfahrt mit dem Außenwasser in

Verbindung stehen und zur Aufnahme jener Schiffe bestimmt sind, die zu

löschen[196] oder zu laden haben. Solche Docks, auch +nasse+, +Waren+-

oder +Handelsdocks+ genannt, werden überall da nötig, wo das Ufer dem

wachsenden Schiffsverkehr nicht mehr hinreichenden Platz oder die

Veränderlichkeit des Wasserstandes zum Löschen und Laden nicht Ruhe

genug bietet. In den Emporien des Welthandels sind derartige Anlagen in

der großartigsten Ausdehnung vorhanden, so vor allem in +London+ und

+Liverpool+[197].

Der Weltverkehr Telegraphie und Post, Eisenbahnen und Schiffahrt, in ihrer Entwickelung dargestellt · 第 36 / 50 段