Die Erkenntnis der Gesetze der Cyklone ist für die Schiffahrt von ganz

eminent praktischer Bedeutung. Aus dem Fallen des Barometers und der

Art, in welcher sich die Windrichtung ändert, erkennt der Seefahrer,

welcher Partie des Sturmfeldes er sich nähert, und in welcher Richtung

das gefährliche Centrum liegt. Er kann daher davon wegsteuern, ja

er kann sogar die regelmäßigen Winde, die es umkreisen, zu einer

raschern Fahrt benützen. Nach +Piddington+ sollte überhaupt jeder

tüchtige Seemann auch im „+Cyklonensegeln+“ geübt sein; er sagt: „Im

südlichen Indischen Ocean sind die Wirbelstürme jetzt manchen Kapitänen

wohlbekannt, und dieselben machen kapitale Fahrten nach Indien und

Australien, indem sie nach ihnen aussehen; finden sie einen solchen

geeignet, um zur Nordseite seiner Bahn hinüberzugehen, so halten

sie sich auf diese Seite, welche ihnen einen stetigen und steifen

westlichen Wind giebt, jedoch in solcher Entfernung vom Centrum,

daß sie sicher vor dem Winde laufen können. Das nennt man einen

+Cyklonenritt+.“ In unserer Hemisphäre ist die gefährlichste Partie

eines Wirbelsturmes die rechte oder vordere, weil die Winde das Schiff

rasch in den Mittelpunkt des Cyklons treiben.

Hinsichtlich der +Entstehung der Stürme+ ist zwar sicher, daß sie stets

durch große Unterschiede im Barometerstande nahe bei einander liegender

Orte veranlaßt werden, also durch starke Gradienten; aber die erste

Entstehung jener bedeutenden Verminderung des Luftdruckes über einer

Stelle der Erdoberfläche, die zu einem Sturmcentrum wird, ist noch

nicht hinlänglich aufgeklärt.

[Illustration: Fig. 124. Sturmbahnen der tropischen Cyklone.]

Jene Männer, welche durch ihr rastloses Forschen sich die größten

Verdienste um die Ermittlung der Gesetze der Stürme und dadurch um die

ganze Schiffahrt erwarben, sind besonders der Deutsche +Dove+, die

Amerikaner +Maury+ und +Redfield+, die Engländer +Piddington+, +Reye+,

+Reid+ und der Niederländer +Buys Ballot+.

Von der entsetzlichen +Wirkung+ der Wirbelstürme wird an anderem Orte

gehandelt werden, desgleichen von der +Pflege der Witterungskunde durch

die hydrographischen Institute+ und vom +Sturmwarnungswesen+.

III. Seemännische Instrumente[166].

1. Das wichtigste aller Instrumente des Seefahrers ist der +Kompaß+.

Über die +Geschichte+ desselben sei kurz folgendes bemerkt. Im

Altertum war der Kompaß unbekannt; damals diente den Völkern der

Nordstern als Leiter während ihrer nächtlichen Fahrten. In +Europa+

scheint man anfangs nur die +Tragkraft+ des Magneten bewundert zu

haben; denn hätte man seine eigentümliche +Richt+kraft gekannt, so

lag die Anwendbarkeit desselben als Führer bei Land- und Seereisen

so nahe, daß sie wohl kaum übersehen worden wäre. Die +Chinesen+

dagegen hatten schon tausend und mehr Jahre vor unserer Zeitrechnung

kleine magnetische Wagen, welche ihnen den Weg durch die unermeßlichen

Steppen der Tatarei wiesen. Im dritten Jahrhundert n. Chr. bedienten

sich dieselben schon einer an einem Faden aufgehängten Magnetnadel. Im

Abendlande, und wahrscheinlich zuerst bei den seefahrenden Nationen des

Nordens, hing man den Magnetstein selbst an einem Faden auf oder legte

ihn auf ein Brettchen und ließ ihn auf ruhigem Wasser schwimmen.

Wem die +Erfindung+ des +Kompasses+ zuzuschreiben, wurde noch nie

mit Genauigkeit ermittelt; nur soviel weiß man, daß er im zwölften

Jahrhundert in +Frankreich+ unter dem Namen „+Marinette+“ bereits

bekannt und auf Schiffen benutzt wurde. Bedeutend verbessert wurde er

im 14. Jahrhundert durch die Italiener +Gioja+ und +Giri+, und 1436

wird schon in einem Portolano des +Andrea Bianco+ der magnetischen

Abweichung erwähnt. Den +Engländern+ verdanken wir die sinnreiche

Einrichtung der schwebenden Scheibe des Schiffskompasses, den

+Holländern+ die Benennung der Weltgegenden nach Strichen auf der

Windrose.

[Illustration: Fig. 125.

Schiffskompaß in Cardanischer Aufhängung.]

Der +Schiffskompaß+ besteht aus einer geteilten Kreisscheibe von

Papier, auf Marienglas oder Glimmer geklebt, die, mit der Nadel

fest vereinigt, sich mit dieser dreht und die Abweichung durch eine

außerhalb liegende Marke (Steuerstrich), welche der Kiellinie des

Schiffes entspricht, bezeichnet. Diese Kreisscheibe, „+Windrose+“

genannt, auf der die 32 Windstriche enthalten sind, dreht sich, mit

einem harten +Achatlager+ (Achathütchen) auf einer Metallspitze (Pinne)

ruhend, in einer Büchse von Messing oder Kupfer, die frei in doppelten

Bügeln hängt (Cardanische Aufhängung), allen Bewegungen des Schiffes

leicht nachgiebt und somit die Scheibe stets horizontal erhält.

Schon bei seiner ersten Reise nach Amerika bemerkte +Christoph

Kolumbus+, daß die Spitze der freischwebenden Magnetnadel nicht die

Polgegend der Erde anzeigte, sondern daß dieselbe mehr oder weniger

von der wahren Nordrichtung abwich. Diese Abweichung des magnetischen

vom astronomischen Meridian nennt man +Variation+ (Deklination) oder

+Mißweisung der Magnetnadel+, und da sie bald größer, bald kleiner,

bald östlich, bald westlich, und nur an wenigen Orten der Erdkugel

gleich Null ist, so muß sie der Seemann genau kennen, um danach

seine Kurse zu korrigieren. Diese Variation ist außerdem langsamen

Abänderungen (säkularen Variationen) unterworfen. So betrug z. B. in

Paris dieselbe im Jahre 1580 11½ Grad östlich, dagegen fiel schon 1663

der astronomische Meridian mit dem magnetischen zusammen; 100 Jahre

später wich die Magnetnadel um 8° 10′ nach Westen, 1814 um 22° 34′

nach derselben Richtung ab. Seit dieser Zeit geht die Nadel wieder

zurück, und 1852 betrug die westliche Ablenkung daselbst nur noch 20°

22′. Diese Veränderung macht somit eine Korrektur der Seekarten von

Zeit zu Zeit nötig. Die erste dieser Deklinationskarten wurde 1530 vom

Kosmographen Alonzo de Santa Cruz gezeichnet und veröffentlicht.

Eine weitere Erscheinung ist die Neigung der Magnetnadel in vertikaler

Richtung, +Inklination+ genannt, welche sich dadurch zeigt, daß die

eine Spitze, bei völligem Gleichgewicht der Nadel, sich gegen den

Horizont neigt. Bei Polarexpeditionen und auf Schiffen in hohen Breiten

wird diese Neigung sehr fühlbar, doch kann man ihr leicht durch ein

kleines Gegengewicht von Wachs, Siegellack oder Blei abhelfen. Am

Äquator ist diese Neigung beinahe Null.

Linien, welche die Orte gleicher Deklination miteinander verbinden,

heißen +Isogonen+[167]; Linien, welche die Orte gleicher Inklination

verbinden, nennt man +Isoklinen+[168].

Eine fernere Ablenkung der Magnetnadel ist die +Lokalattraktion+

oder die +örtliche Abweichung+. Der Betrag, um welchen hierdurch die

Deklination oder Mißweisung geändert wird, heißt die +Deviation+.

Beobachtet wurden diese Unregelmäßigkeiten in der Abweichung der

Bussole schon gegen das Ende des 18. Jahrhunderts, und man beklagte

sich damals allgemein über die Unverläßlichkeit der magnetischen Daten.

Niemand aber konnte eine Erklärung dieser sonderbaren Erscheinung geben

bis herab auf Kapitän +Flinders+, der ganz richtig erkannte, daß die

Ursache dieser Störungen in den +Eisenmassen+ des Schiffes zu suchen

sei. Die Unregelmäßigkeiten in der lokalen Abweichung wurden noch

großartiger, als durch den Holzmangel in England und durch die bereits

auf hoher Stufe stehende Eisenindustrie der Holzschiffbau immer mehr

verdrängt und zuerst durch den gemischten, dann durch den vollständigen

Eisenschiffbau ersetzt wurde. Selbst in maßgebenden Kreisen machte

sich infolgedessen die Befürchtung geltend, daß eiserne Schiffe zum

Seedienst sich kaum geeignet erweisen würden. Der Wissenschaft des

19. Jahrhunderts ist es indes gelungen, auch diese Schwierigkeit im

Schiffahrtsbetriebe zu überwinden. Um die Theorie der Deviation

erwarben sich große Verdienste der englische Astronom +Airy+ und der

französische Akademiker +Poisson+. Ersterem und +Barlow+ verdankt man

auch die Erfindung geeigneter Kompensationen (zur Paralysierung der

Wirkung der Schiffseisenmassen). Die Airysche Kompensation, aus einem

Systeme permanenter und induzierter Magnete bestehend, war bis in

die jüngste Zeit bei den meisten Schiffen der Kauffahrteimarine die

gebräuchliche. Man bemerkte aber, sobald die Schiffe auf See kamen und

den Ort wechselten, Änderungen in den Deviationen der Kompasse, die

man sich nicht erklären konnte, und die den Schiffen noch immer Gefahr

brachten. Da die Frage namentlich seit Einführung der Dampfkraft in der

Seeschiffahrt eine immer brennendere wurde, indem es nun immer mehr

darauf ankam, einen genauen Kurs auf See einzuhalten, und der Kompaß

eine größere Bedeutung erlangte, so bildete sich, um mehr Klarheit in

die Sache zu bringen und praktisch verwertbare Resultate betreffs des

Verhaltens und der Änderungen des Schiffsmagnetismus zu gewinnen, in

Liverpool ein besonderes Komitee von Reedern, Schiffsbauern, Gelehrten,

Versicherern und Seeleuten. Dieses Komitee, dem zu Experimenten Schiffe

zur Verfügung gestellt wurden, hat in den fünf bis sechs Jahren seines

Bestehens durch seine mit großer Sachkunde ausgeführten Forschungen die

Kompaßfrage außerordentlich gefördert und dieselbe in eine richtigere

und bessere Bahn gelenkt. Von der englischen Admiralität wurde nun auch

ein besonderes Departement für Kompaßfragen begründet, in dem sich

namentlich +Evans+, der Hydrograph der Admiralität, große Verdienste

erwarb. Derselbe konstruierte nach verschiedenen praktischen Versuchen

und Berechnungen eine Kompaßrose mit einem System von mehreren

Magnetnadeln, die noch jetzt als +~Admiralty Standard Compass Card~+

sowohl in der englischen, als auch in der deutschen Marine, sowie bei

vielen Kauffahrteischiffen in Gebrauch ist und dem verfolgten Zwecke

wenigstens in den meisten Fällen entsprach.

Infolge der weitern Fortschritte der Schiffsbautechnik und der größern

Entwicklung des Dampferverkehrs wurde indes auch diese Kompaßrose

unruhig und bei stärkerer Bewegung des Schiffes unbrauchbar. Bessere

Maschinen bewirkten größere Schnelligkeit, die Kurse mußten immer

genauer eingehalten werden, und die Bedeutung des Kompasses steigerte

sich in demselben Maße, wie die Schwierigkeiten, einen unter allen

Verhältnissen ruhig arbeitenden Kompaß herzustellen.

Bei Begründung der deutschen Seewarte im Jahr 1875 wurde denn auch die

Kompaßfrage mit in das Programm aufgenommen und eine Abteilung zur

Prüfung nautischer Instrumente, sowie zur Regulierung der Kompasse und

Förderung der Deviationslehre geschaffen. Professor ~Dr.~ Neumayer,

der zum Direktor der Seewarte ernannt worden, hatte schon früher

als Hydrograph der Admiralität in Verbindung mit einem tüchtigen

Mechaniker, +Karl Bamberg+ in Berlin, viel zur Verbesserung der

Kompasse gethan und in der kaiserlichen Marine sowohl den englischen

Standard-Kompaß, als auch die sogen. Fluidkompasse eingeführt. Die

letzteren sollten dazu dienen, eine größere Ruhe der Rose herzustellen,

ohne jedoch die Empfindlichkeit derselben zu beeinträchtigen.

Großen Beifall fand inzwischen die Rose des englischen Physikers

+Sir William Thomson+. Sie wurde auf den großen Postdampfern,

die von Liverpool nach New-York fahren, eingeführt, desgleichen

ist sie auf einigen Postdampfern der Hamburg-Amerikanischen

Paketfahrt-Aktien-Gesellschaft, sowie auf den Schnelldampfern des

Norddeutschen Lloyd in Gebrauch. Zur allgemeinen Einführung konnte

indes dieser Kompaß bei der Schwierigkeit der Herstellung und dem hohen

Preise (der Kompaß kostet mit Kompaßhaus und Nachthaus zusammen 1000

Mark) nicht gelangen. Die Seewarte stellte deshalb neue Versuche an und

gab dem Hamburger Mechaniker G. +Hechelmann+ diesbezügliche Aufträge.

Derselbe hat denn auch seine Aufgabe in den letzten Jahren in äußerst

scharfsinniger Weise gelöst, so daß dessen Kompaßrose in der kurzen

Zeit ihres Bestehens in über 200 Exemplaren auf den verschiedensten

deutschen und auf einigen fremden Schiffen verbreitet ist und sich

eines immer mehr zunehmenden Rufes erfreut. Mit diesen Kompaßrosen,

verbunden mit den Fluidkompassen, ist die Kompaßkonstruktion jetzt auf

einen Standpunkt gebracht, daß damit allen Anforderungen der Neuzeit

entsprochen werden kann.

Hand in Hand mit der Verbesserung der Kompasse ging natürlich

die Regulierung der Kompasse an Bord der eisernen Schiffe, die

Unschädlichmachung der durch den Schiffsmagnetismus verursachten

Störungen der Kompaßnadel und das Studium der Änderungen der

Deviation. Zur Förderung der schiffsmagnetischen Lehre dienen

namentlich die von der Seewarte geführten, die Beobachtungen der

Schiffe enthaltenden Deviationsbücher. Die Beobachtungen stammen

aus den Deviationsjournalen, welche die Schiffe, ebenso wie die

meteorologischen Journale, von der Seewarte empfangen, während der

Reise ausfüllen und bei der Heimkehr abliefern. Durch ein solches

Verzeichnis von an Bord der verschiedensten Schiffe gemachten

Beobachtungen ist man schon jetzt im stande, die magnetischen

Eigenschaften eines neuen Schiffes mit einer gewissen Sicherheit

vorauszusagen, den günstigsten Ort für den Kompaß zu bestimmen und

zuweilen auch die Kompensation von vornherein so einzurichten, daß sie

allen Breiten gerecht wird.

So darf denn wohl behauptet werden, daß nicht zum geringsten Teile

durch die Arbeiten und Forschungen der +deutschen+ Seewarte die

Kompaßfrage in heutiger Zeit einen Standpunkt errungen, der geeignet

ist, die aus den störenden Einflüssen des Schiffsmagnetismus für die

Seefahrt entstandenen Gefahren in bedeutendem Maße zu verringern.

Der Kompaß ist somit wieder, wenn anders die gewonnenen Erfahrungen

beachtet und die Schiffe mit guten Instrumenten ausgerüstet werden, wie

ehedem ein treuer Wegweiser über den Ocean.

Die Hauptarten von Kompassen sind die +Steuerkompasse+ und die

+Azimut+- oder +Peilkompasse+. Der Unterschied derselben liegt

hauptsächlich in der verschiedenartigen Einrichtung der Kompaßrosen.

Während dieselbe nämlich bei den Steuerkompassen in 32 Kompaßstriche

und jeder derselben wiederum in halbe und Viertel-Striche geteilt

ist, befindet sich am äußersten Rande der Peilkompaßscheibe noch eine

Gradeinteilung. Außerdem ist bei letzterem der Glasdeckel des Gehäuses

mit einem beweglichen Ringe, an dem zwei Diopter mit farbigen Gläsern

befestigt sind, ausgerüstet, um die Sonne oder Landobjekte auf Grade

und Minuten genau peilen (bestimmen) und ablesen zu können.

+Regelkompaß+ oder +Normalkompaß+ ist derjenige Kompaß an Bord des

Schiffes, nach welchem der Kurs des Schiffes bestimmt und aufgegeben

wird. Alle übrigen Kompasse werden mit diesem verglichen.

2. +Anker.+ Soll ein Schiff an einer bestimmten Stelle über dem Grunde

festgehalten werden, so bedient man sich des +Ankers+. Ursprünglich

mußte ein vorteilhaft gewachsener Baumstumpf, am dicken Ende durch

aufgebundene Steine beschwert, dem Zweck genügen. Später versah man den

primitiven Schaft mit einem oder mehreren genügend großen Haken, die

sich in den Grund eingruben. Die Formen dieses Ankers sind im Laufe

der Jahrtausende sehr vervollkommnet worden, das Princip an ihm ist

dasselbe geblieben.

Der Anker ist mit einem starken Tau oder einer Kette versehen, welche,

am Schiffe befestigt, die Verbindung zwischen diesem auf dem Wasser und

dem Anker im Grunde herstellt. Man ankert bei der Ankunft auf der Reede

oder im Hafen, wenn man nicht sogleich das Schiff an den Quai oder das

Bollwerk legen kann; man liegt vor Anker in genügend flachem Wasser

an einem geschützten Ort, wenn Gezeitenströmung oder Wind und Wetter

die Reise fortzusetzen nicht gestatten; man reitet vor Anker an einer

Leeküste, wenn Sturm und See das gefährdete Schiff auf sie zutreiben,

angesichts der Brandung, wenn die Kraft des Dampfes den Erfolg versagt,

ein Entkommen mit Hilfe der Segel aussichtslos geworden. In dem

letztgenannten Falle ganz besonders ist der Anker mit seinem starken

Tau, seinen schweren Ketten der einzige Freund, die letzte Zuflucht in

Todesnot; hält jener nicht fest im Grunde oder bricht Tau und Kette

vorm stampfenden Bug unterm Andrang der überbrechenden Wellen, dann

ist es zu Ende mit Menschenmacht und Menschenklugheit. Notschuß und

Todesschrei verhallen ungehört, und die Brandung donnert zum Drama das

wilde Finale. -- Man +lichtet+ Anker, wenn man den Ort des Schiffes

verändern, bezw. die Reise fortsetzen will.

Je nach dem Orte der Lagerung am Bord haben die Anker verschiedene

Namen: +Buganker+, +Rüstanker+, +Heckanker+ u. s. w.

Ferner benennt man die Anker nach der Art ihrer Verwendung; mit Bezug

hierauf unterscheidet man +Stromanker+, +Hafenanker+, +Flut+- und

+Ebbanker+ u. s. w.

Das +Gewicht+ mancher Anker ist sehr bedeutend. Die Bug-,

beziehungsweise Rüstanker des deutschen Panzerschiffes „König Wilhelm“

sind z. B. 5000 kg schwer; auf Handelsschiffen von 500-600 Tonnen

Raumgehalt beträgt das Gewicht der gleichen Anker 28 Centner (deutsch).

Viel geringer ist die Schwere der Strom-, Warpanker u. s. w.

An Stelle der früheren Hanftaue verwendet man jetzt allgemein

+Ankerketten+, da dieselben, ausgenommen vielleicht für Reisen in

polaren Gebieten, wo die hohe Kälte das Eisen spröde und leichter

zu Brüchen geneigt macht, vor jenen viele Vorteile voraus haben.

Das auf Schiffen befindliche Kettenquantum sowie der Durchmesser

solcher Ankerketten ist zuweilen sehr beträchtlich. Auf dem deutschen

Panzerschiff „König Wilhelm“ z. B. sind an Ketten für die vier Bug-,

bezw. Rüstanker im ganzen 700 m mit einem Durchmesser von 60 mm und 100

m mit einem solchen von 63 mm vorhanden.

[Illustration: Fig. 126. Brookes Apparat zum Messen großer Meerestiefen.

(Nach W. +Schütte+, Das Wasser.)

~a~ Metallstab, ~b~ Flügelapparat, ~c~ Anfügung der Lotleine, ~d~

Kugelhalter, ~e~ zugehörige Drähte od. Schnüre, ~f~ Höhlung für

Grundproben.]

3. +Tieflot+, +Wasserschöpfflasche+, +Tiefseethermometer+,

+Schleppnetz+. Für Erforschung der +Tiefsee+ sind heutzutage eine

Reihe vortrefflicher Apparate zur Verfügung. -- Das einfachste Mittel

zur Ermittlung der +Wassertiefen+ ist das +Lot+ oder +Senkblei+,

ein an einem graduierten Faden hängendes Gewicht; der Zug desselben

hört auf in dem Augenblicke des Aufstoßens auf den Boden. Man

wendet dabei für Tiefen bis zu 800 Faden einen ca. 60 cm langen und

40-60 kg schweren prismatischen Bleiblock an, den man, um zugleich

eine Probe des erreichten Bodens heraufzubringen, mit einer dicken

Talgschicht überzieht. Diese Vorrichtung ist indes für größere

Tiefen selbstverständlich unbrauchbar, da das Gewicht viel zu klein

ist, um das Lot rasch und vertikal in die Tiefe zu ziehen, und von

Meeresströmungen aus seiner Richtung gebracht werden kann. Es wurden

deshalb geraume Zeit hindurch behufs Verbesserung des Tiefseelotes alle

erdenklichen Anstrengungen gemacht.

Die bekanntesten +Patentlote+ sind von Brooke, Hook, Massey, Belknap,

Sigsbee, Bailey u. a. +Brookes+ Tiefenmesser besteht aus einer

durchbohrten, mit kleinen Furchen versehenen Kanonenkugel, durch welche

ein Stab gesteckt ist mit einem beweglichen Arme an seinem obern Ende.

Dieser Arm ist, wenn das Instrument hängt, nach oben gerichtet und so

mit der Leine verbunden. An einem Haken dieses Arms hängt ein Band,

welches um die Kugel herumführend dieselbe trägt. Stößt der Stab auf

den Grund, so senkt sich der bewegliche Arm, das Band gleitet von

dem Haken, und die Kugel löst sich los. Der Stab enthält eine mit

Gänseposten (Gänsekielen) gefüllte Höhlung und bringt durch diese

Grundproben mit zur Oberfläche.

[Illustration: Fig. 127. Schleppnetz.]

Den bedeutendsten Fortschritt in dieser Beziehung bekundet wohl das

Patentlot von Sir +William Thomson+, dessen man sich jetzt auch

meistenteils zur Erforschung der +großen+ Tiefen im Ocean bedient.

Mittels desselben ist man nunmehr im stande, Tiefen bis zu 5000 Faden

zu ermitteln. Ein solcher Lotwurf dauert etwa eine bis anderthalb

Stunden. -- Neben den eigentlichen Loten spielen dermalen noch zwei

andere Instrumente bei Tiefseeforschungen eine hervorragende Rolle.

Es sind dies die +Wasserschöpfflasche+ und das +Tiefsee-Thermometer+.

Mittels der erstem vermag man Meerwasser aus beliebigen Tiefen zu

holen, das letztere giebt uns Aufschluß über die Temperatur des Meeres

in den verschiedenen Tiefenschichten. -- Ein weiterer Apparat, der

sich neuestens für die Tiefseeforschung von gleich großer Bedeutung

erwies, ist das sogen. +Schleppnetz+ oder +Scharrnetz+; durch dasselbe

erhalten wir Aufschluß über die Beschaffenheit des Meeresbodens, über

die Tiefsee-Organismen u. s. w.

4. +Taucherapparate.+ Die Untersuchung des Meeresgrundes in nicht

allzugroßer Tiefe oder die Beförderung von dort lagernden Gegenständen

an die Oberfläche erfolgt mittels der +Taucherglocke+ oder auch der

+Taucheranzüge+ und anderer ähnlicher Apparate.

[Illustration: Fig. 128. Taucher bei der Arbeit.

~T~ und ~t~ Luftschläuche.]

5. +Log (Logg).+ Das Log dient zum Messen der +Geschwindigkeit eines

Schiffs+. Das +gewöhnliche+ Log zeigt noch heute dieselbe Einrichtung,

welche sein Erfinder, der Engländer +Lock+, ihm vor etwa 220 Jahren

gegeben. Es besteht aus einer auf eine Rolle gewickelten dünnen Leine,

der +Logleine+ (von 5-6 mm Stärke und 200 bis 250 m Länge), an deren

Endpunkt sich ein Brettchen von der Form eines Kreisausschnittes

befindet, das sogen. +Logbrettchen+ oder +Logschiffchen+. Der Bogen

dieses Ausschnitts ist soweit mit Blei beschwert, daß das Brettchen

aufrecht im Wasser steht, aber gerade noch schwimmt. Durch diese

Stellung soll es Widerstand leisten und der schnell und leicht

abrollenden Leine als fester Punkt im Wasser dienen. -- Die +Logleine+

selbst ist, mit Ausnahme eines längern Stücks, welches man den

+Vorlauf+ nennt, mit +Knoten+ versehen, +deren jeder einer Seemeile

entspricht+. +Soviel Knoten also durch die Hand des Mannes, der die

Leine hält, ablaufen, soviel Seemeilen legt das Schiff zurück.+ --

Als Zeitmesser dient eine Sanduhr von 14 oder 28 Sekunden. -- Zum

Loggen sind drei Personen nötig: der Mann, welcher die Spule mit der

Logleine hält, ein zweiter, der die Leine durch seine Hände gleiten

läßt, dieselbe dirigiert und durch einen Ruf den Moment anzeigt,

wenn der Vorlauf sich abgespult hat und der geknotete Teil der Leine

abläuft, und ein dritter, der die Sanduhr (das Logglas) bedient.

-- Selbstverständlich ist die Berechnung der Geschwindigkeit, mit

der ein Schiff seinen Weg zurücklegt, niemals genau, sondern nur

annähernd richtig; denn trotz des Widerstandes, den das Logscheit dem

Zuge entgegensetzt, rückt es dennoch von der Stelle. Man hat daher

auch in dieser Beziehung an eine Verbesserung des Apparates gedacht,

und in neuester Zeit werden denn auch sogenannte +Patentlogs+ als

Geschwindigkeitsmesser auf Schiffen verwendet. Indes erscheint dermalen

noch immer die alte Methode als die beste und einfachste. Gewöhnlich

wird halbstündlich geloggt und die Schnelligkeit des Schiffs sowie

der Kurs, den dasselbe während der letzten Stunde zurückgelegt, in

das +Schiffstagebuch+ (Logbuch) eingetragen. Aus den auf diese Weise

gewonnenen Resultaten wird die sogenannte Schiffsrechnung (Koppelkurs)

für je 24 Stunden um 12 Uhr mittags zusammengestellt.

[Illustration: Fig. 129. Das Log.]

6. +Nautisch-astronomische Instrumente.+ Zur Bestimmung der

geographischen Länge und Breite auf hoher See mittels astronomischer

Messungen gebraucht man in neuerer Zeit ausschließlich die sogen.

+Reflexionsinstrumente+. Solche sind der +Oktant+, +Sextant+ u. s. w.

Infolge der hochentwickelten Technik der Gegenwart werden diese

Instrumente heutzutage mit weit größerer Präcision hergestellt als

ehedem.

[Illustration: Fig. 130. Zeitballsäule.]

Der Weltverkehr Telegraphie und Post, Eisenbahnen und Schiffahrt, in ihrer Entwickelung dargestellt · 第 31 / 50 段