Der +erste+ ernstliche Versuch einer Anwendung der Elektricität auf

die Lastenbeförderung wurde 1879 in Berlin gelegentlich der dortigen

Gewerbeausstellung gemacht. Seitdem sind mehrere elektrische Bahnen

ins Leben getreten, so die Lichtenfelder Bahn in Berlin (2,5 km

lang), die Bahn zwischen Charlottenburg und dem sogen. Spandauer

Bock bei Berlin (2,5 km lang), die 800 m lange Bahn im königlich

sächsischen Bergwerk Zaukerode, die 10 km lange Bahn bei Portrush

in Irland, die Bahn Landvoort-Kostverloren in Holland (2 km lang)

und die Linie Frankfurt-Offenbach. Viele andere derartige Bahnen

sind bereits in Angriff genommen oder wenigstens projektiert, so

eine Linie zwischen St. Moritz und Pontresina (Engadin), ferner eine

Untergrundbahn zwischen Charing-Croß und Waterloostation in London

und ein vollständiges elektrisches Hochbahnnetz für die Stadt Wien.

Die Gesamtlänge der in Europa und Amerika bis jetzt fertiggestellten

elektrischen Bahnen wird auf mehr als 160 km berechnet.

Das Hauptverdienst um die Verwendung der Elektricität im Dienste des

Eisenbahnwesens erwarb sich +Werner Siemens+ in Berlin; er ist der

Vater der elektrischen Eisenbahn.

Die Kraft wird bei diesen Bahnen durch eine stehende Dampfmaschine

erzeugt und mit Hilfe von Drähten entweder durch die Schienen oder

durch eine besondere neben dem Geleise hinlaufende Leitung auf die

Betriebsmaschine übertragen. Letztere befindet sich entweder auf einer

besondern Lokomotive oder sie ist unter einem Wagen angebracht.

[Illustration: Fig. 93. Elektrische Eisenbahn bei Charlottenburg.]

Die +Vorteile+ der elektrischen Bahn im Vergleiche mit der

Dampfbeförderung sind namentlich folgende:

Ein Hauptvorzug ist die gänzliche +Abwesenheit von Feuer, Rauch und

Dampf+, ohne welche der Dampfbetrieb undenkbar ist. Diese Übelstände

machen sich, wie begreiflich, besonders bei den städtischen Bahnanlagen

sehr fühlbar. In London werden über die mit Verbrennungsgasen erfüllte

Luft in den Tunnels der unterirdischen Bahnen lebhafte Klagen geführt;

in New-York, wo die oberirdischen oder Hochbahnen beliebt wurden, haben

zwar die Reisenden nicht darunter zu leiden, wohl aber die Anwohner.

Sehr beachtenswert ist ferner die +Ruhe und Geräuschlosigkeit+,

womit sich die ganze Bewegung der elektrischen Bahn vollzieht. Die

Elektromotoren schweben in fast geheimnisvoller Weise über die

Schienen dahin, wie ein Schraubendampfer, wenn sein Schlot keinen

Rauch ausstößt. -- Eine weitere Überlegenheit der elektrischen Bahn

über den Dampfbetrieb ist die sehr erhebliche +Verminderung des toten

Gewichts der Züge+. Weshalb sind z. B. die Eisenbahnbrücken so fest

gebaut, Schienen und Schwellen so schwer? Hätten diese Teile einer

Eisenbahn nur das verhältnismäßig unbedeutende Gewicht der Wagen

zu tragen, so wäre ein solch cyklopischer Ober- und Unterbau nicht

mehr erforderlich. Die Bahnen werden aber jetzt nicht mit Rücksicht

auf die nutzenbringenden Züge selbst, sondern mit Bezug auf die bis

tausend Centner schweren unproduktiven Lokomotiven angelegt. Das

tote Gewicht der elektrischen Züge besteht hingegen, abgesehen von

den Wagen selbst, nur aus der sehr leichten Dynamomaschine, die oft

zwischen den Wagenachsen angebracht ist. Hieraus ergiebt sich, daß

die elektrische Beförderung gestatten würde, die Widerstandsfähigkeit

der Brückenträger, Gewölbe, Schienen und Schwellen mindestens um ein

Drittel zu vermindern, da der schwerste Wagen nur 400 Centner wiegt.

Diese Verminderung bedeutet aber, auf das Bahnnetz der ganzen Welt

angewendet, eine Ersparung von Milliarden von Mark. Allerdings wird

noch geraume Zeit verstreichen, bis die elektrische Beförderung auf

Vollbahnen Anwendung finden kann, und die in dem allzufesten Ober-

und Unterbau steckenden Unsummen sind auf Nimmerwiedersehen verloren;

aber übersehen darf man nicht, daß das Weltbahnnetz noch lange nicht

ausgebaut ist, und daß die Frage der Neben- oder Lokalbahnen jetzt mehr

denn je auf der Tagesordnung steht. -- Ein vierter Hauptvorzug der

elektrischen Bahn ist die +Möglichkeit+ -- und diese ist namentlich in

Gebirgsgegenden gegeben --, +zur Erzeugung des elektrischen Stromes

die Dampfmaschine ganz entbehren zu können und zu diesem Zwecke die

Strömung selbst von abseits der Bahn fließenden Flüssen zu benützen+.

In Flachländern aber, wo Wasserkraft kostspieliger ist, weil sie

erst durch Wehranlagen und Flußsperren gewonnen werden muß, bietet

die Elektricität immerhin den Vorzug, daß man zur Hervorbringung

derselben +stehende+ Dampfmaschinen gebrauchen kann; stehende

Dampfmaschinen arbeiten aber ökonomischer als Lokomotiven. -- Der

elektrische Bahnbetrieb benötigt auch +weniger Dienstpersonal+ als

der Dampfbetrieb. Der Betrieb einer Dampfeisenbahn erfordert ja für

jede Lokomotive mindestens einen Heizer und einen Führer; eine große

tausendpferdige Dampfmaschine aber, welche die zur Fortbewegung

aller Züge auf einer längern Bahnstrecke nötige Elektricität liefern

könnte, bedarf ebenfalls nur eines Maschinisten und etwa zweier

Heizer. Die Kostenersparnis hieraus springt sofort in die Augen. Und

was die Führung selbst betrifft, so bedarf es nicht eines geschulten

Technikers, es genügt der erste beste Bremser, da es ja bloß gilt,

eine Kurbel rechtzeitig zu drehen. -- Endlich löst die elektrische

Bahn das so schwer wiegende +Problem des Lokal-Bahnverkehrs und

damit zusammenhängend der Decentralisierung der Großstädte in

ausgezeichneter Weise+. Auf die elektrischen Zugkosten hat es nämlich

kaum einen Einfluß, ob in stündlichen Abständen oder in Abständen von

10 Minuten je ein Wagen abgelassen wird. Viel ungünstiger liegen diese

Verhältnisse bei der Dampfeisenbahn. Soll nämlich die Ablassung eines

Zuges einigermaßen lohnen, soll das Personengeld die Zugkosten decken,

so ist eine größere Anzahl Reisender erforderlich, so müssen mindestens

4-5 Wagen annähernd gefüllt werden. Dazu bedarf es aber Zeit und somit

ein längeres Intervall zwischen den Zügen.

Nach +Werner Siemens+ wird übrigens die Elektricität auf den +großen+

Verkehrsadern der Lokomotive keine Konkurrenz machen. Derselbe

beansprucht für die Elektricität die Stadt- und Gebirgsbahnen, den

Tunnel- und Bergbaubetrieb sowie die Lokalbahnen. Auf diesen Gebieten

wird wohl bald die Dampfbahn von der elektrischen verdrängt werden und

so sich das berühmte Wort Viktor Hugos erfüllen: ~Ceci tuera cela!~

Drittes Kapitel.

Statistik des Eisenbahnwesens.

I. Das Eisenbahnnetz der fünf Erdteile am Schlusse des Jahres 1884[140].

=1. Europa.=

-----------------------------+-------

Länder. | km.

-----------------------------+-------

Deutschland | 36720

Frankreich | 31216

Großbritannien-Irland | 30370

Rußland, einschl. Finnland | 25767

Österreich-Ungarn | 21850

Italien | 10138

Spanien | 8281

Schweden | 6600

Belgien | 4319

Schweiz | 2797

Niederlande mit Luxemburg | 2654

Türkei, europ., Bulgarien, |

Rumelien, Bosnien | 1765

Dänemark | 1900

Norwegen | 1562

Portugal | 1527

Rumänien | 1602

Serbien | 244

Griechenland | 175

+Europäische Staaten+ zusammen 189487 km.

An erster Stelle steht hiernach unter den europäischen Staaten

bezüglich der +Länge des Eisenbahnnetzes+ Deutschland mit 36720 km, an

letzter Griechenland mit 175 km.

=2. Amerika.=

-----------------------------+-------

Länder. | km.

-----------------------------+-------

Vereinigte Staaten | 201735

Britisch-Nordamerika | 15000

Mejico | 5200

Central-Amerika, Antillen, |

Columbien u. Venezuela | 2210

Brasilien | 6115

Argentinien | 4100

Paraguay | 72

Uruguay | 470

Chile | 1850

Peru | 2600

Bolivia | 56

Ecuador | 60

+Amerika+ zusammen 239468 km.

Weitaus das größte Eisenbahnnetz in Amerika haben somit die Vereinigten

Staaten; dasselbe ist sogar größer als das von Europa. Ihnen folgen

Britisch-Nordamerika, Brasilien, Mejico und Argentinien.

=3. Asien.=

-----------------------------+-------

Länder. | km.

-----------------------------+-------

Britisch-Indien | 18100

Niederländisch-Indien | 1150

Japan | 426

Kleinasien | 372

Ceylon | 260

Das transkaspische Gebiet |

(russisch) | 231

+Asien+ zusammen 20539 km.

=4. Afrika.=

-----------------------------+-------

Länder. | km.

-----------------------------+-------

Kap-Kolonie | 2487

Algier | 1900

Ägypten | 1500

Tunis | 246

Natal | 158

Mauritius und sonstige |

Länder | 270

+Afrika+ zusammen 6561 km.

=5. Australien.=

-----------------------------+-------

Länder. | km.

-----------------------------+-------

Victoria | 2676

Neu-Süd-Wales | 2666

Neu-Seeland | 2527

Queensland | 1942

Süd-Australien | 1704

Tasmanien | 348

West-Australien | 190

+Australien+ zusammen 12053 km.

Die Zusammenstellung der Angaben für die einzelnen Weltteile ergiebt

folgende Totalziffern für das

Eisenbahnnetz der Erde (1884).

1. Amerika 239468 km

2. Europa 189487 „

3. Asien 20539 „

4. Australien 12053 „

5. Afrika 6561 „

----------

Total 468108 km.

II. Relative Entwicklung des Eisenbahnnetzes in Europa

(Ende des Jahres 1884[141]).

-------------------------------------+------------------------

| Es entfallen Kilometer

Länder. | Eisenbahnen auf

| 100 qkm. | 10000 Einw.

-------------------------------------+-----------+------------

Belgien | 14,7 | 7,8

Großbritannien und Irland | 9,6 | 8,6

Niederlande einschließlich Luxemburg | 7,5 | 6,3

Schweiz | 6,8 | 9,8

Deutschland | 6,8 | 8,1

Frankreich | 5,9 | 8,3

Dänemark | 4,9 | 9,6

Österreich-Ungarn | 3,5 | 5,9

Italien | 3,4 | 3,5

Portugal | 1,7 | 3,7

Spanien | 1,6 | 5

Schweden | 1,5 | 14,5

Rumänien. | 1,3 | 3

Norwegen | 0,5 | 8,2

Rußland einschließlich Finnland | 0,5 | 3,1

Hiernach nimmt bezüglich der +Dichtigkeit+ des Eisenbahnnetzes den

ersten Platz +Belgien+ ein (mit 14,7 km auf 100 qkm); Deutschland steht

hier erst in vierter Linie, und Rußland, das hinsichtlich der +Länge+

der Eisenbahnen nur von drei anderen Staaten übertroffen wird, rückt

bezüglich der +Dichtigkeit+ unter den oben angeführten Staaten (mit

Norwegen) sogar auf die letzte Stelle.

Mit Rücksicht auf das Verhältnis der +Linienlänge+ zur

+Bevölkerungszahl+ behauptet den ersten Rang +Schweden+ (mit 14,5 km

auf 10000 Einwohner).

In den +Vereinigten Staaten von Amerika+ entfielen 1884 2,2 km auf 100

qkm Flächeninhalt und 38,8 km auf 10000 Einwohner.

III. Entwicklung des Eisenbahnnetzes der Erde[142].

Hierüber geben folgende Tabellen Aufschluß:

=1. Gesamtlänge am Ende der Jahre:=

1830 332 km

1840 8591 „

1850 38022 „

1860 106886 „

1870 221980 „

1871 235375 „

1872 251032 „

1873 270071 „

1874 283090 „

1875 294400 „

1876 309641 „

1877 322517 „

1878 334666 „

1879 351002 „

1880 367235 „

1881 393232 „

1882 421566 „

1883 443441 „

1884 468108 „

=2. Jährlicher Zuwachs.=

1830-40 im Durchschnitt 826 km

1840-50 „ „ 2943 „

1850-60 „ „ 6886 „

1860-70 „ „ 11509 „

1871 13395 „

1872 15657 „

1873 19039 „

1874 13019 „

1875 11310 „

1876 15241 „

1877 12876 „

1878 12149 „

1879 16336 „

1880 16233 „

1881 25997 „

1882 28334 „

1883 21875 „

1884 24667 „

Die letztere Tabelle ist von besonderem Interesse, da aus ihr die

Pulsschläge der Weltwirtschaft deutlich zu erkennen sind.

IV. Betriebsmittel und Betriebsleistung.

In +Europa+ standen 1882 auf den Eisenbahnen in Verwendung:

52000 Lokomotiven,

120000 Personenwagen und

1250000 Lastwagen.

Die +Transportleistungen+ in +Europa+ stellen sich für das Jahr 1882

wie folgt: es wurden 1371 Mill. Personen und circa 715 Mill. metrische

Tonnen Güter befördert.

Betriebsmittel und Betriebsleistungen der europäischen Staaten.

A: Anzahl der Lokomotiven[143].

B: „ der Personenwagen.

C: „ der Lastwagen.

D: Anzahl der beförderten Passagiere in Tausenden.

E: Tonnen transportierter Frachten „ „

------------------+-------+-------+-------+--------+--------+-------

Länder. | Jahr. | A | B | C | D | E

------------------+-------+-------+-------+--------+--------+-------

Deutschland | 1882 | 11250 | 20843 | 235798 | 224267 | 180190

Großbritannien u. | | | | | |

Irland | 1882 | 14128 | 43010 | 419050 | 654838 | 264480

Frankreich | 1881 | 7635 | 17378 | 198528 | 179730 | 84647

Rußland | 1881 | 5690 | 7230 | 110026 | 33295 | 12442

Österreich-Ungarn | 1882 | 3613 | 7444 | 85032 | 47032 | 63144

Italien | 1882 | 1626 | 4943 | 28693 | 34372 | 10370

Spanien | 1880 | 1245 | 3669 | 21949 | 14813 | 8088

Schweden | 1881 | 598 | 1389 | 15385 | 6882 | 5893

Belgien | 1881 | 1977 | 3772 | 50127 | 57240 | 34077

Schweiz | 1882 | 595 | 1702 | 8720 | 22658 | 6366

Niederlande | 1881 | 485 | 1346 | 6749 | 15205 | 5804

Dänemark | 1881 | 333 | 687 | 2537 | 6696 | 1114

Norwegen | 1881 | 94 | 370 | 2229 | 1800 | 676

Finnland | 1881 | 98 | 247 | 2176 | 1715 | 620

Die Zahl +aller+ Lokomotiven der Erde betrug 1882 circa 83000, jene der

Personenwagen circa 144000 und die der Lastwagen 2100000.

An +Personen+ wurden auf der ganzen Erde im Jahre 1882 befördert

2300-2400 Mill. und an Frachten 1150-1200 Mill. Tonnen.

Im Durchschnitt verkehren jetzt täglich nahezu 7 Mill. Personen auf

allen Schienenstraßen der Erde und werden täglich 3,3 Mill. Tonnen

Güter an ihren Bestimmungsort gebracht.

Die Zahl der +Kilometer+, welche von den sämtlichen Lokomotiven der

Erde jährlich durchlaufen werden, dürfte auf circa 10500 Mill. zu

schätzen sein, so daß diese Maschinen im Jahre einen 70mal größern Weg

zurücklegen, als die Entfernung der Erde von der Sonne beträgt.

V. Personen- und Güterverkehr im Verhältnis zur Bevölkerung.

Es treffen auf einen Einwohner:

---------------------------+-------------+-------

| Passagiere. | Tonnen

Länder. | | Güter.

---------------------------+-------------+-------

in Großbritannien u. Irld. | 22 | 7

„ Frankreich | 5 | 2½

„ Deutschland | 5 | 3

„ Rußland | ½ | ½

„ Österreich | 1¼ | 1½

„ Italien | 1¼ | ⅓

„ Spanien | 1½ | ½

„ Belgien | 10 | 7

„ der Schweiz | 8 | 2

„ d. Vereinigten Staaten | 5 | 6

„ Canada | 3 | 2½

„ Australien | 1½ | 1½

VI. Eisenbahnkapital und Nationalvermögen.

----------------------+----------+----------+-------------+------------

|Eisenbahn-| Zinsen- | National- | Anteil des

|kapital in| Ertrag | vermögen in | Eisenbahn-

Länder. | Millionen| in | Millionen | kapitals in

| Pfd. St.|Prozenten.| Pfd. St. | Prozenten.

----------------------+----------+----------+-------------+------------

Großbritannien und | | | |

Irland | 770 | 4,20 | 8720 | 8,8

Frankreich | 494 | 4,12 | 8060 | 6,1

Deutschland | 467 | 4,21 | 6320 | 7,1

Rußland | 309 | 2,20 | 4050 | 7,7

Österreich | 265 | 3,76 | 3920 | 6,5

Italien | 108 | 2,48 | 2230 | 4,8

Spanien | 79 | 3,78 | 1570 | 5,1

Portugal | 12 | 2,55 | 360 | 3,3

Belgien | 61 | 3,66 | 1180 | 5,3

Holland | 27 | 3,46 | 1120 | 2,4

Dänemark | 10 | 2,10 | 354 | 2,8

Schweden und Norwegen | 32 | 2,42 | 738 | 4,3

Schweiz | 33 | 3,03 | 310 | 10,7

Türkei | 24 | 2,17 | 720 | 3,3

----------------------+----------+----------+-------------+------------

+Europa+ | 2691 | 3,80 | 39652 | 6,7

----------------------+----------+----------+-------------+------------

Vereinigte Staaten | 1190 | 4,81 | 10370 | 11,4

Canada | 72 | 1,86 | 650 | 11,1

Australien | 56 | 3,60 | 598 | 9,3

Indien | -- | 4,55 | -- | --

----------------------+----------+----------+-------------+------------

Total | 4009 | -- | 51270 | 7,8

Nach +Neumann-Spallart+ beläuft sich der +gesamte Betrag der bis

1882 im Eisenbahnnetze der ganzen Erde angelegten Kapitalien auf die

kolossale Summe von rund 91500 Millionen Mark+[144], und zwar entfallen

davon auf

Europa 52370,014 Mill. M.

Amerika 33510,866 „ „

Asien 3244,224 „ „

Australien 1245,815 „ „

Afrika 951,512 „ „

----------------------

Total 91322,431 Mill. M.

„Nichts,“ ruft +Neumann-Spallart+ mit Recht aus, „vermag das Zeitalter

des Dampfes prägnanter zu bezeichnen, als diese drei Zahlen: 91½

Milliarden Mark Eisenbahnkapital, jährlich 2400 Millionen Reisende und

1200 Millionen Frachten-Tonnen!“

VII. Fahrpreise.

Diese sind in den einzelnen Ländern sehr verschieden. In Europa sind

sie am niedrigsten in Belgien, am höchsten in der Türkei. Nachstehende

Tabelle giebt eine diesbezügliche Übersicht betreffs der europäischen

Länder (Preise in Pfennigen pro Kilometer bei den gewöhnlichen

Personenzügen und für die einfache Fahrt).

------------------+------------+-------------+--------------+--------

Länder. | I. Klasse. | II. Klasse. | III. Klasse. | Total.

------------------+------------+-------------+--------------+--------

Norwegen | 7½ | 5½ | 3-3/10 | 16-3/10

Belgien | 6 | 4½ | 3 | 13½

Süddeutschland | 8 | 5½ | 3⅖ | 16-7/10

Dänemark | 7⅘ | 5⅗ | 3⅖ | 16-8/10

Schweden | 8 | 5⅔ | 3⅗ | 17-3/10

Norddeutschland | 8 | 6 | 4 | 18

Schweiz | 8½ | 6 | 4⅓ | 18⅚

Portugal | 8½ | 6⅔ | 4⅔ | 19⅚

Niederlande | 8½ | 6⅘ | 4¼ | 20

Rußland | 9½ | 7 | 4 | 20½

Österreich-Ungarn | 9½ | 7 | 4¾ | 21¼

Frankreich | 10 | 7½ | 5⅖ | 22-9/10

Spanien | 10½ | 8 | 5 | 23½

Großbritannien | 11½ | 8⅓ | 5 | 24⅚

Türkei | 15½ | 11⅖ | 7½ | 34-4/10

Der Zuschlag für Expreß-, Kurier- und Schnellzüge differiert zwischen

10 und 30% der vorstehenden Sätze.

VIII. Passagierverkehr mit Rücksicht auf die Fahrklasse.

--------------------------+----------------------------------------

| Prozente der Passagiere.

Länder. | I. Klasse. | II. Klasse. | III. Klasse.

--------------------------+------------+-------------+-------------

Großbritannien und Irland | 6 | 10 | 84

Frankreich | 8 | 32 | 60

Deutschland | 1 | 13 | 86

Indien | 1 | 2 | 97

IX. Die höchsten Bahnen der Erde.

Höchster Punkt

Lima-Oroya-Bahn 4769 m

Arequipa-Puno-Bahn 4580 „

Veracruz-Mejico-Bahn 2533 „

Union-Pacific-Bahn 2512 „

Brenner-Bahn 1367 „

Mont-Cenis-Bahn 1335 „

St.-Gotthard-Bahn 1154 „

Semmering-Bahn 898 „

X. Die längsten Tunnels[145].

~m.~

St.-Gotthard-Tunnel 14990

Mont-Cenis-Tunnel 12220

Arlberg-Tunnel 10270

Haupttunnel der Giovi-Bahn in Italien (noch im Bau) 8260

Hoosac-Tunnel in Massachusetts (Vereinigte Staaten von Amerika) 7640

Tunnel unter dem Severn-Flusse in England 7250

Tunnel von Marianopoli (Catania-Palermo) in Italien (noch im Bau) 6480

Sutro-Tunnel in Nevada (Vereinigte Staaten von Amerika, nur

für kleine Bergwerks-Fahrzeuge) 6000

Tunnel bei Slandridge (London-Birmingham) 4970

Nerthe-Tunnel (Marseille-Avignon) 4620

Tunnel unter dem St.-Lorenzo-Strom bei Montreal, Canada

(noch im Bau) 4570

Tunnel bei Belbo (Bra-Savona) in Italien 4240

Kaiser-Wilhelm-Tunnel bei Kochem (Moselbahn, der längste in

Deutschland) 4220

Blaisy-Tunnel (Paris-Lyon) 4100

Tunnel von Monte Bove (Rom-Solmona in Italien, noch im Bau) 3870

Summit-Tunnel, Anden-Bahn Lima-Oroya, Südamerika 3850

Tunnel unter dem Hudson-Flusse, Vereinigte Staaten von Amerika 3620

Tunnel bei Strood (London-Dover) 3530

Tunnel von Cocullo (Rom-Solmona, noch im Bau) 3500

Rilly-Tunnel (Paris-Reims) 3450

Tunnel von Bramhope, North-Eastern-Bahn in England 3440

Tunnel bei Leeds (London-Birmingham) 3390

Tunnel von Arriano (Foggia-Neapel) 3200

Tunnel unter dem Mersey-Flusse bei Liverpool 3200

Krähberg-Tunnel im Odenwald 3100

Tunnel bei Ruta (Spezia-Nizza) 3050

Brandleite-Tunnel in Thüringen 3030

Chinon-Tunnel (Sables d’Olonne-Tours) in Frankreich 3020

Tunnel von La Croix in der Schweiz 3000

XI. Geschwindigkeit der Züge[146].

Die schnellsten Züge auf längeren Strecken (von mehr als 500 km)

verkehren auf den Routen London-Edinburg mit 0,91 Minute per Kilometer

und Berlin-Köln mit 1,01 Minute per Kilometer. Die raschesten Züge

auf Strecken von mittlerer Länge (300-500 km) laufen zwischen

Berlin-Jüterbogk-Dresden mit 0,98, London-Salisbury-Plymouth mit

1 und Paris-Boulogne-Calais mit 1,01 Minute per Kilometer. Die am

geschwindesten durchlaufenen kleineren Strecken (200-300 km) sind

London-Sittingburne-Dover mit 0,837 und Stendal-Lehrte mit 0,838 Minute

per Kilometer. Bei allen diesen Angaben sind die Aufenthalte auf den

Stationen mitgerechnet.

In +Deutschland+ werden durchschnittlich von Personenzügen 35 km, von

Kurierzügen 45-50 km, von Expreßzügen 60 km per Stunde zurückgelegt.

XII. Wichtige Reiseverbindungen[147].

A: Kürz. Beförderung. Stunden.

--------------+---+--------------------------+-------------------------

Von Berlin | A | Beförderungswege über | Schnellzugspreise

| | | in Mark.

| | +-------+--------+--------

nach | | | I. Kl.| II. Kl.|III. Kl.

--------------+---+--------------------------+-------+--------+--------

Amsterdam | 12|Hannover-Rheine | 57 | 43,40 | --

Antwerpen | 15|Wesel-Boxtel | 65,30| 49 | --

Athen | 97|München-Brindisi | -- | -- | --

Barcelona | 51|Paris-Bordeaux | -- | -- | --

Basel | 20|Nordhausen-Frankfurt | 84,20| 62,40 | 45,30

Bordeaux | 33|Paris | -- | -- | --

Brüssel | 15|Wesel-Boxtel-Antwerpen | 75,50| 54,80 | --

Budapest | 20|Dresden-Bodenbach- | | |

| | Gänserndorf | 88,30| 64,30 | 45,20

Bukarest | 41|Gänserndorf-Orsova | -- | -- | --

Christiania | 37|Frederikshavn-Gothenburg | 99,70| 78,40 | 51,80

Dartmouth | 33|London | -- | -- | --

Dublin | 38|Hannover-London | -- | -- | --

Edinburg | 37| „ „ | -- | -- | --

Florenz | 35|Hof-Wiesau-München-Verona | 144,10| 106,60 | --

Genf | 30|Frankfurt-Basel | 110,80| 82 | --

Genua | 39|Frankfurt-Chiasso | 140,80| 103,40 | --

Haag | 15|Hannover-Emmerich | 60,10| 45,50 | --

Helgoland | 14|Nauen-Hamburg | 39 | 32,10 | 26,30

Konstantinopel| 71|Wien-Orsowa-Varna | -- | -- | --

Kopenhagen | 12|Neustrelitz-Warnemünde | 40,90| 30,90 | 20,30

Lissabon | 81|Köln-Paris-Madrid | -- | -- | --

Liverpool | 31|Hannover-London | -- | -- | --

London | 24|Oberhausen-Goch-Vlissingen| 100,30| 72,80 | --

Lyon | 33|Magdeburg-Aachen-Paris | -- | -- | --

Madrid | 58|Paris | -- | -- | --

Mailand | 33|Chiasso | 127,60| 94,30 | --

Manchester | 31|Hannover-London | -- | -- | --

Marseille | 42|Hannover-Köln-Paris | -- | -- | --

Moskau | 59|Breslau-Warschau-Minsk | -- | -- | --

Neapel | 50|Hof-Wiesau-Verona-Foggia | 203,70| 148,40 | --

Odessa | 50|Breslau-Lemberg | 158,70| 118,90 | --

Ostende | 20|Stendal-Köln | 84,20| 61,30| --

Paris | 21|Stendal-Köln-Verviers }| | |

„ | 21|Hamm-Hagen-Verviers }| 101,90| 74,70| --

Plymouth | 33|London | -- | -- | --

Queenstown | 49|Hannover-Köln-London- | | |

| | Dublin | -- | -- | --

Rom | 43|Hof-Wiesau-München-Verona | 175,90| 128,90| --

Rotterdam | 13|Hannover-Rheine | 56,70| 42,80| --

St. Petersburg| 36|Eydtkuhnen | -- | -- | --

Southampton | 28|Hannover-London | -- | -- | --

| | {|I. Kl.,|II. Kl.,|II. Kl.,

Stockholm | 28|Stralsund-Malmö {|I. Kaj.|I. Kaj. |II. Kaj.

| | {| 97,70| 75,10| 70,60

Triest | 33|Breslau-Wien | -- | -- | --

Turin | 36|Hof-Wiesau-München-Verona | 146,90| 108,60| --

Venedig | 33| „ „ „ „ | 129 | 96 | --

Warschau | 16|Frankfurt-Alexandrowo | -- | -- | --

Wien | 14|Zossen-Dresden-Bodenbach | 65,50| 50,80| --

Zürich | 24|Hanau-Stuttgart | 92,80| 69 | --

Sonstige bedeutende Reiserouten sind:

------------------+-----------------+-----------------+---------------

Routen. |Beförderungszeit.|Entfernung. |Preis (I. Kl.).

------------------+-----------------+-----------------+---------------

| | |

~a.~ =in | | |

Europa.= | | |

| | |

Paris-Rom | 36 Stunden | -- | --

Paris- | | |

Konstantinopel | 84½ „ | -- | --

London-Brindisi | 53 „ | -- | --

| | |

~b.~ =außer | | |

Europa.= | | |

| | |

Alexandria-Suez | 10 „ | 225 engl. Meilen| --

Melbourne-Sydney | 20 „ | 574 „ „ | --

Bombay-Calcutta | 45 „ |1400 „ „ |280 Mark

New-York-San | | |

Francisco | 5½ Tage |5259 km |131½ Doll.

New-York-Mejico | 7 „ |6023 „ | --

Der zwischen +Paris+ und +Konstantinopel+ verkehrende Expreßzug führt

gewöhnlich den Namen =Orient=-+Expreßzug+[148]. Er steht hinsichtlich

der +Bequemlichkeit+ und des +Komforts+ den amerikanischen Schnellzügen

gleich, wenn er sie nicht noch übertrifft.

Der Weltverkehr Telegraphie und Post, Eisenbahnen und Schiffahrt, in ihrer Entwickelung dargestellt · 第 24 / 50 段