~b.~ +Mollendo-Arequipa-Puno-Santa-Rosa-Bahn.+ Auch diese Bahn ist ein

Meisterwerk der modernen Eisenbahntechnik. Nächst der Lima-Oroya-Linie

ist sie die höchste aller Gebirgsbahnen der Erde; Puno am Titicaca-See

hat eine Höhe von 4580 m. Die Herstellung der Bahn in dem wild

zerklüfteten Gebirge war eine außerordentlich mühevolle und erforderte

den Verbrauch von über 1 Mill. kg Sprengmaterial; im übrigen ist diese

wunderbare Hochgebirgsbahn so geschickt angelegt, daß nur ein einziger

kurzer Tunnel und acht Brücken nötig waren. Nach drei Jahren mühseliger

Arbeit wurde das großartige Werk vollendet, und am Neujahrstage 1874

pfiff zum erstenmal die Lokomotive am Ufer des Titicaca-Sees. -- Ihr

Erbauer war ebenfalls +Meiggs+.

[Illustration: Fig. 85. Eisenbahn in den Cordilleren. (Der

Varraguas-Viadukt zwischen Lima und Oroya)]

3. +Chile.+ Im Verhältnis zur Größe des Landes hat Chile die +meisten+

Eisenbahnen unter den südamerikanischen Staaten. Die bedeutendste Linie

ist +Valparaiso+-+Santiago+-+Angol+.

4. +Argentinien.+ Der Staat obliegt dem Bahnbau mit großem Eifer;

absolut genommen, hat er nach Brasilien das größte Liniennetz in

Südamerika. Knotenpunkt der Bahnen ist die Hauptstadt +Buenos Ayres+.

Sie ist bereits über +Cordoba+ und +Rosario+ mit +Tucuman+ verbunden,

und in westlicher Richtung läuft der Schienenstrang schon bis +Mendoza+.

5. +Brasilien+ arbeitet mit den größten Anstrengungen an der

konsequenten Erweiterung seines Schienennetzes, um die Landesprodukte,

namentlich seinen Hauptstapelartikel, Kaffee, billig und rasch aus dem

Innern zu den Exporthäfen (+Ceara+, +Pernambuco+, +Bahia+ und +Rio+) zu

bringen. 1867 waren erst 651 km in Betrieb, und Ende des Jahres 1884

besaß es schon an 6115 km. Dazu waren noch im Bau 1991 km, und für

weitere 5472 km waren die technischen Vorarbeiten schon ausgeführt.

In den übrigen Staaten Südamerikas ist das Eisenbahnwesen noch ziemlich

wenig entwickelt.

=~b.~ Projektierte Bahnen.=

Das Streben der Staaten Südamerikas zielt hauptsächlich dahin, den

Schienenstrang quer durch den Kontinent über die Cordilleren von der

Westküste nach der Ostküste oder doch wenigstens bis an den Mittellauf

der großen schiffbaren Ströme zu ziehen. Die diesbezüglichen Projekte

sind folgende:

1. Die Linie +Lima-Oroya+ -- und darauf hat schon +Meiggs+ hingewiesen

-- soll über Pozuzo bis zum Ucayali fortgesetzt werden, dem

bedeutendsten Nebenfluß des Amazonas in dessen Oberlauf.

2. Die +Arequipa-Puno-Bahn+ beabsichtigt man bis zum Madeira

fortzuführen.

3. Mit großartigen Projekten trägt man sich in +Brasilien+. Als die

wesentlichsten Grundlinien des geplanten Eisenbahnnetzes werden

folgende bezeichnet[131]:

a. Eine große +Ost-West-Linie+; sie soll ausgehen von der am

Atlantischen Ocean liegenden Stadt +San Salvador da Bahia+ und, in

westlicher Richtung vorgehend, Brasilien etwa in der Mitte seiner

von Nord nach Süd gerichteten Längsausdehnung durchschneiden.

Diese Bahn würde die Thäler der schiffbaren Flüsse Tocantins und

Araguaya überschreiten und zunächst bis +Goyaz+, der Hauptstadt der

gleichnamigen Provinz, zu führen sein.

b. Eine +nördliche Centralbahn+; sie wird von der in der Provinz Bahia

am San Francisco gelegenen Stadt +Barra+ in nördlicher Richtung nach

dem untern Laufe des Tocantins und der Stadt +Pará+ ziehen.

c. Eine +südliche Centralbahn+; sie soll, von einem der schiffbaren

Nebenflüsse des Paraná, dem +Tibagy+ oder +Ivahy+, ausgehend, nach

dem Thale des Flusses +Iguassu+ führen und nach Überschreitung dieses

Thales und des Uruguay-Flusses sich an das in der Provinz San Pedro do

Rio Grande do Sul bereits bestehende Eisenbahnnetz anschließen. -- Von

der südlichen Centralbahn soll eine Linie in nördlicher Richtung nach

dem obern Laufe des Paraná abgezweigt werden. An diese letztere Linie

anschließend soll sodann eine vierte Hauptlinie,

d. die +Nord-West-Bahn+, nach der Schiffahrtsstraße des Paraguay führen

und zunächst bei Miranda endigen.

4. Die Linie +Buenos Ayres-Mendoza+ soll über die Anden nach +San

Felipe+ in Chile fortgeführt werden. Durch deren Herstellung erhielte

endlich auch Südamerika eine Pacific-Bahn. Die Bahn würde den ganzen

langwierigen Weg um das Kap Hoorn unnötig machen und die Staaten Chile,

Argentinien, Uruguay und das südliche Brasilien in direkten Verkehr

setzen.

=~E.~ Die Eisenbahnen Australiens[132].=

Australien teilt mit Afrika fast die gleiche Ungunst geographischer

Verhältnisse. Trotzdem hat sich dieser Erdteil im Völkerverkehr

bereits eine achtbare Stellung errungen. 1846 wurde hier die erste

Eisenbahn gebaut, und gegenwärtig ist der Kontinent schon, wenigstens

in der auch geographisch mannigfach begünstigten Osthälfte, mit einem

verhältnismäßig engmaschigen Netze von Schienenwegen überzogen.

=I. In Betrieb befindliche Bahnen.=

1. In der Kolonie +Neu-Süd-Wales+ bestehen +drei+ Hauptlinien, die alle

ihren Ausgangspunkt von +Sydney+ nehmen. Des nähern unterscheidet man:

a. +Die große Westbahn+; sie zieht von Sydney in westlicher Richtung

über die Blauen Berge und ist jetzt bis Dubbo in einer Länge von 445

km vollendet. -- Welche Schwierigkeiten der Bau dieser Bahn über

die Blauen Berge, die wie eine Mauer aus der Ebene aufstreben, zu

bewältigen hatte, erhellt aus folgendem. Die Bahn ersteigt die Höhe

auf geneigten Flächen, deren steilste eine Steigung im Verhältnis von

1:30 aufweisen. Diese Steigung hat man aber nicht durch bogenförmige

Schleifen überwunden, sondern durch spitzwinkelige Zickzacke, so daß

die Bahn danach den Namen „Zickzackbahn“ führt. Bald ist die Maschine

vorn, bald hinten, jetzt ziehend, dann schiebend, und den Weg, den man

soeben zurückgelegt hat, sieht man gleich darauf senkrecht unter den

Füßen. Ein noch kühneres Meisterwerk der Ingenieurkunst ist der Abstieg

auf der andern Seite. Die Schwierigkeiten, welche es hier zu besiegen

galt, waren so groß, daß nach langen, genauen Untersuchungen zur

Feststellung der bequemsten Linie die Vermessungsbeamten mit Stricken

an den Abhängen hinabgelassen werden mußten, um die Linie überhaupt

nur ausmessen oder abstecken zu können. Die Bahn läuft hier an steil

emporstrebenden Felsenwänden entlang, durchbricht dieselben und springt

über gähnende Abgründe. -- Ihren höchsten Punkt erreicht sie in dem

540 m langen Tunnel, welcher 1200 m über dem Meere durch den Mount

Clarence gebrochen ist. Die Bahn soll eventuell bis Bourke am Darling

fortgeführt werden.

b. +Die große Südbahn+; sie geht bis Paramatta in westlicher Richtung,

dann südwestlich zum Murrayfluß. An Bedeutung steht sie der großen

Westbahn weit voran, da sie jetzt bei +Albury+ an die von Melbourne

kommende Linie Anschluß hat. Sie hat eine Länge von 618 km. In der an

das Südende der Blauen Berge anschließenden Cullarinkette übersetzt sie

ebenfalls das Gebirge, und wenn die Natur hier auch nicht dieselben

großartigen Hindernisse entgegenstellte, wie bei dem Bau der Westbahn

über die Blauen Berge, so weist der Weg über das Gebirge dennoch einige

bedeutende Bauten auf: den Fluß Nepean überspannt eine 660 m lange

Brücke, und einer der Tunnels -- er führt den Namen Gibraltartunnel --

hat eine Länge von 190 m.

c. +Die große Nordbahn+; sie strebt über Newcastle der queensländischen

Grenze zu.

2. In der Kolonie +Victoria+ hat man bei Anlage der Eisenbahnen

stets +Melbourne+ als Ausgangspunkt gewählt. Außer einigen kleineren

Linien strahlen von ihm vier Hauptlinien aus. Von den zwei zum Murray

laufenden schließt sich die eine bei +Albury+ an die von Sydney

ausgehende Bahn an, die andere, mehr westlich gelegen, führt über den

Murray nach +Deniliquin+ in Neu-Süd-Wales. Eine dritte Linie geht nach

Osten und eine vierte nach Südwesten. Die letztgenannte entsendet von

+Geelong+ eine wichtige Linie zu den Golddistrikten von +Ballaarat+ und

darüber hinaus. Kleinere Linien zweigen sich von diesen Hauptrichtungen

an verschiedenen Stellen ab.

3. Das Eisenbahnnetz der Kolonie +Süd-Australien+ hat sich von der

Hauptstadt +Adelaide+ aus um den Spencer- und St.-Vincent-Golf und

die Encounter-Bai geschlungen. Eine Hauptlinie läuft von Adelaide

nordwärts, berührt +Port Augusta+ am Spencer-Golf und hat dermalen

ihren Endpunkt in +Farina Town+. Demnächst geht auch die Verbindung

+Adelaide-Melbourne+ (495 engl. Meilen) ihrer Vollendung entgegen.

4. Die Eisenbahnen von +Queensland+ bestehen aus mehreren +getrennten+

Strecken, da sich die Ansiedelung nicht, wie bei den anderen Kolonieen,

von einem Punkte aus, vielmehr von mehreren, aber weit voneinander

entfernten Plätzen der Ostküste westwärts ausbreitete. So sind nach und

nach +fünf+ verschiedene Linien bei ebensovielen Hafenplätzen begonnen

worden.

5. +West-Australien+ entwickelt sich außerordentlich langsam; ihm

fehlt, was der Osten des Kontinents hat: reiche Bergwerke und

Ackerlandschaften. Die ganz kurzen Eisenbahnstrecken von +Geralton+

nach +Northampton+ und von +Fremantle+ nach +Guildford+ sind kaum

nennenswert.

6. Das +Nordterritorium+ entbehrt noch völlig der Bahnen.

Von den +australischen Inseln+ besitzen bereits Bahnen: +Tasmanien+,

+Neu-Seeland+, +Tahiti+ und +Hawaii+.

=II. Projektierte Bahnen.=

Von den in Aussicht genommenen Bahnbauten verdienen besonders zwei

unsere genauere Beachtung.

1. +Das Projekt einer Eisenbahn quer durch den Kontinent von

Südaustralien nach Port Darwin an der Nordküste+. -- Die

technischen und wirtschaftlichen Schwierigkeiten, die sich dem Bau

dieser indo-pacifischen Überlandbahn entgegenstellen, erscheinen

allerdings auf den ersten Blick als unüberwindliche. Die wasserlosen

Spinifexwüsten[133] und Flugsandstrecken des australischen Innern, die

als absolut unbewohnbar gelten, sowie die breite, sehr ungleichmäßig

mit Wasser versorgte Randzone um dieselben, in der nur oasenartig hie

und da gutes Weide- oder Buschland vorhanden ist, machen in der That

eine Miene, als wollten sie es dem Herrn der Erde niemals gestatten,

seine Eisenstränge durch sie hindurch zu legen. Die technischen

Schwierigkeiten, welche dem Bau in den wasser- und menschenleeren

Räumen des Innern erwachsen müßten, würden aber noch wesentlich erhöht

durch zahlreiche Bergzüge, wie durch die breiten, tief eingeschnittenen

Betten periodischer Ströme; vielleicht würden den Erbauern auch hie und

da feindselige Eingeborene durch heimtückische Angriffe aus unnahbaren

Schlupfwinkeln lästig fallen. Trotz dieser großen Hindernisse, die

bei der Ausführung dieses Bahnprojektes zu überwinden wären, hat sich

bereits der Regierung von Südaustralien eine amerikanische Gesellschaft

erboten, die Bahn zu bauen, unter der Bedingung, daß ihr, wie das in

Nordamerika geschieht, große Parzellen Landes an der anzulegenden Bahn

kostenfrei überwiesen würden. Die Unterhandlungen haben sich indes

zerschlagen. -- Ein Zweigteil dieser projektierten, ca. 2800 km langen

Überlandbahn ist die Linie von +Adelaide+ nach +Farina Town+.

2. +Das Projekt einer Eisenbahn von der Ostküste von Queensland nach

der Südküste des Carpentaria-Golfs.+ -- Um die Förderung dieses

Projektes machte sich besonders die Redaktion einer Zeitung, des

in Brisbane erscheinenden „Queensländer“, in hohem Grade verdient.

Ähnlich wie der Besitzer des „New York Herald“, James Gordon Benett,

den berühmten Stanley durch den afrikanischen Kontinent sandte, so

rüstete +Gresley Lukin+, der Besitzer des „Queensländer“, im Interesse

des transkontinentalen Schienenweges eine eigene Forschungsexpedition

aus, die mit der vorläufigen Untersuchung und Aufnahme des fraglichen

Terrains betraut wurde. Die Expedition hat in der That eine taugliche

Route ausfindig gemacht, so daß eine Gesellschaft englischer

Kapitalisten sich bereit erklärte, von Blackall am Victoriaflusse, bis

wohin die Staatsbahn von Brisbane zu vollenden ist, eine Eisenbahn nach

Point Parker am Golf von Carpentaria zu bauen, wenn anders ihr für

jede englische Meile Bahnlinie auf der westlichen Strecke 4000 ha und

in dem Golfgebiet 4800 ha des anliegenden Landes bewilligt werden. Auf

diese Bedingungen einzugehen, zeigte sich die Regierung von Queensland

nicht abgeneigt. Nachdem aber eine von ihr abgesandte Expedition

sehr vorteilhaft über die zu passierende Gegend berichtet hatte und

das Londoner Syndikat nach einer durch den Generalmajor +Fielding+

angestellten Untersuchung der Strecke seine Forderung erhöht hatte,

wurden die Verhandlungen abgebrochen. Sehr wahrscheinlich wird nun die

Bahn von der Regierung selbst gebaut werden.

Die +Bedeutung+ dieser transkontinentalen Schienenwege liegt für

Australien in der Verkürzung der Raumdistanzen in der Richtung der

altweltlichen Kulturländer, insbesondere in der Beschleunigung und

Erleichterung des Verkehrs mit Europa.

Anhang.

=1. Die Stadtbahnen.=

Stadtbahnen, d. h. Lokomotiveisenbahnen für die Zwecke des städtischen

Personenverkehrs, giebt es dermalen nur in London, New-York, Berlin

und Rotterdam. In Paris, Rom, Wien und Brüssel wird die Anlage von

Stadtbahnen erst vorbereitet.

1. +Londoner Stadtbahnen.+ Das Londoner Eisenbahnwesen zeigt im

Vergleich zu dem aller anderen Städte der Erde die großartigste

Entwicklung. Täglich laufen in den Bahnstationen der Stadt -- und

dabei ist die Untergrundbahn außer Ansatz gelassen -- ca. 4400 Züge

ein und aus. Auf einzelnen Stationen ist das Getriebe wieder ganz

besonders stark. So verkehren täglich von 5 Uhr morgens bis 12 Uhr

nachts in Victoria 622, in Liverpool Street 642 und in Broad Street

790 Züge[134]. -- Der größere Teil des Eisenbahnnetzes liegt im Norden

der Themse; dagegen befinden sich südlich derselben die merkwürdigsten

Verknotungen und Verschlingungen des Netzes. Einzig in seiner Art ist

z. B. das Schienengewirre der +Clapham-Junction+ (Fig. 86).

In bautechnischer Beziehung sind namentlich die gigantischen

+Personenhallen+ zu erwähnen. Die größte derselben ist die der

Kings-Croß-Station. Sie hat eine Länge von 258 m, zwei Spannweiten

von zusammen 64 m und Raum für 14 Geleise. Der von ihr bedeckte

Flächenraum beträgt 15700 qm. An zweiter Stelle steht die

Personenhalle der Paddington-Station, und die drittgrößte ist jene der

Pancras-Station (Fig. 87). Die bedeutendste +Güterstation+ Londons

ist die der Great-Northern-Bahn, unweit von Kings Croß. Zahlreiche

hydraulische Krähne, vorteilhaft disponierte Drehscheibensysteme,

hydraulische Hebungsanstalten, all das verleiht dieser Anlage in

Verbindung mit den grandiosen Hochbauten das Gepräge höchster

Vollendung und Leistungsfähigkeit.

[Illustration: Fig. 86. Die Geleis-Verknotungen der Londoner

Stadtbahnen bei der Clapham Junction.]

Das bedeutendste bahntechnische Werk Londons sind jedoch die

+unterirdischen+ Bahnen[135] (Fig. 88). Sie wurden auf der Nordseite

der Themse zur Verbindung der wichtigsten Bahnhöfe durch die Ingenieure

+J. Fowler+ und +Maon Johnson+ erbaut und umfassen die +Metropolitan

District Railway+ und die +Metropolitan Railway+; erstere, über 6,5

km lang, beginnt am Mansion House in der Queen Victoria Street und

endet bei South-Kensington; letztere, über 13 km lang, nimmt ihren

Anfang bei South-Kensington und erreicht ihr Ende in Morgate Street,

unweit der Ausgangsstation Mansion House. Sie steht zugleich mit den

großen Linien des nördlichen London in Verbindung und vermittelt so den

Verkehr nach allen Richtungen. Der unterirdische Schienenweg im ganzen

umschließt denjenigen Teil Londons, der die reizenden Parks, die

königlichen Schlösser, die wichtigsten öffentlichen und die der Kunst

und Wissenschaft dienenden Gebäude, die schönsten und großartigsten

Straßen, sowie den eigentlichen Industrie- und Luxus-Verkehr enthält.

-- Die größte Schwierigkeit bei Erstellung dieser Schienenwege bildeten

einerseits der sehr wasserhaltige Grund, andererseits die zahlreichen

Wasser-, Gas-, Telegraphen-Leitungen u. s. w. Die Kosten des ganzen

Unternehmens beliefen sich auf 22½ Mill. Mark.

[Illustration: Fig. 87. Front der Pancras-Station in London.]

Der Verkehr auf diesen Bahnen ist ein ganz außerordentlicher. Von

der Mansion-House-Station gehen z. B. täglich ungefähr 190 Züge ab,

ebensoviele im Durchschnitt von der Morgate-Station. Da nun die gleiche

Zahl von Zügen in den genannten Stationen eintrifft, so verkehren hier

durchschnittlich beinahe 400 Züge im Tage, und zeitweilig erhöht sich

die Zahl derselben sogar auf 500 und 600. Trotz dieses gewaltigen

Verkehrs -- es benützen diese Bahnen jährlich etwa 50 Mill. Menschen --

sind Unfälle äußerst selten[136].

[Illustration: Fig. 88.]

Die Benützung der Bahn ist übrigens auch mit einer großen Menge von

Unannehmlichkeiten verbunden. So steigt man schon durch ziemlich

enge und düstere Treppen zu den Stationen hinab; diese sind zwar

meistens noch durch Tageslicht erhellt, aber durch ihre dicke, feuchte

Atmosphäre machen sie auf den Reisenden den Eindruck des Kellerartigen.

Das hierdurch hervorgerufene Unbehagen wird noch gesteigert, sobald

die Fahrt beginnt. Der Zug tritt nämlich beim Verlassen der Station

sofort in einen Tunnel und bewegt sich naturgemäß in demselben mit

größerem Geräusch als ein Zug auf freier Strecke an der Oberfläche der

Erde. Das Geräusch wird vollends zum widerwärtigen Lärm, sobald der

Zug, was häufig vorkommt, scharfe Kurven befährt. Auf solchen Strecken

befindet sich an der Innenschiene durch die ganze Ausdehnung der

Kurven eine sogen. Streichschiene zur sichern Führung der Fahrzeuge.

An diese Streichschiene streifen aber die Räder der Fahrzeuge infolge

der Centrifugalkraft dicht an und erzeugen so ein fast unerträgliches

Quietschen. Dazu kommt infolge der beständigen Fahrt im Tunnel eine

immer mehr und mehr gesteigerte Hitze in den Coupés und ein durch

die Fenster eindringender, von der Kohlenfeuerung der Maschinen

herrührender unangenehmer Schwefelgeruch.

[Illustration: Fig. 89. Der Bahnhof von Baker Street.]

2. +New-Yorker Stadtbahnen[137].+ Sie sind sogen. Hochbahnen (~elevated

railways~), welche, auf Eisenkonstruktionen ruhend, die Stadt der

ganzen Länge nach in je zwei parallel laufenden Linien durchziehen. Die

einzelnen Stationen sind durchschnittlich 2 km voneinander entfernt und

werden von der Straße aus mittels bequemer eiserner Treppen erreicht.

[Illustration: Fig. 90. Die Pfeiler-Eisenbahn in New-York.]

Der Fahrpreis beträgt, gleichviel, ob man bis zu einer der nächsten

Stationen oder bis zum weitest entfernten Punkte der Bahn fährt, 10

Cents = 40 Pfennig; daher ist auch jede Kontrolle unnötig und der ganze

teure Apparat von Schaffnern, Kontrolleuren etc. überflüssig. Durch

einen engen Eingang, an welchem ein Beamter sitzt, gelangt man auf den

Perron, nachdem man beim passieren der engen Pforte das Billet in einen

Glaskasten geworfen hat, und erwartet hier den Zug. Sobald derselbe

angekommen, öffnet der Kondukteur das Eisengitter der Plattform der

Wagen und läßt die Passagiere aus- und einsteigen. Das alles geht fast

lautlos und in wenigen Augenblicken vor sich, und in kaum mehr als

einer halben Minute braust ohne Glockensignal oder ohrenzerreißenden

Pfiff der Zug weiter. Freilich muß man den Plan der Stadt einigermaßen

im Kopfe haben und wissen, wo ein- und aussteigen, denn der Kondukteur

pflegt den Namen oder die Nummer der nächsten Straße, an welcher

gehalten wird, mehr oder weniger unverständlich in den Wagen zu rufen.

Die Eisengerüste dieser Hochbahnen verunstalten die Straßen allerdings

in hohem Grade und machen sie oft recht düster, zumal man kein Bedenken

trug, die Bahnen selbst durch ganz enge Gebiete zu führen. Auch ist

für die anstoßenden Häuser das Getöse und die Erschütterung durch

die ununterbrochen vorübersausenden Züge durchaus nicht zuträglich;

ja die nach vorn gelegenen Räume sind vielfach kaum bewohnbar und

nur zu Magazinen und Lagerräumen zu gebrauchen. Auch in den höheren

Stockwerken macht sich der Rauch und das Tag und Nacht andauernde

Geräusch in höchst unangenehmer Weise fühlbar.

Dessenungeachtet hat sich das Verkehrsmittel der städtischen Hochbahnen

als so zweckmäßig, ja unentbehrlich erwiesen, daß man heutzutage nicht

begreift, wie ohne dieselben der riesige Verkehr dieser Weltstadt

bewältigt werden konnte; denn sie haben auch der Entwicklung der

übrigen Verkehrsmittel, besonders der Pferdebahnen, keinen Eintrag

gethan.

Täglich verkehren 500 Züge in Zeitabständen von 1½-8 Minuten, je

nach der Tageszeit, und 240 Lokomotiven schleppen diese Züge, welche

zusammen täglich einen Weg gleich dem Äquatorialumfange der Erde

zurücklegen.

Die Gesamtlänge der Bahnen beträgt ca. 40 km.

3. +Berliner Stadtbahn+[138] (Fig. 91). Seit dem Jahre 1882 erfreut

sich auch Berlin einer Stadtbahn. Dieselbe ist als viergeleisige

+Hochbahn+ ausgeführt und durchschneidet die Stadt in der Richtung von

Ost nach West. Die Höhenlage der Bahn beträgt durchschnittlich 6 m

über dem Terrain und wurde, abgesehen von zwei kurzen Dammschüttungen,

durch einen fortlaufenden Viaduktbau von 11,25 km erzielt. Letzterer,

fast 16 m breit, besteht der Hauptsache nach aus massiven Bogen von

Ziegelmauerwerk, zu einem bedeutenden Teil aber auch aus eisernen, nach

den verschiedensten Systemen konstruierten Überbrückungen der Straßen

und Wasserläufe (Fig. 92). Die Zahl dieser Bauten beträgt nicht weniger

als 64.

Daß ein derartiges Bauwerk, das durch die belebtesten Teile der Stadt

sich hinzieht, großartige Umwälzungen und Neugestaltungen nach sich

ziehen mußte, ist selbstverständlich. Da galt es, Straßenviertel zu

durchbrechen, viele Wohnhäuser, Fabriken und sonstige gewerbliche

Anlagen abzureißen, Gräben zuzuschütten, Straßen zu verlegen und neue

zu bauen.

Die Bauten der Stadtbahn selbst sind überall den Anforderungen

des Geschmacks und der Schönheit gemäß in charakteristischer, oft

origineller Weise durchgeführt.

[Illustration: Fig. 91.

~Übersicht

der

=Berliner Stadt- und Ringbahn=.~]

[Illustration: Fig. 92. Übergang am Bahnhof „Friedrichstraße“ in

Berlin.]

Was den Betrieb der Bahn betrifft, so sind zwei Geleise ausschließlich

für den Lokalverkehr, die beiden anderen für den Durchgangsverkehr der

in dieselben mündenden Bahnen bestimmt; im Lokalverkehr folgen die

Züge in Zeitabständen von je fünf Minuten in beiden Richtungen und

verweilen nur je eine Minute auf den Stationen. Glockensignale zum

Ein- und Aussteigen werden nicht gegeben, ebensowenig Signale mit der

Dampfpfeife zum Halten und Abfahren der Züge; auch haben die Fahrgäste

selbst die Wagenthüren beim Verlassen des Zuges zu öffnen. Die

Billetkontrolle findet beim Betreten und Verlassen der Perrons statt.

Der Nutzen der Stadtbahn ist ein mannigfacher. Vor allem ermöglicht

sie, da sie die von Osten und Westen in Berlin mündenden Bahnen

verbindet, einen direkten Verkehr nach diesen Richtungen. Sie ist

ferner ein Hauptverkehrsmittel +in+ der Stadt und nach den Vororten.

Ganz besonders hoch aber ist der Gewinn anzuschlagen, welcher der Stadt

durch die Bahn in sanitärer Beziehung erwächst. Denn dadurch, daß

es nunmehr den Einwohnern der Stadt mittels des neuen Schienenweges

möglich gemacht ist, auch entlegenere Quartiere zu beziehen, wird die

Bevölkerungsdichtigkeit der übermäßig stark bewohnten Gebiete sich

verringern, der hygienische Zustand derselben aber sich wesentlich

bessern.

Über den auf dieser Bahn herrschenden Verkehr geben folgende Zahlen

Aufschluß. Regelmäßig werden per Tag 280 Züge abgelassen, die nur

dem Stadtverkehr dienen; hierzu kommen noch 74 Vorortszüge und 90

Externzüge, so daß schon im regelmäßigen Betriebe täglich 444 Züge

expediert werden müssen. Im Sommer kommen hierzu, je nach Bedarf,

an den Wochentagen 12-30 Extrazüge, an den Sonntagen deren bis zu

72; bei außergewöhnlichem Verkehr steigert sich die Zahl der Züge

noch wesentlich und beträgt bis zu 562 an einem Tage. Die Zahl

der beförderten Passagiere der Stadtbahn belief sich im ersten

Geschäftsjahre (1880) auf 8396460 und ist im Jahre 1884-1885 auf

14256490 gestiegen. Sicher wird diese Zahl sich noch bedeutend steigern.

Die Stadtbahn +Rotterdams+ ist ebenfalls Hochbahn.

=2. Die elektrischen Eisenbahnen[139].=

Der Weltverkehr Telegraphie und Post, Eisenbahnen und Schiffahrt, in ihrer Entwickelung dargestellt · 第 23 / 50 段