Von den beiden Hauptbahnen hat die Union-Pacific-Bahn von Omaha

bis Ogden City eine Länge von 1662 km, die Central-Pacific-Bahn

von Ogden-City bis Sacramento in Kalifornien 1123,6 km; die

Western-Pacific-Bahn mißt nur 217 km. Die Gesamtlänge der Bahn (bis

San Francisco) beträgt daher 3003 km. Von New-York aus gerechnet,

mißt die Linie nicht weniger als 5260 km, eine Strecke, die, in

gerader Richtung gemessen, derjenigen zwischen Paris und Tobolsk in

Sibirien gleichkommt. Von den Bahnen mit durchgehendem Verkehr ist sie

jedenfalls die längste der Welt. -- Der +Bau+ der Pacific-Bahn wurde

1863 begonnen und von den beiden Gesellschaften mit einer Energie

betrieben, die in der Geschichte des Eisenbahnwesens unerreicht

dasteht. Die größte Leistung der Union-Pacific-Eisenbahn-Gesellschaft

war die Legung des Oberbaues von 7 engl. Meilen in +einem+ Tage, die

Central-Pacific-Eisenbahn-Gesellschaft brachte in der gleichen Zeit

sogar 10½ Meilen des Oberbaues zuwege. Bereits am 10. Mai 1869, d.

i. in der Hälfte der für die Vollendung des Baues stipulierten Zeit,

wurde bei Promontory Point der letzte Nagel zur Befestigung der

Verbindungsschwelle der beiden Bahnhälften eingeschlagen. An diesen

Nagel hatte man damals den Pacific-Telegraphen befestigt und die

Sache zugleich so eingerichtet, daß sämtliche Telegraphenstationen

beim Einschlagen desselben ein Glockensignal erhielten. Als nun

gegen 3 Uhr nachmittags des genannten Tages die Signale ertönten,

flogen in Washington die Fahnen empor und donnerten die Kanonen. In

New-York läutete das Glockenspiel des Trinity-Turms „Nun danket alle

Gott“, und auf der Börse versammelte sich die Handelskammer, um das

Schwesterinstitut San Francisco telegraphisch zu beglückwünschen. Hier

selbst, an den Ufern des Pacific, veranstalteten in echt amerikanischer

Weise 30 bekränzte und beflaggte Lokomotiven, zusammen mit den

sämtlichen Dampfmaschinen der Stadt, ein kolossales Wettpfeifen. Es

sei noch hinzugefügt, daß die Verbindungsschwelle von Lorbeerholz,

jener letzte Nagel von Gold und die Klammern von Silber waren. --

Die Staatsunterstützung für die Bahn betrug über 53 Mill. Dollars in

Geld und 141600 qkm an Land. -- Die Kosten für den Bau und dessen

Ausrüstung beliefen sich bis 31. Dezember 1881 auf 290 Mill. Dollars.

-- Durch die Union- und Central-Pacific-Bahn wurden +zuerst+ -- denn

sie ist unter allen Pacific-Bahnen die frühestvollendete -- die weit

ausgedehnten Gebiete des westlichen Amerika der Kultur erschlossen

und dessen unerschöpfliche Mineralschätze zugänglich gemacht. Die

Bahn ist aber auch von Einfluß auf die Bewegung des Welthandels,

insofern sie bezüglich des europäisch-asiatischen Verkehrs wenigstens

teilweise in Konkurrenz tritt mit dem Suezkanal. Unter allen

dermaligen Pacific-Bahnen ist sie zur Zeit weitaus die wichtigste, die

Pacific-Bahn κατ’ ἐξοχήν.

4. +Die Atchison-Topeca- und Santa-Fe-Bahn+[127] (auch kurz

+Santa-Fe-Bahn+ genannt). Sie beginnt in zwei Linien, die von Kansas

City und Atchison am Missouri auslaufen, sich aber bei Topeca bereits

wieder vereinigen; von hier an zieht sie über Trinidad und Albuquerque

nach Deming, benützt dann bis Benson die Süd-Pacific-Bahn und läuft

hierauf südlich nach ihrem Endpunkte Guaymas am Golfe von Kalifornien.

Die Länge der Bahn von Kansas City bis Deming beträgt 1849 km und von

Benson bis Guaymas 586 km. Die Gebiete, welche die Bahn durchzieht,

sind Kansas, Colorado, Neu-Mejico und Teile von Arizona und Mejico.

Was Kansas betrifft, so ist dasselbe ein in hohem Grade fruchtbares,

durchaus ebenes Präriengebiet, das einst ohne Zweifel eine der

größten und reichsten Kornkammern Nordamerikas wird. In Colorado,

das zu ⅔ Gebirgsland ist, finden sich die höchsten Erhebungen des

Felsengebirges. Die hervorragendste Stelle unter den Naturschönheiten

des letztern nehmen die sogen. Cañons ein, vielfach gewundene,

tief eingeschnittene, schluchtenartige Thäler, deren Sohlen fast

durchgehends von schäumenden und brausenden Gewässern durchzogen und

deren Seiten von steilen und mächtigen Felswänden begrenzt werden. Den

Hauptreichtum des Landes bilden die Mineralschätze, hauptsächlich Gold

und Silber. Im südlichen Colorado kommen überdies Petroleum, Eisen

und Kohle in ungeheuren Mengen vor, so daß auch dieser Staat infolge

seines natürlichen Reichtums in Bälde zu einem der bedeutendsten und

volkreichsten Gebiete der Union sich emporschwingen wird. Neu-Mejico

bietet der Rindviehzucht ausgedehnte Weideplätze, aber auch hier

spielt der Bergbau eine bedeutende Rolle. Ein höchst merkwürdiges

Land ist endlich Arizona. Die Vegetation besteht hier, wenn nicht

ausschließlich, so doch vorzugsweise aus kakteenartigen Gewächsen,

die zuweilen eine Höhe von 50 Fuß erreichen. Das größte Naturwunder

ist aber auch hier der Coloradostrom, der namentlich in diesem Staate

auf weite Strecken geradezu grausige Cañons bildet, so den +großen

Cañon+, der eine Länge von 383 km hat, und dessen Wände 450-2100 m

aufragen. „Nichts auf der Erde,“ sagt Hermann Klein, „läßt sich mit dem

großen Colorado-Cañon vergleichen; man muß, um Formationen zu finden,

die sich dem Schluchtensystem des Colorado an die Seite zu stellen

vermögen, den Blick auf den Mond wenden.“ Die socialen Verhältnisse

der letzteren Staaten lassen freilich noch viel zu wünschen übrig.

Die neue Verkehrsader wird aber sicherlich, abgesehen von der

materiellen Förderung dieser Gebiete, auch deren gesellschaftliche

Zustände wesentlich heben. Ihre höchsten Stellen erreicht die Bahn

im Raton-Paß-Tunnel (670 m lang) an der Grenze von Colorado und

Neu-Mejico und in der Nähe der heilkräftigen Schwefelthermen (43-60°

C.) von Gallinas und Las Vegas. Die ganze Entfernung von New-York

über Kansas City, Deming und Benson nach Guaymas beträgt 4857 km.

An dem letztgenannten Orte will die Gesellschaft zur Hebung des

Dampferverkehrs mit Australien, China und Japan großartige Hafenanlagen

schaffen.

Die Hauptbedeutung der Atchison-Topeca- und Santa-Fe-Bahn liegt wohl

darin, daß durch sie auch die Republik Mejico dem Welthandel und

Weltverkehr mehr und mehr erschlossen wird. Außerdem dürfte durch die

neue Bahn die Besiedelungsfähigkeit mancher bisher unbeachteten Gebiete

wesentlich gewinnen.

5. +Die Atlantic- und Pacific-Bahn.+ Sie führt von St. Louis

am Zusammenflusse des Missouri und Mississippi durch das

Indianerterritorium, Neu-Mejico und Arizona nach dem südlichen

Kalifornien, von wo sie ihren Lauf nordwärts nimmt, um in San Francisco

zu münden. Die Atlantic- und Pacific-Bahn im +eigentlichen+ Sinne

erstreckt sich indes nur von St. Louis über Vinita und Albuquerque bis

zu den sogen. Needles an der Grenze von Kalifornien und Arizona; von

da an bildet ein Arm der sogen. Süd-Pacific-Bahn die Fortsetzung bis

Mohave, von wo die Hauptlinie der Süd-Pacific-Bahn nach San Francisco

führt. Aber auch die Strecke der Atlantic- und Pacific-Bahn zwischen

St. Louis und Albuquerque ist noch nicht ganz ausgebaut; es fehlt noch

die Linie von Tulsa bis Albuquerque. Die Atlantic- und Pacific-Bahn

ist daher zur Herstellung der Verbindung zwischen New-York und San

Francisco vorerst noch zur Benützung eines Teiles der Atchison-Topeca-

und Santa-Fe-Bahn genötigt. +Die Route dieser fünften Weltbahn verläuft

zur Zeit demnach folgendermaßen+: Von +Kansas City+ am Missouri, bis

wohin der Schienenweg von New-York her mit der alten Pacific-Linie

ziemlich parallel läuft, zieht die Bahn auf dem Schienenstrang der

Atchison-Topeca- und Santa-Fe-Bahn in südwestlicher Richtung bis

Albuquerque. Hier beginnt dann der selbständige Strang der Atlantic-

und Pacific-Bahn, mit dem sie in fast genau westlicher Richtung

Neu-Mejico und Arizona durchzieht. Bei den Needles am Coloradoflusse

erfolgt der Anschluß an die Süd-Pacific-Bahn. -- Die Entfernung von

New-York nach San Francisco auf der Route der +eigentlichen+ Atlantic-

und Pacific-Bahn beträgt 5631 km.

Die Atlantic- und Pacific-Bahn ist außerordentlich reich an

Naturschönheiten. 29 km nördlich von der Station Prach Spring

in Arizona befindet sich z. B. der schon oben erwähnte „+Große

Colorado-Cañon+“. Aber auch andere an der Atlantic- und Pacific-Bahn

befindliche merkwürdige Scenerieen, wie der +versteinerte Wald+ bei der

Station Billings (363,7 km westlich von Albuquerque), eine Anzahl

hieroglyphischer +Inschriften+, der +Diablo-Cañon+, der +Pyramidenfels+

mit seiner bezaubernden Ausschau, der „+Neue Göttergarten+“ u. s. w.,

bieten ganz eigenartige, überaus sehenswerte Formen.

Mehr als jede andere Pacific-Bahn berührt die Atlantic- und

Pacific-Bahn auch +Forts+ oder kommt in der Nähe von solchen vorüber.

Sie sind zum Schutz der weißen Bevölkerung gegen Indianerüberfälle

errichtet.

6. Die +Süd-Pacific-Bahn+ führt von New-Orleans über Houston, San

Antonio und El Paso längs des 32. Breitengrads nach Deming und von

da über Tucson, Yuma und Mohave nach San Francisco. Sie wurde am 12.

Januar 1883 vollendet. -- Die ganze Entfernung von New-Orleans nach

San Francisco beträgt 4015 km. -- Von New-York bis New-Orleans über

Philadelphia, Baltimore, Washington, Richmond, Atlanta, Montgomery

macht die Entfernung 2235 km aus; die ganze Strecke von New-York

bis San Francisco auf diesem Weg mißt 6251 km. -- Eine kürzere und

natürlichere Verbindung mit den atlantischen Gestaden ist die über

Dallas, Vicksburg, Montgomery nach Savannah. Diese Linie mißt in ihrer

ganzen Ausdehnung 4207 km.

Die Süd-Pacific-Bahn durchzieht das südliche und westliche Texas,

setzt sodann über den Rio Grande und kreuzt die südlichen Teile von

Neu-Mejico und Arizona. Bei Yuma wird der Colorado überschritten, und

erst jenseits Mohave beginnt der Abstieg in die fruchtbaren Regionen

des San-Joaquin-Thales. Was Texas betrifft, so ist dasselbe nicht

nur zur Viehzucht geeignet, sondern auch zum Anbau von Zuckerrohr,

Baumwolle, Mais, Tabak, Reis und gar vielen Gemüsearten und

halbtropischen Früchten.

Die Bahn dient dem direkten Personenverkehr von New-Orleans nach

San Francisco, dürfte aber auch für den Absatz der Naturprodukte

Kaliforniens von hoher Bedeutung werden.

Diese sechs Riesenbahnen zusammen haben eine Länge von über 21000 km;

dabei sind indes nur die eigentlichen pacifischen Strecken und nicht

die ganzen Überlandlinien in Betracht gezogen. Rechnet man die Strecken

von Duluth, Omaha, Kansas City u. s. w. bis zur atlantischen Küste

hinzu, so giebt das eine Länge von über 33000 km (Äquatorial-Umfang der

Erde 40070 km).

=Geographie der Eisenbahnen.=

=Tabellarische Zusammenstellung=

=der hauptsächlichsten auf die pacifischen Bahnen Nordamerikas

bezüglichen Verhältnisse.=

-----------------+----------------+----------------+------------------+

Name der Bahn. | Eröffnungs- |Östlicher Haupt-| Westlicher |

| termin. | ausgangspunkt | Endpunkt. |

-----------------+----------------+----------------+------------------+

1. Canada- | Nov. 1885. | Ottawa in | Vancouver in |

Pacific. | | Canada. |Britisch Columbia.|

-----------------+----------------+----------------+------------------+

2. Nord-Pacific. | 8 Sept. 1883. | St. Paul in | Portland in |

| Minnesota. | Oregon. |

-----------------+----------------+----------------+------------------+

3. ~a.~ Union- | } | ~a.~ Omaha in |~a.~ Ogden in Utah|

und | } 10. Mai 1869.| Nebraska | |

~b.~ Central- | } | ~b.~ Ogden in |~b.~ San Francisco|

Pacific. | } | Utah. | in Kalifornien.|

-----------------+----------------+----------------+------------------+

4. Santa-Fe-Bahn.| 17. März 1881. | Kansas City | Guaymas |

| | in Missouri. | in Mejico. |

-----------------+----------------+----------------+------------------+

5. Atlantic und | Gänzliche Voll-| St. Louis in | San Francisco |

Pacific. |endung erst nach| Missouri. | in Kalifornien. |

| einigen Jahren.| | |

-----------------+----------------+----------------+------------------+

6. Süd-Pacific. |12. Januar 1883.| New-Orleans | San Francisco |

| | in Louisiana. | in Kalifornien. |

A: Entfernung in km vom Hauptausgangspunkt zum Endpunkt.

B: „ „ „ „ von New-York zum Hauptausgangspunkt.

C: „ „ „ „ „ „ „ „ Endpunkt.

D: Höchster von der Bahn erreichter Punkt. m

E: Von New-York zum westlichen Endpunkt geht die Bahn über die

Hauptstationen

----------------+------+------+------+------+-------------------------

Name der Bahn. | A | B | C | D | E

----------------+------+------+------+------+-------------------------

1. Canada- | 4461| 690| 5071| 1670| Brockville, Winnipeg,

Pacific. | | | | Calgary und Stephen.

----------------+------+------+------+------+-------------------------

2. Nord-Pacific.| 3077| 2128| 5203| 1096| Chicago, Bismarck,

| | | Livingston u. Ainsworth.

----------------+------+------+------+------+-------------------------

3. ~a.~ Union- |~a.~ |~a.~ |~a.~ |~a.~ |~a.~ Chicago, Cedar

und | 1662| 2256| 3919| 2512| Rapids, Cheyenne und

| | | | | Rawlings.

~b.~ Central-|~b.~ |~b.~ |~b.~ |~b.~ |~b.~ Elko, Winnemucca,

Pacific.| 1341| 3919| 5200| 2146| Sacramento u. Benicia.

----------------+------+------+------+------+-------------------------

4. Santa-Fe- | 2715| 2160| 4875| 2343| Topeca, Albuquerque,

Bahn. | | | | Deming, Benson.

----------------+------+------+------+------+-------------------------

5. Atlantic und | 3917| 1714| 5631| 2224| Indianopolis, Wichita,

Pacific. | | | | | Albuquerque und Wingate.

----------------+------+------+------+------+-------------------------

6. Süd-Pacific. | 4015| 2235| 6251| 1368| Washington, Richmond,

| | | | | El Paso und Deming.

Treffend hat Schweiger-Lerchenfeld diese gewaltigen eisernen

Verkehrswege die großen Schlagadern der Union genannt. Durch sie strömt

der Kulturüberschuß des Ostens nach dem Westen, aber auch der große

Reichtum des Westens an Naturschätzen (Holz, Getreide und Erze) nach

dem Osten.

Betrachtet man die Eisenbahnkarte der Union etwas genauer, so gewahrt

man außer den pacifischen Linien auch noch große +Transversallinien+,

welche erstere senkrecht schneiden, also von Süden nach Norden

verlaufen. Eine solche große transversale Überlandlinie ist diejenige,

welche das Unionsgebiet genau in der Mitte (westlich des Mississippi)

von Süden nach Norden durchzieht. Sie beginnt bei Galveston am Golfe

von Mejico, durchschneidet die vier pacifischen Bahnen und endet in

Britisch Amerika. Andere derartige Transversallinien sind im Werden

begriffen.

Im übrigen befindet sich, entsprechend dem außerordentlich gesteigerten

Verkehrs- und Handelsleben und der hochentwickelten Industrie, das

dichteste Netz der Linien im Osten der Union, und zwar zwischen dem

Atlantischen Ocean und den großen Seen einerseits und dem Ohio und

Mississippi andererseits.

II. Die Eisenbahnen Mejicos, Mittelamerikas und Westindiens[128].

~a.~ Die älteste und bis vor kurzem +einzige+ Bahn Mejicos war die

Linie von der Hauptstadt +Mejico+ nach dem Hafen von +Vera-Cruz+. Ihre

Anlage war mit bedeutenden technischen Schwierigkeiten verbunden;

sie steigt von der Küste bis zu 2533 m empor. -- In neuester

Zeit sind zahlreiche Bahnen im Bau; sie werden größtenteils von

nordamerikanischen Kapitalisten erstellt. Die wichtigsten dieser Linien

sind:

Die +mejicanische Central-Eisenbahn+; sie schließt sich in +El Paso+

am Rio Grande an die Eisenbahnen der Vereinigten Staaten von Amerika

an und durchzieht in südlicher Richtung den Staat Mejico bis zu seiner

Hauptstadt; seit 9. März 1884 ist diese Strecke vollendet.

Die +mejicanische National-Eisenbahn+; sie führt von +Laredo+ am Rio

Grande über +Monterey+ südlich nach der Hauptstadt +Mejico+.

Diese beiden Linien sollen durch Seitenzweige die Küsten des Stillen

und Atlantischen Oceans miteinander verbinden. Gegenwärtig sind nicht

weniger als sieben solcher Transkontinentalbahnen projektiert oder im

Bau begriffen.

Mejico gehört ferner noch jener Teil der Atchison-Topeca und

Santa-Fe-Bahn an, welcher von +Deming+ nach +Guaymas+ am Kalifornischen

Meerbusen führt. Diese Bahnstrecke heißt in der Regel „Sonora-Bahn“.

Ein großartiges Projekt ist endlich die Erbauung einer

+Schiffs-Eisenbahn+ über den +Isthmus von Tehuantepek+. Mittels

derselben sollen selbst die größten der zur Zeit in Fahrt befindlichen

Kriegs- und Handelsschiffe mit voller Ladung von der Küste des

Atlantischen Oceans an die des Stillen Meeres befördert werden. Dem

amerikanischen Ingenieur +James Eads+ wurde zur Ausführung dieser Bahn

seitens der mejicanischen Regierung die Konzession erteilt[129].

~b.~ Die +centralamerikanischen+ Republiken haben in jüngster Zeit

die Bauthätigkeit wieder aufgenommen, einerseits um die Hauptstädte

untereinander und mit den Hafenplätzen zu verbinden, andererseits um

den Isthmus durch Transversallinien zu durchschneiden. Zunächst soll

in Honduras eine interoceanische Eisenbahn von Truxillo am Karibischen

Meer nach der Fonseca-Bucht am Stillen Ocean gebaut werden.

~c.~ Wie auf dem Festlande, ist auch auf mehreren Inseln der großen und

kleinen +Antillen+gruppe ein Netz von Eisenbahnen angelegt und im Laufe

der letzten Jahre weiterentwickelt worden.

=III. Die Bahnen Südamerikas.=

=~a.~ In Betrieb befindliche Bahnen.=

1. +Columbia.+ Die bedeutendste Bahn dieses Gebietes ist die sogenannte

+Panama-Eisenbahn+ (76 km), welche Aspinwall-Colon am Atlantischen

Ocean mit Panama am Stillen Ocean verbindet. Ihren höchsten Punkt (80

m) erreicht sie bei der Station Paraiso; in ihrer Konstruktion bietet

sie übrigens nichts Besonderes. Der Verkehr auf dieser Bahn, die von

1850 bis 1855 gebaut wurde, war lange Zeit sehr bedeutend; seit der

Vollendung der Union- und Central-Pacific-Bahn (1869) aber hat der

Fracht- wie der Personenverkehr stetig abgenommen, wie folgende Zahlen

zeigen:

[Illustration: Fig. 79. Eisenbahnkarte von Panama.]

Im Jahre 1869 wurden transportiert 26853 Personen, und der Wert

der Fracht in diesem Jahre betrug 70202028 Pfd. St.; im Jahre 1879

belief sich die Zahl der beförderten Personen nur auf 4469 und der

Wert der Fracht auf 4947755 Pfd. St. Diese Zahlen werden noch weiter

sinken, wenn der Kanal und die in Ausführung begriffenen übrigen

transkontinentalen Bahnen vollendet sein werden.

Für den Durchreisenden ist die Fahrt über den Isthmus ein seltener

Genuß; namentlich derjenige, der die üppige Vegetation eines tropischen

Urwaldes noch nicht kennen gelernt hat, ist ganz geblendet von der

majestätischen Schönheit und der erhabenen Wildheit dieses Anblickes.

In schnell wechselnden, mannigfaltigen Gestaltungen eilt die herrliche

Scenerie an dem in raschem Fluge dahineilenden Beschauer vorüber.

Leider ist aber auch hier das Schönste nur gleisnerische Hülle; denn

unter den Palmen und Sykomoren brütet das schleichende Fiebergift,

dieser Fluch so vieler herrlicher Erdstriche. Ganz besonders mußten das

jene Arbeiter erfahren, welche die Aussicht auf hohen Lohn verlockte,

sich zum Bau der Panama-Bahn zu verdingen. Der fürchterliche Ausspruch,

„eine jede Schwelle, die auf dieser Bahnstrecke gelegt wurde, habe mit

einem Menschenleben bezahlt werden müssen“, ist buchstäbliche Wahrheit.

Für die Entwicklung des Fiebergiftes sind eben hier die Verhältnisse

außerordentlich günstig. Die entsetzliche Hitze des Sommers, welche auf

die ungeheuer starken Niederschläge der Regenzeit folgt, begünstigt in

dem mit verwesenden Vegetabilien aller Art bedeckten Boden die Bildung

giftiger Miasmen in hohem Grade. Welcher Art aber die Niederschläge

auf diesem Teile des Isthmus sind, erhellt daraus, daß die jährliche

Regenmenge, die in den mittleren Breiten Deutschlands zwischen 16-40

Zoll beträgt, bei Colon und an der Mündung des Chagres auf 10-14

Fuß sich beläuft. Landeinwärts beträgt sie mindestens ebensoviel,

wahrscheinlich noch mehr. -- Die 76 km lange Strecke wird in 3-4

Stunden durchfahren; der Fahrpreis beträgt 106 M. Die Bahnstrecke

Colon-Panama ist sonach wohl die teuerste aller Bahnen.

[Illustration: Fig. 80. Station an der Eisenbahn von Panama.]

[Illustration: Fig. 81. Eisenbahn auf der Panama-Landenge.]

2. +Peru.+ Es besitzt, abgesehen von Brasilien und Argentinien, unter

allen Staaten Südamerikas das ausgebildetste Bahnnetz. Die +technisch+

großartigsten Bahnen des Landes sind die Linien +Callao+-+Lima+-+Oroya+

und +Mollendo+-+Arequipa+-+Puno+.

[Illustration: Fig. 82. Tunnel zwischen S. Mateo und Anchi. (Nach „Vom

Fels zum Meer“.)]

~a.~ +Callao-Lima-Oroya-Bahn[130].+ Der Ausgangspunkt der Bahn ist

Callao, der Hafen von Lima. Sie führt zunächst am linken Ufer des

Rimac stromaufwärts und tritt bei Chosica in das Gebirge ein. Bei

dem Städtchen S. Bartolomé, nur 39 engl. Meilen von Lima entfernt,

beträgt die Höhe der Bahn über dem Meeresspiegel bereits 4910 Fuß. Das

eigentliche Hochgebirge aber mit seiner ganzen großartigen Schönheit

und majestätischen Wildheit beginnt hinter Matucana. Alle Vegetation

ist hier zu Ende, Schnee bedeckt die Höhen, und die zerrissenen und

zerklüfteten Formen der gigantischen Felsmassen, die tiefen Abgründe,

auf deren Sohle schäumende Wasser dahinbrausen, sind ganz geeignet,

das Gemüt des ängstlichen Reisenden mit bangen Schrecken zu erfüllen.

Es folgen nun Kurve um Kurve und Tunnel um Tunnel. Zwischen S. Mateo

und Anchi (Fig. 82) durcheilt die Bahn drei derselben in kurzen

Zwischenräumen, von denen überdies die beiden letzten nur durch die

über einem gewaltigen Abgrund schwebende eiserne Brücke getrennt sind.

Selbst den nervenstarken Mann durchzuckt hier ein Schauer beim Blick

in die Tiefe; der Volksmund hat dieser Schlucht (Fig. 84) den Namen

~los infernillos~ (die kleine Hölle) beigelegt. Bei Anchi, das schon

11000 Fuß über dem Meere und so recht im Herzen des Hochgebirges

liegt, beginnt der Reisende bereits unter einem Blutandrang nach

den Lungen und einem der Seekrankheit ähnlichen, mit allgemeiner

Schwäche verbundenen Zustand zu leiden, und doch ist die Höhe der

Anden noch lange nicht erreicht. Im weitern Aufstieg stromaufwärts,

im Thale des Rio Blanco, eines Nebenflusses des Rimac, und später

des Rimac selbst, ist die Bahn neuerdings genötigt, gewaltige Kurven

zu schlagen. In ähnlicher Weise setzt sich dann der Weg im Thale

des Chin-Chan fort, gleichfalls eines Zuflusses des Rimac, hier in

den wiederholten Windungen einen besonders prächtigen Anblick der

großartigen Hochgebirgsscenerie gewährend. Endlich folgt in 4769

m Seehöhe, also +fast in der Höhe des Montblanc+, des höchsten

Berges von Europa, der +Scheitelpunkt+ der Bahn, +der zugleich der

erhabenste Punkt auf unserem Planeten ist, bis wohin die Lokomotive

gedrungen+. Und in dieser gewaltigen Höhe hat menschlicher Scharfsinn

und menschliche Werkthätigkeit die Anden noch in einem 1860 m langen

Tunnel durchbrochen. Er wird von den Europäern ~la Galera~, in der

Landessprache ~tunnel de la Cima~ genannt. In kurzer Entfernung von

diesem Tunnel liegt der nach dem Erbauer der Bahn, dem amerikanischen

Ingenieur +Meiggs+, benannte +Mount Meiggs+. Vom östlichen

Ausgangspunkt der ~Galera~ beginnt die Senkung. Oroya, die Endstation

der Bahn, liegt in 3712 m Seehöhe.

[Illustration: Fig. 83. Kurven der Bahn beim Überschreiten des Rimac.

(Nach „Vom Fels zum Meer“.)]

Die ganze Bahnstrecke hat eine Länge von ca. 200 km. Die Steigungen

betragen stellenweise 4 auf 100, und an manchen Stellen war sogar

die Anlage von sogen. „Spitzkehren“ nötig. Die Zahl der Tunnels,

einschließlich des Scheiteltunnels ~la Galera~, beläuft sich auf nicht

weniger als 61. Zum Teil bedeutender noch sind die Brückenbauten. Ein

Wunderwerk in seiner Art ist der Varraguas-Viadukt; er ist nicht allein

das bedeutendste derartige Bauwerk auf dieser Linie, er war auch bis zur

Fertigstellung des Kentucky- und Kinzua-Viadukts (S. 191) die höchste

Brücke der Welt. Zu den Sprengungen des Gesteins wurden über 5 Mill.

Pfund Pulver mit einem Kostenaufwande von 32 Mill. M. verwendet. Die

Bahn wurde 1876 eröffnet.

[Illustration: Fig. 84. Brücke über ~los infernillos~.]

Der Weltverkehr Telegraphie und Post, Eisenbahnen und Schiffahrt, in ihrer Entwickelung dargestellt · 第 22 / 50 段