Diese weitreichenden Projekte finden allerdings noch nicht in der

nächsten Zeit ihre Verwirklichung, aber gegen den gewaltigen und

gewaltsamen Strom des 19. Jahrhunderts läßt sich nicht schwimmen, und

auch die chinesische Mauer ist nicht stark genug gegen die Wucht seines

Anpralles. Ist aber einmal die asiatische Transitbahn zur Wirklichkeit

geworden, so wird auch „die Reise um die Welt in +achtzig+ Tagen“ zu

+den+ Dingen gehören, die +gewesen+. Man wird von da an im stande sein,

in nur +zwei+ Monaten die beiden größten Kontinente und die beiden

größten Oceane zu durchmessen. Dieser Zukunftsmusik des Weltverkehrs

sind aber nicht bloß die harmonischen Accorde des friedlichen

Völkerverkehrs und des gegenseitigen Austausches der Produkte der

Völkerarbeit eigen, sie enthält auch schrille Töne. Unwiderstehlich,

wie schon jetzt auf der pacifischen Route gegen Osten, würde sich die

Flut chinesischer Auswanderer aus dem 400-Millionen-Reich westwärts

wenden. „Mit dem daraus zu erwartenden Segen,“ sagt von Richthofen,

„würden sie Gefahren bringen, welche das russische Reich neben

den Vorteilen in erster Linie zu übernehmen hätte. Arbeitsamkeit,

praktischer Verstand, Nüchternheit, schnelle Vermehrung und starres

Festhalten am Überlieferten machen die Chinesen zu dem wichtigsten

Elemente in der Verbreitung der Bodenkultur, aber auch, wo immer sie

mit anderen Völkern in Berührung kommen, zu einer durch den Prozeß

langsamen Verdrängens und Erdrückens furchtbaren Macht.“

Ein freilich sehr bescheidener Anfang zur +transsibirischen Eisenbahn+

ist übrigens doch schon gemacht durch die Fertigstellung der 135 km

langen Linie zwischen +Jekaterinburg+ und +Tjumen+[122].

~C.~ Die Eisenbahnen Afrikas.

Afrika ist bekanntlich unter allen Erdteilen der am meisten

zurückgebliebene. Ganz besonders beweist dies auch die äußerst geringe

Entwicklung seines Eisenbahnwesens. +Es nimmt in dieser Beziehung

unter sämtlichen Kontinenten die letzte Stelle ein.+ Begründet ist

diese Erscheinung vor allem in den äußerst ungünstigen physikalischen

Verhältnissen des Erdteils. So ist die Gliederung desselben äußerst

mangelhaft; es fehlen ihm nicht bloß Halbinseln, auch seine Golfe

sind nur sehr schwächlich angedeutet, oder sie bestehen nur aus

einspringenden Winkeln, wie der Meerbusen von Guinea. Schon hierdurch

war ein Eindringen in den Erdteil bedeutend erschwert. Ferner

mangeln dem Kontinente aufschließende Ströme, wie solche Amerika im

Mississippi, dem Amazonas und den La-Plata-Geschwistern besitzt, und zu

dieser nautischen Verschlossenheit gesellt sich noch als Verschärfung

die Unwegsamkeit großer Binnenräume. Der große Wüstengürtel im

Norden namentlich scheidet den Weltteil für die Gesittungsgeschichte

in zwei streng gesonderte Hälften. Einer nachhaltigen Ansiedelung

fremder Kulturvölker stand auch das höchst ungesunde Klima mancher

Küstenstriche entgegen. Afrika entbehrte überdies lange Zeit wirksamer

Lockmittel; es bot weder Metalle noch Gewürze, weder Droguen noch

andere vegetabilische Seltenheiten, die Kulturvölkern den Besitz

des Erdteils wünschenswert machten; erst in neuester Zeit wurden

solche Lockmittel auch in Afrika gefunden, besonders im Elfenbein.

Nimmt man zu alledem noch die im Vergleich zu den Ariern entschieden

geringere Rassenbegabung der Neger, so sind das Gründe genug für die

niedrige Kulturstufe des Erdteils überhaupt, wie auch für den tiefen

Stand seines Eisenbahnwesens. Neuestens ist übrigens auch in Afrika

eine regere Thätigkeit im Eisenbahnbau bemerkbar. Die hie und da

auftauchenden Projekte sind teilweise sogar sehr phantastischer Natur.

=I. In Betrieb befindliche Bahnen.=

Die hier in Betracht kommenden Gebiete sind besonders +Ägypten+,

+Tunis+, +Algier+ und das +Kapland+.

1. +Ägypten.+ Das Eisenbahnnetz Ägyptens dehnt sich vorwiegend über das

fruchtbare Nildelta aus. Die wichtigste Linie ist +Alexandria+-+Kairo+.

Von ihr zweigt in +Benha el Asl+ ein Schienenweg nach Suez ab. Er

läuft über +Zagazig+ nach +Ismailia+ am Suezkanal und begleitet

diesen längs der alten Bitterseen bis Suez. Diesen Weg nimmt auch die

englisch-ostindische Post von Alexandrien nach Suez. Von Kairo setzt

sich ein Arm nach Oberägypten fort bis +Siut+.

2. +Tunis.+ Es besitzt dermalen ein nur wenig entwickeltes Netz;

dasselbe wird sich aber unter dem Einflusse Frankreichs mehr und mehr

ausbilden. Sehr bedeutsam ist jetzt schon die Verbindung seines Netzes

mit dem algerischen.

3. +Algier.+ Die wichtigsten Bahnen sind +Algier+-+Oran+ und

+Bona+-+Constantine+. Erweiterungen des Bahnnetzes, welche namentlich

den südlichen Teil der Kolonie erschließen sollen, sind im Bau.

4. +Kapkolonie.+ Das Kapland besitzt zur Zeit über 1600 km

Eisenbahnen. Die Hauptlinie, von +Kapstadt+ in nordöstlicher Richtung

ziehend, ist bis nach +Kimberley+, der Hauptstadt des durch seinen

Diamantenreichtum bekannten West-Grequalands, vollendet. Eine zweite

Hauptlinie verbindet +Port Elizabeth+, nächst der Kapstadt die

bedeutendste Handelsstadt der Kolonie, mit +Graaf Reinet+, während

eine dritte Linie von +Port Alfred+ aus sich nach +De Aar+, einer

Station der Route Kapstadt-Kimberley, hinzieht. Die dritte Linie

hat außerdem eine Abzweigung, durch welche die Verbindung mit der

Route Port Elizabeth-Graaf Reinet hergestellt wird. Eine vierte

Linie endlich führt von +East London+ in nordwestlicher Richtung. --

Eine +Küstenbahn+ ist zur Zeit noch nicht vorhanden. Zwischen den

Hauptorten Kapstadt und Port Elizabeth ist zwar eine ununterbrochene

Eisenbahnverbindung hergestellt; deren Länge beträgt indes wegen des

großen Umwegs 838 englische Meilen, während der Seeweg zwischen beiden

Orten nur 430 englische Meilen ausmacht.

Außerdem besteht noch eine Bahn auf der Insel +Réunion+ und zwischen

+St. Louis+ und +Dakar+. Die Erbauung der erstern namentlich war mit

großen Schwierigkeiten verbunden. Galt es hier doch, einen Tunnel durch

Basalt zu bohren in einer Länge von 10281 m. In 30 Monaten war das

Riesenwerk vollendet.

=II. Projektierte Bahnen.=

1. +Trans-Sahara-Bahn.+ Ein diesbezüglicher Entwurf stammt von

dem französischen Ingenieur +Duponchel+. Danach soll die künftige

Saharabahn von Miliauah, einer Station der bereits bestehenden Linie

Algier-Oran, ihren Ausgang nehmen, über Laghuat und el Golea nach Süden

ziehen, um bei Bamba die nördliche Biegung des Niger zu gewinnen. Von

dort soll sich die Bahn in der Weise verzweigen, daß ein östlicher

Strang, der auch Sokoto und Kano berührt, bis nach Kuka am Tsadsee

zieht, ein westlicher hingegen über Timbuktu den Niger aufwärts läuft,

um sodann, in das Thal des Senegal übergehend, die französische Stadt

St. Louis an der Senegalmündung zu erreichen. Die Länge dieser Linien

betrüge 2500 km. -- Das lebhafteste Interesse an der Ausführung

dieses Projektes haben die Franzosen. Frankreich würde durch diese

Bahn unzweifelhaft zur herrschenden Macht in Nordwestafrika und einem

großen Teil von Centralafrika. Übrigens stehen der Durchführung des

Unternehmens enorme Schwierigkeiten im Wege.

Auch der deutsche Afrikareisende +Gerhard Rohlfs+ hat sich mit dem

Plan einer Saharabahn beschäftigt. Er befürwortet, gegenüber dem

französischen Projekte, die Erbauung einer Linie von +Tripoli+ über

+Mursuk+ nach +Kuka+ am Tsadsee.

2. +Senegal-Niger-Bahn.+ Die in dieser Beziehung von französischen

Ingenieuren ausgearbeiteten Projekte zielen darauf, von der Küste

aus eine Verbindung mit dem Sudan zu schaffen. Da aber schon die

erste Teilstrecke (zwischen Khay oder Medina und Bafoulabé) 35 Mill.

Francs verschlang, so wurden die weiteren Kredite für diese Bahn

vom französischen Senate Ende 1883 verweigert, und das Projekt ist

vorläufig als aufgegeben zu betrachten.

3. +Bahn nach dem ägyptischen Sudan.+ Durch die Herstellung dieser

Linie hofft man die landwirtschaftliche Thätigkeit in den Sudanebenen

neu zu beleben und für den Transport der Erzeugnisse Innerafrikas

einen bequemen, rasch zurücklegbaren Weg zu schaffen. Eine großartige

Erweiterung erhält dieses Projekt durch den in neuester Zeit

aufgetauchten Gedanken, von +Berber+ über +Kassala+ eine Eisenbahn nach

+Massaua+ am Roten Meere zu führen. Hierdurch würde eine neue Route

nach Ostindien geschaffen und die Fahrzeit dorthin im Vergleich zur

Suezroute um etwa 3 Tage verkürzt. Infolge der jüngsten Vorgänge im

Sudangebiet ist indes an eine baldige Ausführung dieses Projektes nicht

zu denken. Weit mehr Aussicht auf Verwirklichung hat bei dem äußerst

lebhaften Interesse, das fast alle schiffahrenden Nationen für das

Kongogebiet bekunden, die

4. +Kongobahn+ von +Vivi+ nach +Stanley Pool+. Die Schiffahrt ist

nämlich auf dieser Strecke infolge der vielen Stromschnellen des

Flusses unmöglich. Die ganze Bahn würde 365 km lang werden und circa 20

Mill. M. kosten.

Nur angedeutet sei schließlich noch, daß man sogar schon von einer

Bahn träumt, die in Fortsetzung der Saharabahn bis ans Kap der guten

Hoffnung läuft, und von einer weitern Linie, die vom obern Nilthal

zum Nyanza-See und von hier in zwei Linien einerseits der Mündung des

Kongo, andererseits jener des Zambesi zustrebt.

~D.~ Die Eisenbahnen Amerikas[123].

Amerika nimmt dermalen hinsichtlich der Entwicklung des Eisenbahnnetzes

unter allen Erdteilen die +erste+ Stelle ein. Es beträgt die Länge

seiner Linien gegenwärtig fast 240000 km, während das alte Europa nur

(rund) 190000 km besitzt. Nicht alle Teile Amerikas sind jedoch in

gleicher Weise an diesem gewaltigen Schienennetze beteiligt; weitaus

der größte Teil desselben (über 200000 km) entfällt auf das Gebiet

der +Vereinigten Staaten von Amerika+. Die Verhältnisse waren hier

dem Eisenbahnbau auch in hohem Grade günstig. Ein gewaltiger Antrieb

hierzu lag schon in den riesigen Entfernungen, welche im Gebiete der

Union stets nur mit großem Zeitaufwand zu überwinden waren. Auf dem

weiten Raume zwischen dem Atlantischen Ocean und dem Felsengebirge gab

es ferner nicht nur keine beträchtlichen Hindernisse zu bewältigen,

vielmehr lud die Einförmigkeit der Bodengestaltung geradezu ein zur

Überschienung. Auch das Klima übte nur im Gebirgsland des Westen

einen entschieden hinderlichen Einfluß aus. Dann besitzt das Land

einen großen Reichtum an Holz und Steinen, billiges Brennmaterial

und wohlfeiles Eisen, lauter Faktoren, welche den Bahnbau wesentlich

förderten. Auch seitens des Staates wurde der Bahnbau möglichst

begünstigt. So wurde bei Erteilung von Konzessionen stets der Grundsatz

größtmöglicher Freiheit in Wahl der Trace, in der Ausführung und im

Betriebe von Bahnen festgehalten, so daß der private Unternehmungsgeist

sich nirgends gehemmt sah; ja vielfach wurden sogar bedeutende

Subventionen an Land und Geld gewährt. Bis zum 30. Juni des Jahres

1881 hatte z. B. der Kongreß an Landgrants in den verschiedenen

Staaten für 15630 Meilen Eisenbahnen über 46 Mill. Acres votiert.

Neben allen diesen Ursachen sind endlich nicht zu übersehen der kecke

Unternehmungsgeist, der kaufmännische Sinn, die Energie und die

technische Geschicklichkeit des Nordamerikaners.

Wesentlich anders sind die Verhältnisse bezüglich des Eisenbahnwesens

in +Mittel+- und +Südamerika+ gelagert. Was zunächst Mittelamerika

betrifft, so ist hier schon die plateau- oder terrassenartige

Bodengestaltung dem Bau von Eisenbahnen sehr hinderlich. Vielfach

hemmend wirken dann die zahlreichen politischen Krisen und der geringe

Kulturgrad der Bevölkerung. Dasselbe gilt bezüglich Südamerikas; nur

kommt hier noch als neues und fast unüberwindliches Hindernis jene

überquellende Fülle des Pflanzenlebens hinzu, wie sie in den ungeheuren

Urwäldern uns so gewaltig entgegentritt. Gegenüber dieser großartigen

Triebkraft der organischen Welt erweist sich alles menschliche Beginnen

beinahe als bare Ohnmacht.

=I. Die Eisenbahnen Nordamerikas.=

Der Eisenbahnbau wurde in Nordamerika zuerst in den +Vereinigten

Staaten+ begonnen. Bald nachdem Stephenson seine zugkräftige Lokomotive

erbaut hatte, rollten auch in der Union Eisenbahnzüge dahin, und

seitdem hat sich das Eisenbahnwesen daselbst in großartigster Weise

entwickelt. 1850 gab es schon 1451 km; 1857: 39413 km; 1864: 54695 km;

1872 schon 107782 km Bahnen und 1884 vollends 239468 km. Im übrigen

Nordamerika findet sich nur noch in den an die Union grenzenden Teilen

von +Canada+ ein ziemlich entwickeltes Bahnnetz.

Wenn wir im folgenden uns mit dem Eisenbahnwesen Nordamerikas befassen,

so kann es selbstverständlich nicht unsere Aufgabe sein, alle irgend

größeren Linien dieses gewaltigen Territoriums zu behandeln; vielmehr

wird unsere Darstellung sich nur auf die wichtigsten Schienenstränge

erstrecken.

Weitaus die größte Bedeutung haben unter den Bahnen Nordamerikas die

+Pacific-Bahnen+, d. h. jene Bahnen, welche, quer durch Nordamerika

hindurchgehend, den Atlantischen Ocean mit dem Stillen Meer verbinden.

Man unterscheidet dermalen deren sechs: die +canadische Pacific-Bahn+,

die +Nord-Pacific-Bahn+, die +Union+- und +Central-Pacific-Bahn+,

die +Atchison+-, +Topeca+- und +Santa-Fe-Bahn+, die +Atlantic+- und

+Pacific-Bahn+ und die +südliche Pacific-Bahn+. Von ihnen soll im

folgenden des nähern die Rede sein[124] (Fig. 77).

[Illustration: Fig. 77. Die Pacific-Bahnen Nordamerikas.]

1. Die +canadische Pacific-Bahn+, die nördlichste aller pacifischen

Linien; sie durchläuft das gesamte britische Territorium in Nordamerika

zwischen Ottawa an der atlantischen und Vancouver an der pacifischen

Küste, dabei nirgends das Gebiet der Union berührend. Die Linie

zieht von Ottawa durch das Ottawa-Thal und längs des Nipissing-Sees

durch Ober-Canada nach Fort William am Obern See. Von hier verläuft

sie nach der Stadt Winnipeg, südlich der beiden Winnipeg-Seen, und

überschreitet im Westen die Felsengebirge, um in Vancouver zu enden.

Die Gesamtlänge der Bahn, die in einem Zeitraum von nur sechs Jahren

gebaut wurde, beträgt circa 4461 km. Ihren Anschluß an den Atlantischen

Ocean erhält die Canada-Pacific-Bahn mittels der Interkolonial-Bahn.

Dieselbe beginnt in Halifax, der Hauptstadt der Halbinsel

Neuschottland, und geht durch Neuschottland und Neubraunschweig über

Point Levis (Quebec gegenüber) und Montreal nach Ottawa.

Die Aufgabe der canadischen Pacific-Bahn besteht vor allem darin, der

Kultur den Weg in das +Innere+ von Britisch-Amerika zu bahnen. Sie

hat aber auch, +wirtschaftlich+ betrachtet, ihre volle Berechtigung.

Canada birgt ungeheure Schätze von Nutzholz, weltberühmt ist der

Petroleumreichtum des Seengebietes, besonders zwischen dem Huronen- und

Erie-See; in Britisch Columbia finden sich äußerst ergiebige Goldlager,

ferner Platina, Silber und namentlich Kupfer in ungeheuren Quantitäten.

Desgleichen sind die Fischereien Britisch Columbiens vielleicht die

reichsten der Welt; hierzu kommt der große Reichtum von ganz Britisch

Amerika an Pelztieren, um derentwillen ja das gesamte Gebiet zuerst

besiedelt wurde.

Eine weitere Bedeutung der Bahn liegt darin, daß durch sie der +ganze

Orient und Japan dem Westen Europas wesentlich näher gerückt wird+ als

durch die Route über New-York und San Francisco. Nach +Tupper+ beträgt

die Wegverkürzung nach dem Osten Asiens auf dieser Route sogar 1000

englische Meilen.

Auch im Kriegsfalle wird die Bahn dem britischen Reiche von großem

Nutzen sein; denn in 14 Tagen kann England künftig Truppen und

Kriegsmaterial von der britischen Küste nach der Küste des Stillen

Oceans schaffen. Vancouver kann der Sitz einer militärischen

Niederlassung werden, von wo aus die englischen Streitkräfte die Küsten

von Rußland, China und Japan zu bedrohen und die britischen Kolonieen

und Besitzungen in Australien und im Stillen Ocean zu decken im stande

sein werden.

Von der Regierung wurden der Bahngesellschaft für den Bau dieser Bahn

11 Mill. Dollars Subvention bewilligt, ferner eine Schenkung von 25

Mill. Acres (10 Mill. Hektar) Land.

Seitens der Gesellschaft ist auch beabsichtigt, Dampferlinien auf dem

Stillen Ocean zwischen dem Endpunkt ihrer Bahn und China und Japan

einerseits und Australien andererseits zu errichten. Auf diese Weise

werden Reisende von Europa aus Japan und Hongkong schon in circa 27,

beziehungsweise 33 Tagen erreichen (Liverpool-Montreal 7-8 Tage,

Montreal-Vancouver 90 Stunden, Vancouver-Yokohama 14 Tage).

2. +Die Nord-Pacific-Bahn[125].+ Die Bahn, deren drei Ausgangspunkte

Duluth und Superior in Wisconsin und St. Paul in Minnesota sind,

führt durch Minnesota, Dakota, Montana, Idaho, Oregon und Washington

an den Stillen Ocean. Die Nord-Pacific-Bahn im +eigentlichen+ Sinne

endet jedoch schon in +Wallula Junction+ am Oregonflusse. Von hier

geht eine Linie der Oregon-Eisenbahn- und Schiffahrtsgesellschaft

über +Portland+ nach +Olympia+ und +Tacoma+ am Puget Sund. -- Die

Nord-Pacific-Bahn wurde, obwohl im Mai 1881 erst 150 englische Meilen

fertig gebaut waren, doch schon im September des Jahres 1883 in ihrer

ganzen Ausdehnung dem Verkehre übergeben[126]. Die Gesamtlänge der Bahn

von St. Paul bis Portland mißt 3077 km, und die Entfernung von New-York

(über Pittsburg, Chicago und St. Paul) nach +Portland+ beträgt 5203

km. Der höchste Tunnel der Bahn, 1070 m lang, liegt im Felsengebirge

in einer Höhe von 1696 m (zwischen den Orten Livingston und Bozema).

Ihr Glanzpunkt in landschaftlicher Beziehung ist die Teilstrecke

durch das bergerfüllte, romantische Montana. -- Die vom Kongreß der

Bahngesellschaft gewährten Landschenkungen betragen 46 Mill. Acres

(18,4 Mill. Hektar), was, zum Preise von nur 2,5 Dollar per Acre, die

hübsche Summe von 115 Mill. Dollars ausmacht.

Ein Hauptvorzug der Nord-Pacific-Bahn liegt in der Kürze der Linie

zwischen den Wasserstraßen des Ostens und dem Stillen Ocean. Die ganze

Strecke erfreut sich ferner eines gemäßigten Klimas; desgleichen sind

die von der Bahn durchzogenen Provinzen ungemein reich an vorzüglichem

Ackerland, sowie an vielen wertvollen Produkten. +Minnesota+ z. B.

besitzt die großartigsten Waldkomplexe; seine Wälder sind „die

große Holzkammer“ für sämtliche Mississippi-Staaten; dazu sind alle

Bedingungen zur Schöpfung eines „Agrikultur-Paradieses“ gegeben. Auch

+Dakotas+ Prärieboden ist zur Bodenkultur vorzüglich geeignet; ja

es wird im Hinblick auf die grandiosen Weizenernten, die es mühelos

gewährt, das „goldene“ genannt. +Montana+ zählt zu den reichsten

Erzgebieten der Union. Ihm gehören auch an die großartigen Wunder des

„Yellowstone-Nationalparks“. Im Quellgebiete des Yellowstone liegt

nämlich jenes merkwürdige Geisergebiet, das nach dessen Erforschern

sämtlichen Wunderregionen des amerikanischen Kontinentes weit

überlegen ist. Das Wasser wird hier in mächtigen Strudeln bis zu 80

m emporgeschleudert. Durch eine Zweiglinie der Nord-Pacific-Bahn

sind diese Wunder der Welt jetzt leicht zu erreichen. Was endlich

die Staaten +Oregon+ und +Washington+ betrifft, so besitzen dieselben

neben fruchtbaren, dem Ackerbau dienstbar gemachten Bodenflächen großen

Mineralreichtum, fast unerschöpflichen Bestand an Nutzholz und höchst

einträgliche Lachsfischereien. Auch Futterkräuter giebt das Erdreich

in Fülle, so daß das Terrain für die Produktion von Vieh sich höchst

geeignet erweist. Schließlich sei noch erwähnt, daß die Scenerieen des

Kolumbiaflusses, der zwischen Oregon und Washington die Grenze bildet,

mit zu den schönsten Amerikas gehören; sie bilden eine unaufhörliche

Folge fesselnder Landschaftsbilder bis Portland, bei welcher Stadt die

Bahn den Fluß verläßt.

Eine große Bedeutung im Weltverkehr und als Vermittlerin des Waren- und

Produktenaustausches zwischen zwei verschiedenen Weltgebieten wird die

Nord-Pacific-Bahn dann erhalten, wenn die schon jahrelang betriebenen

Arbeiten behufs Vertiefung und Verbreiterung derjenigen Kanäle,

welche die großen amerikanischen Seen mit dem Atlantischen Ocean in

Verbindung setzen, zum Abschluß kommen. Dann ist die Möglichkeit

geboten, große Segelschiffe von den östlichen Ausgangspunkten der

Bahn (Duluth, Superior) direkt nach Liverpool, Hamburg, Bremen u. s. w.

gelangen zu lassen. Ein ungeheures Territorium tritt damit neu in

den Weltverkehr ein. Die Folge davon wird nicht bloß darin bestehen,

daß der ökonomische Schwerpunkt der Vereinigten Staaten vom Osten

sich mehr nach der Mitte hin zieht; die durch die Nord-Pacific-Bahn

geförderte Entwicklung des amerikanischen Wirtschaftslebens wird auch

gar bald nachdrücklichst in die Interessensphäre der europäischen Welt

eingreifen.

[Illustration: Fig. 78. Dale-Creek-Viadukt.]

3. +Die Union- und Central-Pacific-Bahn.+ Sie beginnt bei Omaha

in Nebraska am Missouri und führt im allgemeinen längs des 41.

Breitengrades nach San Francisco. Von Omaha durchzieht die erste

Teilstrecke der Bahn das öde Nebraska. Im Anfange sieht man zwar

noch einige Kulturen; sie werden aber immer seltener, je weiter die

Bahn westwärts zieht. Bei Cheyenne endet die Ebene; die Bahn zieht

sich nun an der Ostseite der Felsengebirge zum Evanspaß empor und

hat bei Sherman in 2512 m Seehöhe ihren Kulminationspunkt. Hölzerne

Dächer bieten Schutz vor den Bedrohungen der Natur, und über die

wilde Schlucht des +Dale-Creek+ führt eine 38 m hohe Brücke, aus

mächtigen Hölzern erbaut (Fig. 78). Das nun folgende Gebiet zwischen

den Rocky Mountains und den Wahsatch-Bergen ist eine ebene Steppe

mit excessivem Klima; landschaftliche Abwechslung bietet nur die

Partie am Green-River; in den Durchbrüchen durch die Wahsatch

Mountains dagegen, im Echo- und Weber-Cañon, zeigt sich eine wild

pittoreske Gebirgslandschaft. Von hier an senkt sich die Bahn gegen

den großen Salzsee hinab, und in +Ogden City+ wird die Endstation der

Union-Pacific-Bahn erreicht. Die nun beginnende Central-Pacific-Bahn

führt zunächst noch durch wohlkultiviertes Mormonengebiet; westlich des

Salzsees aber folgt wieder Wüste und Steppe. Bei der Station Humboldt

beginnt der Aufstieg in die hochromantische Gebirgswelt der Sierra

Nevada. Diese Strecke ist der Glanzpunkt der ganzen interoceanischen

Linie. Hier rauschen dunkle Nadelwälder, Wildbäche schäumen von der

Höhe, und an Abgründen vorüber steigt die Bahn höher und höher, dabei

ihren Weg vielfach durch Tunnels nehmend oder zwischen Galerieen und

unter Schneedächern dahinziehend. In dieser Hochgebirgsnatur liegt

in 2146 m Seehöhe die Station +Summit+, der Scheitelpunkt der ganzen

Central-Pacific-Bahn. Hier, auf der Paßhöhe des Gebirges, ist auch die

Scenerie am großartigsten; Abgründe mit einer Tiefe bis zu 600 m gähnen

da in der Nähe der Trace, und 50 km lang dehnen sich die Galerieen

und Schutzwälle aus. Wie es auf dieser Höhe im Winter aussieht,

davon kann sich derjenige, welcher nicht selbst schon um diese Zeit

die Bahn befahren, nur schwer einen Begriff machen. Ungeheuer sind

die Schneemassen, die, vom Sturme gepeitscht, entweder meterhoch

die Bahn verlegen oder als Lawinen in die Tiefe donnern. Mit sieben

schweren Lokomotiven keucht hier im Winter der Kurierzug durch die

wirren Massen, welche Sturm und Niederschläge hier angehäuft; ja,

als der Reisende Gerhard Rohlfs im Winter 1876 die Sierra Nevada

passierte und hierbei von einem Schneesturm überrascht wurde, da

arbeiteten sogar +zwölf+ der größten Maschinen, um des Elementes

Herr zu werden. Um so herrlicher ist der Abstieg nach dem Goldlande.

Lauer wehen die Lüfte, die Vegetation wird reicher, und zwischen den

gigantischen Tannen und Cedern rauschen von den goldreichen Hängen

die Wasseradern. Die erste Station im kalifornischen Tieflande ist

+Junction+; dann folgt +Sacramento+, der eigentliche Endpunkt der

Central-Pacific-Bahn. Die Schlußstrecke von hier bis San Francisco ist

die „Western-Pacific-Bahn“, welche früher hergestellt wurde als die

große interoceanische Schienenverbindung.

Der Weltverkehr Telegraphie und Post, Eisenbahnen und Schiffahrt, in ihrer Entwickelung dargestellt · 第 21 / 50 段