Wegen ihrer +Ausstattung+ bemerkenswert sind die ebenerwähnten

Postkarten der Insel +Neufundland+. Die aus weißem Papier

hergestellten, mit Randverzierungen geschmückten Formulare tragen in

grüner Farbe den Vermerk „~Newfoundland~“ und „~Post-Card~“ auf einem

netzartigen, fein ausgeführten Untergrunde, welch letzterer von einem

aus der linken untern Ecke der Karte ausgehenden und über die ganze

Fläche sich ausbreitenden Strahlenbündel durchschossen ist. Einen nicht

weniger bunten Anblick gewähren die Karten der Republik +Guatemala+ mit

schwarzem Druck auf Chamois-Papier. Sie führen in der Mitte der obern

Hälfte ihrer Vorderseite einen Frauenkopf in ovalem Rahmen (mit der

Umschrift „~¼ Quartillo real~“), welcher mit Arabesken von Blätterwerk

umgeben ist, und unter dem sich in verziertem Druck die Angabe „~Cartas

postales de la Republica de Guatemala~“ befindet. Ferner sind hier noch

die +Helgoländer+ weißen Welt-Postkarten zu 10 Pf. zu erwähnen, welche

mit ihrer Umrahmung zusammengeknoteter Taue und ihren aus stiller See

aufsteigenden Felsblöcken, die sich zu den einzelnen Buchstaben des

Wortes „Helgoland“ zusammensetzen, zugleich bildlich ihren Ursprung

von dem kleinen Eilande zur Anschauung bringen. Über „Helgoland“

steht „~Union postale universelle~“ und links in der obern Ecke das

helgoländische Wappen mit einem Wimpel, welcher den Wertstempel von 5

~farthings~ trägt. Daß der Wertstempel in der obern linken Ecke steht,

findet man sonst nur bei den Briefkarten von Italien und der Schweiz.

Bei denjenigen von Cuba, Guatemala, Portorico und Spanien befindet er

sich oben in der Mitte. Alle anderen Briefkarten sind in der rechten

obern Ecke gestempelt. Betreffs der Postkarten mit Antwort ist noch

erwähnenswert, daß diejenigen von Finnland und Schweden sich von denen

anderer Länder dadurch unterscheiden, daß sie nicht an der breiten,

sondern an der schmalen Seite gespalten sind.

Seitdem in Deutschland auch die von der +Privatindustrie+ hergestellten

Postkarten verwendet werden dürfen, ist den Korrespondenten das denkbar

größte Maß von Bequemlichkeit gewährt. In allen größeren Städten stehen

gegenwärtig in bedeutenderen Papiergeschäften Postkarten zum Verkaufe,

die auf ihrer Rückseite die Mitteilungen für ganz bestimmte Zwecke

gleich vorgedruckt enthalten und von den Absendern nur noch mit der

Aufschrift zu versehen sind.

Wenn auch vielen der erwähnten Karten eine tiefere Bedeutung nicht

zuzumessen ist, so zeigt doch, neben dem wahrhaft riesigen Verbrauch

der gewöhnlichen Karten, ihr Vorhandensein und ihre immerhin nicht

unbedeutende Benutzung ebenfalls, wie sehr die Postkarte beliebt

geworden, und wie die Erwartungen, welche der Erfinder der Postkarte

in seiner Denkschrift an sie knüpfte, sich nicht allein erfüllt haben,

sondern in Wirklichkeit noch übertroffen wurden.

Von Nachteil ist der massenhafte Verbrauch von Postkarten nur für

die Kunst der „Briefstellerei“; wird sie doch schon jetzt als eine

verlorene Kunst beklagt.

Zum Schlusse sei noch erwähnt, wie in den ersten Monaten nach

Einführung der Postkarte dieselbe zu tausenderlei üblen und losen

Streichen benutzt wurde. Besonders zeigte sich das muntere und

lebenslustige Wien anfangs unerschöpflich in der Ausbildung des neuen

Genres der „Korrespondenzkarten-Witze“.

4. +Die Zeitungen+[109]. Zeitungen kennt bereits das Altertum. Das

erste Bild einer solchen haben wir in den römischen ~Annales maximi~,

und der Urvater aller Journalisten ist der ~Pontifex maximus~. Nicht

lange nach Gründung der Stadt Rom nämlich, wahrscheinlich unter Numa,

wurde es dem Oberpriester zur Pflicht gemacht, die Chronik, welche er

zu führen verbunden war, auf eherne Tafeln zu schreiben und öffentlich

auszustellen, so daß jeder aus dem Volke sich über das kürzlich

Vorgefallene regelmäßige, vielleicht wöchentliche Kunde einholen

konnte, und nicht bloß das Geschehene allein gelangte auf diese

Weise zur Veröffentlichung, auch Bestimmungen der Regierung wurden

angeschlagen, so daß die ~annales maximi~ auch den Charakter einer

+offiziellen+ Zeitung an sich trugen.

Wohl durch vier bis fünf Jahrhunderte blieb die ursprüngliche Form

unverändert, bis endlich die Abfassung dieser Zeitung mit dem

Oberpriester P. Mucius ein Ende nahm und dieselbe durch ein Tageblatt,

die ~Acta populi romani diurna~, ersetzt wurde, denen sich unter Cäsar

noch die ~Acta senatus~ zugesellten.

Das Volk wurde jetzt von den täglichen Vorgängen, namentlich von allen

wichtigen Beratungen und Beschlüssen des Senates, in Kenntnis gesetzt,

und so sehen wir tatsächlich zu Anfang unserer Zeitrechnung Rom im

Besitze von zwei eminent politischen Zeitungen.

Mit dem Eintritt der Kaiserzeit verschmolzen die bisher bestehenden

zwei Zeitungen in +eine Staatszeitung+. Leider blieb uns kein Exemplar

derselben erhalten, doch sind wir durch ihr entnommene Anführungen

gleichzeitiger Schriftsteller über deren Inhalt genügend unterrichtet.

Die Kriegsnachrichten fehlten z. B. niemals. Die Schlachten und

Erstürmungen eingenommener Plätze waren ausführlich gegeben.

Gladiatorenkämpfe, wunderbare Naturerscheinungen, Volksfeste fanden

darin ihre Beschreibung. Der größte Teil der Staatszeitung war aber mit

Hofnachrichten gefüllt; Feste und Ceremonien ebenso, wie die Reisen des

Kaisers waren ausführlich geschildert, sein Lob und Preis passenden

und unpassenden Orts angebracht. Auch das Inseratenwesen scheint schon

bestanden zu haben; denn die Staatszeitung veröffentlichte nicht nur

die öffentlichen Versteigerungen und Bauunternehmungen, sondern auch

Privatmitteilungen von Sterbefällen, Hochzeitsanzeigen u. s. w. Im

+wesentlichen+ stimmte demnach die römische Staatszeitung mit unseren

+heutigen+ Blättern überein.

Mit dem Verfalle Roms verfiel auch das Zeitungswesen, und unter den

Trümmerhaufen, in welche die wiederholten Einfälle unserer Vorfahren

die Stadt verwandelten, wurde und blieb das Zeitungswesen begraben.

Ein schwacher Wiederschein desselben glänzte indes noch einige Zeit

hindurch am Hofe von Byzanz, wo sich die Schmeichelei der Höflinge in

den ~Breviaria principum~ und ~Registra scribarum~ ablagerte. Aber auch

dieses letzte Aufflackern des Lebensgeistes der Zeitung erlosch, als

jene furchtbare Zeit über Europa hereinbrach, die für Jahrhunderte den

Boden aller Länder mit Blut tränkte, überall die Schrecken des Krieges

und Mordes, der Verwüstung und Zerstörung verbreitete und alle Völker

aus ihren Wohnsitzen vertrieb.

Zu einer Neubelebung des Zeitungswesens kam es erst wieder mit der

Erfindung der Buchdruckerkunst. Bis auf diese Zeit waren wie im

Altertum heimkehrende Krieger oder länderdurchziehende Sänger die

Neuigkeitsträger.

Was nun die Anfänge +unseres+ Zeitungswesens betrifft, so haben

wir diese in den +brieflichen Mitteilungen+ zu suchen, welche die

größeren Kaufleute Augsburgs, Nürnbergs, Hamburgs und anderer Städte

durch festbesoldete Korrespondenten von den bedeutendsten auswärtigen

Plätzen sich zusenden ließen. Diese Briefe enthielten nämlich nicht

bloß Geschäftliches, sondern es waren ihnen auf besonderen Blättern

auch politische Nachrichten beigefügt. Die letzteren wurden bald auch

gedruckt und als +fliegende Blätter+ in weiteren Kreisen verbreitet.

Das älteste derartige bis jetzt bekannte +Flugblatt+ stammt aus dem

Jahre 1493. Diese unregelmäßig gemachten Mitteilungen befriedigten

indes nicht lange. Die durch die Reformation in Deutschland

hervorgerufenen Ereignisse haben das Bedürfnis nach regelmäßig

und öfters erscheinenden Blättern geweckt und so deren Entstehung

veranlaßt. Die +älteste, in regelmäßigen Fristen+ herausgegebene

+Zeitung in deutscher Sprache+ ist 1609 in Straßburg i. E.

erschienen[110]. Ihr Titel lautet wie folgt:

„Relation aller Fürnemmen und gedenkwürdigen Historien, so sich hin

und wider in Hoch und Nieder Teutschland, auch in Frankreich, Italien,

Schott und Engelland, Hispanien, Hungarn, Polen, Siebenbürgen,

Wallachey, Moldaw, Türkey etc. Inn diesem 1609. Jahr verlauffen und

zutragen möchten. Alles auff das trewlichst, wie ich solche bekommen

und zu wegen bringen mag, in Truck verfertigen will.“

Als +zweitälteste deutsche Zeitung+ ist die von +Egenolf Emmel+ 1615

herausgegebene +Frankfurter Zeitung+ zu betrachten. Die drittälteste

Zeitung Deutschlands begründete 1617 der Frankfurter Postmeister von

den Birghden. In demselben Jahre erschienen noch eine Zeitung in

+Berlin+ und die „Frankfurter Postavisen“. Aus dem Jahre 1618 stammt

der „Fuldaische Postreiter“. Die älteste Zeitung, die in Nürnberg

erschienen und uns erhalten ist, trägt die Jahreszahl 1620, und die

erste Zeitung, die von Hamburg ausgegangen, gehört in das Jahr 1631.

In Wien sollen gleichfalls schon frühe Zeitungen entstanden sein, doch

datieren die aus frühester Zeit noch erhaltenen Zeitungsexemplare erst

aus dem dritten Jahrzehnt des 17. Jahrhunderts. Die ersten Zeitungen

in München wurden wohl 1628, beziehungsweise 1629 ausgegeben; sie

heißen „Wöchentliche Ordinari-Zeitungen“, beziehungsweise „Ordentliche

Wochentliche Postzeitungen“. Auch in Köln gab es im Jahre 1636 eine

Zeitung, die den Titel führte: „Wochentliche Postzeitungen“.

Die bis jetzt angeführten Zeitungen waren nur Wochenblätter. Die

erste +täglich+ erscheinende Zeitung kam 1660 in Leipzig zur Ausgabe.

Der Titel der ersten Nummer ist folgender: „Erster Jahr Gang der

Täglich neu umlauffenden Kriegs- und Welthändel oder zusammengetragene

unparteyliche ~Nouvelles~ Wie sich die Im Jahr 1660 in und außer der

Christenhait begeben und Von Tagen zu Tagen in Leipzig schriftlich

einkommen In guter Ordnung und einem vornemlichen Stilo nebst einem

Register unter Churfl. Durchl. zu Sachsen gnädigsten Freiheit also

colligirt von Thimotheo Hitzschen. ~Lips. Not. P. C.~“

Was das Erscheinen von Zeitungen +außer Deutschland+ betrifft, so

wurden solche zuerst zu +Venedig+ seit 1536 als handschriftliche

Notizen, ~notizie scritte~, herausgegeben, und zwar aus Anlaß

des Krieges dieser Republik mit der Türkei. Gegen Zahlung einer

~Gazzetta~[111], einer Scheidemünze, konnten diese Blätter an

öffentlichen Orten gelesen werden. In +London+ erschienen auf Befehl

Lord Burleighs beim Herannahen der Armada (1588) die ersten Zeitungen.

Die erste +regelmäßige+ wöchentliche Zeitung aber kam in England erst

seit 1622 zur Ausgabe. Gegen +Ende+ des 17. Jahrhunderts erschienen in

England: Die Londoner Post, das Paketboot aus Holland, die fliegende

Post, der alte Postmeister, der Postillon, der Postreiter. Diese Namen

beweisen zugleich, in welch engem Zusammenhang das Zeitungswesen

und die Post von Anfang an gestanden. In der That konnte ja eine

Zeitung überhaupt erst regelmäßig erscheinen, seit es regelmäßige

Postverbindungen gab und Nachrichten aus den verschiedenen Orten zu

bestimmten Zeitpunkten eintrafen. Die enge Verbindung von Post und

Zeitungswesen zeigt sich übrigens auch darin, daß Postmeister vielfach

als Herausgeber von Zeitungen auftraten, so z. B. der schon erwähnte

Postmeister von den Birghden in Frankfurt; ja der Name Postmeister

wird sogar ganz gleichbedeutend mit „Zeitungsschreiber“ gebraucht, so

in Stielers Abhandlung „Zeitungslust und Nutz“ (1695). In +Frankreich+

kennt man die ersten Blätter erst seit 1621.

Als die älteste gedruckte und regelmäßig ausgegebene Zeitung gilt

die in Peking noch jetzt erscheinende Staatszeitung Sin-Pao (Neue

Nachrichten).

Nach +Mulhall+[112] erschien die +erste+ Zeitung

im Jahre

in Großbritannien 1622

„ Skandinavien 1644

„ Spanien 1704

„ Rußland 1714

„ Holland 1757

„ Belgien 1764

„ der Union 1704

„ Spanisch-Amerika 1728

„ Westindien 1731

„ Canada 1765

„ Brasilien 1780

„ Indien 1781

„ der Türkei 1797

„ Australien 1803

„ Afrika 1824

auf den Sandwich-Inseln 1835

In neuester Zeit hat das Zeitungswesen einen ganz außerordentlichen

Aufschwung genommen. Für Deutschland läßt sich dies aus nachstehender

Übersicht über die in die Zeitungspreisliste der deutschen Reichspost

aufgenommenen Zeitungen und Zeitschriften entnehmen.

-----+-------------+-------+-------------------------------------------

| Gesamtzahl |Zunahme|Von der Gesamtzahl der Zeitungen erschienen

| der | in | in den Ländern des | in | in

Jahr.|aufgenommenen|Prozen-| jetzigen Reichs- | Bayern u. | anderen

| Zeitungen. | ten. | postgebietes. |Württemberg.| Ländern.

-----+-------------+-------+--------------------+------------+---------

1823 | 474 | -- | 243 | 41 | 190

1833 | 1159 | 140 | 646 | 67 | 446

1843 | 1310 | 13 | 788 | 71 | 451

1853 | 1751 | 34 | 1074 | 100 | 577

1863 | 2763 | 58 | 1642 | 148 | 973

1873 | 5579 | 102 | 2730 | 511 | 2338

1883 | 8529 | 53 | 4192 | 730 | 3607

1885 | 8925 | -- | -- | -- | --

1873 wurden im deutschen Reichspostgebiete durch die Postanstalten

248154482 Zeitungsnummern vertrieben. Für das Jahr 1884 stellt sich

dieser Verkehr nach der Berner Statistik auf über 489 Mill. Nummern.

Das bedeutendste +Postzeitungsamt der Welt+ ist das von Berlin. Es

werden durch dasselbe jährlich über 90 Millionen Zeitungsexemplare

expediert. Der tägliche Versand beläuft sich auf 244000 Nummern,

welche täglich an 4721 Postanstalten in 10566 Paketen mittels

448 Zeitungssäcken auf 46 Postfahrzeugen zur Eisenbahn befördert

werden[113].

Die journalistisch produktivste +Stadt+ der Welt ist in absoluter wie

relativer Hinsicht +Paris+. Hier werden über 1500 Journale gedruckt,

und auf 1000 Einwohner entfallen über 600 Exemplare.

Die +Zahl+ der dermalen auf der Erde erscheinenden Zeitungen und

Zeitschriften wird auf rund 40000 geschätzt. Nach Erdteilen und Ländern

verteilt, kommen in runder Summe auf

+Europa+ 20000

Deutschland 5500

England 4000

Frankreich 4000

Italien 1500

Österreich-Ungarn 1200

Spanien 850

Rußland 800

+Amerika+ 13600

Vereinigte Staaten 12900

Britisch Nordamerika 700

+Asien+ 3000

Japan 2000

+Australien+ 700

+Afrika+ 200

Das +zeitungsreichste+ Land der Erde ist hiernach die +Union+; ihr

kommt zunächst +Deutschland+.

Ordnet man sämtliche auf der Erde erscheinenden Zeitungen nach

den +Sprachen+, so finden wir in erster Reihe 16500 englische

Publikationen, sodann 7800 deutsche, 6850 französische, 1600 spanische.

Das +verbreitetste Blatt der Welt+ ist ~„Le petit Journal“~ in Paris.

Nach dem Rechenschaftsbericht der Gesellschaft für 1885 beträgt die

Auflage 825000 Exemplare; gegenwärtig wird die Zeitung sogar in 886000

Nummern gedruckt, und an manchen Tagen erreicht die Auflage die Ziffer

von einer Million. Die Aktionäre empfingen pro 1885 17% Dividende.

Dann folgen nach der Zahl der Abonnenten zwei englische Zeitungen:

~„Daily Telegraph“~ mit 265000 und ~„Standard“~ mit 250000 Abonnenten.

Letzteres Blatt zählt jedenfalls auch zu den bestrentierenden; denn pro

1883 soll es volle 100000 Pfd. St., also rund 2 Mill. M. Reingewinn

abgeworfen haben. Der New-Yorker „Herald“ hat eine Auflage von 190000

Exemplaren.

Von den +deutschen Zeitschriften+ werden gedruckt die „Modezeitung“ in

344000, die „Gartenlaube“ in 260000, „Über Land und Meer“ in 150000,

„Der Bazar“ in 100000, „Daheim“ in 90000, die „Illustrierte Welt“ in

107000, „Schorers Familienblatt“ in 75000, „Vom Fels zum Meer“ in

60000 Exemplaren; auch humoristische Blätter brachten es auf eine hohe

Zahl von Abonnenten: „Ulk“ auf 80000, „Fliegende Blätter“ auf 52000,

„Kladderadatsch“ auf 40000.

Die +nördlichste+ Zeitung der Erde erscheint in Hammerfest, 70° 63′ n.

Br. -- der „Hammerfestposten“, -- und die +südlichste+ in Dunedin auf

Neuseeland, 45° s. Br. -- ~„The Otago Daily“~. In Kokomo bei Leadville

(Staat Colorado) aber, 11860′ hoch, wird die +höchste+ Zeitung

gedruckt; sie trägt deshalb mit Stolz die Bemerkung an ihrem Kopf:

~„Published at a higher altitude then any other paper.“~

Anhang.

Die finanziellen Ergebnisse des Postbetriebs

in den wichtigsten europäischen und außereuropäischen Staaten im Jahre

1884[114].

-----------------+-------------+-------------+------------+------------

Länder. | Einnahmen | Ausgaben | Mehr-Einn.|Minder-Einn.

| in Franken. | in Franken. | in Franken.| in Franken.

-----------------+-------------+-------------+------------+------------

Belgien | 13913034.35| 9160813.73| 4752220.62| --

Dänemark | 5991960.76| 5422095.30| 569865.46| --

Deutschland | 233466422.14| 200057079.26| 33409342.88| --

Frankreich | 162532411.15| 134695101.30| 27837309.85| --

Großbritannien | | | |

und Irland | 197660150.--| 132930325.--| 64729825.--| --

Italien | -- | -- | -- | --

Niederlande | 11368766.89| 8692847.93| 2675918.96| --

Norwegen | 2951155.24| 3026378.01| -- | 75222.77

Österreich | 61873153.--| 51024270.--| 10848883.--| --

Portugal | 3442379.39| 3481051.80| -- | 38672.41

Rumänien | 3981098.25| 3268708.31| 712389.94| --

Rußland | 64470416.--| 69938864.--| -- | 5468448.--

Schweden | 8708900.--| 7724100.--| 984800.--| --

Schweiz | 17329455.96| 15808293.38| 1521162.58| --

Spanien | -- | -- | -- | --

Ungarn | 21107567.30| 16486731.42| 4620835.88| --

Vereinigte | | | |

Staaten v. | | | |

Amerika | 228235749.37| 249031986.72| -- | 20796237.35

Canada | 11653706.90| 14656939.--| -- | 3003232.10

Brasilien | 4330021.35| 17288575.69| -- | 12958554.34

Argentinien | 2904154.65| 3382296.20| -- | 478141.55

Chile | 1942122.50| 1884900.10| 57222.40| --

Britisch-Indien | 26193000.--| 26173625.--| 19375.--| --

Niederländisch- | | | |

Indien | 1650950.84| 4261522.09| -- | 2610571.25

Ägypten | 2743262.64| 2176442.10| 566820.54| --

Algier und | | | |

Tunis | 3661613.18| 4136669.06| -- | 475055.88

III.

Eisenbahnen.

Erstes Kapitel.

Geschichte der Eisenbahnen[115].

Die Geschichte der Eisenbahnen gliedert sich in die +Geschichte der

Spurbahn+ und in die +Geschichte der Lokomotive+. Verfolgen wir

zunächst die +Geschichte der Spurbahn+!

Die ersten Anfänge der Spurbahn reichen bis in das graueste Altertum

zurück. Schon im Lande der Pharaonen gab es meilenweit ausgedehnte, mit

vertieften Geleisen versehene Steinbahnen, auf denen die Materialien

zum Bau der Pyramiden herbeigeschafft wurden. Auch findet man deutliche

Reste solcher Bahnen in den Ruinen von Palmyra und Baalbek und in

der Umgegend von Cyrene; letzteres war mit vielen, heute in Trümmern

liegenden Städten der libyschen Wüste durch derartige Verkehrswege

verbunden. Eine besonders große Verbreitung hatten die Bahnen mit

feststehenden Geleisen oder die Spurbahnen in Griechenland, und zwar

dienten dieselben hauptsächlich als Tempelstraßen, welche von den

Prozessionen, den heiligen Wagen und den Opferfuhrwerken benutzt

wurden. Diese Bahnen waren sogar mit Ausweichestellen versehen, was

sich an den noch erhaltenen Geleisen beim Cerestempel zu Eleusis

deutlich erkennen läßt. Gleich den Griechen hatten auch die Römer

derartige Kommunikationsmittel, wie die bei Pompeji gefundenen

Steinbahnen zeigen. Späterhin traten an Stelle derselben die breiten

ebenen Heerstraßen, auf welchen die gewaltigen Legionen des Weltreiches

sich bewegten.

Nach der Völkerwanderung gerieten die alten Kunststraßen mehr und mehr

in Verfall, und innerhalb des langen Zeitraums, welcher die Kreuzzüge,

die Blüte der Hansa, Genuas und Venedigs und die Eroberung Amerikas

umfaßt, war der Verkehr hauptsächlich auf die Wasserstraßen angewiesen.

Es gab während dieser Zeit, abgesehen von den Schöpfungen der dem

Untergang geweihten amerikanischen Kultur, den Heereswegen der Azteken

und der Inkastraße auf dem Rücken der peruanischen Anden, kein einziges

wirkliches Kunststraßen-System.

Den ersten Anfängen eines verbesserten Wegebaues begegnen wir

neuerdings erst gegen das Ende des fünfzehnten Jahrhunderts in den

deutschen Bergwerken, in denen die Spurbahn in anderer Gestalt, und

zwar als Holzbahn, wieder auftauchte. Diese Holz- oder Riegelbahn

diente zur Beförderung der Erze aus den Gruben und bestand aus parallel

liegenden starken Balken, welche auf Querhölzern ruhten. Da aber die

hölzernen Balken, auf denen die Erzkarren geschoben wurden, sich

schnell abnutzten, ging man bald dazu über, diese Holzschienen an den

Krümmungen und an anderen der Abnutzung besonders ausgesetzten Stellen

mit Bandeisen zu beschlagen, welche unter dem Namen „Reibeisen“ bereits

in der ersten Hälfte des sechzehnten Jahrhunderts sehr gebräuchlich

waren.

Von Deutschland gelangten die Holzschienen vermutlich schon zur Zeit

der Königin Elisabeth, welche zur Hebung des britischen Bergbaues

deutsche Bergleute berief, nach England. Nachweisbar wurde diese

Einrichtung in dem genannten Lande erst vom Jahre 1620 benutzt, und

zwar in den Steinkohlen-Bergwerken von Newcastle upon Tyne. Nach

deutschem Vorgange sah man sich auch in den englischen Bergwerken bald

genötigt, die hölzernen Schienen zur Vermeidung der schnellen Abnutzung

mit Eisenstreifen zu benageln.

Derartige hölzerne Spurbahnen mit Eisenstreifen mußten anderthalb

Jahrhunderte genügen, bis ein Zufall zur Verwendung von Schienen, die

ganz aus Eisen hergestellt waren, Anlaß geben sollte. Als nämlich

im Jahre 1767 die Eisenpreise außerordentlich niedrig standen, ließ

das große Eisenwerk Colebrook-Dale den unverkäuflichen Eisenvorrat

in Ermanglung einer bessern Verwertung in konkave Platten gießen

und einstweilen an Stelle der Holzschienen auf eine Spurbahn legen,

bis sich Gelegenheit zu günstigerem Verkaufe böte. Die neue Bahn

bewährte sich indes derart, daß sie auch nach dem Wiedereintritt

besserer Konjunkturen beibehalten wurde. Auf +diese+ Weise sind die

+Eisenbahnen+ entstanden. Da jedoch die gußeisernen Platten sich als

unvollkommen und zu kostspielig erwiesen, so ersetzte man dieselben

später durch schmale, auf hölzernen Unterlagen ruhende gußeiserne

Schienen. In dieser verbesserten Gestalt fanden dann die Eisenbahnen

in dem Bergbau und dem Fabrikbetriebe Englands eine große Verbreitung.

Auch in dem weniger eisenreichen Deutschland wurden in einzelnen

Bergwerken, wie z. B. in der Grube Dorothea bei Klausthal, eiserne

Schienenwege angelegt. Im allgemeinen verhielt man sich jedoch in

unserem Vaterlande mißtrauisch gegenüber der Neuerung, und die

Probeversuche tüchtiger Ingenieure fanden bei den Regierungen keine

Unterstützung. Die wichtigeren Verbesserungen, welche in dieser Zeit

an den Eisenbahnen vorgenommen wurden, rühren daher ausschließlich von

Engländern her. So hat +Benjamin Curr+, von dem, nebenbei bemerkt, auch

die Spurweite (1,436 m oder genau 5 engl. Fuß) unserer modernen Bahnen

stammt, im Jahre 1776 an der Peripherie der Räder einen vorstehenden

Rand angebracht, um hiedurch das Abgleiten derselben von den Schienen

zu verhindern. Einen neuen Fortschritt bahnte dann +Outram+ an, indem

er steinerne Blöcke oder Tragsteine als Unterlagen statt der hölzernen

Langschwellen in Verwendung brachte, so daß die Schiene innerhalb

fester Stützen zu einer freischwebenden wurde.

Das Gußeisen erwies sich indes wegen seiner Sprödigkeit als

Schienenmaterial nicht sehr geeignet; es war daher ein weiterer

bedeutender Schritt in der Entwicklung der Eisenbahn, als 1805 +Nixon+

auf der Walbottle-Grube Versuche mit +schmiedeisernen+ Schienen machte;

und als 1820 +John Berkinshaw+ auf dem Bedlington-Eisenwerke bei

Durham das +Walzen+ der Schienen erfand, war die Grundlage für die

Oberbausysteme der Eisenbahnen gegeben.

[Illustration: Fig 47. Der Dampfwagen Cugnots.]

Wenden wir uns nun zur Geschichte der +Lokomotive+!

Der Weltverkehr Telegraphie und Post, Eisenbahnen und Schiffahrt, in ihrer Entwickelung dargestellt · 第 16 / 50 段