4. +Postaufträge.+ Durch das Postauftragsverfahren ist es möglich,

durch die Post die Einziehung von Schuldbeträgen bis zur Höhe von 600

M. bewirken zu lassen. Den umfangreichsten Verkehr hat auch in diesem

Geschäftszweige +Deutschland+ aufzuweisen mit einem Gesamtbeträge von

gegenwärtig jährlich 519 Mill. Frcs. Dann folgen Belgien mit 390 Mill.

und Frankreich mit 140 Mill. Auch das Postauftragsverfahren hat noch

nicht in sehr vielen Ländern Eingang gefunden[80].

5. +Postsparkassen+[81]. Mißstände in der Verwaltung der in England

bestehenden Privatsparkassen veranlagen 1860 den Banquier +Sykes+

aus Huddersfield, dem englischen Ministerium die Errichtung von

+Postsparkassen+ vorzuschlagen. Dieser Vorschlag fand lebhaften

Anklang, und 1861 bereits wurden dort die ~Post Office Saving Banks~

begründet.

Auf dem europäischen Kontinente folgte dem Beispiele Englands

zuerst +Belgien+, und zwar am 1. Januar 1870. 1875 gelangten die

Postsparkassen zur Einführung in +Italien+, 1880 in den +Niederlanden+,

1882 in +Frankreich+, 1883 in +Österreich+, am 1. Januar 1884 in

+Schweden+, und Ende des Jahres 1884 ist auch in +Deutschland+

ein diesbezüglicher Gesetzentwurf seitens der Reichsregierung dem

Reichstage vorgelegt worden. Leider wurde derselbe seitens des

Reichstags abgelehnt. Bei der Reform des +dänischen+ Sparkassenwesens

im Jahre 1879 scheiterte die Einführung der Postsparkassen nur an dem

Bedenken, daß den mäßig besoldeten Postbeamten daraus eine größere Last

erwachsen könnte. In +Ungarn+ wird gleichfalls die Einführung derselben

beabsichtigt und ebenso in der +Schweiz+.

+Außerhalb Europas+ richtete zuerst +Canada+ (1882: 51463 Conti mit

9473661 Dollars Gesamtguthaben) Postsparkassen nach englischem Muster

ein; dann folgten die +Straits-Settlements+ (Straßenansiedlungen an

der Straße von Malacca) und andere englische Kolonieen (Victoria 1879:

49233 Einleger mit 950101 Pfd. St.). 1875 führte auch +Japan+ das

Postsparkassen-Institut ein, beiläufig mit dem Erfolge, daß am Ende

des Rechnungsjahres 1881/82 die Zahl der Einnahmestellen 1164, die

Zahl der Einleger 221000 und die Summe der Einlagen nahezu 4 Mill. M.

betrug. Endlich hat auch die +britisch-indische+ Regierung, zunächst in

der Provinz Bengalen und im Nordwesten Indiens, einen diesbezüglichen

Versuch gemacht. Dem nordamerikanischen Repräsentantenhause ist bereits

vor längerer Zeit eine Bill vorgelegt worden, welche die Einrichtung

der Postsparbanken auch für die Vereinigten Staaten empfiehlt.

Die Organisation des Postsparkassenwesens ist übrigens noch nicht

abgeschlossen. Schon besteht zwischen Frankreich und Belgien ein

Vertrag, kraft dessen das Guthaben der Einleger ohne Kosten von einem

Lande aufs andere übertragen werden kann, desgleichen zwischen Belgien

und den Niederlanden. Ähnliche Übereinkommen will Frankreich auch mit

England, Italien und Österreich abschließen, und diesen Kartellen

gedenken auch die Niederlande beizutreten. So ist bereits der Anfang

gemacht zu einer +internationalen Organisation der Postsparkassen+,

welche im Weltpostverein leicht weitere Ausbildung wird erfahren können.

Die wahrhaft großartige Entwicklung dieses Instituts, dem so hohe

wirtschaftliche und moralische Bedeutung zukommt, veranschaulichen

folgende Zahlen:

~a.~ +England+.

-----+---------+---------------------+-----------------------+---------

| | Einlagen. | Rückzahlungen |Verblei-

Jahr.| Zahl der+---------+-----------+-------------+---------+bende

|Einleger.|Zahl der |Betrag in |Zahl d. Rück-|Betrag in|Einlagen.

| |Einlagen.|Pfd. St. |zahlungen. | Pfd. St.|Betrag in

| | |[82] | | |Pfd. St.

-----+---------+---------+-----------+-------------+---------+---------

1861 | 24826 | 46643 | 167530 | 1702 | 6759| 160771

1862 | 178495 | 592573 | 1947139 | 95592 | 431618| 1515521

1863 | 319669 | 842848 | 2649918 | 197431 | 1026207| 1623711

1870 | 1183153 | 2135993 | 5995121 | 787172 | 4758187| 1236934

1875 | 1777103 | 3132533 | 8783852 | 1112637 | 7325561| 1458291

1880 | 2184972 | 3754689 | 10301152 | 1465331 | 9346834| 954318

1882 | 2858976 | 6151469 | 13712859 | 1935129 | 10869533| 2843326

1884 | -- | 6458707 | 14510411 | 2198792 | 12530563| 1979848

Ende 1884: Bestand der Sparkassenguthaben 44773773 Pfd. St., d. i. rund

895½ Mill. M.

Die Benützung der Postsparkassen ist demnach in England eine sehr rege.

Nach ihrem großen Umsatz und insbesondere nach den beträchtlichen

Rückzahlungen, welche sie zu machen hatten, erscheinen sie als das,

was sie sein sollen: die Aufbewahrungsstellen augenblicklich nicht zu

verausgabender Beträge, die den eintretenden notwendigen Bedürfnissen

zufolge später doch zurückgezogen werden müssen und als Ersparnisse

nicht verbleiben können.

Um noch kleinere Ersparnisse als die des Einlageminimums von +einem+

Schilling (l M.) möglich zu machen, sind unter freier Mitwirkung von

gemeinnützigen Kreisen die sog. Pennybanken gegründet worden, welche

dem Sparer eine Karte zum Aufkleben von zwölf Stück Pennymarken

unentgeltlich verabfolgen und ihm Marken verkaufen.

Im Jahre 1880 wurden vom Generalpostmeister +Fawcett+ auch diese

Sparkarten eingeführt. Wer sparen will, erhält von den Postämtern

eine Karte mit einer Pennymarke gegen Zahlung eines Pennys. Wer zwölf

solcher Marken auf seine Karte geklebt hat, trägt dieselbe auf das

nächste Postamt, wo man sie ihm als eine auf seinen Namen lautende

Einlage im Betrage von 1 Schilling (12 Pence) abnimmt. Auch diese

Einrichtung hat sich trefflich bewährt.

In +socialpolitischer+ Hinsicht leisten die englischen Postsparkassen

auch dadurch gute Dienste, daß sie jeder gesetzlich registrierten

Unterstützungs-, Wohlthätigkeits- und Versorgungs-Gesellschaft

gestatten, ihre Gelder und Überschüsse auf Verzinsung anzulegen.

Hiermit genießen diese Gesellschaften ebenfalls die große Sicherheit

der Anlage ihrer Gelder und pünktliche, gleichmäßige Verzinsung.

Es sind dies besonders schätzenswerte Vorteile für diese Art von

Gesellschaften, deren ganzes Wesen zur größtmöglichen Sicherheit der

Anlage des Kapitals und eines zuverlässigen Eingangs der Zinsen nötigt.

So hat +Gladstone+ sicher recht, wenn er sagt: ~The Post Office Saving

Banks are the greatest and most important work, ever undertaken by the

Government for the benefit of the nation~ (Die Postsparkassen sind die

bedeutendste und wichtigste Einrichtung, die jemals von der Regierung

zur Wohlfahrt der Nation getroffen worden).

Da auch die Gesetzgebungen anderer Länder, insoweit diese

Postsparkassen eingeführt haben, die Bestimmungen der +englischen+ in

ihren wesentlichen Grundzügen annahmen, so ist es wohl gerechtfertigt,

diese der Hauptsache nach vorzuführen.

Die ~Post Office Saving Bank~ ist eine Abteilung der Postverwaltung;

sie führt Rechnung und Verwaltung über die durch die Postämter

gesammelten Einlagen; auf ihre Anordnung erfolgt die Rückzahlung;

bezüglich der Einlagen und Rückzahlung ist eine zweckentsprechende

Kontrolle geschaffen; für die Einlagen existiert ein Minimum (1

Schilling = 1 M.) und ein Maximum (200 Pfd. St. = 4000 M.); wird

das Maximum überschritten, so hört die Verzinsung (2½%) auf, und es

erfolgt die Umwandlung in Staatspapiere ~ex officio~, wenn der Einleger

binnen einer festgesetzten Frist die Einlage nicht vermindert. Die

Einlage, die Kündigung und die Rückzahlung kann bei jedem Postamte

geschehen. Das Einlagebüchlein lautet auf den Einleger in Person;

Beschlagnahme desselben wird von der Post nicht zugelassen. Für

die Rückzahlung des Kapitals samt Interessen haftet der Staat ohne

Vorbehalt; ihm gehört auch der Zinsenüberschuß. Die Zinsen werden am

Ende jedes Kalenderjahres in die bestehenden Büchelchen eingetragen

und zum Kapitale geschlagen. Für die Korrespondenz mit den Einlegern

besteht Portofreiheit. Das Postsparkassenamt unterliegt der Kontrolle

des Staatsrechnungshofes und hat monatlich einen Geschäftsausweis zu

veröffentlichen. Der jährliche Rechnungsabschluß wird dem Parlamente

mit einem Rechenschaftsberichte vorgelegt.

~b.~ +Belgien+.

------+----------------------

| Guthaben der Einleger

Jahr. | am Ende des Jahres

| in Franken.

------+----------------------

1870 | 712891

1875 | 7342602

1881 | 36731951

1882 | 44643838

1883 | 52506000

1884 | 64701281

~c.~ +Italien+.

------+----------------------+----------------------

| Zahl der am Ende | Guthaben der Einleger

| des Jahres im Umlauf | am Ende des

Jahr. | befindlichen | Jahres in Lire.

| Einlagebücher. |

------+----------------------+----------------------

1876 | 57354 | 2443404

1878 | 157651 | 11385164

1880 | 339845 | 46252860

1882 | 592018 | 84951236

1883 | 895988 | 112128423

~d.~ +Niederlande+.

------+----------------------+---------------------------

Jahr. | Zahl der umlaufenden | Gesamtbetrag des Guthabens

| Sparbücher. | der Sparer in Gulden.

------+----------------------+---------------------------

1881 | 22831 | 858623

1882 | 46242 | 2018976

1883 | 67922 | 3217605

1884 | 90798 | 4650718

~e.~ +Frankreich+.

-----+---------+-------------------+-------------------+------------

Jahr.|Zahl der | Summe der Ein- | Summe der Rück- |Verbleibende

|Einlagen.| zahlungen in | zahlungen in | Einlagen

| | Franken. | Franken. | in Franken.

-----+---------+-------------------+-------------------+------------

1882 | 473155 | 64634381 | 17810940 | 46823441

1883 | 697433 | 73041637 | 45044435 | 27997202

1884 | 917131 | 94113816 | 58953250 | 35160566

~f.~ +Österreich+.

-----+---------+-------------------+-------------------+------------

Jahr.|Zahl der | Summe der Ein- | Summe der Rück- |Verbleibende

|Einlagen.| zahlungen in | zahlungen in | Einlagen

| | Gulden. | Gulden. | in Gulden.

-----+---------+-------------------+-------------------+------------

1883 | | | |

u. 84| 3311333 | 64763350 | 50067249 | 14696101

1885 | 2428159 | 278154862 | 261350405 | 16804457

Trotz aller Schwierigkeiten der Ein- und Durchführung macht die

Einrichtung der Postsparkassen sichtliche Fortschritte und scheint sich

langsam in allen civilisierten Ländern einbürgern zu wollen.

Nachstehend noch einige +vergleichsstatistische+ Angaben über die

bestehenden +europäischen+ Postsparkassen:

-----------------+--------+--------+--------+-------+-------+---------

Der |England.|Belgien.|Italien.|Nieder-| Frank-| Öster-

Postsparkassen | | | | lande.| reich.| reich.

-----------------+--------+--------+--------+-------+-------+---------

Betriebseröffnung| 1861 | 1870 | 1876 | 1881 | 1882 | 1883

Zinsfuß | 2½% | 3% | 3½% | 2⅔% | 3% | 3%

Veranlagung | 3% | 3,7% | 5% | 4% | 4% | 5,4%

Minimalsatz in M.| 1 | 0,80 | 0,80 | 0,42 | 0,80| 0,45

Maximalsatz in M.| 4000 | 4000 | 1600 | -- | 1600 | 1700

| | | | | |

Summe d. Einlagen| 274 | 18,5 | 14,3 | 3,7 | 52 |c. 13,5

i. J. 1882 in M.| Mill. | Mill. | Mill. | Mill. | Mill. | Mill.

| | | | | |

Gesamtsparsumme | 780 | 35,7 | 53,5 | 3,5 | 37,2| c. 9,5

Ende 1882 in M. | Mill. | Mill. | Mill. | Mill. | Mill. | Mill.

| | | | | | (1883)

6. Der +Geldbriefverkehr.+ Trotz der Einwirkung der bankmäßigen

Zahlungsvermittlung durch die Postanweisungen u. s. w. nimmt der

+Barversendungs+- und namentlich der +Geldbriefverkehr+, soweit diese

Versendungsarten für den innern Verkehr der einzelnen Länder überhaupt

zulässig sind, noch immer eine beachtenswerte Stellung ein. Nach der

Berner Statistik für 1884 betrug der +interne Geldbriefverkehr+ im

gleichen Jahre:

in Rußland[83] rund 12 Milliarden Mark.

„ Deutschland „ 10½ „ „

„ Österreich „ 8 „ „

„ Ungarn „ 2½ „ „

in Frankreich rund 1¼ Milliarden Mark.

„ Schweden „ 568½ Millionen „

„ Rumänien „ 321½ „ „

„ Dänemark „ 317 „ „

„ Belgien „ 276 „ „

„ Norwegen „ 259½ „ „

„ den Niederlanden „ 160 „ „

Die Gesamtsumme der durch die +deutsche Reichspost+ vermittelten

(deklarierten) Geldsendungen belief sich 1884 auf 18166 Millionen M.[84]

+Der gesamte Umfang des Geldverkehrs der Post betrug im Jahre 1884

in den Ländern des Weltpostvereins, für welche die Berner Statistik

Angaben enthält,+

rund 150 Mill. Postanweisungen im Betrage von 7076 Mill. M.

„ 20 „ Postaufträge „ „ „ 931½ „ „

„ 12½ „ Nachnahmesendungen „ „ „ 97 „ „

„ 40½ „ Briefe mit Wertangabe „ „ „ 32079 „ „

„ 26½ „ Pakete mit Wertangabe „ „ „ 8956 „ „

+Der Gesamtbetrag dieser (rund) 250 Millionen Wertsendungen belief sich

somit für das Jahr 1884 auf die riesige Summe von nahezu 50 Milliarden

(49139 Millionen) Mark.+

III. Postpaketverkehr[85].

Die Annahme und Beförderung von Paketen seitens der Postanstalten

hat sich in Deutschland viel später herausgebildet als diejenige von

Briefen; erstere erfolgt erst seit etwa 180 bis 200 Jahren. Der Nutzen

dieser Einrichtung wurde indes schon sehr frühzeitig erkannt, wie aus

folgendem interessanten Zeugnisse erhellt. Von einem Reisenden aus dem

Anfange des 18. Jahrhunderts, dem Ratsherrn Uffenbach in Frankfurt

am Main (1683 bis 1734), der zugleich ein großer Bücherfreund war

und deshalb viele Verbindungen mit Gelehrten u. s. w. unterhielt,

erwähnt nämlich der Herausgeber seines hinterlassenen Reisewerkes ganz

bezeichnend: „Er erfreuete sich über die Glückseligkeit unserer Zeit,

da man Briefe und Pakete bequem und schnell an Orte, wenn sie auch

weit von uns entfernt sind, vermittelst der öffentlichen Posten und

Fahrwägen übersenden kann. Wie gar anders war es im 15. und noch zu

Anfang des 16. Jahrhunderts beschaffen! Die Klagen berühmter Leute, die

hin und wieder in ihren Briefen vorkommen, bezeugen es zur Genüge.“

Und doch, wie umständlich war ehemals dieser Paketverkehr, wie

bedeutend das Porto! Der Staats- und Kabinetsrat Klüber sagt in seinem

Werke „Das Postwesen, wie es war, ist und sein könnte“ (Erlangen

1811) hierüber folgendes: „Für ein Paket, das mit dem Postwagen von

Berlin nach Frankfurt am Main gesendet wird, muß jetzt +neunfach+

verschiedenes Porto gezahlt werden: königl. preußisches, königl.

sächsisches, kaiserl. französisches (zu Erfurt), sachsen-weimarisches,

sachsen-gothaisches, sachsen-weimarisches (zu Eisenach), königl.

westfälisches, großherzogl. hessisches (Taxissches) und frankfurtisches

(Taxissches). Die Adresse ist gewöhnlich so sehr mit Postzeichen und

Ziffern beschmiert, daß oft beim Nachrechnen und Entziffern nicht auf

das Klare zu kommen ist. Läuft das Paket bis Basel, so ist das zu

zahlende Porto +zwölffach+ verschieden.“ Da jede Postverwaltung für

ihre Beförderungsstrecke ein bestimmtes Porto beanspruchte, so belief

sich das Gesamtporto für ein 5 kg oder 10 Pfund schweres Paket gewiß

oft auf mehrere Thaler.

Solche Zustände bestanden in Deutschland im wesentlichen bis 1850. Erst

die dritte Konferenz des deutsch-österreichischen Postvereins führte

1857 die organische Umgestaltung des Vereinsfahrpostwesens herbei.

Nach dem Vereinsfahrposttaxsystem vom 1. Juli 1858 wurden nunmehr

auch bezüglich des Vereinsfahrpostverkehrs, wie das schon früher

bezüglich des Vereinsbriefpostverkehrs geschah, sämtliche deutschen

Postbezirke als ein +ungeteiltes Postgebiet+ angesehen. Das Porto

ward, ohne Rücksicht auf die Territorialgrenzen und auf die Leitung,

lediglich nach Maßgabe der direkten Entfernung (geraden Linie) in

+einer+ Summe und nicht mehr für jedes einzelne deutsche Postgebiet

besonders, sondern für den gesamten Verein als gemeinschaftliche

Einnahme berechnet. Die erzielte gemeinschaftliche Portoeinnahme für

die Vereinsfahrpostsendungen wurde unter die Vereinspostverwaltungen

nach gewissen Prozentsätzen verteilt, wobei als Grundsatz galt, daß der

Anteil sich nach der wirklichen Leistung zu richten habe.

Hiermit war ein höchst wichtiger Schritt bezüglich der

Fahrpostsendungen gemacht worden.

Sehr wesentlich wurde dann infolge des Gesetzes vom 17. Mai 1873 das

Porto für Pakete bis zum Gewichte von 5 kg innerhalb des deutschen

Postgebiets ermäßigt. Es beträgt seitdem für solche: ~a~) auf

Entfernungen bis 10 Meilen einschließlich 25 Pf.; ~b~) auf alle

weiteren Entfernungen 50 Pf. Dieser Tarif wurde sodann auch im

Wechselverkehr zwischen dem Reichspostgebiete einerseits und Bayern

und Württemberg, sowie Österreich-Ungarn andererseits eingeführt.

Die Vorteile dieses Zehnpfundpaketsystems sind wiederholt betont

worden; vor allem ermöglicht es, von überallher in Deutschland und

Österreich-Ungarn gute und billige Lebensmittel zu beziehen.

Mehr und mehr stellte sich das Bedürfnis heraus, den Portotarif auch

für die mit dem +Auslande+ gewechselten Pakete zu vereinfachen. Es

ist das Verdienst der Reichspostverwaltung, den Anstoß zu dieser

Reform gegeben zu haben. Am 3. November 1880 kam es denn auch auf

der internationalen Postkonferenz in Paris zum Abschlusse einer

diesbezüglichen Übereinkunft, durch welche die postmäßige Beförderung

kleiner Pakete gegen einheitlich bemessene Gebührensätze, sowie

die übereinstimmende Behandlung dieser Pakete in den verschiedenen

Vereinsländern erreicht wurde. Diese Übereinkunft wurde von 21

Postverwaltungen unterschrieben.

Ein erschwerender Umstand, die betreffenden Grundsätze im Verkehr der

Staaten des Weltpostvereins einzuführen, lag besonders darin, daß

eine ganze Anzahl fremder Postverwaltungen bisher mit der Beförderung

von Paketen sich überhaupt nicht befaßt hatte. Dies gilt z. B. von

Frankreich, Italien, Belgien, Spanien, Portugal, der Türkei u. s. w.

In Frankreich und Belgien besorgen die Eisenbahnverwaltungen die

Beförderung der Pakete, in den Niederlanden und Italien vorzugsweise

Privatgesellschaften. Auch in England hat die Eröffnung des

Postpaketdienstes, zunächst für den innern Verkehr, erst am 1. August

1883 stattgefunden.

Am 1. Oktober 1881 trat die Pariser Übereinkunft ins Leben. Hierdurch

wurde jedermann ermächtigt, Pakete ohne Wertangabe bis 3 kg +nach

Ägypten+, +Algier+, +Belgien+, +Bulgarien+, +Dänemark+, +Frankreich+,

+den französischen Kolonieen+, +Italien+, +Luxemburg+, +Montenegro+,

+Norwegen+, +Österreich-Ungarn+, +Rumänien+, +Schweden+, +der

Schweiz+, +Serbien+ und +Tunis+ mit der Post sicher und schnell und zu

verhältnismäßig +geringen+ Portosätzen befördern zu lassen. Ebenso kann

die Absendung solcher Pakete von den genannten Ländern nach Deutschland

geschehen.

Weitere Erleichterungen bezüglich des Postpaketverkehrs wurden auf dem

+Lissaboner Weltpostkongreß+ im Jahre 1885 vereinbart. So wurde auf

demselben das Meistgewicht der Postpakete im internationalen Verkehr,

unter Beibehaltung der bisherigen Taxen, von 3 auf 5 kg erhöht und die

Zulassung von Paketen mit Wertangabe und gegen Nachnahme beschlossen;

auch ist die Beschränkung der zur Postbeförderung zuzulassenden

Sendungen, wenigstens soweit nicht eine Seebeförderung in Betracht

kommt, beseitigt worden. Postpakete, die in irgend einer Ausdehnung

1,50 m überschreiten oder nach ihrer Form oder ihrem Inhalt besondere

Umständlichkeiten bei der Verladung oder Beförderung verursachen,

werden als sperrig behandelt und mit einer Zuschlagstaxe von 50 Pf.

belegt.

Der +Umfang+ des Päckereiverkehrs der Post ist, trotzdem die

Beförderung von Paketen nicht in allen Ländern einen Bestandteil

des Postdienstes bildet, nicht unbedeutend, +am großartigsten in

Deutschland+. 1884 z. B. +wurden in letzterem Lande allein+ (nach der

Berner Statistik) +rund 87 Millionen Stück befördert, in sämtlichen

übrigen Ländern des Weltpostvereins betrug die Zahl der im innern

Dienst expedierten Pakete nur 81 Millionen.+

Was den Umfang des +internationalen Paketdienstes+ betrifft, so zeigt

vor allem der Verkehr aus und nach Deutschland, welcher Entwicklung

dieser Dienstzweig fähig ist. Im Jahre 1884 hat die Gesamtzahl der

+aus+ Deutschland +nach+ dem Auslande beförderten gewöhnlichen Pakete

nicht weniger betragen als 3540350 Stück im Gesamtgewichte von 13969520

kg, während in umgekehrter Richtung 1544600 Stück im Gesamtgewichte von

6036620 kg eingegangen sind[86].

+Die Gesamtstückzahl der von der Post auf der ganzen Erde beförderten

Pakete (mit und ohne Wertangabe) betrug nach der Berner Statistik im

Jahre 1884 über 180 Millionen.+

Für die Beamten der Post ist der Paketdienst zuweilen wenig

angenehm. Ein Beamter des Postamts IV in Hamburg, bei dem zufolge

des schwunghaften Geschäftsbetriebes der Hamburger Tierhändler

besonders zahlreiche Sendungen mit ausländischen Tieren ausgeliefert

werden, berichtet darüber wie folgt: „Das Konzert, welches durch die

Vereinigung so vieler Tiergattungen in den Räumen der Packkammer

zuweilen veranstaltet wird, ist dem Ohre nicht immer ergötzlich. Das

Kreischen und Schwatzen der Papageien, das Pfeifen der Kardinale, das

Gezwitscher der Hunderte von kleinen Vögeln, dazu das durchdringende

Geschrei eines Affen und das alles übertönende Gewimmer mehrerer

Hündchen, die ihrer Mutter entrissen sind: alles dieses bildet mitunter

eine entsetzliche Symphonie, deren Ende sehnlichst herbeigewünscht

wird.“ Von den Tiersendungen ist in Deutschland besonders der Versand

von Singvögeln ein sehr bedeutender. Im engen Holzbauer, dem durch

sinnreiche Vorrichtungen Speise und Trank für mehrere Tage beigegeben

werden, durcheilen z. B. die Harzer Kanarienvögel aus St. Andreasberg

zu Tausenden das ganze Reichspostgebiet; ja sie werden bis in die

entferntesten Gegenden Österreich-Ungarns, nach Rumänien, Polen,

Schweden und Norwegen, Dänemark, den Niederlanden, Belgien, Frankreich,

der Schweiz und Italien befördert. Neuestens hat man sogar versucht,

und zwar mit gutem Erfolge, Vogelpakete übers Meer nach Amerika zu

verschicken[87].

Mitunter werden den beim Paketdienste beschäftigten Beamten auch

sehr seltsame Überraschungen zu teil. So wurde nach dem Berichte

der britischen Post- und Telegraphenverwaltung pro 1877/78 in einem

Postwagen der London-Liverpooler Linie eine mehr als 3 Fuß lange

lebende Schlange gefunden, die sich aus einer Schachtel, in der sie

zur Post eingeliefert worden war, befreit hatte. In einer andern

Schachtel, die als unbestellbar an die Centralbehörde eingesandt wurde,

fanden sich nicht weniger als acht lebende Schlangen vor[88]. Bei der

Postagentur in Wildemann (Oberpostdirektionsbezirk Braunschweig) kam

vollends ein Paket mit 60 Dynamitpatronen zur Aufgabe[89].

Zu den Schmerzenskindern der Post zählen, um auch dies zu erwähnen,

nicht selten die +Warenproben+. Sie sind dies nicht so sehr wegen der

Zahl der Sendungen, als wegen ihrer manchmal unförmlichen Beleibtheit

und des keineswegs immer anmutigen Inhalts. „Die Gemütsstimmung eines

Bahnpostbeamten,“ äußert sich +Fischer+ da, wo er von den Warenproben

spricht[90], „über welchen die Gärtnereien von Erfurt oder Quedlinburg

das unendliche Füllhorn ihrer in dünne Papiersäckchen eingeschlossenen

Samenproben ergießen, oder desjenigen, der sein Operationsfeld durch

einen unvermuteten Ansturm einiger Hundert dicker Wollpäckchen in

Gestalt von festgerollten Cylindern beengt sieht, pflegt keine rosige

zu sein. Daß Scheren, Messer, Pfriemen und andere scharfe Instrumente

in höchst mangelhafter Hülle der Post als Warenproben überliefert

werden, wird von manchen Fabrikanten als ein unantastbares Recht ihres

Gewerbebetriebes angesehen, während sie sich um die Verletzungen,

die den Händen der Postbeamten dadurch drohen, keine Sorge machen!

Von anderer Seite findet man es wieder unbegreiflich, daß die

Postverwaltung Bedenken trägt, kleine Glasröhren mit Baumöl, chemischen

Säuren oder anderen unbehaglichen Flüssigkeiten zur Beförderung als

Warenproben anzunehmen.“ Infolge dieser Widerwärtigkeiten haben denn

die Postverwaltungen die Bedingungen für die Annahme von Warenproben

seitens der Postbehörden einer genauen Regelung unterzogen.

+Die Gesamtzahl der im Jahre 1884 auf der ganzen Erde beförderten

Postsendungen ist auf mehr als 12000 Millionen zu veranschlagen. Auf

den einzelnen Menschen entfielen an Postsendungen für das gleiche Jahr

9 Stück[91].+

IV. Personenbeförderung.

Der Weltverkehr Telegraphie und Post, Eisenbahnen und Schiffahrt, in ihrer Entwickelung dargestellt · 第 13 / 50 段