Schon seit der Zeit der Achämeniden ist in der Vorstellung der Menschen

das +Pferd+ mit dem Begriffe der Post unzertrennlich verbunden. Damals

bereits durchjagten die reitenden Boten die weiten Steppen und die

Gebirgsländer Asiens, um nach den Hofburgen zu Susa, Ekbatana oder

Babylon die wichtigsten Ereignisse aus allen Teilen des Reiches zu

melden und die Befehle des Königs zurückzubringen. Der Schwiegersohn

des Cyrus, Darius, der den Thron dem Wiehern seines Pferdes verdankte,

war sogar selbst Aufseher der Angaroi gewesen. Marco Polo wiederum

schildert eingehend die Reitposten der Chinesen, die zu seiner Zeit

als eine uralte Einrichtung in Thätigkeit waren. In Rom war die

Nachrichtenbeförderung durch Berittene zuerst unter Cäsar ins Leben

getreten[65]. Auch heute noch spielt das Pferd im Postwesen eine

bedeutende Rolle. So wird in Persien noch jetzt die Verbindung zwischen

Teheran und Tauris durch Reitposten bewirkt. In China besitzt die

kaiserliche Central-Postpferdestation in Peking für den speciellen

Dienst der Central-Postkanzlei nicht weniger als 500 Kurierpferde mit

250 Reitern. Ebenso bedient sich die Post in Siam des „Kuriers zu

Pferde“. Auch die russische Kurierpost, die von Peking über Urga und

Kiachta den Anschluß an den großen Postkurs durch Sibirien vermittelt,

wird durch mongolische Reiter befördert. Selbst in Europa sind

Postbeförderungen durch Reiter keineswegs vereinzelt. In +Spanien+ z. B.

bewältigt die Post noch jetzt jährlich eine Transportarbeit von ca.

10 Millionen Kilometer lediglich durch Reiter, während auf Eisenbahnen

und Postwagenkursen zusammen nur 15 Millionen Kilometer jährlich

zurückgelegt werden. Ein ähnliches Verhältnis besteht in +Portugal+.

Im Gebiete der +deutschen+ Reichspostverwaltung beträgt allerdings die

gesamte Jahresleistung der Post-Kavallerie nicht mehr 10000 km.

Wenn so das Pferd schon seit den ältesten Zeiten dem Postverkehre

dienlich war, so sind doch, um dies nebenbei zu erwähnen, die

verschiedenen Teile der +Bekleidung des Pferdes+ nur sehr allmählich

und schrittweise zur Ausbildung gelangt. Das älteste +Hufeisen+ will

man im Grabe des Frankenkönigs Childerich, welcher 481 starb, zu

Tournay gefunden haben. In England sollen durch Wilhelm den Eroberer

1066 die Hufeisen eingeführt worden sein. Die Alten kannten den

Hufbeschlag gar nicht; sie hatten nur eine Art Hufsocken, die den

Tieren angelegt wurden. Ebenso waren die +Sättel+ noch bis in die

Kaiserzeit, sowie die +Steigbügel+ überhaupt den Römern unbekannt. Man

ritt auf Decken und bestieg das Pferd entweder von den Staffelsteinen

aus, die an allen Römerstraßen in ziemlich dichter Aufeinanderfolge zur

Seite aufgestellt waren, gleichwie sie auch bei uns noch in den Höfen

der Burgruinen und in alten Städten mitunter zu finden sind; oder man

bediente sich der untergehaltenen Hand oder wohl auch des Rückens eines

Sklaven. Mitunter wurden die Pferde so abgerichtet, daß sie sich auf

die Kniee niederließen, wenn ihr Herr sie besteigen wollte, wie man

dies z. B. von Alexanders Bucephalus erzählt. Als dann in der spätern

römischen Kaiserzeit die Sättel aufkamen, waren dieselben noch von

sehr ungeschlachter Art. Eine Verordnung im Theodosianischen Codex

schreibt vor, daß bei den Pferden der kaiserlichen Post Sattel und

Zeug nicht über 60 Pfd. schwer sein sollten. Nach Laurence hat 1135

die Gemahlin des angelsächsischen Königs Stephan in England die ersten

+Frauensättel+ eingeführt.

Das Pferd ist übrigens nicht das einzige Reittier, das im Postdienste

Verwendung findet. In Gebirgsländern sowie im Süden tritt an seine

Stelle das +Maultier+, dessen sicherer Fuß schwindelnde Pfade und

schwankende Brücken ohne Zaudern und Straucheln betritt. Ein nicht

minder erfolgreicher Nebenbuhler des Pferdes ist unter heißen

Himmelsstrichen das +Kamel+. In Indien, in China und in den südlichen

Ländern des Mittelmeeres findet dasselbe vielfache Verwendung im

Beförderungsdienste der Post. In Siam bestehen sogar +Büffel+- und

+Elefantenposten+.

[Illustration: Fig. 34. Kamelpostreiter.]

3. Wagen.

Noch größer als bei den Reittieren und Fußboten ist die

Mannigfaltigkeit der Fuhrwerke, deren sich der Postverkehr bedient.

Schon die Verschiedenheit der Zwecke der Postbeförderung bedingt

eine große Mannigfaltigkeit in Größe und Bauart der Postfuhrwerke.

Dazu kommen aber noch all die Unterschiede, die sich aus der

Verschiedenheit der topographischen und klimatischen Verhältnisse,

sowie aus den abweichenden Kulturgraden der Völker ergeben. Bekannte

Erscheinungen in dieser Hinsicht sind der deutsche +Eilpostwagen+,

dem auch die englischen ~mail coaches~[66] und die französischen

~malle~[67]-Postwagen in der Hauptsache gleichen, der +Schweizer

Personenpostwagen+ und der +Postomnibus+. Eine besonders große

Mannigfaltigkeit an Mitteln der Postwagenbeförderung bietet das

Russische Reich. Die Postfuhrwerke erschöpfen hier vom eleganten

Personenwagen bis zur offenen Schlittenkufe herab alle Spielarten

dieses Beförderungsmittels. Auch die Bespannung derselben ist sehr

verschieden. Außer Pferden, Maultieren und Eseln werden noch Renntiere,

Hunde und Ochsen verwendet. Ochsengespanne werden in Grusien benutzt,

Hunde dienen der Post in Kamtschatka und am Baikalsee als Zugtiere,

und über die weiten Schneeflächen zwischen der Dwina und Petschora

ziehen Renntiere die Postschlitten. -- Von den Wagen des Altertums und

Mittelalters war bereits die Rede.

[Illustration: Fig. 35. Russische Schlittenpost.]

Die gesamte Jahresleistung der Postfuhrwerke der Weltpost beträgt nach

der neuesten Berner Statistik etwa 450 Millionen Kilometer.

4. Eisenbahnen.

Die Bahnposten bilden heutzutage die Pulsadern des Postverkehrs.

Ihnen gegenüber sind die Posten auf den gewöhnlichen Landstraßen,

einzeln betrachtet, in der Regel nur noch Zu- und Abfuhrwege von

untergeordneter Bedeutung. Aber nicht allein das wichtigste, sondern

auch das eigenartigste Bindeglied bilden die Bahnposten in der Reihe

der heutigen Postbeförderungsmittel. Ihre Vermittlung allein ermöglicht

es, daß die zur Beförderung gelangten Brief- und Paketsendungen ohne

Aufenthalt auf den Zwischenstationen an ihre Bestimmung gelangen.

Während die Eisenbahnzüge in rasendem Fluge dahineilen, ist der

Bahnpostbeamte ununterbrochen, Tag und Nacht in angestrengtester

Thätigkeit, um mit seinen Arbeiten, die keinen Aufschub dulden, sondern

bei Ankunft auf jeder Station pünktlich erledigt sein müssen, dem

Fluge des Dampfrosses zu folgen. Auf jeder Station wird ein Teil der

während der Fahrt bearbeiteten Sendungen abgegeben, auf jeder Station

tritt aber auch neuer Zuwachs ein. Bald ist der Abgang, bald der Zugang

umfangreicher, jedoch fast immer und unaufhaltsam drängt die Arbeit,

selten kommt eine kleine Ruhepause vor. Besonders umfangreich gestalten

sich die Dienstleistungen der Beamten auf den bedeutenderen Linien.

So sind z. B. auf einer einzigen Fahrt zwischen Köln und Verviers

-- es ist dies die dem Postverkehr zwischen Deutschland und England

dienende Linie -- über 80000 Briefe und Drucksachen und zugleich über

1000 Einschreibebriefe zu sortieren, zu verpacken und, was letztere

Sendungen betrifft, einzeln einzutragen gewesen.

Hinsichtlich der Beziehungen der Postverwaltung zu den

Eisenbahn-Unternehmern gilt in fast allen dem Weltpostvereine

angehörigen Ländern der Grundsatz, daß die Beförderung der Postsachen

mit den Eisenbahnen +unentgeltlich+ zu erfolgen habe. Nur in den

Vereinigten Staaten von Amerika, in England und Japan ist die

Postverwaltung lediglich auf Herbeiführung eines privatrechtlichen

Vertragsverhältnisses zu den Eisenbahnen angewiesen.

5. Schiffe.

Aus dem Altertum sind bestimmte Nachrichten über eine postmäßige

Benützung von Seeschiffen erst aus der Zeit des ~cursus publicus~

vorhanden. Es lagen für dessen Dienst schnellsegelnde Schiffe bereit im

Hafen von Ostia zur Überfahrt nach Karthago, im Hafen von Rhegium für

die Linie nach Sicilien u. s. w. Übrigens ist es zweifellos, daß man

außer den besonders für den Postdienst bestimmten Staatsschiffen auch

Handelsfahrzeuge zur Beförderung von Nachrichten zur See gebrauchte,

wie denn überhaupt das Postwesen zur See im Altertum in der Hauptsache

nur auf Gelegenheitsbeförderungen beruht haben mag.

Auch das Mittelalter bediente sich der Schiffe zur Beförderung von

Nachrichten, und zwar sowohl der Seefahrzeuge, als auch der Flußschiffe.

Gegenwärtig sind es namentlich die Dampfschiffe, welche den Postverkehr

vermitteln; es ist das bereits fast durchweg der Fall auf den größeren

Flüssen; im Seepostwesen vollends ist der vollständige Sieg des

Dampfschiffes längst entschieden. Jene großen Seepostverbindungen,

welche die Engländer als ~Our Ocean Highways~ zu bezeichnen pflegen,

werden ausschließlich durch die Benützung der interkontinentalen

Dampferlinien hergestellt. Sie sind die eigentlichen Träger der

Weltpost, wenn dieser Begriff allein auf die Post von Weltteil zu

Weltteil erstreckt wird. Näheres über die Dampfschiffahrt im Dienste

der Weltpost enthält der +vierte+ Teil dieses Werkes.

Der Postverkehr auf +Segel+- und +Ruderbooten+ ist heutzutage

zufolge der Überflügelung durch Dampfschiffe im wesentlichen auf

Lokalverbindungen beschränkt; er bildet indes auch heute noch eine so

eigentümliche und zugleich so verbreitete Erscheinung, daß er bei der

Darstellung der Weltverkehrsmittel nicht übergangen werden darf. Die

chinesische Post z. B. besitzt in neun Provinzen ständige, aber nur für

den Verkehr auf Binnengewässern berechnete Postschiffe; die Matrosen

der Postboote werden von den Chinesen „Postschiff-Wasserhände“ genannt.

Daß sich in Indien ein nicht unbedeutender Teil des Postverkehrs auf

den Flüssen bewegt, ist bei der Erheblichkeit der Wasserläufe im

Pendschab, in Bengalen und in Hinterindien an sich wahrscheinlich

und wird durch die Modelle von indischen Postschiffen bestätigt,

welche von der indischen Generalpostdirektion dem Berliner Postmuseum

übersandt worden sind. In den Philippinen wird der Postdienst zwischen

den einzelnen Inseln durch ~vilos~, kleine, schnellsegelnde Boote,

wahrgenommen. Die gleiche Beförderung wiederholt sich überall, wo

ähnliche geographische Bedingungen vorliegen; im griechischen und im

dänischen Archipel, in den Inselgruppen im Norden und Westen von

Großbritannien, in der Schärenkette, welche die norwegische Küste

umsäumt, ist das Segelboot ein treuer Diener der Post. Selbst in

Deutschland obliegt dem Segelboot noch eine zwar nicht ausgedehnte,

aber schwierige Rolle im Postbeförderungsdienst. Die durch wilde

Sturmfluten vom Festlande abgerissenen Inseln Ost- und Westfrieslands

werden, soweit nicht im Sommer wegen der Badeverhältnisse Dampfschiffe

zwischen ihnen und der Küste gehen, durch Postboote bedient, denen im

Winter die mühevolle Aufgabe gestellt ist, sich in Sturm und Nebel

durch die Untiefen des Watts hindurchzuwinden.

[Illustration: Fig. 36. Chinesisches Postboot.]

6. Rohrpost[68].

Der in außergewöhnlichem Maße sich steigernde Verkehr der

Weltstädte legte angesichts der Hemmnisse, welchen die gewöhnlichen

Transportmittel, Pferde und Wagen, in den dichtgefüllten Straßen

begegnen, den Postverwaltungen den Gedanken nahe, ein Mittel in den

Verkehr einzuführen, das, unabhängig von dem gewöhnlichen Zuge der

Straßen, eine direkte Verbindung zwischen den verschiedenen Punkten

der Stadt mit beinahe telegraphischer Geschwindigkeit zuließ. So

entstand die +Luftpost+, der die Ausgabe zufiel, die Übermittlung der

Korrespondenz auf pneumatischem Wege, durch Anwendung von Luftleere und

Luftdruck, zu bewirken.

In Berlin wurde die erste Rohrpostanlage 1876 dem Verkehre übergeben;

sie hatte eine Gesamtlänge von nahezu 26 km mit 15 Stationen und

zerfiel in einen Nord- und Südkreis, aber derart, daß die beiden Kreise

sich in dem im Haupttelegraphenamte untergebrachten Rohrpostamt I

berührten. Gegenwärtig gehen vom Rohrpostamte I vier sich teilweise

wieder verästelnde Hauptzweige nach den vier Himmelsrichtungen aus,

so daß alle Sendungen, die von einem Hauptzweige nach einem andern

geleitet werden sollen, das Rohrpostamt I berühren müssen.

Die +Röhren+, welche zur Verbindung der Stationen dienen, sind aus

Schmiedeisen gefertigt, haben einen innern Durchmesser von 65 mm und

liegen im allgemeinen 1 m tief unter dem Straßenpflaster.

Zur Aufnahme der Sendungen werden Büchsen aus getriebenem Stahlblech

benützt, die durch eine übergeschobene Lederhülse geschlossen werden.

Dieselben sind 15 cm lang und vermögen etwa 20 Sendungen -- Briefe,

Karten, Telegramme -- aufzunehmen. 10-12 Büchsen hintereinander

gelegt, bilden einen Zug; hinter die letzte Büchse des Zuges wird ein

den Büchsen ähnlicher, mit Leder überzogener und mit einer ledernen

Manschette versehener Holzcylinder, der „Treiber“, gesetzt, durch den

ein möglichst dichter Schluß des Rohres erzielt wird.

Die Beförderung der Züge erfolgt nach bestimmten Vorschriften entweder

durch Stoß mittels verdichteter oder durch Ansaugen mittels verdünnter

Luft. Zur Erzeugung der Luftverdünnung und Luftverdichtung dienen

acht Maschinenstationen, deren jede mit zwei Dampfkesseln und zwei

Dampfmaschinen ausgerüstet ist. Jede dieser Maschinen treibt eine

Luftdruck- und eine Luftverdünnungs-Pumpe.

Außerdem befinden sich auf jeder Maschinenstation mehrere große

Kessel, sogenannte +Luftbehälter+, die einerseits mit den Luftpumpen,

andererseits mit den Röhren in Verbindung stehen. Die Luft in diesen

Kesseln wird durch die Pumpen stetig entweder verdünnt oder verdichtet,

so daß nach Öffnung eines Ventils entweder die stark verdichtete Luft

aus den Kesseln in die Röhren oder umgekehrt die dichtere Luft aus den

Röhren in die Kessel strömen kann.

Der +Betrieb+ der Rohrpostleitung ist in der Weise geregelt, daß

täglich von 7 Uhr vormittags bis 9 Uhr abends alle 15 Minuten vom

Rohrpostamte I ein Rohrpostzug abgelassen wird. -- Die Beförderung

von Station zu Station erfordert nur wenige Minuten. Selbst der

längste Zweig, die 8628 m lange Linie vom Rohrpostamte I bis zum

Rohrpostamte XXV in Charlottenburg, wird in 16 Minuten durchlaufen,

und das einschließlich des Aufenthalts der Züge auf den von ihnen

berührten Stationen. Im allgemeinen ist als Grundsatz angenommen, daß

Rohrpostsendungen aus einem Teile der Stadt Berlin nach dem andern,

wenn auch entferntesten, nicht mehr als 1 Stunde Beförderungszeit,

von der Aufgabe an gerechnet bis zur Übergabe an den Adressaten, in

Anspruch nehmen dürfen. Die mittlere Geschwindigkeit der Züge beträgt

1000 m per Minute. -- Die Abtragung der bei den Rohrpostämtern mit

der Rohrpost ankommenden Sendungen an die Adressaten erfolgt stets

sofort durch besondere Boten. -- Die Rohrpostanlage in Berlin kann

benutzt werden für Telegramme, Briefe und Postkarten, und zwar

sowohl im bloßen Stadtverkehr, als auch behufs rascherer Bestellung

der +von+ auswärts eingehenden oder behufs rascherer Absendung der

+nach+ auswärts bestimmten Korrespondenzen. -- Die Rohrpostbriefe

dürfen steife oder zerbrechliche Einlagen nicht enthalten, auch nicht

mit Siegellack verschlossen sein, da sie beim Einlegen in die Büchsen

gerollt werden müssen; das Gewicht darf 10 g, die Breite und Höhe

das Maß von 12½ beziehungsweise 8 cm nicht überschreiten. Für die

Rohrpostbriefe sind besondere gestempelte Briefumschläge hergestellt,

ebenso besondere Rohrpostkarten auf hellrotem Papier, welche von

allen Post- und Telegraphenämtern in Berlin bezogen werden können.

Eine Verpflichtung zur Benutzung dieser Briefumschläge und Postkarten

besteht zwar nicht, die Anwendung derselben ist jedoch im Interesse

des geregelten Betriebes sehr wünschenswert. Jedenfalls müssen aber

die Briefe den oben erwähnten Erfordernissen genau entsprechen, und,

ebenso wie die Postkarten, mit der deutlichen Bezeichnung „+Rohrpost+“

versehen sein. Die durch Freimarken im voraus zu entrichtende Gebühr

beträgt für Briefe 30 Pf., für Postkarten 25 Pf., für die durch

die Rohrpost von außerhalb oder nach außerhalb zu befördernden

Korrespondenzen tritt hierzu noch das gewöhnliche Postporto.

Welche Bedeutung auch dieses Verkehrsmittel in kurzer Zeit erlangte,

ergiebt sich aus der starken Inanspruchnahme desselben. Es wurden z. B.

befördert

1882 2219649 Sendungen

1884 2552814 „

Gegenwärtig zählt die Anstalt 31 Ämter, 8 Maschinenstationen, während

die Länge der Röhren über 52 km beträgt.

Wie Berlin, so sind auch die meisten übrigen Großstädte mit

Rohrpostanlagen versehen, so Paris, London etc. Ja es ist schon das

Projekt aufgetaucht, Paris und London durch eine solche zu verbinden.

7. Tauben[69].

Die Verwendung der Tauben zur Überbringung von Botschaften reicht, auch

abgesehen von der Taube Noahs, schon in die frühesten Zeiten zurück.

So sollen bereits die Bewohner von Sodoma und Gomorrha sich der Tauben

bedient haben, um sich Nachrichten zu übersenden. Desgleichen wird

berichtet, daß die alten Ägypter Tauben zu Zwecken der Schiffahrt

benutzten, indem sie solche bei der Abfahrt auf ihre Schiffe nahmen,

teils um sie während der Fahrt zur Verbindung mit dem heimatlichen

Hafen zu benutzen, teils auch, wenn das Schiff sich wieder der

heimischen Küste nahte, sie als Vorboten der glücklichen Rückkehr

abzusenden.

Der älteste geschichtliche Nachweis der Verwendung der Taube als

eigentlicher Brieftaube findet sich bei dem griechischen Dichter

Anakreon (530 v. Chr). Auch Tibullus, der jugendliche Elegiendichter,

besingt die Taube als Nachrichtenvermittlerin. Am deutlichsten

aber gedenkt Plinius der Ältere der Verwendung von Tauben zur

Nachrichtenvermittlung, indem er beschreibt, wie Decimus Brutus bei

der Belagerung von Mutina durch Antonius (43 v. Chr.) mit dem weit

abliegenden Lager der Konsuln sich durch Tauben in Verbindung gesetzt

habe. Zur Kaiserzeit, namentlich unter Diokletian, machte man sogar

mehrfach Versuche, mit Hilfe von Brieftauben regelmäßige Verbindungen

herzustellen. Diese Versuche scheinen indes von nachhaltigen Erfolgen

nicht begleitet gewesen zu sein.

Im +Mittelalter+ dienten die Tauben zu Zwecken der

Nachrichtenvermittlung namentlich im +Orient+. Der französische

Geschichtschreiber Joinville z. B. teilt uns mit, daß die Landung

Ludwigs des Heiligen zu Damiette i. J. 1249 sofort dem Sultan von Kairo

durch Taubenpost gemeldet wurde. Ganz besonders hoch hielten dieses

Verkehrsmittel die fatimidischen Chalifen, so zwar, daß die Taubenpost

einen selbständigen Zweig in der Verwaltung des Reiches bildete. Im

Abendlande wurde während des Mittelalters die Taube zu Verkehrszwecken

nicht ausgenützt; erst die Niederländer bedienten sich in der Zeit

ihrer Erhebung gegen Spanien wiederum dieser geflügelten Boten. Von

solchen rechtzeitig übermittelte Nachrichten waren es sogar, welche das

belagerte Leyden 1575 abhielten, zu kapitulieren.

Im Anfang dieses Jahrhunderts fanden die Tauben als Boten Verwendung

in Belgien, England und einigen Städten des nördlichen Frankreich,

hauptsächlich im Dienste der Börse und der Presse. Das Haus

Rothschild dankt sogar einen nicht geringen Teil seines Vermögens der

Taubenpost. Während der Kriege des ersten Napoleon verfiel nämlich

Nathan Rothschild in London auf den Gedanken, den Heeren eine Anzahl

Agenten mit Brieftauben auf dem Fuße folgen zu lassen; infolge

davon waren dieselben in der Lage, alle wichtigen Ereignisse auf

dem Kriegsschauplatz früher nach London zu melden, als dies irgend

jemand anderem möglich war, so daß Rothschilds Spekulationen stets

auf vollendete Thatsachen sich stützen konnten. Noch 1848 setzten

Taubenposten zwischen Paris, Brüssel und Antwerpen die belgischen

Zeitungen von den Vorkommnissen in Paris in kürzester Zeit in Kenntnis.

Auch der Lotterie mußten die Tauben ihre Dienste leisten, und neuestens

nützt man ihre Geschicklichkeit aus für Sicherung der Küstenschiffahrt.

Der ausgedehnteste Gebrauch in jüngster Zeit wurde von der Taubenpost

unstreitig gelegentlich der Belagerung der Stadt Paris in den Jahren

1870/71 gemacht. Damals wurden von Paris 95581 Botschaften mittels der

Tauben befördert, und mehr als 60000 solcher Posten trafen in Paris

ein[70].

In England gewahrt man nicht selten bei wichtigen öffentlichen

Versammlungen, auf Festplätzen und bei ähnlichen Gelegenheiten

Zeitungsberichterstatter, die mit kleinen Taubenkäfigen ausgerüstet

sind, um ihre Berichte sofort vom Platze weg durch die mitgebrachten

Tauben den Redaktionen zugehen zu lassen[71].

Auch die +Chinesen+ bedienen sich der +Tauben+ als Briefboten. Sie

sagen, daß dieselben schwer zu erziehen seien, und daß 2-3 Jahre

hingehen, bevor sie auf größeren Strecken verwendet werden können. Auf

den Schwanzfedern der Tauben werden von ihnen zwei hohle Bambusstäbchen

mit einem Einschnitt am obern Ende befestigt, die als Pfeifen dienen

und bei Luftzug einen Ton von sich geben; man glaubt, daß sich die

Raubvögel dadurch von der Verfolgung der Tauben zurückschrecken lassen.

Die Schriftzeichen, vier Worte, die unter einer Pfeife angebracht sind,

bedeuten: „Mögen günstige Winde dich begleiten.“

Nach Mitteilungen der amerikanischen Presse soll sogar die Einrichtung

einer Taubenpost zwischen Europa und Amerika ernstlich ins Auge gefaßt

werden. Die Durchführung dieses Planes dürfte aber vorerst doch noch

auf ziemliche Schwierigkeiten stoßen, zumal nach den bisherigen

Erfahrungen die größte Entfernung, bis zu der man einigermaßen mit

Sicherheit auf eine Rückkehr der Brieftaube rechnen kann, nicht mehr

als etwa 800 km beträgt.

Über die Verwendung der Brieftaube im regelmäßigen Postdienst

äußert sich Veredarius also: „Nach dem jetzigen Stande der für den

Postdienst verwertbaren Verkehrsmittel wird zwar die Aufnahme der

Brieftaube unter dieselben fürs erste und in der Hauptsache auf

Ausnahmezustände beschränkt bleiben; dagegen erscheint es schon

jetzt nicht ausgeschlossen, daß auch die Postverwaltungen, gleichwie

dies für Kriegszwecke fast seitens der sämtlichen europäischen

Militärverwaltungen bereits geschehen ist, der Frage näher treten

werden, inwieweit eine Aufzüchtung und Bereithaltung größerer Bestände

von Brieftauben und die Organisation eines Brieftauben-Postdienstes

für bestimmte Zwecke einen wertvollen Zuwachs zu den bisherigen

Hilfsmitteln der Post abgeben könnte.“

8. Luftschiffe[72].

Seit den ältesten Zeiten schon finden sich Spuren davon, daß der

menschliche Geist -- wenigstens die Phantasie -- sich mit der

+Fortbewegung des Körpers in der Luft+ beschäftigte. Die Wagen der

Götter und Göttinnen, die Wolkenwagen der Feen, das fliegende Roß in

„Tausend und eine Nacht“, der Zaubermantel Fausts, Pegasus und die

geflügelten Sohlen des Perseus sind ja nur der phantastische Ausdruck

jener im Menschengeiste tief gewurzelten Vorstellung. Das erste

bestimmte Zeugnis dafür, daß man es schon frühe verstanden, mit heißer

Luft gefüllte, leichte Hohlkörper zum Steigen zu bringen, stammt von

Aulus Gellius, einem römischen Schriftsteller des zweiten Jahrhunderts

unserer Zeitrechnung. Er erzählt, daß der Pythagoräer Archytas, welcher

mehrere Jahrhunderte vor unserer Zeitrechnung zu Tarent lebte, eine

hölzerne Taube angefertigt habe, die vermittelst dünner, in deren

Hohlkörper eingeschlossener Luft emporgestiegen und, sobald sie eine

gewisse Höhe erreicht habe, wieder herabgesunken sei. Der englische

Mönch +Roger Baco+ († 1292), der so reich an Projekten war, daß man

ihn den Edison des 13. Jahrhunderts nennen möchte, hielt es nicht für

schwer, eine Maschine zu bauen, mit der sich ein Mensch wie ein Vogel

in die Luft heben könnte. Sehr eingehend beschäftigte sich mit dem

Probleme der Luftschiffahrt auch +Leonardo da Vinci+, von dem bis vor

wenigen Jahren die Welt nur wußte, daß er einer der größten Maler aller

Zeiten gewesen, nicht aber, daß er auch große Bedeutung als Physiker,

Mathematiker, Mechaniker und Ingenieur besaß. Vor allem bemühte er

sich, nach dem Vorbilde des Vogelflügels künstliche Flügel für einen

Menschen zu konstruieren; desgleichen sind Luftschraube und Fallschirm

seine Erfindungen.

Zu einer Reihe neuer Vorschläge und Versuche gab die Erfindung der

Luftpumpe (1650) Anlaß. So schrieb der Jesuitenpater +Lana+ (um

1670) ein Werk, worin er ausführte, daß man mit vier aus ganz dünnen

Kupferplatten bestehenden und luftleer gemachten großen Behältern

sich in die Luft müsse erheben können. Da er aber seine Rechnung ohne

Berücksichtigung des äußern Luftdrucks gemacht, so war sein Projekt von

Anfang an unausführbar. Näher kam der Sache der Dominikaner +Joseph

Galien+, in dessen Werk ~L’art de naviguer dans les airs~ (~Avignon~

1755) dargethan ist, daß die zum Emporschweben bestimmten Hohlgefäße

wegen des äußern Luftdrucks nicht leer, sondern mit einer leichtern

Luftart gefüllt sein müßten, deren Dehnbarkeit dem Drucke von außen

das Gleichgewicht zu halten vermöge. Dieser Gedanke stellte sich

indessen praktisch als gänzlich unverwertbar dar, weil Galien glaubte,

die verdünnte Luft könne nur aus den oberen Schichten der die Erde

umgebenden Atmosphäre entnommen werden.

Der Weltverkehr Telegraphie und Post, Eisenbahnen und Schiffahrt, in ihrer Entwickelung dargestellt · 第 10 / 50 段