Was zunächst die +Straßen+ betrifft, so wußte man den Wert derselben

schon im Altertum zu würdigen. Schon der sagenhaften Königin Semiramis

(um 1200 v. Chr.) schrieb man die Anlegung einzelner Kunststraßen

zu. Die +phönicischen+ Karawanen zogen auf drei verschiedenen großen

Heerstraßen nach Mesopotamien, besonders nach Babylon und Ninive. In

dem +indischen+ Gedichte „Ramajama“ werden eigene Wegebeamte erwähnt.

Das Gesetzbuch Manus verordnet sorgfältige Pflege der Straßen, und

Buddha, der große indische Reformator, befiehlt die gemeinnützigen

Wege und Pässe der Sorgfalt eines jeden Frommen. Von König +Salomo+

berichtet Josephus Flavius, daß derselbe, in dem Bestreben, etwas zur

Zierde und zum allgemeinen Nutzen zu thun, die nach Jerusalem führenden

Wege mit Kieselsteinen pflastern ließ. Dies geschah, wie dabei erwähnt

ist, „damit die, so hin und her wandelten, desto sanfter gingen“. Auch

in der Bibel finden sich Belege dafür, daß man schon frühzeitig den

Wert guter Verbindungswege zu schätzen verstand; so wird im Buch Isaias

(Kap. 58, V. 2) derjenige höchlichst gelobt und ihm hohe Weisheit

zugeschrieben, „der die Lücken verzäunet und die Wege bessert“.

Besonders große Sorge für gute Verkehrsstraßen trugen die +Könige von

Persien+. Der Grieche Herodot hat uns von einer derselben sogar eine

eingehende Beschreibung geliefert. Dieselbe bildete die Verbindung

zwischen Sardes, der reichen, üppigen Residenzstadt Lydiens, und der

Hauptstadt Susa, reichte mithin vom Mittelmeer bis zum Persischen

Meerbusen, eine Strecke, welche wegen des zur Umgehung der arabischen

und mesopotamischen Wüste erforderlichen Umwegs nicht weniger als

etwa 2500 km betrug. Selbst die +Chinesen+ besaßen nach Paul Venetus

schon in grauer Vorzeit kostbar gepflasterte Straßen auf die weitesten

Entfernungen, und wiederum haben die Straßenzüge der alten +Azteken+

und +Peruaner+ die lebhafteste Bewunderung der europäischen Entdecker

hervorgerufen.

Am ausgebildetsten tritt uns der Bau eigentlicher Kunststraßen bei den

+Griechen+ und +Römern+ entgegen. Zwar hegte man von den Griechen lange

die Meinung, Landwege hätten dort nur zu Kultuszwecken bestanden; dies

hat sich indes nicht als richtig erwiesen; obwohl auch der Seeverkehr

überwog, so wandten die Hellenen doch auch den Landkommunikationen

nicht geringe Sorgfalt zu. Schon zu Homers Zeiten gehen dergleichen

Anlagen weit über das äußerste Bedürfnis hinaus. Wir finden bei ihm

eine Heerstraße erwähnt, und die Reise, welche Telemach quer durch

den Peloponnes von Pylos nach Sparta zu Wagen macht, läßt auf einen

weit vorgeschrittenen Wegebau schließen. Ja, aus den Forschungen des

Professors Curtius über den Wegebau der alten Griechen ergiebt sich

sogar, daß deren Straßenanlagen eine gewisse Ähnlichkeit mit unseren

Bahnbauten hatten; es wurden kunstgerechte Dämme zur Überschreitung von

Vertiefungen angelegt, die mit doppelten Fahrgeleisen oder wenigstens

mit Ausweichestellen versehen waren.

Viel ausgedehnter waren die Straßen der +Römer+, welche sich durch

deren Anlegung die größten Verdienste um die Förderung des Verkehrs

erwarben. Viele derselben bestehen noch heute und geben Zeugnis von dem

technischen Talente jenes großen, praktischen Volkes. Wie trefflich

dieselben gewesen, erhellt besonders aus vielen Stellen bei Klassikern.

So sagt Cicero in einem Briefe an Atticus: „Diesen Brief habe ich

in meiner Rheda (ein Wagen) sitzend diktiert, als ich ins Lager

fuhr.“ Kaiser Claudius wieder hatte ein Brettspiel in seinem Wagen.

Indes nicht bloß aus solchen Belegen kann man auf die Trefflichkeit

der Straßenanlagen schließen, mehr noch aus der Schnelligkeit,

mit der man reiste. Cäsar z. B. legte oft an einem Tage mit dem

zweiräderigen Eilwagen 40 deutsche Meilen zurück. Das waren freilich

ganz außerordentliche Leistungen; allein 24 deutsche Meilen pro Tag

legte im Römischen Reiche jede Eilpost zurück. Die berühmteste römische

Landstraße war die zum Teil noch heute erhaltene Via Appia, welche

allen Wegebaumeistern jener Zeit zum Muster diente und mit gutem Rechte

die „Königin der Straßen“ genannt wurde. Sie führte von Rom über Capua

nach Brundusium, dem heutigen Brindisi.

Zur Zeit seines Höhepunktes, vom ersten bis dritten Jahrhundert nach

Christus, erstreckte sich das römische Straßennetz vom ~Vallum romanum~

im heutigen Schottland bis zu der Straße längs des Nil und von der

Nordwestküste Afrikas bis zu den Nordufern des Schwarzen Meeres.

Als Maß für die Bestimmung der Straßenlängen war hauptsächlich die

+Millie+ (römische Meile) im Gebrauch, welche gleichbedeutend war mit

tausend römischen Schritten. Da die Römer zwei Schritte nach unseren

Begriffen als einen rechneten, so war die Millie ungefähr = 1480 m.

Zur Angabe der Entfernungen dienten die +Meilensteine+, aber nicht

bloß hierzu; des öftern waren sie auch mit weiteren Inschriften

versehen, welche dem Andenken an bedeutende Männer oder hervorragende

Thatsachen gewidmet waren. Später begnügte man sich freilich behufs

rühmender Erwähnung von Personen oder Thatsachen nicht mehr mit der

Benutzung der Meilensteine, sondern man machte einige der bedeutenderen

Kunststraßen zu förmlichen Denkmalstraßen. Ein Muster solcher Kunst-

und Prachtentfaltung bietet uns in ihren erhabenen Überresten noch

heute die schon erwähnte Via Appia.

Der eigentliche Mittelpunkt der römischen Straßenzüge war die große

Meilensäule, das ~Milliarium aureum~, das sich inmitten des Forums

am Fuße des Saturntempels erhob. Von diesem Punkte gingen, nachdem

Augustus durch griechische Feldmesser eine Vermessung seines gesamten

Weltreichs hatte vornehmen lassen, alle Entfernungsberechnungen auf den

Straßen aus.

Die Gesamtlänge der soliden Kunststraßen des alten Römerreichs betrug

etwa 76000 km.

Nun noch einiges über die Geschichte der +Fuhrwerke+[45].

Das einfachste Mittel zur Fortbewegung schwererer Gegenstände war wohl

der gegabelte Baumast, aus dem sich die +Schleife+ oder der +Schlitten+

entwickelte. Ein bedeutender Fortschritt war es bereits, als an Stelle

der Schleife die +Walze+ trat. Als man dann darauf verfiel, die Walze

rundum abzuspalten und nur an den Enden die ursprüngliche Dicke

beizubehalten, da hatte man die +Achse+ mit zwei +Scheibenrädern+. Der

+Kasten+, welcher auf den anfänglich zweiräderigen Wagen gesetzt wurde,

ergab sich aus dem praktischen Bedürfnis von selber. Nachdem so der

Wagen einmal vorhanden, fand derselbe im Laufe der Zeit immer größere

Vervollkommnung. Der Gebrauch desselben wird bereits in den ältesten

Aufzeichnungen der Inder, den Vedas, erwähnt, und zwar ist dort die

Rede nicht bloß von zwei-, vier-, sechsspännigen Indraswagen, sondern

sogar von hundertspännigen. Das 14. Kapitel des 2. Buches Mosis gedenkt

der zweiräderigen Streitwagen der Ägypter, und eine ausführlichere

Schilderung der griechischen Wagen giebt Homer im 5. Gesang der Iliade.

Die letzteren waren bekanntlich von rückwärts zu besteigen, und der

in der Regel halbrunde Kasten war fest auf der Achse. Ferner hatten

diese Wagen schon Felgen, Speichen, Naben und „außen umher auch eherne,

festumschließende Schienen“. Welche Ausdehnung der Wagenbau bei den

Völkern des Altertums bereits angenommen, ersehen wir unter anderem

aus der Bibel. So steht im 1. Buche Samuelis 13, 5: „Da versammelten

sich die Philister, zu streiten mit Israel, dreißigtausend Wagen,

sechstausend Reiter und sonst Volk, soviel wie Sand am Rande des

Meeres.“ Ferner im 1. Buch der Chronica, Kap. 20, V. 7: „Und (die

Ammoniter) dingten zweiunddreißigtausend Wagen“ etc.

In ausgedehntem Gebrauche standen die Wagen bei den weltbeherrschenden

+Römern+. Sie waren die ersten, welche eine ausgedehntere

Nutzbarmachung des Fuhrwerks für die eigentlichen Verkehrszwecke

einführten. Der Gebrauch der Wagen zu Privatzwecken war indes,

abgesehen von der Benutzung auf Reisen und zur Beförderung schwerer

Lasten, auch bei ihnen ein ziemlich beschränkter. So durften innerhalb

der Hauptstadt nur die Triumphatoren, Vestalinnen, Senatoren und die

bei öffentlichen Festen mitwirkenden Priester Personenwagen benützen.

[Illustration: Fig. 18. Gipsabguß eines Denksteins mit der Darstellung

einer Rheda.]

Zur Beförderung der +Personen+ wurden dreierlei Wagen verwendet. Der

eigentliche Reisewagen war die ~rheda~, auf vier Rädern, für zwei bis

vier Personen, zwei-, auch vierspännig. Ein leichteres Fuhrwerk waren

die ~carrucae~, welche weniger auf den Heerstraßen als in den Städten

Verwendung fanden. Ihr Name hat sich in dem italienischen ~carrozza~,

in dem französischen ~carrosse~ und in dem englischen ~carriage~

erhalten. Die leichtesten Fuhrwerke waren zweiräderig, hießen ~birotae~

(~binae rotae~) und mußten im Postdienste mit drei Zugtieren bespannt

werden. Die Beförderung der Güter und Lasten erfolgte durch die

Packwagen (~clabula~, Diminutiv von ~clava~, Sprosse, also eine Art

Leiterwagen); bei ihnen fand öfter eine Bespannung mit Rindern und

Mauleseln statt. Außerdem gab es kleinere Lastwagen, Karren (~carri~).

Hie und da wurden mit diesen auch Personen befördert. Auffallend

ist, daß die Belastung der Fahrgeräte eine außerordentlich geringe

gewesen. Rheden durften nach amtlicher Vorschrift nur mit 1000 Pfd.,

die zweiräderigen Wagen (~birotae~) nur mit 200 Pfd., die schweren

Lastwagen (~clabula~) mit nicht mehr als 1500 Pfd., die ~carri~ mit

nur 600 Pfd. bebürdet werden, und auf jedes einzelne Pferd sollten

nicht mehr als 30 Pfd. treffen. Da nun ein römisches Pfund nicht ganz ⅓

eines Kilogramms (1 römisches Pfd. = 0,325 kg) betrug, so wäre diese

Belastung als eine verschwindend kleine und die dafür erforderliche

Kraftaufwendung jedes einzelnen Zugtieres als eine ganz unbedeutende zu

bezeichnen, wenn man nicht annehmen müßte, daß die Fahrzeuge, sowohl

die zur Beförderung von Personen, als auch die zur Verfrachtung der

Lasten verwendeten, so schwer, so ungefüg, so massig gebaut waren, daß

schon zur Bewältigung dieser, des toten Gewichtes, wie man heute sagen

würde, eine große Kraftanwendung von seiten der Zugtiere stattfinden

mußte. Gleichwohl müssen die Reisewagen der Römer ziemlich bequem

gewesen sein. Dies erhellt z. B. aus einem Briefe Senecas (~Gestatio

et corpus concutit, et studio non officit, ut possis legere, possis

dictare, possis loqui, audire, quorum nihil, ne ambules, vetat~): „Die

Führung bewegt den Körper und hindert dich doch nicht am Arbeiten: Du

kannst lesen, diktieren, reden, zuhören, und hindert dich dies nicht

am Fortkommen.“ Verres, der berüchtigte Statthalter von Sicilien,

benutzte auf seinen Reisen einen Schlafwagen, dessen Kissen mit

Rosenblättern ausgepolstert waren. Daß den Fuhrwerken der Alten auch

sinnvoller Schmuck und Kunstzier nicht fehlten, würde als feststehend

anzunehmen sein, selbst wenn die Monumente es nicht bewiesen. Von

dem „schönräderigen, zierlichen Wagen“ der Tochter des Alkinoos an

und den „kunstreich prangenden“ Zügeln seines Maultiergespanns bis

zu den Staats- und Triumphwagen der römischen Imperatoren finden wir

zahlreiche Beispiele des Geschmacks und Formensinns der Alten auch auf

diesem Gebiet.

II. Mittelalter[46].

Die Stürme der Völkerwanderung und die Bildung einzelner voneinander

unabhängiger Staaten, welche auf den Trümmern der römischen Monarchie

sich vollzog, zerrissen gar bald das einheitlich organisierte Postwesen

der Römer. Einzelne Stücke desselben erhielten sich allerdings noch

kurze Zeit in den neuen Staaten, so bei den Ostgoten in Italien;

aber in kurzer Zeit verschwanden auch die letzten Spuren dieser

echt römischen Institution. Wie schlimm es um diese Zeit mit dem

Briefverkehr stand, erfahren wir aus den Briefen +Alcuins+, des

berühmten Freundes Karls des Großen. Er sandte die zahlreichen Briefe,

die er an +Arno+, den Bischof von Salzburg, schrieb, meist durch einen

Kleriker, während +Arno+ zur Beförderung der Rückantwort gewöhnlich

sich eines Bauern aus seinem Sprengel bediente. Erst in den letzten

Regierungsjahren Karls des Großen stoßen wir auf einen Versuch dieses

Fürsten, die weiten Gebiete seines Reiches durch eine Art Staatspost

einander näher zu bringen. Allein diese karolingischen Einrichtungen

scheinen schon den Vertrag von Verdun (843) nicht überdauert zu haben.

Ein +organisierter+ Postverkehr erstand erst in späteren Jahrhunderten

wieder, +doch nicht durch die Centralgewalt des Staates+, sondern

+durch specielle Interessentenkreise+. Diese letzteren waren einerseits

die +Universitäten+ und +geistlichen Orden+, die Brennpunkte der

geistigen Kultur, andererseits die +Städte+, die Centren des Handels

und Gewerbes. Als Vermittler des Nachrichtenverkehrs dienten nun

+Boten+, und man kann deshalb die folgende Periode der Post als die

+Epoche des Botenwesens+ oder der +korporativen Botenanstalten+

bezeichnen.

1. Die Botenanstalten des Mittelalters.

Zu den berühmtesten derartigen Anstalten gehörte jene der +Pariser

Hochschule+. Anfänglich nur für den Verkehr zwischen den Angehörigen

der Universität und ihrer Heimat bestimmt, wurde sie bald dem

allgemeinen Verkehr zugänglich und leistete diesem die besten Dienste.

Ihre Blütezeit reichte bis in die Mitte des 15. Jahrhunderts, wo sie

durch die Errichtung einer königlichen Post unter Ludwig XI. (1464) den

ersten Stoß erlitt. 1719 wurde sie aufgehoben.

Trefflich organisiert war auch das +Postwesen der deutschen

Ordensritter+. Es trug denselben Charakter wie die römische Post des

Altertums und diente namentlich, gleich dieser, nur Regierungszwecken.

[Illustration: Fig. 19. Postbotenfigur aus dem 14. Jahrhundert.]

Die +Städteboten+ wurden teils von den Magistraten, teils von den

kaufmännischen Gilden bestellt. In der Regel wurde ein Botenmeister

mit der Einrichtung der Kurse betraut, und die Rechte und Pflichten

der Boten wurden durch Botenordnungen bestimmt. Als „geschworne

Städteboten“ oder „Magistrats-Ausreuter“ führten diese Boten das

Stadtwappen und die Botenbüchse mit den Farben der Stadt, sowie ein

„Patent“ (Paß), worin ersucht wurde, ihnen „Fürschub und Fürdernuß zu

beweisen“; auch trugen sie ein Schild mit Wappen auf der Brust oder am

Arm und einen starken „hölzernen Botenspieß mit eiserner Spitze“, der

ihnen zugleich über die Gräben forthalf.

Frühe schon wurden die Kurse verschiedener Städteboten in einen

regelmäßigen Zusammenhang gebracht. Bereits im 13. Jahrhundert

soll eine regelmäßige Verbindung bestanden haben, welche aus den

lombardischen Städten die Nachrichten über die Alpen nach den Städten

Süddeutschlands brachte und sich von da nach dem Innern Deutschlands

bis nach dem Norden hin fortpflanzte. Als später die Städtebünde

entstanden, wurde die Organisation dieser Botenzüge gefestigt und

erweitert und ein ganzes Netz von solchen über Deutschland gespannt.

In Wien bestand im 14. Jahrhundert eine eigene Botenstube, die bei

hoher Strafe von niemand als „von denen Landboten“ betreten werden

durfte. Übrigens fehlten dem ganzen Boteninstitute, abgesehen davon,

daß es nicht für jedermann benutzbar war, Einheit, Zuverlässigkeit,

Regelmäßigkeit und Autorität, überhaupt die Rechte und Pflichten einer

öffentlichen Anstalt.

[Illustration: Fig. 20. Briefbote mit dem deutschen Reichsadler aus dem

15. Jahrhundert.]

[Illustration: Fig. 21. Nürnberger Postbote aus dem 18. Jahrhundert.]

Auch die +Klöster+ unterhielten einen eigenen Botendienst. Zur

Ausführung desselben verwendete man meist die Klosterbrüder selbst. Daß

diese Art des Botenverkehrs nicht unbedeutend gewesen, ergiebt sich

vor allem daraus, daß zur Unterkunft der Mönchsboten in unwirtlicheren

Gegenden besondere Vorrichtungen getroffen waren. -- Ein wertvolles

Dokument über die Wirksamkeit der geistlichen Boten enthält das

Berliner Postmuseum. Es ist dies eine ~rotula~, d. h. ein Botenzettel

aus dem Beginn des 16. Jahrhunderts. Aus diesem 5 m langen und 12½ cm

breiten Pergamentstreifen erfahren wir, wie ein Klosterbote im Jahre

1501 aus der Benediktiner-Abtei St. Lambrecht in Obersteiermark auf

seiner Botentour durch Steiermark, Ober- und Niederösterreich, Bayern,

die Pfalz, den Rhein abwärts bis Köln gelangte, von da rheinaufwärts

über Straßburg im Elsaß, durch die Schweiz, um den Bodensee herum über

Bregenz und durch Vorarlberg nach seinem Ausgangspunkte zurückkehrte.

In jedem Kloster notierte man aus die Rotel die Namen der in einem

Jahre verstorbenen Brüder und Gönner, sowie den Tag der Ankunft des

Boten. Diese Rotel umfaßt -- sie ist dazu nicht vollständig -- die Zeit

eines halben Jahres und enthält die Empfangsbestätigungen und Notizen

von 235 Klöstern.

Eine besondere Art städtischer Botenanstalten waren die sogen.

+Metzgerposten+. Da die Metzger zur Betreibung ihres Geschäftes Pferde

halten mußten, und da sie in weitem Umkreise der Stadt, wo sie ihr

Handwerk trieben, umherkamen, so lag es nahe, sie zur Besorgung von

Nachrichten und zur Bestellung von Briefen zu benützen. Ja in manchen

Städten Süddeutschlands wurde infolgedessen der Postdienst der Zunft

der Metzger sogar zur Pflicht gemacht. So wechselte z. B. in Eßlingen

in Württemberg der Postdienst bei den Metzgern nach der Reihe. Die

bald reitenden, bald fahrenden Metzgerknechte kündigten an allen

Orten, wohin sie kamen, ihre Ankunft und ihren Abgang durch das Blasen

mit Hörnern an, woher der noch heute übliche Gebrauch der Posthörner

stammen mag. Übrigens scheinen sich diese Metzgerposten doch nur über

einen kleinen Teil Deutschlands -- Schwaben -- erstreckt zu haben und

auch da nur in beschränkterem Umfange in Anwendung gekommen zu sein.

Auch +einzelne Fürsten+ gründeten hie und da, aber nur für sich und

ihre Regierungszwecke, Postanstalten, so z. B. Herzog Albert von

Sachsen, welchem Kaiser Friedrich III. die Statthalterschaft der

Niederlande übertrug, und der schon oben erwähnte Ludwig XI. von

Frankreich.

Nach der Erfindung der Buchdruckerkunst fungierten nicht selten

die +Buchhändler+, damals „Buchführer“ genannt, und ihre

Geschäftsreisenden, welche die Erzeugnisse der neuen Kunst selbst von

Ort zu Ort zum Verkaufe brachten, als Briefüberbringer.

[Illustration: Fig. 22. Breslauer Postbote aus dem 16. Jahrhundert.]

Wohlhabende und regen Briefverkehr unterhaltende +Private+ hatten

oft eigene Boten. Das war namentlich der Fall in jener Zeit, als

infolge des aufblühenden Humanismus die Gelehrten Deutschlands und

seiner Nachbarländer sehr lebhaften Ideenaustausch pflegten. Von

Erasmus von Rotterdam z. B. wissen wir, daß er beständig wenigstens

+einen+ eigenen, von ihm besoldeten Boten unterhielt und für seinen

Briefverkehr die für die damalige Zeit bedeutende Summe von 60

Goldgulden jährlich ausgab.

Alle diese Anstalten genügten indes keineswegs, um die +gelegentliche+

Nachrichtenbeförderung durch pilgernde Mönche und fahrende Leute, durch

Gerichts- und Kanzleiboten und namentlich die Kaufmannszüge überflüssig

zu machen.

Soweit hatte sich in den verschiedenen Ländern Europas +in der Zeit

des Mittelalters+ das Postwesen entwickelt. Bevor wir aber zur

Geschichte des Postwesens der Neuzeit übergehen, wollen wir noch die

diesbezüglichen Einrichtungen in einigen außereuropäischen, besonders

+orientalischen+ und +transatlantischen+ Gebieten, in Kürze betrachten.

Die hohe Kultur, welche die +Araber+ entwickelten, seit ihre

Jugendkraft durch die Lehren des Islam zu großen Thaten aufgerüttelt

wurde, die machtvollen Staatswesen, die sie in Vorderasien gründeten,

die großartigen öffentlichen Institute, welche in denselben entstanden,

lassen schon von vornherein vermuten, daß sie auch der Beförderung

von Nachrichten und Personen ihre Aufmerksamkeit zuwendeten. Und so

ist es auch. In allen +mohammedanischen+ Ländern des Orients finden

wir schon frühe Spuren und Anfänge von Posteinrichtungen. Die ersten

soll bereits der Chalif Moawija (661-679) geschaffen haben, und um

die Mitte des 10. Jahrhunderts zählte man schon 930 Poststationen.

Feste, ununterbrochene Ketten von solchen verknüpften schließlich die

gefährdeten Grenzfestungen mit dem Machtcentrum des Reiches, hielten

die Hauptstädte der Provinzen, in denen die mächtigen Statthalter

residierten, in stetem Verkehre mit dem Sitze der Staatsgewalt und

sicherten die Verbindung der Hauptstadt mit den Seeplätzen und

Flottenstationen.

Der Charakter der Chalifenpost war anfänglich ein rein staatlicher; es

wurden nur Depeschen der Regierung und solche Staatsbeamte befördert,

die hierzu von dem Herrscher die Ermächtigung erhielten. Erst später

wurden von den Regierungskurieren gegen Bezahlung auch Privatbriefe

mitgenommen.

An der Spitze der Verwaltung des Postdienstes stand der

Centralpostmeister zu Bagdad, der einer der höchsten Würdenträger des

Reiches war. Sagte doch der Chalif Abu Djafar Mansur: „Mein Thron ruht

auf vier Pfeilern und meine Herrschaft auf vier Männern; diese sind:

ein tadelloser Kadi (Richter), ein energischer Polizeiverwalter, ein

rechtschaffener Finanzminister und ein treuer +Postmeister+, der mir

über alles Auskunft giebt.“

Als das Chalifenreich zerfiel, löste sich auch das Netz seines

Postwesens auf.

+Indien+ hatte, wie bereits erwähnt, schon im Altertum eine gut

organisierte Briefpost; aber auch aus späterer Zeit wissen wir, daß das

Postwesen bestens gepflegt wurde. Der Sultan Baber von Delhi z. B. nahm

sich besonders des Postwesens an. Er ließ auf der Heerstraße von Agra,

seiner Residenz, bis nach Kabul Posthäuser errichten.

Von den Posteinrichtungen +Chinas+ berichtet der Reisende des 13.

Jahrhunderts, +Marco Polo+: Sie gingen durch das ganze chinesische

Reich; überall gab es schöne Gasthäuser, an allen Straßen zahlreiche

Stationen und eine große Zahl verfügbarer Pferde für die Postboten und

die Reisenden.

Auch in +Japan+ ist schon seit Jahrhunderten ein geregeltes Postwesen

eingeführt; treffliche Straßen durchziehen das Land, an denen

in kleinen Entfernungen wohleingerichtete Herbergen stehen. Die

kaiserlichen Kuriere führen Glöckchen mit sich, damit jeder, auch der

höchste Beamte, ihnen ausweiche. Als Europa noch keine Ahnung von

Reisehandbüchern hatte, kannte Japan dergleichen längst, und zwar in

Gestalt von Fächern; dieselben sind mit allen Notizen bedruckt, welche

der Reisende zu wissen braucht; er findet auf ihnen die Entfernungen in

Meilen, die Richtung, das Postgeld, den Preis der Speisen u. dgl. m.

angegeben.

Aber auch bei den alten Kulturvölkern +Amerikas+ riefen, lange bevor

die Neue Welt von Europäern betreten war, gleiche Verhältnisse und

Bedürfnisse ähnliche Einrichtungen hervor. Peru hatte, bevor es von

den Spaniern erobert wurde, geradezu bewunderungswürdige Straßen.

Alexander von Humboldt vergleicht sie mit den Römerstraßen. An diesen

Straßen hatten die Inkas, die Herrscher des Landes, in Entfernungen von

je ½ Stunde Weges Häuser erbauen lassen, in welchen Eilboten wohnten.

Diese Chasquis, wohleingeübte Läufer, hatten immer 14 Tage Dienst, dann

wurden sie auf einige Tage abgelöst. Vermittelst derselben wurde eine

Depesche in 24 Stunden 50 Leguas weit befördert, und eine Botschaft von

Cuzco nach Quito gelangte binnen sechs Tagen an ihr Ziel.

Wie in Peru war es in +Mejico+ vor dessen Eroberung durch +Cortez+. So

konnte +Montezuma+ an seiner Tafel Fische essen, die 24 Stunden früher

im Golfe von Mejico umhergeschwommen waren, die also 50 deutsche Meilen

durch die Eilpost mit unterlegten Menschen befördert werden mußten.

2. Straßen und Fuhrwerke[47].

Der Weltverkehr Telegraphie und Post, Eisenbahnen und Schiffahrt, in ihrer Entwickelung dargestellt · 第 7 / 50 段