Diesen Schiffen liegt, namentlich wenn es sich um Versenkung größerer

oder um das Auffischen und Zusammenspleißen gebrochener Kabel handelt,

eine Arbeit ob, die das Schiff, die Mannschaft und die Ladung den

bedenklichsten Wechselfällen aussetzt. Abgesehen von den Launen der

Witterung und des Meeres, denen die Kabelschiffe durch ihre Belastung

und die zur Versenkung der Kabel erforderlichen Vorrichtungen

in erhöhtem Maße ausgesetzt sind, werden die Bewegungen dieser

Schiffe durch ihre Arbeiten in einer Weise gehemmt, die es ihnen

außerordentlich erschwert, anderen Schiffen auszubiegen. Die Gefahr

eines Zusammenstoßes mit anderen Fahrzeugen ist um so größer, als die

Arbeiten der Kabeldampfer regelmäßig auf den belebtesten Hochstraßen

des Oceans auszuführen sind und ihrer Natur nach nicht unterbrochen

werden dürfen. In nicht seltenen Fällen hat zur Rettung des Schiffes

das Kabel an unpassenden Stellen gelegt oder gar abgeschnitten und dem

gänzlichen Verlust ausgesetzt werden müssen. Vor ca. 10 Jahren ging der

Dampfer +Gomos+ bei Legung des Kabels von St. Vincent nach Pernambuco

infolge eines Zusammenstoßes zu Grunde. Aus gleicher Ursache wurde

der Telegraphendampfer +Robert Lowe+ in den Gewässern von Neufundland

schwer beschädigt.

4. +Kabelschutz+. Bei dem großen Anlagekapital und bei der Wichtigkeit

der telegraphischen Verbindungen ist es begreiflich, daß man schon sehr

frühe daran dachte, wenigstens die +Kabellinien+ unter den Schutz der

Mächte zu stellen. Die ersten derartigen Bestrebungen gingen bereits

1869 von den Vereinigten Staaten von Amerika aus, aber erst auf der

internationalen Konferenz zu Paris vom 27. Oktober 1883 kam eine

diesbezügliche Vereinbarung zu stande. Die Übereinkunft, welche von 32

Staaten abgeschlossen wurde, bezweckt den internationalen Schutz der

Kabel wenigstens in +Friedenszeiten+. Das von +Cyrus Field+ angestrebte

Ideal, die unterseeischen Telegraphen-Verbindungen vollständig zu

+neutralisieren+, ist durch den Vertrag +nicht+ erreicht worden.

5. +Statistik der unterseeischen Telegraphenverbindungen.+ Die Zahl

sämtlicher submariner Kabel beträgt 731. Hiervon gehören 546 Kabel den

+Staatsverwaltungen+, 185 sind Eigentum von +Privatgesellschaften+. An

letzteren gab es 1883 23, von denen 17 ihren Sitz in London hatten. Die

ausgedehntesten +submarinen+ Leitungen (fast 17000 Seemeilen) besitzt

die +Eastern Telegraph Company+. Die Länge sämtlicher Privatkabel

übertrifft jene der Staatsverwaltungen fast um das +Zwölffache+.

Die Ausdehnung der sämtlichen unterseeischen Telegraphenverbindungen

für das Jahr 1883 erhellt aus folgender, dem ~+Journal télégraphique+~

entnommenen Zusammenstellung.

~A.~ +Staatsverwaltungen.+

|---------------------------------+-------+-------------------------

| | Zahl | Länge (in Seemeilen)

| Länder. | der |------------+------------

| | Kabel.| der Kabel. | der Drähte.

|---------------------------------+-------+------------+------------

|Deutsches Reich | 32 | 436,19 | 1042,24

|Österreich | 29 | 97,49 | 103,94

|Dänemark | 32 | 111,68 | 410,18

|Spanien | 3 | 129,10 | 129,10

|Frankreich | 41 | 2329,273 | 2345,273

|Großbritannien und Irland | 92 | 576,194 | 1528,163

|Griechenland | 13 | 104,60 | 104,60

|Italien | 15 | 250,29 | 262

|Norwegen | 224 | 245,76 | 245,76

|Niederlande | 14 | 40,70 | 61,81

|Europäisches und kaukasisches | | |

| Rußland | 5 | 201,80 | 209,84

|Schweden | 7 | 58,60 | 58,60

|Türkei | 12 | 330,66 | 333,66

|Britisch-Indien | 7 | 1743,35 | 1743,35

|Japan | 11 | 55,498 | 103,368

|Russisch-Asien | 1 | 70,017 | 70,017

|Süd-Australien | 2 | 43,50 | 43,50

|Neu-Caledonien | 1 | 1 | 1

|Niederländisch-Indien | 1 | 54,91 | 54,91

|Neu-Seeland | 3 | 196,315 | 284,94

|Britisches Amerika | 1 | 200 | 200

| --+-------+------------+------------

| | 546 | 7276,927 | 9336,281

~B.~ +Privatgesellschaften.+

---------------------------------------+------+-----------------------

| Zahl | Länge (in Seemeilen)

Namen der Gesellschaften. | der |-----------+-----------

|Kabel.|der Kabel. |der Drähte.

---------------------------------------+------+-----------+-----------

1. Submarine Telegraph Company | 10| 803,69 | 3728,64

2. Vereinigte deutsche Telegraphen- | | |

Gesellschaft | 2| 1119 | 1794

3. Hamburg-Helgoländer Telegr.- | | |

Gesellschaft | 1| 32 | 32

4. Direct Spanish Telegraph Company | 2| 699,13 | 699,13

5. Mediterranean Extension Telegr. | | |

Company | 3| 198 | 198

6. Black Sea Telegraph Company | 1| 350 | 350

7. Indo-European Telegraph Company | 1| 8 | 24

8. Great Northern Telegraph Company | 17| 5916 | 6142

9. Eastern Telegraph Company | 49| 16814,85 |16859,85

10. Eastern and South African | | |

Telegraph Company | 4| 3858 | 3858

11. Eastern Extension Australasia and | | |

China Telegraph Company | 15| 11265 |11265

12. Anglo-American Telegraph Company | 15| 10437,56 |11035,70

13. Directed United States Cable | | |

Company | 2| 2983 | 2983

14. Compagnie française du Télégraphe | | |

de Paris à New-York | 4| 3409,34 | 3409,34

15. Western Union Telegraph Company[16]| 4| 5537 | 5537

16. Brazilian Submarine Telegraph | | |

Company | 4| 4296 | 4296

17. Cuba Submarine Telegraph Company. | 3| 940 | 940

18. West-India and Panama Telegr. | | |

Company | 20| 4119 | 4119

19. Western and Brazilian Telegraph | | |

Company | 9| 3801 | 3801

20. River Plate Telegraph Company | 1| 32 | 64

21. Mexican Telegraph Company | 2| 709 | 709

22. Central and South American | | |

Telegraph Company | 9| 3178,11 | 3178,11

23. West Coast of America Telegr. | | |

Company[17] | 7| 1698,72 | 1698,72

--+------+-----------+-----------

| 185| 82214,40 |86721,49

+Zusammenfassung.+

------------------------+----------+---------------------------

| Zahl der | Länge (in Seemeilen)

| Kabel. | der Kabel. | der Drähte.

------------------------+----------+------------+--------------

Staatstelegraphen | 546 | 7276,927 | 9336,281

Privat-Gesellschaften | 185 | 82214,40 | 86721,49

--+----------+------------+--------------

Im ganzen | 731 | 89491,327 | 96057,771

Nach der +neuesten+ Statistik können die Kabel der

+Privatgesellschaften+ auf 180000 km Länge mit 200000 km Leitung

veranschlagt werden, während die in +Staatsverwaltung+ befindlichen

Kabel nur 15000 km Länge und etwa 18000 km Leitung besitzen. Die

+Länge sämtlicher Kabel der Erde beträgt somit+ 195000 km mit 218000

km Drähten[18]. Bedenkt man, daß es vor wenigen Decennien noch für

unmöglich galt, Kabel durchs Meer zu legen, so ist dieses Resultat

wahrlich im höchsten Grade bewundernswert.

6. +Kosten der Kabel.+ Der Wert der sämtlichen Kabel beläuft sich

auf über 600 Millionen Mark. Durchschnittlich betragen die Kosten

der atlantischen Kabel pro englische Meile (= 1,6 km) 550 Pfd. St. =

11000 M.; andere submarine Leitungen wurden dagegen schon um 200 Pfd.

St. pro englische Meile erstellt. Beträchtlich wohlfeiler kommen die

oberirdischen Leitungen zu stehen: im Durchschnitt pro englische Meile

auf 80 Pfd. St. = 1600 M., die unterirdischen dagegen kosteten in

Deutschland für die gleiche Entfernung 450 Pfd. St. = 9000 M.[19]

7. +Tarifentwicklung für Kabeltelegramme.+ Die nachstehende Tabelle

veranschaulicht in übersichtlicher Weise, wie der Preis für

+transatlantische+ Telegramme seit der Inbetriebnahme der ersten

überseeischen Kabel und infolge des fortwährenden Hinzutretens von

neuen Verbindungen fast stetig sich ermäßigte, bis er schließlich zu

dem jetzigen verhältnismäßig billigen Satze herabsank, welcher auch den

weniger Bemittelten gestatten dürfte, in Fällen großer Dringlichkeit

von den überseeischen Verbindungen Gebrauch zu machen.

Für ein Telegramm bis zu 20 Worten Inhalt wurden bezahlt:

bis zum Jahre 1867 M. 400,--

vom 1. November 1867 ab „ 200,--

„ 1. Dezember 1867 ab für ein Telegramm bis zu 10 Worten „ 100,--

„ 1. September 1868 „ „ „ „ „ 67,40

„ 1. Juni 1869 „ „ „ „ „ 40,--

„ 10. August 1869 „ „ „ „ „ 30,--

„ 12. Dezember 1870 „ „ „ „ „ 60,--

„ 1. Juli 1871 „ „ „ „ „ 40,--

Vom 1. Mai 1872 ab wurde die Worttaxe eingeführt, und zwar

wurde zunächst berechnet für jedes Wort M. 4,--

vom 1. Mai 1875 ab „ 2,--

und vom 24. Dezember 1884 ab „ 1,60

Die zuletzt genannte Ermäßigung war eine Folge der Verlegung der

+Bennett-Mackay+-Kabel, die von Waterville in der Nähe der Insel

Valentia ihren Ausgang nehmen. Die Eigentümer dieser Kabel, welche

die +Commercial Cable Company+ bilden, setzten bei der Inbetriebnahme

derselben den angeführten Satz von 1,60 Mark für ein Wort fest, und

die augenblickliche Folge davon war, daß auch alle übrigen Eigentümer

von transatlantischen Kabeln sofort den gleichen Satz in Anwendung

bringen ließen[20]. Seitdem ist sogar noch eine weitere Verwohlfeilung

des telegraphischen Verkehrs zwischen Europa und Amerika eingetreten.

Um nämlich die +Commercial Cable Company+ zu veranlassen, dem Bunde

der übrigen Kabelgesellschaften beizutreten, haben die letzteren am 5.

Mai 1886 die Wortgebühr für die Beförderung von Telegrammen zwischen

London und New-York sowie den wichtigsten Handelsstädten Nordamerikas

für ihre sämtlichen Linien auf den Satz von M. 0,50 herabgesetzt.

Besondere Konzessionen wurden gleichzeitig den Zeitungen gemacht,

indem für Preßtelegramme mittels besonderen Abkommens eine Ermäßigung

der Gebühr auf sogar 0,25 M. für das Wort vereinbart werden kann. Die

Beförderungsgebühren werden indes auf +diesem+ Satze nicht allzulange

beharren[21].

Drittes Kapitel.

Übersicht über die wichtigsten Telegraphenlinien der Erde.

~A.~ Die großen Kontinentallinien.

Die bedeutendsten diesbezüglichen Linien sind:

1. +Der europäisch-indische Überlandtelegraph.+ Derselbe läuft bis

zum persischen Hafen +Buschir+ in +doppelter+ Linie, einerseits über

Konstantinopel, Bagdad und Basra (nur die kurze Strecke +Fao-Buschir+

ist Kabelleitung), andererseits von Rußland her über Tiflis, Teheran

und Ispahan. Von Buschir taucht die Leitung in den persischen

Meerbusen, landet dann bei Jask in Südpersien und wieder bei Gwadur und

Karratschi und zieht dann über Land nach Bombay, Madras, Calcutta und

Mulmein, letzteres in Hinterindien.

2. +Der sibirische Überlandtelegraph.+ Er zieht von St. Petersburg

über Kasan, Perm, Tjumen, Omsk, Tomsk, Krasnojarsk, Irkutsk, Kiachta,

Nertschinsk nach Nikolajewsk am Ochotskischen und Wladiwostock am

Japanischen Meer.

3. +Der australische Überlandtelegraph.+ Er führt von Port Darwin in

Nordaustralien nach Melbourne in Südaustralien. Außerdem läuft hier ein

Telegraph von Melbourne an der Ostküste entlang über Sydney nach dem

Golf von Carpentaria; desgleichen eine Leitung an der Südküste nach

Westen bis Perth, Geralton und Roeburne.

4. +Der transkontinentale Telegraph Nordamerikas.+ Er verbindet den

Osten (New-York) mit dem Westen der Vereinigten Staaten (San Francisco).

5. +Die transandinische Linie Südamerikas.+ Sie verknüpft Argentinien

und Uruguay mit Chile, indem sie die Pampas durchzieht und die Anden

übersteigt.

~B.~ Die wichtigsten unterseeischen Verbindungen[22].

Sie zerfallen in folgende Hauptgruppen:

I. +Linien zwischen Europa und Nordamerika+, zugleich für den Verkehr

mit +Mittelamerika+ und +Westindien+.

1. Drei Linien von der Insel +Valentia+ an der Südwestküste von Irland

nach Hearts Content auf Neufundland: ~a.~ 1873er Kabel, 3475 km; ~b.~

1874er Kabel, 3403 km; ~c.~ 1880er Kabel, 3000 km.

[Illustration: Fig. 11. Die unterseeischen Verbindungen zwischen Europa

und Nordamerika.]

2. Eine Linie von der +Ballinskelligbai+ (bei Valentia) nach +Tor Bai+

auf Neuschottland.

3. Zwei Linien von +Waterville+ (nächst der Ballinskelligbai) nach

+Dover Bai+.

4. Zwei Linien von +Sennen Cove+ an der Westspitze der englischen

Halbinsel Cornwall nach +Dover Bai+.

5. Zwei Linien von +Brest+ (Frankreich) nach +St. Pierre-Miquelon+

(südlich von Neufundland).

II. +Linien zwischen Europa und Südamerika.+

Die Doppel-Linie +Lissabon+-Madeira-St. Vincent-+Pernambuco+; jedes

Kabel hat eine Gesamtlänge von je 7260 km. Von Pernambuco wurden ferner

Kabel entlang der Küste nördlich bis +Pará+, südlich nach +Bahia+, +Rio

de Janeiro+, +Montevideo+ und +Buenos-Aires+ gelegt.

Zwischen Europa und Amerika bestehen somit gegenwärtig nicht weniger

als 12 submarine Leitungen; 10 derselben verbinden Europa und

Nordamerika.

III. +Linien zur Verbindung von Europa und Afrika+, sowie von +Europa+

und +Asien+, beziehungsweise +Australien+.

1. +Marseille+-+Algier+ (3 Linien) und +Marseille+-+Bona+ (2 Linien).

2. +Falmouth+-+Gibraltar+-+Malta+-+Alexandrien+.

3. +Modica+ (Sicilien)-+Malta+-+Alexandrien+.

4. +Otranto+ (Unteritalien)-+Zante+-+Alexandrien+ mit verschiedenen

Abzweigungen.

5. +Cadiz+-+Teneriffa+-+St. Louis+-+Dakar+ (franz.

Senegambien)-+Bathurst+-Bulama-+Konakry+.

6. (Alexandrien-)+Suez+-+Aden+-+Bombay+ (2 Linien).

7. +Suez+-+Aden+-+Zanzibar+-+Mozambique+-+Delagoabai+-+Port

Natal+(-+Kapstadt+). Dieses Kabel ist 7289 km lang.

8. (Bombay-)+Madras+-+Penang+-+Singapore+.

9. +Singapore+-+Batavia+.

10. +Singapore+-+Banjoewangie+ (Java)-+Port Darwin+ (Nordaustralien).

11. +Singapore+-+Saigon+-+Hongkong+ (China)-+Shanghai+-+Nagasaki+

(Japan)-+Wladiwostock+ (im russischen Amurgebiet am Japanischen Meer).

12. +Saigon+-+Hué+-+Haiphong+-+Hongkong+-+Amoy+-+Shanghai+.

13. +Melbourne+-+Low Head+ (Tasmanien) und +Sydney+-+Nelson+

(Neu-Seeland).

14. Für den internationalen Verkehr ist noch von Wichtigkeit die

Kabelleitung durch den persischen Golf: +Fao+ (an der Mündung des

Schat-el-Arab)-+Buschehr+-+Karratschi+.

IV. +Zwischen Nord- und Südamerika.+

Galveston-Tampico-Vera Cruz-[Coatzacoalcos (Mejico)-Salina Cruz (am

Stillen Ocean)]-la Libertad-San Juan del Sur-Panamá-Buenaventura-Sta.

Elena (im Staat Ecuador)-Payta (Peru)-Chorillos bei Lima. Die Leitung

wurde erst 1882 fertiggestellt, und erst seitdem ist zwischen Nord- und

Südamerika ein direkter telegraphischer Verkehr möglich; bis dahin war

das nur über Europa der Fall mittels der Leitung Lissabon-Pernambuco.

Ein Telegramm von Nordamerika nach Südamerika mußte also +zweimal+

den Atlantischen Ocean durchkreuzen. Und welche Kosten waren hiermit

verknüpft! Für das Taxwort eines Telegrammes von Panama nach Callao

(Peru) waren z. B. nicht weniger als 13 Dollars oder 52 Mark zu

entrichten. Von Lima zieht dann eine Kabelleitung südwärts nach

Valparaiso, das selber wieder durch die transandinische Linie mit der

Ostküste Südamerikas in Verbindung steht.

V. +Projektierte unterseeische Linien.+

An unterseeischen Linien sind in Aussicht genommen:

1. Die Fortsetzung des Kabels an der Westküste von Afrika und zwar von

+Konakry+ über St. Thomas (im Gabunlande), Loanda, Benguela, Mossamedes

nach +Kapstadt+.

2. Ein Kabel von +Brest+ nach +Guadeloupe+, einer der Kleinen Antillen.

3. Verbindungen von +Waterville+, +Brest+, +Vigo+ und +Lissabon+ über

die +Azoren+- und +Bermuda+-Inseln mit +Halifax+, +New-York+, +Havana+

und +Kingston+ (auf Jamaica).

4. Ein Kabel von +Fortaleza+ (in Brasilien) nach +New-York+.

~C.~ Weltlinien.

Von besonderer Wichtigkeit ist die +Kombination+ der einzelnen

submarinen Kabel mit Überlandlinien zur Herstellung sogen.

+Weltlinien+, durch welche mehrere Erdteile miteinander in direkten

Verkehr gesetzt werden.

[Illustration: ~Die wichtigsten Telegraphenverbindungen der Erde.~]

Die +längste+ durchgehende Linie dieser Art reicht von San Francisco

an der Westküste Nordamerikas einerseits und von Valparaiso an der

Westküste Südamerikas andererseits bis Wladiwostock am Japanischen

Meer und Nikolajewesk am Ochotskischen Meer. Sie wird durch folgende

vier Hauptstrecken gebildet: die nordamerikanische, beziehungsweise

südamerikanische Landroute, die atlantischen Kabel, die Linie von

England bis Petersburg und die russisch-sibirische Strecke. (Siehe

Karte.)

Eine +zweite+ durchgehende Linie zieht sich durch Europa in

südöstlicher Richtung nach dem Süden Asiens und weiterhin nach

Australien[23]. Sie nimmt ihren Weg von Konstantinopel über Bagdad und

Basra, zieht hierauf über Bombay nach Madras, um von dort per Kabel

Singapur zu erreichen. Von Singapur führt dann eine Doppelleitung über

Java nach Port Darwin in Australien, wo sich der Überlandtelegraph

anschließt. -- Mit dieser Weltlinie vereinigen sich in Bombay die

zwei von Suez über Aden kommenden Kabel und in Buschir am Persischen

Meerbusen die von Europa über Tiflis, Teheran und Ispahan laufende

Leitung. Ferner zweigt von Singapur ein Kabel ab über Hongkong,

Shanghai, Nagasaki (Japan) nach Wladiwostock zum Anschluß an die

sibirische Linie.

Zur Vollendung des telegraphischen Weltnetzes fehlt nur noch

die Verbindung zwischen Amerika und Asien. Ist diese Verbindung

hergestellt, dann ist der elektrische Gürtel um die Erde geschlossen.

Viertes Kapitel.

Leitungsstörungen[24].

Die Beeinträchtigungen, welche die Telegraphenanlagen zu erleiden

haben, sind mannigfacher Art. Was zunächst die +oberirdischen

Leitungen+ betrifft, so sind dieselben zahlreichen schädlichen

Einwirkungen durch die +elementaren Naturkräfte+ ausgesetzt. Als

besonders nachteilig erweisen sich z. B. die aus dem Wechsel

der Witterung hervorgehenden +atmosphärischen Einflüsse+. Die

Niederschläge, wie Regen, Nebel und Tau, stören nämlich die Isolation

der Leitungen, und dadurch wird der galvanische Strom so geschwächt,

daß er oft nicht im stande ist, die Apparate auf weitere Strecken hin

in Thätigkeit zu setzen. Scheidet sich im Winter der Wassergehalt

der Atmosphäre in gefrorenem Zustande aus, so hängt er sich als

Rauhfrost oder Schnee an die Drähte und überzieht dieselben mit dicken

Krusten von beträchtlicher Schwere. Es sind in dieser Beziehung

Fälle beobachtet worden, in welchen die Eiskruste einen Durchmesser

von 15-20 cm erreichte und jeden einzelnen Draht innerhalb der

gewöhnlichen Stangenintervalle mit einem Mehrgewicht von 1000-1500

kg belastete. Daß eine solche Vermehrung des eigenen Gewichtes,

zumal bei starken Luftströmungen, vielfach Draht- und Stangenbrüche

im Gefolge hat, bedarf keiner Ausführung. -- Durch +Eisgang und

Hochwasser+ werden nicht selten Stangen, die aus örtlichen Gründen

im Überschwemmungsgebiet der Flüsse haben aufgestellt werden müssen,

unterspült und demnächst fortgerissen. -- Ferner fegt der +Sturmwind+,

der die Stangen niederlegt und ihre Drähte zu schwer entwirrbaren

Knäueln verwickelt, breite Breschen in die oberirdischen Leitungen. So

hat der orkanartige Sturm, der in den Tagen vom 9. bis 12. März 1876

das mittlere Europa, an letzterem Tage namentlich Mitteldeutschland

heimsuchte, ⅖ der sämtlichen Telegraphenleitungen des Deutschen

Reichs, nämlich 52390 km Leitung mit einem Anlagewert von ca. 9

Millionen Mark, auf mehrere Tage außer Betrieb gesetzt. Tagelang gab

es in Mittel- und Süddeutschland, einem großen Teil von England,

Frankreich, Belgien, den Niederlanden und bis nach Rußland hinein

keinen telegraphischen Verkehr. Der Sturm am 4. November 1878 richtete

in den österreichisch-ungarischen Telegraphenleitungen derartige

Verheerungen an, daß Wien vier Tage lang von jeder elektrischen

Verbindung abgeschnitten war. -- Der schädliche Einfluß der

+Gewitter+ auf die Telegraphenlinien äußert sich in doppelter Weise.

Trifft ein Blitzschlag die Linie unmittelbar, so werden zumeist die

Tragstangen zersplittert und umgeworfen, die Isolatoren zertrümmert,

die Leitungsdrähte beschädigt; außerdem wirken die in der Nähe der

Leitungen sich vollziehenden Entladungen auf die Betriebsfähigkeit

insofern, als sie in den Leitungen elektrische Strömungen hervorrufen,

welche die Wirkung der Telegraphenströme zeitweise stören oder

aufheben. -- Noch nachhaltiger als die Gewitterstörungen sind die

Einwirkungen der in der Regel mit Nordlichterscheinungen verknüpften

sogen. +magnetischen Gewitter+, die in den Telegraphenleitungen

oft stundenlang andauernde Gegenströmungen von erheblicher Stärke

hervorrufen.

Ein nicht unerheblicher Teil der an den oberirdischen Leitungen

vorkommenden Beschädigungen ist auf die gewöhnliche +Abnutzung+ der

verwendeten Materialien zurückzuführen. Es gilt dies namentlich

von den hölzernen Stangen, die zwar mit antiseptischen Stoffen

(Kupfervitriol, Quecksilbersublimat) getränkt sind, deren endliche

Zerstörung dadurch indes nur aufgehalten, nicht aber vollständig

abgewendet werden kann, und ferner von den Eisendrähten, die nach dem

unausbleiblichen Schwinden des Zinküberzuges dem Roste mehr und mehr

erliegen und schließlich reißen. -- An stark mit Leitungen belasteten

Gestängen treten +Berührungen der Leitungsdrähte unter sich ein+; sie

werden durch Stürme, durch Lockerung oder Brechen der Bindedrähte

hervorgerufen und veranlassen dadurch Stromüberleitungen von einem

Draht auf den andern und somit gleichfalls Betriebsstörungen. Auch

Berührungen der Leitungen mit Baumzweigen u. dgl. können Überleitungen

von einer Leitung zur andern, wie Ableitungen zur Erde zur Folge haben.

Desgleichen sind Verunreinigungen der Isolatoren geeignet, unter

Umständen Anlaß zu Stromableitungen zu geben.

Auch seitens mancher +Tiere+ erfahren die oberirdischen Leitungen

Beschädigungen. So hacken die Spechte in die Telegraphenstangen

Löcher, welche nicht selten die ganze Stange durchdringen.

Betriebsstörungen entstehen ferner durch das Anfliegen größerer Vögel

gegen die Leitungen. Ein Drahtbruch oder eine Verschlingung mehrerer

Leitungsdrähte kann hiervon die Folge sein. Man hat dergleichen

Störungen durch gegenfliegende Schwäne, Störche, Trappen, wilde Enten

und andere Vögel beobachtet. Namentlich aber sind es die Gänse, welche

in Gegenden mit starker Gänsezucht zu einer wahren Plage für die

Telegraphenleitungen werden können. Gar manche Stangen werden auch von

Bären und Wölfen umgelegt, da sich diese Tiere, durch den Ton der durch

die Luft in Schwingung versetzten Drähte getäuscht, in der Nähe eines

Bienenstockes zu befinden glauben und nach dem Honig fahnden. In Japan

sind es die Spinnen, welche die Depeschen verderben. Während der Nacht

nämlich weben und spinnen diese fleißigen Arbeiter ihre Netze zwischen

den in der Luft schwebenden Drähten und den sie stützenden Stangen. Zu

gewissen Jahreszeiten fällt nun reichlicher Tau, und dann werden diese

Spinngewebe in nassem Zustande zu guten Elektricitätsleitern, welche

oft große Abweichungen und Stromverluste hervorbringen, so daß manchmal

des Morgens von einem Punkte der Linie bis zum andern die größte

Konfusion herrscht. Erst nach Sonnenaufgang, wenn die Gewebe wieder

trocknen, oder nachdem man dieselben zerstört hat, tritt wieder Ordnung

ein.

Neben den vorerwähnten Einflüssen kommen bei der Instandhaltung der

oberirdischen Leitungen auch solche Beschädigungen in Betracht, welche

durch +Erd+- und +Gesteinsrutschungen+, +Felsstürze+, +Feuersbrünste+,

+Eisenbahnunfälle+ etc. entstehen.

Der Weltverkehr Telegraphie und Post, Eisenbahnen und Schiffahrt, in ihrer Entwickelung dargestellt · 第 3 / 50 段