Vom Jahre 1822 bis zum März 1827 fehlen Uechtritzens Briefe. Diese
Lücke, welche wir mit zwei Zuschriften Tieck’s ausfüllen zu können
so glücklich waren, fällt nun gerade in jene Zeit, wo der junge
Dichter des „Alexander und Darius“ durch dieses hochpoetische
Werk Meister Ludwig’s Zuneigung gewann, die bei _näherer_
persönlicher Bekanntschaft sehr bald in aufrichtigste Freundschaft
überging, und deshalb so dauernd festhielt, weil sie sich von
Tieck’s Seite, trotz der Ungleichheit der Jahre auf Achtung
gründete. Er sah in Uechtritz eine, von den Erscheinungen der
Zeit scharf gesonderte Specialität, die sich durch frommen Ernst,
durch heiligen Eifer für das Höchste und Reinste in der Dichtkunst
auszeichnete, ohne dabei rigoristisch und exklusiv aufzutreten.
Empfänglich für die Bestrebungen Anderer, nachsichtig in seinen
Urtheilen über deren Versuche, war Uechtritz nur streng gegen sich
selbst und seine Arbeiten. Wer „Alexandarius,“ (so nannten ihn
scherzhafterweise die Berliner Freunde unter sich) _gesehen_
hat, wenn er mit der abermaligen (vielleicht zehnten) Emendation
einiger Zeilen -- gleichviel ob Verse, oder Prosa -- zum Regisseur,
zum darstellenden Schauspieler, zum Vorleser, zum Buchdrucker
eilte, um wo möglich noch anzubringen, was er für deutlichere
Entwickelung des Gedankens, für wohlklingendere Abrundung der
Form gethan, -- nun, _der_ hat einen rechten Begriff vom
innersten Respekt, von der wahrhaften Ehrfurcht, welche den Dichter
für die Sache der Poesie durchdringen soll. -- Als Gerichtsrath,
als Immermann’s Kollege in Düsseldorf lebend, ward er Genosse
und fördernder Theilnehmer der schönen Tage, welche am dortigen
Kunsthimmel strahlten. Und daß deren Heiterkeit durch ihn niemals
getrübt worden ist; daß er sich einer so entschieden dominirenden
Herrschernatur wie Immermann gewesen, liebevoll zu fügen verstand,
ohne an eigener edeler Selbstständigkeit sich etwas zu vergeben...
darin liegt wohl das glänzendste Zeugnis für seinen vortrefflichen,
reinen Charakter.