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Wenn ich in der Zeit meine Mutter nicht gehabt hätte...
Mütter sind Helden...
Kleines, versorgtes, vergrämtes Mutterchen, du warst der Heldinnen
größte.
Gabst mir Sonne und Wärme und Zuversicht.
Gabst so viel Liebe für mich her, daß sie die ganze, weite Welt hätte
füllen können, schafftest und sorgtest, als seist du eine junge Deern,
die für das eigene Glück arbeitet.
Mutter, Mutter!
Und deinen großen Jungen trugst du auf betendem Herzen. So ist er nicht
verzweifelt.
Einmal an einem regennassen Novembertag stürmt ich zum alten Balian.
Ich wollt ihm sagen, daß ich den Schritt nicht tun könne. Daß ich es
kläglich fände, zwei Menschen zusammenzusperren für Zeit und Ewigkeit,
die nichts Gemeinsames haben als die unreife Jugend. -- Niemals wollt
ich mich verheiraten. Was ich verdiene, solle die Lisette haben, bis
für sie einmal der Rechte käme...
Der alte Balian lag schwer an Lungenentzündung. Er fieberte, war in
einer andern Welt. Was wir von seinen leisen Worten aber verstehen
konnten, war Freude über die Versorgung seiner Tochter.
Dann starb er uns, und ich konnte die Verwaiste nicht verlassen. Denn
es war nichts da.
Die guten Erfurter schlugen die Hände über dem Kopf zusammen, daß ein
blühendes Geschäft so hatte vor die Hunde gehen können. Die schlechten
Kinder waren der Rost gewesen, der an dem ehrlich erarbeiteten Gelde
des Vaters fraß, und heimliche Wege war Schmied Balian gegangen, damit
die Nachbarn und die Kundschaft nichts von seinem Verfalle merken
sollten. -- Was noch irgendwie ein Ansehen hatte von seinen Sachen,
war verpfändet. Ein paar wurmstichige Möbel nahmen wir mit. Ich habe
sie zu Brennholz zerhackt, und sie spendeten die einzige Wärme, die
ich dem Hause Balian zu verdanken hatte. Von Mutterchens armseligen
Ersparnissen richteten wir die neue Lehrerwohnung ein. Sie lag in
Einingen, tief in der Lüneburger Heide.
Die Heide kann nur ganz Glückliche, kann nur selige, jauchzende,
lachende Menschenkinder brauchen, oder ganz Unglückliche, von ihrem
Gott Verlassene. -- Ihre Riesenweiten muß man füllen können mit Liebe
oder Haß, mit Jauchzen und Zittern, mit einer Welt von innerem Erleben.
Gleichgültige Menschen oder solche, die nur Erdenschwere und Dumpfheit
kennen, gehören in die Großstadt. Die Heide tötet ihnen Seele und Leib.
Ein Unglücklicher war ich.
Weil ich so jung war.