VIERTES KAPITEL

ALEXANDER AM GRABE DES ACHILLEUS. Während Dareios ein zweites Heer

sammelte, um Alexander niederzuwerfen, begab sich der König zum Meere, um

die von Homer besungenen Stätten zu besuchen. Als der König alles

aufmerksam besichtigt hatte und die ruhmreichen Trümmer bewundert, brachte

er mit eigener Hand Opfer dar am Grabe des Achilleus, zusammen mit seinem

Freunde Hephaistion. Darauf betete er im Tempel des Orpheus und begann

seinerseits zu einem neuen Kampfe sich vorzubereiten.

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DIE TREUE DES PHILIPPOS. Einmal, nach einem Bade im kalten Wasser des

Kidnos, erkältete sich Alexander und wurde bettlägerig. Als der Arzt

Philippos geholt wurde, ruhte der König halb sitzend im Bette, hoch gerötet

und irgend einen Brief lesend.

Flüchtig mit dem feurigen Auge auf den Eintretenden blickend, fuhr

Alexander fort zu lesen, bis der Arzt seine Kräuter stampfte und mischte.

Endlich reichte Philippos dem König die Schale; scharf ihn anschauend rief

jener: »Siehe, welch ein Vertrauen, o Philippos!« und begann langsam zu

trinken, ohne die Augen von dem ruhigen Heilenskundigen zu wenden. Darauf

zurück in die Kissen fallend, ließ er Philippos die heimliche Anzeige des

Parmenion lesen, daß der königliche Arzt bestochen sei, Alexandern zu

vergiften. Nach seiner Genesung näherte sich der König dem Philippos noch

mehr, gänzlich Parmenion von sich haltend.

* * * * *

DIE VORBEREITUNG ZUR SCHLACHT. Mysien und Armenien durchziehend erreichte

der König durch wasserlose Wüsten den Euphrat, dessen Quellen im

wundersamen Paradies verborgen sind. Alexander holte den Zug ein, und

selbst die Spitze des Heeres nehmend, befahl er die Brücken zu vernichten,

welches Dareios sofort gemeldet wurde. Der persische König schickte Boten

zu seinen Feldherrn und vereinigten Herrschern, aber allein Poros von

Indien versprach ihm seine Hilfe. Die alte Mutter schrieb aus der

Gefangenschaft, von welcher Ehrerbietung und Hochachtung sie umgeben sei,

und beschwor flehentlich, nicht die Welt in Aufruhr zu setzen. Dareios

brach in Tränen aus, nachdem er an König Alexander ein Schreiben abgesandt

hatte, in welchem er auf die gefangenen Verwandten Verzicht leistete, ihr

Schicksal dem Könige selbst überlassend. Alexander lachte, antwortete

nichts auf dieses wahnwitzige Schreiben und begann zur Schlacht sich

vorzubereiten.

* * * * *

ALEXANDER IM PERSISCHEN LAGER. Der König suchte vergebens irgend jemand,

der es auf sich genommen hätte, in des Dareios Lager sich zu begeben.

Nachts ließ er an die Hörner der Ziegen brennende Zweige binden, jagte sie

vor die babylonischen Mauern und benutzte den Schrecken der Wächter, um den

großen Umfang der Stadt von außen in Augenschein zu nehmen. Die dreifache

Reihe der Mauern, die hohen Kupfertürme und die Tore lagen in Schweigen;

nur die Elefanten brüllten von innen gegen die Himmelsröte, und aufgestörte

Tauben flogen in Schwärmen zum schwarzen Himmel. Nachdenklich betrachtete

der König die erstaunlichen Mauern und erklärte, heimgekehrt, daß zu

Dareios als Bote er selbst sich begeben werde. Vergeblich suchten die

Ratgeber den König von seinem Entschluß abzuwenden, wie von dem Vorhaben

eines Hirnverbrannten. Eumelos und drei Pferde nehmend, selbst gekleidet

nach der Art des Hermes, begab sich Alexander zum Flusse Strangas, der

damals mit Eis bedeckt war. Dort ließ er Eumelos mit zwei Pferden, selbst

überschritt er auf dem Bukephalos den Fluß und rief: »Ammon ist mein

Helfer!« Die persischen Wächter, Alexander umringend, hielten ihn für eine

göttliche Erscheinung, und geleiteten ihn in den Palast, allwo Dareios in

babylonischen Gewändern, im vergüldeten Schuhwerk, im Purpurkleid, mit

Szepter und Stab auf dem strahlenden Throne saß. Alle verwunderten sich

über Alexanders kleine Gestalt. Dareios sprach mit etwas vom Weine

ermatteter Stimme: »Wer bist du, Knabe?« -- »Ich bin der Bote Alexanders.«

-- »Was hast du zu sagen?«

»Alexander drängt zum Kampfe und ist unwillig, ob deiner Langsamkeit!« Die

Brauen des Königs runzelten sich, dennoch sagte er laut lachend: »Sei er

unwillig, wir aber wollen einstweilen zechen! Eine Schale für ihn!«

Alexander verbarg die eine Schale in den Falten der Chlamys und streckte

die Hand nach der zweiten aus, Dareios lachte schläfrig. »Geschickt! und

jene, wo ist sie, die erste?« »Der König Alexander schenkt stets die

Schalen, wenn er mit Freunden zecht!« Der persische Künstler flüsterte

Dareios ins Ohr, dieser Mensch sei Alexander selbst, von dem er einst ein

Bildnis gemacht. Der König nickte bejahend in halbem Schlafe; durch die

Reihen der Gäste ging ein Raunen: »Alexander selbst«, aber Alexander, an

das hohe Fenster tretend rief: »Ja, ich gleiche von Ansehen dem

gottähnlichen Helden, aber ihr irret euch!« dann, auf einmal auf den Sockel

der Bildsäule des Xerxes steigend rief er laut: »König Dareios, sieh mich

gut an, auf daß du in der Schlacht Alexander nicht vorbeilässest!« und sich

abschwingend von der auf den Tisch gestürzten Bildsäule, mit den

Bruchstücken Becher und Schalen zerschlagend, verschwand er durch das hohe

Fenster.

Die trunkenen Perser, fluchend, sattelten die Pferde im Dunkel, aber sie

holten den leichten Griechen nicht ein, und meldeten dem bei Trümmern der

väterlichen Säule sitzenden Dareios die unwahrscheinlichsten Nachrichten

über das Verschwinden Alexanders.

Taten des großen Alexander · 第 13 / 25 题