DIE SCHLACHT. Die folgende Schlacht fand bald statt am Flusse Strangas im
Winter; die beiden Führer hatten so viel als möglich Heere gesammelt, und
sprachen ihre bedeutendsten Reden. Dareios befand sich in einem
wunderlichen Gespann, mit Sicheln ums Rund der Räder, mit denen das Gefährt
alle Herannahenden mähte. Und solcher Vorrichtungen gab es ein ganzes
Bataillon. Diese Schlacht war am blutigsten; der Himmel wurde verdunkelt
von den Pfeilen, Steinen und Spießen. Die persischen Sichelwagen schnitten
auf der Flucht in ihre eigenen Soldaten; und diese, ihre letzte Zuflucht
auf dem Eise des Flusses suchend, fanden dort ihr endgültig Verderben, da
das Eis das Gewicht von so vielen Menschen und Pferden nicht trug und
brach, und alle wurden von dem plötzlich offenen schwarzen, rauschenden
Wasser zugedeckt. Dareios zerriß am Ufer sein Kleid und begab sich eilig in
den Palast, wo in entferntem Gemach eingeschlossen, er auf den Boden
stürzte, wie ein Kind weinend: »Dareios, Dareios, ein flüchtender Bettler,
vor kurzem noch der Beherrscher der Welt!«
Apis, der Vertraute des Dareios, unternahm erfolglos einen Anschlag auf das
Leben Alexanders, indem er sich als Makedonier verkleidete, er wurde aber
vom großmütigen König in Freiheit gesetzt. Alexander hieß die Leiber der
gefallenen Griechen und Perser begraben, und schickte sich an, in Babylon
zu überwintern, das durch viele Wunder berühmt war.
* * * * *
DER TOD DES DAREIOS. Zwei andere Vertraute von Dareios, im Wunsche,
angenehmes Alexandern zu bereiten, als dem wahrscheinlichen Sieger in
diesem Kampfe, beschlossen den Perserkönig zu töten; einmal in der Nacht in
das königliche Schlafgemach dringend, überfielen sie Dareios, aber mit
nackten Händen wehrte er die zwei so ab, daß die Edelleute ohne die
schmachvolle Absicht wahr zu machen verschwanden; indem sie den nicht
vollends erwürgten König stöhnend im dunklen Gemache zurückließen. Kaum
erfuhr Alexander von der Verschwörung und dem Mordanschlag auf Dareios, als
er sofort übers Eis den Fluß beschreitend, sich in des Persers Gemach
begab. Der König lag auf dem Fußboden, mitten im Zimmer, das alle Spur des
jüngsten zähen Kampfes trug, kaum noch lebendig.
Alexander deckte ihn mit seiner Chlamys zu, und, die erstarrenden Hände
drückend, flüsterte er: »Dareios, stehe auf, lebe, herrsche in deinem
Lande!«
Dareios, auf den König den irrenden Blick geheftet, flüsterte kaum hörbar:
»Sieh, was ich geworden; ein Schatten, auf einer Mauer vorüberhuschend, das
ist der Ruhm; denk daran, denk daran! . . .« Des Dareios Gesicht mit dem
Mantel verhüllend, sprang Alexander davon. In Babylon besah er alle Wunder,
bestattete Dareios, kreuzigte an seiner Grabstätte seine Mörder, krönte
sich und feierte bald darauf seine Hochzeit mit Roxane, wobei er, wie es
schien, den Gipfel menschlichen Glückes erreichte.
Ende des zweiten Buches.