FÜNFTES KAPITEL

DIE SCHLACHT. Die folgende Schlacht fand bald statt am Flusse Strangas im

Winter; die beiden Führer hatten so viel als möglich Heere gesammelt, und

sprachen ihre bedeutendsten Reden. Dareios befand sich in einem

wunderlichen Gespann, mit Sicheln ums Rund der Räder, mit denen das Gefährt

alle Herannahenden mähte. Und solcher Vorrichtungen gab es ein ganzes

Bataillon. Diese Schlacht war am blutigsten; der Himmel wurde verdunkelt

von den Pfeilen, Steinen und Spießen. Die persischen Sichelwagen schnitten

auf der Flucht in ihre eigenen Soldaten; und diese, ihre letzte Zuflucht

auf dem Eise des Flusses suchend, fanden dort ihr endgültig Verderben, da

das Eis das Gewicht von so vielen Menschen und Pferden nicht trug und

brach, und alle wurden von dem plötzlich offenen schwarzen, rauschenden

Wasser zugedeckt. Dareios zerriß am Ufer sein Kleid und begab sich eilig in

den Palast, wo in entferntem Gemach eingeschlossen, er auf den Boden

stürzte, wie ein Kind weinend: »Dareios, Dareios, ein flüchtender Bettler,

vor kurzem noch der Beherrscher der Welt!«

Apis, der Vertraute des Dareios, unternahm erfolglos einen Anschlag auf das

Leben Alexanders, indem er sich als Makedonier verkleidete, er wurde aber

vom großmütigen König in Freiheit gesetzt. Alexander hieß die Leiber der

gefallenen Griechen und Perser begraben, und schickte sich an, in Babylon

zu überwintern, das durch viele Wunder berühmt war.

* * * * *

DER TOD DES DAREIOS. Zwei andere Vertraute von Dareios, im Wunsche,

angenehmes Alexandern zu bereiten, als dem wahrscheinlichen Sieger in

diesem Kampfe, beschlossen den Perserkönig zu töten; einmal in der Nacht in

das königliche Schlafgemach dringend, überfielen sie Dareios, aber mit

nackten Händen wehrte er die zwei so ab, daß die Edelleute ohne die

schmachvolle Absicht wahr zu machen verschwanden; indem sie den nicht

vollends erwürgten König stöhnend im dunklen Gemache zurückließen. Kaum

erfuhr Alexander von der Verschwörung und dem Mordanschlag auf Dareios, als

er sofort übers Eis den Fluß beschreitend, sich in des Persers Gemach

begab. Der König lag auf dem Fußboden, mitten im Zimmer, das alle Spur des

jüngsten zähen Kampfes trug, kaum noch lebendig.

Alexander deckte ihn mit seiner Chlamys zu, und, die erstarrenden Hände

drückend, flüsterte er: »Dareios, stehe auf, lebe, herrsche in deinem

Lande!«

Dareios, auf den König den irrenden Blick geheftet, flüsterte kaum hörbar:

»Sieh, was ich geworden; ein Schatten, auf einer Mauer vorüberhuschend, das

ist der Ruhm; denk daran, denk daran! . . .« Des Dareios Gesicht mit dem

Mantel verhüllend, sprang Alexander davon. In Babylon besah er alle Wunder,

bestattete Dareios, kreuzigte an seiner Grabstätte seine Mörder, krönte

sich und feierte bald darauf seine Hochzeit mit Roxane, wobei er, wie es

schien, den Gipfel menschlichen Glückes erreichte.

Ende des zweiten Buches.

Taten des großen Alexander · 第 14 / 25 题