3) weil das Volk im Nichtsthun neue Unentschlossenheit und Schwäche
sehen würde.
Ein zweiter Vorschlag ging dahin: man solle die Regierungen
auffordern, sogleich, behufs der Entscheidung der wichtigen deutschen
Angelegenheiten, ihre Kammern zusammenzuberufen; oder man solle doch
wenigstens die Mißbilligung ihrer unzeitigen Vertagung aussprechen.
Auch dieser Antrag ward (ungeachtet mancher dafür sprechenden Gründe)
abgelehnt: denn er könne als ein Übergriff in die Landesrechte
betrachtet werden, und es sei außerdem ungewiß, ob sich alle Kammern
(z. B. die baiersche) in unserem Sinne erklären dürften. Besser man
überlasse es den, ohnehin schon sehr eifrigen Einwohnern der einzelnen
Staaten, diese Angelegenheit zu betreiben. Auch müsse man den Schein
vermeiden, als bedürften Reichsbeschlüsse einer ständischen Prüfung und
Bestätigung.
In unserer Versammlung (welche die Partei der +Gemäßigten+ bildet oder
vertreten soll) ward dennoch ausgesprochen: noch seien jene Maßregeln
nicht an der Zeit, man werde und müsse aber viel stärkere ergreifen,
wenn Unentschlossenheit, Eigennutz und Dummheit irgendwo zu dem
Versuche bringe, Deutschland noch einmal um seine Einheit, Freiheit und
Macht zu betrügen. Eine neue gewaltige Revolution müsse diesem Unwesen
ein für allemal ein Ende machen!
Von hier ist der Übergang zu der bittersten Kritik nur zu wahr und
zu leicht. Ist es nicht (so sprechen Abgeneigte) ein Spott und Hohn
für die Reichsversammlung und ganz Deutschland, daß der König von
Würtemberg sagt: er werde sich erklären, sobald Preußen es gethan,
und daß die preußische Regierung versichert: sie werde es thun, wenn
Andere vorangegangen wären. Wie kann Preußen, statt die Siegesfahne
voranzutragen, hinter der Fronte auf einem diplomatischen Packwagen
abwarten, ob neidische Fürsten geneigt sind, ihn in einen Triumphwagen
zu verwandeln!
So stehen wir am Abgrunde; weil man am Tage der entscheidenden
Schlacht juridisch-ethisch-philosophisch-christliche Abhandlungen
oder Noten für sentimentale Vereinbarung und für den ewigen Frieden
schreibt, Staatsrecht und Privatrecht verwechselt, und (wie Montesquieu
sagt) welthistorische Ereignisse, wie den Prozeß um eine Dachtraufe
betrachtet und behandelt.
Hundertvierundvierzigster Brief.
Frankfurt a. M., den 28. April 1849.
Wenn ich nicht voraussetzen dürfte, daß die stenographischen Berichte
über die letzten merkwürdigen Sitzungen der Reichsversammlung in Ihren
Händen wären, so würde ich sie beilegen. Der lang zurückgehaltene Zorn
hat sich (bei fortdauernder Unbestimmtheit der berliner Erklärungen)
auf eine Weise Luft gemacht, die um so bedauerlicher ist, da es für die
Klagen und Vorwürfe keineswegs an allen Gründen fehlt.
Nur mit Mühe haben wir, der vereinigten äußersten Rechten und Linken
gegenüber, gemäßigte Beschlüsse durchgesetzt. Jene wollte gar nichts
thun; diese vertheidigte die heftigsten Maßregeln und beschuldigte
uns der Dummheit und Feigheit. Die Demokraten haben gar kein Hehl,
daß sie (insbesondere den zögernden und verneinenden Regierungen
gegenüber) +ohne Scheu alle und jede Mittel anwenden werden, ihre Plane
durchzusetzen+. Jedenfalls ist ihre Macht und die Zahl ihrer Anhänger
seit dem 3. April ungeheuer gestiegen; und wenn der König von Preußen
sich nicht eiligst handelnd an die Spitze stellt, +so werden regellose
Bewegungen der gefährlichsten Art nicht ausbleiben, und zuerst die
kleineren Staaten über den Haufen werfen+.
Wir haben die Macht (sagt man), Alles mit dem Schwerte zu bändigen und
zu strafen. Ist denn das aber ein staatsrechtliches Mittel, und hat
man es in Würtemberg anwenden können, hat es in Österreich zum Ziele
geführt?
Die Ablehnung des Königs von Preußen hat uns (sagen die Demokraten)
von der Pflicht entbunden, länger mit Euch zu gehen und in Euerem
künstlich auferbauten, rasch zusammengestürzten Hause unsere Wohnung
aufzuschlagen. -- Was kann man antworten, als: habt Geduld! --
Wir haben sie aber selbst nicht im Herzen, sondern nur auf den Lippen.
Alles was in Berlin gegen Verfassung und Kaiserthum vom Standpunkte
herkömmlicher Diplomatie und gemeinen Menschenverstandes eingewandt
wird, ist vollkommen +unwiderleglich+; so unwiderleglich, als daß
die Sonne um die Erde läuft und der Mond nicht größer ist wie eine
Suppenschüssel. -- Preußen will lieber am Bundesschlepptau zahm und
tadellos im Kreise mit anderen kleinen Planeten umherlaufen, als sich
als Sonne in den Mittelpunkt stellen, und Ordnung für die Schwächeren
durch eine heilsame Abhängigkeit begründen. Wer die Dinge immer durch
das Mikroskop besieht, verliert den Blick für teleskopische Fernen.
Wer zum ersten Male einen Floh 100,000 mal vergrößert betrachtet,
der mag entschuldigt sein, wenn er sich vor der furchtbaren Kreatur
fürchtet; Sachverständige machen nicht so viel Umstände. Die
österreichische Note ist für diesen Augenblick nichts mehr als ein
vergrößerter politischer Floh.
Gestern Abend war eine fünfstündige Berathung bei Hrn. v. Gagern
über die dringende und gefährliche Lage der Angelegenheiten unseres
Vaterlandes. Etwa 20 der ausgezeichnetsten Abgeordneten waren dazu
eingeladen. Ich will versuchen, in kurzen Sätzen und Gegensätzen den
wesentlichsten Inhalt mitzutheilen.
+Satz.+ Der Erzherzog Johann, welcher sich immer mehr zu Österreich
hinneigt, wird die Hand nicht zur Ausführung der Verfassung bieten,
und das Ministerium sich gezwungen sehen, vielleicht schon morgen
zurückzutreten.
+Gegensatz.+ Der Erzherzog ist außer Stande, ein anderes Ministerium zu
bilden, welches die Mehrheit in der Reichsversammlung erhält. Er wird
alsdann das alte wiedernehmen oder abdanken müssen.
+Satz.+ Er wird auf den Grund der österreichischen Erklärung sich um
die Versammlung nicht kümmern und auch nicht abdanken.
+Gegensatz.+ Für diesen Fall fände er nirgends den geringsten Gehorsam.
+Satz.+ Im Fall seines Rücktrittes muß eine Regentschaft oder ein
vollziehender Ausschuß gebildet werden.
+Gegensatz.+ Beides läuft gegen den Buchstaben der Verfassung und führt
in revolutionaire Bahnen.
+Satz.+ Nun, so muß man einen anderen Reichsverweser wählen, etwa den,
jetzt nachgiebigen, König von Würtemberg.
+Gegensatz.+ Dieser würde weder den Absolutisten, noch den Demokraten
recht sein: nur der König von Preußen kann (wenn er vorläufig die
Verfassung annimmt und neue Wahlen ausschreibt) die Sachen zu einem
glücklichen Ziele führen.
+Satz.+ Es ist zu bezweifeln, ob der König darauf eingeht.
Nach einem glänzenden Lobe des Prinzen und der Prinzessin von Preußen
(das ich aber weder aussprach, noch veranlaßt hatte) geschah der
Vorschlag:
+Satz.+ Der Prinz von Preußen muß zum Reichsverweser ernannt werden.
+Gegensatz.+ Das Lob ist vollkommen verdient; der Prinz hat aber eine
solche Pietät gegen seinen königlichen Bruder, und mit Recht die
größte Abneigung selbst gegen den Schein einer Spaltung innerhalb der
königlichen Familie, daß die volle Zustimmung des Königs die erste
Vorbedingung sein würde.
Wenn diese einträte und der Prinz sich nächstdem zur Annahme bereit
erklärte, so wäre uns Allen freilich am besten geholfen.
Nach vielen anderen Reden und Erörterungen kam man zu folgenden
Beschlüssen: die Reichsversammlung wird sich weder selbst auflösen,
noch auf längere Zeit vertagen (beides war vorgeschlagen worden);
sie wird weder unthätig die Hände in den Schoß legen, noch sich
zu revolutionairen Maßregeln fortreißen lassen; sie wird ein
österreichisch-ultramontanes Ministerium bekämpfen, und ihre Maßregeln
ergreifen, so wie es die sich drängenden Ereignisse jedes Tages
erfordern. -- Gebe Gott daß uns die +Macht+ bleibt, auf der Bahn der
Mäßigung zu beharren!
Alle Reichsminister haben ihr Amt niedergelegt; wir gehen also auch
hier neuen Stürmen entgegen!
Hundertfünfundvierzigster Brief.
Frankfurt a. M., den 29. April 1849.
Es giebt der Verzweifelnden jetzt nur zu Viele. Sie theilen sich jedoch
in zwei Klassen. Die eine giebt händeringend Alles auf, die andere
sieht Hülfe lediglich in gewaltsamen oder unausführbaren Maßregeln.
Diese sagen: welcher rechtliche Deutsche kann länger dulden, daß
Preußen unentschlossen und muthlos Versteck spielt? Kann seine
Regierung die neue Zeit und ihre großen unvermeidlichen Zwecke nicht
begreifen, gestalten, beherrschen; so müssen wir ohne Preußen, ja
am besten ohne alle diese hemmenden Fürsten und Dynastien, die
Wiedergeburt Deutschlands begründen und ihm die gebührende Stelle in
Europa verschaffen.
Wenn Bitten, Ermahnen, verständiges und gesetzliches Andringen ganz
vergeblich bleiben, so müssen wir uns zu der moralischen Kraft und
durch diese auch die physische verschaffen und Kämpfe wagen, die (wie
die Weltgeschichte zeigt) zuletzt immer siegreich waren u. s. w.
-- -- Für eine schwankende Politik, für halbe Maßregeln kann sich
Niemand begeistern und opfern. Wenneher ist in der Weltgeschichte so
viel dargeboten und so viel verscherzt worden?
Philister sind auf ihrem Boden immer unwiderleglich. Ihnen zu Folge
hätten die Griechen Troja nicht angreifen, ihre Stammgenossen in Asien
nicht unterstützen, Alexander die Perser nicht bekriegen und die Römer
sich auf ihre Stadtfeldmark beschränken sollen. Luther mußte dem Papste
gehorchen, Hampden die Steuer zahlen, Wilhelm III. ruhig in Holland
bleiben, Friedrich II. keinen Krieg gegen solche Übermacht wagen,
Friedrich Wilhelm III. Napoleon gehorchen; -- und Friedrich Wilhelm IV.
also auch die Oberleitung Deutschlands ablehnen!
So machen Schulmeister und alte Weiber männlichen Geschlechtes ihre
eigene Weltgeschichte. Verliert die hiesige Reichsversammlung alles
Gewicht und alle Bedeutung, bevor eine zweite einrückt, so bleibt nur
Aufruhr von unten und das Schwert von oben!
Hundertsechsundvierzigster Brief.
Frankfurt a. M., den 6. Mai 1849.
Da es unmöglich ist, meine Sorgen ganz allein für mich zu tragen, so
bin ich für Eure freundliche wohlwollende Theilnahme sehr dankbar;
wogegen ich widersprechen muß, wenn Ihr Euch +unnöthige+ Sorgen macht.
Wären Bequemlichkeit, persönliche Wünsche, Befreiung von Vorwürfen,
Vermeidung von Undankbarkeit und Gefahren, leibliche und geistige
Ermüdung u. s. w., -- wären diese Gründe die höchsten und allein
entscheidenden, so würde ich längst in die Heimat zurückgekehrt sein,
und in ehemaligen, oder Altenmannsbeschäftigungen, Beruhigung und Genuß
gesucht und gefunden haben. Alle jene Gründe treiben aber (von höherem
Standpunkte betrachtet) zum Bleiben, Ausharren, Dulden und Handeln! Ich
habe meine Stellung hier nicht aus Eitelkeit gesucht oder angenommen,
und weder das Angenehme noch Unangenehme klar voraussehen und danach
beschließen können. Vielleicht, ja +wahrscheinlich+, kommt sehr +bald+
eine Zeit, wo ich (nebst Anderen) werde fortgehen wollen oder fortgehen
müssen; -- aber noch ist sie nicht da, und kein Soldat fordert seinen
Abschied an den Tagen der Schlacht. Daher trete ich nicht Eueren
ängstlichen Berechnungen und Weissagungen, sondern M-- bei, welcher in
dem anliegenden Briefe schreibt: „Bleib ja so lange in Frankfurt, als
die Versammlung selbst.“
Wäre unsere Aufgabe eine einfache, „Kampf gegen Anarchie +oder+
Despotismus“, so würde unsere Macht verdoppelt und der Sieg gewiß
sein: in Wahrheit muß aber dieser +doppelte+ Kampf +zugleich+ gekämpft
werden, und die Besiegung nur des +einen+ dieser Feinde ist kein Sieg,
sondern führt durch übermäßigen Mißbrauch desselben ins Verderben.
Ihr sagt: wir Gemäßigten seien schon in den Strudel der Linken
fortgerissen. -- Wer hat diese denn gestärkt, als Diejenigen, welche
lauter oder in der Stille die Hülfe, Entwickelung und Ordnung lediglich
in unbedingter Herrschaft finden? +Wer jetzt die reactionairen Gelüste
nicht sieht, ist so blind wie Der, welcher die anarchischen Wünsche
und Bestrebungen läugnet.+ Es ist kinderleicht, über das Eine oder das
Andere ein schreckliches Geschrei zu erheben; schwer, sie mit gleicher
Unbefangenheit betrachten, würdigen und bekämpfen.
Als Frankfurt (eher als das militairische Preußen) die Anarchisten im
vorigen Jahre zu Paaren trieb, um Preußens willen den Waffenstillstand
von Malmoe annahm, die Steuerverweigerung verdammte u. dgl., -- da
waren wir gar liebe, vortreffliche Leute. Weil uns aber jetzt die
drei, noch an ihrer französischen Souverainetät festhaltenden Könige
nicht wie göttliche Propheten erscheinen, die wir besingen müßten;
weil wir die Auflösung und Vertagung aller Kammern in ganz Deutschland
nicht für einen glücklichen Zufall oder eine weise Maßregel halten;
weil wir die scharfe Arznei des Belagerungszustandes nicht in das
tägliche Brot verwandeln wollen; weil wir nicht Denen zustimmen, die
noch über die äußerste Rechte hinausgehen: -- darum heißen wir jetzt
(nachdem das Blatt sich gewendet) -- Dummköpfe und Rebellen! Thun wir
denn nicht gleichzeitig alles Menschenmögliche gegen die übertriebenen
Vorschläge der Linken? Haben wir diese nicht vorgestern (zu ihrem
höchsten Verdrusse) ohne alle Ausnahme verworfen? -- Aber während wir
hier bis zum Tode und bis zur Verzweiflung widerstehen und uns opfern,
verläugnen uns Die, welche uns trösten und stützen sollten.
Leute, welche die Größe der Aufgabe und des Zieles (die mächtige
Einigung eines wiedergebornen Deutschlands) gar nicht begreifen, fallen
über den trockenen Knochen einer abgelebten Schulfrage, vom absoluten
Veto, her, und halten ihn sich so nahe vor das Auge, daß sie von Allem
was um sie vorgeht, gar nichts erblicken.
Dann das Wahlgesetz! War es denn unter den gegebenen Verhältnissen
möglich, ein anderes zu machen? Auch hier ist mehr als die Hälfte der
Einwendungen unpraktisches Geschwätz. Hätte der König von Preußen
nach löblicher Besiegung der berliner Pöbelherrschaft +sogleich+
wählen lassen, er hätte eine vortreffliche Kammer bekommen. Aber der
rechte Augenblick ward versäumt, und die günstige Stimmung durch gar
viele, ich fürchte verkehrte, Maßregeln umgewandelt. Hätte der König
von Preußen sich am 2. April +thätig+ an die Spitze Deutschlands
gestellt, die Wahlen wären höchst günstig ausgefallen, und er hatte
jede ihm beliebige Änderung ohne Mühe in der zweiten Reichsversammlung
durchgesetzt. Aber jetzt!!
+Das Benehmen Preußens hat in Deutschland mehr Republikaner erzeugt,
als die Wühlereien aller Demagogen zusammengenommen.+ Wer darf
behaupten, daß +wir+ den Bürgerkrieg hervorrufen, während unsere
Bevollmächtigten bis jetzt aufs Äußerste in Berlin, München und Dresden
für Maßregeln unermüdlich wirken, welche ihn abhalten sollen und können.
Die, für andere Zeiten und Verhältnisse höchst löbliche
Gewissenhaftigkeit, hat Unterhandlungen, Vereinbarungen gewollt, in dem
letzten Augenblicke, wo Deutschland nur durch ein ganz entschiedenes
+Handeln+ Preußens zu retten war. Vergeblich hat man dies aufs
Dringendste vorgestellt! Freuen sich doch Viele auf eine neue Belebung
Deutschlands durch Pulver und Blei! -- damit Das eintrete, was sie
Ordnung nennen.
In Rheinbaiern ist die schwache Regierung außer Stande, den Strom der
übermäßigen Aufregung zu hemmen. Baden, Würtemberg und Sachsen leiden
an derselben Aufregung.
Also, sagen die Ultrastaatsweisen: drein schlagen und drein schießen.
Allerdings ein Mittel gegen die Krankheit Derer, die dort erschlagen
werden; aber es werden immer noch Lebendige übrig bleiben, die gegen
derlei Ärzte ein ~Da capo~ versuchen.
Merkwürdig, daß selbst Märzvereine und ein Theil der besonnenen Linken
sich gegen alle Gewaltmaßregeln erklären. Möchten ihre äußersten Gegner
dasselbe thun und so Deutschland vor dem entsetzlichsten Unglück
bewahren.
Ich bin nur ein ohnmächtiger Einzelner; daß ich aber hier und in Paris
nach bestem Wissen und Gewissen gehandelt -- und geduldet -- habe, dies
Zeugniß kann ich mir nach ernster Prüfung selbst geben. Daher werden
mich Urtheile von Leuten nicht aus der Fassung bringen, welche (ohne
genügende Kenntniß) aus der Ferne (oder wie man in Berlin sagt, aus
Nummer Sicher) das große Wort führen, und Rechte, Centra und Linke in
einen Topf der Verdammniß werfen.
Ich erhalte soeben Eueren zweiten Angstbrief vom 4. Mai. Vor 3-4
Monaten hätte ich fortgehen können: jetzt +darf+ und +will+ ich nicht;
so lange Widerstand gegen die Linke noch möglich, und eine irgend
zusammenhaltende Centralgewalt noch vorhanden ist. Käme die Linke
+fortdauernd+ zur Majorität, so müßten alle Wohlgesinnte ihren Auftrag
niederlegen; jetzt dürfen wir nicht verzweifeln, weil wir einige
Posten verloren, andere gewonnen haben. Eine neue Berathung über die
Verfassung in der +jetzigen+ Versammlung (+begreift das doch endlich+)
würde mehr +verderben+, als +verbessern+; die 34 Fürsten, Könige und
Kaiser werden sich (wie wir ja sehen) +niemals+ vereinbaren; ohne
eine neue Reichsversammlung ist der Krieg zwischen Absolutisten und
Republikanern +unvermeidlich+; +Preußen giebt, um ein Paar theoretische
Schulbegriffe durchzusetzen, seinen weltgeschichtlichen Beruf auf,
oder doch den weltgeschichtlich entscheidenden Augenblick preis+.
Was Frankfurt auch verschuldet und gesündigt haben möge, was kann es
Milderes, Bescheideneres thun, als sein Mandat in die Hände seiner
Wähler und des Volkes niederlegen; jedoch nicht ohne eine Bürgschaft;
daß der Todesschlaf fauler, feiger Ruhe, nicht statt gemäßigter
Entwickelung eingeschmuggelt, oder aufgezwungen werde. Gehen wir ohne
Bürgschaft, so wirkt die Linke für Republik, aus welcher Anarchie
entspringt; und gegenüber wächst der Despotismus Rußlands, Österreichs
und vielleicht auch Preußens. Beide Parteien sind maßlos für ihre
Zwecke; ich rechne es mir zur Ehre, daß ich beide mißbillige und nach
meinen geringen Kräften dawider wirke. Wie man auch über mich urtheile,
ich habe gethan, was ich vor Gott und Menschen verantworten kann, und
habe weder Lust, mich Hrn. Schlöffel, noch Hrn. v. -- unterzuordnen.
Noch stehe ich so fest auf meinen Füßen, als jene Verdammenden. --
Doch ists möglich, daß ich (nach Maßgabe +weiterer+ Ereignisse) aus
zureichenderen Gründen, freiwillig oder gezwungen, bald nach Berlin
komme. Beruhigt Euch also.
Hundertsiebenundvierzigster Brief.
Frankfurt a. M., den 8. Mai 1849.
Unser bitteres Märtyrerthum dauert ununterbrochen fort; daher
wünschen und hoffen wir auf eine baldige Erlösung. Doch können viele
Wohlgesinnte im Davongehen noch nicht die rechte Lösung erblicken,
oder es muß dafür ein +auffallender, thatsächlicher Grund+ eintreten.
Wenn Ihr Euch die Mühe nehmt, so werdet Ihr aus den stenographirten
Berichten sehen, welche Menge leidenschaftlicher Anträge wir in jeder
Sitzung durch unsere Mehrzahl verwerfen. Aber diese Mehrzahl nimmt
täglich (besonders durch Austritte) ab, und ich fürchte: der Augenblick
naht, wo wir ganz in der Minderzahl bleiben, und dann nicht einzeln,
sondern in Masse davongehen müssen.
Die Wendung, welche die Sachen in Sachsen genommen haben, bringt
der guten Sache großen Schaden; denn während die anarchische Partei
kurzweg und auch durch +ungesetzliche+ Mittel alle Fürsten wegjagen
und alle Regierungen auflösen möchte, freuen sich die Absolutisten des
Vorwandes, durch Gewalt auch die löbliche Entwickelung zu hemmen und
die alte, formlos willkürliche, Regierungsweise herzustellen.
Als Gagern gestern in der Sitzung von den entsetzlichen Gefahren
und Leiden eines Bürgerkrieges sprach, lachten ihm Etliche höhnisch
ins Gesicht. Da entfuhr ihm das Wort: „nur Buben lachen über solche
Dinge.“ Hierauf furchtbarer Lärm, Ordnungsruf durch den Präsidenten,
Entschuldigung, steigende Einmischung von den Galerien, Rechtfertigung
dieser Einmischung durch einen Abgeordneten von der Linken, Schimpfen
von oben herab, beim Weggehen vor der Kirche Verhöhnung Gagern’s und
Gleichgesinnter, Lebehochs für die lautesten Schreier von der Linken
u. s. w.
Ihr seht aus dieser Mittheilung im Lapidarstyl, wie nahe wir dem
Gesteinigtwerden sind, und daß die tägliche Wiederkehr solcher Leiden
nicht Vorwürfe für die ausharrend Kämpfenden herbeiziehen sollte.
Aber ungeachtet des Zornes, welcher deshalb wider die revolutionaire
Partei hervorbrechen muß, kann der Unbefangene nicht läugnen, daß
Könige, Fürsten, Minister ihr in die Hände arbeiten und die Hälfte
der Schuld tragen. -- Wo ist Einer ganz schuldlos? Leider ist unser
vortrefflicher Präsident Simson so krank, daß er nur in kurzen Absätzen
die Versammlung leiten kann. Dieser Übelstand hat schlimmere Folgen als
man denkt, und mit Anderen habe auch ich gestern Abend im Weidenbusche
darauf aufmerksam gemacht. Insbesondere ward beschlossen, die Galerien
durch die gesetzlich bereits feststehenden Mittel in strengerer Ordnung
zu halten. Vielleicht entscheidet schon diese Woche über weiteres
Handeln, Bleiben, Gehen u. s. w. Ich werde mich nicht übereilt zu dem
Einen oder dem Anderen entschließen; sobald aber die kalten Maitage
vorüber sind, werde ich (wenn Pflichten nicht bestimmt entgegenstehen)
kaum der Neigung und der Gesundheitsforderung widerstehen, einen
+kurzen+ Urlaub zu nehmen und wegzureisen, -- wohin es auch sei.
In der ersten Hälfte der heutigen Sitzung erhoben einige fanatische
Mitglieder der Linken wieder solch einen Lärm, daß die Sitzung auf
zwei Stunden geschlossen werden mußte. Wir gingen zum Weidenbusche, wo
Mitglieder der gemäßigten Linken erschienen und versprachen, fernerhin
alles Mögliche zu thun, um Anstand und Ruhe in der Kirche und auf den
Galerien zu erhalten.
Heute Abend Berathung im Casino und Weidenbusche über Anträge der
Linken, die Angelegenheiten in der Pfalz und Sachsen betreffend. Die
morgende Sitzung wird über unsere nächste Zukunft entscheiden.
Mir fehlt Zeit und Kraft, heute mehr zu berichten. Kämpfe vom
Morgen bis in die Nacht, über welche sich von der Ruhe des
Belagerungszustandes aus bequem kritisiren läßt.
Hundertachtundvierzigster Brief.
Frankfurt a. M., den 9. Mai 1849.
Gestern war von 9-10 Uhr Sitzung, 10-12 Weidenbusch, 12-2 Sitzung,
7-9 Casino, 9-11 Weidenbusch; wahrlich keine Sinecure, auch war ich
Abends an Leib und Seele so matt wie eine Fliege im Herbste. Gegenstand
der Berathungen in allen Versammlungen war vor Allem der anliegende
wichtige Antrag Simon’s von Trier: die Aufstände in der Pfalz und in
Sachsen zu billigen und zu unterstützen.
Ohne in die Sache selbst weitläufig einzugehen, will ich bei Dem stehen
bleiben, was ich that oder sprach. Im Casino erklärte ich mich für die
Nothwendigkeit, sich ganz +bestimmt wider+ jeden Versuch auszusprechen,
durch +Gewalt+ die Verfassung einzuführen. Alle Zweideutigkeit und
Nachgiebigkeit gegen derlei Bestrebungen müsse ein Ende nehmen, und
wenn heute ein, diesen Grundsätzen nicht gemäßer, Beschluß gefaßt
werde, so legte ich auf der Stelle mein Mandat nieder.
Im Weidenbusche widersprach ich bestimmt dem Antrage: den Einmarsch
der Preußen in Sachsen aus blos formellen Gründen zu verdammen, bevor
uns über die sachlichen Verhältnisse genügende und glaubhafte Kunde
zugekommen sei; -- und ebenso der wilden Lehre: durch Aufstellung einer
provisorischen Regierung habe die des Königs von Sachsen eigentlich ein
Ende genommen.
Den im Casino geäußerten Wunsch: daß ich heute in der Paulskirche für
ein Programm des Weidenbusches oder des Ministerii sprechen möge, mußte
ich ablehnen, so lange ich dessen Inhalt nicht kenne, und man sich für
dessen Unterstützung nicht geeinigt habe.
Hinsichts der obigen, von mir vertheidigten Punkte, stimmte indeß
die Mehrheit für den ersten, und verwarf die anfängliche Fassung des
zweiten.
Einzelne forderten mich auf, bei meiner +persönlichen Wichtigkeit+ noch
lauter in den Vordergrund zu treten; da ich aber in Wahrheit persönlich
+unbedeutend+ bin, muß ich mich innerhalb der Gränzen meiner Kraft und
meines Rechtes halten.
Mit jedem Tage, ja mit jeder Stunde ändern sich die Verhältnisse:
Der jammervolle Kampf in Dresden, die Aussicht auf noch furchtbarere
Fehden, der völlige Bruch des berliner Ministeriums mit Frankfurt,
die Zuweisung aller Schuld auf +uns+ (wie einst auf den Prinzen von
Preußen) erschöpfen alle Geduld, alle Hoffnung. -- Nicht für immer,
aber auf so lange, als die Tyrannei oben und die Empörung unten
herrscht.
Wahrscheinlich ist morgen unser letzter Kampf. Dann folgt Überlegung
und Beschluß, ob wir in Masse oder einzeln davongehen. Ich habe lebhaft
auf Entschließung gedrungen, und erklärt, daß ich mich durch kein
abgefordertes Gelübde des Bleibens binden lasse.
Hundertneunundvierzigster Brief.
Frankfurt a. M., den 10. Mai 1849.
Schon wieder eine neue Krisis! Es ist ein Wunder, daß wir daran
noch nicht gestorben sind. Gewiß wird der beiliegende Antrag gegen
Urlaubsgesuche unser Leben nicht sehr verlängern.
Dem Antrage von Simon und Vogt gegenüber hatte das Ministerium ein
gemäßigtes Programm entworfen, welches bezweckte, Reactionaire und
Anarchisten +gleichmäßig+ in Zaum zu halten. Der Erzherzog hat
seine Mitwirkung dafür abgelehnt und die Abdankung des Ministeriums
Gagern angenommen. Er bezweckt ein neues zu bilden, was jedoch sehr
schwer, ja unmöglich sein dürfte. Eine äußerste Rechte ist eigentlich
nicht mehr vorhanden, oder doch in der Versammlung ohnmächtig; die
Centra stimmen für Gagern, und ein Ministerium aus der Linken
müßte dem Reichsverweser noch viel unwillkommener sein, als das
soeben entlassene. Sollte er sich den widersprechenden Regierungen
anschließen, so verliert er hier allen Boden, und die heftigsten
Anträge dürften nicht ausbleiben.
Fallen heute Gagern’s Vorschläge in der Versammlung durch (welche
nur +gesetzliche+ Mittel billigen), so müssen, meines Erachtens,
die preußischen Abgeordneten binnen 24 Stunden einen entscheidenden
Beschluß darüber fassen, was sie thun wollen. Unmöglich aber kann er
eine Billigung +aller+ Maßregeln Preußens in sich schließen. Ihm war
die Allmacht in Deutschland in die Hand gegeben, alle anarchischen
Bestrebungen fielen zu Boden, wenn der König am 2. April kühn die Zügel
ergriff. Man hat Schulstreitigkeiten, Zänkereien über buchstäbliches
Recht u. dgl. pedantisch an die Spitze gestellt, und wird nun die
mangelhafte Verfassung durch Kartätschen und Bürgerkrieg berichtigen
müssen!
+Es ist unglaublich, wie die Begeisterung für Preußen sich im ganzen
übrigen Deutschland binnen 4 Wochen verwandelt hat.+ In Eurer
Belagerungsatmosphäre glaubt Ihr dies nicht; sowie umgekehrt hier die
Linke sich einbildet oder weiß machen läßt, ganz Preußen werde sich für
ihre Fratzen oder Gewaltzwecke erheben.
Daß die vernünftigen Leute der +einen+ Partei für Verräther, der
+anderen+ für Feiglinge gelten, -- darüber darf man sich nicht wundern.
Aber zu glauben, daß, wenn man Leib und Seele in steten Kämpfen für
das als recht Erkannte opfert, nur erbärmliche Eitelkeit im Spiele,
oder daß man ganz verdummt sei, wenn man sich dem oder jenem Machthaber
nicht blind zu Füßen wirft, -- das geht freilich über das Maß Dessen
hinaus, was man erwarten konnte und mußte!
Immer ertönt das Geschrei: die Frankfurter, die Frankfurter! als wären
Lassault, Vogt, Schlöffel, Gagern, Radowitz u. s. w., alle in einer
Form gebacken und über einen Leisten geschlagen!
+Am 2. April war die Möglichkeit gegeben, eine großartige Wiedergeburt
glorreich zu Stande zu bringen; statt dessen führte das sogenannte
Gewissen in staatsrechtliche Irrthümer+, gleichwie zur Zeit des
Dreißigjährigen Krieges das ebenfalls gepriesene Gewissen und der
Blick nach Oben in die landverderblichen, Völker zerstörenden Fragen
über Dreieinigkeit, Brotverwandlung, Gnadenwahl u. s. w. Das war das
damalige theologische Narrenhaus, zu dem Freiwillige sich so vergnügt
drängten, wie Görge in Tieck’s Reisenden. Jetzt geschieht, auf anderem
Boden, ganz dasselbe von den Ultras der beiden Parteien.
Nachmittags.
Ich habe trotz Eurer Sorgen und Eures Andringens mich nicht übereilen,
sondern bestimmte Ereignisse mit Recht abwarten wollen. Sie sind
eingetreten. Die Nationalversammlung hat heute mit 188 gegen 147
Stimmen den anliegenden unverständigen und heillosen Antrag des Hrn.
v. Reden angenommen, und unsere gemäßigten Vorschläge sind nicht
einmal zur Abstimmung gekommen. An 100 Personen versammelten sich
im Casino, um zu berathen, was nun zu thun sei. -- Sich beruhigen,
abwarten, mit dem abgegangenen Ministerium berathen, eine für Alle
passende Erklärung entwerfen u. s. w. u. s. w. Gründe aller Art für,
gegen -- zu lang zur Entwickelung. Jeder Aufschub erschien mir unklug,
unwürdig, rechtswidrig; deshalb habe ich eine einfache, bereits (vor
weiteren thörichten Beschlüssen) an Hrn. Präsidenten Simson übergebene
Austrittserklärung auch unterschrieben. So seid Ihr aller Sorge
überhoben, und Euer Wille geschieht nunmehr zur +rechten+ Zeit.
Hundertfunfzigster Brief.
Frankfurt a. M., den 11. Mai 1849.
Sie wissen bereits aus den Zeitungen, daß gestern ein Antrag des
Hrn. v. Reden von der Reichsversammlung angenommen ward, welcher zu
Gewaltschritten berechtigt oder doch verführt, und eine offene Fehde
gegen Preußen ankündigt.
Obgleich ich noch immer glaube, daß die scheinbar kluge und gerechte
Politik der preußischen Regierung, in Wahrheit Preußen um den höchsten
Ruhm gebracht und verhaßt gemacht hat, daß vermeidliche Übel dadurch
über ganz Deutschland herbeigezogen wurden; -- widerstrebt es doch
meinem Gefühle und meinem Gewissen, die Bahn der Gewalt zu betreten,
und die Teufel auszutreiben durch Belzebub, den obersten der Teufel.
Daher bin ich gestern aus der Reichsversammlung ausgetreten, und
mehrere Abgeordnete faßten denselben Beschluß.
Ich trete in diesen Tagen eine kleine Reise an, um mich körperlich und
geistig von übergroßen Anstrengungen wo möglich zu erholen; später
kehre ich nach Berlin zurück, in der Hoffnung, als ein treu Gläubiger
von Ihnen empfangen, und schon dadurch für manches andere Leiden
getröstet zu werden.
Nachmittags.
Die Abgeordneten (insbesondere die preußischen) berathen hin und her:
ob, wenneher, mit welchen Erklärungen u. s. w. sie ausscheiden wollen.
Sie können sich darüber nicht einigen, sondern warten, und warten auf
entscheidende Ereignisse.
Wir Ausgeschiedenen glauben noch immer, den +rechten+ Zeitpunkt
ergriffen und getroffen zu haben; während Andersgesinnte uns feige,
verrätherisch, treulos u. dgl. schelten. Ich will über Die, welche
andere Wege als wir einschlagen, den Stab nicht brechen, nicht mit
ähnlicher Leidenschaft Vorwürfe zurückgeben; kann mir aber auch Pflicht
und Gewissen nicht von Anderen zuschneiden und mich zu Gelübden
verführen lassen.
Hunderteinundfunfzigster Brief.
Frankfurt a. M., den 12. Mai 1849.
Ich wollte Euch heute einen langen, verständigen Brief schreiben, kann
aber dazu die Gemüthsruhe nicht finden.
Der erfolglose Zug nach Berlin war für die Reichsversammlung die erste
Hinweisung zum Tode; jetzt erneut sich die Krisis in verstärktem Maße;
das letzte Hinscheiden wird nicht schmerzlicher, aber noch schmählicher
sein.
Erst der Kampf gegen die Feinde Preußens und für ein ganzes
Deutschland. Dann, als dies mit der Wiedergeburt unseres Vaterlandes
unvereinbar erschien, ein erneuter Kampf für Einigung alles Übrigen
unter Preußens Leitung; -- gelungen, siegreich! -- Hierauf (nicht durch
unsere Schuld) geschlagen in Berlin, wie in Frankfurt. Und jetzt, nach
jahrelangen, für Leib und Seele fast ertödtenden Anstrengungen kein
Erfolg, kein Trost; und Hoffnung nur nach dem vorherigen Überstehen
gefährlicher Krankheiten, gewaltsamer Fehden und Bürgerkriege!
Von Freunden getadelt und verkannt, von Unwissenden als Thor
bezeichnet, von Leidenschaftlichen und Böswilligen als Verräther
geschmäht, -- das ist das Schicksal eines frankfurter Abgeordneten!
Erst die Nachwelt wird die Größe und Schwierigkeit der Aufgabe
ganz erkennen, und wenigstens unserem redlichen Willen und unserer
Aufopferung Gerechtigkeit widerfahren lassen. Ja, trotz aller Klagen
und alles Schmerzes hege ich die Überzeugung, daß man (nach Beseitigung
des Mangelhaften) auf dem in Frankfurt gelegten großen Grunde wird
fortbauen können und fortbauen müssen, wenn Deutschland gekräftigt und
erneut fortleben, und nicht Polens Schicksal erfahren soll.
Anhang.
Reden die in Frankfurt nicht gehalten wurden.
Zuerst gedruckt im August 1848.