[Anmerkung 21: Im Deutschen läßt sich das Wortspiel nicht

wiedergeben. +Hough+ und +huff+ (trotzen) wird im Englischen

ziemlich gleich ausgesprochen. D. Übers.]

[_Einsetzung Parker’s._] Der Bischof von Oxford wurde mittelst Vollmacht

ruhig eingesetzt, aber nur zwei Mitglieder des Magdalenen-Collegiums

wohnten der Feierlichkeit bei. Mancherlei Anzeichen bewiesen, daß der

Geist des Widerstandes sich auch des Volks bemächtigt hatte. Der

Thürsteher des Collegiums warf seinen Schlüssel weg. Der Kellermeister

weigerte sich, den Namen Hough’s aus dem Wirthschaftsbuche zu streichen.

In der ganzen Stadt war kein Schlosser aufzutreiben, der die Thür der

Präsidentenwohnung aufsprengen wollte. Die eigenen Diener der Commissare

mußten die Thür mit eisernen Stangen erbrechen. Die Predigten, welche am

nächstfolgenden Sonntage in der Universitätskirche gehalten wurden,

waren voll von Bemerkungen, welche Cartwright tief kränkten; aber sie

waren so gehalten, daß er nichts dagegen thun konnte.

Wäre Jakob nicht ganz verblendet gewesen, so würde er hier innegehalten

haben. Die Collegiaten waren im Ganzen genommen nicht geneigt, den

Widerstand noch weiter zu treiben. Sie waren der Meinung, daß sie ihre

Achtung vor ihren Statuten und Eiden hinreichend bewiesen hätten, indem

sie ihre Mitwirkung bei der Einsetzung eines Unberufenen verweigerten,

und daß sie sich ihm jetzt, da er im factischen Besitze des Amtes war,

als ihrem Oberhaupte unterwerfen könnten, ohne einen Vorwurf auf sich zu

laden, bis er durch den Ausspruch eines competenten Gerichts entfernt

wurde. Nur ein Collegiat, Doctor Fairfax, weigerte sich, auch nur soweit

nachzugeben. Die Commissare würden zu einer solchen Verständigung gern

die Hand geboten haben und einige Stunden lang herrschte eine

Waffenruhe, von der Viele glaubten, daß sie zu einem gütlichen Vergleich

führen werde. Aber bald war Alles wieder in Aufregung. Die Collegiaten

sahen, daß die öffentliche Meinung sie offen der Kleinmüthigkeit

beschuldigte; in der Stadt sprach man schon ironisch von einem

Magdalenengewissen und sagte, der tapfere Hough und der brave Fairfax

seien verrathen und verlassen worden. Noch ärgerlicher waren die

Spötteleien Obadja Walker’s und seiner Renegatensippschaft. Das also,

sagten diese Apostaten, sei das Ende von all den hochtrabenden Worten,

in denen die Gesellschaft ihren Entschluß erklärt habe, treu zu ihrem

rechtmäßigen Präsidenten und zu ihrem protestantischen Glauben zu

stehen! Während die Collegiaten, tief gekränkt durch den öffentlichen

Tadel, ihre bedingte Unterwerfung bereueten, erfuhren sie, daß diese den

König noch keineswegs zufriedengestellt habe. Es sei nicht genug, sagte

er, daß sie sich erboten hätten, dem Bischof von Oxford als factischem

Präsidenten zu gehorchen; sie müßten auch die Commission und Alles was

dieselbe gethan habe, als gesetzlich anerkennen. Sie müßten eingestehen,

daß sie pflichtvergessen gehandelt hätten, müßten ihr Benehmen bereuen

und versprechen, daß sie sich in Zukunft besser betragen wollten, müßten

Seine Majestät um Verzeihung bitten und ihm zu Füßen fallen. Nur zwei

Collegiaten, Charnock und Smith, über welche der König nicht zu klagen

hatte, wurden von der Verpflichtung, diese erniedrigenden

Entschuldigungen zu machen, ausgenommen.

Nie that Jakob einen thörichteren Fehlgriff. Die Collegiaten, schon mit

sich selbst unzufrieden, weil sie so weit nachgegeben hatten, und durch

den Tadel des Publikums gereizt, ergriffen eifrig die ihnen jetzt

gebotene Gelegenheit, die öffentliche Achtung wieder zu gewinnen. Sie

erklärten einstimmig, sie würden niemals deshalb, daß sie in ihrem

Rechte gewesen seien, um Verzeihung bitten, und eben so wenig

anerkennen, daß die Visitation ihres Collegiums und die Beraubung ihres

Präsidenten gesetzlich gewesen sei.

[_Vertreibung der Collegiaten._] Jetzt ließ sie der König das angedrohte

ganze Gewicht seiner Hand fühlen. Durch ein summarisches Edict wurden

sie zur Vertreibung verurtheilt. Diese Strafe wurde indessen noch nicht

für genügend erachtet. Man wußte, daß viele Edelleute und Gentlemen,

welche ein kirchliches Patronatrecht hatten, sich bemühen würden, für

Männer zu sorgen, welche für die Gesetze Englands und für den

protestantischen Glauben so viel gelitten. Deshalb erklärte die Hohe

Commission die Vertriebenen für unfähig, irgend ein geistliches Amt

wieder zu bekleiden, und Diejenigen, welche noch nicht ordinirt waren,

wurden für unfähig erklärt, die geistliche Ordination zu empfangen. So

hatte Jakob die Genugthuung, Viele von ihnen aus einer Lage, in der sie

alle möglichen Annehmlichkeiten des Lebens genossen und die schönsten

Aussichten auf zukünftige Anstellungen hatten, in hoffnungslose

Dürftigkeit zurückgeworfen zu haben.

Aber all’ diese Strenge hatte gerade die entgegengesetzte Wirkung als er

erwartete. Der Geist der Engländer, dieser trotzige Geist, den kein

König aus dem Hause Stuart jemals durch Erfahrung erkennen lernte,

empörte sich heftig gegen die Ungerechtigkeit. Oxford, der friedliche

Sitz der Gelehrsamkeit und Loyalität, war in einem Zustande, ähnlich

dem, in welchem sich London am Morgen nach dem Versuche Karl’s I., die

fünf Parlamentsmitglieder festnehmen zu lassen, befunden hatte. Der

Vicekanzler war am Tage der Vertreibung von den Commissaren zu Tische

eingeladen worden. Er lehnte die Einladung ab. „Mein Geschmack,“ sagte

er, „ist verschieden von dem des Obersten Kirke; ich kann unter dem

Galgen nicht mit Appetit essen.“ Die Studenten weigerten sich, den neuen

Vorsteher des Magdalenen-Collegiums zu grüßen. Smith erhielt den

Spottnamen +Dr.+ Schuft und wurde in einem Kaffeehause öffentlich

insultirt. Als Charnock die Demies aufforderte, in seiner Gegenwart ihre

akademischen Übungen vorzunehmen, antworteten sie ihm, daß sie ihrer

rechtmäßigen Vorsteher beraubt seien und sich keiner widerrechtlichen

Autorität unterwerfen würden. Sie versammelten sich zum Studiren wie zum

Gottesdienst auf eigne Hand. Man versuchte es, sie durch das Anerbieten

der einträglichen Collegiaturen, welche eben für erledigt erklärt worden

waren, zu verführen, aber ein Untergraduirter nach dem andren antwortete

mit männlichem Freimuth, daß sein Gewissen ihm nicht gestatte, aus einem

Unrecht für sich Nutzen zu ziehen. Ein Student, der sich zur Annahme

einer Collegiatur überreden ließ, wurde von seinen Comiletonen aus dem

Saale gestoßen. Es wurden junge Leute aus anderen Collegien eingeladen,

aber mit geringem Erfolg; die reichste Stiftung des Landes schien selbst

für arme Studenten alle Anziehungskraft verloren zu haben. Inzwischen

wurde in London und im ganzen Lande Geld zur Unterstützung der

vertriebenen Collegiaten gesammelt. Die Prinzessin von Oranien zeichnete

zur großen Freude aller Protestanten zweihundert Pfund. Der König,

beharrte nichtsdestoweniger bei dem eingeschlagenen Verfahren. Auf die

Vertreibung der Collegiaten folgte bald die Ausstoßung einer Menge

Demies. Währenddem nahmen die körperlichen und geistigen Kräfte des

neuen Präsidenten mehr und mehr ab. Er hatte zu der Zeit, als sein

Kollegium sich in offener Empörung gegen seine Autorität befand, noch

einen schwachen Versuch gemacht, der Regierung einen Dienst zu leisten,

indem er eine Vertheidigung der Indulgenzerklärung oder vielmehr der

Lehre von der Transsubstantiation erscheinen ließ. Diese Schrift rief

viele Entgegnungen hervor, namentlich eine von Burnet, die mit

außerordentlicher Kraft und Schärfe geschrieben war. Wenige Wochen nach

der Vertreibung der Demies starb Parker in dem Hause, von dem er

gewaltsam Besitz ergriffen hatte. Man sagte damals, Reue und Scham

hätten sein Ende beschleunigt. Er ruht in der schönen Vorkapelle des

Collegiums, aber kein Denkstein bezeichnet sein Grab.

[_Das Magdalenen-Collegium in ein papistisches Seminar verwandelt._] Der

ganze Plan des Königs wurde nun vollends ausgeführt: das Collegium wurde

zu einem papistischen Seminar umgestaltet. Bonaventura Giffard, der

katholische Bischof von Madura, ward Präsident. In der Kapelle wurde

katholischer Gottesdienst gehalten und an einem Tage zwölf Katholiken

als Collegiaten aufgenommen. Einige servile Protestanten bewarben sich

um die Aufnahme, wurden aber abschläglich beschieden. Smith, der loyal

bis zur Begeisterung, aber noch immer ein aufrichtiges Mitglied der

anglikanischen Kirche war, konnte das veränderte Aussehen des Hauses

nicht ertragen. Er entfernte sich, kam der Aufforderung zur Rückkehr in

seine Wohnung nicht nach, und wurde daher abgesetzt. So war das

Beraubungswerk vollendet.[22]

Das Universitätssystem Englands ist von der Art, daß jedes Ereigniß, das

die Interessen oder die Ehre irgend einer Universität berührt, im ganzen

Lande nothwendig einen starken Eindruck machen muß. Jeder neue Schlag

gegen das Magdalenen-Collegium wurde daher bis an die äußersten

Endpunkte des Königreichs gefühlt. In den londoner Kaffeehäusern, in den

juristischen Hochschulen, unter den Geistlichen aller Domkapitel, in

Pfarrwohnungen und Landschlössern selbst der entferntesten Grafschaften

war das Mitleid mit den Duldern und der Unwille gegen die Regierung

beständig im Zunehmen. Hough’s Protest fand überall Beifall, das

Aufsprengen seiner Thür wurde überall mit Abscheu erzählt und das über

die Collegiaten verhängte Beraubungs- und Vertreibungsurtheil zerriß

endlich die einst so engen und theuren Bande, welche die anglikanische

Kirche mit dem Hause Stuart verknüpften.

[Anmerkung 22: Prozeßverfahren gegen das Magdalenen-Collegium zu

Oxford wegen Nichterwählung Anton Farmer’s zum Präsidenten, in der

+Collection of State Trials+, Ausgabe von Howell; +Luttrell’s

Diary, June 15., 17., Oct. 24., Dec. 10. 1687+; +Smith’s

Narrative+; Brief von Doctor Richard Rawlinson vom 31. Oct. 1687;

+Reresby’s Memoirs+; +Burnet, I. 699+; +Cartwright’s Diary+;

Citters, 25. Oct. (4. Nov.), 28. Oct. (7. Nov.), 8.(18.) u.

18.(28.) Nov. 1687.]

[_Groll der Geistlichkeit._] Bitterer Groll und schlimme Befürchtungen

traten an die Stelle der Liebe und des Vertrauens. Es gab keinen

Pfründner, keinen Rector und keinen Vikar, der nicht von der Angst

gequält worden wäre, daß er, so friedlich sein Character und so

unbedeutend seine Stelle sein mochte, vielleicht in wenigen Monaten

durch einen willkürlichen Machtspruch aus seinem Hause vertrieben werden

könne, um im zerrissenen Priesterrocke mit Frau und Kindern zu betteln,

während sein durch uralte Gesetze und durch das königliche Wort

gesichertes Eigenthum von einem Apostaten in Besitz genommen wurde. Das

war also der Lohn für die heldenmüthige Loyalität, die sich in allen

Wechselfällen fünfzig stürmischer Jahre nicht ein einziges Mal

verleugnet hatte! Deshalb also hatte die Geistlichkeit für Karl I.

Plünderung und Verfolgung ertragen, deshalb hatte sie Karl II. in seinem

harten Kampfe mit der whiggistischen Opposition unterstützt, deshalb

hatte sie in der vordersten Reihe gegen Diejenigen gestanden, welche

Jakob seines Geburtsrechtes berauben wollten! Ihrer Treue allein

verdankte ihr Unterdrücker die Macht, die er jetzt zu ihrem Verderben

anwendete. Lange genug hatten sie mit bitterem Schmerze die Leiden

aufgezählt, die sie von den Puritanern in den Tagen ihrer Macht hatten

erdulden müssen. Der Puritaner war indessen einigermaßen zu

entschuldigen. Er war ein erklärter Feind, er hatte sich für erlittenes

Unrecht zu rächen und selbst er war nicht ganz ohne Mitleid gewesen, als

er die Kirchenverfassung des Landes umgestaltete und Alle, die seinen

Covenant nicht unterschreiben wollten, absetzte. Er hatte denen, die er

ihrer Pfründen beraubte, wenigstens so viel davon gelassen, als sie zu

ihrem Lebensunterhalte nothwendig brauchten. Aber des Königs Haß gegen

die Kirche, die ihn vor der Verbannung bewahrt und auf den Thron erhoben

hatte, war nicht so leicht zu sättigen. Nur der völlige Ruin seiner

Opfer konnte ihn zufrieden stellen. Nicht genug, daß sie aus ihren

Wohnungen vertrieben und ihres Einkommens beraubt wurden, auch jede

andre Laufbahn, auf der Männer ihrer Art ihren Unterhalt suchen konnten,

war ihnen mit raffinirter Böswilligkeit verschlossen und es blieb ihnen

nichts Andres übrig, als die unsichere und beschämende Hülfsquelle der

öffentlichen Mildthätigkeit.

Die anglikanische Geistlichkeit und diejenigen Laien, welche dem

protestantischen Episcopat mit Liebe zugethan waren, betrachteten daher

jetzt den König mit Gefühlen, wie sie eine durch Undank noch

verschlimmerte Ungerechtigkeit nothwendig, erregen muß. Indessen hatte

der Anglikaner noch immer viele Bedenken des Gewissens und der Ehre zu

überwinden, ehe er sich zum gewaltsamen Widerstande gegen die Regierung

entschließen konnte. Man hatte ihn gelehrt, daß das göttliche Gesetz

passiven Gehorsam ohne Bedingung oder Ausnahme vorschreibe. Diese

Ansicht hatte er laut und offen ausgesprochen und die Insinuation, daß

extreme Fälle eintreten könnten, welche dem Volke das Recht gäben, gegen

königliche Tyrannei das Schwert zu ziehen, mit Verachtung

zurückgewiesen. Sowohl Grundsatz als Scham hielten ihn demnach ab, das

Beispiel der rebellischen Rundköpfe nachzuahmen, so lange noch einige

Hoffnung auf friedliche und gesetzmäßige Befreiung vorhanden war, und

eine solche Hoffnung konnte man vernünftigerweise wohl hegen, so lange

die Prinzessin von Oranien die nächste Thronerbin war. Wenn er diese

Glaubensprüfung geduldig überstand, so würden die Gesetze der Natur bald

das für ihn thun, was er ohne Sünde und Schande nicht selbst für sich

thun konnte. Die Bedrückungen der Kirche wurden dann abgestellt, ihr

Eigenthum und ihre Würde durch neue Bürgschaften gesichert und die

schändlichen Minister, die sie in Zeiten der Bedrängniß gekränkt und

verhöhnt hatten, wurden exemplarisch bestraft.

[_Pläne der jesuitischen Cabale in Bezug auf die Thronfolge._] An das

Ereigniß, von dem die anglikanische Kirche eine ehrenvolle und

friedliche Erlösung von ihren Leiden erwartete, konnten auch die

sorglosesten Mitglieder der jesuitischen Cabale nicht ohne quälende

Besorgnisse denken. Wenn ihr Gebieter starb, ohne ihnen eine größere

Sicherheit gegen die Strafgesetze zu hinterlassen als eine

Indulgenzerklärung, welche die ganze Nation einstimmig für null und

nichtig erklärt hatte, wenn ein von dem nämlichen Geiste, welcher in den

Parlamenten Karl’s II. vorgeherrscht, beseeltes Parlament sich um den

Thron eines protestantischen Landesoberhauptes versammelte, war dann

nicht vorauszusehen, daß eine furchtbare Vergeltung ausgeübt, daß die

alten Gesetze gegen den Papismus mit schonungsloser Strenge gehandhabt

und daß noch härtere neue Gesetze dem Gesetzbuche einverleibt werden

würden? Von diesen schlimmen Befürchtungen wurden die bösen Rathgeber

der Krone schon seit langer Zeit gequält, und einige von ihnen hatten

sonderbare und verzweifelte Schutzmittel ersonnen. Jakob hatte den Thron

kaum bestiegen, so begann man sich in Whitehall schon zuzuflüstern, daß,

wenn die Prinzessin Anna katholisch werden wollte, es mit Hülfe Ludwig’s

vielleicht nicht unmöglich sein würde, das Geburtsrecht ihrer älteren

Schwester auf sie zu übertragen. Bei der französischen Gesandtschaft

fand diese Idee großen Beifall und Bonrepaux war der Meinung, daß

Jakob’s Einwilligung nicht schwer zu erlangen sein werde.[23] Bald

jedoch zeigte es sich deutlich, daß Anna der Landeskirche

unerschütterlich treu war. Der Gedanke, sie zur Königin zu machen, wurde

daher wieder aufgegeben. Dessenungeachtet nährte ein kleines Häuflein

Fanatiker noch immer die kühne Hoffnung, daß es ihnen gelingen könne,

die Thronfolgeordnung zu ändern. Der Plan dieser Männer wurde in einem

Entwurfe dargelegt, von dem noch eine schlechte französische Übersetzung

vorhanden ist. Es sei zu hoffen, sagten sie, daß der König im Stande

sein werde, den wahren Glauben zu befestigen, ohne zu extremen Mitteln

zu greifen; im schlimmsten Fall aber könne er die Verfügung über seine

Krone Ludwig anheimstellen. Es sei für die Engländer immer noch besser,

wenn sie Vasallen Frankreichs wären, als Sklaven des Teufels.[24] Dieses

höchst merkwürdige Actenstück ging unter den Jesuiten und Höflingen von

Hand zu Hand, bis endlich einige ausgezeichnete Katholiken, in denen die

Bigotterie noch nicht allen Patriotismus erstickt hatte, dem

holländischen Gesandten eine Abschrift anfertigten. Dieser zeigte den

Aufsatz dem Könige, und Jakob erklärte denselben für eine erbärmliche

Fälschung, die von einem holländischen Pamphletschmierer ersonnen sein

müsse. Der holländische Gesandte antwortete mit Entschiedenheit, daß er

durch das Zeugniß mehrerer ausgezeichneter Mitglieder der eigenen Kirche

Seiner Majestät das Gegentheil beweisen könne, ja daß es sogar nicht

schwer sein werde, den Verfasser ausfindig zu machen, welcher im Grunde

nur das niedergeschrieben habe, wovon viele Priester und geschäftige

Politiker täglich in den Gallerien des Palastes sprächen. Der König

hielt es nicht für rathsam, nach dem Verfasser zu forschen, nahm den

Vorwurf der Fälschung zurück und versicherte mit großer Heftigkeit und

Feierlichkeit, daß es ihm nie in den Sinn gekommen sei, seine älteste

Tochter zu enterben. „Niemand,“ sagte er, „hat es je gewagt, eine solche

Idee gegen mich zu äußern, und ich würde auch nie darauf hören. Gott

befiehlt uns nicht, die wahre Religion durch Ungerechtigkeit zu

verbreiten, und dies würde die empörendste, widernatürlichste

Ungerechtigkeit sein“.[25] Trotz aller dieser Betheuerungen meldete

Barillon wenige Tage später seinem Hofe, daß Jakob angefangen habe, auf

Einflüsterungen in Betreff einer Änderung der Thronfolgeordnung zu

hören, daß die Sache zwar sehr kitzlich sei, daß man aber gegründete

Hoffnung habe, mit der Zeit und durch vorsichtiges Verfahren einen Weg

zu finden, um die Krone mit Ausschließung der beiden Prinzessinnen auf

ein römisch-katholisches Haupt zu bringen.[26] Dieser Plan wurde noch

viele Monate von den heftigsten und überspanntesten Papisten am Hofe

besprochen, und es wurden wirklich Candidaten für den Königsthron

genannt.[27]

[Anmerkung 23: +„Quand on connoit le dedans de cette cour aussi

intimement que je la connois, on peut croire que Sa Majesté

Britannique donnera volontiers dans ces sortes de projets.“+

Bonrepaux an Seignelay, 18.(28.) März 1686.]

[Anmerkung 24: +„Que, quand pour établir la religion Catholique et

pour la confirmer icy, il+ (Jakob) +devroit se rendre en quelque

façon dépendant de la France, et mettre la décision de la

succession à la couronne entre les mains de ce monarque là, qu’il

seroit obligé de le faire, parcequ’il vaudroit mieux pour ses

sujets qu’ils devinssent vassaux du Roy de France, étant

Catholiques, que de demeurer comme esclaves du Diable.“+ -- Dieses

Schriftstück befindet sich sowohl im französischen als auch im

holländischen Archive.]

[Anmerkung 25: Citters, 6.(16.) u. 17.(27.) Aug.; Barillon,

19.(29.) Aug.]

[Anmerkung 26: Barillon, 13.(23.) Sept. 1686. +„La succession est

une matière fort délicate à traiter. Je sais pourtant qu’on en

parle au Roy d’Angleterre et qu’on ne désespère pas avec le temps

de trouver des moyens pour faire passer la couronne sur la tête

d’un héritier Catholique.“+]

[Anmerkung 27: Bonrepaux, 11.(21.) Juli 1687.]

[_Jakob’s und Tyrconnel’s Plan, die Prinzessin von Oranien von der

Erbfolge im Königreich Irland auszuschließen._] Es ist jedoch nicht

wahrscheinlich, daß Jakob jemals einen so unsinnigen Schritt zu thun

beabsichtigte. Er mußte wissen, daß England nicht einen einzigen Tag das

Joch eines Usurpators ertragen hätte, der noch obendrein Papist war, und

daß sowohl Diejenigen, welche die Ausschließungsbill unterstützt, als

auch Die, welche sich ihr widersetzt hatten, jeden Versuch, die

Prinzessin Marie bei Seite zu schieben, auf Leben und Tod bekämpft haben

würden. Dagegen unterliegt es keinem Zweifel, daß der König bei einem

minder unsinnigen, aber eben so unverantwortlichen Anschlage auf die

Rechte seiner Kinder die Hand im Spiele hatte. Tyrconnel hatte im

Einverständniß mit seinem Gebieter Anstalten getroffen, um Irland von

dem Königreiche zu trennen und es unter Ludwig’s Protection zu stellen,

sobald die Krone einem protestantischen Oberhaupte zufallen würde.

Bonrepaux war zu Rathe gezogen worden, hatte seinem Hofe den Plan

mitgetheilt und die Weisung erhalten, Tyrconnel zu versichern, daß

Frankreich zur Ausführung dieser großartigen Idee kräftigen Beistand

leisten werde.[28] Diese Unterhandlungen, welche im Haag vielleicht

nicht in ihrem ganzen Umfange genau bekannt waren, aber doch stark

vermuthet wurden, dürfen nicht außer Acht gelassen werden, wenn man sich

ein richtiges Urtheil über das Verfahren bilden will, das die Prinzessin

von Oranien wenige Monate später einschlug. Wer sie einer Verletzung der

Kindespflicht beschuldigt, muß zugeben, daß ihr Fehler durch das ihr

zugefügte Unrecht wenigstens sehr gemildert wird. Wenn sie im Interesse

ihres Glaubens die heiligsten Bande der Blutsverwandtschaft zerriß, so

folgte sie nur dem Beispiele ihres Vaters. Sie lieh erst dann die Hand

zu seiner Absetzung, als er einen Anschlag zu ihrer Enterbung

geschmiedet hatte.

[Anmerkung 28: Bonrepaux an Seignelay, 25. Aug. (4. Sept.) 1687.

Ich will eine Stelle aus dieser wichtigen Depesche hier anführen.

+„Je sçay bien certainement que l’intention du Roy d’Angleterre

est de faire perdre ce royaume+ (Irland) +à son successeur, et de

le fortifier en sorte que tous ses sujets Catholiques y puissent

avoir un asile assuré. Son projet est de mettre les choses en cet

estat dans le cours de cinq années.“+ -- In den +Secret Consults

of the Romish Party in Ireland, 1690+, findet sich eine Stelle,

aus welcher hervorgeht, daß diese Unterhandlung nicht streng

geheim gehalten wurde. „Obgleich der König es selbst vor seinen

Räthen verschwieg, so ist es doch gewiß, daß er dem französischen

König die Verfügung über jene Regierung und jenes Königreich

versprochen hat, sobald die Dinge so weit gediehen sein würden,

daß es sich thun ließe.“]

[_Schwangerschaft der Königin._] Bonrepaux war kaum davon

benachrichtigt, daß Ludwig beschlossen habe, Tyrconnel’s Vorhaben zu

unterstützen, so wurde jeder Gedanke an diesen Plan wieder aufgegeben.

Jakob erblickte den ersten Schimmer einer Hoffnung, die ihn mit Stolz

und Entzücken erfüllte: die Königin war schwanger.

[_Allgemeiner Zweifel._] Gegen Ende October 1687 begann sich die große

Neuigkeit gerüchtweise zu verbreiten. Man hatte bemerkt, daß Ihre

Majestät sich unter dem Vorwande der Unpäßlichkeit von mehreren

öffentlichen Feierlichkeiten fern gehalten. Es hieß, daß ihr eine Menge

Reliquien, denen man eine außerordentliche Wirkung zuschrieb, umgehängt

worden seien. Die Geschichte fand bald ihren Weg aus dem Palaste in die

Kaffeehäuser und verbreitete sich rasch durch das ganze Land. Nur sehr

Wenige begrüßten das Gerücht mit Freuden, der bei weitem größte Theil

der Nation vernahm es mit einem Gemisch von Zweifel und Besorgniß. Die

Sache war jedoch keineswegs so unglaublich. Der König hatte eben erst

sein vierundfünfzigstes Jahr vollendet und die Königin stand im Sommer

ihres Lebens. Sie hatte vier Kinder geboren, welche jung starben, und

lange nachher wurde sie von einem fünften entbunden, das Niemand ein

Interesse hatte als untergeschoben zu betrachten und das daher auch nie

für ein solches erklärt wurde. Da indessen seit dieser letzten

Schwangerschaft fünf Jahre verstrichen waren, so hatte das Volk unter

dem Einflusse der Täuschung, welche die Menschen so leicht verleitet,

das zu glauben was sie wünschen, jede Besorgniß, daß sie noch einen

Thronerben zur Welt bringen werde, aufgegeben. Auf der andren Seite

schien nichts natürlicher und wahrscheinlicher, als daß die Jesuiten

einen frommen Betrug ersonnen haben könnten. Es unterlag keinem Zweifel,

daß sie die Thronbesteigung der Prinzessin von Oranien als einen der

härtesten Schläge betrachten mußten, der ihre Kirche treffen konnte.

Eben so gewiß war es, daß sie nicht sehr gewissenhaft in der Wahl der

Mittel sein würden, mit deren Hülfe sie ein so großes Unglück von ihrer

Kirche abwenden konnten. In Werken von ausgezeichneten Mitgliedern ihrer

Gesellschaft, welche von ihren Oberen sanctionirt waren, war es deutlich

ausgesprochen, daß selbst Mittel, welche allen Begriffen von

Gerechtigkeit und Humanität noch viel ärger Hohn sprachen, als die

Einschmuggelung eines unächten Erben in eine Familie, mit Fug und Recht

zu minder wichtigen Zwecken angewendet werden dürften, als die Bekehrung

eines ketzerischen Königreichs war. Es war ruchbar geworden, daß einige

Räthe des Königs und sogar der König selbst Pläne geschmiedet hätten, um

die Prinzessin Marie ganz oder theilweis um ihr rechtmäßiges Erbe zu

betrügen. Es bemächtigte sich der öffentlichen Meinung ein Verdacht, der

zwar nicht wohl begründet, aber keineswegs so abgeschmackt war, als man

gewöhnlich glaubt, und die Unbesonnenheit einiger Katholiken bestärkte

das allgemeine Vorurtheil. Sie sprachen von dem glücklichen Ereignisse

wie von etwas Außerordentlichem und Wunderbaren, wie von einem Zeichen

derselben göttlichen Allmacht, welche Sara durch Isaak stolz und

glücklich machte und die Gebete Hanna’s mit Samuel belohnte. Marien’s

Mütter, die Herzogin von Modena, war unlängst gestorben. Kurz vor ihrem

Tode sollte sie mit inbrünstigen Gebeten und reichen Opfergaben die

heilige Jungfrau von Loretto angefleht haben, daß sie Jakob einen Sohn

schenken möge. Der König selbst hatte im vergangenen August auf seiner

Reise einen Abstecher nach der sogenannten heiligen Quelle gemacht und

dort die heilige Winifreda gebeten, daß sie ihm das Geschenk verschaffen

möge, ohne welches seine großen Pläne zur Verbreitung des wahren

Glaubens nur unvollkommen ausgeführt werden könnten. Die unbesonnenen

Zeloten, die auf solche Geschichten ein großes Gewicht legten,

prophezeiten mit Zuversicht, daß das ungeborne Kind ein Knabe sein werde

und boten darauf eine Wette von zwanzig Guineen gegen eine an. Sie

meinten, der Himmel werde sich nicht in’s Mittel gelegt haben, wenn er

nicht einen großen Zweck dabei hätte. Ein Fanatiker verkündete sogar,

die Königin werde Zwillinge gebären, von denen der ältere König von

England, der jüngere Papst werden würde. Marie konnte das Vergnügen, mit

dem sie diese Prophezeiungen anhörte, nicht verbergen, und ihre Hofdamen

sahen, daß sie sich nicht besser bei ihr insinuiren könnten, als wenn

sie davon sprachen. Die Katholiken würden klüger gethan haben, wenn sie

von der Schwangerschaft als von einem ganz natürlichen Ereignisse

gesprochen und ihr unverhofftes Glück mit mehr Mäßigung getragen hätten.

Ihr übermüthiger Triumph erregte nur den Unwillen des Volks und ihre

Prophezeiungen bestärkten es in seinem Verdacht. Von dem Prinzen und der

Prinzessin von Dänemark herab bis zu den Lastträgern und Waschweibern

erwähnte Niemand die verheißene Geburt ohne ein höhnisches Lächeln. Die

londoner Spottvögel beschrieben das neue Wunder in Reimen, die, wie man

leicht denken kann, nicht eben die zartesten waren. Die ungeschliffenen

Landsquires brachen in ein schallendes Gelächter aus, wenn sie mit

Jemandem zusammentrafen, der so einfältig war zu glauben, daß die

Königin wirklich noch einmal Mutter werden würde. Es erschien eine

königliche Verordnung, welche der Geistlichkeit befahl, ein von Crewe

und Sprat für dieses freudige Ereigniß besonders verfaßtes Bitt- und

Dankgebet zu verlesen. Die Geistlichen gehorchten, aber man bemerkte,

daß die Gemeinden nicht respondirten und kein Zeichen von Ehrerbietung

äußerten. Bald circulirte in allen Kaffeehäusern ein rohes Spottgedicht

auf die höfischen Prälaten, deren Feder sich der König bedient hatte.

Mutter East (Ost) war darin ebenfalls reichlich mit Schmähungen bedacht.

Zu diesem einheimischen einsilbigen Wörtchen hatten unsere Vorfahren den

Namen des großen Hauses Este, welches in Modena regierte,

verstümmelt.[29]

Die neue Hoffnung, welche den Muth des Königs so sehr hob, war indessen

mit mancherlei Besorgnissen vermischt. Es bedurfte noch etwas mehr als

die Geburt eines Prinzen von Wales zum Gelingen der von der

Jesuitenpartei entworfenen Pläne. Es war nicht anzunehmen, daß Jakob so

lange lebte, bis sein Sohn das zur Ausübung der königlichen Functionen

erforderliche Alter erreicht hatte. Das Gesetz hatte den Fall eines

minderjährigen Thronerben nicht vorgesehen, und der regierende

Landesherr war nicht berechtigt, für diesen Fall eine testamentarische

Verfügung zu treffen. Die gesetzgebende Versammlung allein konnte die

Lücke ausfüllen. Starb Jakob, bevor Letzteres geschehen war, und

hinterließ er einen Nachfolger von zarter Jugend, so mußte die höchste

Gewalt unfehlbar protestantischen Händen zufallen. Selbst diejenigen

Tories, welche am festesten an dem Grundsatze hingen, daß nichts sie zum

Widerstande gegen ihren Lehnsherrn berechtigen könne, würden gewiß kein

Bedenken getragen haben, das Schwert gegen ein papistisches Weib zu

ziehen, die es gewagt hätte, sich die Vormundschaft über das Reich und

über den jugendlichen Souverain anzumaßen. Der Ausgang eines Kampfes

konnte kaum zweifelhaft sein. Der Prinz von Oranien oder seine Gemahlin

wurde Regent und der junge König kam in die Hände ketzerischer Lehrer,

deren Kunstgriffe die Eindrücke, welche sein Gemüth in der Kinderstube

empfangen hatte, jedenfalls bald verwischten. Er konnte ein zweiter

Eduard VI. werden und der durch die Fürsprache der Mutter Gottes und der

heiligen Winifreda erlangte Segen konnte sich in Fluch verwandeln.[30]

Gegen eine solche Gefahr konnte nur eine Parlamentsacte schützen, und

eine solche Acte war nicht leicht zu erlangen.

[Anmerkung 29: Citters, 28. Oct. (7. Nov.), 22. Nov. (2. Dec.)

1687; die Prinzessin Anna an die Prinzessin von Oranien, 14. u.

20. März 1687/8; Barillon, 1.(11.) Dec. 1687; +Revolution

Politics+; das Gedicht: +„Two Toms and a Nat“+; Johnstone, 4.

April 1688; +Secret Consults of the Romish Party in Ireland,

1690+.]

[Anmerkung 30: Die Besorgnisse des Königs über diesen Punkt werden

von Ronquillo in einer Depesche vom 12.(22.) Dec. 1688 mit starken

Farben geschildert: +„Un Principe de Vales y un Dogue de York y

otro di Lochaosterna+ (vermuthlich Lancaster), +no bastan, a

reducir la gente; porque el Rey tiene 54 años, y vendrá á morir,

dejando los hijos pequeños, y que entonces el reyno se apoderará

dellos, y los nombrará tutor, y los educará en la religion

protestante, contra la disposicion que dejare el Rey, y la

autoridad de la Reyna.“+]

[_Stimmung der Wahlkörper und der Peers._] Es schien Alles anzudeuten,

daß, wenn die Häuser einberufen werden sollten, sie von dem Geiste von

1640 beseelt nach Westminster kommen würden. Das Resultat der

Grafschaftswahlen konnte kaum zweifelhaft sein. Die ganze Masse der

Grundeigenthümer, hohe und niedere, geistlichen und weltlichen Standes,

waren gegen die Regierung heftig aufgebracht. In der großen Mehrzahl

derjenigen Städte, wo das Stimmrecht von der Entrichtung örtlicher

Steuern oder von dem Besitze eines Grundstücks abhängig war, hätte sich

kein höfisch gesinnter Kandidat blicken lassen dürfen. Ein sehr großer

Theil des Unterhauses wurde von Mitgliedern von Municipalcorporationen

gewählt. Diese Corporationen waren unlängst reorganisirt worden, um den

Einfluß der Whigs und der Dissenters zu zerstören, mehr als hundert

Wahlkörper waren durch der Krone ergebene Gerichtshöfe ihrer Freibriefe

beraubt oder doch veranlaßt worden, einer gewaltsamen Entziehung ihrer

Privilegien durch freiwilliges Aufgeben derselben zuvorzukommen. Jeder

Mayor, jeder Alderman, jeder Stadtschreiber von Berwick bis Helstone war

Tory und Anglikaner; aber Tories und Anglikaner waren jetzt dem

Souverain nicht mehr ergeben. Die neuen Municipalbehörden waren noch

unlenksamer als die früheren je gewesen waren, und sie wählten ohne

allen Zweifel solche Abgeordnete, deren erster parlamentarischer Act

eine Anklage gegen alle papistischen Geheimräthe und gegen alle

Mitglieder der Hohen Commission war.

Bei den Lords waren die Aussichten fast eben so trübe als bei den

Gemeinen. Es unterlag keinem Zweifel, daß die große Mehrzahl der

weltlichen Peers gegen die Maßregeln des Königs sein würden, und auf der

Bischofsbank, welche ihn vor sieben Jahren einstimmig gegen Diejenigen

unterstützt hatte, die ihn seines Geburtsrechtes berauben wollten,

konnte er nur auf den Beistand von vier oder fünf servilen Schmeichlern

rechnen, die von ihren Berufsgenossen wie von der ganzen Nation

verachtet wurden.[31]

Jedem, den die Leidenschaft nicht gänzlich verblendete, mußten diese

Hindernisse unübersteiglich erscheinen. Die gewissenlosesten Sklaven der

Gewalt ließen Zeichen von Besorgniß laut werden. Dryden äußerte, der

König werde durch seinen Versuch, die Sache besser zu machen, sie nur

verschlimmern, und er sehnte sich zurück nach den goldenen Tagen des

sorglosen und gutmüthigen Karl.[32] Selbst Jeffreys wurde schwankend. So

lange er arm war, war er stets bereit gewesen, um des Gewinns willen dem

bösen Leumunde und dem öffentlichen Hasse zu trotzen; aber er hatte sich

jetzt durch Bestechlichkeit und Erpressungen große Reichthümer erworben,

und es lag ihm mehr daran, sich den Besitz derselben zu sichern, als sie

noch zu vermehren. Seine Lauheit zog ihm einen strengen Verweis aus

königlichem Munde zu. Aus Furcht, das große Siegel zu verlieren,

versprach er Alles was von ihm verlangt wurde; Barillon aber bemerkte in

seinem hierauf bezüglichen Berichte an Ludwig, daß der König von England

sich selbst auf Diejenigen, die etwas zu verlieren hätten, nicht mehr

verlassen könne.[33]

[Anmerkung 31: Drei damals entworfene Stimmlisten sind noch

vorhanden; eine befindet sich in den französischen Archiven, die

beiden anderen in den Archiven der Familie Portland. In diese

Listen sind die Peers unter drei Rubriken eingetragen: Für

Aufhebung des Testes, gegen die Aufhebung, und zweifelhaft. Nach

der einen Liste waren 31 für, 86 gegen und 20 zweifelhaft; nach

der zweiten 33 für, 87 gegen und 19 zweifelhaft; nach der dritten

35 für, 92 gegen und 10 zweifelhaft. Abschriften der drei Listen

befinden sich unter den Mackintosh-Manuscripten.]

[Anmerkung 32: Im Britischen Museum befindet sich ein Brief von

Dryden an Etherege vom Februar 1688. Ich entsinne mich nicht, ihn

gedruckt gesehen zu haben. „Ach,“ sagt Dryden, „möchte doch unser

König durch sein eignes Beispiel zu edler Muße aufmuntern, wie

sein Vorgänger hochseligen Andenkens es that. Mich dünkt er wird

mit all’ seinem Geschäftseifer die Angelegenheiten nicht

fördern.“]

[Anmerkung 33: Barillon, 29. Aug. (8. Sept.) 1687.]

[_Jakob beschließt, ein bestochenes Parlament zusammenzusetzen._] Trotz

alledem beschloß Jakob, seinen Weg beharrlich zu verfolgen. Die

Zustimmung eines freien und gesetzlichen Parlaments zu erlangen, war

offenbar unmöglich; aber nicht ganz unmöglich war es, durch Bestechung,

Einschüchterung, gewaltthätige Anwendung der Prärogative und

betrügerische Rechtsverdrehungen eine Versammlung zu Stande zu bringen,

die sich ein Parlament nennen konnte und bereit war, jeden Befehl des

Souverains als Gesetz zu registriren. Es mußten Wahlbeamte ernannt

werden, die den geringsten Vorwand benutzten, um Freunde des Königs für

rechtsgültig gewählt zu erklären. Jedem Angestellten, von den höchsten

bis zu den niedrigsten, mußte zu verstehen gegeben werden, daß, wenn er

sein Amt behalten wolle, er diesmal den Thron durch seine Stimme und

seinen Einfluß unterstützen müsse. Zu gleicher Zeit mußte die Hohe

Commission ein scharfes Auge auf die Geistlichkeit haben. Die Wahlorte,

welche erst kürzlich reorganisirt worden waren, um dem einen Zwecke zu

dienen, konnten noch einmal umgestaltet werden, um einem andren zu

dienen. Auf diese Weise hoffte der König im Hause der Gemeinen eine

Majorität zu erlangen. Das Oberhaus war dann ganz in seiner Gewalt, denn

er hatte das unbestrittene gesetzliche Recht, Peers nach seinem

Gutdünken zu ernennen, und er war fest entschlossen, von diesem Rechte

Gebrauch zu machen. Er wünschte zwar nicht, was auch kein Souverain

wünschen kann, die höchste Ehrenbezeigung, welche die Krone zu verleihen

vermag, werthlos zu machen; aber er schmeichelte sich mit der Hoffnung,

daß es ihm durch Einberufung einiger nächster Erben in die Versammlung,

in der sie doch früher oder später einmal ihren Sitz einnehmen mußten,

und durch Verleihung englischer Adelstitel an schottische und irische

Lords gelingen werde, sich eine Majorität zu sichern; ohne so viele

Leute in den Adelsstand erheben zu müssen, daß dadurch die Adelskrone

und der Hermelin an Ansehen verloren. Indessen hatte er sich

vorgenommen, im Nothfall auch zu den äußersten Mitteln zu greifen. Als

in einer zahlreichen Gesellschaft einmal die Meinung ausgesprochen

wurde, daß sich die Peers unfügsam zeigen würden, sagte Sunderland zu

Churchill: „Wie einfältig! Ihre Garde wird vor dem Hause der Lords

stehen.“[34]

Nachdem Jakob beschlossen hatte, ein corrumpirtes Parlament

zusammenzubringen, ging er energisch und planmäßig an die Ausführung. Es

erschien in der Gazette eine Proklamation, welche ankündigte, daß der

König sich entschlossen habe, die Bestallungen der Friedensrichter und

der Grafschaftsstatthalter einer Revision zu unterwerfen und daß nur

diejenigen Gentlemen im Staatsdienste bleiben sollten, welche geneigt

waren, seine Politik zu unterstützen[35]. Ein Ausschuß von sieben

Geheimräthen saß in Whitehall, um, wie man sich ausdrückte, die

Municipalkörperschaften zu reguliren. In diesem Ausschusse vertrat

Jeffreys allein das protestantische, Powis das gemäßigte katholische

Interesse. Alle anderen Mitglieder gehörten der jesuitischen Faction an.

Unter ihnen befand sich auch Petre, der in den Geheimen Rath vereidigt

worden war. Seine Ernennung war bis zum factischen Antritt dieser

Function vor Jedermann, mit alleiniger Ausnahme Sunderland’s, sorgfältig

geheim gehalten worden. Der öffentliche Unwille über diese abermalige

Verletzung des Gesetzes äußerte sich laut, und man bemerkte, daß die

Katholiken sie noch rücksichtsloser tadelten als die Protestanten. Der

eitle und ehrgeizige Jesuit war jetzt beauftragt, die Hälfte der

Wahlkörper des Reichs aufzulösen und neu zu organisiren.

[Anmerkung 34: Lord Bradford, welcher anwesend war, erzählte dies

Dartmouth; Note zu Burnet I. 755.]

[Anmerkung 35: +London Gazette, Dec. 12, 1687+.]

[_Die Regulatoren._] Unter der Oberleitung des Ausschusses der

Geheimräthe stand ein aus thätigen Agenten untergeordneten Ranges

gebildeter Unterausschuß, der die Einzelheiten des Geschäfts zu

besorgen hatte, und im ganzen Lande waren örtliche Ausschüsse von

Regulatoren errichtet, welche mit dem Centralcomité in Westminster

correspondirten.[36]

Die Personen, auf deren Unterstützung Jakob bei diesem neuen

und schwierigen Unternehmen hauptsächlich rechnete, waren die

Lordlieutenants. Sie erhielten sämmtlich den schriftlichen Befehl, sich

unverweilt in ihre respectiven Grafschaften zu begeben. Dort sollten sie

alle ihre Stellvertreter und Friedensrichter vor sich laden und ihnen

eine Reihe Fragen vorlegen, um zu erfahren, wie sie sich bei einer

allgemeinen Wahl verhalten würden. Die Antworten sollten sie

niederschreiben und der Regierung einsenden. Ferner sollten sie ein

Verzeichniß derjenigen Katholiken und protestantischen Dissenters

anfertigen, welche für die Richterbank und für die Commandos in der

Miliz am geeignetsten erschienen. Auch sollten sie die Stimmung aller

Wahlorte der Grafschaft untersuchen und Berichte darüber einsenden,

welche den Regulatoren bei ihrer Arbeit als Leitfaden dienen konnten.

Schließlich war ihnen bedeutet, daß sie alle diese Pflichten in Person

zu vollziehen hätten und keine Stellvertreter mit der Ausführung

beauftragen dürften.[37]

[Anmerkung 36: Bonrepaux an Seignelay, 14.(24.) Nov.; Citters,

15.(25.) Nov.; +Lords’ Journals, Dec. 20. 1689+.]

[Anmerkung 37: Citters, 28. Oct. (7. Nov.) 1687.]

[_Entlassung vieler Lordlieutenants._] Der erste Eindruck, den diese

Befehle machten, würde einen weniger verblendeten Fürsten als Jakob

sofort zur Besinnung gebracht haben. Die Hälfte der Lordlieutenants von

England verweigerten auf das Bestimmteste den gehässigen Dienst, den man

von ihnen verlangte. Sie wurden auf der Stelle entlassen. Alle, welche

diese ihnen zum Ruhme gereichende Ungnade traf, waren hochangesehene

Peers, welche bisher als feste Stützen der Monarchie gegolten hatten.

Einige Namen der Liste verdienen besondere Erwähnung.

[_Der Earl von Oxford._] Der vornehmste Unterthan von England und, wie

die Engländer gern sagten, von ganz Europa, war Aubray de Vere, der

zwanzigste und letzte der alten Earls von Oxford. Sein Adelstitel

schrieb sich durch eine ununterbrochene Reihenfolge männlicher Ahnen aus

einer Zeit her, wo die Familien Howard und Seymour noch unbekannt waren,

wo die Nevilles und die Percy erst eine provinzielle Berühmtheit hatten

und wo selbst der große Name Plantagenet in England noch nicht gehört

worden war. Ein Oberhaupt des Hauses de Vere hatte bei Hastings ein

hohes Commando bekleidet, ein Andrer war mit Gottfried und Tancred über

Haufen erschlagener Moslems nach dem Grabe Jesu Christi gezogen. Der

erste Earl von Oxford war Minister Heinrich Beauclerc’s gewesen; der

dritte hatte sich unter den Lords ausgezeichnet, welche von Johann die

Magna Charta erpreßten; der siebente hatte bei Cressy und Poitiers

tapfer gefochten; der dreizehnte war unter vielen Glückswechseln das

Oberhaupt der Partei der Rothen Rose gewesen und hatte in der

entscheidenden Schlacht von Bosworth die Vorhut angeführt; der

siebzehnte hatte am Hofe der Königin Elisabeth geglänzt und sich einen

ehrenvollen Platz unter den älteren Meistern der englischen Dichtkunst

erworben; der neunzehnte war im Kampfe für den protestantischen Glauben

und für die Freiheit Europa’s unter den Mauern von Mastricht gefallen.

Sein Sohn Aubray, mit welchem der älteste und erlauchteste Adelsstamm,

den England je gesehen, erlosch, ein Mann von lockeren Sitten, aber von

harmlosem Charakter und artigen Manieren, war Lordlieutenant von Essex

und Oberst der Blauen. Er war von Natur nicht widersetzlich und es lag

in seinem Interesse, einen Bruch mit dem Hofe zu vermeiden, denn seine

Güter waren mit Schulden belastet und sein Commando ein sehr

einträgliches. Er wurde in das königliche Kabinet beschieden und eine

bündige Erklärung über seine Gesinnungen von ihm verlangt. „Sire,“

antwortete Oxford, „ich werde bis zum letzten Blutstropfen gegen alle

Feinde zu Eurer Majestät stehen; aber dies ist eine Gewissenssache, in

der ich Ihnen nicht willfahren kann.“ Er wurde augenblicklich seiner

Statthalterschaft und seines Commando’s entsetzt.[38]

[Anmerkung 38: +Halstead’s Succinct Genealogy of the Family of

Vere, 1685+; +Collins’s Historical Collections+. Siehe auch in den

+Lords’ Journals+ und in +Jones’s Reports+ den Prozeß wegen des

Earlthums Oxford im März und April 1625/26. Die Einleitung der

Rede des Lordoberrichters Crew gehört zu den glänzendsten Proben

der altenglischen Beredtsamkeit. Citters, 7.(17.) Febr. 1688.]

[_Der Earl von Shrewsbury._] Dem Hause de Vere, aber auch nur diesem,

stand an Alter und Glanz das Haus Talbot nach. Seit der Regierung

Eduard’s III. hatten die Talbot stets unter den Peers des Reichs

gesessen. Das Earlthum Shrewsbury war im funfzehnten Jahrhundert Johann

Talbot, dem Gegner der Jungfrau von Orleans, verliehen worden. Seine

Landsleute hatten seiner noch lange in Liebe und Verehrung als eines der

berühmtesten Krieger gedacht, welche auf dem europäischen Festlande ein

großes englisches Reich zu gründen versuchten. Der unerschütterliche

Muth, den er im Unglück gezeigt, hatten ihn zum Gegenstande einer

größeren Theilnahme gemacht als glücklichere Feldherren sie erweckt

haben, und sein Tod lieferte unsrer älteren Bühne den Stoff zu einer

ungemein ergreifenden Scene. Seine Nachkommen waren zwei Jahrhunderte

lang ein blühendes und ehrenvolles Geschlecht. Zur Zeit der Restauration

war Franz, der elfte Earl, ein Katholik, das Oberhaupt der Familie. Sein

Tod war von Umständen begleitet gewesen, die selbst in jenen zügellosen

Zeiten, welche unmittelbar auf den Sturz der puritanischen Partei

folgten, Abscheu und Mitleid erweckt hatten. Der Herzog von Buckingham

war im Laufe seiner leichtfertigen Liebeshändel einen Augenblick von der

Gräfin von Shrewsbury angezogen worden. Sie wurde leicht erobert. Ihr

Gemahl forderte den Verführer zum Zweikampfe und fiel. Einige sagten,

das pflichtvergessene Weib habe den Zweikampf in männlicher Verkleidung

mit angesehen. Andere wollten sogar wissen, sie habe den siegreichen

Geliebten ans Herz gedrückt, während sein Hemd noch vom Blute ihres

Gatten geröthet war. Die Titel des Ermordeten gingen auf seinen

unmündigen Sohn Karl über. Als der verwaiste Jüngling zum Manne

heranwuchs, ward es allgemein anerkannt, daß kein andrer junger Adeliger

Englands von der Natur so reich begabt sei. Er besaß ein einnehmendes

Äußere, einen ungemein sanften Character und einen solchen Schatz von

Talenten, daß er, selbst wenn er in einem niederen Stande geboren

gewesen wäre, sich ohne Zweifel zu einer hohen Stellung im Staate

emporgeschwungen haben würde. Alle diese natürlichen Vorzüge hatte er so

gut angewendet, daß er schon vor seiner Volljährigkeit für einen der

feinsten und kenntnißreichsten Gentlemen seiner Zeit galt. Für seine

Gelehrsamkeit sprechen die noch vorhandenen eigenhändigen Anmerkungen

von ihm zu Werken aus fast allen Zweigen der Literatur. Er sprach

Französisch wie ein Kammerherr des Königs Ludwig und Italienisch wie ein

Florentiner. Es war wohl natürlich, daß ein Jüngling von solchen Gaben

nach den Gründen forschte, aus denen seine Familie sich der

Staatsreligion nicht angeschlossen hatte. Er studirte sorgfältig die

Streitpunkte, theilte seine Zweifel Priestern seines eignen Glaubens

mit, legte deren Antworten Tillotson vor, erwog lange und aufmerksam die

beiderseitigen Gründe und erklärte sich nach einer zweijährigen genauen

Untersuchung zum Protestanten. Die anglikanische Kirche nahm den

erlauchten Convertiten freudig in ihren Schooß auf. Er genoß einer

großen Popularität, und diese nahm zu, als man erfuhr, daß der König

umsonst Bitten und Versprechungen an ihn verschwendet hatte, um ihn zu

dem Irrglauben zurückzuführen, den er abgeschworen. Der Character des

jungen Mannes entwickelte sich jedoch nicht in einer Weise, welche

Diejenigen, die an seiner Bekehrung den hauptsächlichsten Antheil

hatten, vollkommen befriedigte. Seine Sittlichkeit entging der

allgemeinen Ansteckung der modischen Ausschweifungen nicht. Der Stoß,

der seine Jugendvorurtheile zerstört, hatte zu gleicher Zeit alle seine

Überzeugungen erschüttert und ihn der schwankenden Leitung seiner

Gefühle preisgegeben. Aber wenn auch seine Grundsätze ihren Halt

verloren hatten, so waren doch die Triebfedern seines Handelns so edel,

sein Gemüth so sanft, sein Benehmen so freundlich und gewinnend, daß es

unmöglich war, ihn nicht zu lieben. Er wurde schon frühzeitig der König

der Herzen genannt und verlor in seinem langen, ereignißvollen und

bewegten Leben nie das Recht auf diese Bezeichnung.[39]

Shrewsbury war Lordlieutenant von Staffordshire und Oberst eines der

Kavallerieregimenter, die in Folge des Aufstandes im Westen errichtet

worden waren. Er weigerte sich jetzt, seine Thätigkeit durch die

Regulatoren bestimmen zu lassen und wurde deshalb seiner beiden Stellen

entsetzt.

[Anmerkung 39: +Coxe’s Shrewsbury Correspondence+; +Mackay’s

Memoirs+; +Life of Charles Duke of Shrewsbury, 1718+; +Burnet, I.

762+; +Birch’s Life of Tillotson.+ In letzterem Werke findet der

Leser einen Brief von Tillotson an Shrewsbury, der meiner Ansicht

nach ein Muster von ernstem, freundschaftlichem und

rücksichtvollem Tadel ist.]

[_Der Earl von Dorset._] Kein englischer Adeliger erfreute sich der

Volksgunst in einem reicheren Maße als Karl Sackville, Earl von Dorset.

Er war in der That ein merkwürdiger Mann. In seiner Jugend war er einer

der bekanntesten Wüstlinge der zügellosen Zeit gewesen, welche auf die

Restauration folgte. Er war der Schrecken der londoner Nachtwächter,

hatte manche Nacht auf der Wache zubringen müssen und zum mindesten

einmal eine Zelle in Newgate bewohnt. Seine Liebe zu Betty Morrice und

zu Lorchen Gwynn, die ihn ihren Karl I. zu nennen pflegte, hatte der

Stadt nicht wenig Stoff zur Unterhaltung und zum Ärgerniß gegeben.[40]

Doch bei all’ seinen Thorheiten und Lastern hatte er sich durch

hochherzigen Muth, durch scharfen Verstand und durch natürliche

Herzensgüte ausgezeichnet. Die Leute meinten, die Ausschweifungen, denen

er sich hingäbe, theile er mit dem ganzen Geschlechte der lebenslustigen

jungen Kavaliere, aber sein Mitgefühl für die Leiden der Menschheit und

die Großmuth, mit der er diejenigen, welche durch seine muthwilligen

Streiche verletzt wurden, zu entschädigen suchte, sei nur ihm allein

eigen. Seine Freunde wunderten sich darüber, daß das Publikum zwischen

ihm und ihnen einen Unterschied machte. „Der kann thun was er will,“

sagte Wilmot; „ihm geschieht nie etwas.“ Das Urtheil der Welt über

Dorset gestaltete sich noch günstiger, als er mit den Jahren und in der

Ehe gesetzter wurde. Jedermann pries seine herablassenden Manieren,

seine geistreiche Unterhaltung, sein weiches Gemüth und seine

Freigebigkeit. Man sagte es vergehe kein Tag, ohne daß eine bedrängte

Familie Ursache habe, seinen Namen zu segnen. Und doch war bei aller

seiner Herzensgüte sein Witz so beißend, daß Spötter, deren Sarkasmus

die ganze Stadt fürchtete, vor dem Sarkasmus Dorset’s zitterten. Alle

politischen Parteien achteten und liebten ihn; ihm selbst aber behagte

die Politik überhaupt nicht sonderlich. Hätte ihn die Nothwendigkeit zu

Anstrengungen gespornt, so würde er wahrscheinlich zu den höchsten

Posten im Staate gestiegen sein; aber er nahm schon durch seine Geburt

einen so hohen Rang ein und war dabei so reich, daß ihm viele

Beweggründe fehlten, welche die Menschen antreiben, sich mit den

öffentlichen Angelegenheiten zu befassen. Er nahm gerade nur so viel

Theil an parlamentarischen und diplomatischen Geschäften, als

hinreichte, um zu beweisen, daß ihm nichts weiter fehlte als die Lust

dazu, um mit Danby und Sunderland zu rivalisiren, und richtete seine

Thätigkeit auf Bestrebungen, die ihm besser zusagten. Gleich vielen

anderen Männern, welche mit großen natürlichen Fähigkeiten eine

angeborne und gewohnheitsmäßige Indolenz verbinden, wurde er ein

geistiger Genußmensch und ein Meister in allen unterhaltenden Zweigen

des Wissens, die man sich ohne ernstes Studium aneignen kann. Er war

anerkanntermaßen der beste Richter in der Malerei, der Sculptur, der

Baukunst und der Schauspielerkunst, den der Hof aufzuweisen hatte. In

Angelegenheiten der schönen Künste und Wissenschaften galt sein Urtheil

in allen Kaffeehäusern für unwiderruflich maßgebend. Mehr als ein

hübsches Theaterstück, das bei der ersten Aufführung durchfiel, wurde

lediglich durch seine Autorität gegen das Geschrei des ganzen Parterres

siegreich vertheidigt und bestand mit glücklichem Erfolge die zweite

Probe. St. Evremond und Lafontaine rühmten die feine Eleganz seines

französischen Styls. Noch nie hatte England einen solchen Gönner der

Literatur gehabt. Er übte seine Freigebigkeit mit eben so richtiger

Einsicht als liberaler Unparteilichkeit, keine Secte oder Faction wurde

dabei von ihm bevorzugt. Geniale Männer, welche durch literarische

Eifersucht oder durch Verschiedenheit ihrer politischen Meinung einander

entfremdet waren, stimmten in der Anerkennung seiner unparteiischen Güte

überein. Dryden gestand, daß Dorset’s fürstliche Freigebigkeit ihn vom

Untergange gerettet habe. Und dennoch wurden Montague und Prior, welche

Dryden durch beißende Satiren getadelt hatten, von Dorset ins

öffentliche Leben eingeführt, und das beste Lustspiel von Dryden’s

Todfeind, Shadwell, war auf Dorset’s Landsitze geschrieben. Hätte der

freigebige Earl sonst gewollt, so hätte er sehr gut mit Denen

rivalisiren können, deren Wohlthäter er zu sein sich begnügte, denn die

Verse, die er gelegentlich dichtete, zeigen bei aller unkünstlerischen

Form Spuren eines angebornen Genies, das bei sorgfältiger Pflege Großes

hätte schaffen können. In dem kleinen Bande seiner Werke finden sich

Lieder, welche die ungezwungene Lebendigkeit Suckling’s besitzen, und

kleine Satiren, deren glänzender Humor dem eines Butler nicht

nachsteht.[41]

Dorset war Lordlieutenant von Sussex und auf Sussex blickten die

Regulatoren mit besonders ängstlicher Spannung, denn in keiner andren

Grafschaft, Cornwall und Wiltshire ausgenommen, befanden sich so viele

kleine Wahlorte. Er erhielt Befehl, sich auf seinen Posten zu begeben.

Keiner von Denen, die ihn kannten, erwartete, daß er gehorchen werde. Er

gab eine Antwort, wie sie sich für ihn ziemte, und wurde bedeutet, daß

man seiner Dienste nicht mehr bedürfe. Das allgemeine Interesse, das er

seinen vielen edlen und liebenswürdigen Eigenschaften verdankte, wurde

nicht wenig erhöht, als man erfuhr, daß er durch die Post einen anonymen

Brief erhalten hatte, worin ihm angekündigt wurde, daß, wenn er sich

nicht sofort den Wünschen des Königs füge, ihn all’ sein Geist und seine

Popularität nicht vor der Ermordung schützen werde. Eine ähnliche

Warnung erhielt auch Shrewsbury. Drohbriefe waren damals viel seltener

als sie es späterhin geworden sind, und man kann sich daher nicht

darüber wundern, daß das ohnehin schon aufgeregte Volk zu dem Glauben

geneigt war, die besten und edelsten Engländer seien wirklich für

papistische Dolche ausersehen.[42] Gerade zu der Zeit, als diese Briefe

in ganz London das Tagesgespräch bildeten, wurde der verstümmelte

Leichnam eines angesehenen Puritaners auf der Straße gefunden. Es zeigte

sich indessen bald, daß der Mörder die That nicht aus religiösen oder

politischen Beweggründen verübt hatte. Aber der erste Verdacht des

gemeinen Volkes fiel auf die Papisten. Die verstümmelten Überreste des

Ermordeten wurden in feierlicher Prozession nach dem Jesuitencollegium

im Savoy getragen und einige Stunden lang war die Furcht und Wuth der

Menge kaum weniger heftig als an dem Tage, wo Godfrey zu Grabe getragen

ward.[43]

Mit den übrigen Entlassungen muß ich mich kürzer fassen. Der Herzog von

Somerset, dem vor einigen Monaten schon sein Regiment wieder abgenommen

worden war, wurde nun auch seiner Stelle als Lordlieutenant des

Ostbezirks[44] von Yorkshire enthoben. Die Statthalterschaft des

Nordbezirks verlor der Viscount Fauconberg, die von Shropshire der

Viscount Newark und die von Lancashire der Earl von Derby, der Enkel des

tapferen Kavaliers, der auf dem Schlachtfelde sowohl als auf dem

Schaffot für das Haus Stuart dem Tode so muthig ins Auge geblickt hatte.

Der Earl von Pembroke, der unlängst der Krone gegen Monmouth treu und

tapfer gedient hatte, wurde in Wiltshire, der Earl von Rutland in

Leicestershire, der Earl von Bridgewater in Buckinghamshire, der Earl

von Thanet in Cumberland, der Earl von Northampton in Warwickshire, der

Earl von Abingdon in Oxfordshire, der Earl von Scarsdale in Derbyshire

abgesetzt. Scarsdale verlor außerdem auch sein Reiterregiment und seine

Stelle im Hofstaate der Prinzessin von Dänemark. Diese weigerte sich,

ihn aus ihren Diensten zu entlassen und gab nur einem peremptorischen

Befehle ihres Vaters nach. Der Earl von Gainsborough wurde nicht nur der

Statthalterschaft von Hampshire, sondern auch des Gouverneurpostens von

Portsmouth und des Wildmeisteramts im Neuen Forste entsetzt, zwei

Stellen, die er erst vor wenigen Monaten für fünftausend Pfund gekauft

hatte.[45]

Der König konnte keine angesehenen Lords und namentlich gar keine

protestantischen auftreiben, welche die erledigten Stellen anzunehmen

bereit waren. Man mußte zwei Grafschaften Jeffreys, einem Manne von sehr

jungem Adel und von geringem Grundbesitz, und zwei andere Preston, der

nicht einmal Peer von England war, zuertheilen. Die übrigen ihrer

Statthalter beraubten Grafschaften wurden fast ohne Ausnahme bekannten

Katholiken oder solchen Höflingen überwiesen, welche dem Könige im

Geheimen versprochen hatten, zur römisch-katholischen Kirche

überzutreten, sobald die Klugheit es ihnen gestatten würde.

[Anmerkung 40: Der König war nur Lorchen’s Karl III. Ob Dorset

oder Major Hart die Ehre hatte ihr Karl I. zu sein, ist eine

streitige Frage. Meines Bedünkens scheint Dorset gegründeteren

Anspruch auf diesen Vorzug zu haben. Siehe die gestrichene Stelle

in Burnet I. 263, und Pepys’ Tagebuch vom 26. Oct. 1667.]

[Anmerkung 41: +Pepys’s Diary+; Prior’s Widmung seiner Gedichte an

den Herzog von Dorset; +Johnson’s Life of Dorset+; +Dryden’s Essay

on Satire+ und seine Widmung des +Essay on Dramatic Poesy+.

Dorset’s Liebe zu seiner Gattin und seine strenge eheliche Treue

wird von dem ausschweifenden Narren Sir Georg Etherege in seinen

Briefen aus Regensburg vom 9.(19.) Dec. 1687 und 16.(26.) Jan.

1688 mit höhnender Geringschätzung erwähnt; Shadwell’s Widmung

zu seinem +Squire of Alsatia+; +Burnet I. 264+; +Mackay’s

Characters.+ Einige Seiten von Dorset’s Character werden in

seiner von Pope verfassten Grabschrift treffend angedeutet:

Doch sanft war sein Herz, wenn auch streng sein Lied;

und weiterhin:

Ein glücklicher Hofmann, von Fürst und Land geliebt,

Und dennoch treu der Freundschaft und der Muße.]

[Anmerkung 42: Barillon, 9.(19.) Jan. 1688; Citters, Jan. 31.

(Febr. 10.)]

[Anmerkung 43: Adda, 3.(13.) u. 10.(20.) Febr. 1688.]

[Anmerkung 44: Die Grafschaft York, die größte von England, wird

in drei Bezirke (+Ridings+) eingetheilt. D. Übers.]

[Anmerkung 45: Barillon, 5.(15.), 8.(18.) u. 12.(22.) Dec. 1687;

Citters, 29. Nov. (9. Dec.) u. 2.(12.) Dec.]

[_An die Obrigkeiten gerichtete Fragen, und Antworten darauf._] Endlich

wurde die neue Maschinerie in Bewegung gesetzt und bald kam aus allen

Gegenden des Landes die Nachricht von der vollständigen und

hoffnungslosen Niederlage. Der Katechismus, nach welchem die

Lordlieutenants die Gesinnungen der Landgentry erforschen sollten,

bestand aus drei Fragen. Jeder Magistratsbeamte und jeder Stellvertreter

des Lordlieutenants mußte gefragt werden, erstens ob er, im Fall er

gewählt würde, um im Parlamente zu dienen, für eine im Sinne der

Indulgenzerklärung gefaßte Bill stimmen wolle; zweitens ob er als Wähler

seine Stimme solchen Candidaten geben wolle, die sich verpflichteten,

für eine derartige Bill zu stimmen; und drittens ob er als Privatmann

die wohlwollenden Zwecke des Königs fördern wolle, indem er mit Leuten

jeder religiösen Überzeugung in Frieden lebte.[46]

Sobald diese Fragen bekannt geworden waren, wurde ein mit seltener

Geschicklichkeit entworfenes Antwortformular im ganzen Lande verbreitet

und allgemein angenommen. Es lautete folgendermaßen: „Im Fall mir die

Ehre zu Theil werden sollte, einen Sitz im Hause der Gemeinen

einzunehmen, werde ich als Mitglied dieses Hauses es für meine Pflicht

halten, die Gründe, welche für und gegen eine Indulgenzbill im Laufe der

Debatte geltend gemacht werden, sorgfältig zu erwägen, und dann nach

meiner gewissenhaften Überzeugung zu stimmen. Als Wähler werde ich meine

Stimme solchen Candidaten geben, deren Begriffe von den Pflichten eines

Volksvertreters mit meinen eigenen übereinstimmen. Als Privatmann hege

ich den Wunsch, mit Jedermann in Frieden und Eintracht zu leben.“

[Anmerkung 46: Citters, 28. Oct. (7. Nov.) 1687; +Lonsdale’s

Memoirs.+]

[_Scheitern der Pläne des Königs._] Diese Antwort, die noch viel

trotziger war als eine förmliche Weigerung, weil sie einen leichten

Anflug von milder und anständiger Ironie hatte, über die man sich nicht

wohl gereizt zeigen konnte, war Alles was die Emissäre des Hofes von den

meisten Landgentlemen erlangen konnten. Gegenvorstellungen,

Versprechungen und Drohungen wurden vergebens angewendet. Der Herzog von

Norfolk, obgleich Protestant und mit dem Verfahren der Regierung

unzufrieden, hatte sich zu ihrem Werkzeuge in zwei Grafschaften

hergegeben. Er begab sich zuerst nach Surrey, wo er aber bald sah, daß

er nichts ausrichten konnte.[47] Dann ging er nach Norfolk, von wo er

ebenfalls bald zurückkehrte, um dem Könige zu melden, daß ihm von

siebzig Gentlemen, welche in dieser großen Provinz öffentliche Ämter

bekleideten, nur sechs Hoffnung gemacht hätten, die Politik des Hofes zu

unterstützen.[48] Der Herzog von Beaufort, dessen Autorität sich über

vier englische Grafschaften und über das ganze Fürstenthum Wales

erstreckte, kam mit einem nicht minder niederschlagenden Berichte nach

Whitehall.[49] Rochester war Lordlieutenant von Hertfordshire. Sein

ganzer kleiner Schatz von Tugend war in dem Kampfe gegen die starke

Versuchung, seine Religion für Geld zu verkaufen, aufgezehrt worden; er

war noch durch einen Jahrgehalt von viertausend Pfund an den Hof

gebunden, und zum Dank dafür war er zu jedem wenn auch noch so

ungesetzlichen und erniedrigenden Dienste bereit, vorausgesetzt, daß man

nicht die Formalität einer Aussöhnung mit Rom von ihm verlangte. Er

hatte sich bereitwilligst der Aufgabe unterzogen, seine Grafschaft zu

bearbeiten, und er ging dabei, wie immer, mit übereilter Heftigkeit und

Gewaltthätigkeit zu Werke. Aber er verschwendete seinen Eifer vergebens

an die starrsinnigen Squires, mit denen er es zu thun hatte. Sie

erklärten ihm einstimmig, daß sie keinen Mann ins Parlament schicken

wollten, der für die Beseitigung der Schutzwehren des protestantischen

Glaubens stimmen würde.[50] Dieselbe Antwort erhielt der Kanzler auch in

Buckinghamshire.[51] Die Gentry von Shropshire weigerte sich in einer zu

Ludlow veranstalteten Zusammenkunft einhellig, sich durch das von dem

Könige verlangte Versprechen zu binden.[52] Der Earl von Yarmouth

berichtete aus Wiltshire, daß von sechzig Magistratsbeamten und

Statthaltersubstituten, mit denen er gesprochen, nur sieben eine

günstige Antwort gegeben hätten und daß man selbst diesen nicht trauen

könne.[53] Der Renegat Peterborough richtete eben so wenig in

Northamptonshire aus.[54] Nicht glücklicher war sein Genosse Dover in

Cambridgeshire.[55] Auch Preston brachte schlechte Nachrichten aus

Cumberland und Westmoreland; Dorsetshire und Huntingdonshire waren von

dem nämlichen Geiste beseelt. Der Earl von Bath kehrte nach langem

Stimmenwerben mit trostlosen Nachrichten aus dem Westen zurück. Er war

ermächtigt worden, den Bewohnern dieser Gegenden die verführerischesten

Anerbietungen zu machen. Insbesondere hatte er versprochen, daß, wenn

die Wünsche des Königs gebührend berücksichtigt würden, der Zinnhandel

von den auf ihm lastenden drückenden Beschränkungen befreit werden

solle. Aber dieser Köder, dem man zu einer andren Zeit nicht

widerstanden haben würde, wurde jetzt mit Verachtung zurückgewiesen.

Alle Friedensrichter und Statthaltersubstituten von Devonshire und

Cornwall erklärten ohne eine einzige Ausnahme, daß sie Gut und Blut für

den König opfern würden, daß aber die protestantische Religion ihnen

noch theurer sei als Gut und Blut. „Und,“ setzte Bath hinzu, „wenn Eure

Majestät alle diese Gentlemen absetzte, so würden ihre Nachfolger ganz

die nämliche Antwort geben“.[56] Wenn es irgend einen Bezirk gab, in

welchem die Regierung auf einen günstigen Erfolg hoffen durfte, so war

es Lancashire. Man hatte starke Zweifel gehegt, ob das Resultat in

dieser Provinz mit dem der meisten anderen Grafschaften übereinstimmen

werde. In keinem Theile des Landes gab es so viele reiche und angesehene

Familien, welche dem alten Glauben anhingen, und die Oberhäupter vieler

dieser Familien waren kraft der Dispensationsgewalt zu Friedensrichtern

und Commandanten der Miliz ernannt worden. Doch auch von dort meldete

der neue Lordstatthalter, selbst ein Katholik, daß zwei Drittel seiner

Substituten und der Magistratsbeamten dem Hofe feindlich gesinnt

seien.[57] Noch viel schmerzlicher verletzte das Ergebniß in Hampshire

den Stolz des Königs. Arabella Churchill hatte ihm vor mehr als zwanzig

Jahren einen Sohn geboren, der späterhin als einer der geschicktesten

Generäle Europa’s weit und breit berühmt wurde. Der junge Mann hieß

Jakob Fitzjames und bis dahin hatte noch nichts in ihm vermuthen lassen,

daß er sich einst zu hoher Auszeichnung emporschwingen würde; aber sein

Character und sein Benehmen waren so sanft und herzgewinnend, daß er

keinen Feind hatte, außer Marien von Modena, welche den Sohn der

Concubine schon seit langer Zeit mit dem bitteren Ingrimm einer

kinderlosen Gattin haßte. Ein kleiner Theil der jesuitischen Faction

hatte, bevor die Schwangerschaft der Königin angekündigt wurde, ganz

ernstlich daran gedacht, ihn als Kronprätendenten neben der Prinzessin

von Oranien aufzustellen.[58] Wenn man bedenkt, wie vollständig dem

Herzoge von Monmouth, obgleich das niedere Volk ihn für legitim hielt

und obgleich er der Vorkämpfer des nationalen Glaubens war, ein

ähnlicher Versuch mißlang, so muß es unbegreiflich erscheinen, wie ein

Mann durch den Fanatismus so ganz verblendet sein konnte, daß er nur auf

die Idee kam, einen jungen Menschen, der allgemein als ein papistischer

Bastard bekannt war, auf den Thron erheben zu wollen. Es läßt sich nicht

mit Gewißheit sagen, ob der König diesem albernen Plane seinen Beifall

zollte. Der junge Mann war übrigens als Prinz anerkannt und wurde mit

allen Auszeichnungen überschüttet, welche ein nicht aus königlichem

Blute entsprossener Unterthan nur irgend zu erlangen hoffen konnte. Er

war zum Herzog von Berwick erhoben worden und bekleidete jetzt mehrere

ehrenvolle und einträgliche Stellen, welche Edelleuten, die sich den

königlichen Befehlen nicht hatten fügen wollen, abgenommen worden waren.

Er war der Nachfolger des Earls von Oxford als Oberst der Blauen und des

Earls von Gainsborough als Lordlieutenant von Hampshire, Wildmeister des

Neuen Forstes und Gouverneur von Portsmouth. Berwick erwartete, daß ihn

an der Grenze von Hampshire, der Sitte gemäß, ein langer Zug von

Baronets, Rittern und Squires empfangen werde; aber nicht eine einzige

angesehene Person hatte sich zu seiner Begrüßung eingefunden. Er sendete

Schreiben aus, durch welche er die Gentry zu sich entbot, aber nur fünf

oder sechs beachteten diese Einladung. Die Übrigen warteten ihre

Entlassung gar nicht ab; sie erklärten im voraus, daß sie keinen Theil

an der Civil- oder Militairverwaltung ihrer Grafschaft haben möchten, so

lange der König daselbst durch einen Papisten vertreten sei, und legten

ihre Stellen freiwillig nieder.[59]

Sunderland, der an die Stelle des Earls von Northampton zum

Lordlieutenant von Warwickshire ernannt worden war, fand eine Ausflucht,

um nicht in diese Grafschaft zu gehen und die Entrüstung und Verachtung

der dortigen Gentry auf sich zu laden, und seine Entschuldigung wurde um

so bereitwilliger angenommen, da der König endlich einzusehen begann,

daß sich der Sinn der Landgentry nicht beugen ließ.[60]

Es muß bemerkt werden, daß Diejenigen, welche diesen trotzigen Sinn an

den Tag legten, nicht die alten Feinde des Hauses Stuart waren. Die

Listen der Friedensrichter und Statthaltersubstituten waren schon längst

von allen republikanischen Namen sorgfältig gesäubert. Die Männer, denen

die Regierung vergebens das Versprechen der Unterstützung abzuzwingen

versucht hatte, waren fast ohne Ausnahme Tories. Die älteren von ihnen

konnten noch Narben, welche von den Schwertern der Rundköpfe herrührten,

und Empfangsbescheinigungen über Silbergeschirr aufweisen, das sie

Karl I. in seiner Noth geschickt hatten. Die Jüngeren hatten gegen

Shaftesbury und Monmouth fest zu Jakob gehalten. Dies waren die Männer,

welche jetzt von dem nämlichen Fürsten, dem sie so glänzende Beweise von

treuer Anhänglichkeit gegeben hatten, in Masse ihrer Ämter entsetzt

wurden. Die Entlassung machte sie aber nur noch entschlossener; es war

bei ihnen zu einer heiligen Ehrensache geworden, in dieser Krisis fest

zusammenzuhalten. Es konnte keinem Zweifel unterliegen, daß, wenn bei

der Stimmenzählung ehrlich zu Werke gegangen wurde, nicht ein einziger

der Regierungspolitik günstiger Grafschaftsabgeordneter gewählt werden

würde. Die Leute fragten einander daher mit nicht geringer Besorgniß, ob

man wohl erwarten könne, daß bei der Stimmenzählung ehrlich zu Werke

gegangen werden würde.

[Anmerkung 47: Citters, 22. Nov. (2. Dec.) 1687.]

[Anmerkung 48: Citters, 27. Dez. (6. Jan.) 1687/88.]

[Anmerkung 49: +Ibid.+]

[Anmerkung 50: Johnstone erwähnt zweimal, unterm 25. Nov. und

unterm 8. Dec. 1687, den beleidigenden Eifer, den Rochester bei

dieser Gelegenheit zeigte. Das Mißlingen seiner Bemühungen erwähnt

Citters unterm 6.(16.) Dec.]

[Anmerkung 51: Citters, 6.(16.) Dec. 1687.]

[Anmerkung 52: +Ibid.+ 20.(30.) Dec. 1687.]

[Anmerkung 53: Citters, 30. März (9. April) 1687.]

[Anmerkung 54: +Ibid.+ 22. Nov. (2. Dec.) 1687.]

[Anmerkung 55: +Ibid.+ 15.(25.) Nov. 1687.]

[Anmerkung 56: +Ibid.+ 10.(20.) April 1688.]

[Anmerkung 57: Die ängstliche Spannung wegen Lancashire erwähnt

Citters in einer Depesche vom 18.(28.) Nov. 1687, das Resultat in

einer vier Tage später datirten.]

[Anmerkung 58: Bonrepaux, 11.(21.) Juli 1687.]

[Anmerkung 59: Citters, 3.(13.) Febr. 1688.]

[Anmerkung 60: Citters, 5.(15.) April 1688.]

[_Liste der Sheriffs._] Mit Ungeduld sah man der Liste der Sheriffs für

das neue Jahr entgegen. Sie erschien, während die Lordlieutenants noch

auf ihrer Werbungsreise begriffen waren, und wurde mit einem allgemeinen

Schrei des Zornes und Unwillens aufgenommen. Die Mehrzahl dieser

Beamten, welche bei den Grafschaftswahlen die Oberleitung hatten, waren

entweder Katholiken oder protestantische Dissenters, die ihre Zustimmung

zur Indulgenzerklärung ausgesprochen hatten.[61] Eine Zeit lang hegte

man die schlimmsten Befürchtungen, die aber bald wieder schwanden. Man

hatte guten Grund, anzunehmen, daß über einen gewissen Punkt hinaus der

König auch nicht auf die Unterstützung der seiner eigenen Kirche

angehörenden Sheriffs rechnen könne.

[Anmerkung 61: +London Gazette, Dec. 5. 1687+; Citters, 6.(16.)

Dec.]

[_Character der katholischen Landgentlemen._] Zwischen dem katholischen

Höflinge und dem katholischen Landgentleman herrschte nur sehr geringe

Sympathie. Die in Whitehall dominirende Cabale bestand theils aus

Fanatikern, welche zum Zwecke der Verbreitung ihres Glaubens bereit

waren, alle Gesetze der Moral über den Haufen zu werfen und die ganze

Welt in eine heillose Verwirrung zu stürzen, theils aus Heuchlern,

welche um des Gewinnes willen von dem Glauben, in dem sie erzogen

worden, abgefallen waren und die jetzt den allen Neubekehrten eigenen

Eifer auf die Spitze trieben. Sowohl die Fanatiker als auch die Heuchler

am Hofe hatten zum größten Theil keine Spur von englischer

Anschauungsweise. In einigen von ihnen hatte die unbedingte Hingebung

für ihre Kirche alles Nationalgefühl erstickt; andere waren Irländer,

deren Patriotismus in einem tödtlichen Hasse gegen die sächsischen

Eroberer Irlands bestand; noch andere waren Verräther, die von einer

auswärtigen Macht einen regelmäßigen Sold bezogen, und wieder andere

hatten einen großen Theil ihres Lebens im Auslande zugebracht, und waren

entweder bloße Kosmopoliten oder hegten einen positiven Widerwillen

gegen die Sitten und Staatseinrichtungen des Landes, das sie jetzt zu

regieren hatten. Diese Leute hatten mit einem noch der alten Kirche

anhängenden Gutsbesitzer von Cheshire oder Staffordshire kaum irgend

etwas gemein. Er war weder Fanatiker noch Heuchler, er war Katholik,

weil sein Vater und Großvater Katholiken gewesen waren, und er hing an

seinem ererbten Glauben, wie die Menschen in der Regel an demselben

hängen, aufrichtig aber ohne sonderliche Begeisterung. In jeder andren

Beziehung war er nichts weiter als eben ein englischer Squire, der sich

von den benachbarten Squires höchstens dadurch unterschied, daß er noch

etwas ungebildeter und bäuerischer war als sie. Die auf ihm lastenden

Ausschließungen hatten ihn verhindert, sich bis zu der allerdings selbst

nur mäßig hohen Bildungsstufe zu erheben, auf der die meisten

protestantischen Landgentlemen standen. Als Knabe von Eton und

Westminster, als Jüngling von Oxford und Cambridge, als Mann vom

Parlament und von der Richterbank ausgeschlossen, vegetirte er still und

ruhig hin, wie die Ulmen der Allee, die zu dem ererbten Meierhofe seiner

Vorfahren führte. Seine Kornfelder, seine Milchwirthschaft, seine

Ciderpresse, seine Jagdhunde, seine Angelruthe und seine Flinte, sein

Bier und sein Tabak beschäftigten fast allein seine Gedanken. Mit seinen

Nachbarn stand er trotz der Glaubensverschiedenheit in der Regel auf

gutem Fuße. Sie kannten ihn als einen harmlosen Mann ohne Ehrgeiz, er

stammte fast durchgängig aus einer guten und alten Familie und war immer

ein Kavalier. Er drang Niemandem seine persönlichen Ansichten auf und

wurde Niemandem lästig damit, er quälte nicht, wie ein Puritaner, sich

selbst und Andere mit Gewissensskrupeln über alle Genüsse des Lebens; im

Gegentheil, er war ein eben so leidenschaftlicher Jagdliebhaber und ein

eben so heiterer Gesellschafter als irgend Einer, der den Suprematseid

und die Erklärung gegen die Transsubstantiation angenommen hatte. Er

ging mit seinen Nachbarsquires auf die Jagd, hielt bis zum Hallali bei

ihnen aus und nahm sie nach beendeter Jagd mit sich nach Hause zu einer

Wildpretpastete und zu einem Kruge Octoberbier, das seine vier Jahre auf

Flaschen lag. Die Bedrückungen, die er erduldet, waren nicht so arg, daß

sie ihn zu einem verzweifelten Entschlusse hätten treiben können; selbst

als seine Kirche schonungslos verfolgt wurde, waren sein Leben und sein

Eigenthum nicht in großer Gefahr. Der schamloseste falsche Zeuge würde

es schwerlich gewagt haben, der Wahrheit so frech ins Gesicht zu

schlagen, daß er ihn beschuldigt hätte, ein Verschwörer zu sein. Die

Papisten, welche Oates zu seinen Angriffen auswählte, waren Peers,

Prälaten, Jesuiten, Benedictiner, thätige politische Agenten, Juristen

mit ausgedehnter Praxis und Hofärzte. Der katholische Landgentlemen

konnte unter dem Schutze seiner Verborgenheit, seines leutseligen Wesens

und der Zuneigung seiner Umgebungen unbelästigt seine Ernte einbringen

und seine Waidtasche mit Wild füllen, während Coleman und Langhorne,

Whitbread und Pickering, Erzbischof Plunkett und Lord Stafford durch den

Strick oder durch das Beil starben. Eine Bande elender Schurken machte

zwar den Versuch, gegen Sir Thomas Gascoigne, einen bejahrten

katholischen Baronet in Yorkshire, eine Anklage auf Hochverrath zu

erheben, aber zwölf der besten Gentlemen des Westbezirks, die seinen

Lebenswandel kannten, hielten es nicht für möglich, daß ihr ehrenwerther

alter Bekannter Banditen zur Ermordung des Königs gedungen haben sollte,

und sprachen trotz mancherlei der Richterbank eben nicht zur Ehre

gereichender Versuche ein „Nichtschuldig“ aus. Wohl mochte es für das

Oberhaupt einer alten, angesehenen Familie in der Provinz ein

schmerzlicher Gedanke sein, daß er seines Glaubens wegen von ehrenvollen

Stellen und Ämtern ausgeschlossen war, zu deren Bekleidung Männer von

niedererer Herkunft und geringerem Vermögen für berechtigt gehalten

wurden; aber er hatte nicht Lust, Land und Leben im Kampfe gegen eine

erdrückende Übermacht auf’s Spiel zu setzen, und sein gerader, ächt

englischer Character würde, vor Mitteln, wie ein Petre und Tyrconnel sie

anwendeten, mit Abscheu zurückgebebt sein. Deshalb würde er jedoch eben

so bereitwillig, als irgend einer seiner protestantischen Nachbarn zur

Vertheidigung seines Vaterlandes gegen einen Einfall der Franzosen oder

irischen Papisten das Schwert um die Lenden gegürtet und die Pistolen in

die Halfter gesteckt haben. Dies war der allgemeine Character der

Männer, in denen Jakob jetzt die sichersten Werkzeuge zur Leitung der

Grafschaftswahlen zu erblicken glaubte. Er überzeugte sich jedoch bald,

daß sie nicht geneigt waren, sich durch einen ihm zu leistenden

schimpflichen und strafbaren Dienst die Achtung ihrer Nachbarn zu

verscherzen und Leben und Vermögen zu gefährden. Mehrere von ihnen

weigerten sich, Sheriffs zu werden, und von denen, welche die Ernennung

annahmen, erklärten viele, daß sie eben so gewissenhaft, als wenn sie

Mitglieder der Staatskirche wären, ihre Pflicht erfüllen, und keinen

Wahlcandidaten, der nicht eine wirkliche Stimmenmehrheit hätte, in’s

Parlament schicken würden.[62]

[Anmerkung 62: Etwa zwanzig Jahre vor dieser Zeit sprach sich ein

Jesuit über die eingezogene Lebensweise der katholischen Gentry

Englands folgendermaßen aus: +„La nobilità Inglese, senon se

legata in serviglio di Corte ò in opera di maestrato, vive, e godo

il più dell’ anno a la campagna, ne’ suoi palagi e poderi, dove

son liberi e padroni; è ciò tanto più sollecitamente i Cattolici

quanto più utilmente, si come meno osservati colà.“ --

L’Inghilterra descritta dal P. Daniello Bartoli. Roma, 1667.+

„Viele von den papistischen Sheriffs,“ schrieb Johnstone, „sind

begütert und erklären, daß man sich sehr irren würde, wenn man

gefälschte Wahlen von ihnen erwartete. Die papistische Gentry,

welche auf ihren Landgütern lebt, ist von der städtischen weit

verschieden. Mehrere von ihnen haben es abgelehnt, Sheriffs oder

Statthaltersubstituten zu werden.“ -- 8. Dec. 1687.

Ronquillo sagt das Nämliche: +„Algunos Catolicos que fueron

nombrados por sherifes se han excusado.“+ -- 9.(19.) Jan. 1688.

Einige Monate später versichert er seinem Hof, daß die

katholischen Landgentlemen gern zu einer Verständigung die Hand

bieten würden, deren Grundbedingungen die Abschaffung der

Strafgesetze und die Beibehaltung des Religionseides wären.

+„Estoy informado,“+ sagt er, +„que los Catolicos de las

provincias no lo reprueban, pues no pretendiendo oficios, y siendo

solo algunos de la Corte los provechosos, les parece que mejoran

su estado, quedando seguros ellos y sus descendientes en la

religion, en la quietud, y en la seguridad de sus haciendas.“+ --

23. Juli (2. Aug.) 1688.]

[_Stimmung der Dissenters._] Konnte der König schon auf seine

katholischen Sheriffs wenig rechnen, so konnte er sich noch viel weniger

auf die puritanischen verlassen. Seit dem Erscheinen der

Indulgenzerklärung waren mehrere Monate verflossen, Monate voll

wichtiger Ereignisse und fortwährender Streitigkeiten. Die öffentliche

Besprechung der Angelegenheiten hatte vielen Dissenters die Augen

geöffnet, aber die Maßregeln der Regierung, und vorzugsweise das strenge

Verfahren gegen das Magdalenen-Collegium, hatte mehr als selbst die

Feder eines Halifax dazu beigetragen, alle Klassen der Protestanten

aufzurütteln und zu vereinigen. Die meisten von den Sectirern, die sich

hatten verleiten lassen, ihren Dank für die Indulgenz auszudrücken,

schämten sich jetzt ihres Irrthums und wünschten sehnlichst, ihn dadurch

wieder gut zu machen, daß sie sich der großen Masse ihrer Landsleute

anschlossen.

[_Regulirung der Corporationen._] In Folge dieses Umschwungs in den

Gesinnungen der Nonconformisten stieß die Regierung in den Städten auf

fast eben so große Schwierigkeiten, wie auf dem platten Lande. Als die

Regulatoren ihre Arbeit begannen, hatten sie fest darauf gerechnet, daß

jeder Dissenter, der sich zu Gunsten der Indulgenz ausgesprochen hatte,

auch die Politik des Königs unterstützen werde. Sie waren daher

überzeugt, daß sie im Stande sein würden, alle Municipalämter des

Königreichs mit zuverlässigen Freunden zu besetzen. In den neuen

Städteordnungen hatte sich die Krone das Recht vorbehalten,

Magistratsbeamte nach ihrem Belieben zu entlassen. Dieses Recht wurde

jetzt ohne alle Beschränkung ausgeübt. Durchaus nicht so klar war es

jedoch, daß Jakob auch das Recht hatte, neue Magistratsbeamte zu

ernennen; aber mochte es ihm nun zustehen oder nicht, er beschloß, es

sich zu nehmen. Allenthalben, vom Tweed bis Landsend, wurden

toryistische Beamte abgesetzt und Presbyterianer, Independenten und

Baptisten an ihrer Stelle ernannt. In dem neuen Freibriefe der

Hauptstadt hatte sich die Krone das Recht vorbehalten, alle Vorsteher,

Pfleger und Beisitzer der Innungen zu entlassen. In Folge dessen wurden

über achthundert angesehene Bürger, sämmtlich Mitglieder der Partei, die

sich der Ausschließungsbill widergesetzt hatte, durch einen einzigen

Erlaß ihrer Ämter enthoben. Bald darauf erschien ein Nachtrag zu dieser

langen Liste.[63] Aber die neuen Angestellten waren kaum vereidigt, so

zeigte es sich, daß sie eben so unfügsam waren, als ihre Vorgänger. In

Newcastle am Tyne ernannten die Regulatoren einen katholischen Mayor und

puritanische Aldermen. Man zweifelte keinen Augenblick, daß die so

umgestaltete Municipalbehörde eine Adresse beschließen werde, in der sie

die Maßregeln des Königs zu unterstützen versprach. Die Adresse wurde

jedoch verweigert. Der Mayor reiste wüthend nach London und sagte dem

Könige, die Dissenters seien alle Schurken und Rebellen und die

Regierung könne in der ganzen Corporation auf nicht mehr als vier

Stimmen rechnen.[64] In Reading wurden vierundzwanzig toryistische

Aldermen entlassen und vierundzwanzig neue ernannt. Von diesen erklärten

sich dreiundzwanzig sofort gegen die Indulgenz und wurden deshalb

ebenfalls wieder entlassen.[65] Im Laufe weniger Tage wurde der

Stadtbezirk von Yarmouth nacheinander durch drei verschiedene

Magistratskörper verwaltet, welche sämmtlich dem Hofe gleich feindlich

gesinnt waren.[66] Dies sind nur einzelne Beispiele von dem was im

ganzen Lande geschah. Der holländische Gesandte berichtete an die

Generalstaaten, daß in manchen Städten die Magistratsbeamten in einem

Monate zwei und selbst dreimal, aber dennoch vergebens gewechselt worden

seien.[67] Aus den Acten des Geheimen Raths geht hervor, daß die Zahl

der Regulationen, wie sie genannt wurden, zweihundert überstieg.[68] Die

Regulatoren fanden in der That, daß in nicht wenigen Städten die

Veränderung eine Verschlimmerung war. Die mißvergnügten Tories hatten,

wenn sie auch über die Politik des Königs murrten; doch wenigstens stets

Achtung für seine Person und seinen Thron an den Tag gelegt und jeden

Gedanken an Widerstand verworfen. Ganz anders war die Sprache einiger

neuen Mitglieder der Corporationen. Man sagte, daß alte Soldaten der

Republik, welche zu ihrem eignen wie zum Erstaunen des Publikums zu

Aldermen ernannt worden waren, den Agenten des Hofes deutlich zu

verstehen gäben, es müsse erst Blut fließen, bevor Papismus und

Willkürgewalt in England zur Herrschaft gelangten.[69]

Die Regulatoren sahen, daß mit dem was sie bis jetzt gethan hatten,

wenig oder nichts gewonnen war. Es gab indessen noch ein Mittel, aber

auch nur dieses eine, durch das sie hoffen konnten ihren Zweck zu

erreichen. Die Gemeindeordnungen der Wahlflecken mußten zurückgezogen

und durch neue ersetzt werden, welche das Wahlrecht auf sehr kleine, vom

König zu ernennende Wahlkörper beschränkten.[70]

Aber wie war dieser Plan auszuführen? In einigen der neuen Freibriefe

hatte sich die Krone zwar das Recht der Wiederentziehung vorbehalten,

aber die übrigen konnte Jakob nur durch freiwillige Zurückgabe von

Seiten der Corporationen oder durch einen Ausspruch der Kings Bench

wieder in die Hand bekommen. Aber nur wenige Corporationen waren jetzt

geneigt, ihre Gemeindeordnungen freiwillig aufzugeben, und ein

Richterspruch, wie er den Zwecken des Hofes diente, war selbst von einem

Sklaven wie Wright nicht zu erwarten. Die Quo-Warranto-Erlasse,[71]

welche vor einigen Jahren erschienen waren, um die Whigpartei zu

vernichten, waren von allen Unparteiischen einhellig verdammt worden.

Doch hatten diese Erlasse wenigstens einen Anschein von Recht für sich,

denn sie waren gegen alte Municipalkörper gerichtet, und unter diesen

gab es wenige, in denen im Laufe der Zeit nicht Mißbrauche eingerissen

waren, welche genügenden Anhalt zu einem Prozeßverfahren darboten. Die

Corporationen aber, welche jetzt angegriffen wurden, befanden sich noch

im Alter der kindlichen Unschuld, die ältesten von ihnen hatten kaum ihr

fünftes Lebensjahr erreicht, und es war unmöglich, daß viele von ihnen

schon so schwer gesündigt haben sollten, daß sie eine Zurücknahme ihrer

Privilegien verdienten. Den Richtern selbst war nicht wohl zu Muthe. Sie

gaben zu bedenken, daß das, was man von ihnen verlange, den einfachsten

und klarsten Grundsätzen des Rechts und der Gerechtigkeit schnurstracks

zuwiderlaufe; aber alle Vorstellungen waren umsonst. Die Wahlorte wurden

zur Rücksendung ihrer Freibriefe aufgefordert. Einige wenige kamen der

Aufforderung nach; aber das Verfahren, welches der König gegen diese

wenigen einschlug, war eben nicht geeignet, bei den anderen Vertrauen zu

erwecken. In mehreren Städten wurde der Gesammtbürgerschaft das

Wahlrecht entzogen und auf eine kleine Anzahl Personen beschränkt und

diese mußten sich eidlich verpflichten, die von der Regierung

empfohlenen Candidaten zu unterstützen. In Tewkesbury zum Beispiel wurde

das Wahlrecht dreizehn Personen übertragen. Doch selbst diese Anzahl war

noch zu groß. Haß und Furcht hatten sich so weit verbreitet, daß es kaum

möglich war, auch durch die unredlichsten Mittel nur dreizehn Männer zu

finden, auf die sich der Hof unbedingt verlassen konnte. Es hieß, daß

die Mehrheit des neuen Wahlkörpers von Tewkesbury von dem nämlichen

Sinne beseelt sei, welcher in der ganzen Nation überwiege, und daß

derselbe an dem entscheidenden Tage zuverlässige Protestanten in’s

Parlament schicken werde. Die Regulatoren drohten in heftigem Zorne, die

Zahl der Wähler auf drei zu reduciren.[72] Inzwischen weigerte sich die

große Mehrzahl der Wahlorte entschieden, ihre Privilegien aufzugeben.

Barnstaple, Winchester und Buckingham zeichneten sich durch die Kühnheit

ihres Widerstandes besonders aus. In Oxford wurde der Antrag, daß die

Stadt ihr Wahlrecht dem Könige zurückgeben solle, mit achtzig gegen zwei

Stimmen verworfen.[73] Der Tempel und Westminsterhall kamen durch die

plötzliche Häufung von Aufträgen aus allen Theilen des Landes in

ungewohnte Bewegung. Jeder Advokat von bedeutender Praxis erhielt

Vollmachten über Vollmachten von den städtischen Corporationen, und die

gewöhnlichen Clienten beklagten sich, daß ihre Angelegenheiten

vernachlässigt würden.[74] Es lag auf der Hand, daß eine geraume Zeit

darüber hingehen mußte, ehe eine so große Anzahl Prozesse entschieden

werden konnten. Diese Verzögerung war der Tyrannei unerträglich. Es

wurde nichts unterlassen, um die widerspenstigen Wahlkörper durch

Drohungen zur Unterwerfung zu bringen. In Buckingham hatten einige

Municipalbeamten sich in nicht eben lobender Weise ausgesprochen. Man

machte ihnen den Prozeß und kündigte ihnen an, daß mit schonungsloser

Strenge gegen sie verfahren werden würde, wenn sie sich nicht durch

Herausgabe ihres Freibriefs loskauften.[75] In Winchester griff man zu

noch strengeren Gewaltmaßregeln. Eine bedeutende Truppenabtheilung wurde

in die Stadt gelegt, einzig und allein zu dem Zwecke, die Einwohner zu

belästigen und zu quälen.[76] Die Stadt blieb fest und die öffentliche

Stimme beschuldigte den König laut, daß er die schlimmsten Verbrechen

seines Bruders von Frankreich nachahme; die Dragonaden hätten begonnen,

sagte man. Man hatte auch wirklich Grund zu ernsten Besorgnissen. Jakob

war auf den Einfall gekommen, daß er den Widerstandsgeist einer

hartnäckigen Stadt nicht wirksamer brechen könne, als indem er den

Einwohnern Soldaten in’s Quartier legte. Er mußte wissen, daß diese

Maßregel sechzig Jahre früher heftigen Unwillen erregt und durch die

Bitte um Recht, ein Gesetz, das von den Engländern kaum weniger verehrt

wurde, als die Magna Charta, feierlichst für gesetzwidrig erklärt worden

war. Aber er hoffte von den Gerichtshöfen eine Erklärung zu erlangen,

daß selbst die Bitte um Recht die Prärogative nicht beschränken könne.

Er fragte in der That den Oberrichter der Kings Bench über diesen

Gegenstand um Rath;[77] aber das Resultat der Besprechung wurde geheim

gehalten, und in einigen Wochen gestalteten sich die Dinge so, daß eine

Furcht, welche noch stärker war, als selbst die vor der königlichen

Ungnade, sogar einen so servilen Mann wie Wright bewog, ein wenig

einzuhalten.

[Anmerkung 63: +Privy Council Book, Sept. 25. 1687, Febr. 21,

1687/88+.]

[Anmerkung 64: Acten der Corporation, angeführt in +Brand’s

History of Newcastle+; Johnstone, 21. Febr. 1687/88.]

[Anmerkung 65: Johnstone, 21. Febr. 1687/88.]

[Anmerkung 66: Citters, 14.(24.) Febr. 1688.]

[Anmerkung 67: Citters, 1.(11.) Mai 1688.]

[Anmerkung 68: Am Rande der Geheimrathsacten findet man die

Bemerkung „Zweite Regulation“ und „Dritte Regulation“, wenn ein

Wahlkörper mehr als einmal umgestaltet worden war.]

[Anmerkung 69: Johnstone, 23. Mai 1688.]

[Anmerkung 70: Johnstone, 21. Febr. 1688.]

[Anmerkung 71: Diese Erlasse, so genannt nach den beiden

Anfangsworten +Quo warranto+, ordneten eine Untersuchung über die

Rechtsbefugnisse an, auf welche sich die Privilegien einer

Corporation gründeten, und wenn sich eine Unregelmäßigkeit fand,

wurde der Freibrief entzogen. D. Übers.]

[Anmerkung 72: Johnstone, 21. Febr. 1688.]

[Anmerkung 73: Citters, 20.(30.) März 1688.]

[Anmerkung 74: +Ibid.+ 1.(11.) Mai 1688.]

[Anmerkung 75: +Ibid.+ 22. Mai (1. Jun.) 1688.]

[Anmerkung 76: +Ibid.+ 1.(11.) Mai 1688.]

[Anmerkung 77: +Ibid.+ 18.(28.) Mai 1688.]

[_Untersuchung in allen öffentlichen Verwaltungszweigen._] Während die

Lordlieutenants die Friedensrichter ausforschten und die Regulatoren die

Wahlkörper umgestalteten, wurden alle Zweige des Staatsdienstes einer

strengen Untersuchung unterworfen. Zuerst wurde der Palast gesäubert.

Jeder mit Narben bedeckte alte Kavalier, der zum Ersatz für das der

Sache des Königs geopferte Blut und Grundeigenthum ein Ämtchen in der

königlichen Garderobe oder im Marstalle erhalten hatte, wurde

aufgefordert, zwischen dem Könige und der Kirche zu wählen. Die Zoll-

und Steuercommissare wurden zu Seiner Majestät ins Schatzamt beschieden,

hier das Versprechen von ihnen verlangt, daß sie seine Politik

unterstützen wollten, und ihnen bedeutet, daß sie allen ihren

Unterbeamten ein ähnliches Versprechen abzunehmen hätten.[78] Ein

Zollbeamter motivirte seine Unterwerfung unter den Willen des Königs in

einer Weise, welche Heiterkeit und zugleich Mitleid erregte. „Ich habe,“

sagte er, „vierzehn Gründe, die mich bestimmen, Seiner Majestät Befehlen

zu gehorchen: eine Frau und dreizehn unerzogene Kinder“.[79] Gegen

solche Gründe ließ sich allerdings nichts einwenden; dennoch aber kamen

nicht wenig Fälle vor, wo die religiösen und patriotischen Gefühle

selbst solche Gründe überwogen.

Man hat Grund zu der Vermuthung, daß die Regierung um diese Zeit

ernstlich mit dem Plane umging, einen Schlag zu führen, der viele

tausend Familien an den Bettelstab gebracht und auf die socialen

Zustände aller Landestheile störend eingewirkt haben würde. Niemand

durfte Wein, Bier oder Kaffee ohne Concession verkaufen. Es hieß nun,

daß jeder Inhaber einer solchen Concession demnächst aufgefordert werden

sollte, entweder dieselben Verpflichtungen einzugehen, welche den

öffentlichen Beamten auferlegt worden waren, oder sein Geschäft

aufzugeben.[80] Wäre ein solcher Schritt gethan worden, so würden ohne

allen Zweifel die Wirthshäuser und öffentlichen Vergnügungsorte im

ganzen Lande zu Hunderten geschlossen worden sein. Welche Wirkung ein

solcher Eingriff in die Lebensgenüsse aller Stände hervorgebracht haben

würde, läßt sich nur muthmaßen. Der durch Übel erzeugte Unwille steht

nicht immer im Verhältnisse mit der Wichtigkeit derselben, und es ist

durchaus nicht unwahrscheinlich, daß die Einziehung von

Schankconcessionen das bewirkt haben würde, was die Entziehung von

Freibriefen nicht bewirkt hatte. Die Vornehmeren würden ihr

Chokoladenhaus in St. James Street, die Geschäftsmänner ihre

Kaffeekanne, bei der sie in Change Alley zu rauchen und zu politisiren

pflegten, schmerzlich vermißt haben. Die Hälfte der Clubs hätte sich

neue Versammlungslokale suchen müssen. Der Reisende würde des Nachts den

Gasthof, in welchem er gewohnt war abzusteigen und seine Abendmahlzeit

einzunehmen, verödet gefunden haben. Der Landmann würde die Bierschenke

vermißt haben, wo er im Sommer auf der Bank vor der Thür, im Winter am

Kamin seinen Krug zu trinken gewohnt war. Es war leicht möglich, daß die

auf solche Art gereizte Nation sich zu einem allgemeinen Aufstande

erhob, ohne auf die Hülfe fremder Verbündeter zu warten.

[Anmerkung 78: Citters, 6.(16.) April 1688; +Treasury Letter Book.

March 14. 1687/88+; Ronquillo, 16.(26.) April.]

[Anmerkung 79: Citters, 18.(28.) Mai 1688.]

[Anmerkung 80: +Ibid.+ 18.(28.) Mai 1688.]

[_Entlassung Sawyer’s._] Es war nicht zu erwarten, daß ein Fürst, der

von allen niederen Dienern der Regierung bei Strafe der Entlassung

Unterstützung seiner Politik verlangte, einen Generalfiskal behalten

würde, dessen Abneigung gegen diese Politik kein Geheimniß war. Sawyer

hatte noch über anderthalb Jahr in seiner Stellung bleiben dürfen,

nachdem er sich gegen die Dispensationsgewalt erklärt hatte. Diese

ungewöhnliche Nachsicht verdankte er nur der außerordentlichen

Schwierigkeit, die es der Regierung machte, einen Nachfolger für ihn zu

finden. Es war um der pekuniären Interessen der Krone willen nothwendig,

daß wenigstens einer der beiden ersten Staatsanwälte ein talentvoller

und kenntnißreicher Mann war, und es war keineswegs leicht, einen diesen

Anforderungen genügenden Juristen zu bewegen, daß er sich durch das

tägliche Begehen von Handlungen, welche das nächste Parlament

wahrscheinlich als schwere Übertretungen und Verbrechen betrachtete,

sehr ernster Gefahr aussetzte. Es war nicht möglich gewesen, einen

besseren Generalprokurator als Powis aufzutreiben, ein Mann, der sich

zwar aus nichts ein Gewissen machte, der aber auch nicht einmal den

gewöhnlichsten Pflichten seines Postens gewachsen war. Unter diesen

Umständen hielt man es für wünschenswerth, die Arbeit zu theilen. Ein

Fiskal, dessen Berufstüchtigkeit durch Gewissensskrupel bedeutend

beeinträchtigt wurde, hatte einen Prokurator zur Seite, dessen

Gewissenlosigkeit seinen Mangel an Befähigung einigermaßen ersetzte.

Wenn es der Regierung um energische Durchführung des Gesetzes zu thun

war, so wendete sie sich an Sawyer; wollte sie das Gesetz mit Füßen

treten, so hielt sie sich an Powis. Dieses Arrangement wurde so lange

beibehalten, bis der König die Dienste eines Anwalts erlangte, der zu

gleicher Zeit noch gewissenloser als Powis und geschickter als Sawyer

war.

[_Williams Generalprokurator._] Keiner der damals lebenden Advokaten

hatte der Regierung giftiger opponirt als Wilhelm Williams. Er hatte

sich unter der vorigen Regierung als Whig und Exclusionist hervorgethan.

Als die Parteiwuth den höchsten Grad erreicht hatte, war er zum Sprecher

des Unterhauses erwählt worden. Nach der Prorogation des oxforder

Parlaments war er der gewöhnliche Rechtsbeistand der heftigsten

Demagogen gewesen, die des Aufruhrs angeklagt wurden. Er besaß

anerkanntermaßen bedeutende juristische Gewandtheit und Kenntnisse.

Unbesonnene Überstürzung und Parteigeist hielt man für seine

Hauptfehler; daß er noch andere Fehler hatte, in Vergleich mit denen die

genannten als Tugenden gelten konnten, ahnete man damals noch nicht. Die

Regierung suchte eine Gelegenheit, um ihm etwas anzuhaben, und es wurde

ihr nicht schwer, eine solche zu finden. Er hatte auf Befehl des Hauses

der Gemeinen einen von Dangerfield verfaßten erzählenden Bericht

herausgegeben. Hätte ein Privatmann diese Schrift veröffentlicht, so

würde sie unbestreitbar als ein aufrührerisches Libell zu betrachten

gewesen sein. Es wurde bei der Kings Bench eine Criminaluntersuchung

gegen Williams eingeleitet; er berief sich umsonst auf die Privilegien

des Parlaments und wurde zu einer Geldbuße von zehntausend Pfund

verurtheilt. Einen großen Theil dieser Summe bezahlte er baar und über

den Rest gab er eine Schuldverschreibung. Der Earl von Peterborough, der

in Dangerfield’s Erzählung in beleidigender Weise erwähnt war, wurde

durch den Erfolg der Criminaluntersuchung ermuthigt, eine Civilklage auf

eine bedeutende Entschädigungssumme anhängig zu machen. Williams gerieth

dadurch in die größte Verlegenheit. Da bot sich ihm ein rettender Ausweg

dar. Allerdings war es ein Ausweg, der einem Manne von festen

Grundsätzen und edlem Character noch schrecklicher gewesen sein würde,

als Armuth, Gefängniß und selbst Tod. Er konnte sich der Regierung

verkaufen, deren Feind und Opfer er gewesen war; er konnte sich

erbieten, bei jedem Angriffe auf die Freiheiten und die Religion, für

welche er einen maßlosen Eifer gezeigt hatte, den gefährlichsten Posten

zu übernehmen; er konnte seinen Whiggismus durch Dienste wieder gut

machen, vor denen selbst die eingefleischtesten Tories, an deren Händen

das Blut Russell’s und Sidney’s klebte, mit Abscheu zurückbebten. Der

Handel wurde abgeschlossen. Der noch schuldige Rest der Strafsumme wurde

erlassen und Peterborough durch Vermittelung des Königs zu einem

Vergleich bewogen. Sawyer wurde abgesetzt, Powis wurde Generalfiskal,

Williams wurde zum Generalprokurator ernannt, in den Adelstand erhoben

und war bald ein Günstling des Königs. Obgleich im Range nur der zweite

Kronjurist, gelang es ihm doch sehr bald, durch seine Gewandtheit,

Gelehrsamkeit und Energie seinen Vorgesetzten völlig in den Schatten zu

stellen[81].

Williams war noch nicht lange im Amte, als er aufgefordert wurde, in dem

denkwürdigsten Staatsprozesse, von dem die Annalen der britischen Justiz

berichten, eine Hauptrolle zu übernehmen.

[Anmerkung 81: +London Gazette, Dec. 15. 1687+. Siehe den Prozeß

gegen Williams in der +Collection of State Trials+. +„Ha hecho,“+

sagt Ronquillo, +„grande susto el haber nombrado el abogado

Williams, que fue el orador y el mas arrabiade de toda la casa des

comunes en los ultimos terribles parlamentos del Rey difunto.“+

27. Nov. (7. Dec.) 1687.]

[_Zweite Indulgenzerklärung._] Am 27. April 1688 erließ der König eine

zweite Indulgenzerklärung. In diesem Schriftstücke führte er die

Erklärung vom vorjährigen April in ihrer ganzen Länge auf. Sein

bisheriges Leben, sagte er dann, habe sein Volk überzeugen können, daß

er nicht der Mann sei, der sich von einem einmal gefaßten Beschlusse so

leicht abbringen lasse. Da aber heimtückische Menschen es versucht

hätten, die Welt glauben zu machen, daß man ihn doch noch zum Nachgeben

in dieser Angelegenheit werde bestimmen können, halte er es für nöthig,

zu erklären, daß sein Vorsatz unwiderruflich fest stehe, daß er

entschlossen sei, nur solche Männer anzustellen, welche bereit wären,

ihn bei der Ausführung seiner Pläne zu unterstützen, und daß er in

Gemäßheit dieses Entschlusses viele seiner ungehorsamen Diener von

Civil- und Militairämtern habe entheben müssen. Schließlich zeigte er

an, daß er spätestens im November ein Parlament einzuberufen gedenke,

und ermahnte seine Unterthanen, solche Vertreter in dasselbe zu wählen,

die ihn bei dem begonnenen großen Werke zu unterstützen geneigt

wären[82].

[Anmerkung 82: +London Gazette, April 30. 1688+; Barillon, 26.

April (6. Mai).]

[_Die Geistlichkeit erhält Befehl, sie von der Kanzel zu verlesen._]

Diese Erklärung machte anfangs nur wenig Sensation. Sie enthielt nichts

Neues und die Leute wunderten sich, daß der König es für nöthig hielt,

ein feierliches Manifest zu erlassen, blos um ihnen zu sagen, daß er

seinen Sinn nicht geändert habe[83]. Die Gleichgültigkeit, mit der die

Ankündigung seines festen Entschlusses vom Publikum aufgenommen wurde,

verdroß ihn wahrscheinlich und er glaubte ohne Zweifel, daß seine Würde

und Autorität leiden könnten, wenn er nicht unverzüglich etwas Neues und

Auffallendes thue. In Folge dessen verfügte er unterm 4. Mai durch einen

Geheimrathsbefehl, daß seine Erklärung von vergangener Woche an zwei

aufeinanderfolgenden Sonntagen beim öffentlichen Gottesdienste von den

dienstthuenden Geistlichen aller Kirchen und Kapellen des Reiches

verlesen werden solle. In London und seinen Vorstädten sollte die

Verlesung am 20. und 27. Mai, in den anderen Landestheilen am 3. und 10.

Juni stattfinden. Die Bischöfe waren angewiesen, Exemplare der Erklärung

in ihren respectiven Diöcesen zu vertheilen[84].

Wenn man berücksichtigt, daß die Geistlichen der anglikanischen Kirche

fast ohne Ausnahme die Indulgenzerklärung als eine Verletzung der

Landesgesetze, als einen Wortbruch des Königs und als einen

verderblichen Gewaltstreich gegen die Interessen und die Würde ihres

Standes betrachteten, so wird man schwerlich daran zweifeln können, daß

der Geheimrathsbefehl darauf berechnet war, als eine tiefe Kränkung von

ihnen empfunden zu werden. Man glaubte im Volke, daß Petre diese Absicht

durch ein der orientalischen Redeweise entlehntes rohes Gleichniß

ausgesprochen habe. Er sollte gesagt haben, er wolle sie Koth essen

lassen und zwar den abscheulichsten und ekelhaftesten Koth. Aber konnte

man annehmen, daß die anglikanische Geistlichkeit diesem tyrannischen

und gehässigen Befehle den Gehorsam verweigern werde? Der Character des

Königs war willkürlich und streng und das Verfahren der kirchlichen

Commission eben so summarisch wie das eines Kriegsgerichts. Wer sich

aufzulehnen wagte, konnte in Zeit von acht Tagen seiner Stelle entsetzt,

seines ganzen Einkommens beraubt, der ferneren Bekleidung jedes

geistlichen Amts unfähig erklärt und in die Nothwendigkeit versetzt

werden, von Haus zu Haus sein Brot zu erbetteln. Wenn der ganze Stand

sich einmüthig dem königlichen Willen widersetzte, dann war es

allerdings wahrscheinlich, daß selbst Jakob nicht den Muth haben würde,

zehntausend Schuldige auf einmal zu bestrafen. Aber zu einer allgemeinen

Verständigung in dieser Angelegenheit war keine Zeit. Am 7. Mai erschien

der Befehl in der Gazette und schon am 20. sollte die Erklärung von

allen Kanzeln Londons und dessen Umgegend verlesen werden. Er wäre

damals mit der größten Anstrengung nicht möglich gewesen, binnen

vierzehn Tagen die Ansichten nur des zehnten Theiles der im ganzen Lande

zerstreuten Pfarrgeistlichen einzuholen, ja nur die Stimmen der Bischöfe

hätten nicht leicht in so kurzer Zeit gesammelt werden können. Auch

stand zu befürchten, daß, wenn die Geistlichkeit das Verlesen der

Erklärung verweigerte, die protestantischen Dissenters die Weigerung

falsch auslegen, die Hoffnung, von den Mitgliedern der anglikanischen

Kirche Duldung zu erlangen, aufgeben und ihr ganzes Gewicht in die

Wagschale des Hofes werfen würden.

[Anmerkung 83: Citters, 1.(11.) Mai 1688.]

[Anmerkung 84: +London Gazette, Mai 7. 1688.+]

[_Die Geistlichkeit ist unschlüssig._] Die Geistlichkeit war daher

unschlüssig und diese Unschlüssigkeit läßt sich wohl entschuldigen, denn

einige hochgestellte Laien, welche das öffentliche Vertrauen in hohem

Maße genossen, waren geneigt, zur Unterwerfung zu rathen. Sie waren der

Meinung, ein allgemeiner Widerstand stehe kaum zu erwarten und ein

theilweiser werde für die Einzelnen verderblich und für die Kirche und

die Nation im Allgemeinen nur von geringem Nutzen sein. Dies war die

ausgesprochene Ansicht von Halifax und Nottingham. Der Tag rückte heran

und noch war keine Verständigung und kein bestimmter Entschluß

erzielt.[85]

[Anmerkung 85: Johnstone, 27. Mai 1688.]

Geschichte von England seit der Thronbesteigung Jakob's des Zweiten. Vierter Band · 第 5 / 9 题