Auch bei manchen Holländern des 17. Jahrhunderts, z. B. bei +van

der Meer van Delft+ (1632--1675), finden wir Interieurs mit kleiner

Distanz.[5] So ist bei dem in Abb. 9 wiedergegebenen Bilde, das sich im

kgl. Schloß in Windsor befindet und eine Musikstunde darstellt, die

Distanz wenig größer als die Höhe des Bildes (etwa 1-1/17 derselben).

Man kann aber hier schon die unangenehme Folgeerscheinung beobachten,

daß bei solchen Bildern mit kurzer Distanz der Boden im Vordergrund

sich nach abwärts zu neigen, sich herunterzuklappen scheint.

[5] Man vgl. dazu Hans Jantzen, Niederländische Malerei im 17.

Jahrhundert. S. 52. (ANuG Bd. 373.) 1912.

[Illustration: Abb. 10.]

=32. Das photographische Bild.= Was die Bilder des photographischen

Apparates betrifft, so liefern Objektive mit großer Brennweite

Darstellungen, die einer großen Distanz entsprechen, Objektive mit

kleiner Brennweite, sogenannte Weitwinkel, geben Bilder mit kleiner

Distanz. Die übertriebene Perspektive solcher Weitwinkel erklärt sich

abgesehen von der eben erwähnten Wahl eines falschen Standpunkts

direkt durch die Wirkung der kleinen Distanz. In der Tat sind _ab_

und _cd_ etwa zwei gleichgroße Objekte, _O_ und _O'_ die Zentren der

Perspektive (Fig. 61) und _a'b'_, _c'd'_ ihre Bilder in der durch eine

Gerade dargestellten Tafel, so bemerkt man den Unterschied, je nachdem

die Distanz klein ist wie in der oberen Figur oder groß wie in der

unteren. In der oberen Figur ist _c'd'_ mehr als doppelt so groß wie

_a'b'_, in der unteren nicht ganz doppelt so groß. Dadurch daß das

fernere Objekt beim Weitwinkel so stark verkleinert wird, erscheint

das nähere gleichzeitig unverhältnismäßig groß. Die Abb. 10 gibt

uns die Aufnahme einer sitzenden Person, wobei sich der Apparat sehr

nahe an der Person befand. Die an und für sich richtige Perspektive

führt zu komischen Wirkungen. Doch lassen sich, wie Abb. 11 zeigt,

mit dem gleichen Objektiv etwas bessere Bilder erzielen, wenn man nur

einen größeren Abstand von dem Objekt wählt. Für Landschaftsaufnahmen

sind diese Überlegungen von großer Bedeutung. Ein Weitwinkel läßt

ferne, hohe Berge zu unbedeutenden Hügeln zusammenschrumpfen, er

treibt den Hintergrund zurück, wie die Photographen sagen, und betont

den Vordergrund. Ein Objektiv mit großer Brennweite dagegen gibt

ferne Berge groß, es »zieht den Hintergrund nach vorn« und läßt den

Vordergrund weniger in die Erscheinung treten.

[Illustration: Abb. 11.]

§ 12. Unzugängliche Distanz- und Fluchtpunkte.

=33. Unzugänglicher Distanzpunkt.= Den Augpunkt einer Darstellung

werden wir naturgemäß in der Mittellinie des Bildausschnittes annehmen,

da man bei Betrachtung eines Bildes doch ganz von selbst vor die Mitte

tritt. Dann folgt aber aus unseren Erörterungen und aus den Figuren

55 bis 59 ohne weiteres, daß die Distanzpunkte nicht mehr in dem

Bildausschnitt liegen, sondern weit darüber hinaus fallen. Verwendet

man also nicht eine viel größere Zeichenfläche, z. B. ein sehr großes

Reißbrett, so sind die Distanzpunkte nicht mehr zu erreichen. Das

gleiche gilt für Fluchtpunkte horizontaler Geraden, die, wie z.

B. schon die Fig. 48 erkennen läßt, häufig weit auf dem Horizont

hinausfallen, wenn die Figur nicht absichtlich darnach eingerichtet

wird. Es fragt sich nun, wie man +die Konstruktionen, die sich auf

solche über die Zeichenfläche hinausfallende Punkte beziehen, trotzdem

erledigen kann+. Das ist die wichtigste Aufgabe der praktischen

Perspektive.

[Illustration: Fig. 62.]

Wir wollen zunächst sehen, wie man die Aufgabe 5, also die Konstruktion

eines Tiefenmaßstabes, durchführen kann, wenn die Distanzpunkte nicht

mehr erreichbar sind. War auf einer gegebenen Tiefenlinie _T_ von ihrer

Spur _t_ aus eine Strecke anzutragen, so machten wir auf der Grundlinie

_ts_ = dieser Strecke (Fig. 62) und verbanden den Punkt _s_ mit einem

Distanzpunkt ~D_{1}~; die Verbindungslinie schnitt aus _T'_ den

gesuchten Punkt _p'_ aus (vgl. die frühere Fig. 21 ~b~). Halbieren wir

nun aber die Strecke ~AD_{1}~ und bezeichnen die Mitte mit ~D_{1}~/2.

Verbinden wir weiter diesen Punkt ~D_{1}~/2 mit _p'_, so möge diese

Linie die Grundlinie im Punkte _q_ treffen. Dann gilt die Proportion:

_tq_ : _qs_ = ~A~ ~D_{1}~/2 : ~D~ ~D_{1}~/2 = 1 : 1.

Es ist mithin auch _q_ die Mitte von _ts_ und

_tq_ = _qs_ = _ts_/2.

[Illustration: Fig. 63.]

Wir können zum Punkte _p'_ also auch gelangen, wenn wir die +halbe+

Strecke _tq_ auf der Grundlinie antragen, den Endpunkt _q_ mit dem

Punkte ~D_{1}~/2 verbinden und diese Linie mit _T'_ zum Schnitt

bringen. Soll demnach z. B. auf der Tiefenlinie _T'_ ein Maßstab

gezeichnet werden, dessen Einheit gegeben ist, und kann man ~D_{1}~/2

noch erreichen (Fig. 63), so tragen wir die halbe Einheit auf der

Grundlinie wiederholt ab und projizieren diese Punkte aus ~D_{1}~/2 auf

_T'_. Dann erhält man den verlangten Tiefenmaßstab.

[Illustration: Fig. 64 ~a~.]

[Illustration: Fig. 64 ~b~.]

Rückt die Teilung auf der Grundlinie zu weit hinaus, so kann man z. B.

durch 2' eine Parallele _l_ zur Grundlinie ziehen und die auf dieser

Parallelen ausgeschnittene kleinere Strecke 2'3'' auf _l_ wiederholt

antragen und aus ~D_{1}~/2 projizieren.

Der Punkt ~D_{1}~/2 heißt ein »Teil-Distanzpunkt«. Selbstverständlich

könnte man die ganze Strecke ~AD_{1}~ auch in drei gleiche Teile

teilen und den ersten Teilpunkt von ~A~ aus mit ~D_{1}~/3 bezeichnen.

Dann hätte man statt der ganzen Strecke bloß den dritten Teil auf der

Grundlinie anzutragen. Mit ~D_{1}~/3 verbunden liefern diese Punkte

auch wieder den Tiefenmaßstab usf.

=34. Unzugängliche Fluchtpunkte.= +Erstes Verfahren.+ Die Ermittlung

des Fluchtpunktes einer beliebigen, horizontalen Geraden beruhte

wesentlich auf den Überlegungen von (16), die zu der in der Fig. 24

gegebenen Konstruktion führten. Ist nun in dieser Figur der Fluchtpunkt

_f_{a}_ nicht zugänglich, so kann man diese Schwierigkeit in folgender

Weise umgehen: wir verkleinern die ganze Figur, indem wir sie sich

gegen den Punkt ~A~ zusammenziehen lassen.

Der aus der Geometrie hierbei anzuwendende Satz ist in den Fig. 64 ~a~

und 64 ~b~ noch eigens veranschaulicht. Es ist hier zu dem Vieleck

_abcde_ in folgender Weise ein neues konstruiert worden. Ein Punkt _o_

wird beliebig gewählt und mit allen Ecken _a_, _b_, _c_ ... verbunden.

Auf diesen Verbindungslinien werden die Punkte _a'_, _b'_, _c'_ ...

dadurch bestimmt, daß man alle Strecken _oa_, _ob_, _oc_ ... im

gleichen Verhältnis teilt, also beispielsweise immer

_a'o_ = ⅔ _ao_,

_b'o_ = ⅔ _bo_,

_c'o_ = ⅔ _co_ ...

macht. Das neue Vieleck _a'_, _b'_, _c'_ ... hat dann folgende

Eigenschaften:

~a~) Entsprechende Seiten der beiden Vielecke sind stets parallel, d.h.

es ist

_ab_ ∥ _a'b'_, _bc_ ∥ _b'c'_, _cd_ ∥ _c'd'_ usf.

~b~) Alle Verhältnisse der Seiten sind die gleichen, d. h. es ist

_ab_ : _bc_ = _a'b'_ : _b'c'_ usf.

[Illustration: Fig. 65.]

Wenn also z. B. die Seite _ab_ doppelt so groß ist wie _bc_, so ist

auch _a'b'_ doppelt so groß wie _b'c'_. Die Figuren _abcde_ und

_a'b'c'd'e'_ nennt man +ähnlich+ und +ähnlich liegend+ und _o_ den

+Ähnlichkeitspunkt+.

Im vorliegenden Falle benutzen wir ~A~ als Ähnlichkeitspunkt. Zunächst

ist in Fig. 65 die frühere Konstruktion wiederholt. Auf der Linie von

~A~ nach ~D_{3}~ wählen wir nun einen Punkt ~D_{3}~/3 so, daß

~A~ ~D_{3}~/3 = ⅓ ~AD_{3}~

und verkleinern die ganze Figur auf ein Drittel.

[Illustration: Fig. 66.]

Wir verbinden also _a_ mit ~A~, teilen diese Linie in drei gleiche

Teile und bezeichnen den ersten Teilpunkt von ~A~ aus mit _a_/3, so daß

~A~ _a_/3 = ⅓ ~A~_a_.

Ziehen wir dann durch den Punkt ~D_{3}~/3 eine Parallele zu

_f_{a}_~D_{3}~, so schneidet diese auf dem Horizont einen Punkt

_f_{a}_/3 aus, der die Eigenschaft hat, daß auch

~A~ _f_{a}_/3 = ⅓ ⋅ ~A~_f_{a}_

und es ist weiter dann auch

_af_{a}_ ∥ _a_/3 _f_{a}_/3.

Hat man die verkleinerte, punktierte Figur gezeichnet, so kann man _A'_

finden, wenn ein Punkt, etwa die Spur _a_, bekannt ist, indem man durch

_a_ eine Parallele zu _a_/3 _f_{a}_/3 zieht.

Dies ist in der Figur 66 ausgeführt. Vermittels des Punktes ~D_{3}~/3

wurde zunächst _f_{a}_/3 ermittelt, in dem man zur Verschiebung (_A_)

der Geraden eine Parallele zog; verschafft man sich weiter die Spur

_a_ der Geraden und dazu den Hilfspunkt _a_/3 auf der Verbindungslinie

_aA_, so ist das Bild _A'_ parallel zur Linie _a_/3 _f_{a}_/3, kann

also als eine Parallele durch _a_ zu dieser Linie gezeichnet werden.

Wie stark wir die Figur verjüngen wollen, steht natürlich in unserem

Belieben; statt auf ⅓ zu verkleinern, können wir auch die Verjüngung

auf ¼ wählen oder bloß auf ½. Nur darf die neue Figur nicht zu klein

werden. Wir geben eine praktische Anwendung in der folgenden

=Aufgabe 18.= Eine Zimmerecke samt dem quadratisch getäfelten

Fußboden darzustellen, wenn der Teil-Distanzpunkt ~D_{1}~/4 noch

zugänglich ist.

Auf der Senkrechten, die im Augpunkt ~A~ zum Horizont gezogen werden

kann, nehmen wir den Punkt ~D_{3}~/4 an (Fig. 67); außerdem soll gegeben

sein die Eckkante _p'q'_, also die Höhe des Zimmers und die eine

Bodenkante _A'_ durch _p'_.

Zunächst haben wir eine Linie _B_ der Grundebene zu zeichnen, welche

im Punkte _p_ auf _A_ senkrecht steht, vgl. Aufgabe 9. Da ~D_{3}~/4

gegeben und noch zugänglich, verjüngen wir die ganze Figur auf ¼.

Dementsprechend verbinden wir den Punkt _p'_ mit ~A~, teilen diese

Strecke in 4 gleiche Teile und bezeichnen den ersten an ~A~ gelegenen

Teilpunkt mit _p'_/4. Durch diesen Punkt _p'_/4 ziehen wir eine

Parallele zur gegebenen Geraden _A'_, welche in _f_{a}_/4 den Horizont

treffen möge. Es ist also

_p'_/4 _f_{a}_/4 ∥ _A'_.

Nun können wir den Punkt _f_{a}_/4 mit ~D_{3}~/4 verbinden und im Punkte

~D_{3}~/4 eine Senkrechte zu dieser Linie zeichnen, welche aus dem

Horizont den Punkt _f_{b}_/4 ausschneidet. Verbinden wir _p'_/4 mit

diesem Teilfluchtpunkt _f_{b}_/4, so gibt diese Linie die Richtung von

=B'=; es ist also:

_B'_ ∥ _p'_/4 _f_{b}_/4,

womit die zweite Bodenkante konstruiert ist. Die an der Decke laufenden

Kanten finden wir, wenn wir zum Punkte _q'_ den Hilfspunkt _q'_/4

zeichnen. Eine Vertikale durch _p'_/4 liefert ihn sofort auf der

Verbindungslinie ~A~_q'_. Dadurch sind die Verbindungslinien _q'_/4

_f_{a}_/4 und _q'_/4 _f_{b}_/4 bestimmt und zu ihnen laufen die

Deckenkanten durch _q'_ beziehungsweise parallel.

[Illustration: Fig. 67.]

Man beachte auch, wie sich ein solcher gegen den Beschauer

vorspringender rechter Winkel im Bilde darstellt: seine beiden Schenkel

laufen von den betreffenden Fluchtpunkten weg. Dagegen kommen bei

der Darstellung einer Gebäudeecke, wie in Fig. 53 oder 72, wo der

rechte Winkel von außen betrachtet wird, die Teile der Schenkel zur

Verwendung, welche die Fluchtpunkte tragen.

[Illustration: Fig. 67 ~a~.]

Nun sei weiter die Seite _p'_1' eines Quadrates des Fußbodens gegeben.

Um diese Teilung auf der Geraden _A'_ fortzusetzen, verfahren wir

wie folgt: wir denken uns durch die Punkte 1, 2, 3 ... der Kante _A_

in irgendeiner Richtung parallele Gerade gelegt und bringen diese in

I, II, III ... zum Schnitt mit einer parallelen zur Grundlinie, wie

die Nebenfigur 67 ~a~ dies andeutet. Dann sind auch die Abschnitte

_p_I, I II, II III usf. gleich groß und umgekehrt werden gleich große

Abschnitte _p_ 1, 1 2, 2 3 ... auf _A_ erzeugt, wenn man durch gleich

große Strecken _p_I, I II, II III ... die Parallelen legt. Im Bilde

gehen diese Parallelen dann in Linien über, welche durch einen Punkt

des Horizonts laufen.

Dementsprechend ziehen wir durch _p'_ eine Parallele zur Grundlinie und

wählen als Punkt des Horizontes etwa ~A~. Die Verbindungslinie von 1'

nach ~A~ schneidet auf der Parallelen den Punkt I aus und wir machen

_p'_I = I II = II III ... Dann liefern die Punkte II, III aus ~A~

projiziert die Bilder 2', 3' ... 6'.

Um die durch diese Punkte gehenden Fußbodenlinien zu finden,

verschaffen wir uns die zugehörigen Hilfspunkte. Verbinden wir z.

B. 6' mit ~A~, so erhalten wir auf der Linie _p'_/4 _f_{a}_/4 den

entsprechenden Hilfspunkt 6'/4. Die durch 6' gehende Linie des

Fußbodenmusters ist dann aber parallel zur Verbindungslinie des Punktes

6'/4 mit dem Punkte _f_{b}_/4.

Die zweite Schar von Parallelen des Fußbodens wollen wir unter

Benutzung des Diagonalpunktes (vgl. S. 57) zeichnen. Halbieren wir

den Winkel bei ~D_{3}~/4, so schneidet diese Linie auf dem Horizont den

Teil-Diagonalpunkt ~D~_{_g_}/4 aus. Daraus erhalten wir demnach den

Diagonalpunkt ~D~_{_g_} selbst, wenn wir

~AD~_{_g_} = 4 ⋅ ~A~ ~D~_{_g_}/4

machen, also die Strecke ~A~ ~D~_{_g_}/4 noch dreimal von ~D~_{_g_}/4

aus nach links antragen. Durch _D_{g}_ laufen dann aber alle Diagonalen

der einen Art in den Quadraten des Fußbodens, so daß dieser leicht

gezeichnet werden kann. Gleichzeitig ergeben sich viele Kontrollen.

=35. Unzugängliche Fluchtpunkte.= Zweites Verfahren. Wir wollen für

die Aufgabe 9 noch eine Lösung geben, die auch wieder auf dem Gedanken

beruht, an Stelle der ursprünglichen Figur eine verkleinerte, ähnliche

zu benutzen.

[Illustration: Fig. 68.]

Ist _F_{a}_ der Fluchtpunkt der gegebenen Geraden _A'_, auf welcher im

Punkt _p'_ eine Senkrechte _B'_ errichtet werden soll, so konstruieren

wir z. B. den Punkt ~D_{4}~ (Fig. 68) und tragen im Punkte ~D₄~ einen

rechten Winkel von _F_{a}_~D_{4}~ aus an; dann schnitt der zweite

Schenkel dieses rechten Winkels den Fluchtpunkt _F_{b}_ aus, so daß die

gesuchte Gerade _B'_ den Punkt _p'_ mit _F_{b}_ verband.

Fällt nun aber _F_{a}_ nicht mehr auf das Zeichenblatt, so führen wir

einen neuen Horizont hh ein, der parallel zu _hh_ so gewählt sei, daß

sich mit _A'_ ein erreichbarer Schnittpunkt _f_{a}_ ergibt. Die ganze

Figur lassen wir sich jetzt um +den Punkt+ _p'_ zusammenziehen, so

daß _hh_ in hh übergeht. Wir konstruieren also eine kleinere ähnliche

Figur mit _p'_ als Ähnlichkeitspunkt. Die Punkte dieser neuen Figur

bezeichnen wir mit den entsprechenden kleinen Buchstaben. Zunächst

liefern _D_{1}_, ~A~ und _F_{b}_ aus _p'_ auf hh projiziert die Punkte

_d_{1}_, _a_ und _f_{b}_.

Ferner sind in ähnlichen und ähnlich liegenden Figuren entsprechende

Gerade stets parallel (S. 78). Ziehen wir also durch _a_ eine Parallele

zur Linie ~AD_{4}~, so schneidet diese auf der Verbindungsgeraden

_p'_~D_{4}~ den entsprechenden Punkt _d_{4}_ aus und es ist dann

_f_{a}d_{4}_ ∥ _F_{a}_~D_{4}~

und

_f_{b}d_{4}_ ∥ _F_{b}_~D_{4}~.

Nun ist in der großen Figur ~AD_{1}~ = ~AD_{4}~, also ist auch in der

verkleinerten Figur _ad_{1}_ = _ad_{4}_. Wir wollen jetzt annehmen, daß

auch der Punkt ~D_{1}~ nicht mehr auf das Zeichenblatt fällt, wohl

aber der Teil-Distanzpunkt ~D_{1}~/2. Konstruieren wir auch zu ihm den

entsprechenden Punkt _d_{1}_/2, so ist

_d_{1}_ _d_{1}_/2 = _a_ _d_{1}_/2

und weiter

_ad_{4}_ = 2 ⋅ _a_ _d_{1}_/2.

Daraus ergibt sich folgende Konstruktion (Fig. 69).

[Illustration: Fig. 69.]

Wir zeichnen den neuen Horizont hh, welcher die gegebene Gerade _A'_ in

_f_{a}_ und die Verbindungslinie von _p'_ nach ~A~ in _a_ trifft. Dann

errichten wir zu _a_ eine Senkrechte in hh und machen diese doppelt so

groß als die Strecke _a_ _d_{1}_/2. Ist _d_{4}_ der zweite Endpunkt

dieser Senkrechten, so ist also

_ad_{4}_ = 2 _a_ _d_{1}_/2.

An die Verbindungslinie _f_{a}d_{4}_ tragen wir einen rechten Winkel an,

dessen zweiter Schenkel den Horizont hh in _f_{b}_ schneidet. Das Bild

_B'_ der gesuchten Senkrechten verbindet nun den Punkt _p'_ mit _f_{b}_.

Man kann diese Figur auch benutzen, um z. B. den Diagonalpunkt zu

ermitteln, wenn man sich den rechten Winkel zu einem Quadrat ergänzt

denkt. Wir dürfen ja nur den Winkel _f_{a}d_{4}f_{b}_ halbieren, so

liefert uns die Halbierungslinie auf hh den Hilfspunkt _d_{g}_ und

wenn wir diesen mit _p'_ verbinden, so schneidet diese Linie auf dem

Horizont den Diagonalpunkt ~D~_{_g_} selbst aus. Der Beweis ergibt sich

leicht aus der Figur 68, denn es ist

_d_{4}d_{g}_ ∥ ~D_{4}D~_{_g_}

und da ~D_{4}D~_{_g_} den Winkel _F_{a_}~D_{4}~_F_{b}_ halbiert, so muß

die Parallele den Winkel _f_{a}d_{4}f_{b}_ halbieren.

=36. Unzugängliche Fluchtpunkte.= Drittes Verfahren. Das Wesentliche

an den eben durchgeführten Betrachtungen bestand darin, daß wir gelernt

haben, das Bild eines rechten Winkels zu zeichnen auch dann, wenn die

beiden Fluchtpunkte seiner Schenkel unzugänglich waren. Ist nun das

Bild eines solchen Winkels gegeben, so kommt es häufig vor, daß man

weitere Linien nach den unzugänglichen Fluchtpunkten zu ziehen hat. Wir

behandeln dementsprechend die

=Aufgabe 19.= Ein Punkt ist gegeben als der nicht zugängliche

Schnittpunkt zweier Geraden _G'_ und _hh_ (Fig. 71); man

zeichne die Linie, welche diesen unzugänglichen Punkt mit einem

weiter gegebenen Punkte _p'_ verbindet.

[Illustration: Fig. 70.]

Die Lösung gelingt leicht, wenn wir uns an einen bekannten Satz der

Geometrie erinnern. Schneidet man drei durch einen Punkt _s_ gehende

Gerade _A_, _B_, _C_ mit irgend zwei parallelen Geraden, so werden die

beiden Parallelen in gleichem Verhältnis geteilt, d. h. es ist Fig. 70

_ab_ : _bc_ = _de_ : _ef_.

Teilt man umgekehrt die zwei Parallelen im gleichen Verhältnis, so daß

also diese Gleichung erfüllt ist, so geht die Verbindungslinie _be_

durch den Schnittpunkt _s_ der beiden Geraden hindurch.

[Illustration: Fig. 71.]

Man kann diese beiden Sätze auch in folgender Weise ausdrücken:

Teilt man die Strecke _de_ beispielsweise in vier gleiche Teile und

verbindet die Teilpunkte 2, 3, 4 mit _s_, so wird auch die Strecke

_ab_ in vier gleiche Teile geteilt. Setzt man beide Teilungen auf den

Parallelen fort, so gehen die Verbindungslinien gleich numerierter

Punkte immer durch _s_. Daraus ergibt sich für die obige Aufgabe

folgende Lösung (Fig. 71). Wir ziehen durch den gegebenen Punkt _p'_

irgendeine Linie _df_ und zu ihr in nicht zu geringer Entfernung eine

Parallele, welche in _a_ und _c_ die zwei Geraden trifft. Durch _p'_

werde eine Parallele zu _hh_ gelegt, welche die Verbindungslinie

_cd_ in _g_ schneidet. Durch diesen Punkt _g_ ziehen wir eine

Parallele zu _G'_ und erhalten auf _ac_ den Punkt _b_. Dann geht die

Verbindungslinie _p'b_ durch den unzugänglichen Schnitt von _G'_ und

_hh_ hindurch, ist also die verlangte.

Denn wir entnehmen unmittelbar aus der Figur:

_ab_ : _bc_ = _dg_ : _gc_

und

_dg_ : _gc_ = _dp'_ : _p'f_

folglich auch

_ab_ : _bc_= _dp'_ : _p'f_.

[Illustration: Fig. 72.]

Ist eine größere Zahl von Linien nach einem unzugänglichen Punkte zu

zeichnen, so wäre das eben beschriebene Verfahren zu umständlich. Man

wird dann den zweiten oben angeführten Satz benutzen, um solche Linien

zu erhalten. Das folgende Beispiel mag dies erläutern.

=Aufgabe 20.= Gegeben ist das Bild eines rechten Winkels bei _p'_

(vordere Ecke eines Gebäudes); man zeichne Parallelen zu den

Schenkeln dieses Winkels.

Wir verlängern die durch _p'_ gehende Vertikale, die Vorderkante des

Gebäudes, bis sie in _p_{0}_ den Horizont trifft (Fig. 72), ferner

wählen wir rechts und links am Rande die Punkte _q'_ und _r'_ auf den

Schenkeln des rechten Winkels und ziehen durch sie die Senkrechten

_r'r_{0}_ und _q'q_{0}_ bis zum Horizont. Teilen wir die drei Strecken

_p'p_{0}_, _q'q_{0}_, _r'r_{0}_ in eine gleiche Anzahl von Teilen,

z. B. jede in vier Teile, so gehen die Verbindungslinien gleich

numerierter Punkte bzw. durch die Fluchtpunkte des rechten Winkels.

Setzt man die Teilungen auf den Geraden _p'p_{0}_, _q'q_{0}_, _r'r_{0}_

über den Horizont hinaus fort, so gehen auch die Verbindungslinien 6.6,

7.7 usf. wieder durch die unzugänglichen Fluchtpunkte. Die Linien 7.7

mögen das Gebäude unten abschließen.

Man erhält aber weiter auch Linien durch die Fluchtpunkte, wenn man

entsprechende Abschnitte wiederum in gleichviel Teile teilt, also

beispielsweise von den Strecken 1.2 je das an den Punkten 2 gelegene

Drittel nimmt. (Siehe Figur.) Hat man dann durch einen vorgegebenen

Punkt eine Linie nach einem der zugänglichen Fluchtpunkte zu zeichnen,

so kann man das nach dem +Augenmaß ausführen+, indem man das Lineal

so anlegt, daß es gleichnumerierte Strecken im gleichen Verhältnis

teilt. Die genaue Lösung dieser Aufgabe haben wir ja in der Aufgabe 19

gegeben.

Auf der linken Seite der Figur sind noch zwei Fensterreihen

eingezeichnet. Das erste an der Vorderkante _p'p_{0}_ gelegene Fenster

wurde willkürlich angenommen; die anderen Fenster sollen ebensogroß

sein und voneinander ebensoweit abstehen als das erste Fenster von

der Kante _p'p_{0}_ entfernt ist. Wir bringen die vertikalen Kanten der

Fenster mit der Linie 7.7 zum Schnitt und verfahren nun ebenso wie

in 34. (Fig. 67 ~a~.) Als beliebiger Punkt auf dem Horizont wurde 5

gewählt. Dadurch erhalten wir auf der durch 7 gezogenen Parallele zum

Horizont zwei Strecken, die abwechselnd angetragen die Fenster liefern.

Auf der rechten Seite des Gebäudes ist ebenso eine Tür und ein Fenster

konstruiert.

Endlich mag noch erwähnt werden, daß es auch eigene Apparate,

sogenannte »Fluchtpunkt-Lineale«, gibt, um Gerade nach unzugänglichen

Punkte damit zu zeichnen.

§ 13. Gleichzeitige Anwendung der verschiedenen Methoden.

=37. Verbindung der Schnittmethode mit den Fluchtpunktmethoden.= Wir

können aber auch die früher behandelte Schnittmethode (vgl. 8) mit den

Konstruktionen, die sich aus der Benutzung der Fluchtpunkte ergeben

(17, 18 u. f.), verbinden und erhalten dadurch das für Darstellung

architektonischer Objekte brauchbarste Verfahren. Wir werden dasselbe

am besten an einem Beispiele kennen lernen:

=Aufgabe 21.= Ein Postament ist durch Grund- und Aufriß gegeben

(Fig. 73); die neue Bildebene, in der eine Perspektive dieses

Objektes entworfen werden soll, steht auf der Grundrißebene

senkrecht, geht durch die Achse des Postaments und mag durch

die Linie _h_{1}h_{1}_ bestimmt sein. Außerdem sind der Augpunkt ~A~

und der Horizont _hh_ je durch ihre Risse gegeben. Man zeichne

das Bild des Körpers, wenn die Distanz 12 ~cm~ beträgt.

Wir wählen in der neuen Darstellung die Grundlinie _gg_ und darüber in

der durch den Aufriß gegebenen Höhe den Horizont _hh_ (Fig. 74) und auf

ihm den Augpunkt ~A~. Dann zeichnen wir den +Schnitt+ der Bildebene mit

dem Körper, was unter Benutzung der Schnittpunkte 1, 7, 13, 14, 8, 2

von _h_{1}h_{1}_ mit dem Grundriß und unter Heranziehung des Aufrisses

leicht geschehen kann. Denn die durch ~A~ gelegte Vertikale ist die

Achse des Körpers. Schneidet sie die Grundlinie in _n_, so machen wir

_nx_ = ~A_{1}~1.

In _x_ zeichnen wir wieder die Senkrechte und machen _xy_ gleich der

aus dem Aufriß zu entnehmenden Höhe des Sockels usf. Auf diese Art

erhält man die Schnittfigur der Bildebene mit dem Körper, die in Fig.

74 durch Schraffierung am Rande hervorgehoben ist.

[Illustration: Fig. 73.]

Um jetzt den Grundriß des Körpers in das Bild zu übertragen, verfahren

wir in folgender Weise: Wir führen eine Parallelebene zur Grundrißebene

ein, welche aus der Bildebene die Parallele _ll_ zum Horizont

ausschneiden möge. In diese neue Ebene projizieren wir den Grundriß.

Das kommt darauf hinaus, daß der Grundriß um das Stück _hl_ in die Höhe

geschoben wird. Wir zeichnen nun zunächst das Bild dieses verschobenen

Grundrisses.

Der Grundriß besteht aus zwei Systemen paralleler Geraden und wir

werden die beiden Fluchtpunkte zu ermitteln haben, die zu diesen

Parallelen gehören. Wir errichten in Fig. 73 im Punkte ~A_{1}~ eine

Senkrechte zu _h_{1}h_{1}_ und tragen auf ihr etwa ein Viertel der

Distanz an, machen also

~A_{1}~ _O_{1}_/4 = 3 ~cm~.

Ziehen wir sodann durch _O_{1}_/4 eine Parallele zu 5.6, so schneidet

diese auf dem Horizont den Riß des Teilfluchtpunktes _F_{a}_/4 aus.

Demnach erhalten wir in Fig. 74 den Fluchtpunkt _F_{a}_, indem wir

~A~_F_{a}_ = 4 ~A_{1}~ _F_{a}_/4 auf dem Horizont antragen.

Grundzüge der Perspektive nebst Anwendungen · 第 6 / 9 段