Als eine weitere Anwendung behandeln wir

=Aufgabe 12.= Auf einer lotrechten (vertikalen) Geraden einen

Maßstab zu zeichnen. Höhenmaßstab.

[Illustration: Fig. 35.]

Denken wir uns auf der Lotrechten _pq_ von Fig. 32 die Einheit des

Maßstabes wiederholt angetragen und ziehen wir durch die Teilpunkte

die Tiefenlinien, so übertragen diese den Maßstab auf die Gerade _ab_,

was in der Figur angedeutet ist. Die Bilder der Tiefenlinien sind aber

sofort zu zeichnen. Wir erhalten also folgende Ausführung (Fig. 35).

Gegeben ist das Bild _p'q'_ der Vertikalen, auf der mit der gegebenen

Strecke _y_ als Einheit ein Maßstab gezeichnet werden soll, der in der

Spur der Vertikalen beginnt. Wir verbinden den Punkt _p'_ mit dem

Augpunkt ~A~ und erhalten dadurch den Punkt _a_ auf der Grundlinie. In

_a_ errichten wir zur Grundlinie _gg_ die Senkrechte; auf dieser tragen

wir von _a_ beginnend die Strecke _y_ ab, so daß also die Strecken 0.1,

1.2, 2.3 ... je = _y_. Verbinden wir die Punkte 1, 2, 3 ... mit ~A~, so

schneiden diese Tiefenlinien auf _p'q'_ die gesuchten Punkte 1', 2', 3'

... aus. Aus bekannten Sätzen der Planimetrie folgt sofort, daß auch

0.1' = 1'.2' = 2'.3' = 3'.4'.

[Illustration: Fig. 36.]

Daraus ergibt sich folgender

=Satz 17.= »+Der Höhenmaßstab auf einer Vertikalen (und überhaupt

auf einer Parallelen zur Bildebene) zeigt keine Verkürzung,

sondern eine sich gleichbleibende Verjüngung.+«

Gleichhohe Fenster einer Fassade, die auf einer lotrechten Linie

liegen, sind also beispielsweise gleich hoch zu zeichnen.

Teilungen einer vertikalen Strecke übertragen sich demnach unmittelbar

auf das Bild. Wenn etwa die Strecke _pq_ (Fig. 32) in eine gewisse

Anzahl gleicher Teile geteilt werden soll, so können wir die Teilung

unmittelbar im Bilde _p'q'_ (Fig. 35) vornehmen.

[Illustration: Fig. 37.]

=22. Darstellung einer zur Bildebene parallelen Pfeilerreihe.=

Noch einfacher gestaltet sich die zeichnerische Wiedergabe einer

Pfeilerreihe oder überhaupt einer Reihe gleichgroßer, paralleler

Gegenstände, wenn dieselben parallel zur Bildebene angeordnet sind.

Dies sei der Gegenstand der

=Aufgabe 13.= Eine Pfeilerreihe darzustellen, die sich in einer

zur Tafel parallelen Ebene befindet.

Ist _pq_ der erste darzustellende Pfeiler (Fig. 36), so zeichnen wir

nach der Aufgabe 11 sein Bild _p'q'_. Unserer Voraussetzung nach liegen

die Endpunkte der Pfeiler auf zwei parallelen Linien _P_ und _Q_, die

überdies zur Tafel parallel sind. Es ist also wieder nach Satz 10 auch

_P'_ ∥ _P_ und _Q'_ ∥ _Q_ und da _P_ ∥ _Q_ ∥ zur Grundlinie _gg_, so

sind auch die Bilder _P'_ und _Q'_ parallel zur Grundlinie. Auf diesen

beiden Horizontalen liegen folglich die Bilder der Endpunkte, und sie

ergeben sich leicht, wenn man wiederum die Tiefenlinien durch die

Punkte selbst zu Hilfe nimmt.

[Illustration: Fig. 38.]

Die Ausführung der Konstruktion zeigt Fig. 37. Gegeben ist das Bild

_p'_ des Punktes _p_, die Höhe der Pfeiler und ihr Abstand _y_. Wir

verbinden _p'_ mit dem Hauptpunkt ~A~; diese Tiefenlinie _A'_ liefert

auf der Grundlinie _gg_ den Punkt _a_. In _a_ errichten wir eine

Vertikale _ab_ gleich der gegebenen Höhe der Pfeiler und erhalten durch

die Linie _b_~A~ den Punkt _q'_ auf der Lotrechten durch _p'_ und

damit das Bild des ersten Pfeilers _pq_. Auf den Horizontalen _P'_ und

_Q'_ durch _p'_ und _q'_ liegen die übrigen Endpunkte. Tragen wir den

gegebenen wahren Abstand _y_ zweier Pfeiler auf der Grundlinie als die

Strecke 0.1 ab, so gibt die Linie von 1 nach ~A~ das Bild _n'_ und die

Vertikale durch _n'_ auf _Q'_ das Bild _r'_. Analog verfährt man für

die weiteren Punkte 2, 3 ... Man erkennt, daß _p'n'_ = _n'l'_ usf., daß

also auch die Bilder der Pfeiler gleich weit voneinander abstehen.

Obwohl die Pfeiler selbst ganz verschiedene Entfernungen vom Auge _O_

haben, sind ihre Bilder doch gleich groß zu zeichnen.

Hat man überhaupt in einer zur Bildtafel parallelen Ebene irgendeine

Figur, so ist ihr Bild eine dazu ähnliche Figur d. h. das Bild

ist eine Verkleinerung der gegebenen Figur; es ändern sich nur

die Größenverhältnisse der Figur, alle Winkel aber, und auch die

gegenseitigen Verhältnisse der Seiten bleiben ungeändert.

Wir können also sagen:

=Satz 18.= »+Befinden sich Gegenstände von der gleichen Größe

irgendwo in einer Parallelebene zur Tafel oder kürzer in der

gleichen Tiefe, so sind ihre Bilder stets gleich groß zu

zeichnen.+«

[Illustration: Fig. 39.]

[Illustration: Fig. 40.]

Als Beispiel denken wir uns, am Fuße eines Turmes befinde sich eine

menschliche Figur (Fig. 38) und oben auf dem Turme, aber in der

gleichen Tiefe, stehe oder liege eine zweite ebenso große. Dann sind

die beiden Figuren gleich groß zu geben. Man kann häufig bemerken, daß

die Figur auf dem Turme kleiner gezeichnet ist, und als Grund dafür

wird angeführt, daß die Figur +auf+ dem Turme doch weiter vom Auge

entfernt sei als die Figur am Fuße des Turmes, also auch kleiner sein

müsse. Dabei verwechselt man die +Erscheinung+ eines Gegenstandes und

seine bildliche Wiedergabe. Die Größenverhältnisse der uns umgebenden

Körper beurteilen wir im allgemeinen nach den »Gesichtswinkeln«, unter

denen sie uns erscheinen. Wir +betrachten+ nun aber doch das Bild mit

den beiden Figuren, und dann ist in der Tat, wie Fig. 39 noch klarer

zeigt, der Gesichtswinkel δ, unter dem die obere Figur erscheint,

kleiner als der Gesichtswinkel α, der zu der unteren Figur gehört.

Hier mag noch eine andere Beobachtung erwähnt werden, die sich auf die

Darstellung hoher, sich in Wirklichkeit nicht verjüngender Objekte

bezieht. Denken wir uns z. B. einen Turm mit vertikalen Kanten.

Betrachten wir denselben mit geradgehaltenem Kopfe, so erscheinen

die Kanten des Turmes parallel. Legen wir uns aber auf den Rücken

und blicken an dem Turm in die Höhe, so zeigen seine Kanten einen

Fluchtpunkt. Zwischen diesen beiden äußersten Fällen gibt es viele

Übergänge. Wenn wir nicht weit genug von dem Turme zurücktreten können,

so neigen wir ebenfalls den Kopf zurück, um den Turm in seiner ganzen

Höhe zu überschauen. Dann tritt wieder die Fluchtpunkterscheinung auf.

Aus diesen Überlegungen heraus kann man die Abbildung 4 bis zu einem

gewissen Grade für berechtigt erklären. Wir befinden uns dabei in dem

Gebiet ästhetisch-psychologischer Vorgänge, und die Perspektive als

starre mathematische Schablone kann zugunsten einer besseren Wirkung

modifiziert werden.

[Illustration: Abb. 4.]

[Illustration: Fig. 41.]

=23. Darstellung eines rechtwinklig begrenzten Raumes.= Wir wollen

jetzt die Fig. 32 erweitern, indem wir uns auch auf der anderen Seite

des Auges eine gleichgroße Pfeilerreihe ebenfalls in einer lotrechten

Tiefenebene angebracht denken. Verbinden wir dann (Fig. 40) den letzten

Pfeiler _pq_ der einen Reihe mit dem letzten Pfeiler _st_ der anderen

Reihe durch eine Ebene und legen weiter durch _qb_ und _tc_ ebenfalls

eine Ebene, so erhalten wir ein rechteckig begrenztes Raumstück, den

Quader _abcdpqts_. Die Pfeilerreihe auf der rechten Seite ist ebenso

zu zeichnen wie in Fig. 33, und es ergibt so das Bild _abcdp'q't's'_

(Fig. 41). Stellen wir uns weiter vor, daß wir dadurch je zwei gleich

weit von der Tafel entfernte Pfeiler weitere Ebenen legen, so sind

diese alle parallel und schneiden die Grundebene in Parallelen zur

Grundlinie. Den dargestellten Raum teilen wir dadurch in eine Anzahl

gleicher Schichten, die ebenfalls in Fig. 41 wiedergegeben sind.

Endlich sind noch der Fußboden und die Wände mit einem Quadratnetz

überzogen, und zwar ist die Figur so eingerichtet, daß in der Breite,

also von _a_ nach _d_, 8 Quadrate, in der Tiefe von _a_ nach _p_ 5

Quadrate und in der Höhe von _a_ nach _b_ ebenfalls 5 Quadrate liegen.

Der Horizont verläuft in einer Höhe, die zwei Quadratseiten entspricht.

Es ist leicht, diese Quadrate einzuzeichnen (man vgl. Fig. 19) und so

die Fig. 41 herzustellen. Man kann an ein mit quadratischen Kacheln

ausgelegtes Zimmer denken. Legt man aber weiter durch die sämtlichen

Tiefenlinien die horizontalen und vertikalen Ebenen, so wird der ganze

Raum in Würfel geteilt, und zwar in 5 ⋅ 5 ⋅ 8 = 200. Einer dieser

Würfel ist herausgezeichnet. Der Leser wird diese Figur nicht für

eine mathematische Spielerei halten, sondern sofort erkennen, daß wir

damit ein Mittel gewonnen haben, jeden Körper im Raume einigermaßen

richtig unterzubringen, indem wir ihn in eine Anzahl von Würfeln

einschließen. Fig. 41 leistet für den Raum das gleiche wie Fig. 19 für

die Bodenfläche.

[Illustration: Abb. 5.]

Nennen wir, wie es dem allgemeinen Gebrauch entspricht, die Abmessung

in der Richtung der Grundlinie, also von _a_ nach _d_, die Breite, so

gibt uns die Fig. 41 sowohl einen +Tiefen-+ und +Höhen-+ als auch einen

+Breitenmaßstab+. Denn wir können angeben, wie sich die angenommene

Quadratseite an jeder Stelle des Raumes der Tiefe, Höhe und Breite

nach verkürzt. An der Stelle _i'_ z. B. sind diese Verkürzungen durch

_i'm'_, _i'n'_ und _i'l'_ gegeben. Gleichzeitig ergibt sich noch, was

übrigens schon aus Satz 18 folgt:

=Satz 19.= »+Der Breitenmaßstab ist in jeder Tiefe gleich dem

Höhenmaßstab.+«

Endlich gibt Fig. 41 die einfachste Darstellung eines Innenraumes oder

eines Interieurs. Um einen geschlossenen Raum darzustellen, mag man

sich eine Begrenzungsfläche desselben entfernt denken. Diese Fläche

ist hier dann als Bildebene benutzt. Wir geben als Beispiel in Abb.

5 ein Fresko von +Ghirlandajo+ (1449--1494), das die Geburt Johannis

des Täufers vorstellt und sich im Chor der Kirche S. Maria Novella

in Florenz befindet. Durch einige punktierte Tiefenlinien sind der

Augpunkt und der Horizont ermittelt. Der Augpunkt ist aus der Mitte des

Bildes etwas nach rechts herausgerückt, wie in Fig. 41 ~A~ näher an

_cd_ als an _ab_ liegt. Wählt man den Augpunkt genau in der Mittellinie

des Bildes, so gestaltet sich die Architektur auf beiden Seiten ganz

gleichmäßig: sie ist symmetrisch zur Mittellinie. Die Symmetrie bedingt

eine größere Ruhe und eine gewisse Feierlichkeit im Bilde, wie Abb. 8

zeigen mag.

=24. Aufsicht, Untersicht, Seitenansicht.= Die gleiche Figur 41 gibt

uns auch Aufschluß, wie wir infolge der Festlegung unseres Standpunktes

durch das Auge _O_ horizontale Ebenen, die unter der Horizontebene

liegen, von oben sehen: wir haben auf sie »Aufsicht«, so z. B. auf die

Bodenfläche. Von horizontalen Ebenen, die oberhalb der Horizontebene

liegen, sehen wir dagegen die +untere+ Seite; sie befinden sich in

»+Unter+sicht«, wie z. B. die Decke in Figur 41. Die Horizontebene

selbst bildet den Übergang zwischen beiden Arten von Ebenen: sie

erscheint als Linie, nämlich als der Horizont. In der gleichen Weise

sehen wir vertikale Tiefenebenen entweder von rechts oder von links,

je nachdem sie links oder rechts von der durch das Auge _O_ gehenden

vertikalen Tiefenebene liegen. Diese letztere erscheint als die

durch den Augpunkt gehende Vertikale. Die Figuren 42 und 43 mögen

das noch weiter veranschaulichen. Sie stellen ein Notenpult oder ein

Büchergestell dar, das im ersten Fall lotrecht steht, im zweiten Falle

auf dem Boden liegt.

[Illustration: Fig. 42.]

Aus der Tatsache, daß die ganze Horizontebene sich in den Horizont

abbildet, läßt sich noch eine bemerkenswerte Folgerung ziehen. Ist _u'_

das Bild eines Punktes _u_ der Grundebene (Fig. 41) und errichten wir

in _u'_ die Senkrechte, welche den Horizont im Punkte _v'_ schneiden

möge, so können wir _v'_ als Bild desjenigen Punktes _v_ ansehen, der

lotrecht über _v_ in der Horizontebene liegt. Die Strecke _uv_ ist

also gleich der Augenhöhe. Zu dem gleichen Resultat führt uns auch die

Betrachtung der Figur 34, indem sich zu dem Bilde _p'v'_ als zugehörige

Strecke _av_{0}_ ergibt, was wieder die Augenhöhe ist. Daraus folgt

demnach folgender vielfach verwendbare

=Satz 20.= +Ist das Bild eines Punktes der Grundebene gegeben, so

stellt der Abstand dieses Bildes vom Horizont immer das Bild

der Augenhöhe vor.+

[Illustration: Fig. 43.]

=25. Personen in verschiedenen Tiefen eines Bildes.= Die Darstellung

einer menschlichen Figur in einem Bilde gibt uns Veranlassung, über den

Maßstab eines Bildes zu sprechen und dieser hängt wieder davon ab, wie

wir uns das Zeichnen nach der Natur, also z. B. die Wiedergabe einer

Landschaft vorstellen. Bisher haben wir immer angenommen, daß das Bild

+direkt+ die Zentralprojektion des Gegenstandes ist, wie wir das bei

der Glastafelperspektive (in 2) erörterten. Man kann sich das aber

auch etwas anders denken. Nehmen wir z. B. an, ein Landschaftsmaler

habe das Motiv und einen günstigen Standpunkt gefunden. Dann mag er

sich, etwa in der Entfernung von einigen Metern von seinem Standpunkte,

die Bildtafel Π vertikal aufgestellt +denken+. Auf diese Ebene Π wird

von seinem Auge aus die Landschaft projiziert. Dieses Bild wird aber

nicht wirklich gezeichnet. In sein Skizzenbuch oder auf den vor ihm

stehenden Rahmen zeichnet der Maler vielmehr eine Verkleinerung oder

eine Verjüngung des auf Π gedachten Bildes. In diesem Falle ist also

die Zeichenfläche nicht die gleiche wie die Bildebene. Allerdings

könnte man eine neue, dem Standpunkt nähere, zu Π parallele Ebene

finden, welche aus dem Strahlenkegel des Auges _O_ gerade das Bild

ausschneiden würde, das auf dem Zeichenblatt gezeichnet wurde.

Wie kann man nun bestimmen, in welchem Verhältnis das Bild in dem

Skizzenbuch gegenüber dem gedachten Bilde auf Π verkleinert ist? Zu dem

Zwecke denken wir uns einen Menschen, der ganz nahe hinter der Tafel Π

steht. Er wird dann auf der Tafel Π in wirklicher Größe erscheinen. Die

Skizze aber wird den gleichen Menschen in kleinerem Maßstabe zeigen,

z. B. nur in 1/10 der Lebensgröße. Dann sagen wir, die Verjüngung oder

Reduktion sei = 1/10. Wollen wir, was z. B. bei Architekturen nötig

ist, genaue Maße haben, so stellen wir uns vor, daß eine Meßlatte mit

Metermaßeinteilung in der Bildebene Π liege. Auf dem Skizzenblatt aber

wird z. B. +ein+ Meter durch einen Dezimeter wiedergegeben, wenn die

Verjüngung 1/10 beträgt. Wir behandeln nun folgende

=Aufgabe 14.= Personen in verschiedenen Tiefen eines Bildes

darzustellen.

In den 3 Fällen sei die Verjüngung stets 1/100, so daß also ein Meter

durch einen Zentimeter dargestellt wird. Ferner nehmen wir an, daß

alle im Bilde wiedergegebenen Personen 1,5 Meter groß seien, also eine

mittlere Größe haben.

=1. Fall.= Die Augenhöhe sei 75 ~cm~ oder ¾ ~m~; es soll eine

Person gezeichnet werden, die sich in _c'_ auf der Grundebene

befindet.

Auf der linken Seite gibt uns in Figur 44 die Strecke 0.1 die

Darstellung eines Meters; nehmen wir drei Viertel dieser Größe, so ist

damit der Horizont _hh_ gefunden, der bei dieser Annahme sehr niedrig

liegt. Eine direkt an der Bildtafel stehende Figur ist 1½ ~m~ hoch zu

zeichnen, sie ist in _ab_ angedeutet, und sie wird durch den Horizont

halbiert. Wir ziehen durch ~A~ nach _a_ und _b_ die Tiefenlinien.

Um die in _c'_ befindliche Person zu zeichnen, verschieben wir sie

parallel der Bildebene, also in der gleichen Tiefe; dabei bleibt nach

Satz 18 ihre Größe ungeändert. Demgemäß ziehen wir durch _c'_ die

Parallele zur Grundlinie, welche die Linie ~A~_a_ in _p'_ schneidet.

Die in _p'_ bis zum Schnitt mit der anderen Tiefenlinie ~A~_b_

errichtete Senkrechte _p'q'_ gibt die Größe der Figur; ziehen wir durch

_q'_ eine Parallele zur Grundlinie, so schneidet sie die Vertikale

durch _c'_ in _d'_ und _c'd'_ ist die gesuchte Höhe der Figur in _c'_.

[Illustration: Fig. 44.]

Ist im Punkte _i'_ der Grundebene eine weitere Figur zu zeichnen, so

ziehen wir _c'i'_ und bringen diese Linie in _f_ zum Schnitt mit dem

Horizont; verbinden wir _f_ mit _d'_, so ergibt die in _i'_ errichtete

Senkrechte den Punkt _k'_, bis zu dem die Figur reicht. Denn die Linien

_ci_ und _dk_ sind parallele, horizontale Gerade, müssen also ihren

Fluchtpunkt auf dem Horizont haben.

Man sieht leicht ein, daß alle Figuren durch den Horizont halbiert

werden, und daß man allgemein sagen kann:

=Satz 21.= +Alle auf der Grundebene stehenden Figuren werden

durch den Horizont im gleichen Verhältnis geteilt.+

=2. Fall.= Die Augenhöhe sei 2½ ~m~; es ist eine Figur zu

zeichnen, welche sich in _c'_ auf einer Mauer befindet.

[Illustration: Fig. 45.]

Wir haben es unter dieser Voraussetzung mit einem hohen Horizont zu

tun, der in der Mitte zwischen den Ziffern 2 und 3 verläuft (Fig. 45).

Eine Person direkt im Vordergrund hat wieder eine Höhe _ab_, welche =

1½ ~m~ ist. Um die Größe der in _c'_ befindlichen Figur zu bestimmen,

verschaffen wir uns die durch _c_ gehende Parallelebene zur Tafel, da

in dieser ganzen Ebene die Figur gleichgroß ist. Wir ziehen also durch

_c'_ die Parallele zur Grundlinie, gehen dann an der Mauer senkrecht

herunter und wieder parallel zur Grundlinie weiter, bis wir nach _p'_

gelangen. Die Vertikale in _p'_ schneidet aus der Linie _C_~A~ den

Punkt _q'_ aus. _p'q'_ ist wieder die Größe einer menschlichen Figur in

der Tiefe _p'_. Die Figur in _c'_ ist aber ebensogroß zu zeichnen, also

muß _c'd'_ = _p'q'_ sein.

[Illustration: Fig. 46.]

Bringen wir die Linien _ab_ und _p'q'_ in _t'_ und _r'_ mit dem

Horizont zum Schnitt, so ist

_ab_ : _at'_ = _p'q'_ : _p'r'_ = 3 : 5.

Es beträgt also die Höhe jeder +auf der Grundebene+ stehenden Figur ⅗

der Höhe bis zum Horizont. Dies ist wiederum der vorige Satz 21.

Weiß man umgekehrt nicht, wie hoch der Horizont ist, so kann man

die Augenhöhe ungefähr bestimmen, wenn eine menschliche Figur _ab_

unmittelbar im Vordergrund gegeben ist. So könnte man in unserer Figur

45 durch Schätzung oder Abmessung finden, daß die Augenhöhe fünfmal so

groß ist als der dritte Teil von _ab_. Da für _ab_ mittlere Manneshöhe

1,50 ~m~ angenommen werden darf, so ist der dritte Teil davon 50 ~cm~,

und für die Augenhöhe _at'_ ergibt sich als Zahlenwert 5 × 50 ~cm~ =

2,50 ~m~.

=3. Fall.= Die Augenhöhe sei 1,50 ~m~; man bestimme die Größe

einer menschlichen Figur, die sich in _c'_ auf einer Mauer

befindet.

Eine unmittelbar im Vordergrund befindliche Person _ab_ reicht jetzt

gerade bis an den Horizont. (Fig. 46.) (Wollten wir uns noch genauer

ausdrücken, so könnten wir sagen, daß der Horizont die Augen aller auf

der Grundebene stehenden Personen enthalten müsse.) In der Figur sind

einige Meßlatten gezeichnet, die senkrecht auf der Grundebene stehen.

Dann schneidet der Horizont auf +jeder+ Latte 1,50 ~m~ ab. Sind die

Latten in halbe Meter geteilt, so geht er also immer durch das Ende

des dritten Abschnittes. Um die Figur in _c'_ zu zeichnen, legen wir

wieder durch _c_ die Parallelebene zur Tafel, also durch _c'_ die

Parallele zur Grundlinie, gehen an der Mauer senkrecht herunter und

parallel zu _gg_ weiter, so daß wir nach _p'_ gelangen. Die in _p'_

errichtete Senkrechte schneidet den Horizont in _q'_. Die in _c'_

befindliche Figur ist also = _p'q'_ zu machen, so daß ihre Größe _c'd'_

= _p'q'_. Sie wird an den Füßen von der Mauerkante überschnitten.

Wenn wir zu einer Architektur eine Figur als Staffage beifügen, so

ist damit die Größe der Architektur festgelegt. Zeichnen wir die

Staffagefigur klein, so nimmt die Architektur dadurch große Formen an

und umgekehrt wird sie durch eine große Figur verkleinert.

=26.= Endlich wollen wir noch einen etwas komplizierteren einzelnen

Gegenstand darstellen in

=Aufgabe 15.= Einen in Grund- und Aufriß gegebenen Pfeiler

darzustellen, wenn die Vorderfläche des Sockels in der

Bildebene liegt.

Der Grundriß _P_{1}_ ist in der Verschiebung gegeben (Fig. 47), der

Aufriß _P_{2}_ befindet sich nicht senkrecht über dem Grundriß, sondern

er wurde nach links hinausgeschoben, um den Platz für die Zeichnung

frei zu lassen.

Von dem Sockel liegt die Fläche 1 2 6 5 in der Bildtafel. Wir

übertragen zunächst den ganzen Grundriß in das Bild und bauen darüber

den Körper auf.

Das Bild 1 2 3' 4' des Quadrates (1)(2)(3)(4) ist sofort zu zeichnen,

da 4' sowohl auf der Tiefenlinie 1.A als auch auf der Linie von 2 nach

dem Distanzpunkt ~D_{1}~ liegt. Wir zeichnen weiter die beiden inneren

Quadrate. Die Bilder 9' und 13' ergeben sich, wenn man durch (9)

und (13) die Tiefenlinien zieht. Außerdem liegen 9' und 13' auf der

Diagonale 1.3'.

Der Sockel kann jetzt dargestellt werden; die Tiefenlinien durch 5 und

6 schneiden auf den Vertikalen durch 4' und 3' die Punkte 8' und 7' aus.

Um den Schaft des Pfeilers zu zeichnen, haben wir im Punkte 9' eine

Senkrechte von gegebener Länge zu errichten: alle diese Höhen messen

wir von der Grundebene aus. Nach Aufgabe 11 verbinden wir also 9' mit

~A~ und erhalten auf der Grundlinie den Hilfspunkt 10; durch diesen

ziehen wir eine Vertikale und schneiden auf derselben durch die

Parallele im Aufriß die anzutragende Höhe 10.11 ab. Dann schneidet die

Linie von 11 nach ~A~ auf der Vertikalen durch 9' das Bild 12' der

oberen Ecke aus. Die drei übrigen Ecken des Quadrates ergeben sich

durch Parallele und Tiefenlinien, und ebenso leicht ist das auf der

oberen Fläche des Sockels befindliche Quadrat einzutragen; seine Ecken

liegen auf den Diagonalen 5.7' und 6.8'.

[Illustration: Fig. 47.]

Nun ist weiter im Punkte 13' die Senkrechte zu errichten. Die

Tiefenlinie liefert den Hilfspunkt 14 und 14.15 ist die auf der

Vertikalen anzutragende Strecke. So ergibt sich das Bild 16' des

vorletzten Quadrates. Der Punkt 17 endlich liefert in 18' eine Ecke der

Deckfläche. Beide Quadrate sind leicht zu vervollständigen. Der Punkt

12' gibt mit 16' verbunden das Bild des Gehrungsprofiles. Verschafft

man sich das Bild 19' des Punktes 19, so kann man die Kontrolle

benutzen, daß die vier Linien 16'.12' usf. durch 19' gehen.

+Anmerkung.+ Statt die Bildebene durch die vordere Fläche des

Sockels zu legen, könnte man sie auch +parallel+ zu derselben

durch die Achse des Körpers legen. Die Schnittfigur der

Bildebene mit dem Pfeiler stimmt dann mit dem Aufriß _P_{2}_

überein. Es läßt sich aus diesem Schnitt ebenfalls das Bild

des Pfeilers leicht herstellen, ohne daß man nötig hat, eine

Verschiebung zu benutzen. Wir empfehlen die Ausführung dem

Leser.

=Aufgabe 16.= Einen in Grund- und Aufriß gegebenen Pfeiler

darzustellen, der beliebig auf der Grundebene steht, wenn eine

Kante des Sockels in der Bildtafel liegt.

Der Grundriß _P_{1}_ sei wieder in der Verschiebung gegeben, Fig. 48,

der Aufriß _P_{2}_ ist links hinausgeschoben. Wie in Aufgabe 9, Fig.

28, zeichnen wir zunächst vermittels der Umlegung ~D_{3}~ des Auges die

Fluchtpunkte _f_{a}_ und _f_{b}_ der beiden Richtungen (_A_) und (_B_).

Ferner wollen wir noch den Fluchtpunkt der Diagonale 1.3 konstruieren,

d. h. wir ziehen durch ~D_{3}~ eine Parallele zur Verbindungslinie 1.3,

welche den Horizont in ~D~_{_g_} trifft. Dieser Fluchtpunkt ~D~_{_g_}

heißt auch der +Diagonalpunkt+ und es ist vielfach, z. B. bei

Gehrungen, nützlich, ihn einzuführen.

Zunächst übertragen wir wieder den ganzen Grundriß in die Perspektive.

Die durch 1 gehende Kante des Sockels liegt in der Bildebene. Das

Bild des Vierecks 1 2 3 4 kann gezeichnet werden, sobald von einer

weiteren Ecke das Bild ermittelt ist. Wir benutzen etwa die Spur 5 der

Verbindungslinie 2.3. Verbinden wir 5 mit _f_{a}_, so schneidet diese

Linie auf der Linie 1._f_{b}_ das Bild 2' aus. Die Ecke 3' aber wird

erhalten als Schnittpunkt von 1.~D~_{_g_} mit der Linie 5._f_{a}_.

Endlich gibt die Linie _f_{b}_.3' in ihrem Schnitt mit _f_{a}_.1 den

Punkt 4'. In ähnlicher Weise kann man die Bilder der beiden inneren

Quadrate ermitteln.

Grundzüge der Perspektive nebst Anwendungen · 第 4 / 9 段