Im Südosten brechen sie endlich herein. Dort sind die Arbeiterbezirke.
Von den Offizieren der Absperrungskommandos wird der Befehl zum Feuern
gegeben.
Viele Soldaten schießen nicht. Viele halten in die Luft ...
Die Offiziere werden an die Wand gedrückt.
Gewehre und Bajonette zerbrechen ...
Die Absperrungskommandos sind überrannt.
Laut singend, geschlossenen Zugs, marschieren die Landarbeiter weiter
...
Aus jeder Straße strömt jetzt ein neuer Zug.
„Des Volkes Blut verströmt in Bächen“, singen die einen.
Die anderen:
„Bolschewisten! Bolschewisten! Edelste der Kommunisten!“
Auf den Balkonen beugen sich Menschen herab, in die Hände klatschend. An
den Straßenecken begrüßen die Marschierenden große Menschengruppen im
Chor:
„Rot Front! Rot Front! Rot Front!“
Es trommelt.
Es pfeift.
Trompetensalven schmettern darein ...
* * * * *
Das Militär wird zurückgezogen.
Hie und da fern am Straßenende sieht man noch einen Panzerwagen
davonrattern.
In den Flanken ist der Arbeiterzug durch Radfahrerabteilungen gesichert.
Auf den Dächern sind Arbeitertrupps aufgestellt, sie winken mit den
Mützen.
Ob die Regierung im letzten Augenblick noch ein Versammlungs- oder
Demonstrationsverbot erlassen hat, ist nicht mehr in Erfahrung zu
bringen.
Die ganze Stadt ist ein gewaltiger, roter Menschenwirbel.
Frauen mit roten Kopftüchern. Der Jung-Spartakus-Bund. Greise. Witwen
und Waisen. Aber es marschiert auch ein Frauen-Regiment auf, genannt
„Regiment Rosa“. Hell schmettert Gesang aus ihren Reihen ...
* * * * *
Auf den Asphaltstraßen der Stadt dröhnt daher ein roter
Menschenmassen-Orkan.
Da marschiert an, langsam und immer wieder stockend, der Zug der
Kriegsopfer: manche werden auf Bahren getragen, die meisten humpeln sich
mühsam vorwärts auf monoton klappernden Krückstöcken, da ist die
Abteilung der Erblindeten, hier die der Armlosen, hier die der
Beinlosen, hier sind welche, die nur einen gliederlosen Rumpf noch ihr
eigen nennen. Hier werden Tafeln getragen: „Wir sind das ABC des
Kriegs!“ Oder: „Krieg dem Krieg!“ Oder: „Proletarier, gedenkt des
imperialistischen Kriegs!“
Ohne Musik marschiert der Zug.
Ein Skelett an der Spitze, mit der Zahl: 13 Millionen.
Die Straße erstarrt. Die Häuserpforten erstarren. Jedes Wort gerinnt im
Mund. Das Leben friert ... Es ist großes Schweigen.