VIII

Professor Snowden nahm indeß das Schlußwort:

Eine Generalstabskarte war aufgespannt, auf der der Vortragende die

einzelnen Positionen mit dem Stab aufzeigte.

„Ich werde jetzt versuchen, eine ökonomische Analyse des kommenden

Krieges zu geben ... Es handelt sich dabei vor allem um die

nichtkapitalistischen Absatzmärkte in China und Indien. England ist im

Jahre 1925 so gut wie aus China vertrieben, so daß jetzt der Kampf

zwischen den beiden siegreichen Mächten Japan und Amerika beginnt. China

mit seinen 400 Millionen Einwohnern, von denen der größte Teil

Kleinbürger sind, 320 Millionen in der Landwirtschaft, die sie

kleinbürgerlich betreiben, ein großer Teil von Kleinbürgern in den

Städten, und Indien mit seinen 320 Millionen, darunter 217 Millionen in

der Landwirtschaft: sind die beiden großen Hauptbecken, wo wir noch

Mehrwert realisieren können, namentlich nachdem sich der

nichtkapitalistische Markt in Amerika und Kanada immer mehr verengt hat.

In Amerika sind allein in den letzten 10 Jahren etwa 7 Millionen Farmer

als Proletarier in die Städte gewandert.

„Schon früh haben wir die große Bedeutung Chinas erkannt.

„Das Vordringen unserer Standard-Oil-Compagnie in China, das Eindringen

unserer amerikanischen Maschinen in China ist ein deutliches Zeichen

dafür. Wir mußten unsere Zivilisationsbestrebungen aber auch

militärisch fundieren. Die erste Periode war im Jahre 1899 der

amerikanisch-spanische Krieg, in dem wir die Philippinen, direkt vor

China, annektierten. In der zweiten Periode wird die Verbindung zwischen

den Vereinigten Staaten und den Philippinen hergestellt, werden im

ganzen Stillen Ozean feste Kriegsstützpunkte zu seiner Beherrschung, zur

Vorbereitung des weiteren Vordringens nach China, nach Ostasien gemacht.

Durch den Abkauf der dänischen Inselgruppe St. Thome, durch den Ausbau

von Hawaii, insbesondere durch den Ausbau des dortigen Kriegshafens Perl

Harbor, durch Ausbau von Dutch-Harbor auf Alaska, nach dem Krieg durch

die Besetzung und den Ausbau von Tutuila in der ozeanischen Inselgruppe

und schließlich durch die Besetzung und den Ausbau von Guam haben wir

ein weites, großes Viereck geschaffen, das zur Vorbereitung von

Angriffen bezw. Abwehr vorzüglich geeignet ist. Dieses große Viereck im

Stillen Ozean erhält seine Rückenstützpunkte durch Kalifornien auf der

einen Seite, durch den Panamakanal, und damit die Verbindung zum

Atlantischen Ozean auf der anderen Seite.

„Nun, und auf der anderen Seite steht Japan, das gleichfalls Anspruch

auf China und Indien erhebt, und das immer stärker gleichfalls

vordringen will.

„Die Probleme des japanischen Imperialismus lassen sich auf zwei

Hauptfragen zurückführen. Das eine ist selbstverständlicherweise die

Frage des Absatzes seiner Ware, das andere ist das spezifisch japanische

Problem der Uebervölkerung, und damit die Notwendigkeit der Ansiedlung

und des Ausbaues seines Imperiums. Bereits 1919 hat Graf Komura erklärt,

daß Japan verloren sei, wenn es ihm nicht gelinge, in einem

Menschenalter Raum für 100 Millionen Menschen zu sichern und obendrein

seine Auswanderungsräume unter der Flagge zusammenzuhalten.

„In Japan drängen sich auf einer Fläche, die etwa so groß ist wie die

Deutschlands, dabei aber vielfach unbewohnbar ist durch steile

Vulkanberge, 78 Millionen zusammen, sein Geburtenüberschuß betrug in dem

einen Jahre 1921 724600 Geburten, während der Ueberschuß in den über 250

Jahren der japanischen Abgeschlossenheit von 1600 bis 1886 nur 900000

betrug. Die plötzlich so starke Ausdehnung vor allem zwingt Japan,

fremde Gebiete zu erobern, dorthin die Mengen von proletarisierten

Bauern und Proletariern zu übertragen. So hat Japan Korea besetzt und

völlig zur japanischen Kolonie ausgebildet, so dringt es in China ein,

in Indien, in Südafrika, so hat es sich vor allem schon in Kalifornien,

in unserer direktesten Nähe, festgesetzt. Vor dem Erlaß unseres

Einwanderungsverbots und auch jetzt noch steht Kalifornien vor der

Gefahr eine japanische Kolonie zu werden. Bereits 1922 gab es 110000

Japaner in Kalifornien, denen mehr als zwei Drittel des hochwertigen

Weizenlandes gehören.

„Nun die Frage der Rohstoffversorgungsmöglichkeiten Japans!

„Während Japan selbst nicht reich an Kohle, arm an Eisen und Oel ist,

ist China und Korea außerordentlich mit Kohle und Eisenerz versehen.

Während man den japanischen Kohlenvorrat insgesamt auf etwa 1600

Millionen Tonnen schätzt, wird der chinesische auf 15 Milliarden Tonnen

geschätzt. Ebenso belaufen sich die chinesischen Eisenerzvorräte auf

zirka 45000 Millionen Tonnen, während die Japans nur etwa 4000 Millionen

Tonnen betragen. Das Vordringen Japans in China, das bereits durch große

Bindungen, durch große Beteiligung der Japaner an Eisen- und Stahlwerken

vollzogen ist, droht für unseren Handel jetzt zur direkten Gefahr zu

werden! Für England ist Japan bereits zur Gefahr geworden! Der

englisch-japanische Vertrag ist auch aus diesen Gründen nicht mehr

erneuert worden. Und die Errichtung der Singapore-Basis seitens England

kann nur Japan gelten. Wir können daher wirklich von einer gelben Gefahr

sprechen und die Gefahr eines kommenden Krieges ist damit ebenfalls in

große Nähe gerückt.“

– – –

Da platzte die Nachricht herein:

„Dempsey Knockout-Sieger nach zwei heftigsten an Ueberraschungen reichen

Runden über Firpo ...“

Der Lärm der Straße schwoll.

Ein Menschenkatarakt ...

Frank und Thomas trieben steuerlos dahin durch die Nacht wie durch ein

Traumland ...

„Mir ist es oft“, sagte Frank zuerst, „als sei das Proletariat aller

Länder, dieser Riesenmenschenmassenleib, mit magnetischen Strömen

geladen und mitten hinein in ein Stahlgewitter gestellt, dazu

ausgesucht, die Blitze, die sich aus der labyrinthischen Wirrnis dieser

Gesellschaftsform entladen, auf sich abzuziehen ... Ein wandelnder

Blitzableiter ...“

„Nun heißt es aber für uns: mit zehnfacher Kraft heran an die Arbeit!

Wir müssen gleich morgen zu einem wirklichen Resultat kommen! ...“

(CHCl=CH)3As (Levisite); oder, Der einzig gerechte Krieg · 第 89 / 229 题