Die Stahlungeheuer setzten sich wieder in Bewegung.
* * * * *
Es wurde durch diese Kolonnen festgestellt: drei Viertel der Stadt waren
vergast. Kollektivschutzräume, wie mancher Schwärmer erhofft hatte,
bestanden nicht, die Gasmasken, nur für die Kampfstoffe des
vorhergegangenen Krieges beschaffen, mußten versagen. Trank und Speise
waren vergiftet. Die ersten Anzeichen von Seuchen machten sich
bemerkbar.
* * * * *
Drei Stunden später – und trotzdem die Bewohner mit Masken und Anzügen
geschützt waren – lagen sie da, wimmernd und vor Hilfeschreien gellend,
die meisten in den Kellern, andere aber irrten wie wahnsinnig auf den
Dächern umher, spreizten Beine und Arme und stürzten sich unter einem
grausigen Fluch auf die Trottoire hinab. Ueberall sah man Blutlachen.
„Vom Himmel hoch, da komm ich her“, tönte noch in diesem Augenblick ein
heller Kinderchoral aus dem Dom, die Glocken schwangen, ja es war
Weihnacht. Und trotzdem –
Die Flügelbomben verrichteten als mechanische unpersönliche Henker
getreulich ihre unumgängliche Blutarbeit.
„Das ist das neue Gas“, sagte jemand ... „und wie sich herausstellt,
unsere Versuche haben sich demnach gelohnt.“
„Friede auf Erden.“
„Amen! Amen ...“, scholl es im Chor wieder dazwischen.
Die Farbstoffabriken waren jetzt plötzlich riesige Arsenale.
Unterirdische Gänge. Auch tief in den Schächten der Bergwerke wurde Gas
fabriziert. Ununterbrochen experimentierten die Chemiker an neuen
Kampfstoffen herum.
Es dauerte nicht lange.
Ein Monat – und alles Lebendige war auf der Erde vernichtet.
Und es wurde auf dieser Erde still, mäuschenstill.
Uhren hörte man noch ticken.
Auch sie blieben allmählich stehn.
Nur das Rauschen noch von Wassern, der Wind, und da es Sommer und
übermäßig heiß war, das Brodeln und Zischen der menschlichen Leichname,
die geräuschvoll in Verwesung übergingen.
Nichts sonst.