Peters Mutter war noch wach, als Vater und Sohn vom Trio nach Hause
kamen.
Peter saß nun mit seiner Mutter allein.
„Mein Kind, du hast Schweres durchgemacht. Ich will dir nun sagen: wenn
du wieder von zu Hause fortgehst, dann ist auch meine Zeit gekommen. Du
weißt vielleicht, ich lebe mit dem Vater sehr schlecht. Nur deinetwegen
bin ich geblieben. Aber du bist ja jetzt erwachsen, und du hast mich
nicht mehr nötig ...“
„Doch, doch!“ wollte Peter stammeln, aber er konnte kein Wort
hervorbringen.
„Es ist am besten, Peter, ich nehme gleich heute von dir Abschied: du
bist ein Musterbeispiel für einen idealistisch gesinnten jungen
Deutschen. Wie du dich durch diese Zeit hindurchschlagen wirst! Auf
welche Art und Weise du mit ihr fertig werden wirst!? Was aus dir noch
werden wird ... Fast ist’s mir als ob ich es wüßte. Ich ahne schon so
etwas. Aber ich will darüber schweigen. Kurz und gut: Laß die Leute
reden, Peter, und geh deinen Weg ... Das soll unser Abschied gewesen
sein. Leb wohl! Gute Nacht!“
Wieder schwieg Peter.
„Aber was ist die Wahrheit!? Was soll ich tun ...“
* * * * *
Und Peter schlief einen unruhigen Schlaf.
Er schlief in demselben Zimmer wieder, in dem er schon als Kind
geschlafen hatte, dort an der Wand hingen noch die Eichenkränze, die
ersten Preise aus Wettschwimmen und Fußballspielen, und dort obenauf im
ersten Schubfach des Schrankes lagen noch durcheinander Schulbücher und
Hefte.
Direkt aus dem Gymnasium war er ins Regiment eingetreten, in der Zeit
seiner militärischen Ausbildung kam er nur selten nach Haus. „Und jetzt,
jetzt, was soll aus mir werden.“
Peters Vater war Landgerichtsdirektor, ein Richter in höherer
Staatsstellung, dessen schönster Tag in seinem Leben war, wie er nie
müde wurde zu betonen: damals, als Peter auszog mit dem
Freiwilligenregiment, Blumensträuße am Helm und einen vorne im
Gewehrlauf: das war ein großartiger erschütternder Marsch lauter
prächtiger junger Menschen unter dem Gesang „Die Vöglein im Walde ...“
auf den Bahnhof. Ihm zur Seite auf dem Trottoir, schritten damals Vater
und Mutter, beide schluchzten, Peter schluchzte und lachte freudig auf
dazwischen, die ganze Stadt war mit Fahnen, Girlanden und Blumen
geschmückt: der Auszug dieses Freiwilligenregiments war ein großes
Freudenweinen ...
* * * * *
Vor vielen Jahren belauschte einmal in diesem Zimmer Peter eines Nachts
ein Gespräch zwischen Vater und Mutter.
Peters Vater war damals Staatsanwalt und Anklagevertreter in dem
bekannten Prozeß gegen den berüchtigten vielfachen Raubmörder Alois
Kneisel. Kneisel wurde zuerst in der chirurgischen Klinik
zurechtgeflickt, da er bei seiner Verhaftung von den Gendarmen verwundet
worden war, und danach dem Scharfrichter überantwortet.
Es muß die Nacht vor der Hinrichtung gewesen sein, denn der Vater hatte
dem Dienstmädchen aufgetragen, ihn pünktlich um fünf Uhr früh zu wecken.
Der Wecker wurde sorgfältig gestellt.
Auch waren Gehrock, Zylinder, weiße Glacéhandschuhe herausgerichtet
worden, die guten Schuhe, ein frisches steifes Hemd und die Manschetten
mit den rubinroten Knöpfen.
Peter legte das Ohr dicht an die Wand, als er die ersten aufgeregten
Worte der Mutter vernahm.
„Nein, Heinrich, ich kann mit dir beim besten Willen nicht mehr
zusammenleben“, weinte die Mutter, „du bist ein Mörder, mitschuldig an
einem ganz gemeinen barbarischen, infamen Mord ... Ich flehe dich an,
laß mich fort von dir ...“
Der Vater sprach ruhig und mit sehr tiefer Stimme vom Staat, von der
Notwendigkeit der Erhaltung der Autorität, von der modernen
Straftheorie, wonach Strafe erstens: Sühne im religiösen Sinne sei, dann
auch ein prophylaktisch wirkendes Abschreckungsmittel und drittens:
Befreiung der Gesellschaft von der Gemeingefährlichkeit gewisser
menschlich minderwertiger Subjekte.
Jedoch: des Vaters Gegenargumente fruchteten bei der Mutter nichts.
Immerfort schluchzte die Mutter noch:
„Das ist Heuchelei, abgrundtiefe Verlogenheit ... Ich kann es nicht so
in Worten ausdrücken, aber mein Gefühl, mein Instinkt sagt es mir ...
Ach Gott, o Gott, o Gott, daß du das nicht einsiehst. So verstockt, wer
hätte das gedacht ...“
Und die Mutter weinte die ganze Nacht still vor sich hin.
Einmal schrie sie:
„Siehst du ihn nicht vor dir: das Gesicht seiner letzten Nacht: groß,
ungeheuer und der Hals ist da, warm der Rumpf darunter ... dieser in die
Länge gezogene Blick ... Pfui, wie du mich anekelst ... Ich kann es
wirklich nicht mehr länger mit dir aushalten ...“
Wieder kam ein Weinanfall.
„Du haßt mich also“, fragte der Vater.
„Läßt du mir das Kind!?“
„Auf keinen Fall ...“
„Damit du ihn auch zu einem Verbrecher deiner Art, zur gemeinsten und
tierischsten Art Verbrecher, die es auf der Welt gibt, erziehen
kannst!?“
Ein schwerer Schlag.
Ein Schrei, der hoch und schrill war ...
Trotzdem Peter damals erst acht Jahre alt war, wußte er sofort:
„Der Vater hat die Mutter niedergeschlagen.“
Und Peter taumelte, als ob er selbst den Schlag erhalten hätte, fiel ins
Bett zurück und versank tief in einen ohnmachtähnlichen Schlaf.
Wie ein Goldregenschwarm sangen Scharen von Engeln darin, wie Bienen
sahen sie aus und die Erde darunter war wie eine klotzige,
schattenhafte, geschwollene Blutkugel. Und die Mutter war da, eine
überlebensgroße Gestalt, streichelte ihm zärtlich die blutende
Kopfwunde, und Peter strengte sich sogar an, ordentlich viel zu bluten,
das blutende Blut tat ihm wohl, es rann und blühte in unendlich vielen
Knospen und Beeren im Himmelsgarten ...
* * * * *
Die Mutter war in der Nacht noch auf und davon gelaufen.
Der Vater stand pünktlich früh um fünf auf.
Als er mittags nach Hause kam, schaute ihn Peter groß und fragend an.
„Hat er ihn jetzt wirklich umgebracht?!“ Aber die Kleidung des Vaters,
der jetzt ein bequemes Hausjöppchen trug, war tadelfrei, schwarz; wie
anlackiert sah er aus. Nirgends ein Blutspritzer, nicht einmal an den
Manschetten. „Ob er eine Schürze sich umgebunden hat, so wie im
Schlachthaus?“ Peter wollte erfahren, ob er das eigenhändig gemacht hat,
mit dem Beil oder mit einem scharfen Rasiermesser. Immer noch schaute
Peter groß und fragend. Der Vater aber schwieg, erkundigte sich nach
Peters Schulaufgaben und ließ sich dabei den Gansbraten schmecken.
* * * * *
Nach acht Tagen kam die Mutter zurück.
Des Kindes wegen.
„Die Kindheit eines Menschen ist entscheidend. Wie es auch gewesen sein
mag, Heinrich, das was zwischen uns beiden ist, ist Nebensache. Mein
Entschluß ist: ich bleibe ... Ich kann nicht anders ... Und dabei bleibe
ich auch: die Todesstrafe anzuwenden innerlich berechtigt ist man meiner
Meinung nach nur solchen gegenüber, die ein System, dem dieses Greuel
zugehört, mit Gewalt aufrecht erhalten wollen ...“
* * * * *
Seit jener Nacht aber war die Mutter eine andere geworden.
Etwas seltsam, absonderlich, sagten die Leute, es muß ihr etwas auf die
Nerven gegangen sein ... Vielleicht auch eine Gemütskrankheit ... Sie
achtete nicht mehr auf die Kleidung, tagelang aß und trank sie nichts,
sie entließ das Mädchen, machte jede Arbeit selbst.
Als der Vater ihr einmal darüber Vorhaltungen machte, das entspreche
doch ihrem Stand nicht, bekam sie einen Anfall. Die Befürchtung
entstand, sie werde über kurz oder lang irrsinnig.
Sie gönnte sich keine Freude mehr. Das dritte Wort hieß: sparen.
Stundenlang saß sie auf dem Balkon, ihre Lippen bewegten sich, sie
nickte mit dem Kopfe, seufzte ...
Vater und Mutter: jeder von beiden ging von da ab seinen Weg allein.
Nur wenn die Sprache auf Peter kam, auf Peters Begabung, Beruf, Zukunft,
dann kreuzten sich für einen Augenblick die beiden Wege, um sich gleich
darauf wieder in entgegengesetzter Richtung zu entfernen. –
V
Und wieder überzog Peter die Erinnerung an den Krieg wie ein dumpfes,
dunstig-tropisches Gewitter:
Da stand der Mensch inmitten platzender Brisanzgeschosse, von
Giftgasnebeln eingeschwadet, unter einem Phosphorfeuerregen, wie unter
einer kreidig-weißen Branddusche. In einer der Taucherkleidung ähnlichen
Uniform gekleidet, die alle seine Bewegung schwerfällig und ungelenk
machte, einen Gasmaskenhelm aufgestülpt, der oben eine oval abgeflachte
Stahlkuppel bildete, der Filteransatz in der Mundgegend: ein kurzer
dicker Rüssel. Schrauben, Griffe, Hebel, Manometer rings an den Hüften;
ein Schläuche-Durcheinander und Drahtgeflechte umspannten den Leib ...
Und nun, wie ein dem ganzen Körper dicht aufgelegtes Pflaster umschloß
ihn diese Uniform, sog, mit dem Giftgas durchtränkt, juckende Blasen auf
der Haut; schon beginnen jauchige gangränartige Wucherungen in Luftröhre
und Kehlkopf; blutiges Erbrechen; es ist ein langwieriges Ertrinken
unter Todesangstschweiß austreibenden Erstickungsanfällen in der eigenen
Körperflüssigkeit; die Lunge schwemmt sich auf, wie ein mit Wasser
vollgesogener Schwamm, um das vielfache ihres ursprünglichen Volumens;
Haut und Uniform werden dabei eins, eine gallertartige nässende, mit
Geschwüren durchklebte Masse, und die Uniform-Haut, die Haut-Uniform
schält sich ab ... und da stand nackt und bloß der Mensch, ein
unförmiges Stück rohen blutigen Fleisches, ausgenommen wie ein
geschlachtetes Vieh bei lebendigem Leib, geschunden nach allen Regeln
der modernen Wissenschaft und Kriegskunst. Die Sonne drückt nieder vom
Himmel als ein glühender Stempel: der ganze Leib wird wie mit flüssigem
Feuer eingebrannt. Und nun quellen ihm noch die geronnenen Augen aus den
schon kohlig vermorschten Stirnhöhlen, zwei weißliche Kugeln, wie bei
einem Fisch, den man siedet ...
Und dieses Stück rohen blutigen Fleisches, das sich Mensch nennt, bewegt
sich, lebt: es ist ein Mensch, es sind ihrer viele, es ist ein ganzes
Menschenvolk, ein ganzes Volk roher blutiger Fleischstücke, mit und ohne
Arm, mit und ohne Bein, kopflos und welche mit bläulich gedunsenen
Köpfen: sind es schon oder sind dazu bestimmt, es in Bälde zu werden;
und die so einem entsetzlichen Schicksal Ausgelieferten beginnen zu
leben, lebendig zu werden, gewinnen das Bewußtsein über sich selbst,
schließen sich zusammen, Blutendes an Blutendes, und marschieren eines
Tages aus Mietskasernen, Fabriken, Massengräbern hervor, hinauf auf die
breite Straße, wo die große, schöne, die heitere, die weite, die
sorglose, die glückliche Welt blüht, wo es thront und promeniert: ein
Trompetenstoß: Achtung, ihr feinen Damen und Herren: stinkendes, rohes,
blutiges Menschenfleisch kommt; ja es kommt, wälzt sich daher wie ein
fauliger Strom, brüllt vor Schmerz, flucht im Chor und knurrt ... Die
Damen raffen ihre Röcke hoch: Vorsicht, daß wir nicht schmutzig werden;
die Herren blicken betrübt auf ihre blutbesudelten Lackspitzen und
Gamaschen ... Nein, die hitzigste Sonne brennt so heiß nicht wie diese
Wundenflecken, so rot wie diese Wundenfarbe ist nie eine Sonne ... und
aus den von Kolbenschlägen zerschmetterten Gebissen, an denen noch wie
an einem Faden an einem Sehnenstrang halbe, dreiviertel Unterkiefer
herumhängen, pfeift, trillert und zirpt ein Gesang: „In der Heimat da
gibts ein Wiedersehen ...“
„Bitte zurücktreten!“ schnauzt der Offizier das blutende Stück
Menschenfleisch an, als es den Absperrungskordon durchbrechen will, der
um den großen Platz, auf dem soeben die Heldengedenkfeier stattfindet,
gezogen ist.
„Ich hatt einen Kameraden!“ spielte eben die Militärkapelle.
Blutige Fackeln leuchten.
„Ich bin der unbekannte tote Soldat!“ Spricht das blutende Stück
Menschenfleisch! „Ich wünsche das Wort zu diesem Thema. Auch ich habe
einiges dazu zu sagen. Ich möchte sprechen.“
„Treten Sie bitte nicht näher ...“ „So eine Gemütsroheit! So eine
Taktlosigkeit!“ zetern schon einige Kleinbürgerseelen drauf los und
ballen wutentbrannt die Fäuste. „Was fällt Ihnen denn eigentlich ein!
Schämen Sie sich denn gar nicht!? In so einem Aufzug, und dazu noch am
hellichten Tag! Splitternackt! ... Sie erregen öffentliches Aergernis!
Das ist ja ein Skandal sondergleichen! Unsere Ruhe wollen wir haben!
Leichenpack! Das ist einfach schofel ...“ „Zurück! Sonst muß ich von
meiner Waffe Gebrauch machen. Ich habe strengste Instruktionen,
rücksichtslos vorzugehen ... Verhalten Sie sich ruhig und stören Sie den
Ernst und die Weihe der Feier nicht! Der Herr Generalfeldmarschall
spricht ...“
„Wer ...!?“
„Bitte sehr, ein letztes Mal, oder ich schieße. Sie haben hier nichts zu
suchen ...“
Aber schon flitzen die Gummiknüppel, die Bajonette stellen sich
wagrecht, die berittene Hundertschaft zur besonderen Verwendung
galoppiert heran, ein Panzerwagen knattert ...
„Sie haben, scheint’s, an einem Tod nicht genug ... Gebt Euch endlich
zufrieden ... Hinunter ins Massengrab oder hinauf wieder ans Kreuz mit
Euch! Als aufbauende Glieder der Volksgemeinschaft kommt Ihr, so wie Ihr
seid, heute nicht mehr in Betracht ...“
In diesem Augenblick stößt ein anderer Zug gegen die Polizeikette, eine
rote Fahne an der Spitze, kräftig tönt der Gesang:
„Einst kommt der Tag, da wir uns rächen,
Dann werden wir die Richter sein ...“
„Das sind die Sachverwalter, die wirklichen Wahrer unseres ungeheueren
kostbaren Schmerzensguts ...“ sprechen die zusammengehauenen blutenden
Fleischstücke ... „in deren Hände hat die Zukunft die Vergangenheit als
Erbmasse gelegt. Darin ist auch unser Schicksal mit inbegriffen.“ –
* * * * *
Mit einem Ruck fuhr Peter aus dem Traum auf, schrie „Jonny“ und beinahe
in greifbarer Nähe stand vor ihm jener arme Teufel vom amerikanischen
Gasregiment, den er bei einem Sturmangriff auf einen der gefährlichsten
feindlichen Minenstollen zum Gefangenen gemacht hatte.
Jonny hatte weder um Pardon gefleht, noch hatte er sich zur Wehr
gesetzt. Mit einem unglaublich traurigen Ausdruck in den Augen sah er
den Deutschen an und drückte ihm einfach herzlich die Hand, als der die
bereit gehaltene Handgranate nicht abzog.
Jonny war der einzige Sohn eines kleinen amerikanischen Farmers,
arbeitete bei Kriegsbeginn in einer Seifenfabrik und war dann zum
Gasregiment eingezogen und gleich darauf nach Edgewood, dem großen
amerikanischen Kriegsarsenal abkommandiert worden.
Drei Monate lag er in Edgewood, dann kam er an die Front.
Auf dem Rücktransport verständigte sich Peter durch einen Dolmetsch mit
ihm und erfuhr, wie dort an lebenden Menschen die Gasschutzmasken und
die bei einer Gaserkrankung anzuwendenden Gegengifte ausprobiert werden.
Zuerst das Tierexperiment, dann der Mensch ...
„Das ist ja Vivisektion!“ entfuhr es Peter und der Amerikaner nickte.
Auch hatte jeder Soldat eine sogenannte zweite eiserne Ration bei sich,
ein Mittel, das im Fall einer Gasvergiftung bei bestimmten Symptomen
gebraucht werden sollte. Dieses Mittel war ein sofort tödlich wirkendes
Gift, das dem über alle Maßen schrecklichen Gastod zuvorkam. Auch
bestand die Absicht, im Fall der Verwendung des Giftgases von Flugzeugen
herab dieses Mittel an die Zivilbevölkerung aller bedrohten Städte
verteilen zu lassen ...
„Ihr an eurem Frontabschnitt scheint ja im Mond zu leben“, bemerkte der
Dolmetsch, als er sah, wie sich Peter darüber wunderte. „Ist bei uns
genau so ... Keine Neuigkeit. Gegen das Giftgas ist bisher auf der
Menschenerde leider noch kein Kraut gewachsen. Da mühen sich selbst die
größten Autoritäten vergebens. Schutz gegen Gas läßt sich nur durch
Maßnahmen schaffen, die praktisch undurchführbar sind ... Wie viele von
uns verunglückten täglich beim Ausprobieren der Gasschutzmaske im
Gasraum! Aber auch das minderwertigste Zeug wird von den Fabriken
geliefert. Das Schlechteste auf diesem Gebiet ist eben gerade noch für
das Frontschwein gut genug. Der nackte und bloße Mensch ist das
billigste Material. Das ganze „Drum und Dran“ verteuert zu sehr die
Sache. Aber der Spaß muß sich rentieren ... Und nicht genug damit: ist
einer einmal gaserkrankt, dann beginnt im Lazarett das Herumdoktern.
Doch Schwamm darüber ... Wer es nicht miterlebt hat, glaubt es ja doch
nicht ...“
* * * * *
Die Unterhaltung zwischen dem Deutschen und dem Amerikaner aber sollte
nicht lange andauern, ein dicker, untersetzter, schwammbackiger
Feldwebelleutnant kam dazwischen, und kaum, daß er des Amerikaners
ansichtig geworden war, holte er seine Repetierpistole hervor, fuchtelte
ein paarmal wild damit in der Luft herum und knallte Jonny mit den
Worten: „So ein Luder!“ nieder ...
„Du Vieh!“ schrie damals Peter auf und löste die Handgranate von der
Koppel.
Herbeistürzende Kameraden machten dem Zwischenfall, der ohne weitere
Folgen für die Beteiligten blieb, rasch ein Ende ...
Eine Woche darauf wurde Peter, durch einen Bajonettstich in den
Oberschenkel verwundet, ins Lazarett abtransportiert.