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Noch einige Stücke. Ein Violinsolo. Ein Marsch, auf besonderen Wunsch
des Oberstleutnants, und der Trio-Abend war beendet.
Man blieb nun noch bis über Mitternacht gemütlich zusammen.
„Die Einwohner müßten sich zum Schutze ihres Eigentums zusammentun, für
Ruhe und Ordnung, gegen Bürgerkrieg und Anarchie.“
„Ist schon erwogen bezw. beschlossen.“
„Im übrigen: was unsere Revolutionäre anbetrifft, vom Schlage solcher
Bürschchen wie Toller, die jetzt den Mund so voll nehmen, so dürften die
uns nicht besonders gefährlich werden. Sie sind eitel bis zum
Ueberlaufen, man muß sie hätscheln, ausgemachte Windbeutel, mit denen
nicht fertig zu werden, das wäre zum Lachen ... Man muß sie nur ein
wenig mit einer Verbeugung vor ihrer Genialität, wovon sie natürlich
keine Spur besitzen, kitzeln, man muß ihnen geschickt durch die Presse
einreden, sie hätten eine weltgeschichtliche Mission, dann strecken sie,
von sich selbst fasziniert, eitel bis zum Brechreiz wie sie sind, gleich
alle Viere von sich und man kann alles, was man nur will, mit ihnen
anstellen. Da sind die Bolschewisten schon andere Kerle, aus einem Guß,
die wenigstens wissen was sie wollen. Mit denen ist nicht gut Kirschen
essen. Russische Glut, amerikanische Gründlichkeit: das sind ihre
Hauptqualitäten, das muß ihnen auch ihr ärgster Feind lassen ...“
„Gewiß auch in der Schule weisen wir jetzt in jeder Unterrichtsstunde
darauf hin, welche Gefahren dem deutschen Vaterlande drohen. Na, unsere
Jungens sind alle Gott Lob und Dank vernünftig und würden sich sofort
wieder zur Verfügung stellen wenn es losgeht ...“
„Sicher auch Ihr Herr Sohn“, zwinkerte der Dekan zu Peter hinüber, der
wie versteinert dasaß.
„Aber das ist ja selbstverständlich!“ antwortete für ihn der Vater. „Er
ist gegen jede Art bolschewistischen Giftes gefeit. Im Trommelfeuer zu
einer undurchdringlichen Panzerhaut geschmiedet. Ein Friedjung und
Bolschewist: das scheidet sich wie Feuer und Wasser.“
„Das meine ich auch!“ lächelte der Dekan befriedigt.
Man tat noch einen langen Zug aus der Zigarre, leerte den Rest aus dem
Bierglas und stand auf.
„Also sagen wir Dienstag, nächste Woche!“
Man stand schon an der Tür.
„Aber wollen wir so auseinandergehn, nach solch einem Abend, es ist ja
immerhin in gewisser Weise das Willkommfest des jungen Herrn Friedjung
gewesen. So unverbindlich auseinandergehn, ohne ...“
Alle stimmten begeistert dem Vorschlag des Redakteurs zu.
Der Landgerichtsdirektor saß wieder am Flügel.
„Aber pst! Leise bitte!“ mahnte der Dekan, „sonst habe ich
Unannehmlichkeiten.“
Und sie sangen mit gedämpften Stimmen:
„Deutschland über alles.“
Peter sang nicht.
Er sprach leise für sich ganz nüchtern und trocken den Text nach. Wie
ein mechanischer Kontrollapparat. Dabei beobachtete er scharf die
Sänger. Und beim letzten Vers sprach er halblaut mit:
„I–h–r ... e–l–e–n–d–e–n– ... S–c–h–u–r–k–e–n.“ –
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Unten verabschiedeten sich sogleich die Herren.
Bratz schlug vor dem Oberstleutnant die Hacken zusammen, stand stramm.
Peter verbeugte sich kaum.
Bratz ging noch ein Stück mit den beiden Friedjungs. Er hatte das
Monokel wieder eingesteckt.
„Vorsicht ist am Platz. Meine Devise ist: das Leben so teuer wie nur
möglich zu verkaufen ...“
Und zu Peter gewandt fragte er:
„Wahrscheinlich werden Sie nun doch studieren!? In Berlin vielleicht.
Ich kann Ihnen für einige Korps Empfehlungen geben ...“
„Ich danke“, erwiderte Peter kalt.
Bratz schnitt mit dem Stock durch die Luft, daß es pfiff.
„Hören Sie, das ist der preußische Pfiff ... Bald kommt der große, der
heilige, der entscheidende Tag ...“ Dazu summte er schmalzig eine
Melodie. „Wissen Sie woraus das ist. Nein?! Aber ... Wagner
„Tannhäuser“, dritter Akt ...“
„Ich denke an den armen bemitleidenswerten Oberstudienrat. Wie Söhne zu
Fallstricken für ihre Väter werden! Armer alter gebrochener Mann ...“
Sinnierte der Landgerichtsdirektor. –
Es war ein öffentliches Geheimnis: Dr. Reuchlins Sohn war wegen Meuterei
und Hochverrat im Felde vor ein Kriegsgericht gestellt, zum Tode
verurteilt und erschossen worden.