Peter fand seine Eltern zu Hause in niedergedrückter Stimmung.
Zwar hing ein Kranz mit „Willkommen“ und schwarzweißroter Schleife über
der Tür, aber die ausgeweinten Augen der Mutter verrieten ihm, daß sie
schon viele Tage und Nächte hindurch an einem Wiedersehen mit dem Sohne
gezweifelt hatte.
„Da ist er ja!“ umarmte ihn der Vater. „Nun also doch! Als ein tapferer
deutscher Held bist du uns wiedergeschenkt. Du hast dich auch rein
gehalten, das seh ich dir an. Flecken- und makellos hast du dir das
Schild deiner Ehre erhalten. Und das eiserne Kreuz! Nun kann ich mich
beruhigt sterben legen ... Welch eine Freude!“
„So, Peter, gut so, daß du wieder da bist!“ begrüßte ihn die Mutter, die
indeß weißhaarig geworden war und eine gebückte Haltung hatte.
„Nun ruh’ dich aus! Der Krieg ist ja zu Ende.“
Dies sagte sie in einer merkwürdig singenden Sprache, in einem Tonfall,
den Peter bisher noch nie an ihr wahrgenommen hatte.
Peter schwieg. Er stand da, mitten im Zimmer, den Stahlhelm noch immer
unterm Arm. Er hatte Tränen in den Augen.
Aber das, wie es die Mutter gesagt hatte, klang so, als ob der Krieg
garnicht zu Ende sei, nie auch zu Ende sein könnte, als ob er
weitergehe, und nur ein Schlachtfeld mit dem anderen sich vertauscht
habe, vielleicht sogar: Volksgenosse gegen Volksgenosse. Nach den
letzten Ereignissen zu schließen: ja, vielleicht sogar mitten in
Deutschland: der Muskel gegen den Nerv, Sehne wider Sehne, das Mark
eines Volkes gegen das Mark, das Herzinnere gegen das Herzinnere ...
Klang es nicht so, was die Mutter gesagt hatte, als ob man überhaupt nie
zu Ende kommen könne damit, als ob dieser Krieg nur ein Vorspiel, ein
harmloses sogar, gewesen sei, und als ob die Rückkunft ins Elternhaus
für Peter auch nur eine kurzbemessene Rast sei, um bald darauf wieder
...
Als ob der Krieg sei wie ein Strom ... Nun, da Frieden ist, fließt
unsichtbar er dahin, unterirdisch, überschüttet von irrnisblendendem
Gestein, um auf einmal aber, denen nur unerwartet, die das
Bewegungsgesetz des Stromverlaufs nicht kennen: stäubend, gurgelnd,
strudelnd auf die Erde wieder hervorzubrechen.
„Nein, der Krieg ist nicht zu Ende!“ schrie es in Peter innerlich auf,
als er seiner Mutter in die Augen sah, in die angstverzerrten,
kümmernisstumpfen Augen. „Der Frieden, das ist ja ein ganz ungeheuerer
Betrug, eine Art Betäubungsmittel, Beruhigungspulver ... Der Krieg hat
begonnen, um nicht mehr zu enden. Seuchenisolierbaracken, Lazarette, ja
so, genau so wie ich sie gesehen und erlebt habe: weiterbauen werden die
sich durch den ganzen Weltraum hindurch ... Jetzt schläft er; der Krieg
hat sich ein wenig nur hingelegt, um zu schlafen; der Krieg, hört ihr
es, schnarcht. Der Krieg schläft seinen Blutrausch aus ... Dann steht er
wieder auf, frisch, kräftig, hungrig, unersättlich, wie er ist, schwingt
sich in die Lüfte, fliegt! fliegt! fliegt! Ja, fliegen wird er diesmal
und einen giftigen Samen niederstreuen, Giftgas, Samen: Gas, Gas, Gas
... Und aufgehen wird dieser Samen, ein entsetzliches Geschwür in jeder
Menschenbrust, als brandiger, blasenziehender Aussatz über der ganzen
Hautfläche, als eine Wucherung, die wüsten Wahnwitz in jedem Gehirn
zeugt ... Welch eine Tiefen-Wirkung! Tod wird er ernten in Hülle und
Fülle ...
„Wer aber ist der Krieg!?“
„Die Menschen!?“
„Und welcher Art Menschen sind es!?“ –
* * * * *
Nach Tisch stand der Vater auf, zog sich an und fragte Peter:
„Kommst du mit zum Trio!?“
Mit einem Blick auf die Mutter sagte Peter zögernd ja ...
Auf dem Hinweg begann der Vater:
„Du weißt doch Peter, daß du nicht den Oberstudienrat Dr. Reuchlin nach
seinem Sohn fragen kannst. Das ist ein wunder Punkt. Nicht daran rühren!
Der alte Mann ist zu bedauern. Man muß sehr taktvoll und zurückhaltend
sein. Schrecklich, so ein Schicksal.“
Peter nickte nachdenklich.
„Das war doch ein wunderbar prächtiger Bursche, der junge Reuchlin, ich
verstehe das nicht ...“
„Ja, mir ist das auch ein Rätsel. Geistige Umnachtung unter Umständen,
Verwirrtheit wahrscheinlich. Anders ist das nicht zu erklären ... Und
welche Sorgfalt in der Erziehung hat er seinem Jungen angedeihen lassen
... Merkwürdig, wie ein Mensch so aus der Art schlagen kann ...!“
* * * * *
Am Trio, das regelmäßig einmal in der Woche in der prächtig
ausgestatteten Achtzimmerwohnung des unverheirateten Dekan Lampert
stattfand, nahmen teil die Herren Fabrikbesitzer Joachim Hellmer,
Oberstudienrat Dr. Reuchlin und Peters Vater, der Landgerichtsdirektor
Dr. Friedjung.
Diesmal waren noch zugegen als Gäste Oberstleutnant Hugenberg, Emil
Freywolf, Redakteur einer größeren liberalen Tageszeitung,
Kriegsberichterstatter, und ein gewisser Paul Bratz, der in der
Gesellschaft als eine ausgesprochene Abenteurernatur galt, früher
Leutnant der Schutztruppe, während des Krieges aber dauernd aus dem Heer
wegen chronischer Trunksucht beurlaubt; er lungerte in dieser Zeit in
allen Sanatorien Deutschlands herum und interessierte sich für
Frauenjagd.
Die Gesellschaft war schon versammelt, als Dr. Friedjung und sein Sohn
eintraten.
Die meisten Herren kannte Peter schon.
„Und wie er sich verändert hat! Mein Sohn, viel männlicher, ganz zu
seinem Vorteil.“
Breit und behäbig, wie ein Luther-Standbild, pflanzte sich der Dekan vor
Peter auf.
„Na ja, der Krieg ist der beste Lehrmeister! Da sehen Sie mal wieder!
Gott hat seinen Anteil daran. Gott hat gewollt, daß gerade wir dieses
Gericht vollziehen sollen, und die Reinheit des sittlichen Gewissens ist
auf unserer Seite. Wie der Ausgang des Krieges in Uebereinstimmung mit
dieser Tatsache zu bringen ist: Gottes Rat ist unerforschlich.
Wahrscheinlich haben sich große Volksteile Deutschlands, vor allem die
unteren Schichten, an die Arbeiterbevölkerung der Industriebezirke denke
ich da vor allem, noch nicht als genügend geläutert für diese göttliche
Aufgabe erwiesen. Wir gehen schweren Zeiten entgegen. Doch die Jugend
gehört uns und damit die Zukunft, und wenn die ganze Jugend Deutschlands
aus lauter Friedjungs bestünde: dann, dann kann Deutschland nicht
untergehen ... Nun, mein Sohn, nimm Platz ...“
Noch einen Augenblick verharrte der Dekan bei seinem Augenaufschlag.
„Nun, habe ich es nicht immer gesagt, den preußischen Leutnant macht uns
so leicht niemand nach ...“
Herr Bratz holte das verborgene Monokel hervor und klemmte es fest.
Landgerichtsdirektor Friedjung bedankte sich nach allen Seiten hin für
die Gratulationen.
Nur dem Oberstudienrat Dr. Reuchlin drückte er stumm die Hand.
„Wird schon wieder werden ... Nur Kopf hoch! Mut ...“
„Ein Junge mit solcher Begabung wie der Ihre, Herr Landgerichtsdirektor
... ich schlage vor: Bankfach. Das ist heute noch am aussichtsreichsten
...“
Der Fabrikbesitzer fand allseitige Zustimmung.
„Ich wäre natürlich auch bereit, ihn bei mir unterzubringen ... Ich
brauche absolut zuverlässige, gegen jedes Streikgelüste immune Leute,
heutzutage mehr denn je ...“
Inzwischen hatten der Redakteur, der Oberstleutnant, Herr Bratz, eine
Gruppe gebildet.
„Richtig so, ganz so ist es, wie Sie sagen: Der Krieg ist nicht nur ein
notwendiges Element im Völkerleben, sondern auch ein unentbehrlicher
Faktor der Kultur, ja die höchste Kraft und Lebensäußerung wahrer
Kulturvölker.“
Der Oberstleutnant ergänzte begeistert den Redakteur:
„Nicht nur eine biologische Notwendigkeit, sondern auch eine sittliche
Forderung und als solche ein unentbehrlicher Faktor der Kultur ...“
„Meine Herren! Lassen Sie sich schildern, wie die Zivilisation in den
Kolonien vor sich geht. Wir brauchen Kolonien, das ist eine
Lebensnotwendigkeit für das deutsche Volk. Kolonialarbeit ist aber
notwendigerweise Blutarbeit und durchaus durch die Verdrängung des
Heidentums durch das Christentum gerechtfertigt. Wir sind immer mal
wieder gezwungen, da unten einen großen Kehraus mit den Schwarzen zu
machen. Selbst Ausrottung ganzer Stämme mitsamt ihren Stammsiedelungen
sind dabei leider Gottes nicht zu vermeiden ... Kultur! Kultur! ... Und
überdies zum vorigen Thema: Sie haben ja die Ermordung des
österreichischen Thronfolgers gestreift: ich sage: wenn je ein Blutopfer
eine befreiende, eine erlösende Wirkung gehabt hat, so war es dieses
...“
Die Gruppe löste sich wieder auf und schloß sich der allgemeinen
Diskussion an.
„Im übrigen: meine Ansicht ist die: die Sozialdemokraten, mag man gegen
sie haben was man will, die müssen jetzt die Sache schmeißen. Wir müssen
uns auf eine Politik auf lange Sicht einrichten ... Unsere Zeit kommt!
Abwarten ...“
Bratz widersprach energisch dem Fabrikanten.
„Nein, nun ganz und gar nicht.“ Er sprach von illegalen Organisationen,
Attentaten, Verschwörerklubs, Kampftrupps, die sofort aus den aktivsten,
zuverlässigsten vaterländischen Elementen gebildet werden müssen, um den
Novemberverbrechern energisch auf den Leib zu rücken ... „Wie Sie sehen:
die Arbeiterschaft ist in zwei feindliche Lager geteilt. Die Sozialisten
werden nicht umhin können, im Kampf gegen die Spartakisten sich unserer
Hilfe zu bedienen, wir werden und müssen uns diese Dienste so teuer wie
nur möglich bezahlen lassen ... Der Mohr hat seine Schuldigkeit getan,
der Mohr kann gehen ... So wird man uns nicht abfinden. Nie und
nimmermehr ...“
„Meine Herren, streiten wir nicht! Ich bin für zwei Eisen im Feuer!“
vermittelte der Dekan. „Auf legale Art und auch die Vorschläge des Herrn
Bratz dürfen wir nicht ganz und gar außer acht lassen ... Dem Volk muß
die Religion auf jeden Fall erhalten bleiben. Denn nicht auf
Gescheitheit oder Dummheit des Einzelnen kommt es an, sondern auf die
Erlösung der Seele. Was für den Einzelnen gilt, gilt auch für das Ganze.
Einkehr, innere Wandlung, das ists, was vor allem not tut.“
Nun sprach auch Peters Vater:
„Die Hauptsache ist, daß die Staatsautorität erhalten bleibt. Ich
meinerseits habe bei den Sozialdemokraten seit Kriegsbeginn nichts
gelesen, was der Lehre von der Unantastbarkeit des Staates zuwiderliefe.
Im Gegenteil, ihre Partei hat sich während des Krieges ihre nationale
Vergangenheit geschaffen! ... Und meine Herren, die Staatsform kann uns
doch schon wirklich ganz egal sein, auf den Inhalt kommt es an.“
Der Oberstleutnant fiel ihm ins Wort:
„Allerdings, jetzt heißt es Schritt für Schritt, so zäh wie nur möglich,
unsere Positionen verteidigen, die Sozialdemokraten regieren lassen,
heimlich ihre Regierung infamieren und sie so in den weitesten
Volkskreisen unmöglich machen, und zwar ein für allemal, um dann, wenn
so der Staatsapparat relativ intakt in unserer Hand bleibt, eines Tages,
wohlbemerkt, ich rechne mit Jahren, zum Generalangriff überzugehen ...
Meine Herren! Man kann die Erfahrungen des Krieges auch auf den Frieden
anwenden ... Jedenfalls, eine Voreiligkeit, eine zu frühe öffentliche
Preisgabe unserer Entschlüsse könnte uns teuer zu stehen kommen. In
diesen Tagen der roten Hochflut wird auch der geringste taktische
Fehler, meine Herren, mit Blut bezahlt ...!“
„Es ist schon so!“ bestätigte auch der Oberstudienrat Dr. Reuchlin, „man
muß mit den Wölfen heulen. In unserem Herzen sind und bleiben wir
Monarchisten, jawohl. Aber in der Praxis könnte es sogar unter Umständen
möglich sein, daß wir uns mit der Republik abfinden. Wer will
prophezeien, es könnte gar der Tag kommen, wo wir die treuesten Stützen
der Republik sind ... Spotten Sie nicht, schütteln Sie nicht ungläubig
die Köpfe ...“
„Oh!“ rief pathetisch Bratz dagegen ... „wenn der Schicksalstag naht,
und wäre über uns Ragnarök, die Götterdämmerung verhängt, dann lieber in
tobender Schlacht als in schleichendem Siechtum ...“
„Auch ich finde, Dr. Reuchlin, das klingt bedenklich nach Kant,“
philosophierte jetzt der Dekan. „Also Monarchie wäre demnach die einzige
rationelle Staatsform, aber sozusagen nur als ein Postulat der
praktischen Vernunft, deren Verwirklichung zwar nie erreicht wird, deren
Erreichung aber stets als Ziel angestrebt wird und in der Gesinnung
festgehalten werden muß ... Auch christlich terminologisch ließe sich
das ausdrücken ...“
„Meine Herren,“ knurrte jetzt der Oberstleutnant dazwischen, „ich finde,
das Gespräch führt uns jetzt zu weit ab ... Besser ist: wenig davon
sprechen. Immer daran denken ...“
„Jawohl, auf die Tat kommt es an,“ schloß Bratz ...
* * * * *
Der Landgerichtsdirektor saß am Flügel.
Der Fabrikant stimmte die Violine.
Oberstudienrat Dr. Reuchlin bediente das Cello.
„Wir haben das letztemal Beethoven geübt. Wir wollen sehen, was davon
hängen geblieben ist.“
Das Trio begann.
Der Landgerichtsdirektor zählte den Takt mit ...
Verstreut saßen der Redakteur, der Oberstleutnant, der Dekan, Bratz und
Peter im Zimmer herum.
Der Dekan dachte an die Sonntagspredigt. Man mußte vorsichtig sein und
alles in Gleichnissen ausdrücken; auch machte ihm die Möglichkeit einer
Abtrennung von Kirche und Staat einige Sorgen. Für die Predigt am
kommenden Sonntag suchte er noch immer den passenden Text. Er war
bekannt dafür, daß er so ergreifend sprach, daß die Leute weinten ... Da
fiel ihm jenes berühmte Pauluswort ein: „Und hättet der Liebe nicht
...!“ In der Tat vortrefflich. Er zog ein Notizbuch und skizzierte die
Disposition. Natürlich Liebe, Liebe und nochmals Liebe: Christentum und
Sozialismus, Sozialismus und Christentum: nur zwei verschiedene
Ausdrücke für im Grunde ein und dasselbe. Versöhnend wirken! Und zu was
Besserem könnte man auch in solchen Zeiten ermahnen, als zur Liebe,
innerer Einkehr, Arbeit an sich selbst; die Staatsform und die äußeren
sozialen Fortschritte erst in zweiter Linie. Der Mensch ist die
Hauptsache, der innere Mensch, auf das Seelenheil des Menschen kommt es
an ... Und die Klänge des Trios beschwangen ihn: er notierte fieberhaft,
und als die Herren mit einem wunderbaren _piano pianissimo_ geschlossen
hatten, wobei besonders die Violine ergreifend zur Wirkung kam, sprang
er freudigst erregt auf:
„Danke, meine Herrn! Hier meine Sonntagspredigt! Vortrefflich gelungen
...“
* * * * *
Peter hatte während des Konzerts allerlei groteske Einfälle.
„Das Frontschwein badet im Konzert!“ Oder, „Ohrenschmarrenschmaus“
und „Sonntagspredigtbraten“, „Ragout aus sanftlebigem
Oberkonsistorialrat-Fleisch“ usw. Auch betrachtete er geradezu mit einem
wollüstigen Ingrimm den Herrn Bratz neben sich, diese beständig nervös
grimmassierende Monokel-Fratze ...
Aber auch der Journalist war nicht müßig geblieben.
In seinem Gehirn stand schon der Leitartikel „Vom neuen Zeitgeist“ fix
und fertig. Hier waren die Sünden und vielen Fehlerhaftigkeiten des
alten vergangenen Regimes scharf und präzis kritisiert, dann aber auch
das Gute, Edle und Wahre vergangener Zeiten sorgfältig und liebevoll
dargestellt, das es nun weiter zu pflegen und zu hegen gelte, und am
Schluß war als Bilanz die beschwörende Formel gegen den Bolschewismus
und gegen die alle geistigen und sittlichen Kulturwerke bedrohende
Anarchie angebracht. Einige Berichte Reisender aus Rußland, Greuelszenen
voll phantastischer Anschaulichkeit waren nicht ungeschickt
eingeflochten und vor allem volltönend und warnend zugleich war die
Stimme, die er für die Unantastbarkeit des Privateigentums erhob.
Bratz dagegen döste zwischen „Farbenklavier-Klavilux“, „Sonnenmaschine“
und der „Wirkung des Grammophons auf Neger“ dahin und dachte dann
konzentriert an Lucie, ein Rasseweib, Kellnerin in einer Bar, und wie
man Geld auftreiben könne, die Weiber kosten Geld, das ist eine alte
Sache. Vielleicht gehts mit einem Spielklub, der vaterländische
Verschwörerklub, dem er auch nebenbei angehörte, war noch nicht recht in
Schwung, die Geldgeber zogen noch nicht, doch was nicht ist, kann
immerhin allemal noch werden ...
Der Oberstleutnant gab sich willig der Musik hin.
Zwar Marschmusik ist es nicht, überlegte er, auch reizen Blasinstrumente
nicht so sehr zum Träumen. Aber Kunst ist es, erhaben und großartig. Nur
die Künstler, das ist eine andere Sache ... Gegenüber dem
undisziplinierten Beethoven da war doch Goethe ein ganzer Kerl ... Und
dann bemerkte er unwillig, daß er Zivil trug. Die schöne alte Uniform.
Vielleicht werde ich es noch einmal erleben: Sonnenglanz, die Brust voll
Orden, die Straßen zur Parade abgesperrt ... schon dröhnt der
Stechschritt ...