7. Die Kerguelen

Zwischen dem 48. und 50. südlichen Breitegrad und dem 68. und 71.

östlichen Längegrad liegt eine Inselgruppe, deren Flächeninhalt etwa

180 Quadratmeilen beträgt. Die Kerguelen, wie die Gruppe zu Ehren ihres

Entdeckers genannt wird, setzen sich aus einer Hauptinsel und aus nicht

weniger denn 130 größeren und kleineren Inselchen zusammen.

Bei der Nennung ihres Namens tauchen eigenartige und fesselnde

Erinnerungsbilder auf. Die Berge sind teilweise mit ewigem Schnee

und in Gletscher auslaufenden Firnfeldern bedeckt; Fjorde, oft von

Steilabstürzen begrenzt und von Basalttrümmern umzäunt, schneiden

tief in das Land ein; tafelförmige Terrassen, aus horizontalen

Basaltschichten sich aufbauend, prägen der vulkanischen Landschaft

ihren Charakter auf; aus zahllosen Süßwassertümpeln sammeln sich

die Schmelzwasser, um in malerischen Kaskaden über die Steilwände

der Fjorde herabzurauschen; grüne Matten, gebildet aus einer

eigenartigen Flora, bedecken das flache Vorland und ziehen sich oft

weit an den Hängen hinauf, und endlich wird dies alles belebt von

einer überwältigend reich entfalteten Vogelwelt, die an anmutender

Harmlosigkeit mit den den Strand bedeckenden Elefantenrobben wetteifert.

Auf Cook machten die Inseln einen so trostlosen Eindruck, daß er sie

Desolation-Islands (Inseln der Verwüstung) nannte. Auch die späteren

Besucher stellten sie uns als ein ungastliches Nebelland dar, in

dessen Fjorde der Wind, bald Regen, bald Schnee mit sich führend, mit

unerhörter Gewalt stößt.

Der Eindruck, den sie auf den Besucher machen, dürfte freilich nicht

unwesentlich von den frischen Rückerinnerungen an von der Natur

milder und reicher ausgestattete Regionen beeinflußt werden. Wer das

üppige, sonnige Kapland mit seiner Blütenpracht verlassen hat, um den

Kerguelen zuzustreben, wird dieses sturmgepeitschte Nebelland, das

meist neidisch den Ausblick auf sein malerisches Hochgebirge versagt,

düster und ungastlich finden. Wer aber, wie wir, seit dem Verlassen

Kapstadts 52 Tage lang das antarktische Meer durchfuhr, nur eine in

Eis gepanzerte Insel zu Gesicht bekam und wochenlang, oft von schweren

Stürmen gerüttelt, nur Treibeisfelder und Eisberge sah, dem erscheinen

die Kerguelen fast in paradiesischer Pracht. Es war, als ob sie sich

zur Feier unserer Ankunft in ihr Festgewand gekleidet hätten; während

der drei Tage, die wir im Gazelle-Hafen verbrachten, herrschte wahres

Frühlingswetter bei einer Temperatur von 4 Grad Celsius. Nach allen

Seiten zerstreuten sich die Partien, um die Umgebung zu durchstreifen;

kein Sturm warf die Wanderer nieder, kein Nebel benahm ihnen die

Aussicht, und bei hellem Sonnenschein umfuhren wir die Nordostseite bis

zum Weihnachtshafen.

Wie sehr wir während der vier Tage, die wir auf den Kerguelen

zubrachten, vom Wetter begünstigt waren, lehren die früheren

Schilderungen. Ihr Klima können wir am besten mit den Worten von

Schleinitz wiedergeben: „Es weht fast beständig Sturm zwischen Nord und

West mit Schnee-, Hagel- und Regenböen, diesigem Horizont, aber oftmals

klarem Himmel und kühlem Wetter. Ab und zu wird dieser Sturm durch

Flauten oder seltener durch stürmischen Wind aus Nordost unterbrochen,

welcher dichten Nebel und Regen bringt.“ Die Stärke der Windstöße

schildern sowohl die Teilnehmer an früheren Expeditionen, wie auch die

Robbenschläger in den lebhaftesten Farben. Sie brechen so plötzlich in

manche Buchten herein, daß die Schiffe mit den stärksten Kabeln und

Ankern vertäut werden müssen, daß die Boote umschlagen und der Wanderer

auf dem Lande sich platt niederwerfen muß. Gegen die dem unermeßlichen

antarktischen Meere zugekehrte Westseite donnern die Wogen ständig mit

so gewaltigem Prall an, daß sie heute noch in ihrer Gliederung fast

unbekannt ist. Im allgemeinen sind die Weststürme mit einem Steigen

des Barometers verbunden, während plötzlicher starker Barometerfall

das Herannahen eines Nordsturmes anzeigt. Wie schwer die Kerguelen von

diesen Stürmen heimgesucht werden, mag der Hinweis illustrieren, daß

der „Challenger“, der sie im Sommer besuchte, an 26 Tagen sechzehnmal

Sturm verzeichnet, während Roß, der 68 Tage hindurch im Winter auf den

Kerguelen Station machte, nicht weniger als 45 mal Sturm durchlebte,

und nur drei Tage anführt, welche frei von Schnee und Regen waren.

Am 12. Februar 1772 entdeckte der französische Kapitän Yves Josef de

Kerguelen-Trémarec mit seinen Schiffen „Fortune“ und „Groswater“ die

Inselgruppe, welche noch heute seinen Namen trägt. Seine Entdeckung

erregte nach der Rückkehr berechtigtes Aufsehen. Man glaubte, der

damals herrschenden Vorstellung Raum gebend, daß das große Südland mit

seinen erträumten Wundern gefunden sei, zu dessen Entdeckung Kerguelen

im Auftrag der französischen Regierung ausgesendet worden war. So wurde

er denn schon im folgenden Jahre beauftragt, seine Landsichtung weiter

zu verfolgen. Er gelangte am 14. Dezember 1773 zum zweiten Male in die

Nähe der Inseln und entdeckte die kleine ihr nordwestlich vorgelagerte

Gruppe, welche er zutreffend „Wolkeninseln“ nannte. Indessen gelang

es ihm nicht, wegen der schweren Stürme an Land zu kommen, bis

endlich am 18. Januar 1774 einer seiner Begleiter im Weihnachtshafen

landete und im Namen des Königs von Frankreich von der _Terra

australis_ nochmals Besitz ergriff. Die Flasche mit dem hierauf

bezüglichen Dokument wurde späterhin von Cook bei seiner dritten Reise

wiedergefunden.

Den Nachweis, daß es sich tatsächlich um Inseln handele, die keinen

Zusammenhang mit einem antarktischen Kontinent aufweisen, lieferte

James Cook, der schon auf seiner zweiten Entdeckungsreise südlich

von den Kerguelen -- ohne sie allerdings zu Gesicht zu bekommen --

vorbeigefahren war und 1776 die von ihm als „Desolation-Island“

bezeichnete Gruppe zum ersten Male genauer untersuchte. Er umfuhr

sie bis zur Südküste und gab einzelnen Buchten und Gebirgsstöcken

Namen, die bis heute noch ihre Geltung behalten haben. Die zweite

genauere Durchforschung der Kerguelen verdanken wir dem großen

Entdecker der antarktischen Region, James Roß, der am 12. Mai

1840 im Weihnachtshafen vor Anker ging und nicht weniger als 68

Tage auf die Untersuchung verwendete. Ein junger Arzt, der später

so berühmt gewordene Botaniker Hooker, begleitete ihn und gab in

seiner klassischen „_Flora antarctica_“ die erste eingehende

Schilderung der eigenartigen Kerguelenvegetation. Späterhin wurden

die Kerguelen von nicht weniger denn fünf Expeditionen angelaufen --

ganz abgesehen von den zahllosen Walfischfängern, welche die Buchten

auf die Kunde von ihrem Robbenreichtum ziemlich regelmäßig besuchten.

Außer der Challengerexpedition, die im Januar 1874 26 Tage lang

bei den Kerguelen kreuzte, haben zwei deutsche Korvetten, nämlich

die „Arcona“ und die „Gazelle“ -- letztere vom 26. Oktober bis 23.

Dezember 1874 --, die Kerguelen aufgesucht. Wir können mit Befriedigung

hervorheben, daß es wesentlich die fleißigen topographischen Aufnahmen

der „Gazelle“ gewesen sind, die uns über die Gliederung der Ostseite

einen genaueren Aufschluß gaben. Wir haben im vollen Vertrauen auf die

Zuverlässigkeit deutscher Forschungen in der Nacht zum 25. Dezember

beide Kessel geheizt und fuhren mit voller Kraft von zwölf Knoten an

der Hand der Lotungen der „Gazelle“ vorbei an zahllosen Tangfeldern in

jenen Hafen ein, der durch seinen Namen an die Tätigkeit des deutschen

Expeditionsschiffes erinnert.

Als Christgeschenk boten sich uns in der Frühe des Weihnachtssonntags,

des 25. Dezember, die Kerguelen dar. Bei stürmischem West, der schwere

Sturzseen brachte, kam früh um 6 Uhr ein feiner, dunkler Streifen Land

in Sicht, hinter dem schneebedeckte Gipfel auftauchten. Tausende der

blauen Sturmvögel fischten eifrig in den Strömungen, drei Albatroßarten

umkreisten das Schiff oder saßen brütend auf dem grünen Vorland

zerstreut, während zahme Kormorane in schwerfälligem, ungeschicktem

Flügelschlage mit lang vorgestreckten Hälsen neugierig dem Schiffe so

nahe kamen, daß man sie bisweilen hätte greifen mögen. Langgezogene

braune Streifen deuteten die Stellen an, wo auf flacherem Grunde die

gewaltigen Seetange wurzeln. Dem Blasentang ist es wesentlich zu

verdanken, daß die Schiffahrt in der Nähe der Buchten sich so sicher

gestaltet; vermeidet man die Stellen, wo er sich angesiedelt hat, so

kann man mit Sicherheit auf tiefes, gefahrloses Fahrwasser rechnen.

Der Ausgang des Gazelle-Hafens in den Schönwetter-Hafen wird von

kleinen Inseln verengt, die mir in besonders angenehmer Erinnerung

stehen.

Als ich ihnen gleich nach unserer Ankunft in Begleitung des ersten

Maschinisten einen Besuch abstattete, hatten wir reichlich Gelegenheit,

den Zauber würdigen zu lernen, welchen die fast paradiesische

Harmlosigkeit der Tierwelt der Kerguelen auf den unbefangenen

Beobachter ausübt.

Die graziösen Seeschwalben umflogen uns in Schwärmen und ließen

sich zutraulich auf dem Zeltdach der Dampfbarkasse nieder. Auf den

durch die Wogen abgeschliffenen schwarzen Basaltkuppen der Inseln

trippelten weiße Vögel heran, welche kleinen Hühnern an Größe

gleichkamen. Neugierig pickten sie an den Schuhen und Gewehrkolben,

um uns dann auf der weiteren Wanderung zu begleiten. Wir hatten nur

wenige Schritte gemacht, als wir wie festgebannt stehen blieben und

instinktiv die Gewehre in Anschlag brachten. Da lag vor uns ein

mächtiges Tier, ein weiblicher See-Elefant, der mit seinen wundervoll

großen, kastanienbraunen Augen uns anschaute, ohne sich zu rühren.

Erst als unser Dachshund ihn ankläffte, sperrte er breit den Rachen

auf und stieß mit erhobenem Kopfe in einzelnen Absätzen ein dumpfes,

heiseres Gebrüll aus (Abbildung 7); doch beruhigte er sich bald,

senkte den Kopf, schloß die Augen und schlief weiter. Wer an eine

derartige Harmlosigkeit einer keine Verfolger kennenden Tierwelt nicht

gewöhnt ist, nähert sich nur schüchtern dem drei Meter langen Tiere,

bis er endlich dreister wird und durch einige klatschende Schläge den

brüllenden Elefanten zum Verlassen seines Lagers bewegt. -- Ein ganzer

Schwarm der prächtig schwarz und weiß gezeichneten und mit scharfer

Silhouette von dem Himmel sich abhebenden Dominikanermöwen hatte sich

erhoben und begleitete, dicht über den Köpfen fliegend, mit dem wie

Lachen klingenden „hähähä“ die Wanderer. Doch man sollte sobald noch

nicht von seinem Erstaunen sich erholen. Als wir uns niedersetzten

und dem Treiben der Scheidenschnäbel, dem wieder zur Ruhe gekommenen

See-Elefanten und den um uns sich sammelnden Dominikanermöwen

zuschauten, fanden es zwei Kormorane für angezeigt, uns auf demselben

Rasenpolster Gesellschaft zu leisten, indem sie fast schalkhaft den

Kopf auf dem Halse reckten. Prächtige Vögel, diese Kormorane der

Kerguelen! Die ganze Insel war bedeckt mit Schalen von Miesmuscheln

und Napfschnecken, so daß man manchmal hätte glauben mögen, es handle

sich um Kjökken-Möddinger, jene prähistorischen Küchenabfallhaufen der

dänischen Inseln; das alles hatten die Dominikanermöwen angeschleppt

und namentlich vor den Nistplätzen angehäuft. Wir fanden ihre

zahlreichen kunstlosen mit Gras gepolsterten Nester, in denen vier bis

fünf bräunlich gefärbte Junge in ihrem struppigen braunen Dunenkleide

kläglich piepsten. Als ich in eine kleine Höhlung griff, fuhr eine

Ente heraus von der Größe unserer Krickente; sie saß brütend auf einem

weißen Ei und gesellte sich ihren Genossen bei, deren wir bald eine

größere Zahl bemerkten.

Nicht minder wird der Blick durch die eigenartige Landfauna

niederer Organismen gefesselt. Bei dem Zurückbiegen der Blätter des

Kerguelenkohls fallen in den Blattscheiden große den Blattläusen

gleichende Insekten auf, die freilich bei genauerem Zusehen als

echte Fliegen sich entpuppen (Abbildung 10). Daß man sie als solche

zunächst nicht anspricht, ist begreiflich: fehlt ihnen doch eines der

wichtigsten Merkmale der Fliegen, nämlich die Flügel. Eine wundervolle

Anpassung an das Leben in einer sturmdurchbrausten Region gibt sich

in dieser Flügellosigkeit kund, denn es liegt auf der Hand, daß eine

mit Flügeln und Flugvermögen ausgestattete Fliege bald der Vernichtung

anheimfallen würde, wenn sie nicht einen zudem noch so geschützten

Aufenthalt zwischen den kräftigen Blattscheiden einer wetterfesten

Pflanze wählte.

Diese Flügellosigkeit ist auch charakteristisch für die Käfer der

Kerguelen, welche man mit Leichtigkeit in großer Zahl unter Steinen

zu sammeln vermag. Bei ihnen sind die weichhäutigen hinteren Flügel

verkümmert, während die starren vorderen Flügeldecken, wie bei

fast allen Käfern, als schützende Hüllen dem Körper aufliegen.

Merkwürdigerweise handelt es sich hauptsächlich um Rüsselkäfer. Wir

finden sie in andern Ländern meist unter der Rinde von Bäumen, und

schon dieser Umstand legt die Vermutung nahe, daß einst die Kerguelen

mit Baumwuchs ausgestattet waren. Tatsächlich hat denn auch schon

Roß darauf hingewiesen, daß im Weihnachtshafen in gewissen Schichten

verkieselte Baumstämme gefunden werden. Auch das Vorkommen von

Kohlenlagern deutet darauf hin, daß ursprünglich die Kerguelen mit Wald

bedeckt waren.

Nur ein einziger Schmetterling, eine Motte, ist den Kerguelen eigen.

Es gelang uns, auch von diesem flugunfähigen Falter Exemplare mit

den verkürzten Flügeln (Abbildung 11), und die im Kerguelenkohl sich

aufhaltenden Raupen zu erbeuten.

Nicht minder fesselnd als diese Tierwelt bietet sich die Vegetation

dar. Da erheben sich zunächst die dunkelgrünen Polster einer

Charakterpflanze der Kerguelen, nämlich der _Azorella selago_.

Sie ist überall auf den Inseln zerstreut, bildet auf den Plateaus

halbkugelige Erhebungen, in die der Fuß leicht einsinkt, steigt

hinauf bis zu 500 Metern Höhe, und an einigen geschützten Stellen

selbst noch darüber hinaus. Solch riesige Polster, wie sie gerade auf

den geschützten Inseln des Gazelle-Hafens sich vorfinden, haben wir

freilich späterhin nicht mehr beobachtet. Es handelt sich um eine

kreuzblütige Pflanze, welche über alle antarktischen Inseln und selbst

auch über die Südspitze von Feuerland verbreitet ist.

Das größte Interesse erregt indessen der seit den Zeiten von Roß

berühmt gewordene Kerguelenkohl (_Pringlea antiscorbutica_). Seine

eiförmigen oder lanzettlichen, filzigen Blätter umschließen fast ein

Meter hoch werdende Blütenstände, die teils abgestorben auf dem Boden

liegen, teils kraftstrotzend sich in die Höhe erheben (Abbildung 19).

Der Kerguelenkohl ist die einzige hier wachsende Pflanze, welche auf

Erden keine näheren Verwandten aufweist und außer auf den Kerguelen

nur noch auf dem südlicher gelegenen Heard-Eiland und auf der Marion-

und Crozet-Gruppe vorkommt. Die Mannschaft von Roß nährte sich von den

Blättern, die als wirksames Gegenmittel gegen Skorbut gerühmt werden,

und daher auch zur Speziesbezeichnung Veranlassung gaben. Wir haben

nicht verfehlt, uns ein Gemüse aus Kerguelenkohl bereiten zu lassen,

das tatsächlich einen nicht unangenehmen, etwas bitteren Geschmack

besitzt.

Vergleicht man die Blütenpflanzen der Kerguelen mit jenen der

arktischen Region, so fällt es auf, daß einerseits die Zahl der

Arten eine verhältnismäßig geringe ist, und daß ihnen anderseits die

Blütenpracht fehlt, durch welche selbst im Norden Grönlands und in

Spitzbergen während der kurzen Sommermonate die arktische Flora den

Reisenden fesselt. Darwin hat uns zuerst den Blick dafür geöffnet, daß

duftige und farbenprächtige Blüten bestimmt sind, Insekten anzulocken,

welche ihren Nektar saugen und dabei zugleich die Bestäubung

übernehmen. Tatsächlich sind denn auch die arktischen Regionen durch

zahlreiche fliegende Insekten, selbst noch durch mehrere bunte Falter

charakterisiert, während in dieser Hinsicht das antarktische Gebiet

-- und zwar speziell die Kerguelen -- zurückstehen. Offenbar fehlen

den Kerguelen Insekten, welche die Bestäubung der Blütenpflanzen

übernehmen könnten. Wenn man auch wohl gelegentlich vermutet hat, daß

die flügellosen Fliegen durch ihr Umherkriechen auf den Blütenständen

des Kerguelenkohles das Bestäuben vermitteln möchten, so darf ich wohl

hervorheben, daß ich niemals an den ungewöhnlich schönen und sonnigen

Tagen, die uns beschert waren, die Fliegen auf den Blütenständen

bemerkte, sondern sie stets nur dann zu Gesicht bekam, wenn man die

Blattscheiden des Kohles zurückbog. Schon Hooker hat vermutet, daß

der Kerguelenkohl eine windblütige Pflanze sei, und dürfte wohl mit

dieser Annahme das Richtige getroffen haben. Die Anpassung an die

Windblütigkeit hat es wohl in erster Linie bedingt, daß auch im Sommer

der höheren Pflanzenwelt durch den Mangel des Blütenflores ein gewisser

melancholischer Zug eigen ist.

Der Gazelle-Hafen ist ebenso wie die tief in das Land einschneidenden

Fjorde an allen jenen Stellen, wo die Felswände an das Wasser

herantreten, mit einem Trümmerfeld von Basaltblöcken bedeckt,

welche mit mannigfach gefärbten Flechtenarten überzogen sind. Die

Zertrümmerung des Gesteins muß sich in einer Region besonders geltend

machen, wo häufig die Temperatur sich um den Nullpunkt bewegt und

das zwischen die Spalten sickernde Wasser bei dem Gefrieren seine

Sprengwirkung ausübt. Diese Trümmerfelder sind die gewöhnlichen

Wohnplätze für eine Pinguinart, die nicht wenig zur Belebung der

Landschaft der Inseln beiträgt. Es ist der prächtig gefärbte

Schopfpinguin mit schneeweißem Bauche, schiefergrau gefärbten Rücken

und Flossen, hochrotem Schnabel, roten Augen und einem niedlichen

Schopf goldglänzender Federn jederseits am Kopfe (Abbildung 14).

Nähert man sich ihren felsigen Heimstätten, so empfängt den Beobachter

ein tausendfältiges, an eine Gänseherde erinnerndes Geschrei. Ewiger

Zank und Streit herrscht unter diesen Vögeln, die ihre unwillkürliche

Komik nicht zum wenigsten dem Umstande verdanken, daß sie auf ihren

weit nach hinten gerückten Füßen wie kleine Gnomen aufrecht stehen und

in absonderlicher Unbehilflichkeit mit ihren zu Flossen umgebildeten

Flügeln herumwirtschaften. Überall stehen auf den Kuppen der Felsblöcke

die Männchen in Gruppen zusammen, eifersüchtig mit Schnabelhieben

jeden Genossen bedenkend, der etwa zufällig von oben herabrutschte und

unter sie geriet. Nicht anders geht es dem Fremdling, der neugierig

und gefesselt von dem eigenartigen Schauspiel zum erstenmal eine

Pinguinkolonie besucht. Das Klettern auf den Blöcken ist schon an und

für sich mühselig und wird dadurch nicht noch angenehmer gestaltet,

daß überall schlüpfriger und übelriechender Unrat einen festen Halt

verwehrt. Kommt man dann einem Trupp näher, so erhebt sich allgemeines

Gezeter; den Kopf dem Beobachter zugewendet, sucht die Gesellschaft

bald halblinks, bald halbrechts zusammenzurücken, bis es dann kräftige

Schnabelhiebe und Schläge mit den Flossen absetzt. Nicht nur auf den

Blöcken, sondern auch unter denselben gibt sich unwilliges Geschrei

kund. Da sitzen in den geschützten Höhlen die Weibchen auf ihrem

kunstlosen Neste, falls man überhaupt die meist mit Dung bedeckten

Gruben so nennen will, und brüten auf ihrem einzigen weißen, gewöhnlich

stark mit Schmutz bedeckten Ei. Sie lassen es sich, von einigen

Schnabelhieben abgesehen, meist ruhig gefallen, daß man ihnen dieselben

wegnimmt. Da wir viele Eier sammelten, so ergab es sich bald, daß sie

fast durchweg Junge enthielten, welche dem Ausschlüpfen nahe waren:

nirgends fanden wir in einem Neste bereits ausgeschlüpfte Junge. Der

von den Eihüllen befreite junge Pinguin zeigt ganz die Gestalt des

Alten, ist auf dem Bauche weißlich und auf dem Rücken schiefergrau

gefärbt, entbehrt aber noch der beiden Federschöpfe am Kopfe. Ein

starker Hornwulst auf dem Schnabelrücken bildet den sogenannten Eizahn,

vermittelst dessen die Schale gesprengt wird. Die Männchen sind

unablässig bemüht, die Weibchen mit Nahrung zu versorgen, indem sie

mit beiden Beinen gleichzeitig die Felsen hinabhüpfen. Sind sie dann

am Wasser angelangt, so geht es mit einem Kopfsprung in dasselbe, und

nun zeigt sich erst der Pinguin in seinem wahren Elemente. Die Flossen

dienen als Ruder, und mit erstaunlicher Geschwindigkeit schwimmt und

taucht oder springt er wie ein Delphin über die Oberfläche. Stunden

kann man in einer Pinguinkolonie verbringen, ohne des originellen

Treibens müde zu werden. Da stehen sie um uns herum, putzen und ordnen

das Gefieder, mit dem Kopf und den goldigen Federschöpfen ständig in

Bewegung, bald zärtlich sich an ihren Genossen anschmiegend, bald

zornig Schnabel- und Flossenhiebe austeilend. Ich verstehe zwar nicht

die Sprache der Pinguine, durfte aber wohl annehmen, daß das, was sie

mit funkelnden roten Augen und hämisch zur Seite gebogenem Kopfe dem

Eindringling zu vernehmen gaben, sehr beleidigender Art gewesen sein

muß.

Wenn man bedenkt, daß Tausende und aber Tausende von Pinguinen

überall da, wo Felsentrümmer am Rande der Buchten sich anhäufen,

ihre Wohnstätten aufgeschlagen haben und daß sich zu ihnen ein fast

überwältigender Reichtum an antarktischen Schwimmvögeln gesellt, so

wird die Frage nahegelegt, auf welche Weise denn eigentlich diese

Vogelwelt ihr Nahrungsbedürfnis befriedigt. Lehrten es nicht schon

die zahllosen Muschel- und Schneckenschalen, die man überall an den

Standorten und Brutplätzen umherliegen sieht, so überzeugt man sich

leicht, daß der antarktischen Vogelwelt in dem Meere ständig der Tisch

gedeckt ist. Erstaunlich ist die marine Strandfauna der Kerguelen

entwickelt. Hebt man einen Stein auf, so kann man sicher sein, daß

Dutzende von Asselkrebsen davonjagen, um unter anderen Steinen Schutz

zu suchen. Neben ihnen kommen Borstenwürmer und ein Heer niederer

Organismen vor, die namentlich die prächtigen, in allen Tinten von Rot

schillernden Büsche der Florideen und Algen bewohnen, an denen der

felsige Strand so reich ist. Wir kennen von den Kerguelen nicht weniger

als 71 Arten niederer Meeresalgen, zwischen denen sich rötlich gefärbte

Seesterne, Schlangensterne, Krabben umhertreiben, oder auf denen sich

Seescheiden, Moostierchen, Seerosen und Wasserpolypen angesiedelt

haben. Neben den Algen beherrscht der Riesentang die Szenerie. Er

wurzelt tiefer auf Felsblöcken, welche in dem grünlichschwarzen

Schlick des Grundes liegen; hier bildet er ein Wurzelwerk, das wie

ein Nest miteinander verwachsener Korallenzweige sich ausnimmt. Von

ihm gehen riesenlange Stiele aus, welche lanzettliche Blätter mit

flaschenförmigen Luftbehältern tragen. Man hat Äste gemessen, die eine

Länge von nicht weniger als 300 Metern aufweisen. Da der Tang auf den

Felsblöcken bis zu 20 Metern Tiefe sich ansiedelt und durch seine

Schwimmvorrichtungen an der Oberfläche zutage tritt, so verrät er mit

Sicherheit dem Seefahrer alle Stellen, die bei der Einfahrt in die

Häfen zu vermeiden sind. Zugleich bietet er verschiedenen Organismen

Gelegenheit zur Anheftung, welche mit Vorliebe von den Vögeln genossen

werden. Vor allen Dingen sind es die Napfschnecken, die mit ihrer wie

ein Saugnapf gestalteten Fußscheibe festen Halt an den glatten Blättern

gewinnen. Ältere Blätter sind oft ganz überzogen von Moostierchen und

Polypenkolonien und besetzt mit einer leicht rosenrot schimmernden

Seewalze, die ihre feinverzweigten zehn Kiemenbüschel ausstreckt.

Geschützte Stellen der Buchten sind oft auf weite Strecken hin mit

Miesmuscheln bedeckt, welche in ihrer äußeren Gestalt denjenigen

unserer deutschen Küsten zum Verwechseln ähnlich sehen. So ist den

unablässig an der Oberfläche bald auf Tang, bald am Strande fischenden

Vögeln der Tisch reich gedeckt.

Wir haben von unserer Dampfbarkasse aus zwei Tage lang im Gazelle- und

Schönwetter-Hafen gedredscht und an geschützten Stellen in kurzer Zeit

eine außerordentlich reiche Ausbeute gewonnen.

Es war begreiflich, daß die Mitglieder der Expedition sich nach allen

Seiten zerstreuten und je nach ihren Neigungen bald der höheren

und niederen Tierwelt, bald der Pflanzendecke und geologischen

Beschaffenheit der Umgebung des Gazelle-Hafens ihre Aufmerksamkeit

zuwendeten. Unsere Offiziere hatten gemeinsam mit dem Kapitän am

nächsten Morgen nach der Ankunft einen Ausflug nach der „Sandy-Cove“

benannten Bucht unternommen, welche gleich links neben dem engen

Eingang in den Gazelle-Hafen liegt. Dort waren sie auf eine Herde

Elefantenrobben aufmerksam geworden, welche in grubenförmigen

Vertiefungen nahe dem Strande lagen, um den Haarwechsel durchzumachen.

Sie erlegten nicht weniger als achtzehn Stück, welche wir am nächsten

Tage durch die Schiffsmannschaft abbalgen und zum Teil skelettieren

ließen.

In der Umgebung des Gazelle-Hafens sowohl, wie namentlich auch in

jener von Sandy-Cove fielen uns die massenhaft in ihren Erdlöchern

verschwindenden Kaninchen auf, welche von der englischen

„Volage“-Expedition zur Beobachtung des Venusdurchgangs auf Rat von

Kapitän Nares, dem Kommandanten des „Challenger“, ausgesetzt worden

waren. Alles wimmelte von grauen, seltener schwarzen Nagern, die im

Gegensatz zu der harmlosen, keine Verfolger kennenden Landfauna der

Kerguelen ihre Furchtsamkeit und Flüchtigkeit nicht verloren hatten:

ein bemerkenswertes Beispiel von Vererbung psychischer Eigenschaften

unter Verhältnissen, die doch immerhin zu der Erwartung berechtigten,

daß die Anpassung an neue Existenzbedingungen auch eine allmähliche

Herabminderung des Instinktes im Gefolge gehabt hätte. Leider hat diese

Überschwemmung mit Kaninchen auch eine Änderung in dem Aussehen der

Vegetation herbeigeführt. Alle früheren Expeditionen berichten, daß der

Kerguelenkohl in Menge über die ganze Insel zerstreut vorkommt. Roß

sammelte noch kurz vor seiner Abfahrt von den Kerguelen so viel Kohl,

daß für Monate seine Mannschaft mit zuträglicher Kost versehen war.

Heutzutage möchte dies schwer fallen, insofern an allen den Kaninchen

zugänglichen Stellen die _Pringlea_ vollständig ausgerottet ist;

man trifft sie nur noch an senkrechten Felswänden oder auf den in den

Fjorden gelegenen Inseln.

Obwohl die See-Elefanten erst am Morgen erlegt worden waren, so hatten

sich doch schon Tausende von Vögeln um dieselben angesammelt, eifrig

damit beschäftigt, den Leib aufzuhacken und sich Zugang nach dem

Innern zu verschaffen. Dies gelang freilich nur den mit mächtigen

Schnäbeln ausgestatteten großen Sturmvögeln, welche von weitem in ihrem

Benehmen an die Geier der wärmeren Gegenden erinnerten. Mit schlaff

herabhängenden Flügeln, Kopf und Hals mit Blut besudelt, umgaben sie

zu Hunderten die Kadaver und hatten sich zum Teil so vollgefressen,

daß sie nicht imstande waren, aufzufliegen. Raub- und Dominikanermöwen

belagerten in dichten Wolken die Stätte, wo unsere Matrosen eifrig

damit beschäftigt waren, unter Anleitung des Fleischers die Kadaver

abzubalgen.

Da sich in früherer Zeit, angelockt durch die Schilderungen von Roß,

zahlreiche Walfisch- und Robbenschläger nach den Kerguelen begaben,

wurde unter den Elefantenrobben um so mehr aufgeräumt, als man bei den

Metzeleien, die man unter den wehrlosen Tieren anrichtete, auch die

Jungen nicht schonte. Es ist vielleicht ein Glück, daß allmählich der

Robbenschlag nicht mehr lohnte, und der Besuch der Kerguelen seltener

wurde. Der Kommandant der „Eure“ berichtet, daß er nur noch einen

Kapitän antraf, welcher zum Robbenschlag die Kerguelen aufsuchte. In

neuerer Zeit scheint kein Fangschiff mehr dort gewesen zu sein, und

diesem Umstande allein war es zu verdanken, daß wir alle Buchten wieder

voll von Robben fanden und in der kurzen Zeit unseres Aufenthaltes

deren mehr zu Gesicht bekamen als frühere Expeditionen während mehrerer

Monate. Nicht nur da, wo unsere Offiziere eine Herde von etwa dreißig

Stück überrascht hatten, trafen wir auf ihre Lager, sondern auch an

allen Stellen, wo Sandy-Cove durch sanftgeneigtes Vorland günstige

Landungsstellen darbietet. Man hatte es bald verlernt, den harmlosen

Tieren mit dem Gewehr zu Leibe zu gehen, wie denn überhaupt der Jäger

auf Inseln, wo er Tiere nicht erst zu beschleichen braucht, die Büchse

zur Seite stellt. Gar manchmal saßen wir bei den Robben, die nur dann,

wenn sie vorher durch die Matrosen gescheucht waren, ein heiseres

Gebrüll ausstießen und unter Bewegungen, welche lebhaft an diejenigen

einer kriechenden Made erinnerten, zu flüchten versuchten. Sonst aber

verhielten sie sich mit ihren Jungen ruhig bei fleißigem Gähnen und

Schlafen.

Waren sie munter, so lagen sie gern auf der Seite, den Kopf leicht

erhoben, mit ihren prachtvollen ausdrucksvollen Augen die Umgebung

musternd, oder so graziös, wie es halt nur eine Elefantenrobbe vermag,

mit der Brustflosse sich auf Rücken und Flanken kratzend.

Gegen Abend des 28. Dezember waren die Reinigungsarbeiten an den

Kesseln beendigt, und morgens 5 Uhr am 29. Dezember wurden die Anker

gelichtet. Das Barometer war von 760 Millimeter (in der Nacht vom 27.

zum 28. Dezember) auf 741 Millimeter gefallen. Damit kündigte sich

ein Umschlag in der Witterung an, der sich zunächst an einem leichten

Nordostzuge bemerkbar machte. Während das Schiff still und ruhig durch

den friedlich daliegenden Gazelle-Hafen glitt, hob sich allmählich der

Nebel, welcher in der Nacht sich eingestellt hatte, und zum letzten

Male grüßten die schneebedeckten Gipfel der benachbarten Halbinsel

herüber. Dafür bot sich zum ersten Male der Ausblick auf den fernen,

in blendendem Weiß schimmernden Mount Roß (1860 Meter), den höchsten

Gipfel der Kerguelen, dar.

Bei ruhigem Wetter veranstalteten wir in 88 Metern Tiefe außerhalb der

Inseln aus dem bis nach Heard-Island sich erstreckenden Plateau noch

zwei Dredschzüge, welche uns eine Fülle interessanter Vertreter der

merkwürdigen Kerguelenfauna lieferten. Da hingen in den Maschen des

Netzes blutrote Riesenformen von Asselspinnen, während der Beutel ganz

gefüllt war mit Blumenpolypen, Seesternen, Seeigeln, Schlangensternen,

prachtvollen Schuppenwürmern, Asselkrebsen und großen Rochen.

Nachdem wir den Weihnachtshafen am Abend des 29. Dezember verlassen

hatten und außer Lee der Kerguelen kamen, empfing uns eine stürmisch

aufgeregte See mit einer gewaltig hohen Dünung aus West und

Nordnordwest. Das Schiff begann fast unerhört zu rollen, während der

Wind allmählich zunahm und um die Mittagszeit des 30. Dezember die

Stärke 10 erreichte. Während des Weststurmes stieg das Barometer

innerhalb zwölf Stunden um nicht weniger denn 20 Millimeter und

erreichte am Abend des 30. Dezember einen Stand von 760 Millimetern,

nachdem es noch im Weihnachtshafen bis auf 735 Millimeter gefallen

war. Dabei machte sich eine Erwärmung der Luft bereits fühlbar geltend

(die Morgentemperatur betrug 7,2 Grad Celsius), obwohl die Sonne nur

gelegentlich zum Durchbruch gelangte und ein grünlich gefärbtes Meer

mit seinen gewaltigen Wogenkämmen beleuchtete.

Am 31. Dezember bedingte der Weststurm einen so gewaltigen Seegang,

daß wir gegen 10 Uhr morgens genötigt waren beizudrehen und gegen den

Seegang anzudampfen. An irgendwelche Arbeiten war nicht zu denken,

doch wurden wir immerhin durch unsere Temperaturmessungen darauf

aufmerksam, daß wir, wie einst bei der Annäherung an die Bouvet-Insel,

so hier bei dem Eintritt in wärmere Regionen unter dem 45. Grad

südlicher Breite mit jenen auffälligen, schon früher erwähnten

Temperatursprüngen zu rechnen hatten. Das schmutziggrünlich gefärbte

kalte Wasser von 4 bis 4,5 Grad wurde gelegentlich von rein blauen

Streifen Warmwassers, dessen Temperatur zwischen 7,6 Grad und 9,4

Grad schwankte, durchsetzt. Gleichzeitig ergab es sich auch, daß eine

Probe des Oberflächenplanktons, welche wir mit vieler Mühe fischten,

eine vollständige Änderung in der Zusammensetzung der mikroskopischen

Organismen aufwies. Die Diatomeen, welche in dem kalten Wasser

herrschend sind, zeigten sich abgestorben oder zersetzt.

So feierten wir denn wiederum im Sturme das anbrechende neue Jahr.

Einen eigenartigen Eindruck machte es, als man in der Silvesternacht

auf der Brücke des schwer arbeitenden Schiffes stand, und inmitten

der unermeßlichen Wasserfläche mit ihrer gigantischen Westdünung die

Dampfpfeife ertönte, um das neue Jahr zu verkünden.

Wünsche, die man für unerreichbar hielt, hatte das alte in Erfüllung

gebracht: wird das neue den Erwartungen entsprechen und weitere

Aufschlüsse über Regionen bieten, die keines Menschen Auge jemals zu

schauen vermag?

Aus den Tiefen des Weltmeeres Schilderungen von der deutschen Tiefsee-Expedition · 第 8 / 18 题