Der Apparat war in einem großen Schupfen untergebracht. Besuchte jemand

Maxim, dem er sein Studienobjekt zeigen wollte, so ließ er, wie die

Zeitungen seinerzeit berichteten, den Kessel, sobald der Passagier an

Bord gekommen war, heizen. Bald begann die Dampfentwicklung. Wenn sie

die nötige Spannung besaß und dadurch die Maschine mit den Schrauben in

Rotation versetzt hatte, wurde das Seil, womit der Apparat verankert

war, losgelassen und im selben Augenblicke flog er schon über das

Geleise.

Hierbei ging ein eigenartiges Beben und Zittern durch alle Teile des

Gerüstes, was durch den, an den vielen Röhren und Leinen hervorgerufenen

Luftwiderstand und die rotierenden Schrauben verursacht wurde.

Am Endpunkte des Geleises angelangt, erfolgte das Anhalten des Apparates

durch das Stoppen der Maschine und die über das Geleise gelegten Seile,

verhältnismäßig ziemlich ruhig. Der Apparat wurde hierauf wieder in den

Schupfen zurückgeschoben.

Ganz naturgemäß ist also diesem Flugapparate ein Rückwärtsbewegen nicht

möglich und auch nicht nötig. Ein Wenden in der Luft besorgt das Steuer.

[Illustration: Fig. 125. Maxims Drachenflieger aus dem Jahre 1889.]

Die Fig. 128 gewährt uns in die Details des Flugapparates Einblick. Man

bemerkt das gewaltige Gerüst, welches die Fläche und die Schrauben

stützte, und aus feinen Stahlröhren gebaut war.

[Illustration: Fig. 126. Maxims Drachenflieger. Querschnitt Modell

1889.]

Die heiklichste Frage bei den Drachenschwebern ist die Art der Landung.

Wie diese entsprechend gelöst wird, ob durch möglichst geringe

Flächenbelastung, durch Flächenverstellung, Fahren gegen den Wind oder

sonstwie, darüber verlautet noch wenig.

Aus dem besagten Aufsatze ist die in der Fig. 127 wiedergegebene

Landungsvorrichtung entnommen. Mit ihrer Hilfe soll der Chok der

Maschine bedeutend gemildert werden.

[Illustration: Fig. 127. Landungsvorrichtung bei Maxims Drachenflieger.]

Viele Details wären sehr interessant, müssen aber Platzmangels halber

unerwähnt bleiben. Nur über die so wichtige Mitnahme des

Kondensationswassers soll bemerkt werden, daß oben am Gerüste ein

Kondensator angebracht war, welcher die Aufgabe hatte, den von der

Maschine verbrauchten Dampf wieder zu kondensieren. Maxim hat auf diesem

Gebiete sehr viele Versuche gemacht. Ein Teil ist in einer sehr schönen

Abhandlung, in der luxuriös ausgestatteten, hervorragendsten

französischen Zeitschrift »Revue de l'Aéronautique« abgedruckt. Die seit

dem Jahre 1892 angekündigte Fortsetzung ist leider bis heute noch nicht

erschienen.

[Illustration: Fig. 128. Die Unterseite des Maximschen Drachenfliegers

mit einer Gruppe von Besuchern.]

Maxim experimentierte mehrere Jahre und hat eine Reihe von Modellen

ausgeführt und erprobt. Natürlich machte er sich bei den späteren stets

die Erfahrung der ersteren zu Nutze und so stellt jede neue Type im

gewissen Sinne einen Fortschritt gegen frühere dar. Es ist wohltuend,

die Frage mit einer derartigen Gründlichkeit und Konsequenz behandelt zu

sehen.

Das letzte Modell von Maxim, in gewaltigen Dimensionen ausgeführt,

bringt die Fig. 130 zur Darstellung.

[Illustration: Fig. 129. Maxims Drachenflieger auf der Rollbahn.]

[Illustration: Fig. 130. Maxims Drachenflieger, letzte Type.]

Der Apparat hatte in der Mitte eine große Tragfläche und seitlich noch

fünf Paar weit hinausreichende Flügelflächen angeordnet. Die Spannweite

wird mit 31·4 ¯m¯ angegeben. Bei dem letzten Versuche standen nur zwei

Paar Flügel in Verwendung, so daß die Gesamttragfläche sich auf

372 ¯m^2¯ belief. Diese Flächen hatten 7° 15' Neigung gegen die

Fortbewegungsrichtung und wurden mit fast 18 ¯m¯ per Sekunde vorwärts

bewegt. Hierbei ergab sich ein Auftrieb von 4536 ¯kg¯.

Vom Motor wog der Dampfkessel mit Wasserinhalt 545 ¯kg¯. Die beiden

Kompoundmaschinen 272 ¯kg¯. Dieser nur 817 ¯kg¯ schwere Motor soll

363 Pferdestärken geliefert haben, ein kaum glaublich geringes

Motorengewicht. Die beiden zweiflügeligen Schrauben hatten je 5·43 ¯m¯

Durchmesser.

Das Gerüst des Drachenfliegers besteht aus einzelnen Röhren von 2·5 bis

7·5 und 12 ¯cm¯ Durchmesser, welche teils durch Muffen, teils durch

Stricke miteinander verbunden sind.

Zur Erzielung eines möglichst geringen Widerstandes sollten sie bei

späteren Ausführungen eine elliptische Gestalt bekommen.

[Illustration: Fig. 131. Flugapparat von Ader.]

Von der Verwendung des Aluminiums dazu, ist Maxim abgekommen, nachdem es

sich herausstellte, daß diese Röhren von gutem Stahl bei gleicher

Widerstandsfähigkeit leichter gemacht werden können. Auch bezüglich der

Dicke sind die Röhren nicht gleich; sie variieren von 0·3 bis 5 ¯mm¯.

Sehr bemerkenswert ist die ÷Abfahrtsart÷ des Flugobjektes. Nachdem

dasselbe erst bei größeren Geschwindigkeiten als etwa 16-18 ¯m¯ den

erforderlichen Auftrieb besitzt, und diese Geschwindigkeit nicht von der

Stelle aus auf einmal erreicht werden kann, so folgt notgedrungen -- und

dies gilt für alle Aëroplane -- daß der Apparat, bis diese

Geschwindigkeit erlangt ist, sich auf dem Boden fortbewegen muß.

Es ist nichts natürlicher, als das Bestreben, dabei die

Reibungswiderstände möglichst zu verringern, was darauf führt, den

Aëroplan auf Räder zu stellen, welche auf einer gleitsamen Unterlage

laufen. Die Spurweite wählte Maxim mit 4 ¯m¯. Das Geleise hatte eine

Länge von 600 ¯m¯.

Da sein Apparat jedoch vorläufig noch in steter Erprobung stand, so

wurden über die unteren Schienen in Abständen von 10 ¯cm¯, ein zweites

Paar Schienen gelegt, die das Niederhalten des etwa durch den Auftrieb

erfolgten Aufstieges des Flugmodelles bezwecken sollten.

[Illustration: Fig. 132. Langley, amerikanischer Flugtechniker und

Mitglied des Smithsonian Institutes in Washington.]

Auch ermöglicht dies allein ein genaues Beobachten der erzielten

Resultate. Um aber auch ein Auffliegen von dieser Bahn zu gewährleisten,

reicht das obere Schienenpaar nur bis zu einer Länge von 450 ¯m¯.

Beim letzten Versuche trieb die starke Maschine den Flugapparat derart

kräftig vorwärts, daß er nicht nur sein großes Gewicht tatsächlich in

die Luft erhob, sondern noch einen so starken Auftrieb entwickelte, daß

er im Auffluge die starken Schienen, welche dieses Emporheben verhindern

sollten, durchbrach und durch die Luft schoß, freilich nur kurze Zeit,

dann kippte der Apparat um, stürzte zu Boden und zerbrach.

Im Gegensatze zu den Apparaten von Maxim und Richet, welche mit ebenen

Flächen experimentierten, baute der Franzose $Ader$ einen Flugapparat,

welcher gebogene, fledermausartige Flugflächen besaß. Er klafterte

15 ¯m¯ und wog leer 258 ¯kg¯, vollständig belastet jedoch fast

500 ¯kg¯; so daß auf 1 ¯m^2¯ Fläche 16-20 ¯kg¯ entfallen, ein gewiß

recht ansehnliches Gewicht. Zwei Motoren von je 20 Pferdestärken

bewegten je eine vierflügelige Schraube, welche gegenläufig und

voneinander vollkommen unabhängig laufen. Die hohe Lage des

Luftkondensators wirkte auf die Stabilität sehr nachteilig. In der Tat

kippte der Apparat beim Versuche um, so daß über sein Funktionieren

nichts berichtet werden kann.

[Illustration: Fig. 133. Langleys Aërodrom.]

Eines der gelungensten von allen bis jetzt unternommenen

Flug-Experimenten ist das mit $Langleys$ »Aërodrom« ausgeführte, welches

im Jahre 1896 in Amerika am Patomakflusse die erste Fahrt zurückgelegt

hat.

Dieses Flugmodell besitzt vier leichte, unbewegliche Flügel, welche aus

einem mit Seide überzogenen Stahlgerippe gebildet sind. Die Länge dieser

Flügel beträgt von Spitze zu Spitze gemessen etwa 3·9 ¯m¯, ihre Breite

1 ¯m¯. Zwei Propellerschrauben von je 1·2 ¯m¯ Durchmesser und 5 ¯cm¯

Steigung drehen sich in der Minute ca 800-1200mal um ihre Achse. Vorne

befindet sich eine Art konisch zugespitzter, mit Luft gefüllter

Zylinder, welcher den Apparat, im Falle einer Landung auf dem Wasser

schwimmend erhalten sollte.

[Illustration: Fig. 134. Drachenflieger von Carelli, Seitenansicht.]

Eine in einem gewissen Sinne originelle Maschine hat Graf $Carelli$

entworfen: Zwei gewölbte Tragflächen von fast 25 ¯m^2¯ Fläche werden

nebeneinander an einem Gestelle, welches auf Rädern ruht, angebracht und

von je einer Schraube durch die Luft gezogen. Zur Erhaltung der

Stabilität dient eine große Scheibe von 7 ¯m^2¯ Fläche, welche an einer

vertikalen, durch den Schwerpunkt placierten Achse steckt und durch ihre

Rotation die schädlichen, kleinen Schwankungen hintanhalten soll.

[Illustration: Fig. 135. Draufsicht auf den Drachenflieger von Carelli.]

Das Gesamtgewicht des Apparates, dessen Draufsicht und Seitenansicht die

Figuren 134 und 135 wiedergeben, soll inklusive eines Menschen 150 ¯kg¯

betragen. Über im großen angestellte Versuche verlautet nichts. Im

kleinen erbaute Modelle ergaben günstige Resultate.

Bei dem in Fig. 136 abgebildeten, nach Carellis Prinzip gebauten

Drachenflieger befindet sich ober der gewölbten Fläche, welche von einer

zweiflügeligen Schraube gezogen wird, eine rotierende Scheibe.

Dieses Modell wog 8·0 ¯kg¯, hatte einen 2·5 ¯kg¯ schweren Motor und flog

ca. 100 ¯m¯ weit. Rückwärts sieht man ein horizontales und ein

vertikales Steuer. Dieser Drachenflieger wurde von Leutnant Vialardi

Evaristo gebaut, dem Herausgeber der italienischen Fachzeitschrift

»L'Aeronauta«.

Ein anderes von ihm gebautes Modell von 5 ¯kg¯ Gewicht und 6 ¯m^2¯

Fläche hat in 20 ¯m¯ Höhe einen Weg von 350 ¯m¯ zurückgelegt.

[Illustration: Fig. 136. Carellis Drachenflieger von unten gesehen.]

In ein anderes System reihen sich die Drachenflieger von $Karos$ ein.

Bei diesen Apparaten werden die Tragflächen durch zwei parallel

nebeneinander rotierende, flächenartige Scheiben oder schwachgeneigte,

jalousieartige, aufstellbare Flächen ersetzt. Vor diesen Flächen ziehen

zwei gegenläufige Schrauben den Flieger durch die Luft. Ich hätte wohl

sagen sollen: die Schrauben sind bestimmt den Apparat durch die Luft zu

ziehen, denn auch er ist, so wenig wie seine Vorgänger, wirklich im

Großen ausgeführt worden und geflogen.

Das Erheben von der Erde aus ist mit Hilfe der jalousieartig, etwas

aufgeschlossenen, schraubenartig wirkenden Flächen gedacht. In der Höhe

angelangt, werden die vorne befindlichen Zugschrauben in Bewegung

gesetzt. Der Apparat soll dann in ÷Wellenlinien÷ seinem Ziele zueilen.

Diese Wellenflieger haben mehrere Vertreter, obwohl sich die Vögel des

Wellenfluges in der Natur nur auf ganz kurze Strecken bedienen. Ich

halte ihn für ganz aussichtslos.

[Illustration: Fig. 137. Drachenflieger von Karos, von der Seite

gesehen.]

Ein kleines, fliegendes Modell von 1 ¯m^2¯ Segelfläche und 1·67 ¯kg¯

Gewicht hat Oberingenieur $Samuelson$ in Schwerin hergestellt, um mit

seiner Hilfe einige bei Drachenfliegern giltige Gesetze zu finden. Er

hat mit diesem Apparate aufs neue den folgenden, von ihm schon 1880

entdeckten Satz bestätigt gefunden: »Beim schrägen Fortschreiten eines

dünnen, flächenartigen Körpers ist der Normaldruck der Luft an der

Vorderkante am größten, nimmt proportional der Entfernung von der

Hinterkante ab, und ist in letzterer gleich Null, so daß bei

rechteckiger Gestalt des Flächenkörpers die Mittellinie des

Normaldruckes in 1/3 der Länge von der Vorderkante entfernt liegt.«

[Illustration: Fig. 138. Draufsicht auf den Drachenflieger von Karos.]

[Illustration: Fig. 139. Die drei Ansichten des von Samuelson

ausgeführten Modelldrachenfliegers.]

Ein anderes von Samuelson aufgestelltes Flugprinzip lautet: »Der

Normaldruck, welchen ein in schräger Richtung fortschreitender ebener

Flächenkörper durch die Luft erleidet, ist unabhängig vom

Neigungswinkel.«

In Berlin hat $J. Hofmann$ das Modell eines Flugapparates konstruiert,

auf welches er viele Hoffnungen setzt. Es wiegt 3·5 ¯kg¯ und flog

wiederholt 10 ¯m¯ weit. Ein kupferner Wasserkessel von 72 Röhrchen und

eine für 11-1/2 Atmosphären Druck ausgestattete Verbundmaschine liefern

die zur Überwindung des Luftwiderstandes erforderliche Arbeit. Ein

Stelzenapparat ist bei der Abfahrt, respektive Landung behilflich. Ein

zehnmal größeres Modell soll in Ausführung begriffen sein.

[Illustration: Fig. 140. Hofmanns Drachenflieger mit Stelzenapparat.]

3. Die Kreßschen Drachenflieger.

$Kreß$, ein Russe, der lange Jahre in ÷Petersburg÷, dann in ÷Paris÷

lebte und dort ein Schüler Pénauds war, beschäftigt sich, gegenwärtig in

Wien domizilierend, seit mehr als 30 Jahren mit der Konstruktion von

Drachenfliegern.

Schon im Jahre 1880 gab er eine Broschüre »Aéro-véloce« heraus, in

welcher er einen Drachenflieger projektierte. Im Jahre 1896 verfertigte

Kreß den in der Fig. 142 abgebildeten Drachen von 0·4 ¯m^2¯ Fläche und

0·3 ¯kg¯ Gewicht, welcher unter einem Winkel von 4-6° sehr stabil in der

Luft schwebte. Seit dieser Zeit verbesserte er seine Apparate

kontinuierlich. In seiner aëronautischen Werkstätte finden wir alle

möglichen Flugmodelle. So in erster Linie natürlich eine Reihe von

Drachenfliegern, dann aber auch Flügel- und Schraubenflieger-Modelle.

Eine besondere Vorliebe bekundet Kreß für die Drachenflieger. Seiner

Beharrlichkeit verdankte er es schließlich, unterstützt von dem

bekannten Forscher auf aërodynamischem Gebiete, Chefingenieur von Loessl

und einigen seiner Freunde, die Mittel zum Baue von zwei großen

Drachenfliegern.

Verfolgen wir die Figuren 142-150, so bemerken wir, wie Kreß ganz

richtig kontinuierlich vom kleinen ins größere projektierte und, als er

in die Lage kam, seine Pläne zu verwirklichen, auch ausführte.

[Illustration: Fig. 141. Flugtechniker Wilhelm Kreß.]

Die Figur 144 zeigt das Projekt eines Kreßschen Drachenfliegers aus

früheren Jahren. Auf einem bootartigen Schlitten baut sich ein

Traggerüst auf, das zwei dortselbst angebrachte, gewölbte Flächen trägt.

Schon hier bemerken wir ein horizontales Steuer. Eine Balancefläche B

bildet eine Art vorderes, horizontales Steuer. Der Apparat ist durch

Schrauben vorwärts getrieben gedacht.

[Illustration: Fig. 142. Von Kreß projektierter Drache.]

Aus dieser, nicht ausgeführten Konstruktion entstand der Plan zu dem

nach Fig. 146 gebauten Drachenflieger.

Die gewölbten Tragflächen B_{1} B_{2} B_{3} B_{4} präsentieren sich uns

hier im Querschnitte. Zwei gegenläufige Schrauben E treiben den Apparat

vorwärts. Das Vertikalsteuer D erhielt viel kleinere Dimensionen. Das

Horizontalsteuer bekam eine fächerförmige Gestalt und überragte das

untere Steuer.

Wie auf dem Bilde zu sehen, ist das Flugschiff auf zwei schlanken

Aluminiumgondeln montiert, die zugleich einen Schlitten bilden. Über

diesem Schlittenboote ist ein Gerüst aus dünnwandigen Stahlröhren, mit

Drähten versteift, hergestellt und mit leichtem Ballonstoff überzogen.

Der vordere Teil bildet einen glatten, spitzen Keil, wobei die untere

Seite eine nützliche Drachenfläche darstellt. Über diesem Keile sind

drei gewölbte Tragflächen stufenweise angeordnet, vorne die kleinste,

rückwärts die größte.

[Illustration: Fig. 143. Projektierter Drache von Kreß im

zusammengelegten Zustande.]

[Illustration: Fig. 144. Kreßscher Drachenflieger. Projekt aus dem Jahre

1894.]

[Illustration: Fig. 145. Kreßscher Drachenflieger ex 1898.]

Zwischen der zweiten und dritten Tragfläche befinden sich die beiden

elastischen Segelluftschrauben. Rückwärts ist ein horizontal liegendes

Steuer von 14 ¯m^2¯ angebracht, mit welchem oben ein Luftkiel,

respektive eine Wetterfahne, fest verbunden ist. Darunter befindet sich

das vertikal stehende Steuer und an derselben Achse noch ein kleines

Eis- oder Schneesteuer.

Das horizontale, sowie auch das vertikale und Eis-Steuer werden mittels

eines Hebels durch die Hand in Tätigkeit gesetzt. Die Wölbung der

Tragflächen zur Sehne beträgt 1/12, aber die Enden der Rippen sind

elastisch und nachgiebig. Die drei gewölbten Tragflächen mit der

Schnabelspitze haben zusammen 90 ¯m^2¯ (ohne das horizontale Steuer).

Der ganze Flugapparat wiegt ohne Motor circa 300 ¯kg¯, mit Motor und

zwei Personen sollte er nicht über 650 ¯kg¯ wiegen.

Damit das Flugschiff das Wasser verlassen kann, ist nach Kreß eine

Minimalgeschwindigkeit von 10 ¯m¯ pro Sekunde erforderlich. Diese

Geschwindigkeit denkt sich Kreß auf dem Wasser dadurch erzielt, daß,

sobald der Flugapparat in Bewegung kommt, die großen Tragflächen einen

Auftrieb (z. B. bei 4 ¯m¯ 100 ¯kg¯), erhalten. Es wird also bei 4 ¯m¯

Geschwindigkeit pro Sekunde das Schlittenboot um 100 ¯kg¯ entlastet. Die

Gondeln heben sich um soviel aus dem Wasser, weshalb der eingetauchte

Querschnitt kleiner wird. Es resultiert daraus auch ein kleinerer

Widerstand und ein Wachsen der Geschwindigkeit. Infolgedessen wächst

aber wieder der Auftrieb und so fort, bis die Last, welche zuerst das

÷Wasser÷ trug, bei einer Geschwindigkeit von ca. 10 ¯m¯ pro Sekunde

allmählich von der Luft übernommen wird. Hat sich einmal der

Drachenflieger in die Luft erhoben, so erreicht er, nach Kreß'

Behauptung, mindestens eine Geschwindigkeit von 16 ¯m¯ pro Sekunde.

[Illustration: Fig. 146. Kreßscher Drachenflieger. Modell 1899-1901. Von

der Seite gesehen.]

Wer die im Reservoir des Tullnerbachtales ausgeführte mächtige

Flugmaschine, wie ich, im Baue sah, mußte beim ersten Eindrucke von der

präzisen, fachgemäßen, manuellen technischen Arbeit entzückt sein. Es

bot sich dem erstaunten Blicke des Ingenieurs in der Tat etwas völlig

Neues, Bestrickendes dar. Dieser gigantische, weitausragende Bau mit

seinen mächtigen Flügeln schien nur des Augenblickes zu warten, um sich

dem ihm vorher bestimmten Elemente anzuvertrauen.

Beim eingehenden Studium jedoch stiegen der Zweifel viele auf, ob diese

starren, leicht gebauten Formen es auch mit der Gewalt des künstlich zu

erzeugenden Windes werden aufnehmen können.

Die erforderliche Anfangsgeschwindigkeit von 10-12 ¯m¯ pro Sekunde soll

durch schnelles Fahren über das Wasser erzielt werden. Will der Apparat

funktionieren, so müßte er auch bei stärkerem Winde aus seiner

schützenden Hütte ausfahren können. Ein Geleise schreibt ihm dabei genau

die zu wandelnde Bahn vor, bis er auf dem Wasser sich selbst überlassen

ist.

[Illustration: Fig. 147. Kreßscher Drachenflieger. Modell 1898-1901. Von

oben und rückwärts gesehen.]

Bei ruhiger Luft geht alles ganz glatt, aber da erzielt auch der

geschmähte, lenkbare Ballon ganz gute Resultate und erhebt Lasten, die

bis jetzt noch keine Flugmaschine ungefährdet wieder landete. Wie sich

die Sache aber bei Wind verhält, darüber lassen sich nur Vermutungen

aufstellen, nachdem Kreß sich bis jetzt wohlweislich hütete, seine viele

Quadratmeter messenden Flächen bei einem solchen zu lancieren.

Der von einem 35 pferdestarken Motor getriebene Apparat machte bei stets

sehr schwachen Winden auf dem Becken des Tullnerbaches mehrere

Versuchsfahrten. Bei einer solchen Probefahrt kenterte am 3. Oktober

1901 der Flugapparat infolge zu geringer Stabilität und versank in die

Tiefe.

Förderer der Luftschiffahrt setzten Kreß in den Stand, einen, seiner

Meinung nach, verbesserten Drachenflieger zu bauen.

Die neue Type ähnelt sehr der alten. Naturgemäß fanden alle beim Baue

des vorhergehenden Apparates gemachten Erfahrungen bei dieser neuen

Maschine Verwertung.

Dieser neueste Apparat von Kreß erhielt eine um 1-1/2 ¯m¯ größere Länge

als sein Vorgänger, ist also 17-1/2 ¯m¯ lang. Statt der bisherigen drei

Flügelflächen sind vier angeordnet, und zwar wird, wie aus Fig. 148

ersehen werden kann, eine neue vierte Tragfläche unter die bisherige

dritte gesetzt.

[Illustration: Fig. 148. Seitenansicht des Kreßschen Drachenfliegers.

Die Tragflächen sind noch nicht montiert. Modell 1902.]

Diese beiden rückwärtigen Flächen haben, ähnlich wie die

Hargrave-Drachen, noch vertikale Wände, welche den Flugapparat

stabilisieren helfen sollen.

Die Gesamtfläche wird um rund 20 ¯m^2¯ vermehrt werden, so daß mehr als

100 ¯m^2¯ Fläche für Tragzwecke ausgenützt erscheinen. Es kommen dann

beiläufig 9 ¯kg¯ auf 1 ¯m^2¯ Fläche zu heben. Die beiden

Aluminiumgondeln, welche eine zu schwankende Basis bilden, hat Kreß

durch ein breites Boot ersetzt, welches vorne und rückwärts mit Luft

ausgefüllte, wasserdichte Schoten bekommen soll, damit im Falle eines

Kenterns der Apparat nicht wieder versinke. Der Daimler-Mercedes-Motor,

welcher bei der vorigen Flugmaschine eingebaut war und in die Tiefe des

Tullnerbach-Reservoirs versank, wurde wieder verwendet. Er leistet 35

Pferdestärken bei 370 ¯kg¯ effektivem Gewichte.

Die Fig. 148-150 geben ein Bild des Gerippes dieser neuen Flugmaschine,

Type 1902, welche am Neusiedlersee ihren Wert erweisen soll. Gewiß

begleiten Kreß auch dorthin unsere besten Wünsche. Möge er die in der

Zeit von vier Jahren beim Baue seines ersten Apparates gemachten

Erfahrungen zu Nutzen und Frommen der Flugtechnik ausnützen und vor

einer Sysiphusarbeit bewahrt werden.

[Illustration: Fig. 149. Ansicht des Kreßschen Drachenfliegers, Modell

1902, von rückwärts gesehen.]

Ich selbst zweifle gar nicht daran, daß es gelingen ÷kann÷, mit diesem

Drachenflieger sich aus dem Wasser zu heben und auch eine glückliche

Landung auf dem ÷Wasser÷ halte ich nicht für ausgeschlossen --

wenngleich ich nicht meine, dies werde die Regel sein -- aber trotz

alledem ÷glaube÷ ÷ich nicht an die Zukunft der Drachenflieger÷ in ihrer

jetzigen Form. Gerne gebe ich aber zu, daß die auf diesem Gebiete

veranstalteten Versuche für die Flugtechnik von großem Interesse werden

können.

[Illustration: Fig. 150. Ansicht des Kreßschen Drachenfliegers und

seiner Bauhütte Modell 1902, von vorne gesehen.]

Der in Fig. 151 abgebildete Drachenflieger von $Rosborg$ und $Nyberg$

soll vom Eise weg seinen Abflug ausführen.

Nähere Daten über diese etwas phantastische Maschine fehlen bisher. Ist

sie so gemacht, daß der Wind ihr Motor ist, so mag sie unter Umständen

gute und schnelle Dienste, aber nur auf dem Eise, leisten können.

Wenn sich die von den »Illustrierten aëronautischen Mitteilungen« im

4. Heft 1901 gebrachten Mitteilungen bewahrheiten, so hat sich

nachfolgend beschriebene Flugmaschine von $Whitehead$ (zu deutsch

Weißkopf), durch ihre beiden 2·25 Meter im Durchmesser haltenden

Schrauben getrieben, tatsächlich über 1 ¯km¯ weit mit einem Insassen

vom Boden erhoben, ist also die erste Flugmaschine, welche einen

Menschen infolge der ihr innewohnenden, motorischen Kraft vom Boden

durch die Luft geführt und wieder glücklich gelandet hat.

[Illustration: Fig. 151. Perspektivische Ansicht des projektierten

Drachenfliegers von Rosborg und Nyberg mit Eiskufen.]

[Illustration: Fig. 152. Drachenflieger von Whitehead (Weißkopf).]

Gustav ÷Weißkopf÷, ein Deutscher aus Ansbach in Bayern, sandte den

»Illustrierten aëronautischen Mitteilungen« aus Bridgeport in Amerika

folgenden, sehr interessanten Bericht:

»Meine Maschine ist im wesentlichen einem Vogel nachgebaut, hat einen

÷Körper÷ von 4·8 ¯m¯ Länge, 0·9 ¯m¯ Höhe und 0·75 ¯m¯ größter Breite.

Dieser Körper ruht mit vier Rädern am Boden auf. Der Durchmesser

dieser Räder beträgt 1 ¯m¯. Die Vorderräder werden von einer

zehnpferdekräftigen Maschine angetrieben, während die Hinterräder frei

laufen.

An jeder Seite ist eine mit Bambusröhren versteifte und mit Seide

überzogene ÷Tragfläche÷ angeordnet. Die Spannweite beträgt 10·8 ¯m¯ und

der Flächeninhalt der Tragflächen 50 ¯m^2¯. Die Tragflächen sind an

ihrer Unterseite stark konkav und weisen keinerlei schlaffe Stellen

auf. In der Höhe der Tragflächen steht quer im Körper eine

Zweifach-Expansionsmaschine von 20 Pferdestärken, welche zwei

Propellerschrauben in entgegengesetzter Richtung mit 700 Touren in der

Minute bewegt. Zur Erhaltung der Stabilität des Fahrzeuges in seiner

Länge ist ein automatisch in Funktion tretender Apparat vorgesehen.

Betriebsmaterial ist Calciumcarbid, beziehungsweise Acetylengas.

Die Luftschiffahrt der Gegenwart · 第 16 / 19 段