Damit haben seine Erbauer das Problem der ÷Lenkbarmachung÷ des Ballons

eigentlich schon gelöst. Dies ist aber der ungleich leichtere Teil, der

vor uns liegenden Aufgabe. Der schwerere und bis jetzt noch nicht

gelöste Teil besteht in der Erreichung einer praktisch verwertbaren

Geschwindigkeit, d. h. es handelt sich heute darum, die Geschwindigkeit

des Luftschiffes von 8 ¯m¯, welche Santos Dumont erreicht hat, auf

mindestens 14 ¯m¯ per Sekunde zu erhöhen.

[Illustration: Fig. 61. »Lenkbarer Ballon« ÷Debayeux÷.]

Der Vorwärtsbewegung des Luftballons stellt sich der durch die

Vorwärtsbewegung hervorgerufene Luftwiderstand entgegen; diesen zu

überwinden, ist Sache des Motors. Der Ballon muß, nicht nur sich selbst

und die Nutzlast, sondern auch den Motor mit in die Lüfte nehmen. Je

geringer der Motor bei gleicher Stärke an Gewicht wird, desto kleiner

kann der Ballon sein, desto weniger Widerstand wird er finden, desto

schneller also kann er sich vorwärtsbewegen.

Theoretisch verhalten sich, zwei gleiche Ballons und gleichstarke

Motoren vorausgesetzt, wovon der eine Motor 1 ¯q¯, der andere 2 ¯q¯

wiegt, die Geschwindigkeiten wie [3root](¯q¯ 1) zu [3root](¯q¯ 2).

Alteriert wird dieses Verhältnis durch den Wirkungsgrad der Maschine.

Weiters wächst der Luftwiderstand mit der ersten Potenz der Fläche und

mit dem Quadrate der Geschwindigkeit, die Arbeit dagegen mit dem Kubus

der Geschwindigkeit.

Um eine möglichst große Geschwindigkeit zu erzielen, muß also die

Arbeitsleistung des Motors beim geringsten Eigengewichte eine möglichst

hohe sein und anderseits soll die Widerstandsfläche möglichst klein

werden.

Ersteres ist Sache des Maschinentechnikers und soll hier nicht weiter

behandelt werden. Letzteres bildet das Bestreben des Ballontechnikers.

Dieser kann zu seinem Ziele auf zwei Arten kommen; entweder wird er die

Widerstandsfläche überhaupt möglichst klein machen oder ihr durch eine

entsprechende Konstruktion eine solche Form zu geben trachten, daß der

effektive Stirnwiderstand so klein als möglich ausfalle.

Das erstere läßt sich durch eine Verlängerung der Form (Zeppelin), das

letztere durch eine möglichste Versteifung und zugespitzte Gestalt des

Ballons (Renard) erzielen.

Wieviel da noch zu machen ist, zeigt am deutlichsten der Umstand, daß

der ÷Reduktionskoeffizient÷ bei den besten bisher konstruierten

Wasserschiffen 1/20-1/30, bei den Luftschiffen dagegen gegenwärtig nur

1/5-1/6 beträgt.

Es fragt sich aber, ob es möglich ist, bei in der atmosphärischen

Luft sich fortbewegenden Mechanismen, überhaupt so kleine

Reduktionskoeffizienten (der Reduktionskoeffizient ist das Verhältnis

zwischen dem Widerstande eines ÷ebenen÷ zu dem eines entsprechend

÷zugespitzten÷ Körpers, bei gleicher Fortbewegungs-Geschwindigkeit) zu

erzielen.

Um diesen Zweifel zu beheben, wären diesbezüglich Experimente mit dem

Loesslschen Wageapparate vorzunehmen und sollen die hierbei allein in

Frage kommenden Rotationskörper aus absolut formbeständigen, ganz

glatten Versuchsobjekten bestehen.

3. Die Parallelballons.

Man hat getrachtet, dem Problem der Lenkbarmachung des Ballons auf alle

mögliche Art und Weise beizukommen.

Das Eingehen in die hier herrschenden Verhältnisse hat unter allen

Umständen etwas Verlockendes an sich.

Bei allen diesbezüglichen Kalkulationen handelt es sich darum, mit dem

geringsten Konstruktionsgewichte auszukommen.

Die zu erreichende ÷Geschwindigkeit÷ soll mindestens 14 ¯m¯ pro Sekunde

betragen. Dazu soll der ÷Stirnwiderstand÷ tunlichst klein, die

÷motorische Kraft÷ entsprechend groß sein.

Verschiedene Ballonkonstrukteure glauben dieses Ziel mit Hilfe von

÷Parallelballons÷ erreichen zu können.

Wenn man statt ÷einer÷ Hülle, ÷zwei÷ Hüllen anwendet, so kann man diese

entweder ÷übereinander÷ oder ÷nebeneinander÷ anbringen. Die erstere Art

ist meines Wissens bei lenkbaren Ballons noch nicht versucht worden; sie

dürfte an der schwierigen Konstruktionsdurchführung scheitern. Letztere

Art wurde von ÷Rozé÷ (Fig. 62-63) angeordnet.

÷Ein÷ großer ÷Nachteil÷ ist jedenfalls diesen Parallelballons nicht

abzusprechen. Es ist dies der Umstand, daß im Falle einer Havarie auch

nur ÷einer÷ Hülle, sich das ganze System schief stellt und eine

bedenkliche Verlegung des Schwerpunktes eintritt.

Als ÷Vorteile÷ dieser Konstruktion lassen sich anführen: floßartige,

große Stabilität (im Falle die Hüllen konstant und stets gleich

tragfähig bleiben), günstige Situierung der Motoren und Schrauben, ihre

zentrale Lage etc.

÷Nehmen wir an÷, wir würden zwei Ballons nach Type I (»125 Ballons«

meines Werkes »Lenkbare Ballons«, Seite 94-117) mit einem vorderen

Durchmesser von 10 ¯m¯ und einer Rumpflänge von 60 ¯m¯ als

Parallelballons verwenden, so ergibt dies eine Oberfläche von rund 3900

¯m^2¯, das heißt, man braucht zur Herstellung von Hüllen für einen

Fassungsraum von 8500 Kubikinhalt 3900 ¯m^2¯ Stoff. Hierbei beträgt der

größte, dem Gegenwinde ausgesetzte Querschnitt 157 ¯m^2¯. (Siehe Tabelle

1a auf pag. 107 »Lenkbare Ballons«.)

Eine einfache Rechnung zeigt, daß für ÷gleiche Hubkraft÷ und

÷Rumpflänge÷ bei Verwendung nur einer Hülle der Durchmesser des Ballons

13·5 ¯m¯ haben müßte und dabei nur 2850 ¯m^2¯ Stoff benötigt würde, das

heißt um rund 1050 ¯m^2¯ weniger als bei Verwendung von zwei

Parallelballons. Die größte Querschnittsfläche ergäbe sich dabei nur mit

144 ¯m^2¯.

Konstruiere ich aber den ÷einfachen÷ Ballon mit nur 40 ¯m¯ Rumpflänge,

so fordert er bei ÷gleicher Tragkraft÷ einen Durchmesser von ca. 16 ¯m¯

und eine Hülle von 2500 ¯m^2¯, also noch weniger Stoff; dabei betrüge

aber die größte Querschnittsfläche rund 200 ¯m^2¯.

Um 157, respektive 144 oder 200 ¯m^2¯ mit einer Geschwindigkeit von 14

¯m¯ pro Sekunde vorwärts zu bewegen, dazu bedarf es rund 115, 105, 145

oder bei Berücksichtigung aller Widerstände 230, 210, respektive 290

Ballonpferdestärken.

Setzt man das Gewicht einer solchen Ballonpferdestärke mit 20 ¯kg¯ in

Rechnung, so ergibt dies einmal ein Mindererfordernis von 400 ¯kg¯, das

andere Mal ein Mehrerfordernis von 1200 ¯kg¯ bei gleicher

Eigengeschwindigkeit des Ballons für den einfachen Ballon gegenüber dem

Parallelballon.

[Illustration: Fig. 62. Der Doppelballon von Rozé.]

Dagegen erzielt man an Gewichtsersparnis bei der Hülle allein für den

einfachen Ballon im ersten Falle, bei dem Einheitsgewichte eines

Quadratmeters Hülle von 1 ¯kg¯ angenommen, 1050 ¯kg¯, beim zweiten Falle

1300 ¯kg¯, das heißt, der ÷einfache÷ Ballon wäre bei gleich großer

Eigengeschwindigkeit und Hubkraft im ersten Falle um 1450 ¯kg¯ und im

zweiten Falle um mindestens 150 ¯kg¯ leichter herzustellen.

Diese kleine Ausführung soll nur zeigen, wie interessant sich diese

Verhältnisse und Gegenüberstellungen unter gewissen Annahmen gestalten.

Näher darauf einzugehen, fehlt hier der Platz. Ein ganz klares Bild über

die herrschenden Gewichtsverhältnisse können allein graphische

Darstellungen geben.

Der Ballon ÷Rozé÷ sollte sich im Herbste 1901 in die Luft erheben. Er

war als Doppelballon konstruiert, bestehend aus zwei zigarrenförmigen

Ballons von je 45 ¯m¯ Länge und 7·5 ¯m¯ Durchmesser.

Die ÷Hüllen÷ waren in einem Aluminiumröhrengerüste untergebracht. Dieses

hatte 45 ¯m¯ Länge und war aus konzentrischen, kreisförmigen Röhren aus

gehärtetem Aluminium in verschiedenen Stärken ausgeführt. Jedes Gerüst

scheint durch fünf Zwischenwände in sechs Abteilungen geteilt gewesen zu

sein. Demgemäß bestand der ganze Ballon aus zwölf Hüllenkörpern von je 5

¯m¯ Länge. Die beiden Ballons waren durch sechs hohle Tuben, in welchen

Gas kommunizieren konnte (was schon 1875 von Popper vorgeschlagen

wurde), von 5 ¯m¯ Länge vereinigt. An diesen Tuben war auch die Gondel

an 14 Aluminiumträgern aufgehängt. Sechs mit Kautschukrädern versehene

Füße, welche noch durch Federn elastisch gemacht waren, erlaubten eine

glatte Fortbewegung des Ballons auf dem Boden.

[Illustration: Fig. 63. Blick in den Zwischenraum des »lenkbaren

Ballons« Rozé.]

Die ÷Gondel÷ hatte zwei Etagen und 12 ¯m¯ Länge. Sie war halb ober-,

halb unterhalb der drei inneren Traversen angebracht und spitz

zulaufend. Das Luftschiff besaß fünf ÷Steuer÷ und vier ÷Schrauben÷; zwei

Schrauben sollten zur Erreichung der Höhe, je eine zur Vor- und

Rückwärtsfahrt dienen.

Zwischen den beiden Ballons und über den drei oberen Traversen ist ein 4

¯m¯ breiter, fixer Rahmen von 12 ¯m¯ Länge montiert.

Dieser ist in 12 Teile geteilt und aus Aluminiumtraversen geformt. An

diese 12 Traversen sind 12 Seitenflächen von je 1·10 ¯m¯ Breite

angebracht, welche wieder an einem anderen inneren, beweglichen Rahmen

befestigt sind und zwar derart, daß eine Art Rolette gebildet wird,

welche einerseits von der Gondel aus dirigiert werden kann und

anderseits selbsttätig ihre Stellung reguliert. Die Schrauben besitzen

3·1 ¯m¯ Durchmesser, 5 ¯m¯ Steigung und eine Tourenzahl von 300. Dieses

Luftschiff hat keine freie Fahrt gemacht, weil es zu schwer ausfiel und

soll im Spätherbste 1902 demontiert worden sein.

Man könnte, um nur noch ein Beispiel anzuführen, auch drei Ballons

miteinander koppeln, deren Achsen so wie die Spitzen eines

gleichseitigen Dreieckes gegeneinander situiert sind, damit wäre die

Frage der praktischesten Schraubenanbringung vielleicht am einfachsten

gelöst. Die Gondel käme in die Mitte und die Schraube würde auch

tatsächlich im Widerstandsmittelpunkte angreifen können. Durch

entsprechende Präparierung der Hüllen wird man selbe feuerbeständig

machen können und so die Gefahr einer Entzündung hintanhalten.

Allerdings hätte diese Konstruktion aber wieder andere Nachteile im

Gefolge.

4. Der lenkbare »entlastete« und »überlastete« Ballon.

Während der lenkbare, $statische$ Ballon sein ganzes Gewicht allein

vermöge des Gasauftriebes hebt und seine volle mitgeführte maschinelle

Kraft ausschließlich zur Überwindung des Luftwiderstandes verwendet,

wird bei den lenkbaren, entlasteten und bei den überlasteten Ballons nur

ein Teil dieses Gewichtes durch das mitgeführte Gas getragen, ein

anderer Teil hingegen durch die Arbeitsleistung des mitgenommenen

Motors.

Man machte dem lenkbaren, ÷statischen÷ Ballon den Vorwurf, bei seinem

Mangel an aktivem Gewichte, besonders große Widerstandsflächen zu

besitzen und keine praktisch verwertbaren Geschwindigkeiten erlangen zu

können. Arbeitet seine Maschine nicht, so wird er ganz zum Spielball der

Winde.

Der lenkbare, $entlastete$ Ballon ist in Verbindung mit einer drehbaren

Drachenfläche gedacht. Bewegt sich dieser Ballon alsdann in Wellenlinien

seinem Ziele entgegen, so nennt man ihn ÷Wellenflieger÷.

Die Zahl seiner Anhänger ist groß, weil man von der, im übrigen, irrigen

Ansicht ausgeht, daß dadurch ein großer Teil des Stirnwiderstandes

eliminiert und die beim schiefen Abstiege erzeugte, lebendige Kraft zur

fast vollen Bewältigung des aufwärtssteigenden Astes der Flugkurve

ausgenützt werden könne.

Diese ältere Methode findet ihre Verfechter in manchen französischen

Aviatikern, dann in Miller von Hauenfels, Platte u. a.

Als Vorteil des überlasteten, als ÷Wellenflieger÷ gedachten Ballons,

wird von seinen Verteidigern angeführt:

1. er finde weniger Stirnwiderstand als der statische Ballon;

2. seine Unterfläche könne zum Tragen mit herangezogen werden.

Wer sich näher über diese Ballontypen unterrichten will, den verweise

ich auf die Projekte von Clark 1865, Platte 1886 und 1893, Wellner 1886

und Miller von Hauenfels 1890.

Platte situierte anfänglich eine Fläche zwischen einem Kugelballon und

der Gondel, dann machte er einen fischbauchförmigen Ballon und umgab ihn

in der Längsachse mit einer drehbaren Tragfläche etc.

Wellner endlich konstruierte einen ÷keilförmigen÷ Ballon mit breiter

Unterfläche und schneideförmigem Bug.

Nicht zu verwechseln mit diesen vorerwähnten, entlasteten Ballons ist

der $überlastete$ oder ÷dynamische÷ Ballon, welcher im Zustande der Ruhe

vermöge seines Traggases allein nicht aufsteigen kann. Um sich zu

erheben, bedarf er einer motorischen Kraft. Meist ist diese durch eigene

Hubschrauben wirkend gedacht; Santos-Dumont ordnet statt dieser schiefe

Tragflächen um den Ballon an, welche im Vorwärtsfluge die erforderliche

Hubkraft liefern sollen. Der überlastete Ballon fährt nicht in

Wellenlinien, sondern in ÷gerader÷ Bahn. Das Durchschnittsgewicht des

rein statischen Ballons beträgt ungefähr dasselbe wie jenes der

atmosphärischen Luft, in welcher er schwebt, beim dynamischen Ballon ist

dasselbe größer.

Untersucht man die ÷lebenden Flugtiere÷ bezüglich des spezifischen

Gewichtes, so findet man die mit Bezug auf obiges gewiß merkwürdige

Tatsache, daß dieses fast niemals die Zahl 0·7 übersteigt, bei weniger

kräftigen Tieren aber oft nur 0·2, ja bei den Insekten noch bedeutend

kleiner wird.

Da nun das absolute Gewicht von der Größe des spezifischen Gewichtes

abhängig ist, so verfolgt die Natur damit, daß sie den Flugtieren ein so

verschiedenes Gewicht erteilt, den Zweck, das absolute Gewicht nach der

jeweiligen Muskelkraft genau zu regeln.

÷Platte÷, der Hauptvertreter des ÷entlasteten÷ Ballons, argumentiert

weiter (siehe »Aëronautische Beobachtungen« 1879 und »Flugtechnische

Betrachtungen« 1893):

»Für die Menschen ist das wohl ein nicht zu übersehender, sehr

deutlicher Fingerzeig dafür, was sie zu tun haben, um ihr absolutes

Gewicht nach der Kraft der Maschine zu regeln; sie müssen eben das

spezifische Gewicht des Flugkörpers genau so groß machen, daß sodann das

absolute Gewicht des Flugkörpers nicht größer ist als der Druck, welchen

die Maschine auszuüben vermag.

Sei es nun wie immer; ÷besitzt÷ der Mensch die technischen Mittel, um

den Körper, seinem Flugapparate angemessen, seiner Kraft zu ÷entlasten÷,

so wird er -- das begreift jedes Kind -- sich von flacher Erde durch

eigene Kraft in die Luft ÷erheben÷ können; ÷besitzt er diese Mittel

nicht÷, so ist ÷keine÷ Aussicht vorhanden, das Flugproblem zur Lösung zu

bringen.

Die Mittel, welche uns zur Verfügung stehen, um die Flugapparate

einerseits recht leicht und doch fest zu gestalten und anderseits

Maschinen zu bauen, welche bei geringem Gewichte eine große

Leistungsfähigkeit entwickeln, sind, wie uns die bisherigen Erfahrungen

lehren, nicht ausreichend, um Kraft und Last in das richtige Verhältnis

zueinander zu setzen; wir müssen daher notwendig zu dem einzigen noch

übrigen Mittel, die Herbeiführung der notwendigen Gewichtsentlastung

durch den Auftrieb leichter Gase zu erzwingen, greifen.«

Diese Zeilen sind jedenfalls recht interessant, sie dokumentieren auch,

wie getrennt man sich in den Lagern der Flugtechniker noch mit den

Ansichten gegenübersteht.

Was die dynamischen Ballons, welche sich nicht in Wellenlinien

fortbewegen, anbelangt, so halte ich sie für sehr aussichtsvoll und

zukunftsverheißend, wenn auch noch kein bedeutendes derartiges Projekt

bis jetzt veröffentlicht wurde.

Solche oder ähnliche Ballons sind entweder mit ÷fixen oder beweglichen

Drachenflächen÷ verbunden gedacht (Santos-Dumonts neuestes Projekt, oder

jenes von Parseval Riedinger), oder vielleicht noch besser in Verbindung

mit ÷Hubschrauben÷ allein (Haenlein, Schwarz). Diese liefern jenes Maß

von Auftrieb, welches der Ballon zu seiner Erhebung noch bedarf.

Dazu sind natürlich wieder eigene Motoren erforderlich. Es handelt sich

darum, Gewicht zu ersparen.

Das Gewicht, welches die Motoren, Schrauben, Transmissionen etc.

bedürfen, um ein gewisses Maß von Auftrieb zu liefern, muß kleiner sein

als das Gewicht des Überschusses der Hülle, gegenüber einem statischen

Ballon und das durch das größere Volumen bedingte Mehrerfordernis an

motorischer Vortriebskraft.

Auch dieses Gebiet ist sehr interessant und noch fast gänzlich

unbearbeitet.

Nach meinen auf dem Reißbrette durchgeführten Konstruktionen und

eingehenden Rechnungen muß ich dem dynamischen, lenkbaren Ballon, wie

schon oben erwähnt, eine große Zukunft verheißen. Es ist bedauerlich,

daß gerade hierüber fast immer nur Skizzen veröffentlicht werden. Das

ist zwar allerdings sehr einfach, fördert jedoch die Sache nicht, weil

eine befruchtende Kritik unmöglich ist.

Angehenden Luftschifftechnikern kann zur Einschulung nicht dringend

genug das Entwerfen ganzer Ballon-Konstruktionen und jenes von

Konstruktions-Details empfohlen werden.

5. Die lenkbaren Ballons von Santos-Dumont.

Gleich nach der, wenn ich so sagen darf, endgiltigen Erfindung des

Luftballons durch die Gebrüder Montgolfière wurde die Welt mit einer

Unmasse von Projekten lenkbarer Ballons überschwemmt. Die damalige Zeit

war in Bezug auf industrielle Erzeugnisse noch nicht so weit, daß sie

den an sie gestellten Anforderungen genügen konnte. Anfangs der

Fünfziger- und Siebzigerjahre des verflossenen Jahrhunderts und dann um

die Mitte der Achtzigerjahre gaben Giffard, Haenlein und Renard-Krebs

der Luftschiffahrt neue Impulse. Die Bestrebungen Zeppelins sind noch in

aller Erinnerung. Nach und nach gelangte die Industrie auf einen

derartigen Standpunkt, daß sie in der Lage war, auch weitergehenden

Ansprüchen der Aëronauten zu genügen. Dies ist der eigentliche Grund,

warum die Versuche von Santos-Dumont, von welchen in der Folge die Rede

sein soll, von größeren Erfolgen als die seiner Vorgänger begleitet

waren.

[Illustration: Fig. 64. Santos-Dumont, der Gewinner des

Deutsch-Preises.]

Was Santos-Dumont selbst anbelangt, so ist er sicher einer der

beherztesten, kühnsten und verwegensten Luftschiffer, die es je gegeben

hat. Die Art, wie er von allem Anbeginn mit seinem Fahrzeuge hantierte,

ließ sofort eine ganz seltene Unerschrockenheit erkennen, und was er

seither damit geleistet, wie er nach jedem Unfalle, den er erlitten,

stets sofort wieder aufs neue startete, zeigt von einem ganz

außerordentlichen Mute und einer höchst seltenen Zähigkeit. Dieser junge

Brasilianer, klug und ausdauernd in seinen Bestrebungen, entwarf in der

kurzen Zeit von drei Jahren, der Reihe nach acht verschiedene

Luftschiffe. Er begann mit dem Baue eines ganz kleinen Ballons von nur

400 ¯m^3¯ Inhalt, auf dessen Tragstange er eine Art Sattel anbringen

ließ und so bei seiner ersten Fahrt durch die Luft ritt. Zu wiederholten

Malen platzte sein Ballon und einmal äußerte er sich sehr befriedigt

darüber, er sei in einem Ballon aufgefahren und, nachdem dieser hoch in

den Lüften gerissen war, mit einem Fallschirme herabgekommen.

[Illustration: Fig. 65. Santos-Dumont auf seiner Fahrt zum Eiffelturme.]

Im Frühjahre 1901 erhielt er vom Pariser Aëro-Klub die ÷Interessen÷ des

Deutsch-Preises pro 1900 mit 4000 Franken zugesprochen.

Santos-Dumont umkreiste den Eiffelturm mit seinem Ballon zu wiederholten

Malen und gewann schließlich den ÷Deutsch-Preis÷ mit 100.000 Franken,

wovon er sofort 50.000 Franken an die Armen von Paris verteilte und das

andere an Persönlichkeiten, die sein Unternehmen durch Wort und Tat

unterstützten.

Der 100.000 Franken-Preis, von Henri Deutsch de la Meurthe gestiftet,

sollte bekanntlich dem Besitzer jenes Luftvehikels zufallen, das vom

Parke des Aëro-Klubs oder von einem gleich weit vom ÷Eiffelturme÷

entfernt liegenden Punkte aus aufsteigend, nach der Umkreisung der

Turmspitze innerhalb 30 Minuten wieder am Aufstiegsorte landet. Die

zurückzulegende Strecke beträgt ungefähr 11 ¯km¯; die mittlere

Fahrgeschwindigkeit des Luftschiffes, das den Preis erringen sollte,

mußte also wenigstens 22 ¯km¯ pro Stunde oder 6-1/9 ¯m¯ pro Sekunde

betragen.

[Illustration: Fig. 66. Santos-Dumont in dem Ballontraggerüste des

Ballons Nr. 5 aus seiner Ballonhalle im Aëro-Klub ausfahrend.]

Von den bisher von Santos-Dumont veranstalteten Ballonfahrten sei

einiger der interessanteren hier gedacht.

Am $12. Juli$ stieg Dumont mit dem Ballon Nr. 4 von seinem bei

÷Saint-Cloud÷ gelegenen Luftschiffpark gegen vier Uhr morgens auf und

unternahm eine fünfmalige Rundfahrt oberhalb des Rennplatzes

÷Longchamps÷ und des ÷Bois de Boulogne÷. Das Luftschiff kehrte dann zum

Aufstiegorte zurück. Santos-Dumont steuerte hierauf sein Vehikel gegen

den ÷Eiffelturm÷; in der Nähe desselben riß aber eines der Tragseile, so

daß der Aëronaut gezwungen war, an die Landung zu schreiten; diese

erfolgte beim Trocadéro. Nachdem der Schaden auf der Straße ausgebessert

war, erhob sich Santos-Dumont zum zweiten Male bis zur letzten Etage des

Eiffelturmes und segelte um denselben herum, worauf er zum Aufstiegsorte

in Saint-Cloud zurückkehrte.

Der am $8. August$ unternommene Aufstieg endigte mit einer Katastrophe.

Der Aufstieg erfolgte bei vollkommener Windstille. Das Luftschiff nahm

seinen Kurs in der Richtung zum Eiffelturme, umkreiste den Turm zweimal

und fuhr dann in einer Höhe von ungefähr 350-400 ¯m¯ wieder nach

Saint-Cloud zurück. Als das Luftschiff das Bois über La Muette

passierte, bemerkte man plötzlich, daß die Fluggeschwindigkeit rapid

abnahm; gleichzeitig senkte sich der Ballon sehr rasch, bis schließlich

das Sinken sich in einen förmlichen Niedersturz verwandelte. Der Ballon

fiel auf ein sechs Stock hohes Haus auf dem Quai de Passy und wurde

vollständig zerrissen. Die Gondel blieb an einer Mauer hängen, und erst

nach einer halben Stunde gelang es der Feuerwehr, den kühnen Aëronauten

aus seiner höchst unbehaglichen Situation zu befreien.

Am $6. September$ stieg Santos-Dumont mit einem neuen Ballonluftschiffe,

das schon seit mehreren Tagen fahrbereit stand, abermals auf. Der

Aufstieg selbst ging glatt vor sich. Von Saint-Cloud aus steuerte

Santos-Dumont sein Vehikel gegen den Rennplatz von Longchamps, kreuzte

mehrmals über demselben und landete wenige Minuten später am Eingange

des Kaskaden-Restaurants des Bois de Boulogne. Nach kurzer Zeit stieg

Santos Dumont wieder auf und wollte nach Saint-Cloud zurückfahren. Der

Ballon soll anfangs auch faktisch gegen den freilich kaum merkbaren Wind

geflogen sein. Im Rothschildparke blieb aber die tief herabhängende

Schleifleine in den Zweigen eines Baumes hängen. Da es nicht gelang, die

Leine wieder los zu machen, entleerte Santos-Dumont den Ballon und stieg

auf den Baum nieder, wobei die Gondel einige unbedeutende Havarien

erlitt.

Mit einem rekonstruierten Ballonluftschiffe stieg Santos-Dumont am $10.

Oktober$ erneuert auf. Mehr als eine Stunde manövrierte Santos-Dumont

oberhalb des Rennplatzes von Longchamps nach allen Richtungen, wobei

der Ballon dem Steuer mit großer Präzision gehorchte. Die

Verbesserungen, welche Santos-Dumont an dem Motor anbringen ließ, hatten

sich in jeder Hinsicht bewährt, der Motor funktionierte diesmal

tadellos. Santos-Dumont machte sich den Spaß und lud seine Freunde für

drei Uhr zum Tee im Kaskadencafé und versprach im Ballon dortselbst

einzutreffen; er langte auch faktisch fast in demselben Augenblicke am

Rendezvousplatze an, wie seine Freunde mit ihren Automobilen.

[Illustration: Fig. 67. Landung und Riß des Ballons von Santos-Dumont

Nr. 2 im Jardin d'Acclimation in Paris am 18. März 1899.]

Rasch bestieg Santos wieder den Korb seines Vehikels und fuhr nach

Longchamps zurück; er setzte in einer Höhe von etwa 200 ¯m¯ über die

Seine, flog ein wenig über den Park d'Aérostation hinaus, kehrte aber

plötzlich um und lenkte sein Vehikel zum Aufstiegplatze zurück. Die

Landung erfolgte ganz glatt, knapp neben der Ballonhalle.

Die Luftschiffahrt der Gegenwart · 第 10 / 19 段