Während die gebräuchlichen Gasballons von jeher durch den Füllansatz

offen gehalten werden und offen gehalten werden müssen, daher beim

Aufstiege konstante Gasverluste erleiden, beständig Auftrieb verlieren

und zuletzt in eine Gleichgewichtslage gelangen müssen, die ein weiteres

Steigen verbietet, vermag ein vollständig geschlossener Gasballon, weil

er bei Erwärmung und Druckverminderung sich aufbläht, sehr schnell in

große Höhen, wo der Widerstand immer geringer wird, zu steigen.

Allerdings ist schließliches Platzen sein Los; aber dies Platzen ist

beabsichtigt und dadurch in die Berechnung gezogen, daß die mitgeführten

Instrumente durch Vermittlung eines Fallschirmes sanft zur Erde

gelangen. Der Erfolg hat diesen Erwägungen, nach allen Richtungen

vollständig Recht gegeben. Die Auftriebkraft eines solchen sich

blähenden Ballons nimmt beständig zu statt ab, und es ist durch den Grad

der Füllung ziemlich genau im voraus festzustellen, wann der mit großer

Geschwindigkeit steigende Ballon von seinem Schicksal erreicht werden

wird. Der Aufstieg dauert selten mehr als eine Stunde und in höchstens

zwei Stunden ist der Ballon, wenn er nicht durch den Wind allzuweit

verschlagen wird, stets mit interessanter Botschaft aus den höchsten

Regionen wieder da.

Den das aëronautische Observatorium am 22. Mai l. J. in Tegel

besuchenden Mitgliedern der »Internationalen Kommission für

wissenschaftliche Luftfahrten« stellte Geheimrat Assmann seine

Gummiballons vor, deren drei zum Aufstiege in der Ballonhalle bereit

waren. Nr. 1 stellte ein kleineres Modell von 1·80 ¯m¯ Durchmesser im

natürlichen, d. i. unausgedehnten Zustande dar, welches nur um einen

geringen Betrag, nämlich bis auf 2 ¯m¯ Durchmesser, ausgedehnt und daher

noch recht bedeutender Aufblähung und zu entsprechend hohem Steigen

fähig war. Geheimrat Assmann erklärte die sehr einfache Einrichtung des

Ballons. Vom Äquator desselben und dort an drei symmetrisch am Umfange

verteilten Punkten befestigt, hängen drei Schnüre etwa 5 ¯m¯ tief herab,

in welche der aus weißem Stoff hergestellte Fallschirm so eingehackt

ist, daß die Hacken sich von selbst aushacken, sobald nach dem Platzen

des Ballons der Winkel, den jene Schnüre für gewöhnlich mit dem

korrespondierenden des Fallschirmes bilden, sich vergrößert. Etwa 3 ¯m¯

unter dem Fallschirm, also 8 ¯m¯ unter dem Ballon, hängt der die

Instrumente enthaltende Apparat, mit einem großen Plakat beklebt, das

dem Finder Belohnung verspricht und ihm Anleitung für Behandlung des

Fundes und dessen Rücksendung gibt. Der so vorgestellte Ballon wurde

alsbald und mit aller Bequemlichkeit aus der Ballonhalle herausgelenkt

und aufgelassen. Er stieg mit großer Geschwindigkeit unter dem Einflusse

des Windes in schräger Richtung aufwärts und verschwand, nachdem er sich

für das Auge bis zu einem sehr kleinen Scheibchen verkleinert, bei etwa

2000 ¯m¯ Höhe in den so tief herabhängenden Wolken. Gleich darauf

gelangte auch Ballon Nr. 2, etwa unter denselben Verhältnissen zum

Aufstiege. Er war mit 2 ¯m¯ natürlichem Durchmesser, etwas größer als

Nr. 1, aber bei seiner Füllung gar nicht ausgedehnt worden, so daß er

etwa 4 ¯m^3¯ Gas enthielt, mit einem Auftrieb = 4-1/2 ¯kg¯. Nach Abzug

des Eigengewichtes von 3 ¯kg¯, einschließlich der Instrumente, war im

Anfangsstadium ein Netto-Auftrieb von 1-1/2 ¯kg¯ vorhanden, der sich

aber durch die Ausdehnung des Ballons, welcher den vierfachen

Durchmesser erreichen kann, ohne daß der Ballon platzt, sehr bedeutend

vermehrt.

Was die Beobachtungsergebnisse mit Hilfe dieser Ballons sondés

anbelangt, so sind sie in vieler Hinsicht wissenswert. Leider gestattet

es der Raum dieses Buches nicht, darauf näher einzugehen, deshalb nur

kurz folgendes. Eine der interessantesten Beobachtungen, welche mit

ihrer Hilfe angestellt wurde, berichtete Herr Teisserenc de Bort aus

Paris in Berlin und zwar machte er dortselbst Mitteilungen über die

Temperaturabnahme in den hohen Regionen auf Grund der Beobachtungen an

258 Ballons, die 11 ¯km¯ erreicht oder überschritten haben, und hieran

anschließend über die Luftströmungen oberhalb der Depressionen und der

Gebiete hohen Luftdrucks. Alle diese Aufstiege sind zur Vermeidung der

Sonnenstrahlung bei Nacht erfolgt, im ganzen bisher 540, von denen die

oben bezeichnete Zahl bis in die größten Höhen eindrang. Das

übereinstimmende, bemerkenswerte Resultat ist, daß in der Schicht über 8

bis 9 ¯km¯ Höhe die Temperaturabnahme ungleich langsamer erfolgt, daß

sie in der Höhe von 11 ¯km¯ ganz aufhört und daß darüber hinaus sogar

Erwärmung eintreten kann, jedoch mit geringen Schwankungen von 1-3° auf

und ab, mit der Wirkung, daß die Temperatur durchschnittlich die gleiche

bleibt. Im Sommer scheint diese isotherme Schicht etwas höher zu liegen,

nämlich erst bei 13-14 ¯km¯. Sie liegt niedriger in Zeiten der

Depression, aber bis 4 ¯km¯ im Vergleich höher in Zeiten hohen Druckes.

Die Zone dieser Vorgänge liegt höher als die Cirrus-Wolken. Als

niedrigste Temperaturen sind zur Zeit hohen Druckes -67° und -72°, im

März auch ausnahmsweise -75° beobachtet worden. Ob damit ein absolutes

Minimum der Lufttemperatur erreicht ist, bedarf der weiteren Prüfung.

Über die Ursachen der auffälligen Erscheinung gibt es zunächst nur

Vermutungen. Liegt die Wirkung eines sozusagen grandioseren Charakters

der Luftverhältnisse in diesen großen Höhen vor, in welche die

Wirbelbewegung der unteren Schichten nicht hinaufreichen und die großen

Strömungen ruhiger verlaufen, oder soll man mit Maxwell annehmen, daß es

Stadien der Molekularbewegungen gibt, in denen die Schwere und ihre

Begleiterscheinungen aufgehoben sind?

Auch Geheimrat Assmann ist, unabhängig von dem französischen Gelehrten,

der die oben aufgeworfenen Fragen aufgestellt hat, zu ähnlichen

Ergebnissen gelangt. Er führte aus:

Oberhalb 10 ¯km¯ herrschen in der Tat schwankende Temperaturen und es

scheint, daß die Wärmeabnahme aufhört; doch sind jenseits der

veränderlichen Schicht in Höhen von 17 ¯km¯ und in jüngster Zeit von

19-1/2 ¯km¯ wieder Temperaturabnahmen konstatiert worden, so daß die

Möglichkeit eines absoluten Temperaturminimums keineswegs fraglich

erscheint.

4. Die Instrumentenfrage.

Zur Beobachtung der meteorologischen Elemente in großen Höhen, wo die

einzelnen Werte bedeutende numerische Verschiedenheiten gegen jene an

der Erdoberfläche aufweisen, mußten die betreffenden Instrumente erst

entsprechend ihrem neuen Zwecke vervollkommnet werden.

Wie schon früher erwähnt, handelt es sich bei den wissenschaftlichen

Ballonfahrten darum, die einzelnen meteorologischen Grundelemente, wie

die Temperatur, den Luftdruck, die Feuchtigkeit und Elektrizitätsmenge

etc. auf ihrem Wege durch die Luft genau kennen zu lernen.

Die Werte dieser Größen müssen uns in jedem Zeitteilchen mit möglichster

Schärfe bekannt werden. Hierzu bedarf es aber einer Reihe äußerst

subtiler Instrumente, welche in vielen Fällen überdies noch selbst

registrierend sein müssen. Solche Instrumente gab es früher nicht, sie

mußten erst geschaffen werden und sind zum Teile noch zu erfinden. So

sehen wir auch hier, wie sehr neue Ideen wieder neuer Mittel zu ihrer

Durchführung bedürfen.

Um nicht zu weitläufig zu werden, will ich hier nur kurz die Mittel und

Wege anführen, welche man benützt, um gute ÷Temperaturbeobachtungen÷ zu

erhalten. Diese sind einerseits notwendig, um die wahre Ballonhöhe (die

auch bei sorgfältiger Instrumentenbeobachtung auf kaum mehr als 30 ¯m¯

genau bestimmt werden kann, wie der Münchener Gelehrte, Prof. Sohnke,

nachwies) zu ermitteln, anderseits um dieses meteorologische Element

selbst genau kennen zu lernen.

[Illustration: Fig. 43. Instrument zum Messen der Temperatur in großen

Höhen (Thermophor).]

Beim gewöhnlichen ÷Thermometer÷ ist infolge des ÷Nachsinkens÷ die

Bestimmung der Wärmezustände sehr schwer. Eine Temperaturdifferenz von

1° wird, wie äußerst sorgfältige Beobachtungen lehrten, etwa binnen

einer Minute bis auf 0·2° ausgeglichen. Lange Zeit meinte man mit der

freien Aufhängung des gewöhnlichen Thermometers genug getan zu haben, um

Werte von wissenschaftlicher Bedeutung zu gewinnen. Nach und nach kam

man jedoch zu der Überzeugung, daß ihre Angaben den vielfach wechselnden

übrigen Bedingungen nicht entsprechen.

Alle Temperaturbeobachtungen vom Ballon aus haben zwei mächtige

÷Feinde÷: die ÷Wärmeausstrahlung÷ der Sonne und die nahezu vollkommene

÷Luftruhe÷, in welcher der Ballon und mit ihm alle Instrumente sich

befinden. Dies hatte man früher nicht beachtet. Die Folge davon war die

beinahe völlige Wertlosigkeit der damaligen wissenschaftlichen

Ballonfahrten.

[Illustration: Fig. 44. Enveloppe meteorologischer Instrumente für

Ballons sondés.]

Um dies an einem Beispiele zu illustrieren, sei erwähnt, daß der

Direktor ÷Rotch÷ des meteorologischen Observatoriums auf dem »÷Blue

Hill÷« bei Boston in Nordamerika im Jahre 1891 im »American

Meteorological Journal« einen diesbezüglichen Bericht über die

Angaben des Thermographen von Richard Frères in Paris und des

Schleuderthermometers veröffentlichte, welches er bei zwei Ballonfahrten

erprobte. Der ÷Thermograph÷ war am Ringe des Ballons aufgehängt und

wurde soviel als möglich gegen die Sonne geschützt; das

÷Schleuderthermometer÷ aber wurde möglichst weit außerhalb des Korbes

mittels einer Schnur schnell geschwungen. Hierbei ergaben die beiden,

stets zu gleicher Zeit abgelesenen Instrumente nachstehende, total

verschiedene Daten:

Thermograph: 16·2°, 17·3°, 16·5°, 17·4°, 15·4°, 16·0°, 15·5°

Schleuderthermometer: 11·0°, 10·0°, 9·5°, 9·6°, 10·0°, 10·1°, 8·8°

Differenz: 5·2°, 7·3°, 7·0°, 7·8°, 5·4°, 5·9°, 6·7°

Bedenkt man, daß die verwendeten Instrumente ausgesucht vorzügliche

waren, und die Ablesungen genau die gleichen Werte ergeben sollten, und

daß die Meteorologen sonst Aufzeichnungen, welche nur um Zehntelgrade

voneinander abweichen, als unbrauchbar ausscheiden, so wird man daraus

ersehen, wie völlig wertlos die Ablesungen an gewöhnlichen Thermographen

im Ballon sind.

[Illustration: Fig. 45. Instrument zum Messen des Luftdruckes in großen

Höhen (Barograph).]

Auch das ÷Schleuderthermometer÷, welches von den Amerikanern und

Franzosen als Normalthermometer bei ihren Ballonfahrten verwendet wurde,

ergibt um 1° bis 3° zu hohe Temperaturen, wie man später nachwies. Die

Ursache davon ist folgende:

Der unlenkbare Ballon fliegt in der Luft eingekapselt dahin, besitzt

daher genau dieselbe Geschwindigkeit wie der Luftstrom, in welchem er

schwebt, und befindet sich im Verhältnis zu der ihn umgebenden Luft in

völliger Ruhe. Nun nimmt der Ballon zufolge der Sonnenausstrahlung

bedeutende Wärme[A] auf (es wurden im Innern des Ballons selbst

Temperaturen bis zu 53° beobachtet), aber nicht nur der Ballon, sondern

auch der Korb, die Instrumente und der Beobachter selbst nehmen eine

abnorm hohe Eigentemperatur an, welche die den Ballon umgebende Luft

erwärmt. Infolgedessen ist diese Luft bedeutend wärmer als diejenige

Luftmasse, in welcher der Ballon schwebt und welche beobachtet werden

soll.

[A] Diese Wärmezufuhr ist jedoch wieder dem ÷Aëronauten÷

sehr erwünscht, sie dehnt das Gas aus, macht es daher

tragfähiger. Man schlug aus diesem Grunde vor, den Ballon

schwarz zu färben, damit er möglichst viele Strahlen

absorbiere.

Um nun diese schädliche ÷Wärmeausstrahlung÷ tunlichst zu eliminieren,

erscheint einerseits künstliche Bewegung der die bestrahlten Körper

umgebenden Luft, also ausgiebige Ventilation durchaus notwendig,

anderseits hat man die Instrumente außerhalb der direkten Wirkungssphäre

des Ballons anzubringen.

[Illustration: Fig. 46. Enveloppe meteorologischer Instrumente für

Ballons sondés.]

Diese Erkenntnis führte zur dauernden ÷Aspiration÷ der Instrumente im

Freiballon durch ein automatisch wirkendes Blasewerk. In weiterer Folge

wurden auch die Instrumente an ein 2-1/2 ¯m¯ langes Gestänge außerhalb

der Gondel angebracht, was wieder die Notwendigkeit einer

Fernrohrablesung mit sich brachte. Um die Konstruktion dieser

Aspirationsthermometer machten sich in erster Linie der Berliner

Meteorologe ÷Assmann÷ und der Mechaniker ÷Fuess÷ u. a. verdient.

In Paris ist es besonders der ausgezeichnete Mechaniker Richard Frères,

welcher der Instrumentenfrage, unterstützt von den hervorragenden

dortigen Gelehrten, sein Augenmerk zugewendet hat. Die Figuren 43 und 45

zeigen derartige von Richard Frères stammende Instrumente. Auch in

München befaßte man sich erfolgreich mit dieser Frage. So kommt es, daß

man in der kurzen Zeit von 10 Jahren schon auf einem ungleich

fortgeschritteneren Standpunkte steht als vordem, wo die Erkenntnis, daß

alle Beobachtungen mit möglichst gleichmäßig zeigenden Instrumenten zu

machen seien, sich noch nicht an allen Orten Bahn gebrochen hatte.

[Illustration: Fig. 47. Originalkurven von den selbstregistrierenden

Instrumenten vom 19. September 1897 aufgenommen.]

Bei Besprechung der meteorologischen Ballonfahrten dürfen die Verdienste

von Hauptmann, jetzt Major Moedebeck, Professor Hergesell und Hauptmann

von Sigsfeld nicht unerwähnt bleiben. Es war keine kleine Aufgabe, all

die oft widerstrebenden Naturen und benachbarten Nationen zu gemeinsamer

Arbeit unter einen Hut zu bringen.

Ist es schwer, Instrumente zu bauen, welche in großen Höhen sicher und

schnell funktionieren, so ist es auch keine leichte Aufgabe, diese

Instrumente bei ihrer Landung auf der Erde vor Beschädigungen zu

bewahren.

Dieser Zweck wird durch entsprechende federnde Aufhängung der Apparate

innerhalb eigens für sie gebauter Hüllen, von denen die Figuren 44 und

46 ein Bild geben, erreicht.

Außerdem erhielt aber jeder Ballon noch eine Art Fahne, welche die in

verschiedenen Sprachen abgefaßte Aufforderung an den Finder enthält, die

Instrumentenkasten uneröffnet an das nächste meteorologische Institut zu

senden, von wo ihm eine Belohnung von 20 Mark eingehändigt wird.

Die Figur 47 veranschaulicht die für Meteorologen so wichtige

Wärme-Luftdruck- und Feuchtigkeitskurven, wie sie die in einem Ballon am

19. September 1897 hochgenommenen betreffenden Apparate automatisch

aufgezeichnet haben. Man sieht, wie bei der oberen und unteren Kurve der

Schreibstift für kurze Zeit seine Funktion eingestellt hat und uns also

über die dortselbst herrschenden extremen Verhältnisse unorientiert

ließ. Ein Fall, der leider öfter als lieb ist, vorkommt.

5. Simultane Ballonfahrten.

Schon im $August$ des Jahres $1894$ hat das internationale

meteorologische Komitee in ÷Upsala÷, auf Antrag Dr. ÷Assmanns÷ aus

Berlin, betont, daß es der Untersuchung der Atmosphäre mittels

systematischer Ballonfahrten den größten Wert beilegt. Hiermit war der

Ballon offiziell als Hilfsmittel moderner, meteorologischer Forschung

erklärt. Es war dies eine Folge der zu Anfang der Neunzigerjahre in

Deutschland systematisch durchgeführten Ballonaufstiege.

Im $September 1896$ fand in Paris die alle fünf Jahre wiederkehrende

÷Konferenz der Direktoren der verschiedenen meteorologischen

Beobachtungsstationen÷ statt. Diese Versammlung verfolgt den Zweck,

durch internationale Vereinbarungen eine gewisse Einheit und

Gleichmäßigkeit in die meteorologischen Beobachtungen der ganzen

Erdoberfläche zu bringen. Auf Anregung der französischen Luftschiffer

beschäftigte man sich auch unter anderem mit der Frage der

internationalen Ballonfahrten, wobei sich, unter dem Präsidium

÷Mascarts÷, die Franzosen Mr. de ÷Fonvielle÷, ÷Teisserenc de Bort÷,

÷Hermitte÷ und ÷Besançon÷, die Deutschen ÷Bezold÷, ÷Erk÷ und

÷Hergesell÷, sowie der Amerikaner ÷Rotch÷ beteiligten.

Das ÷Resultat÷ dieser Besprechung war in erster Linie die ÷Anerkennung

der Notwendigkeit simultaner Ballonfahrten÷ von verschiedenen Stellen

der Erdoberfläche aus. Die Konferenz war aber noch nicht in der Lage,

bestimmte Beobachtungsmethoden mit besonderen Instrumenten zu empfehlen,

sondern ließ den einzelnen Forschern in dieser Hinsicht völlige

Freiheit, wünschte jedoch, daß bei den gleichzeitigen Auffahrten auch

möglichst identische Instrumente verwendet werden. Sie betonte, daß die

tunlichst schleunige Veröffentlichung der rohen Beobachtungen von

besonderer Wichtigkeit sei. Die Ausführung dieser Beschlüsse war keine

leichte Aufgabe. Es gelang aber der Tatkraft der aus dieser

internationalen meteorologischen Konferenz hervorgegangenen

Spezialkommission, vieler Schwierigkeiten Herr zu werden.

Im $Jahre 1898$ tagte die ÷internationale aëronautische Kommission÷ zu

$Straßburg$, bei welcher unter anderen die Herren Dr. ÷Hergesell÷

(Vorsitzender) und ÷Moedebeck÷ (Straßburg), ÷Assmann÷ und ÷Berson÷

(Berlin), ÷Besançon÷, ÷Cailletet÷, ÷Fonvielle÷ (Paris), ÷Erk÷ (München),

÷Kowanko÷, ÷Rykatchew÷ (St. Petersburg), ÷Rotch÷ (Boston) anwesend

waren. Außerdem folgten 20 andere hervorragende Fachmänner dem Rufe der

Kommission und nahmen an den Beratungen teil.

Der Schriftführer ÷Wilfrid de Fonvielle÷ wies in seiner Antrittsrede

darauf hin, daß die Kommission durch die vier bis dahin stattgehabten,

internationalen Aufstiege allein schon im moralischen Sinne einen

glücklichen Erfolg erzielt habe, indem die von der modernen Physik

erforschten Gebiete der Atmosphäre durch diese Auffahrten in ungeahnter

Weise erweitert wurden. Sowie die Bojen des Meeres dem Ansturm der Wogen

siegreich trotzen, widerstehen diese neuen Bojen des Luftmeeres dem

Anprall der Stürme. Das habe in jüngster Zeit der Straßburger Ballon

bewiesen, welcher anläßlich eines gewaltigen Orkanes im Atlantischen

Meere triumphierend der enormen Last niederdrückender Schneemassen

widerstand.

Der Eröffnungsrede des Rektor Professor Dr. ÷Windelband÷ ist folgender

Passus entnommen:

»Die internationale Organisation der meteorologischen Forschung bedeutet

einen neuen Schritt in jener allmählichen Ausweitung des geistigen

Horizontes der Menschheit, welche die Geschichte der Wissenschaften

ausmacht. Erwachsen ist das menschliche Denken in den engen und

getrennten Vorstellungskreisen der einzelnen Völker; eine ausgleichende

und überschauende Einheitlichkeit hat es zuerst in der Mittelmeerkultur

gefunden; aber erst im Zeitalter der Renaissance ist es dem Menschen

gelungen, den ganzen Planeten in seinen geistigen Besitz zu bringen und

seine Stellung im Weltall zu verstehen. Auf zahllosen Wegen hat seitdem

die Wissenschaft daran gearbeitet, auf diesem unseren Lebensgrunde uns

immer sicherer zu orientieren, nun sind Sie, meine Herren, am Werke,

auch die Atmosphäre, die ihn umgibt, zum Besitz und zur Werkstatt der

Wissenschaft zu machen. Die Einsicht der Naturforschung und die Feinheit

der Technik, welche unser Jahrhundert geschaffen, verwenden Sie, um dem

beweglichsten der Elemente die festen Gesetze seiner Bewegung

abzufragen. Allein dies vermögen Sie nur durch eine gemeinsame

Tätigkeit, welche, über weite Strecken nach einheitlichem Plane

verteilt, keine Grenzen der Völker oder der Staaten kennt; so kommt es

in ihrer Organisation beinahe symbolisch zum Ausdruck, wie die

Wissenschaft den Menschen, der von Natur »glebae addictus« ist, in eine

höhere Schicht geistiger Gemeinschaft emporhebt.«

Die vorzüglichsten ÷Ergebnisse der Konferenz÷ bestanden teils in der

Anweisung über den Gebrauch und die Einrichtung der Registrierballons,

teils in der Einigung bezüglich der Grundprinzipien in der so wichtigen

Instrumentenfrage. Man hielt es jedoch für verfrüht, sich für

irgendwelche bestimmte Instrumente zu entscheiden. Unter

Aufrechterhaltung der auf Grund allseitiger, allgemeiner Erfahrungen

aufgestellten Prinzipien, sollte jeder einzelne mit möglichst

vielseitigem Instrumentarium arbeiten.

Was die sogenannten wissenschaftlichen Aufstiege betrifft, so sind ÷vom

historischen Standpunkte÷ aus in erster Linie die Aufstiege der

Franzosen und Engländer zu nennen. Besonders sind da die Auffahrten des

berühmten englischen Gelehrten und kühnen Luftschiffers ÷Glaisher÷,

sowie des Franzosen ÷Tissandier÷ zu nennen, welche viel Beachtung

fanden. Die neuesten Untersuchungen aller dieser Aufstiege haben jedoch

zu der Erkenntnis geführt, daß ihre ÷wissenschaftliche÷ Ausbeute eine

sehr bescheidene genannt werden muß.

Es ist hier gewiß am Platze, auf den großen Aufschwung, den die

meteorologische Luftschiffahrt im Deutschen Reiche genommen hat,

hinzuweisen.

An drei Orten entwickelte sich diese, eine zeitlang unabhängig

voneinander, und zwar: in Berlin, München und Straßburg.

In Berlin fanden sich drei einander ergänzende Faktoren zusammen,

welchen die Wissenschaft der Physik der Atmosphäre ihren glänzenden

Aufschwung verdankt. Es sind dies ein großer Mäcen, große Gelehrte und

die dortige Militär-Luftschifferabteilung.

Schon zu Ende der Achtzigerjahre wurde, angeregt durch Major Buchholz

und unter der tatkräftigen Mithilfe von Moedebeck u. a., eine Reihe von

Ballonfahrten durchgeführt, welche ursprünglich militärischen Zwecken

dienend, auch die Bestimmung meteorologischer Verhältnisse in ihr

Programm aufnahm. Mit einem Worte, es wurde schon damals daran gedacht,

diese Ballonfahrten auch wissenschaftlichen Zwecken dienstbar zu machen.

Daß man die gewonnenen Resultate von über 100 Ballonfahrten

nicht verwenden konnte, lag in der Verwendung ungeeigneter

Instrumente zur Bestimmung der Temperatur-, Luftdruck- und

Feuchtigkeitgehalts-Verhältnisse. An diesem Fehler kranken ÷alle÷ vor

den Neunzigerjahren ausgeführten Ballonfahrten, welche inklusive der

berühmten ÷Glaisherschen÷ Hochfahrten deshalb nur mehr historisches

Interesse verdienen. Die Erkenntnis dieses Fehlers wurde aber trotzdem

nicht zu teuer bezahlt. Man mußte also darauf bedacht sein,

entsprechende Instrumente zu finden, was, nach den Anstrengungen vieler

Beteiligter, endlich Professor Assmann und seinen Mitarbeitern gelungen

ist. Dazu aber gehörte vor allem auch Geld zu Versuchen, und dieses

stellte Kaiser Wilhelm II., als hochherziger Mäcen, in reicher Weise

bei, indem er mehr als 100.000 Mark aus seiner Privatschatulle für

einschlägige Versuche zur Verfügung stellte. Desgleichen forderte die

königlich-preußische Luftschifferabteilung mit allen ihren reichen

Kräften das Unternehmen, sowie die Herren des meteorologischen

Institutes (allen voran der Direktor desselben, von ÷Bezold÷), welche

der Sache ihre wärmsten Sympathien entgegenbrachten. Von großem Werte

war es auch, daß das königliche meteorologische Institut nicht nur aus

seinen Beständen viele Instrumente und Apparate leihweise überließ,

sondern auch alle seine Beobachter von den Stationen höherer Ordnung

dazu veranlaßte, bei jeder Auffahrt, von deren Stattfinden sie

telegraphisch benachrichtigt wurden, Beobachtungen ihrer Instrumente in

kurzen Zwischenräumen auszuführen. In den Jahren 1893 und 1894 fanden

von Berlin aus nahe an 50 Auffahrten statt, wovon 6 von dem Ballon

»Humboldt« und nach dessen Verbrennung (hervorgerufen durch ein

elektrisches Phänomen bei der Landung) 22 Fahrten von dem Ballon

»Phönix« ausgeführt wurden. Diese beiden Ballons hatten sehr große

Dimensionen und waren eigens für diesen Zweck gebaut. Ein besonderes

Verdienst um die Luftschiffahrt im allgemeinen und um die Förderung der

meteorologischen Luftschiffahrt in Deutschland im speziellen gebührt dem

kgl. preuß. Major ÷Moedebeck÷, dem Gründer und Herausgeber einer der

gediegensten Luftschifferzeitschriften der Welt: der »Illustrierten

Aëronautischen Mitteilungen«, dessen Bild wir in Fig. 48 bringen.

[Illustration: Fig. 48. Major Moedebeck.]

Die Luftschiffahrt der Gegenwart · 第 8 / 19 段