Giffard (1852) 3.5 ¯m¯

Dupuy de Lôme (1872) 9.0 ¯m¯

Haenlein (1872) 4.6 ¯m¯

Tissandier (1883-84) 2.85 ¯m¯

Renard-Krebs (1884-85) 7.0 ¯m¯

Maxim (1894) 80.0 ¯m¯

Über die Anbringung der Schrauben, ihre Inbetriebsetzung, ob durch

Riemen oder mit Seilen, bei denen ein empfindlicher Effektverlust durch

Gleiten unvermeidlich ist, oder durch Friktions-, eventuell Zahnräder,

welche wieder ein bedeutendes Gewicht beanspruchen, ist noch fast gar

nichts kalkuliert worden.

Trotzdem ist die Schraubenfrage eine der wichtigsten, welche, wie alle

vorbenannten, dringend eines eingehenden Studiums bedarf.

Nicht zuletzt kommt die Frage nach der besten Konstruktion der

Luftschrauben überhaupt, ob nicht etwa gefächerte Flügelflächen, und

welches Material dabei in Anwendung kommen soll. Wie man sieht, eröffnet

sich hier der Tätigkeit des Experimentators ein weites Feld.

6. Die Materialien.

Die hauptsächlichsten Eigenschaften, welche flugtechnischen Zwecken

dienende Materialien besitzen sollen, sind:

1. möglichst geringes spezifisches Gewicht,

2. möglichst große Festigkeit,

3. entsprechende Elastizität.

Von den einzelnen Werkstätten für aëronautische Zwecke wollen wir hier

nicht weiter sprechen. Die Figur 7 läßt uns einen Blick in das

Luftschifferatelier von Lachambre, einem Pariser Etablissement, tun, wo

die lenkbaren Ballons von Santos Dumont erzeugt wurden. Solche

Werkstätten gibt es in Paris mehrere, die hervorragendste ist jene von

Surcouf, dann nenne ich noch das Atelier Godard, Mallet Yon und

Besançon; in Augsburg befindet sich das ausgezeichnete, derartige

Etablissement von August Riedinger.

[Illustration: Fig. 7. Blick in die aëronautische Werkstatt von

÷Lachambre÷ in Vaugirard.]

Was die einzelnen Baumaterialien betrifft, so ist das relativ

leichteste, d. i. das bei gleichem Gewichte und gleicher Festigkeit

leichteste Material der Stahl, ihm dürfte aber in dem Magnalium ein

erfolgreicher Konkurrent erstehen.

Für flugtechnische Zwecke finden hauptsächlich Verwendung:

1. Stahl.

2. Aluminium samt seinen Legierungen, wie Magnalium, Patinium etc.

als Ersatz für Gußeisen etc., Aluminiumröhren für

Oberflächenkondensatoren etc.

3. Eschen- und Tannenholz,

4. Indische Strauchgattungen,

5. Papiermaché, vulkanisierter Kautschuk,

6. Seide, Perkal etc.

Bei Yon in Paris sah ich eine sehr gute Kombination aus Furnierholz,

Seide und Stahlnetzen, das Ganze geleimt und in eine cylindrische Form

von circa 8 ¯m¯ Länge und 30 ¯cm¯ Durchmesser gebracht. Ich konnte diese

Stange mit einer Hand leicht heben. Trotz ihrer Leichtigkeit hatte sie

dabei augenscheinlich eine ziemlich bedeutende Festigkeit.

Sehr ÷leichte Flügelflächen÷ für Modelle können auf folgende Art

hergestellt werden:

Man nimmt eine Eschenstange, setzt kammförmig in Abständen von 2-3 ¯cm¯

Mittelrippen von 1-1.2 ¯m¯ Länge ein, und überklebt sie mit Papier,

Seide u. dgl. Diese Rippen erhält man aus Blättern ostindischer Palmen,

welche auf den Schiffen zur Verpackung überseeischer Güter benützt

werden. Aus diesen circa 1-1.2 ¯m¯ langen Blättern wird die Hauptrippe

herausgeschnitten und abgeschält. Sie hat eine Stärke von 3-5 ¯mm¯ und

spitzt sich nach den Enden hin auf circa 1 ¯mm¯ zu.

Die ÷Elastizität der Materialien÷ spielt beim Bau der Luftschiffe eine

bedeutend größere Rolle als anderswo. Die Schrauben-Tragflächen, die mit

der Luft in Berührung kommen, erfordern ein inniges Anschmiegen an die

Luftmoleküle zur Vermeidung von Wirbelbildungen. Stöße und

Erschütterungen sind speziell beim Landen unvermeidlich, weshalb spröde,

glasharte Körper nicht in Verwendung kommen dürfen.

Zur Gewichtserleichterung wird es sich fast ausnahmslos empfehlen, die

Achsen, Wellen etc. hohl, und von Versteifungsdrähten den

ausgedehntesten Gebrauch zu machen.

Auch dieses Kapitel ist noch sehr wenig durchgearbeitet, worauf hier nur

kurz verwiesen wird.

Bei den heutigen Maschinen kann das ÷Fundament÷ fast immer sehr massig

gemacht werden; auf eine leichte Bauart wird im allgemeinen nur bei den

hin- und hergehenden Massen der Dampfmaschinen gesehen, während sonst

förmlich eine Verschwendung an Material platzgreift, welches die vielen

auftretenden Stöße aufnehmen soll und daher eher gesucht als vermieden

wird.

Bei der Flugtechnik ist dies anders, sie wandelt auch auf diesem

Gebiete, gleich der Automobilindustrie, neue Bahnen.

In dieses Kapitel gehört auch die Erzeugung des für lenkbare Ballons

erforderlichen ÷Traggases÷. Dieses ist entweder das leichteste aller

Gase: ÷Wasserstoffgas÷, oder: ÷Leuchtgas÷, oder: ÷Wassergas÷. Über die

Darstellungsart dieser Gase enthält das oben angezogene Buch »Lenkbare

Ballons« hinreichende Daten.

[Illustration: Fig. 8. Schematische Skizze des

Wasserstofferzeugungs-Apparates von Tissandier.]

Auch heute noch oft angewendet ist die Erzeugung von Wasserstoffgas aus

Schwefelsäure durch Fällung mit Eisenfeilspänen. Die Figur 8 zeigt eine

schematische Skizze der hierbei erforderlichen Apparate, wie sie der

berühmte Luftschiffer Gaston Tissandier bei Füllung seiner Ballons

anwendete. Nach und nach wird diese, ich möchte sagen, durch ihren

unsinnigen Materialverbrauch barbarische Darstellungsart, immer mehr

durch das elektrische Verfahren verdrängt, welches auch den Vorteil hat,

das Gas reiner, also tragfähiger und nicht durch arsenikhaltige

Beimischungen vergiftet, zu liefern.

II. Kapitel.

Interessante Fahrten mit Kugelballons.

1. Einleitendes.

Nachdem es heute noch keinen brauchbaren »lenkbaren Ballon« gibt, so

müssen wir uns, 118 Jahre nach der Erfindung des Kugelballons durch

Montgolfière, oder wenn man will, 193 Jahre nach Bartolomeu Lourenço de

Gusmão, welchen manche als ersten Luftschiffer betrachten (weil er sich

in Lissabon im Jahre 1709 mit einem Ballon bis an die Decke der Casa del

India erhoben hatte) noch immer dieses unbeholfenen Fahrzeuges bedienen,

wenn wir unseren Weg durch die Luft nehmen wollen.

Es verlohnt sich der Mühe, eine Reihe von Ballonfahrten, welche

innerhalb der letzten acht Jahre -- die früheren bemerkenswerten

Kugelballonfahrten setze ich als mehr oder weniger bekannt voraus -- mit

Kugelballons unternommen wurden, hier gesammelt unseren verehrten Lesern

vorzuführen.

Ein richtiger Luftsport hat sich, wenigstens bei uns, doch erst in den

letzten Jahren entwickelt, wozu die Gründungen der einzelnen Aëroklubs

wohl das meiste beigetragen haben.

Ein besonderes Interesse bieten die gelegentlich der letzten Pariser

Weltausstellung veranstalteten Ballonwettfahrten. Sie wurden von

verschiedenen Gesichtspunkten aus inszeniert und unterscheiden sich je

nach dem Zwecke, den sie verfolgen, in:

1. Zielfahrten mit und ohne Zwischenlandung,

2. Hochfahrten,

3. Weitfahrten,

4. Dauerfahrten,

5. Weit- und Dauerfahrten.

Im Jahre 1900 fanden von Paris aus, gelegentlich der ÷Wettflüge÷, 156

Ballonfahrten statt.

Außer Geldprämien wurden künstlerisch von Vernon ausgeführte Plaquettes

und von Durois entworfene Medaillen an die Sieger ausgeteilt. Von den

schönen Plaquettes geben die Fig. 9 und 10 gute Abbildungen.

[Illustration: Fig. 9. (Aversseite.)]

[Illustration: Fig. 10. (Reversseite.)

Plaquette für die Sieger der

aëronautischen Wettflüge in Paris 1900. Besitzer Graf Henry de la

Vaulx.]

Den großen Preis, Plaquette in Gold und 1000 Francs erhielt Graf Henry

de la Vaulx. Er erhielt auch die goldene Medaille mit der Inschrift

»France-Russie« 30. September - 1. Oktober 1.237 ¯km¯. -- 9.-10. Oktober

1922 ¯km¯ 35 Stunden 45 Minuten für die längste Dauer- und Weitfahrt.

Im gleichen Wettfluge erhielten die vergoldete Silbermedaille: Jaques

Balsan, die silberne Medaille: Graf Castillon de St. Victor.

Für die Hochfahrt am 23. September erhielt J. Balsan und sein Gehilfe

Louis Godard die goldene Medaille für eine erreichte Höhe von 8417 ¯m¯.

2. Zielfahrten.

Bei den Zielfahrten gilt es, mit Kugelballons in der größtmöglichen Nähe

eines annähernd in der Richtung des Windes liegenden, vorher gegebenen

Punktes zu landen. Es kann dabei auch gefordert werden, in einem oder in

zwei Zwischenpunkten zu landen und eine oder mehrere Personen daselbst

auszusetzen. Abgesehen davon, daß dies sehr große Ansprüche an den

Ballonführer stellt und ihn zwingt, alle seine Kenntnisse für die Lösung

der gestellten Aufgabe zu verwerten und dadurch zu einer ganz besonders

guten aëronautischen Schule wird, kann dieser Fall auch im Kriege

vorkommen. Frankreich ist so glücklich, über sehr ÷viele÷ Fachaëronauten

zu verfügen, welche im Ernstfalle ihrer Aufgabe voll und ganz genügen

werden.

Für die Zielfahrt mit Zwischenlandung hat das sportliche

Ausstellungskomitee folgende ÷Regeln÷ festgestellt:

Der eigentliche Bestimmungsort der Zielfahrt wird in einer Entfernung

von Vincennes, dem Auffahrtsorte der Ballons, fixiert, welche der von

dem herrschenden Winde in zwei Stunden zurückgelegten Distanz gleich

ist. In zwei Dritteln dieser Entfernung wird ein Punkt für die

Zwischenlandung bestimmt. Wer nicht zweimal landet, wird

disqualifiziert. Die Dauer des Aufenthaltes am ersten Landungsort darf

eine Stunde nicht übersteigen.

An den Zwischenlandungsort und an den Bestimmungsort werden von der Jury

Kommissäre abgesandt. Die Konkurrenten haben in Bezug auf Ballast und

Absetzen von Passagieren gänzlich freie Hand. Auch können sie sich nach

der ersten Landung remorquieren lassen, nur müssen sie in diesem Falle

auf ihren Zertifikaten die Strecke angeben, wie weit sie sich auf diese

Weise transportieren ließen. Ein Konkurrent, der nach der ersten Landung

nicht mehr imstande ist, aufzusteigen, wird disqualifiziert.

Diese Zielfahrten sind eine wichtige Probe für die Tüchtigkeit des

Luftschiffers und kann ihre Ausübung, solange wir noch keinen lenkbaren

Ballon besitzen, besonders den Militärluftschiffern, nicht warm genug

empfohlen werden.

Am $15. Juli 1900$ gab es die erste Zielfahrt, an der elf Ballons

teilnahmen. Jedem waren nur zwei Stunden Fahrt gestattet. Erster wurde

÷Geoffroy÷, welcher 400 ¯m¯ weit vom Ziele zur Erde kam, Zweiter wurde

Graf de la Vaulx, der 800 ¯m¯ entfernt vom Ziele landete, und Dritter

Graf Castillon de St. Victor, welcher 7 ¯km¯ vom Ziele entfernt blieb.

Bei der am $16. September 1900$ von Vincennes bei Paris aus

unternommenen Zielfahrt, konnte sich jeder Konkurrent selbst sein Ziel

aussuchen. Diesem kam de La Valette mit seinem Ballon »Ariel« am

nächsten. Er landete in »Le Prieuré« 800 ¯m¯ vom Ziele.

Die vielumstrittene Zielfahrtkonkurrenz mit Zwischenlandung, welche am

$19. August 1900$ von Vincennes aus stattfand, gestaltete sich sehr

interessant. Um die Leistungen der Konkurrenten zu vergleichen, zog die

Jury auf der Generalstabskarte sowohl um den Zwischenlandungsort

Dammartin-en-Goële wie um das Endziel Nanteuil-le-Haudoin Zonen, und

zwar die erste mit einem Halbmesser von 10 ¯km¯; die Radien der weiteren

Zonen wuchsen um je 5 ¯km¯. Neunzehn Fahrten waren so einzuteilen,

während drei Konkurrenten disqualifiziert wurden, weil sie den

Fahrtbedingungen nicht entsprachen. Faure war der einzige, der bei der

Zielfahrt vom 19. August sowohl in der Gemeinde des für die

Zwischenlandung bestimmten Ortes, als in der zum Ziel gewählten Gemeinde

gelandet ist. Er hat, um Dammartin zu erreichen, nicht gescheut, eine

günstige Luftströmung in 3000 ¯m¯ Höhe aufzusuchen. Jacques Faure war

der Erste mit der besten Gesamtleistung, Zweiter wurde Graf de La Vaulx

und Dritter Mr. Pietri.

Eine sehr interessante in dieses Kapitel gehörige Fahrt machte $M.

Carton$ vor einigen Jahren nach einem genau nördlich von Paris gelegenen

Schlosse der Ehrenlegion in Ecouen. An dem Tage, an welchem diese Fahrt

stattfand, wurden zwei verschiedene, übereinander liegende Strömungen

ausgelotet. In den unteren Regionen strömte die Luft von Süd-West nach

Nord-Ost und in größeren Höhen von Süd-Ost nach Nord-West. Die beiden

Strömungen bildeten also fast einen rechten Winkel miteinander. M.

Carton stieg in seinem kleinen, bloß 400 ¯m^3¯ fassenden Ballon

»Gay-Lussac« mit nur vier Säcken Ballast auf. Er wurde zuerst von der

unteren Strömung nach Nord-West getragen. Durch Auswurf von 12 ¯kg¯

Ballast traf er in einer Höhe von 1200 ¯m¯ die Nord-Ost-Strömung. Durch

mehrmaligen Übergang aus den höheren in die tieferen Schichten gelang es

Carton, sich Ecouen bis auf ungefähr 2 ¯km¯ zu nähern. Er sah bereits

den für die Landung festgesetzten Zielpunkt vor sich liegen, merkte aber

gleichzeitig, daß bei der Beibehaltung des unteren Kurses der Ballon

ungefähr 500 ¯m¯ westlich vom Zielpunkte niedergehen würde; rasch

entschlossen warf Carton einen halben Sack Ballast aus und erhob sich

nochmals auf eine Höhe von 1200 ¯m¯, ließ sich durch den Südostwind

einige Minuten in der Richtung zum Schlosse hin abtriften und landete

genau im Schloßhofe, der als Ziel bestimmt wurde!

[Illustration: Fig. 11. Auffahrt im Park von Vincennes. Abfahrt des

Herrn Nirolleau.]

Interessant ist auch die Fahrt, welche $M. Carton$ am $14. Juli 1892$ in

dem 800 ¯m^3¯ fassenden Ballon »Urania« von Calais aus unternahm; er

wollte den Ärmelkanal überfliegen und in England niedergehen. Der in den

unteren Schichten der Atmosphäre herrschende Südwind trug aber den

Ballon in die Nordsee hinaus, und an die Möglichkeit einer Landung in

England war absolut nicht zu denken. Vor seiner Auffahrt hatte M. Carton

die, wie sich zeigen wird, sehr wertvolle Beobachtung gemacht, daß die

Cirruswolken von Nord-Nord-Ost nach Süd-Süd-West zogen. Da eine Landung

mitten im Meere bei dem eingeschlagenen Kurse unvermeidlich schien,

setzte M. Carton alles daran, um die obere Strömung zu erreichen; er

warf so lange Ballast aus, bis er in einer Höhe von etwa 4000-4200 ¯m¯

die süd-süd-westliche Strömung erreichte, welche ihn wieder an die

französische Küste zurücktrug. Nach Verlauf von drei Viertelstunden

erfolgte die Landung sehr glatt beim Kap Gris-Nez.

Bei dieser Gelegenheit sei auch erwähnt, daß der derzeitige Präses des

Wiener Aëroklubs, $Viktor Silberer$, wiederholt sehr gute Zielfahrten

absolviert hat, so unter anderem am $11. September 1889$, wo er den

bekannten Sportsman Herrn Nikolaus von Szemere im Ballon vom

Aufstiegplatze auf der Feuerwerkswiese im Prater direkt zu der

Vollblutlizitation in der Freudenau, und zwar genau mitten unter die

versammelten Turfmen in den engen, schmalen Hof des Etablissements

Weißhappel, wo die Versteigerung stattfand, brachte. Herr von Szemere

stieg dort aus, mit den übrigen Insassen des Ballons wurde aber die

Reise fortgesetzt.

Die Fig. 11 gibt ein Bild des aëronautischen Parks von Vincennes, wo

eben Monsieur Nirolleau auffährt, während ein anderer Ballon im Abwägen

begriffen, nach einigen Minuten dem ersten Ballon in das Reich der Lüfte

folgt.

3. Hochfahrten.

Wir leben am Grunde eines gewaltigen Luftmeeres, gegen welches das

Wassermeer, was den Rauminhalt betrifft, fast verschwindet. Je höher wir

steigen, desto dünner wird die Luft, desto ungeeigneter unser

Organismus, unter diesen Verhältnissen zu existieren.

Die Höhe der Luftsäule beträgt wohl über 100 ¯km¯ (bis gegen 130 ¯km¯)

-- die genaue Höhe anzugeben, wird trotz aller wissenschaftlichen

Methoden, welche dazu angewendet werden, diese zu erforschen, niemals

gelingen -- aber schon in einer Höhe von circa 5000 ¯m¯ ist die Dichte

der Luft so gering, daß bei jedem Atemzuge nicht mehr jenes Quantum

Sauerstoff der Lunge zugeführt wird, das für die normale Respiration

unbedingt erforderlich ist. Die Folgen der ungenügenden Sauerstoffzufuhr

sind beängstigende Atembeschwerden, Schwindel und Erbrechen; auch nimmt

die Muskelkraft sehr bedeutend ab; die Aëronauten werden schließlich

ganz apathisch und sind kaum noch imstande, die Ventilleine zu ziehen.

Um diesen Gefahren zu entgehen, wendet man jetzt die

Sauerstoffinhalation an. Der Sauerstoff wird in stark komprimiertem

Zustande in einem Metallgefäße mitgenommen. Die Erfahrung hat gezeigt,

daß die direkte Einatmung reinen Sauerstoffes durch den Mund mit Hilfe

eines Kautschukschlauches, welcher mit dem Sauerstoffgefäße verbunden

ist, gewisse Nachteile besitzt. Die meisten Menschen atmen nämlich in

normalen Fällen nicht durch den Mund, sondern durch die Nase. Der durch

den Schlauch in die Mundhöhle geleitete Sauerstoff gelangte

infolgedessen nur teilweise in die Lungen, und die Atmung der

Luftschiffer verbesserte sich deshalb oft nur sehr wenig.

Der ÷Cailletetsche Inhalationsapparat÷ soll nun diesem Übelstande

abhelfen. Der Apparat besteht im Wesen aus einer Stahlflasche, welche

mit flüssigem Sauerstoff gefüllt ist. In diesen Sauerstoffbehälter

münden zwei Kautschukschläuche; an dem einen derselben ist ein kleiner

Kautschukballon angebracht, wie solche allgemein zur Zerstäubung von

Flüssigkeiten verwendet werden; das andere Kautschukrohr endigt unter

einer Maske. Diese besteht aus einem dünnen Aluminiumbleche, welches

innen mit Samt gefüttert ist und den Zweck hat, ein Anfrieren der Maske

an die Haut zu hindern, was bei der niedrigen, in großen Höhen

gewöhnlich herrschenden Temperatur, leicht möglich wäre. Die Maske

bedeckt nur Nase und Mund, so daß die Augen frei bleiben, und wird mit

Bändern, die sich am hinteren Teile des Kopfes schließen, befestigt. Der

Apparat funktioniert in folgender Weise: Zuerst wird durch den kleinen

Kautschukballon in das Gefäß, in welchem sich der flüssige Sauerstoff

befindet, Luft eingetrieben und hierauf der Hahn, welcher das andere

Kautschukrohr abschließt, geöffnet. Der Sauerstoff, welcher in Gasform

aus dem Gefäß entweicht, tritt zunächst gemischt mit Luft in ein

schlauchartiges, größeres Reservoir und gelangt aus diesem unter die

Maske. Die Beimischung von Luft ist deshalb notwendig, weil der

Sauerstoff, rein eingeatmet, Angstgefühle und Üblichkeiten erzeugt.

Graf ÷Castillon÷ berichtet: »Ich habe die Maske fast zwei Stunden lang

anbehalten und atmete während dieser Zeit Sauerstoff mit einem gewissen

Zusatze gewöhnlicher Luft ein. Dank dieser Vorrichtung befand ich mich

fortwährend ganz wohl, während meine Genossen, welche den Sauerstoff in

der bisher üblichen Weise einatmeten, leidend waren.«

Am $24. Juni 1900$ fand in Paris die erste ÷Ballonhochwettfahrt÷ statt,

an der acht Ballons teilnahmen. Die Luftschiffer hatten 25% des

Kubikinhaltes in Kilogramm als Ballast zur Verfügung. Hierbei erreichte

÷Balsan÷ als Erster eine Höhe von 5500 ¯m¯, ÷Faure÷ als Zweiter eine

solche von 4250 ¯m¯. Es sind dies sehr mäßige Ergebnisse.

Bei der ersten Hochwettfahrt waren 25% des Ballonvolumens (in

Kubikmetern) als verfügbarer Ballast (in Kilogramm), bei der zweiten

Hochwettfahrt 20% gestattet; der zur Regelung des Auftriebes nötige,

übrige Ballast durfte nicht zum Auswerfen verwendet, sondern mußte in

den plombierten Säcken nach Vincennes zurückgebracht werden.

[Illustration: Fig. 12. Ballonfüllung im aëronautischen Park von

Vincennes am 24. Juni 1900, 8 Uhr früh.]

Die Ballons der ersten Serie sollten nach den Programmbestimmungen keine

zu ungleichen Volumina besitzen.

Der Auftrieb wurde mit 1% festgesetzt.

Jeder Teilnehmer führte zwei Höhenbarometer mit sich, eines, welches die

Höhen bis 5000 ¯m¯, ein zweites, welches die Höhen zwischen 2000 und

6000 ¯m¯ angibt.

Die Fig. 12 zeigt den Vorgang bei der Füllung von Ballons im

aëronautischen Park von Vincennes bei Paris gelegentlich der

Ballonwettfahrten.

Der rechte Ballon wurde eben zu füllen begonnen, während der rückwärtige

Ballon schon halb voll ist.

Die Fig. 13 zeigt drei zur Auffahrt bereite, vollgefüllte Ballons. Mit

diesen Ballons lassen sich aber keine großen Höhen erreichen, weil das

Gas keinen Raum hat, sich auszudehnen. Will man hoch steigen, so muß

man mit ÷halbgefüllten÷ Ballons auffahren. Diese dehnen sich während des

Aufstieges von selbst immer mehr und mehr aus, weil die Luft oben dünner

ist und auch das Gas dünner wird, also Raum zu seiner Ausdehnung haben

muß. In der Tat gelangten die Ballons bei den ersten Hochfahrten, weil

sie zu voll gefüllt waren, nicht in besonders große Höhen.

Am $29. Juli 1900$ fand die zweite Hochwettfahrt statt. Das Wetter war

vor der Abfahrt sehr ungünstig; durch starken Regen wurde die

Manipulation der Füllungen stark gehemmt.

[Illustration: Fig. 13. Gefüllte Ballons zum Aufstiege bereit im

aëronautischen Park von Vincennes am 24. Juni 1900, 3 Uhr nachmittags.]

Diesmal verlegten sich die Aëronauten nicht, wie bei der ersten

Hochwettfahrt, aufs Warten, sondern sie trachteten, durch sofortiges

Auswerfen von Ballast sobald wie möglich in große Höhen zu kommen und

noch denselben Abend zu landen. Die Leistungen waren demzufolge auch im

allgemeinen besser als am 24. Juni, doch blieb der damalige Sieger

÷Balsan÷ diesmal um 300 ¯m¯ hinter seinem eigenen Rekord zurück.

Bei der dritten Ballonhochwettfahrt am $23. September$ wurden schon

bessere Resultate erzielt. Von den zwölf Konkurrenten erreichte Balsan

eine Höhe von 8357 ¯m¯, Juchmès als Zweiter eine solche von 6817 ¯m¯ und

Graf de La Vaulx eine Höhe von 6769 ¯m¯. Die Höhen sind in dem Berichte

bis auf Meter genau angegeben. Es ist dies aber ein Irrtum, weil es

gegenwärtig noch nicht möglich ist, die Höhe mehr als auf 20-30 ¯m¯

genau zu bestimmen.

[Illustration: Fig. 14. Gaston ÷Tissandier÷, berühmter französischer

aëronautischer Schriftsteller.]

Bei dieser Fahrt war Balsan von Godard begleitet. Die große

Entschlossenheit, welche beide Aëronauten hierbei gezeigt haben, ist von

Interesse. Bei jeder Hochfahrt wird, wie oben berichtet wurde, reiner

Sauerstoff in eigenen Tuben mitgenommen, welcher in größeren Höhen zum

Teil permanent eingeatmet werden muß; dies weist schon auf den

gefährlichen Charakter der Hochfahrten hin, bei denen Ohnmachten nicht

selten vorkommen. Auch Balsan wurde von diesem Schicksal erreicht. Als

er in Ohnmacht gefallen war, flößte ihm Godard aus seinem eigenen Sack

Sauerstoff ein; Balsan erwachte darauf und fand nun Godard in Ohnmacht;

er sprang ihm in derselben aufopfernden Weise bei. Für den bewiesenen

Mut wurde Balsan ein Separatpreis -- eine goldene Medaille --

zugesprochen. Mit einer gleichen Medaille wurde Balsans Begleiter, Louis

Godard, ausgezeichnet. Balsans Fahrt reichte nahe an die vielbesprochene

Hochfahrt von ÷Sivel÷, ÷Crocé-Spinelli÷ und ÷Gaston Tissandier÷ heran,

der Fahrt, welcher die beiden Erstgenannten am $15. April 1875$ zum

Opfer fielen. -- ÷Balsans÷ Notizen entnahm ich noch Folgendes:

»Um 3 Uhr 55 Minuten erreichen wir 5800 ¯m¯ mit einem Ballastvorrat von

400 ¯kg¯. Wir fühlen uns unwohl. Die Zahl der Pulsschläge ist von 67 auf

81 gestiegen; wir halten nasse Tücher vor den Mund. Unsere Gesichtsfarbe

ist blaß; wir sehen trübe. Wir führen drei Sauerstoffsäcke mit uns. Es

ist beschlossen, daß, wenn einer ohnmächtig würde, sofort der Andere die

Ventilleine ziehen solle.

Um 4 Uhr 18 Minuten schweben wir auf 6450 ¯m¯. Die blasse Farbe und das

Unwohlsein sind mehr oder minder verschwunden. Wir atmen beide

Sauerstoff ein; sobald ein Sack leer wird, füllen wir ihn gleich wieder

aus dem Cylinder mit Sauerstoff. Wir werfen zwei Säcke Ballast aus.

Um 4 Uhr 20 Minuten zeigt das Barometer 6690 ¯m¯ an. Es ist sehr kalt;

die Temperatur beträgt 18°-20° unter Null. Wir werfen noch zwei Säcke

aus und kommen um 4 Uhr 24 Minuten auf 6820 ¯m¯.« --

Für einen ÷Montgolfièren÷-Wettbewerb, welcher für den 1. Juli

festgesetzt war, sind keine Nennungen erfolgt. Diese Konkurrenz mußte

demnach entfallen.

Als Rekordhochfahrt wird noch immer von vielen diejenige von James

÷Glaisher÷ mit dem Aëronauten ÷Coxwell÷ am $5. September 1862$ von

Wolverhampton aus unternommene Fahrt betrachtet, bei der sie angeblich

11.000 ¯m¯ hoch kamen.

Aßmann hat nachgewiesen, daß die Instrumente, deren sich Glaisher

bediente, ganz unrichtige Resultate ergaben.

Die Luftschiffahrt der Gegenwart · 第 2 / 19 段