Der Alte aber war nicht faul, sondern fuhr zum Rechtsanwalt zweimal in
der Woche, denn er wollte den Enkelsohn in den Händen behalten.
Als der Todestag des Jurris sich eben gejahrt hatte und sein Grab von
frischen Blumen noch voll war, erschien der Jozup von neuem auf dem
Hofe.
Diesmal hatte er es so einzurichten gewußt, daß er die Marinke allein
sprach.
Sie kam mit einem Wäschekorb von der Bleiche und lief ihm gerade in die
Arme.
»Ich habe deinem Willen nicht entgegengestanden,« sagte er, »und Geduld
bewiesen ein Jahr lang. Aber nun ist sie zu Ende, und darum frage ich
dich: Wann wirst du mir das Jawort geben?«
Sie schaute um sich, wie sie der Antwort entgehen könne, aber niemand
war weit und breit.
»Deine Mutter ist mir böse gesinnt,« sagte sie. »Und du wirst zu ihr
stehen gegen mich.«
»Meine Mutter ist dir böse gesinnt,« entgegnete er, »weil sie sich
ärgert, daß du ein fremdes Kind ins Haus bringen wirst. Daß es mein
eigenes ist, darf sie nie erfahren, sonst würde sie's ausschreien bis
hinter Prökuls.«
»Es _ist_ auch nicht dein eigenes!« rief sie. »Das weißt du, und wenn du
es nicht weißt, dann schwör' ich es dir.«
Aber er lachte sie aus. »Der gute Jurris ist tot,« sagte er. »Darum will
ich so tun, als hättest du Recht. Wenn du aber denkst, ich würde zu ihr
stehn gegen dich, dann kennst du mich falsch. Ich bin nach dir
ausgewesen wie ein Verrückter, seit ich dir auf Augustenhof die erste
Kanne vom Wagen gab. Ich habe mit meiner Mutter die Sache beredet bei
Tag und bei Nacht, aber die verfluchten Enskys sind fixer gewesen als
ich. Ich hab' ihnen den Hof anzünden wollen über dem Kopf, -- ich habe
den Jurris -- na, nun ist egal, was ich wollte mit deinem Jurris. Aber
hast du dir nie gedacht, warum ich da saß Abend für Abend neben ihm auf
der Deichsel? Hast du geglaubt, daß ich ein Augenschmeißer bin und
weiter sonst nichts? Ich hab' kein Wort von meinem Zustand zu dir
geredet, denn schaliges Bier lieb' ich nicht, und den Bettler beißen die
Hunde. Aber das hättest du wissen müssen, daß du mich entzweischneiden
kannst mit dem Hackmesser, und ich würde noch nicht den Finger heben
gegen dich. _Ich_ sollte zur Mutter stehn gegen dich? Ja, Marjell, was
dachtest du von mir?«
Wie er das sagte, geschah es zum ersten Male, daß sie ihm recht in die
Augen sah. Und es war, als spritze Feuer daraus, und es war, als sei
eine Wendezeit gekommen und jage sie auf unbetretene Wege.
Ihre Seele wand sich vor ihm und konnte seinem Willen doch nicht
entweichen.
»Die Eltern werden es nicht zugeben,« sagte sie, um doch etwas zu sagen.
»Welche Eltern? Deine oder dem Jurris seine?«
»Meine sind froh, wenn sie mich los sind,« entgegnete sie, »aber diese
hier lassen mich nicht mehr weg.«
»Wenn der Habicht kommt, fliegt selbst die Krähe vom Neste, und um zwei
solche Grasmücken sollt' ich mich kümmern?«
»Sie haben das Kind zum Erben bestimmt. So ein Glück kommt nicht
wieder.«
»Ich habe ihm auch einen Hof zu vererben, wenn ich das will.«
»Hier geht es nicht nach deinem Willen, das weißt du sehr gut. Denn
eigene Kinder kommen zuerst.«
Der Jozup war rasch von Begriffen. Er sah gleich ein: wenn er nicht
drohte, kam er zu nichts.
»Na, gut,« sagte er, »dann muß ich doch wohl meiner Mutter erzählen, was
zwischen uns passiert ist an jenem Sturmtag, als dem Jurris sein Kahn
koppheister schoß. Was weiter geschieht, dafür wird _sie_ dann schon
sorgen.«
Die Marinke sah vor sich nichts als Schmach und Beschmutzung. Und auch
des Jurris' Andenken würde beschmutzt sein bis in die Ewigkeit. Darum
wurde sie stark in ihrer Schwäche und sagte: »Ein Eid gilt dir nichts,«
-- daß er auch ihr einmal wenig gegolten hatte, daran dachte sie nicht
-- »und so schwör' ich erst gar nicht. Aber was ich jetzt sage, das ist
so wahr, wie daß der Jurris nicht wiederkommt. Wenn du mich heiraten
willst, so werd' ich nicht widerstehen und werd' auch das Kind bei mir
behalten, bis wir beide ein eigenes kriegen. Dann muß es zu denen
zurück, die es beerben wird. Sagst du aber deiner Mutter oder sonst
einem auf der Welt, was du mir angetan hast, dann nehm' ich mir am
selbigen Tage den ersten besten Kahn von denen, die am Ufer stehen, und
fahre hinaus und komme nicht anders wieder, als einstmals der Jurris
kam. Nun weißt du's.«
Damit hob sie den Wäschekorb auf und schritt an ihm vorüber dem Hofraum
zu.
Er aber hatte seinen Willen. Und was heute noch daran fehlte, das mußte
die Zukunft ihm bringen, wenn die Marinke erst ganz in seiner Gewalt
war.
Am nächsten Vormittag kam die Alte auf Freischaft.
Sie sah noch böser, noch verdrossener aus, und als sie die Marinke
küßte, war's ihr, als gösse der blankzähnige Mund ein Gift über sie aus.
Aber sie widerstand nicht mehr.
Mochte die gute Mutter ihr auch weinend Rücken und Hände streicheln,
mochte der gnitschige Vater ihr ein Viertel von seinem Vermögen
versprechen, -- sie blieb fest. Und auch was mit dem Kinde werden
sollte, bestimmte sie nach ihrem Willen.
Der alte Enskys hatte schon alles besorgt, was nötig war, um den Enkel
an eigener Kindesstatt anzunehmen, aber das durfte nun erst in Kraft
treten, wenn Marinkes Leib von neuem gesegnet war. Bis dahin sollte der
Kleine bei seiner Mutter verbleiben, und der Jozup durfte die
Vaterrechte ausüben, wie jeder Stiefvater es tat.
So wurde es festgemacht, und niemand sagte mehr Nein.
9
Die Hochzeit wurde bald nach dem Erntedankfest gefeiert. Die alten
Enskys hatten sie ausgerichtet, besser noch, als ob die Marinke ihres
Sohnes richtige Frau gewesen wäre. Wer einen Stein auf ihre Sittsamkeit
hatte werfen wollen, dem fiel er nun aus der Hand. Und nur die alte
Wölfin grollte und kicherte höhnisch in sich hinein.
Am Morgen des ersten Tages -- lange vor Sonnenaufgang -- war Marinke auf
den Kirchhof gegangen, um von dem Grabe des Jurris Abschied zu nehmen,
denn daß ihre Gänge hierher von nun an nicht gern gesehen sein würden,
das ahnte sie wohl. Sie betete und stärkte sich für das schwere Leben,
das vor ihr lag. Auch bat sie ihm noch einmal alles Unrecht ab, das sie
ihm im geheimen angetan hatte und wodurch er auch schließlich zu Tode
gekommen war.
Sie wußte, daß ihr künftiges Dasein wohl nichts wie eine große Buße sein
würde, und die nahm sie auf sich mit Freuden.
Am frühen Vormittag kamen ihre Eltern angefahren. Auch die zwei
erwachsenen Brüder fanden sich ein, die waren zu Pferde gekommen.
Obgleich alle vier sie oftmals herzten und küßten, erschienen sie ihr
nur wie weitläufige Verwandte. Sie hatte sie ja auch seit Jahren kaum
noch gesehen.
Die Stiefmutter, deren Mißgunst sie einst von hinnen getrieben hatte,
schämte sich ein wenig, daß die Hochzeit nicht im Vaterhause
ausgerichtet worden war, und erzählte jedem, mit dem sie bekannt wurde,
es wäre nur der weiten Entfernung wegen nicht geschehen und außerdem,
weil die Eltern des verstorbenen Bräutigams durchaus darauf bestanden
hätten, das Fest an Ort und Stelle zu feiern. Und noch drei oder vier
sonstige Gründe führte sie an.
Der Vater hatte das Heiratsgut gleich mitgebracht und trug den Beutel
mit den vielen Goldstücken immer in der Hand. Er blickte bei jeder
Gelegenheit nach der Stiefmutter hinüber, und man erkannte wohl, daß er
keinen anderen Willen besaß als den, den sie ihm eingab.
Sobald sie eingesehen hatte, daß die Marinke in diesem Hause wie eine
Tochter geehrt wurde und die Gefahr, sie könne vielleicht einstmals
hilfesuchend bei ihr anklopfen, nicht bestand, trat sie an sie heran,
umarmte sie und sagte, so laut, daß die Enskene es hörte: »Du wirst
hoffentlich dessen gedenk sein, meine Tochter, daß du in deinem
Elternhause eine Zuflucht hast und keine Fremden brauchst, dich zu
beschützen.«
Und die Enskene erwiderte darauf: »Ebenso wirst du hoffentlich dessen
gedenk sein, meine Tochter, wer eigentlich die Fremden sind.«
Obgleich die Stiefmutter durch diese Gegenrede gedemütigt wurde, schwieg
sie ganz still, denn sie hatte erreicht, was sie wollte.
Das Kind begehrte keiner von der Familie zu sehen, und es wurde ihnen
auch nicht gezeigt.
In der Kirche sah die Marinke den Jozup an diesem Tage zum ersten Male,
denn es war damals in manchen Orten noch Sitte, daß Braut und Bräutigam
-- jeder mit seinem Anhang -- gesondert zur Kirche fahren und nicht
früher zueinandertreten, als bis der fromme Gesang zu Ende ist und der
Pfarrer vor dem Altare steht, den Segen über sie zu sprechen.
Auf der rechten Seite saßen die Brautgäste, und die auf der linken, die
zu dem Bräutigam gehörten, sahen feindlich herüber.
Die hatte die Alte schon alle aufgehetzt, weil die Marinke keinen
Rautenkranz trug, sondern bereits das dunkle Frauentuch angelegt hatte,
das ihre blonden Haare umschlang und verdeckte.
Und das kam daher, daß sie eine Entweihte war, wie die alte Wölfin jedem
zuraunte, der es längst wußte und nichts dabei gefunden hatte, bis die
Verachtung so in ihm wach wurde.
Der Jozup sah und hörte nichts von dem allen. Er starrte bloß immer mit
einem wilden und freudigen Leuchten des Auges zu der Marinke herüber,
als wollte er ihr zurufen: »Hab' ich dich endlich?«
Und sie neigte den Kopf in Ergebung, als müßte sie ihm erwidern: »Ja,
nun hast du mich ganz.«
Und als der Pfarrer hernach das Jawort von ihr verlangte, sprach sie es
so hell und deutlich, als hätte statt des Jozup der Jurris an ihrer
Seite gestanden.
Die Enskene aber schluchzte hell auf. Auch sie gedachte dessen, der in
der Erde lag.
Die alte Sitte hierorts verlangt, daß Braut und Bräutigam vom Kruge aus,
wo die Trauung begossen wird, ein jeder gesondert nach Hause fahren, um
erst am zweiten Tage der Feierlichkeiten fürs Leben zusammenzukommen;
aber der folgte man nicht mehr, sondern schlug, wie es jetzt immer
üblicher wurde, gemeinsam den Weg zur Brautwohnung ein.
Der Jozup saß neben seiner jungen Frau. Er sprach nicht zu ihr und sah
sie nicht an, aber wenn beim Fahren ihre Achsel gegen die seine schlug,
zitterte er wie ein Kranker, so daß ihr angst und bange wurde. Und noch
bänger wurde ihr, wenn sie sich umwandte und auf dem zweiten Wagen die
Alte sitzen sah, die die Lippen eingekniffen hatte und deren Blick sie
durch und durch stach.
»Er wird mich mit seiner Liebe fressen,« dachte sie, »und die Alte mit
ihrem Haß.«
In dem Hochzeitshause war alles aufs Beste gerichtet. Die Türrahmen mit
Gewinden umgeben und Ehrenpfosten bis an das Hoftor. Die Tische konnten
all die guten Gerichte nicht fassen. Da gab es Rindfleisch mit Reis und
Pflaumen mit Klößen, auch Schweinebraten gab es und Neunaugen, gewürzt
und gesäuert. Und noch vieles andere mehr, von dem süßen Fladen gar
nicht zu reden. Zum Trinken war da: Braunbier und Alaus und Kirschen-
und Kornschnaps -- alles sehr reichlich.
Im Brautwinkel, wo neben dem jungen Paare die vornehmsten Gäste sitzen,
stand sogar in hochhalsigen Flaschen der teure Portwein; der war aus
Memel extra verschrieben.
Aber allen diesen Herrlichkeiten zum Trotz wollte eine behagliche oder
gar freudige Stimmung nicht aufkommen. Die Verwandten des Bräutigams
hielten sich abseits von den Verwandten der Braut, giftige Blicke flogen
hin und her, und wer beiden Seiten freundlich gesinnt war, der sah mit
Sorge, daß, wenn das Haderwasser erst seinen Dienst tat, giftige Reden
nachfolgen würden.
Zum Überfluß hetzte die alte Wilkene noch immer. Ihr Sohn habe was
Besseres verdient, als Jungfernkinder großzuziehn, und niemandem könne
es als Ehre gelten, auf einer Hochzeit zugegen zu sein, bei der die
Brauteltern, anstatt sie auszurichten, sich als Gäste breitmachen.
Die beiden Wirtsleute mühten sich umsonst, den drohenden Sturm zu
verscheuchen. Die gute Mutter schleppte Teller und Gläser, als wäre sie
die letzte der eigenen Mägde, und wie mißtrauisch der Alte auch sonst
die Schätze seiner Truhen hütete, heute öffnete er die Deckel weit und
verteilte Handschuhe und Handtücher in Menge, selbst seidengewebte
Jostbänder verteilte er. Die lagen seit hundert Jahren in dunklem
Verstecke.
Aber nichts wollte helfen. Die Magila, die Göttin des Zornes, saß schon
im Rauchfang, und fuhr sie hernieder mit Ruten und Peitsche, dann wehe!
Die arme Marinke traute sich nicht mehr zu reden, zu lächeln, und der
Jozup saß da mit eingekniffenen Fäusten und Augen, die flammten nach
rechts und nach links, als wolle er bald dem, bald jenem stracks an den
Hals.
Und immerzu ging das Getuschel der Alten. Wie ein Messerstich hierhin
und dorthin flog schon ab und zu ein häßliches Wort durch die
eintretende Stille.
Wäre der Pfarrer zugegen gewesen, dann hätte sich wohl alles anders
gestaltet. Er war ja auch geziemend geladen, aber er hatte gleich
abgesagt, und jeder mochte sich denken, weshalb.
Als einziger Deutscher saß der Lehrer unter den Gästen, aber der war
noch sehr jung und besaß nicht Ansehen genug, die Seelen sich untertänig
zu machen.
So konnte das Unheil weiter gedeihen.
Einer der Nachbarn, sonst ein verträglicher Mann, der harmlos gekommen
war, sich zu vergnügen, hob mit einemmal sein Glas und rief zu dem
Brautvater hinüber: »Du -- prost auf die billige Hochzeit!«
Das gab natürlich den Anstoß zu bösem Gelächter. Der alte Tamoszus
sprang auf und wollte dem Höhnenden sein Glas an den Kopf werfen, andere
fielen ihm in den Arm, ein großes Lärmen hub an, -- das Schlimmste
schien nun gekommen.
Da geschah etwas, was niemand geahnt oder für möglich gehalten hätte.
Wäre der Herrgott vom Himmel herniedergestiegen, um Frieden zu stiften,
keiner hätte sich mehr gewundert als jetzt.
Und es war ja auch eine Art von Herrgott, ein »Wieszpatis« war es, der
sich selber bemühte.
Wer kannte nicht die zwei weißen Trakehner, die plötzlich herangebraust
kamen? Wer kannte nicht den Mikas auf dem Bock mit der Mardermütze und
der rotsamtnen Troddel? Wer kannte nicht das Lacklederverdeck mit den
silbernen Bügeln?
Und wer kannte nicht den Mann, der fünf Fuß zehn Zoll hoch mit
blitzendem Auge unter buschigen Brauen und auseinandergestrichenem
dunklem Barte schwer und gewaltig den blautuchenen Polstern entstieg, um
sich dann umzuwenden und einer Dame im seidenen Schleier und seidenen
Mantel aus dem Innern zu helfen?
Ja, wenn _der_ zur Hochzeit kam! Der und die Frau, die alle liebten, wie
man einstmals die Milda geliebt hat, die Göttin, die nicht bloß schön
war, sondern in ihrem Gutsein sich auch zu den Demütigen neigte!
Wenn _das_ geschah, dann gab es nicht Hadern mehr und nicht Hochmut.
Dann gab es keine Entweihte mehr mit dem Frauenkopftuch, da wo der
Rautenkranz und die silberne Krone hingehört hätten. Dann gab es nur
Frieden und Glück und Geehrtsein.
Alle, die vor der Tür und im Hausflur tafelten, erhoben sich stumm von
den Sitzen, und so betraten beide suchend die Stube, in der sein Kopf
die Decke durchstoßen hätte, wenn er sich ganz hätte aufrichten wollen.
Auf den Brautwinkel gingen sie zu und gaben der Marinke freundlich die
Hand, die blutübergossen und stumm den Blick auf die Dielen geheftet
hielt. Und auch den Jozup begrüßten sie -- glückwünschend, daß er solch
eine Frau, deren Wert sie ja kannten, sich zu eigen genommen. Und dann
begrüßten sie die Wirtsleute wie alte Freunde, und sie, die Herrin,
wechselte einen ernsten Blick mit der Mutter, den nur sie beide
verstanden, und die Marinke, die gerade erst aufzusehen wagte.
Ihre Stiefmutter, die eine ansehnliche und immer noch hübsche Frau war,
drängte sich vor, um auch einen Gruß zu bekommen, aber die Herrschaften
achteten ihrer nicht mehr, als ob sie ein Unkraut gewesen wäre.
Und auch die alte Wilkene erkannten sie nicht, oder vielleicht wußten
sie gar nicht, daß eine Bräutigamsmutter noch da war.
Dann setzten sie sich dem jungen Ehepaar gegenüber, und er, der
Wieszpatis, zog einen Kasten unter dem Arme vor und reichte ihn hin. Der
war innen mit Seide gefüttert, und auf der hellblauen Seide lagen
silberne Messer und Gabel und Löffel, die kosteten hundert Taler und
mehr. Das war sicher.
Noch niemals hatte man jemand gekannt, dem zur Hochzeit solch eine Gabe
beschert worden war.
Und der Herr sagte: »Ihr alle sollt daraus erfahren, wie treu die
Marinke mir einstmals gedient hat und wie hoch meine Frau und ich ihre
Dienste heute noch schätzen.«
Sie aber, die Herrin, sagte auf Deutsch, denn Litauisch konnte sie
nicht: »Es muß ein besonderes Glück für Sie sein, Herr Wilkat, daß Sie
dem Kindchen ihres toten Freundes den Vater ersetzen dürfen.«
Da fuhr die Marinke erschrocken hoch, denn des Kindes war heute noch
niemals von einem gedacht worden.