Als sie mit ihm das Netz auf den Handwagen lud, schämte sie sich sehr
vor den Blicken, die sie auf sich gerichtet fühlte. Sie nahm sich auch
nichts zu essen mit und sagte zu keinem: »Ich geh' nun.« Wie eine
Übeltäterin machte sie, daß sie davonkam.
Er zog den Handwagen, und sie schob nach. Aber zu schieben war
eigentlich nichts, denn die Räder drehten sich wie von selber.
Bis zum Haff geht man quer durch die Felder mehr als eine halbe Stunde.
Zuerst war nichts davon zu sehen als ein rötlicher Nebel, wie er morgens
wohl auf den Wiesen liegt, dann aber brach das blaue Wasser durch, hoch
über dem Rohr und dem Buschwerk, und zwischen Wasser und Himmel
blänkerten in der Ferne die Sandberge der Nehrung, anzusehen wie ein
Gürtelband von weißgelber Seide.
Marinke dachte: »Wie schön wird meine Heimat sein!« Sie wollte was
sagen, aber sie traute sich nicht, denn er, der vor ihr ging, drehte
sich nie nach ihr um.
Und so kamen sie dem Ufer immer näher.
Dort standen Schuppen errichtet, um die Kähne aufzunehmen, wenn die Zeit
der Stürme drohte. Jetzt aber, bei stillem Sommerwetter, waren sie nicht
einmal auf den Strand gezogen und schaukelten sich, an Pfähle gebunden,
zwischen Grasbank und Röhricht.
Keiner von den andern, die die Fischgerechtsamkeit haben, war am Ufer zu
sehen. Denn jetzt bei beginnender Ernte gab es zu viel auf den Feldern
zu tun.
Und Marinke fühlte in beklommener Seele, daß auch _seine_ Ausfahrt nur
ihr zuliebe geschah.
Nun lud er das Netz aus dem Wagen, und sie half ihm dabei, obgleich es
auch hier nichts zu helfen gab. Erst wie sie schon draußen waren, weit
draußen im Blauen, wo nur die Ruder klatschten und die Kielwellen
schälten, da forderte er sie auf, ihm beim Auswerfen zur Hand zu gehen.
Und sie verstand auch gleich, was zu tun war, so daß alsbald die
»Pluden« -- das sind die leichten Hölzer, die das Netz obenhalten -- in
schönem Bogen rings um sie herschwammen.
Nun kam eine Zeit der Ausruhe, und die Sonne fing etwas zu stechen an.
»Du hast kein Tuch,« sagte er, »du wirst Kopfschmerzen kriegen.« Und er
holte eine Ölkappe hervor, die sollte sie aufsetzen. Aber sie wollte
nicht, denn sie fürchtete, er werde über ihr Aussehen lachen müssen. Und
das sagte sie ihm auch.
Aber da begann er schon im voraus zu lachen und rief: »Hundertmal
reichen nicht, daß ich dich in der Ölkappe sehen werde.«
Und ohne sich zu besinnen, _was_ sie da sagte, entgegnete sie: »Aber
dann werden wir auch verheiratet sein.«
Noch wie das Wort kaum heraus war, da schämte sie sich schon so sehr,
daß sie sich am liebsten ins Wasser gestürzt hätte. »O Gott, o Gott,«
dachte sie, »jetzt wird er mich für dreist und für zudringlich halten.«
Und weil sie fühlte, daß sie ganz glutrot geworden war und immer noch
röter wurde, drehte sie ihm den Rücken und machte sich klein.